Playing with Fire

von Red-Sky
OneshotRomanze, Suspense / P16
Chuya Nakahara Mori Ougai OC (Own Character)
09.03.2018
09.03.2018
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„Ich werde dich mit Chuuya auf eine Mission schicken.“
Dieser eine Satz reicht aus, um dich schlagartig blass werden zu lassen. „Wieso… wieso ausgerechnet ich?“, fragst du geschockt. Ogai Mori, der dir gegenübersitzt, scheint deinen inneren Zwist zu bemerken, denn seine Mundwinkel zucken amüsiert. Seine dunklen Augen mustern dich unverhohlen – dir wird mulmig zu mute. Obwohl du ein Mitglied der Hafenmafia bist, musst du zugeben, dass du deinen Boss manchmal sehr schwer einschätzen kannst. „Du bist die Einzige, die im Augenblick in Frage kommt. Es geht um eine sehr wichtige Sache, die ich euch beiden anvertrauen möchte“, antwortet er knapp, während er die Hände auf seinem Schreibtisch faltet. Innerlich rasen deine Gedanken, du hast keine Ahnung, was du davon halten sollst. Du warst ewig nicht mehr mit Chuuya auf einer Mission und das hat seinen Grund. Seit du bemerkt hast, dass du etwas für den Rothaarigen empfindest, hast du dir Mühe gegeben ihm aus dem Weg zu gehen. Dir ist bewusst, dass er deine Gefühle wohl nie erwidern wird – schließlich behandelt er dich wie jeden anderen seiner Freunde. Es ist ziemlich offensichtlich, dass du für ihn niemand besonderes bist.

Mit Chuuya eine Mission zu erledigen ist für dich gleichzeitig Segen und Fluch, denn du weißt, wie schwer es werden wird, dir die ganze Zeit über nichts anmerken zu lassen. Du musst ein Seufzen unterdrücken, denn ein einziger Blick in Moris Gesicht genügt, um zu wissen, dass es keine Möglichkeit gibt, sich vor der Mission zu drücken.
„Na gut“, sagst du wenig begeistert und fügst dich in dein Schicksal.

***


„Hey, Kleine. Beeil dich, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit“, ruft Chuuya ungeduldig, der wenige Meter vor dir durch die Dunkelheit spaziert und dich über die Schulter hinweg frech angrinst.

Du widerstehst dem Drang die Augen zu verdrehen und murmelst: „Wer ist hier klein?“ Deine Schritte werden schneller, bis du ihn eingeholt hast und Seite an Seite mit ihm die dunkle Straße entlangläufst. Ihr befindet euch in einem kleinen Waldstück am Stadtrand. Ein verlassenes Gebiet, das nachts noch trostloser wirkt als tagsüber. Die Straße ist alt, der Beton an vielen Stellen rissig. Es ist allzu offensichtlich, dass sich niemand mehr um diesen Ort kümmert und das ist wohl auch der Grund, warum ihn sich die Organisation, der ihr auf der Spur seid, als Versteck ausgesucht hat. Es gibt keine Straßenlampen, einzig das schwache Mondlicht erhellt den Weg, der sich durch den Wald windet. Die Stille um euch ist beinahe gespenstisch. Du unterdrückst ein Schaudern und konzentrierst dich auf Chuuya, der dich immer wieder verstohlen von der Seite mustert. Irgendwann hältst du es nicht mehr aus und wirfst ihm einen Blick zu. „Was ist denn?“, fragst du bissig, denn deine Nerven sind bis zum Zerreißen gespannt.

„Du wirkst so nachdenklich. Ist irgendwas?“ Seine blauen Augen durchbohren dich, sodass du schnell den Kopf abwendest.

„Nein, es ist nichts.“

„Sonst bist du aber nie so still“, sagt er und grinst dich an. Er schiebt seine Hände in die Taschen seiner schwarzen Hose und hebt eine Augenbraue. „Kann es etwa sein, dass du…“

Bevor er den Satz zu Ende führen kann, unterbrichst du ihn hastig. „Es ist wirklich nichts!“ Du starrst vor dich auf den Boden und betest, dass er dich endlich in Ruhe lässt, aber Chuuya hat natürlich nicht vor, dir  diesen Gefallen zu tun. „[Name], jetzt rück raus mit der Sprache!“

„I-Ich habe mich nur gefragt, wieso du so einen komischen Hut trägst“, lügst du und versuchst die verräterische Röte auf deinen Wangen zu verbergen. Die Dunkelheit macht es dir glücklicherweise ziemlich leicht.

„Was?! Der ist nicht komisch!“, ruft er empört und verschränkt beleidigt die Arme vor der Brust. „Du bist bloß neidisch.“

Innerlich musst du schmunzeln, denn er hat eigentlich recht. Du magst seinen Kleidungsstil (so wie alles andere an ihm) und hast an seinem Hut absolut nichts auszusetzen. Aber diese Lüge ist besser, als mit der Wahrheit herauszurücken. Zumindest denkst du das in diesem Moment.

„Ich bin nicht neidisch…“, murmelst du und beißt dir auf die Lippe. Den blauen Augen Chuuyas entgeht dies natürlich nicht. Ein triumphierendes Grinsen schleicht sich auf sein Gesicht und er beugt sich ein Stück zu dir.

„Das sieht für mich aber anders aus, [Name]. Wirst du etwa rot?“

Eure Blicke treffen sich und du erstarrst förmlich, als du bemerkst wie nah er dir ist. Du drohst dich in seinen tiefblauen Augen zu verlieren. Sein feuerrotes Haar, das ihm in sanften Wellen bis auf die Schultern fällt, glänzt im Mondlicht beinahe golden. Dein Atem stockt und dein Verstand ist wie leergefegt. Ein paar Sekunden verstreichen, in denen keiner von euch etwas sagt.

„Hm, interessant“, fügt er schließlich hinzu und eine Emotion huscht über sein Gesicht, doch du kannst sie nicht benennen. Er wirkt zufrieden, als wäre eine Vermutung seinerseits bestätigt worden und die Selbstsicherheit, die er plötzlich ausstrahlt, verwundert dich.

„Chuuya, du Idiot! Was sollte das jetzt bitte?“ - „Das wirst du schon noch herausfinden, Kleine.“

„DU BIST DOCH SELBST KLEIN!“, meckerst du und verdrehst die Augen. Deine Verlegenheit ist vergessen, denn seine Angewohnheit, dir Spitznamen zu geben, geht dir wirklich auf die Nerven. Dummerweise weiß er das ganz genau – und deshalb musst du dich ständig damit herumschlagen, dass er dich aufzieht.

„Ich bin nicht klein!“, knurrt er und streicht sich genervt eine rote Haarsträhne aus der Stirn, ehe er seine Hand wieder in seine Hosentasche schiebt. Du hast einen wunden Punkt getroffen, denn er kann es überhaupt nicht leiden, wenn sich jemand über seine Größe lustig macht und regt sich jedes Mal furchtbar darüber auf. Es ist wirklich leicht, ihn auf die Palme zu bringen…, denkst du und gibst dir Mühe ein Schmunzeln zu unterdrücken. Chuuya ist wahrscheinlich der größte Hitzkopf, den du kennst. „Was soll das nur immer?“, brummt er in seiner angenehm tiefen Stimme. „Meine Größe ist normal!“

Du schaffst es nicht mehr, dein Lachen zu unterdrücken und Chuuya sieht dich erstaunt und mit großen Augen an, ehe er sich wieder gefasst hat. Er stemmt die Hände in die Hüften und durchbohrt dich mit einem finsteren Blick, der dir sicher Angst eingejagt hätte, wenn du ihn nicht so gut kennen würdest. „HEY, lachst du mich etwa aus?!“

Mit schiefgelegtem Kopf siehst du ihn an und grinst. „Nein, wie kommst du darauf? Ich würde den großen Chuuya Nakahara doch niemals auslachen.“ Deine Stimme trieft vor Sarkasmus und das scheint er zu bemerken, denn er verzieht das Gesicht. Seine Hände ballen sich zu Fäusten und du kannst förmlich sehen, wie es in seinem Gehirn rattert. Er scheint irgendeine Idee auszubrüten, wie er es dir heimzahlen kann. Das siehst du an dem verdächtigen Funkeln in seinen Augen.

Als er sich dir wieder zuwendet, ist sein altbekanntes Grinsen zurückgekehrt und lässt dich stocken. Sonst braucht er immer viel länger um sich abzuregen. Das bedeutet, dass er eindeutig etwas vorhat. Fragt sich bloß was…

Ehe du es herausfinden kannst, wird er schlagartig ernst und sieht dich warnend an. „Wir sind da.“

Du nickst ihm zu und nimmst automatisch eine angespannte Haltung ein. Deine rechte Hand zuckt in Richtung der Pistole, die sich an deinem Gürtel befindet, während deine Augen sich nach vorne richten. Im schwachen Schein des Mondlichts kannst du eine alte Lagerhalle ausmachen. Sie wirkt geräumig, hat ihre besten Tage allerdings schon hinter sich. Das Gemäuer ist alt, die Fenster zum Teil kaputt und das hohe metallene Schiebetor wie erwartet geschlossen – es scheint niemand hier zu sein. Allerdings wärst du nicht du, wenn du die Stille nicht als verdächtig wahrnehmen würdest. Es macht keinen Sinn, dass dieser Ort verlassen ist, schließlich ist er das Versteck der Organisation, die ihr ausschalten sollt.

Chuuya und du bewegt euch im Schutz der Bäume immer näher auf das Gebäude zu. Das leise Geräusch eurer Schritte auf dem Asphalt ist das Einzige, das man hören kann. Immer wieder lässt du deinen aufmerksamen Blick über deine Umgebung schweifen, doch bis jetzt hast du niemanden entdecken können. Dem Rothaarigen an deiner Seite scheint es nicht besser zu gehen, denn er schnalzt genervt mit der Zunge. Genau wie du ist auch er sich bewusst, dass ihr womöglich geradewegs in einen Hinterhalt rennt – etwas, das für euch beide nicht gut enden könnte.

Ihr passiert die niedere Mauer, die das Gebäude umgibt und so zerfallen ist, dass sie so oder so nichts und niemanden daran hindern kann, das Gelände zu betreten. Ohne Probleme erreicht ihr das Tor der Halle und du tauschst einen Blick mit deinem Begleiter. „Wir sollten uns einen anderen Weg ins Innere suchen“, sagst du und deutest auf das schwere Schloss, mit dem das Tor gesichert ist. Chuuya nickt bloß, dann wendet er sich um.

Im gleichen Moment siehst du am Waldrand etwas Silbernes aufblitzen und keuchst erschrocken. Gerade noch rechtzeitig erwischst du Chuuya an der Schulter, um ihn nach hinten zu reißen. Bloß eine Sekunde später schlägt eine Kugel in die Wand direkt neben ihm ein. Der unangenehm laute Knall lässt deinen Puls auf einen Schlag in die Höhe steigen. Der Rothaarige hat sich sofort von dem Schock erholt und zieht seine eigene Waffe, während er hinter der niedrigen Mauer in der Nähe in Deckung geht, um dem nächsten Kugelhagel zu entgehen. Du tust es ihm gleich und landest blitzschnell mit gezogener Waffe auf dem Boden.

„Mistkerle. Die werden es noch bitter bereuen, sich an uns angeschlichen zu haben“, zischt er verärgert, während ein fieses Grinsen seine Lippen umspielt. Die blauen Augen blitzen vor Vorfreude auf den Kampf und du kannst nicht anders als zurückzugrinsen. „Wer die meisten erledigt, hat gewonnen!“, fügt er hinzu.

„Dann mach dich auf was gefasst, Chuuya. Ich werde es dir nicht leicht machen“, erwiderst du selbstsicher und richtest dich ein Stück auf, während du ihn über die Schulter hinweg herausfordernd anlächelst. Dann stürzt du ohne Vorwarnung hinter der Mauer hervor und verschwindest im Schutz der Bäume, ehe eure Angreifer dich erwischen können. Du hörst mehrere Kugeln durch die Luft pfeifen, doch du drehst dich nicht um.

Direkt vor dir taucht ein Mann auf und versucht dir die Waffe zu entreißen. Du duckst dich hastig unter ihm hinweg und weichst ihm aus, indem du dich zur Seite abrollst. Schnell stehst du wieder auf den Beinen und verpasst ihm einen Kinnhaken. Ein ekelhaftes Knacken ist zu hören, als sein Kiefer nachgibt. Er geht fluchend zu Boden und du springst über ihn hinweg, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.

Aus der Ferne hörst du Chuuyas wütende Stimme und verdrehst die Augen. Dieser Hitzkopf steigert sich mal wieder viel zu sehr in den Kampf hinein! Ein schmales Lächeln breitet sich auf deinen Lippen aus beim Gedanken an ihn, doch du zwingst dich dazu konzentriert zu bleiben und schaust dich aufmerksam um. Du befindest dich noch immer im Wald, bist umringt von Bäumen und Sträuchern, und kannst kaum etwas erkennen, da das Mondlicht kaum bis auf den Boden reicht. Die Dunkelheit ist einerseits ein Vorteil, aber gleichzeitig ein  Nachteil, denn du hast keine Ahnung, wo deine Gegner sich versteckt halten.

Nur dein Instinkt sagt dir, dass du nicht allein bist. Jemand ist in der Nähe, beobachtet dich, ohne seinen Aufenthaltsort preiszugeben. Unruhe steigt in dir auf und lässt deine Knie weich werden. Du blickst dich um, das Blut rauscht in deinen Ohren und übertönt jedes andere Geräusch. Langsam drehst du dich einmal um deine eigene Achse. Deine Haltung ist angespannt, wie die einer Raubkatze, die sich ihrer Beute nähert.

Sekunden vergehen, vielleicht sogar Minuten, doch dein stummer Beobachter lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Du dagegen wirst immer nervöser, je länger du von der unnatürlichen Stille umgeben bist. Bedacht darauf kein Geräusch zu verursachen, bewegst du dich um einen Baum herum – und stehst plötzlich deinem Gegner direkt gegenüber. Dir entfährt ein entsetzter Schrei, als sich seine Faust mitten in deinen Magen bohrt. Sofort verlierst du das Gleichgewicht und schlitterst ein Stück über den Boden, ehe du wieder sicher stehst. Hustend richtest du dich auf und schaust ihn an. Deine Augen sprühen Funken vor Wut, denn du gönnst deinem Gegner diesen Triumph nicht. Seine dunkle Kleidung lässt ihn mit den Schatten verschmelzen, sodass du Mühe hast ihn auszumachen. Kurzerhand beschließt du den Wald zu verlassen, denn du siehst ein, dass es keinen Zwecke hat so gegen ihn zu kämpfen.

Eilig drehst du dich auf dem Absatz um und stürmst zurück auf das Gelände mit der alten Lagerhalle. Ein Stück weiter vorne entdeckst du Chuuya, der seine Fähigkeit einsetzt und von einem roten Leuchten umgeben ist. Einige Angreifer liegen bereits regungslos am Boden – du hast keine Ahnung ob sie bewusstlos oder tot sind. Der Rothaarige scheint jedoch trotz der Tatsache, dass er deutlich in der Unterzahl ist, im Kampf die Oberhand zu haben.

Aus dem Augenwinkel siehst du, wie dein Gegner sich aus der Dunkelheit des Waldes schält und bemerkst gerade rechtzeitig, dass er eine Pistole hervorzieht und sie auf dich richtet. Du weichst aus, der Schuss geht ins Leere. Bevor er Gelegenheit hat, erneut zu schießen, tauchst du direkt vor ihm auf und triffst ihn mit voller Wucht mit der Faust gegen die Brust. Er taumelt keuchend nach hinten und du siehst deine Chance. Blitzschnell hast du deine Pistole in der Hand und schlägst ihn damit auf den Hinterkopf, woraufhin er bewusstlos zusammenbricht. Du hast kaum Zeit, dich über deinen Sieg zu freuen, denn die nächsten Angreifer fallen bereits über dich her. Es sind zwei ebenfalls schwarz gekleidete Mitglieder der Organisation und diese beiden scheinen um einiges stärker. Einer von ihnen trägt einen leicht geschwungenen Dolch bei sich, dessen gezackte Klinge dich entsetzt zurückfahren lässt.

Elegant springst du nach hinten, um etwas Abstand zwischen euch zu bringen, und zückst währenddessen ein Messer, das du in deinem Stiefel versteckt hast. Du gehst leicht in die Knie, hältst deine Waffe schräg vor dich und ziehst provokant die Augenbrauen hoch. „Na dann zeigt mal, was ihr draufhabt!“, rufst du. Deine beiden Gegner lassen sich das nicht zweimal sagen und gehen gleichzeitig auf dich los. Sie sind schnell, das musst du sofort einsehen. Vielleicht sogar zu schnell.

Du zischst verärgert, als der eine dich mit einem Dolch am Arm erwischt und ein dünner Schnitt sichtbar wird. Augenblicklich setzt du zum Gegenangriff an, doch der andere taucht aus dem Nichts vor dir auf. Mit mehr Glück als Verstand entgehst du seiner Faust, indem du dich zu Boden fallen lässt und ihm die Beine wegtrittst. Er strauchelt und du wirfst dich mit deinem ganzen Gewicht auf ihn, um ihn zu Fall zu bringen. Der harte Aufprall raubt ihm den Atem und gibt dir genug Zeit auf ihn einzuschlagen.

Unterdessen nähert sich dir der andere erneut. Du bist gezwungen von dem am Boden liegenden Mann abzulassen und springst auf. Dabei wehrst du geschickt seinen Dolch ab, der dich andernfalls mitten in die Kehle getroffen hätte. Dir ist bewusst wie knapp das Ganze war und die Panik, die du bis jetzt halbwegs ausblenden konntest, beginnt dich einzunehmen. Deine Atemzüge werden unregelmäßig. Ein schlechtes Zeichen, das weißt du aus Erfahrung. Sobald man sich von Angst und Panik leiten lässt, wird man zu einem leichten Ziel.

Du musst diesen Kampf so schnell wie möglich beenden.

Ohne Vorwarnung gehst du zum Angriff über, tust so, als ob du auf seine rechte Seite zielst. Im letzten Moment änderst du die Richtung und triffst ihn mit dem Messer in die linke Schulter. Er brüllt vor Schmerz, doch du bist noch nicht fertig. Ein geschickter Tritt in den Bauch katapultiert ihn nach hinten und er bleibt regungslos liegen.

Du wendest dich zu dem anderen um – und siehst dich dem Lauf einer Pistole gegenüber, die direkt auf dich gerichtet ist. Vor Schreck erstarrst du zu Stein. Wie ein Kaninchen vor einer Schlange stehst du da und bist unfähig, dich zu bewegen. Sein Finger bewegt sich zum Abzug. Unmittelbar bevor der Schuss fällt reagierst du und wirfst dich zur Seite.

Ein schrecklicher Schmerz bohrt sich in deinen Oberschenkel. „Ich war zu langsam“, denkst du und verziehst wütend das Gesicht, als ein Schmerzensschrei deine Kehle verlässt. Ein kaum auszuhaltendes Brennen frisst sich durch dein Bein und lässt dich fallen. Du landest unsanft mit den Knien auf dem Boden und siehst entsetzt, wie dein Gegner erneut die Waffe hebt. Dir bleibt keine Gelegenheit ihm auszuweichen – du bist ein leichtes Ziel und dessen bist du dir vollends bewusst.

Die nächste Kugel trifft dich seitlich in den Bauch. Jetzt kannst du dich nicht mehr beherrschen. Ein lauter Schrei bricht aus dir heraus, ehe du wie ein Kartenhaus in dich zusammenfällst und mit dem Rücken auf dem Boden landest. Der Schmerz ist unerträglich und macht es dir beinahe unmöglich überhaupt noch etwas anderes wahrzunehmen.

Erneut fällt ein Schuss, dessen lauter Knall dich zusammenfahren lässt, dann ist es still.

„[NAME]!“, hörst du Chuuyas Stimme schreien und siehst ihn panisch auf dich zu rennen. Er wirft die Pistole in seiner Hand achtlos zur Seite und lässt sich neben dich auf die Knie fallen. Seine Augen sind weit aufgerissen und wandern immer wieder zwischen deinem Gesicht und deinen Wunden hin und her. Die Hilflosigkeit in seinem Blick ist dir neu. Noch nie hast du diese Emotion an ihm gesehen.

Tränen der Verzweiflung steigen in deinen Augen auf, als dir klar wird, dass es nicht gut um dich steht. Der Schmerz ist kaum auszuhalten und ein einziger Blick in Chuuyas Gesicht reicht aus, um zu wissen, dass du diese Nacht womöglich nicht überleben wirst.

„Verdammter Mist. So war das… nicht geplant“, keuchst du und verkrampfst dich. „D-Du hast gewonnen, Chuuya.“ Du zwingst dich zu lächeln, aber deine Miene ähnelt eher einer Grimasse.

Seine Reaktion ist nicht die, die du von ihm erwartet hast. Er beißt die Zähne zusammen und fixiert dich mit seinen blauen Augen, die gefüllt sind mit Verzweiflung. „Wen kümmert unsere bescheuerte Wette? Ich muss dich zu einem Arzt bringen, jetzt sofort!“, stößt er hervor und holt sein Handy aus der Manteltasche. Du bekommst kaum mit, wen er anruft und was er sagt, denn der Schmerz beginnt dich in ein tiefes Loch zu ziehen. Du starrst nach oben in den Sternenhimmel, der langsam vor deinen Augen verschwimmt.

Ich werde sterben. Und ich Idiot habe ihm nie gesagt, was ich für ihn empfinde.

Chuuya taucht wieder in deinem Blickfeld auf. Seine Miene wirkt ernst und erschreckend angespannt. „Du wirst nicht sterben, [Name].“

Du bemerkst, dass du deine Gedanken laut ausgesprochen hast, doch du bist zu erschöpft, um dich darüber zu ärgern. Dein Bein fühlt sich mittlerweile taub an, genauso wie dein gesamter Körper. Nur am Rande bekommst zu mit, wie Chuuya deine Hand nimmt. Du siehst, wie sein Mund sich bewegt, doch du verstehst nicht, was er sagt. Es ist, als hätte jemand den Ton abgedreht. Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen und sein Griff um deine Hand wird fester. Schwarzer Nebel steigt auf, nimmt dir die Sicht. Du verlierst das Bewusstsein.

***


Chuuya Nakaharas Schritte sind laut in der Totenstille, die ihn  umgibt. Die wenigen Leute, die ihm begegnen, eilen hastig an ihm vorbei, sobald sie seinen finsteren Blick sehen. Er nimmt sie kaum wahr, blendet alles um sich herum aus. Seine blauen Augen scheinen dunkler als sonst, gefüllt mit einer Leere, die ihm fremd ist.

Die Erinnerungen an seine letzte Mission hat ihn vollends im Griff. Immer wieder sieht er dich vor sich, wie du auf dem harten Asphalt liegst und sich eine Blutlache um dich herum ausbreitet. Er hat genug Erfahrung, um sofort zu sehen, dass deine Verletzungen lebensbedrohlich sind. Seine zitternden Hände ballen sich allein beim Gedanken an deinen verzweifelten Gesichtsausdruck zu Fäusten. Er musste mitansehen, wie das Licht in deinen Augen langsam schwächer wurde, bis du das Bewusstsein verlorst. In diesem Augenblick wusste er nicht, ob du jemals wieder aufwachen würdest und das erschreckte ihn furchtbar. Noch nie hat er sich so hilflos gefühlt wie in diesem Moment – und er hasst sich dafür.  

Er hat dich nicht auf diese Mission begleitet, um zusehen zu müssen, wie du blutend am Boden liegst und vor Schmerzen kaum noch klar denken kannst.

Deine Worte hätten ihm beinahe das Herz zerrissen.

Ich werde sterben. Und ich Idiot habe ihm nie gesagt, was ich für ihn empfinde.

Er hält inne und bleibt auf der Stelle stehen. Sein Körper bebt vor Anspannung, bis er sich nicht mehr beherrschen kann und mit der Faust gegen die nächstbeste Wand schlägt.

So etwas darf nie wieder geschehen.

***


Dein Blick schweift durch den Raum und du seufzt leise. Schon seit heute Morgen befindest du dich in diesem Zimmer und kannst nichts weiter tun, als gelangweilt an die Wand zu starren. Seit du vor wenigen Stunden aufgewacht bist, hattest du bloß Gelegenheit, kurz mit einem Arzt zu sprechen. Du bist unruhig, denn du weißt, dass du zwei volle Tage bewusstlos gewesen bist. Was in dieser Zeit geschehen ist, hat dir niemand gesagt. Du hast keine Ahnung, wie es Chuuya geht und wo er ist. Am liebsten willst du sofort dieses verdammte Zimmer verlassen und nach draußen rennen, um ihn zu suchen, doch deine Verletzungen hindern dich daran.

Du legst die Stirn in Falten. Warum musst du auch ausgerechnet jetzt so schwer verwundet sein? Seufzend lässt du dich nach hinten in die Kissen deines Betts fallen und starrst nach oben an die Decke. Wenn du wenigstens dein Smartphone hättest, könntest du jemanden anrufen und dich selbst davon überzeugen, dass Chuuya in Ordnung ist, aber in diesem verdammten Krankenzimmer bist du völlig isoliert. Du nimmst dir vor, dich spätestens wenn der Arzt sich wieder hier blicken lässt, darüber zu beschweren.

Überrascht hebst du den Kopf, als du ein Klopfen an der Tür hörst und richtest dich auf. Sie öffnet sich langsam und ein Mann mit rotem Haar kommt zum Vorschein. Er sieht müde aus – als hätte er mehrere schlaflose Nächte hinter sich. Seinen schwarzen Mantel wirft er achtlos über die Lehne eines Stuhls. Erst danach hebt er den Kopf und eure Blicke begegnen sich. In seinen meerblauen Augen entdeckst du Erleichterung, und etwas anderes, das du nicht richtig benennen kannst. Er schiebt seinen Hut ein Stück nach oben und macht einen vorsichtigen Schritt auf dich zu, als hätte er Angst du könntest dich jede Sekunde in Luft auflösen. Als sich ein sanftes Lächeln auf deinen Lippen ausbreitet, überbrückt er die letzten Meter, die euch trennen, und bleibt direkt vor deinem Bett stehen.

„Chuuya.“ Deine Stimme ist gefüllt mit Freude darüber ihn zu sehen. Er nickt dir zu, streicht dir vorsichtig eine Haarsträhne aus der Stirn. „Hallo, [Name]“, murmelt er, dann fasst er sich und hebt die Stimme. „Du verdammter Idiot! Weißt du, was ich mir für Sorgen gemacht habe?! Dich kann man keine Sekunde aus den Augen lassen!“

Du entdeckst dunkle Schatten unter seinen Augen und beißt dir auf die Lippe. „Tut mir leid“, flüsterst du und richtest deinen Blick nach unten auf deine Hände, die auf der strahlendweißen Bettdecke liegen. Dir wird langsam bewusst, dass dein Zustand ihm mehr auszumachen scheint, als du erwartet hast. Eigentlich bist du nicht davon ausgegangen, dass du ihm so wichtig bist, doch du scheinst dich geirrt zu haben. Seine ernste Miene und selbst seine Haltung sprechen Bände.

„Erinnerst du dich… an die Mission?“, fragt er und wirkt plötzlich ein bisschen unsicher, was für ihn sehr untypisch ist. Du glaubst zu wissen, wieso er dir diese Frage stellt, denn du erinnerst dich haargenau an alles, was geschehen ist. Auch an diesen einen Satz, der dir aus Versehen rausgerutscht ist, bevor du es verhindern konntest. „Ja, das tue ich“, erwiderst du und wirst ein wenig nervös beim Gedanken daran.

„Gut. Das macht die Sache um einiges weniger kompliziert.“

Plötzlich scheint er wieder ganz der Alte zu sein und grinst dich selbstsicher an. Seine Augen blitzen verdächtig, während er sich auf der Bettkante niederlässt. Bevor du überhaupt ahnen kannst, was er vorhat, beugt er sich zu dir nach unten und legt seine Lippen auf deine. Du erstarrst vor Überraschung, doch du brauchst nicht lange, um den Kuss zu erwidern. Er legt seine Hand auf deine Wange und du ziehst ihn näher zu dir, was ihm ein leises Knurren entlockt. „Chuuya…“, murmelst du, während er federleichte Küsse auf deinem Hals verteilt. Du seufzt, vergräbst deine Hand in seinem Haar.

Als er plötzlich innehält und dir in die Augen sieht, fehlen dir die Worte. Du bist völlig sprachlos – und Chuuya kann nicht anders als zu lachen, denn dein Gesichtsausdruck ist wirklich einzigartig. „Ich liebe dich auch, [Name]“, sagt er und grinst dich an. Die Röte auf deinem Gesicht verdunkelt sich, ein strahlendes Lächeln breitet sich auf deinen Lippen aus.  



Omake


„Chuuya?“
„Ja?“
„Du… wusstest schon die ganze Zeit, dass ich auf dich stehe, oder?“
Er sagt nichts, aber sein breites Grinsen ist eine ziemlich eindeutige Antwort.

***



Hallo! :D

Schön, dass ihr meinen ersten BSD-Oneshot gelesen habt! :3
Ich würde gern noch weitere Fanfics zu BSD schreiben~ Als nächstes stehen Atsushi und Dazai auf der Liste.  

Lasst mir ein Review da, würde mich freuen. :D

Liebe Grüße,
Red-Sky
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