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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
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Dieses Kapitel
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06.10.2019 1.829
 
„Wer sagt mir, dass es wirklich funktioniert? Es kann ja sein, dass die Erreger wiederkommen.“ Newt sah nervös auf die Spritze. „Das ist jetzt zwanzig Minuten her, es ist nichts mehr passiert, Newt. Bis jetzt kamen immer sofort Nebenwirkungen. Das hier ist anders.“ Dr. Morn sprach mit ruhiger Stimme, aber ich könnte an dem leichten Zittern seiner Hand sehen, dass er auch so aufgeregt war. Newts Augen wanderten zu mir. „Ich vertraue denen nicht, das weißt du.“ Ich nickte leicht. Natürlich wusste ich das. Ich wusste selbst nicht warum ich ANGST jetzt vertraute. Vielleicht weil es die erste richtige Chance war Newt zu retten.
„Was ist denn mit dir? Wirkt es auch bei dir?“ Etwas verwirrt sah ich Newt an. Ich hatte bis jetzt nicht an mich gedacht. Newt hatte Priorität, mir ging es noch lange nicht so schlecht wie ihm.
„Ähm, ich denke schon." Ich sah den Arzt neben mir an. „Das bekommen wir ganz schnell raus." Er schritt zielstrebig auf den Computer zu und tippte ein paar Sachen ein, dann starrte er wie gebannt auf den Bildschirm und sah dann mich an. „Was ist los? Habe ich die gleiche Blutgruppe?" Der Arzt schüttelte den Kopf. „Nein. Nein, hast du nicht." Verwirrt von der Art wie Dr. Morn es sagte ging ich zu dem Computer. Newt war ebenfalls aufgestanden und folgte mir. „Welche Gruppe habe ich denn?" Der Arzt zeigte auf eine Spalte auf dem Dokument. „Die seltenste. 0 negativ." Ich sah den Arzt an. „Was heißt das jetzt für mich?" Ich suchte nach Newts Hand, die er mir auch sofort gab. „Du kannst nur das Heilmittel aus dem Blut einer weiteren Person mit 0 negativ bekommen. Und ich müsste jetzt gucken, ob wir überhaupt einen im System haben." Newt drückte meine Hand. „Das bedeutet, dass Felina vielleicht kein Heilmittel bekommt?" Der Arzt nickte langsam mit dem Kopf. Die vorherige Freude endlich Newt zu retten war wie weggeblasen.

„Ich werde das Zeug nicht nehmen, wenn ich nicht weiß, dass du auch überleben wirst." Ich schüttelte den Kopf. „Newt, dir geht es viel schlechter als mir. Wenn du das nicht nimmst, wirst du vielleicht die anderen nie wieder sehen." „Das Risiko war bereits vorher da." Ich schüttelte energisch den Kopf und zog Newt an der Hand weg von dem dunkelhaarigen Arzt.

„Newt, du bekommst die Chance weiter zu leben. Du wirst geheilt, du kannst deine Schwester wiedersehen und auch die Jungs." Newt zuckte zurück. „Meine Schwester?" Ich sah ihn stumm an. Ich hatte vergessen, dass Newt seine Erinnerungen nicht wieder hatte und deshalb auch nichts von Sonya wusste. „Felina, ich habe eine Schwester?" Ich nickte. Newt ließ meine Hand los und sah mich mit leeren Augen an. „Warum hast du mir das die ganze Zeit nicht gesagt?"
Wenn ich jetzt darüber nachdachte, konnte ich es selber nicht verstehen. „Es kam nie wirklich auf. Und ich habe vergessen, dass du es nicht weißt." Newts Augen funkelten dunkel, dunkel vor Wut. Ich wusste, dass es nicht nur wegen mir war. Nein, es war wieder der Virus. Es wurde schlimmer. Newt brauchte das Heilmittel. „Wie konntest du mir so etwas vorenthalten. Bin ich dir wirklich so egal? Ich habe mehr von dir gehalten, Feli." Ich zuckte bei den harschen Worten zusammen. Eben war alles noch so schön gewesen, wir hatten ein Heilmittel gefunden und jetzt musste ich hoffen, dass Newt sich noch unter Kontrolle hatte. „Newt, das Heilmittel wird dir helfen." Die Hände des Blonden waren zu Fäusten geballt und seine Miene zeigte keine Regung. Er war auf einmal so kalt wie Stein. „Ich vertraue euch nicht. Du gehörst zu ihnen. Du arbeitest mit ihnen zusammen, deswegen musste ich auch hier bleiben. Das sind alles nur weitere Versuche oder? Ihr habt euch alle gegen mich verbündet. Du bist das Letzte!“ Ich zuckte zurück und knallte mit dem Rücken gegen die kalte Wand. Newt war mir bedrohlich nahe und Adrenalin breitet sich in meinem Körper aus. Ich musste mit allem rechnen. Newt hatte sich nicht mehr unter Kontrolle.

Bevor mich Newt jedoch erreichte, sackte er auch schon zusammen und wurde von Dr. Morn festgehalten. „Hilf mir mal, Felina.“ Gemeinsam mit dem Arzt zog ich den bewusstlosen Newt auf das kleine Sofa. „Was haben Sie gemacht?“ Der Braunhaarige hielt eine Spritze nach oben. „Ein einfaches Beruhigungsmittel. Ihm ist nichts passiert.“ Ich nickte und sah dann auf den schlafenden Newt. Er wirkte auf einmal kein bisschen bedrohlich mehr. Er war wie ein schlafender Engel, weshalb ich die Entscheidung für ihn traf. Und wenn er mich für den Rest seines Lebens hassen sollte, es war besser so für ihn.
„Geben wir ihm die Spritze.“

Ich hielt Newts Hand während der Arzt ihm das Mittel versetzte. Meine Hände zitterten so stark, dass ich ganz verkrampft meine Fingernägel in seine Hand grub. „Felina, du solltest ihn nicht noch verletzen. Lass locker.“ Ich machte, was der Arzt sagte und rückte ein Stück weg von Newt.
„Wann wird er wieder aufwachen?“ Der Arzt zuckte mit den Schultern. „Normalerweise nach einer guten Stunde, aber wenn sein Körper das Heilmittel verarbeitet, kann sich durchaus die Spanne verlängern oder verkürzen. Wir müssen einfach abwarten und ihn im Auge behalten.“ Ich nickte und strich vorsichtig über Newts Arm.


*


Wir hatten Newt ein Kissen unter den Kopf geschoben und uns stattdessen wieder dem Computer gewidmet. Während wir nach einem passenden Spender suchten, wanderten meine Augen immer wieder zu Newt. Aber dieser hatte sich nicht mehr bewegt.
„In der Datenbank über die Mitarbeiter finde ich leider niemanden. Und auch den Immunen in den Städten, die wir noch betreuen finde ich keinen.“ Ich schüttelte den Kopf. „Gibt es keinen mit meiner Blutgruppe?“ Der Arzt sah mich traurig an. „Die Datenbank zeigt auch nicht jeden. Wir haben nur Informationen über die, die sich auch bei uns gemeldet haben.“ Meine Laune war ziemlich am Boden, dazu kamen diese Kopfschmerzen, die sich im vorderen Teil meines Kopfes bemerkbar machten. Aber ich war auch schon lange wach und hatte nichts getrunken.
„Was ist mit den Immunen aus dem Labyrinth?“ Der Arzt sah mich an. „Ich habe sie ausgeschlossen, wir haben ihnen ja trotzdem mutierte Erreger gespritzt, ich kann nicht sagen, ob die vollständig abgebaut sind.“ „Sehen Sie trotzdem nach, vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit.“ Der Arzt sah mich kurz stumm an, dann tippte er einen Befehl in den Computer und eine weitere Akte öffnete sich. „Wir haben jemanden, aber er ist nicht hier.“ Ich beugte mich nach vorne und las den Namen der Person. „Thomas wäre der Spender?“ Ich bekam ein Nicken und ich lehnte mich zurück. „Ich weiß nicht wo er ist.“ „Das habe ich befürchtet.“

Ein leises Stöhnen kam von der Couch und wir drehten uns beide um. Schnell warf ich dem Arzt einen ernsten Blick zu, er durfte Newt nichts sagen, weder von dem Heilmittel noch von Thomas. Der Arzt nickte und ich ging vorsichtig auf den Blonden zu. „Wie geht es dir?“ Der Angesprochene hielt sich den Kopf. „Schummrig, ich weiß nicht. Was ist als letztes passiert?“ Ich hockte mich neben Newt und nahm seine Hand. „Du bist wütend geworden, wir haben dir eine Beruhigungsspritze gegeben.“ Newt nickte und hielt sich den Kopf. „Ich verstehe gar nicht, warum ich so reagiert habe. Jetzt verstehe ich es gar nicht mehr. Es tut mir leid.“ Ich winkte ab. „Newt, ich hätte dir einfach die Wahrheit sagen sollen. Ich wusste einfach nicht wie. Deine Schwester ist etwas, was ich dir nicht hätte vorenthalten dürfen.“ Newt sah mich traurig an. „Wer ist meine Schwester? Kenne ich sie?“ Ich nickte. „Es ist Sonya.“ Newt nickte: „Ich würde sie gerne noch einmal sehen.“ Ich nickte, ließ das Heilmittel aber nicht zu Wort kommen. Er sollte so wenig wie möglich wissen. Ich wollte ihn nicht noch mehr Sorgen machen. Er musste erst einmal das verstehen, was er schon wusste.


***


Newt und ich hatten uns nach dem Abendessen erschöpft voneinander verabschiedet. Ihm schien keine Veränderung an sich aufgefallen zu sein. Mir jedoch ging es nicht besser. Dir Kopfschmerzen waren auch nach dem Essen nicht verschwunden und ich hatte mich recht schnell von Newt verabschiedet.
Mein Zimmer war mittlerweile dunkel, aber in meinem Kopf pochte es. Ich wusste, dass ich nicht mehr lange hatte, bis auch ich so anfing wie Newt, aber wir hatten nicht die Zeit dafür. Die anderen waren nicht da und ohne sie konnten wir nicht weg.

Ich hatte noch eine Spritzen bei mir, die ich für Newt hatte mitgehen lassen. Zittrig drückte ich die Nadel in meinen Arm und hoffte, das sie auch bei mir funktionieren und die Schmerzen nachlassen würden. Müde legte ich mich in das Bett und schlief nach wenigen Minuten ein.


*


Geweckt wurde ich von Newt, der sich über mich beugte. Er wirkte leicht wild, aber nicht wütend. „Newt? Was ist los? Es ist mitten in der Nacht.“ Newt schüttelte den Kopf. „Es ist schon fast Mittag. Und du schläfst immer noch.“ „Oh.“ Ich setzte mich auf und sah mich immer noch mit müden Augen um. Ich hatte nicht das Gefühl lang geschlafen zu haben. „Es fängt bei dir an oder?“ „Wie?“ Ich sah Newt an. „Der Brand. Er wird stärker bei dir oder?“ Ich nickte schwach. Ich wollte es mir wohl nicht wirklich eingestehen, aber es war nicht besser als gestern. „Ich habe eine Frage und du versprichst mir sie ehrlich zu beantworten.“ Newt setzte sich zu mir aufs Bett. Ich wusste schon, welche Frage er stellen würde und wagte gar nicht erst, Newt körperlich näher zu kommen. Nein, ich drückte mich sogar noch ein wenig näher an die Wand. „Habt ihr mir gestern die Spritze gegeben?“ Ich sah Newt an und dieser seufzte. „Ich wollte es nicht, Felina. Ich habe gesagt, dass ich damit nicht einverstanden bin, solange du nicht auch geheilt werden kannst.“ Ich seufzte leise und Newt rückte näher. Ich hatte erwartet, dass er sauer wird, aber nichts davon passierte. „Es wirkt, du hattest recht. Aber ich möchte nicht in einer Welt leben, in der meine Freunde nicht mehr da sind. Ich hätte gerne ein Mitspracherecht gehabt.“ Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Ich habe es entschieden, es ist meine Schuld. Ich wollte dir nicht weh tun, aber ich konnte nicht länger zusehen, wie du dich selber verloren hast. Es tut mir leid.“ Die Tränen rannen meine Wangen herunter und landeten in meinen Handflächen. Newt zog mich an sich und drückte mir einen leichten Kuss auf den Kopf. „Ich bin nicht wirklich böse, ich verstehe dich, aber wir brauchen auch ein Mittel für dich und die anderen.“ Noch mehr Tränen liefen mein Gesicht herunter. Newt hatte keine Ahnung wie unwahrscheinlich das war und ich wollte ihm die Wahrheit nicht sagen. Ich wollte ihm so lange wie möglich vorspielen, dass alles gut werden würde.
Ich wischte die Tränen weg und setzte ein Lächeln auf. „Dann sollten wir wohl weiter suchen.“ Newt nickte und nahm mich an der Hand und zog mich mit.
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