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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
Alle Kapitel
76 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.04.2019 1.729
 
Seht her, ich habe es auch mal wieder geschafft.
Ich weiß, es ist länger her, sogar länger als ich es mir vorgestellt habe, aber ich habe einfach nicht die Zeit gefunden.
Deswegen habe ich mir jetzt einfach mal die Zeit genommen und wenigstens ein wenig geschrieben. Es ist nicht das längste Kapitel, aber es ist zumindest ein Anfang.
Also ich hoffe einfach, dass ihr euch auch über das bisschen freut und wünsche euch noch einen schönen Abend/ ein schönes Wochenende.





Unsicher wanderte mein Blick die kleinen Hütten ab. Ich dachte, dass Newt und ich hier allein sein würden. In meinem Kopf war ich von einem Ort ausgegangen, an dem alles ruhig war, wo wir nicht gefunden werden konnten. Aber ich hatte mich getäuscht. Hier waren so viele Menschen auf der Lichtung. Da waren Frauen und ihre Kinder. Ein paar Männer, die an der Box auf dem Boden saßen und diskutierten. Sie starrten uns genauso überrascht an, wie wir sie. Mein Körper verkrampfte sich. „Newt, die sollten nicht hier sein.“ Ich bekam nur ein Brummen zurück.
Eine Frau kam auf mich zu. „Wer seid ihr? Gehört ihr zu denen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Wir sind auch nur Opfer.“ Die Frau sah uns böse an. „Und warum kommt ihr dann von da?“ Sie deutete auf die Tore hinter uns. „Weil wir versuchen zu überleben.“ In meinem Kopf arbeitete es. Wo kamen diese Menschen her? Und was taten sie hier. Mein Plan schien auf einmal absoluter Blödsinn zu sein. Wenn hier Menschen waren, würde hier auch jemand aufpassen und man würde uns entdecken.
Ich wollte doch nur helfen und Newt retten, jetzt passierte aber genau das Gegenteil. Ich stürzte ihn und alle, die mir vertrauten ins Unglück. Ich spürte die Tränen in meinen Augen. Ich hatte es verbockt. Diesmal konnte es nicht gut ausgehen.

„Warum überleben? Dieser Ort ist zum Sterben gerade gut genug." Die Frau stützte die Hände in die Hüfte und sah uns immer noch verständnislos an. Vom Verhalten erinnerte sie mich etwas an Harriet, so stark und selbstsicher. „Draußen passieren furchtbare Dinge. Haben sie Erinnerungen? ANGST beobachtet und nutzt uns." Die Frau sah uns immer noch verständnislos an. "Ihr wisst doch, was da draußen los ist oder? Ich sehe es in euren Augen. Ihr habt Angst." Ich schluckte schwer, diese Frau sorgte dafür, dass sich Panik in mir breit machte. Sie schien die Anführerin zu sein.
„Kommt mit." Sie drehte sich um und ging zum Gehöft. Es war komisch von jemand fremden an dem Ort herumkommandiert zu werden, an dem man doch so lange gelebt hatte. Ich sah kurz zu Newt, der nur mit den Schultern zuckte und der Frau dann als erstes folgte. Ohne weiter zu überlegen lief ich ihm hinterher, immer noch das Gefühl, dass gerade alles aus dem Ruder lief.

Wir endeten im Versammlungsraum. Es sah alles so verändert aus. Auf dem Boden lagen Matten, Kissen und Decken. Dieser Raum wurde also als Schlafsaal umfunktioniert. Dadurch wirkte er vollkommen fremd. Aber alles hier war irgendwie fremd. Ich war nur einige Monate nicht mehr hier gewesen und es hatte sich alles verändert. Mein gesamter Blick auf die Situation und mein Leben hatte sich geändert. Ich war nicht mehr das Mädchen, dass nur Angst vor den Griewern hatte. Nein, ich war das Mädchen, das nur noch eine begrenzte Lebenszeit hatte, ehe ein furchtbarer Virus ihr Inneres löschte.

Die Frau zeigte auf den Boden und Newt und ich setzten uns zwischen den Kissen auf die Holzplanken. „Was macht ihr hier?" Die Frau hatte sich nicht gesetzt, dadurch mussten wir zu ihr nach oben sehen. „Wir sind geflüchtet und haben versucht ein Versteck zu finden." „Und warum denkt ihr, dass es dieser Ort ist?" Ich zuckte mit den Schultern. „Wir haben vor euch hier gelebt. Dieser Ort ist so auffällig, dass er es nicht mehr ist." „Und warum wart ihr hier und seid es nicht mehr?" „Warum müssen wir eigentlich die ganzen Antworten liefern? Wir haben auch Fragen." Newt sah die Frau aus dunklen Augen an. War das der Virus oder war er nur so wütend auf die ganze Situation? Mein Herz klopfte wild, ich wusste dass er ein Stadium weiter war als ich, aber wir brauchten mehr Zeit.
„Ich entscheide schließlich, ob ihr hier bleibt oder nicht!" „Da wir diesen Ort besser kennen als ihr, würde das nichts nützen." Die Frau sah uns mit hochgezogener Augenbraue an. „Du behauptest also, dass du diesen Ort kennst, aber du willst nicht verraten, wie es dazu gekommen ist?" „Sie beantworten unsere Fragen und wir ihre. Das ist doch nur fair. Wir alle profitieren davon." Die Frau schwieg kurz, dann strich sie sich ihre dunklen Haare aus dem Gesicht und nickte. „Dann machen wir das so. Jeder stellt eine Frage und dann ist der nächste dran."
Newt zog sein Knie an seinen Körper. „Seit wann sind Sie hier?" „Dreizehn Tage. Wir sind alle hier in einer Box aufgewacht." Ich nickte, ich wusste was sie meinte, diese fürchterliche Box. „Warum wart ihr hier?" Diesmal antwortete Newt auf die Frage der Frau. „Wir gehörten zu einem Programm, dass versucht ein Heilmittel gegen Den Brand zu finden. Wir wurden getestet, gefoltert und umgebracht." Die Miene der Frau verdunkelte sich.
Ich stellte die nächste Frage: „An was erinnern Sie sich noch?" Die Frau sah uns auf einmal vollkommen hilflos an. Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das war tatsächlich eine weitere Gruppe. Wir waren nicht erfolgreich gewesen und jetzt nutzte ANGST neue Personen unterschiedlichsten Alters, um eine Lösung für das zu finden, was da draußen geschah. „Keiner weiß mehr, was da draußen los ist. Wir lesen nur überall die Schilder, auf denen ANGST steht und dann sind da diese riesigen Tore, die ins nirgendwo führen. Und auf einmal kommt ihr von da.“ Meine Hand wanderte von alleine zu Newt, der sie ohne Zögern in seine nahm. Er hatte auch verstanden was hier passierte. Das  war schlimmer als alles, was ich mir hatte vorstellen können. Immer mehr Menschen wurden gefangen und zu einem solch blödsinnigen Versuch gezwungen, der dennoch kein gutes Ergebnis liefern würde. Diese Menschen würden alle sterben.


*


Die Frau stellte noch viele Fragen und auch wir versuchten unser Wissen soweit wie möglich zu vergrößern, aber der Druck, der durch die neue Erkenntnis zu Stande gekommen war, drückte mir schwer auf der Brust. Wir hatten die Frau, die sich als Rosanna vorstellte, überzeugt, dass wir nicht gefährlich waren und wir durften uns auf der Lichtung ohne weitere Gedanken bewegen und nehmen was wir brauchten. Diese Erlaubnis nahm ich sofort beim Wort und gemeinsam mit Newt suchten wir uns einen Ort, an dem wir in Ruhe über unser neues Vorhaben reden konnten.
Wir blieben an den Efeuranken an der Mauer stehen. Hier hatte man einen guten Blick auf die Lichtung und war dennoch noch ein wenig von neugierigen Blicken geschützt, weswegen wir uns am Fuße der Mauer niederließen.
Die anderen Gestalten liefen über die Lichtung, viele sahen sich verängstigt um. Ich wusste wie sie sich fühlte, aber ich hatte gerade einfach nicht die Energie, um mir weiter darüber Gedanken zu machen.

Lange saßen wir schweigend nebeneinander. Es war eine sehr nachdenkliche Stille. Newt war der erste, der nach gefühlten Ewigkeiten das Wort ergriff.
„Weißt du, ich kann mich zwar nicht daran erinnern und ich weiß nicht mehr, was wir damals erlebt haben“, Newt sah mich intensiv mit seinen braunen Augen an. „Aber ich spüre die Gefühle. Sie waren immer da, seit dem Moment in dem ich dich gesehen habe.“ Er wandte sich ab und sah auf seine Hände, so dass ich sein Gesicht nicht sehen konnte. Es fiel ihm wohl sehr schwer darüber zu reden. Dafür musste ich ihn nicht mal ansehen. „Du hast mir heute deine Gefühle verraten, aber ich hatte bis jetzt nicht die Möglichkeit, die meine zu gestehen und alles, was ich die letzten Tage und Wochen empfunden habe. Wenn wir wirklich nicht mehr lange leben wegen diesem beklonkten Virus, dann möchte ich, dass du das alles weißt.“ Newt schwieg für einen Moment bevor er einen tiefen Atemzug nahm und weiter sprach. „Ich weiß, dass damals etwas passiert ist. Ich habe mich danach so anders gefühlt, in mir war es so leer. Diese Leere, dieses Gefühl etwas verloren zu haben.“ Newt hob jetzt doch seinen Kopf und sah mir direkt in die Augen. Sie waren feucht und jeden Moment würde eine Träne aus seinen Augen kullern. „Es hat mich innerlich kaputt gemacht. Ich wusste nicht mehr weiter.“ Nun rollte die erste Träne und vorsichtig hob ich die Hand, um sie wegzuwischen, aber Newt nahm meine Hand, bevor ich sein Gesicht erreichte. Wir sahen uns einfach an, ich wartete darauf, dass er weiter redete.

„Ich habe etwas, ich habe dir das bis jetzt nie gezeigt. Ich dachte immer, dass das ein blöder Scherz gewesen ist. Aber ich konnte es nicht wegschmeißen, irgendwas hielt mich zurück.“ Unter seinem Pullover zog er eine Kette hervor. An der Kette hing ein kleiner Anhänger, den man anscheinend befüllen konnte, es sah ein wenig aus, wie eine kleine Ampulle. Newt drehte am Verschluss und zog einen zerknitterten weißen Zettel hervor, den er mir entgegen hielt. „Mach ihn auf.“ Ich nahm das gerollte Papier entgegen und öffnete es. Auf dem Zettel stand mein Name, in meiner Schrift.
„Den habe ich geschrieben! Damals als ich eure Regeln akzeptiert habe.“ Newt sah mich an. „Ich kann mich an all das nicht erinnern, aber dieser Zettel, er war einfach in diesem Buch drin. Ich hatte den Namen noch nie gehört, dachte ich zumindest, deswegen wollte ich ihn wegschmeißen. Aber ich habe es nicht über mich gebracht. Irgendwas hat mich gezwungen ihn zu behalten. Jetzt weiß ich zumindest, dass es dafür einen Grund gab.“ Ich lächelte vorsichtig. Ich war also nie ganz aus seinem Leben verschwunden.
„Du kannst dich an nichts davon erinnern. Alles was damals passiert ist, bedeutet mir unglaublich viel. Du hast mir damals das Gefühl gegeben geliebt und gebraucht zu werden. Du warst die Person, die ich niemals verlassen wollte. Und dann hat sich alles verändert.“ Ich sah wieder auf den Zettel in meiner Hand. „Was ist damals alles passiert?“ Newt rückte ein Stück näher zu mir, sein Pullover berührte meinen und ich spürte durch den Stoff seine Körperwärme und mein Herz schlug einen Takt schneller.
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