the bloody thames

von tjlc
GeschichteDrama, Romanze / P18
13.03.2018
14.01.2019
27
71521
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Dieses Kapitel
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Überarbeite grade das Kapitel, während ich die Hochzeit von Meghan und Harry gucke ^^
Die Geschichte hat endlich die 1000 Zugriffe geknackt. Yeah!
Freue mich auf konstruktive Kritik und Rückmeldung!
Viel Spaß!
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Jacob


,,Wieso trägst du nicht dein Kleid?“, fragte Jacob und fuhr mit den Fingern über seinen Bart. Er sah gut aus, musste er zugeben. Er sah sehr gut aus.
,,Ich bevorzuge Hosen“, antwortete Annabeth schulternzuckend und putzte ihre braunen Lederstiefel mit einem Lappen. Heute war der Hochzeitstag von Catherine und John. Und Annabeth wirkte alles andere als erfreut.
,,Sie bleibt ja nicht ewig in Florenz“, versuchte es Jacob und trat neben sie, um ihr mit gerunzelter Stirn über den Rücken zu streichen, der etwas staubig war. Hatte sie trainiert?
Jacob musste zugeben, dass ihm die Kombination der grünen Kapuze und der marineblauen Montur nicht so sehr gefiel, aber er würde sich nie getrauen, dies auszusprechen.
Immerhin gefiel ihm ihr Gesicht, das über die Monate ernster  geworden war und den kindischen Schein so gut wie verloren hatte.

Er hielt den Atem an, als sie den Fuß vom Stuhl nahm und ihren Kopf zu ihm drehte, und Jacob konnte nicht leugnen, dass es sich gut anfühlte. Er hatte keine Ahnung wie er dieses Gefühl deuten sollte und wenn es so war, wie er dachte, dann wusste er nicht, wann und warum es in ihm aufgekommen war.
Irgendwie verrückt, denn er hatte so gut wie nie solch eine Wärme in sich gefühlt und es ließ ihn nahezu schwach fühlen.
Annabeth lächelte schief, bevor sie auf Abstand ging, sich kurz den Arm rieb und die Treppen hochstieg, um in ihr Zimmer zu gehen.
Jacob sah ihr nach und bewegte sich erst von der Stelle, als er hörte, wie die Tür ins Schloss fiel.

Es konnte unmöglich sein, dass Annabeth es geschafft hatte, dass er sich ihr angetan fühlte. Das war ein Gebiet, indem er sich nur ungern wagte. Es war gefährlich, er wollte nicht wie seine Schwester enden. Weich wie eine Schnecke und ein Wackelpudding im Kopf, anstelle des Hirns.
,,Bruderherz“, meinte plötzlich die altbekannte Stimme seiner eben erwähnten Schwester. ,,Du siehst ausnahmsweise mal attraktiv aus. Respekt.“
Jacob verzog den Mund zu einer schmalen Linie und grummelte vor sich hin. Evie war ebenfalls in ihrer altbekannten Montur, doch die Haare waren offensichtlich erst geflochten, sodass sie nahezu perfekt saßen, und auch die vielen Lagen ihrer Kleidung war makellos angezogen.
Die vier Assassinen gingen also in ihren Monturen zu einer Hochzeit, doch das hatte an sich etwas Gutes: Catherine und John hatten die besten Wachen ganz Englands.

Jacob stellte fest, dass die Blicke der Gäste übermäßig anerkennend und voller Ehrfurcht war, als er mit seinem Mündel, seiner Schwester und seinem, höchstwahrscheinlich, zukünftigen Schwager, das Rathaus betrat.
Hochzeiten waren wohl das langweiligste was es gab. Jacob war zwar ein Atheist, aber er wollte trotzdem in einer Kapelle heiraten, einfach nur für die Dramatik.
Er wäre beinahe eingeschlafen, bis Kitty und ihr Vermählter dieses Dokument unterschrieben hatten.
Kitty sah hinreißend aus. Ganz in weiß, so, wie es Königin Victoria in Mode gebracht hatte. Und sie wirkte so unschuldig.
Jacob fiel ein, dass Annabeth's Unterschrift auf dem Dokument eigentlich nicht zählte, Trauzeugin hin oder her, aber es schien niemanden zu interessieren. Da sie ledig war, hatte ihr Name auf dem Papier keine Bedeutung.
Sie tauschten die Ringe aus und dann gab es einen kurzen Kuss, woraufhin ordentlich applaudiert wurde.

Später saßen sie in einem vornehmen Wirtshaus, das Innere war dekoriert mit Blumen und Bändern, und das Essen war wirklich vorzüglich.
Jacob beteiligte sich sogar an den Gesprächen von Henry und Evie, etwas anderes blieb ihm nicht übrig, da nur sie Drei an dem Tisch saßen, bis plötzlich der Vater von John den Löffel gegen das Glas tippte und die plaudernden Gäste zum Schweigen brachte.
Annabeth, die neben Kitty saß, erhob sich mit einem Räuspern und lächelte in die Runde.
,,Genau vor drei Tagen wurde ich zur Trauzeugin gewählt“, hob sie an. ,,Ziemlich kurz, aber die Familie von Mr. Norris verdient unsern ganzen Respekt. Sie haben die Hochzeit wirklich fabelhaft geplant. Natürlich muss ich eine Rede halten, auf die ich mich kaum vorbereiten konnte...“
Die Gäste tauschten unsichere Blicke aus, als sie die junge Frau sprechen hörten.
,,Ich habe Kitty kennengelernt, als sie mich mit einem Knaben verwechselt hat. Sie brauchen nicht zu tuscheln, mir ist bewusst, dass ich Hosen an meinem Leib trage. Ich konnte nicht böse sein, denn ich sah in Catherine einen Menschen, der all die Liebe verdiente. Wenn ich mir das Paar so ansehe, dann bereue ich all meine Zweifel gegenüber der Ehe im Allgemeinen. Ich finde es wunderschön und hoffe, dass Gott im Himmel sie mit Glück und...“, sie warf einen kurzen Blick auf das Papier in ihren Händen, ,,gesunde Kinder bereichert.“
Die Leute klatschten kurz, bevor sich der Trauzeuge erhob und mit einem charmanten Lächeln begann, seine Rede zu halten.

Jacob hörte ihm nicht zu, was wirklich half, dass die Zeit schneller umging.
Irgendwann begannen die Violinen zu spielen und das Brautpaar tanzte einen Walzer in der Mitte des Raumes, während Annabeth sich lautlos neben Jacob auf den Stuhl setzte.
,,Wann gibt's Nachtisch?“, fragte sie, wurde aber sofort von Evie mit einem tadelnen Blick zurechtgewiesen.
Irgendwann tanzten sie alle, und nachdem Evie mit Harry versuchte, die Schritte des Walzers einzustudieren, forderte auch Jacob Annie zum Tanz auf.
,,Du riechst gut“, meinte sie leise, als sie die Hand auf seine Schulter legte und den Rücken reckte, um es ihm zu erleichtern, ihr Schulterblatt zu fassen.
,,Mal etwas anderes, Glückwunsch“
Er musste leicht lächeln, als sie ihm dieses neckende Kompliment gab.
,,Und du hast dich mal gebürstet, meine Liebe“
Sie lachte kurz auf.
Jacob war ein guter Tänzer und führte Annabeth unverbesserlich, doch irgendwann gab es endlich eine Mahlzeit und man setzte sich wieder.

Die Hochzeit war wirklich nichts großes gewesen, was aber nur daran lag, dass Catherine und John die Reise nach Florenz so schnell wie möglich antreten wollten. Die Familie von der nun ehemaligen Kurtisane war nicht aufgetaucht, also waren schnell alle Glückwünsche ausgesprochen und die Leute wollten auch rasch wieder an die Arbeit zurückkehren.
Annabeth hatte die ganze Zeit an Jacobs Seite gesessen, begleitete Kitty und John dann aber zum Hafen, während Jacob mit Evie und Henry Heim ging.

Eigentlich wollte Jacob gleich wieder losziehen, um sich mit ein paar Rooks zu treffen, doch die Stimmung war daheim so komisch, dass er lieber trotzdem da blieb.
Henry und Evie saßen am Tisch in der Küche, mit einem Briefkuvert in der Hand.
,,Was ist das?“, fragte Jacob und zog den Stuhl zurück, um sich dazuzusetzen.
,,Man hat ihn unter die Haustür geschoben. Ein Brief der Bruderschaft. Hast du ihn nicht gesehen?“
Jacob schüttelte den Kopf und ließ die Klinge herausschnappen, um den Brief zu öffnen.
Er überflog den Inhalt und presste die Lippen aufeinander, als Evie ihm den Zettel aus der Hand nahm und selbst las.
,,Verstehe.“, meinte sie dann und atmete aus. ,,Unsere Arbeit ist wohl somit getan, Bruder.“
,,Was?“
,,Sie ist keine Novizin mehr, sondern eine Gehilfin.“, erklärte Evie und wechselte mit Henry einen schnellen Blick aus.
,,Wir sind trotzdem noch ihre Mentoren.“, meinte Jacob schulternzuckend, schob dann aber die Augenbrauen zusammen, als er die Blicke der beiden bemerkte.
,,Was ist denn?“
Als er hörte wie die Haustür sich öffnete und Anne hineingepoltert kam, es war wohl ein eher kurzer Abschied gewesen, bemerkte auch sie die angeschlagene Stimmung.
Und auch sie fragte, was los war.
,,Du bist aufgestiegen“, lächelte Evie. ,,Du bist jetzt eine Gehilfin, Annabeth.“
,,Was, echt jetzt?“, rief sie begeistert und fasste sich den Zettel. ,,Das ist wunderbar! Nur würde ich gerne erfahren, warum mich bis jetzt niemand gefragt hatte, ob wir das feiern wollen. Es wird hier nämlich irgendwie immer alles gefeiert, obwohl das immer schief geht, also...“
Evie musste lächeln, und schaute Jacob und Anne trotz allem froh an, als wäre ihr etwas eingefallen.
,,Wir müssen euch etwas sagen.“, hob sie mit ernster Stimme an.

,,Henry und ich werden nach Indien gehen.“
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