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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
Alle Kapitel
76 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.06.2020 1.769
 
Ich bin wieder mit einem neues Kapitel da. Ich bin nicht verloren gegangen. :D
Ich finde zwar nie wirklich Zeit zum Schreiben, aber ich bin noch da. Und es tut mir leid, dass teilweise so lange Pausen entstehen. Aber ich gelobe auch keine Besserung, weil ich die Versprechen nur wieder breche.

Aber ich wünsche euch mit dem Kapitel jetzt ganz viel Spaß.







Ich war ein paar Kilometer weit gekommen. Der Wind blähte eisig um mich und die Pulloverschicht war nicht annähernd dick genug, um mich vollständig zu schützen. Das Gehen half auch nur bedingt. Ich zitterte zwar nicht vor Kälte, aber das war auch das einzige. Meine Haare hatte ich zu einem Zopf gebunden, der jetzt einen Teil meines Nackens bedeckte. Ich hätte gerne eine Mütze gehabt und Handschuhe und eine dickere Jacke, aber das war alles nicht möglich gewesen.
Im Wald war es dunkel. Einerseits lag es an den dichtgedrängten Bäumen, die kaum noch Licht von oben hereinließen, andererseits daran, dass ich schon eine ganze Weile unterwegs war und die Sonne bald untergehen wollte. Ich musste also bald stoppen und einen Unterschlupf finden.
Es war klar, dass hier keine Hütte zu finden war, aber ich brauchte etwas, das mich vor dem Wind schützte und vielleicht sogar ein kleines Feuer zuließ.

Die Umgebung war fast nur weiß, aber ein Iglu bauen würde zu lange dauern. Der Schnee könnte nur nützen, um Spalten in einem kleinen Holzunterschlupf zu stopfen. Aber dafür brauchte ich erst einmal genug Holz. Ich blieb stehen und sah mich um. Ich war in einem Wald, hier sollte doch genug Material zu finden sein, nur blöd, dass alles verschneit war.
Ich lief noch ein wenig umher, ehe ich eine Stelle fand, an der man mit wenig Material eine geschützte Ecke schaffen konnte.
Ich schaufelte mit meinen Händen kleine Schneehügel auf, in denen ich ein paar kleinere Äste steckte, die ich von den Bäumen abbrach. Ich nahm alles, was mir zur Verfügung stand. Ich kletterte ein Stück auf die Bäume und trat die Äste ab. Ich fand auch einen spitzen Stein beim Graben, den ich nutze, um kleine Schnitte in die Äste zu machen.

Als es fast ganz dunkel war, hatte ich tatsächlich einen kleinen Unterschlupf gebaut. Er war nicht groß und auf der einen Seite offen, aber er würde für die Nacht reichen. Unsicher sah ich mich im Dämmerlicht um. Ich brauchte Feuer. Und ich wusste wie man das machte. Ein gutes hatte das Leben im Labyrinth gehabt: Ich hatte genug gelernt, um hier draußen für eine gewissen Zeit zu überleben.


Ich stapelte ein paar kleinere trockene Äste und Tannennadeln zusammen. Das größte Problem hier war tatsächlich trockene Materialien zu finden bevor es dunkel wurde.
Nach einer kleinen Ewigkeit hatte ich es endlich geschafft und pustete meine Glut an. Rauch stieg auf und traf mein Gesicht. Tränen sammelten sich in meinen Augen, aber das war es wert. Zwei Minuten später konnte ich mein kleines Feuer betrachten, das ein Stückchen weiter wuchs. Ich hatte es geschafft. Jetzt musste ich nur aufpassen, dass das Feuer nicht ausging. Ich kroch in meine kleine Ausbeulung und zog die Beine an den Körper. Mit der Nacht kam auch die Müdigkeit. Hunger hatte ich in der ganzen Aufregung kaum verspürt und auch jetzt hatte ich nicht das Bedürfnis etwas zu essen. Ich hatte es tatsächlich getan. Ich war ANGST entkommen, aber mit welchen Konsequenzen. Ich hatte Newt dort gelassen. Jetzt wirkte es wie ein Fehler, aber er würde ein besseres Ende finden. Er würde gerettet werden. Für mich war es zu spät.
Ich legte einen weiteren dicken Ast ins Feuer und hielt meine halbgefrorenen Finger an die Flammen. Die Hitze des Feuers brannte an meinen Händen, aber bis wieder ich einigermaßen aufgetaut war würde noch dauern. In meinem Kopf juckte es und über das Knacken des feuchten Holzes brachen auch die Stimmen wieder über mir ein. Ich konnte ihnen nicht entkommen. Ich konnte sie vergessen, wenn ich mich konzentrierte, aber sobald mein Körper den Adrenalinausstoß beendete, tauchten sie ungefragt wieder auf. Sie waren wie mein Schatten. Ich drückte verzweifelt meine Hände an die Ohren. Hoffnung sie so nicht in meinen Kopf reinkommen zu lassen, aber sie blieben wo sie waren. Warfen mir die übelsten Vorwürfe entgegen. Schrien sich gegenseitig an und brachten mich zum Schwitzen.
Tränen traten aus meinen Augen und verzweifelt schlug ich mir gegen den Kopf. Wieso konnten sie mich nicht einmal hier allein lassen? Ich wollte doch nur meine Ruhe. Ich wollte doch nur endlich Frieden.
Ohne es bewusst zu merken fiel ich langsam zur Seite und zog meinen Körper zusammen. Ich war nur noch ein kleiner menschlicher Ball unter einem Dach von Ästen, der versuchte allem zu entkommen.
Über die Tränen und Rufe in meinem Kopf verlor ich irgendwann den Überblick und schlief neben dem leise knackenden Feuer ein.


*


Die Sonne tauchte alles in rotes Licht. Mir war wieder kalt, das Feuer war über die Zeit hinweg ausgegangen. Es war zu klein gewesen und so hatte ich nicht einmal mehr etwas Glut übrig. Ich musste also entweder ein neues machen oder mich bewegen, sonst würde ich erfrieren. Die Stimmen hatten sich nicht verzogen, waren aber auch nicht lauter geworden als gestern. Ich hatte Angst, dass sie mich vollkommen einnehmen würden. Was wäre, wenn ich irgendwann meine eigene Stimme nicht mehr hörte? Was würde passieren, wenn ich nur noch die anderen Stimmen hatte? Wäre es dann vorbei? Der Gedanke ließ mich schaudern und ich sprang auf, um endlich etwas anderes zu tun.
Ich wusste nicht wie nah ich am Gebäude von ANGST war, aber ich musste noch weiter weg. Nein, ich wollte weiter weg. Ich konnte es nicht ertragen Newt so nah zu sein. Ich musste so viel Abstand wie möglich zwischen uns bringen. Ich musste mich endgültig von ihm und den anderen verabschieden. Ich hatte eine Entscheidung getroffen und ich konnte nicht mehr zurück.

Ich aß etwas von dem eingepackten Essen, Hunger hatte ich immer noch nicht wirklich, aber mein Körper brauchte es. Ohne würde ich hier nicht weiterkommen. Aber da war das nächste Problem. Ich würde nicht ewig Essen haben und hier bei der Kälte gab es nichts. Keine Beeren, keine Pilze und auch keine Nüsse. Ich musste weiter.
Bevor die Sonne alles erhellte war ich unterwegs und lief weiter in eine unbestimmte Richtung. Ich kannte mich außerhalb von ANGST nicht aus. Ich wusste nicht, was hier war. Gab es irgendwo eine verlassene Stadt? Oder doch nur Kilometerbreiten Wald? Ich wusste es einfach nicht, nie hatte jemand darüber gesprochen. Sie hatten darüber geredet, wie der Virus die Städte einnahm und immer mehr Menschen starben, aber ich wusste nichts von dem was hier war. Ich wusste ja nicht einmal wo hier war. Leise seufzte ich, während ich mich weiter durch den Schnee, der bis zu meinen Knöcheln reichte, kämpfte.

Ich war wieder ein Stück weiter gekommen, als ich mir einbildete etwas zu hören. Leises Knirschen breitete sich im Wald aus. Kurz blieb ich stehen. Konnte ich mir das nur einbilden? Nach kurzem Hören erkannte ich das Knirschen als Schritte. Mein Herz fing automatisch an schneller zu schlagen. Wer sollte hier sein? Hatte ANGST doch einen Suchtrupp nach mir geschickt? War das ein Crank auf Nahrungssuche? Panik stieg in mir auf und brannte wie Säure in meinem Hals. Ich hatte nichts um mich zu verteidigen. Ich musste mich verstecken. Aber wo? In einer Landschaft wo alles weiß war würde ich doch sofort auffallen. Ich konnte nicht fliehen, das würde zu laut sein. Sollte ich auf einen Baum klettern?
Das Knirschen war bedrohlich nah und mir blieb nicht mehr Zeit darüber nachzudenken. Ich stellte mich hinter einen dicken Baumstamm, versuchte so leise wie möglich zu atmen und die Richtung zu erkennen, aus der der jemand kam.
Erschrocken starrte ich auf den Boden. Ich hatte verloren. Meine Fußspuren waren deutlich im Schnee zu erkennen. Ich musste schnell etwas unternehmen. Ich verließ mein Versteck und ging weiter. Ich versuchte so leise wir möglich zu sein, aber der Schnee war so laut und die Schritte kamen immer näher.
Hatte der jemand meine Spur schon entdeckt? Mein Herz klopfte wild in meiner Brust. Meine einzige Chance war schneller zu sein.

„Hallo?“ Erschrocken zuckte ich zusammen. Nein, das war nicht möglich. Ohne weiter nachzudenken rannte ich los. Die Schritte hinter mir wurden lauter. Er war schneller als ich. „Felina?“ Aber ich konnte mich nicht umdrehen. Ich kämpfte mich weiter durch das Dickicht, ihn direkt hinter mir.  Aber er war zu schnell, dass war er schon immer gewesen. Ich würde ihm nicht entkommen. Ich stoppte in der Bewegung und drehte mich um. Dort war er, keine zehn Meter weg von mir.


„Felina?“ Ich ging langsam ein paar Schritte zurück, bis ich einen Baumstamm im Rücken spürte. Auch er kam näher.  Wie war er hierhergekommen? „Thomas? Was… was tust du hier?“ „Ich bin auf dem Weg zu euch gewesen. Aber was machst du hier? Ich dachte du bist bei Newt. Du solltest doch auf ihn aufpassen.“ Ich schüttelte den Kopf. Tränen machten sich schon wieder bemerkbar und ich verfluchte mich, dass ich mich gar nicht mehr unter Kontrolle hatte. Thomas kam einen Schritt auf mich zu und sofort stoppte ich ihn. „Halt, komm nicht näher. Ich… ich…“ Was sollte ich ihm sagen? Ich hatte meine einzige Aufgabe nicht erfüllt. Ich hatte die anderen allein gelassen um sie vor mir zu retten. Er sah mich einfach nur stumm an. Wir hatten unser Wiedersehen bestimmt ganz anders erhofft, aber es war nichts mehr wie früher.
„Warum bist du hier? Und wo ist Newt?“ Ich schluckte schwer. „Er ist in Sicherheit.“ Meine Stimme zitterte, ob es von Kälte kam oder nicht wusste ich nicht. „Wo ist er Felina?“ Ich sah Thomas traurig an. „Er ist bei ANGST, sie schützen ihn.“ Thomas kam wieder einen Schritt näher, aber ich stoppte ihn wieder. „Thomas, geh! Ich bin nicht gut für euch. Ihr müsst mich ziehen lassen. Ihr müsst mich vergessen.“ Thomas sah mich schockiert an. „Was ist los mit dir? Felina, verdammt. Was ist passiert?“ Heiße Tränen liefen meine Wange herunter. „Ich werde sterben, Thomas. Ich werde das hier nicht überleben.“ Thomas schüttelte heftig den Kopf. „Was ein Klonk. Du stirbst nicht! Wir retten dich. Dich und Newt und die anderen. Das haben wir doch gesagt.“ Ich schüttelte den Kopf. „Newt ist gesund. Ich nicht. Ich werde sterben.“ „Wie gesund?“ Weitere Tränen liefen mein Gesicht herunter. „Er ist geheilt Thomas. Er hat keinen Virus mehr in sich.“ Mein Gegenüber war wie versteinert. Er suchte mit seinen Augen mein Gesicht ab, suchte nach einem Hinweis darauf, dass ich ihn anlog. Aber das tat ich nicht.
„Newt lebt und ist gesund.“
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