Kaptain Hornblower

von The Puma
GeschichteDrama / P16
Edward Pellew Horatio Hornblower
08.03.2018
08.03.2018
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Die Segel knatterten laut über Kaptain Hornblower, der geistesabwesend über das Wasser schaute. Doch war der, noch ziemlich junge, Kaptain keineswegs so in Gedanken versunken, dass er wenn nötig keine Befehle über das Deck seines Schiffes brüllte.
Sie fuhren nun schon seit Tagen in diesem Teil des Gewässers hin und her, hatte kein anderes Schiff gesehen. Weder ein eigenes noch ein feindliches. Doch mochten einige aus der Crew diesem Umstand gewiss dankbar sein, hatten sie doch erst vor zwei Wochen ein Gefecht überstanden. Sie waren mit minimalen Verlusten davongekommen und das hatten sie, das wussten alle, dem herausragenden Plan ihres Kaptain’s zu verdanken.
Hornblower war erst seit etwas mehr als ein Jahr Kaptain der ‚Farndale‘  und hatte sich durch seine Art die Crew zu führen ungewöhnlich schnell den Respekt der Männer verdient. Seine, zum Teil, äusserst eigenwilligen Pläne um andere Schiffe aufzubringen oder einen Hinterhalt durchzuführen, waren bestimmt eine grosse Hilfe gewesen. Zu beginn hatte der frisch beförderte Kaptain Hornblower zusammen mit seiner Crew gespeist, was ihm von einigen der anderen Kapitänen ein unverständliches Kopfschütteln eingebracht hatte. Doch inzwischen waren seit es das letzte Mal dazu gekommen war schon einige Monate verstrichen und er ass nun stets allein. Auch hatte man ihm Unverständnis entgegengebracht als man hörte, dass er das Selbe zu sich nahm wie alle Anderen auch. Waren seine Männer gezwungen sich mit einer halben Portion zufrieden zu geben tat er es ebenso. Nur wenige konnten vermuten weshalb dies so war und diese wenigen Männer hatten mit ihrem Kaptain zuvor auf der ‚Indefatigable‘  gedient. Und dies waren lediglich drei: Matthews, Styles und Oldroyd.
Diese Matrosen vertrauten ihrem Kaptain bedingungslos, hatten sie doch mit eigenen Augen gesehen wie Hornblower verblüffend schnell Karriere machte und hatte viel zusammen mit ihnen erlebt was sie miteinander verband. Da wären drei Wochen auf einem Quarantänen-Schiff, eine Monatelange Gefangenschaft durch die Spanier, Rationierung der Nahrung und deren Auswirkung auf einige Besatzungsmitglieder, eine unerfreuliche Zeit unter Kaptain Sawyer und einige andere Abenteuer.
Hornblower merkte auf als er einen Ruf hörte:
 >>Schiff auf Steuerbord!<<
Er drehte sich in die gewiesene Richtung, lies sich von einem Lieutenant sein Fernglas reichen und suchte den Horizont ab. Tatsächlich. Es dauerte allerdings noch ein paar Augenblicke bis sich erkennen lies mit was für einer Flagge es segelte. Horatio fühlte sich beinahe erleichtert als er die Flagge der Britischen Marine ausmachte. Einen Moment später lies er das Fernglas mit einem kaum merklichen Lächeln sinken. Er kannte diese Fregatte. Die ‚Indefatigable‘  erkannte er immer und überall.
Hornblower rief seinem Steuermann eine leichte Kursänderung zu.
 >>Wollen wir doch mal sehen ob Kaptain Pellew mit mir Speisen möchte<<, murmelte er vor sich hin.

Sobald die beiden Schiffe nah genug waren sandte Kaptain Hornblower einen Boten mit einer höflichen Einladung zum Abendessen. Die Antwort war wenig erfreulich, nicht etwa weil Kaptain Pellew keine Zeit oder Lust verspürte der Einladung zu folgen, sondern weil es ihm nicht möglich sei dies zu tun da er krank daniederlag. Kaum hatte Hornblower die Nachricht vernommen übergab er das Kommando der ‚Farndale‘ an seinen erste Offizier und ruderte mit einigen Männer zur ‚Inde‘ hinüber.
Der Wellengang war im Vergleich zum Morgen rauer geworden und sie wurden recht durchgerüttelt.
 >>Es zieht ein Sturm auf.<<
 >>Aye, Sir<<, stimmte Matthews seinem Kaptain zu und musterte ebenso wie dieser das Meer und den Himmel.
An Bord der ‚Indefatigable‘ wurden sie mit dem obligatorischen Pfeifen in Empfang genommen.
 >>Kaptain Hornblower, es ist uns eine Ehre Sie an Bord begrüssen zu dürfen.<<
Die Person die sprach besass ein nur allzu bekanntes Gesicht.
 >>Mister Bowles, es ist schön Sie zu sehen, es muss über ein Jahr her sein<<, freute sich Hornblower ehrlich.
 >>In der Tat, sogar mehr.<<
 >>Nun sagen Sie, wie steht es um Kaptain Pellew?<<
Das rundliche Gesicht seines Gegenübers verdüsterte sich leicht. Mister Bowles bat ihn ihm zu folgen und unterrichtete ihn auf dem Weg zur Kajüte über Pellew’s Zustand.
 >>Er hat sich eine üble Erkältung zugezogen und er ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Doch glücklicherweise ist sein Fieber
      bereits wieder gesunken. Und dennoch waren es einige besorgniserregenden Tage.<<  
Inzwischen hatten sie die Tür erreicht und Mister Bowles klopfte an. Diese wurde von einem Mann geöffnet in dem Hornblower den Schiffsarzt erkannte. Auch in dessen Augen flackerte erkennen auf. Er gab die Tür frei und lies Hornblower eintreten.
 >>Kaptain Pellew, Sir? Sie haben einen Besucher.<<
 >>Dann habe ich tatsächlich ein anderes Schiffe gehört.<<
Die Stimme war unverkennbar die von Kaptain Pellew, aber sie klang schwach und erschöpft. So gar nicht nach dem vor Energie strotzenden Mann, den Hornblower kannte.
 >>Wer ist es?<<
 >>Ich bin es, Sir. Hornblower.<<
In der Gegenwart des älteren Mannes fühlte sich Horatio wieder in seine Zeit als Fähnrich und Lieutenant  zurückversetzt. Es war durchaus kein unangenehmes Gefühl.
 >>Horatio Hornblower. Welch Überraschung Sie zu sehen. Das Dasein als Kaptain scheint ihnen gut zu bekommen.<<
 >>Danke, Sir. Wie geht es ihnen?<<
Hornblower trat näher zur Bettstätte auf der ein blasser Kaptain Pellew lag, ein Laken über sich gebreitet und mit vom Fieber schweissnassem Gesicht. Die Krankheit hatte tiefe Furchen in das ohnehin  nicht mehr junge Antlitz gegraben. Die besorgte Musterung der er unterzogen wurde entging dem Kranken keineswegs und so sprach er in seiner üblichen harschen Art:
 >>Kein Grund mich wie einen Todkranken anzusehen, Mister Hornblower. Man hat mir versichert das Schlimmste bereits hinter
      mir zu haben.<<
Hornblower nahm dies mit unübersehbarer Skepsis zur Kenntnis und fragte dann:
 >>Ist da irgendetwas das ich für Sie tun kann, Kaptain?<<
Nun war er es der einer Musterung über sich ergehen lassen musste.
 >>Ich bin nicht mehr ihr Kaptain, Mister Hornblower.<<
Dieser runzelte leicht die Stirn, bis ihm auffiel das seine zuvor gestellte Nachfrage durchaus so interpretiert werden konnte wie es Pellew anscheinend getan hatte.
 >>Ja, Sir. Dies ist mir bewusst und dennoch sollte da etwas sein das ich für Sie tun kann, währe es mir ein Ehre ihnen
      behilflich zu sein.<<
Bevor der Kranke etwas darauf erwidern konnte schwankte das Schiff plötzlich so stark, dass sich alle darauf befindenden einen Moment festhalten mussten. Auch Hornblower taumelte zur Seite bevor er sich wieder fangen konnte. Rasch aber mit Vorsicht ging er in den angrenzenden Raum und sah durch die nassen Glasscheiben hinaus. Die See war stark aufgewühlt und mit jedem Moment den er hinaus blickte schien des Wellengang noch an Stärke zuzunehmen.
Sich an der Wand abstützend begab er sich zurück und erstattete seinem ehemaligen Kaptain wie früher Bericht.
 >>…Ich hätte nicht gedacht das uns der Strom so rasch erreicht haben würde,<< er schwieg kurz und fuhr dann fort,
 >>Nun, ich sollte zurück auf mein Schiff. Ich hoffe das wir uns bald wieder sehen, unter glücklicheren Umständen  und
      wünsche ihnen eine baldige Genesung.<<
Mit einem respektvollem neigen des Kopfes war Hornblower auch schon auf das Deck hinaus entschwunden. Dort rief er seine Männer zu sich und eilte ihnen voraus zu dem Boot, mit dem sie hergekommen waren. Instinktiv die Bewegungen des Schiffes voraussehend kam er kaum ins Straucheln. An der Reling angekommen warf er einen nachdenklichen Blick auf ihr Boot hinab, es wurde heftig hin und her geworfen und hatte bereits eine beachtliche Menge an Wasser aufgenommen.
 >>Was denken Sie, Matthews, schaffen wir es noch auf unser Schiff?<<
 >>Tja, Sir…wir können es versuchen wenn Sie es wünschen, aber es erscheint mir als zu gefährlich. Eine grosse Welle und
      wir entern. Rettung wäre sehr unwahrscheinlich.<<
Hornblower dachte einen Moment nach, dann als er einen Entschluss gefasst hatte drehte er sich um.
 >>Styles, lassen Sie Kaptain Pellew faden ob wie die Signallampe benutzen dürfen und richten Sie ihm auch noch aus das
      wir  gezwungen sind seine Gastfreundschaft noch ein wenig länger in Anspruch zu nehmen und auf seinem Schiff bleiben
      müssen, bis der Sturm vorbei ist.<<
 >>Aye, Sir.<<
 >>Matthews und Oldroyd! Gehen Sie mit den Anderen unter Deck!<<
 >>Aye, Sir<<, kam es von den Beiden.
Hornblower indes machte sich auf den Weg zur Signallampe. Einige Male rutschte er auf den nassen Blanken, da es inzwischen angefangen hatte zu regnen. Nachdem Styles zurück war und ihm die Nachricht von Pellew überbracht hatte, schickte Hornblower den Mann nach unten zu den Anderen.
Die Nachricht lautete, dass er selbstverständlich die Signallampe benutzten könne, man ihm ein Quartier zurecht machen werde, ebenso für seine Männer und eine Einladung von Mister Bowles zum Abendessen war auch dabei.
Hornblower nahm sich einen Augenblick zeit um sich eine Nachricht an seinen ersten Offizier zurecht zu legen und begann das Signal eigenhändig zu senden. Der Matrose der von Kaptain Pellew dafür vorgesehen war schickte Hornblower mit einem höflichen Dank zurück an seine eigentliche Aufgabe.
Von einem regengeschützten Fleck wurde Hornblower dabei beobachtet wie er die Signallampe scheinbar ohne Probleme handhabte. Mister Bowles stand vor der Tür zum Quartier seines Kaptain’s. Die Minuten verstrichen und der junge Mann musste inzwischen bestimmt  bis auf die Haut durchnässt sein doch er fuhr stoisch mit seiner Arbeit fort. Sendete sein Signal, wartete auf die Antwort und sendete erneut. Hinter Bowles ging die Tür auf und ein blasser und leicht hustender Kaptain Pellew lehnte im Rahmen. Im ersten Moment wurde er von dem rundlichen Mann nicht bemerkt und so folgte Pellew dessen Blick aufs Deck hinaus.
 >>Wo ist der Mann den ich zum signalisieren gerufen habe?<<
Bowles drehte sich erschrocken herum als so plötzlich hinter ihm gesprochen wurde.
 >>Kaptain! Nun, Mister Hornblower hat in zurück an seine Arbeit geschickt.<<
Eine Weile schwiegen die beiden Männer und sahen  dem jüngeren zu wie er im strömendem Regen hantierte, dann schien schien er fertig zu sein denn er schritt durch den Regen auf sie zu. Das Schiff schwankte immer mehr und es würde vermutlich noch schlimmer werden. Als Hornblower ohne zu stürzen bei ihnen angekommen war wandte er sich als er Pellew sah sogleich an diesen.
 >>Sir, sie sollten nicht hier draussen sein, ihr Zustand könnte sich verschlimmern<<, sprach Hornblower besorgt, ungeachtet dessen das er es war dem aus seinem Haar Wassertropfen über das bereits nasse Gesicht liefen.
 >>Ich danke ihnen für ihre Fürsorge, doch sagen Sie was haben Sie ihrem ersten Offizier ausgerichtet?<<
 >>Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich und meine Männer aus offensichtlichen Gründen nicht zurück auf die ‚Farndale‘ können.
      Des weiteren bat ich ihn, da ich es für das beste hielt, dass er nach Gibraltar segeln möge, um dort auf meine Rückkehr
      zu warten.<<
 >>Nach Gibraltar segeln? Sie können doch gewiss sobald der Sturm sich gelegt hat auf ihr Schiff übersetzen?<<, Mister Bowles war verwirrt.
 >>Ich bat ihn zu segeln da es gefährlich werden könnte in einem Sturm so nahe bei einem zweiten Schiff zu sein. Bei solchen
      Winden kann man nicht garantieren, dass die Schiffe nicht zusammen stoßen. Und würde er weiter entfernt den Sturm
      Aussitzen ist nicht gewiss ob wir nach dem Sturm überhaupt noch wissen wo der jeweils andere ist, geschweige denn
      wir selbst. Es ist also das Beste das jedes Schiff für sich versucht Gibraltar zu erreichen,<< hier wandte er sich an Pellew,
 >>Vorausgesetzt natürlich ihr nächstes Ziel ist das selbe wie das meine. Andernfalls wäre es mir eine Ehre Sie so lange zu
      begleiten bis Sie diesen Hafen anlaufen oder sich andere Optionen in dieser Hinsicht auftun.<<
 >>Wir waren in der Tat ebenfalls auf dem Weg nach Gibraltar. Kluge Entscheidungen haben Sie da getroffen, Mister
      Hornblower.<<
Dieser neigte zum Zeichen des Dankes seinen Kopf, doch Kaptain Pellew war noch nicht fertig.
 >>Sähen Sie sich in der Lage das Kommando meines Schiffes zu übernehmen bis ich genesen bin, oder wir in den Hafen
      einlaufen, Kaptain Hornblower?<<
Es war das erste Mal seit Hornblower das Schiff betreten hatte das Pellew ihn mit seinem Titel ansprach. Als wäre ihm erst jetzt wider der Gedanke gekommen, dass dieser nicht mehr auf seinem Schiff diente sondern ein eigenes Kommando inne hatte und wie Pellew hörte diese Aufgabe mit Bravour meisterte. Somit war Hornblower der geeignetste Kandidat um sein Schiff zu übernehmen und ihm damit die Gelegenheit zur Genesung zu geben, ohne sich um das Schiff  und die Crew sorgen zu müssen.
Hornblower schluckte leer und räusperte sich bevor er seiner Stimme traute und sagte: >>Es ist mir eine Ehre ihnen behilflich
      zu sein, Sir.<<
 >>Gut, Sie werden das Abendesse mit mir zusammen einnehmen. Mister Bowles, Sie auch. Sie werden in den nächsten
      Tagen Kaptain Hornblower unterstützen und ihm erklären was sich seit seinem Weggang hier verändert hat.<<

Es wurde ein kurzes Mal da Kaptain Pellew schnell erschöpft war. Hornblower lies sich zu seinem Quartier führen, das Angebot Pellew’s das Quartier des Kaptain’s in beschlag nehmen zu können hatte er strickt abgelehnt.
In dem schmalen Raum wartete bereits eine brennende Kerze auf ihn und ein schmaler Stapel Kleidung von Mister Bowles, die dieser Hornblower leite. Schon vor dem Essen war er auf fremde Kleidung angewiesen gewesen. Da Horatio noch genau so drahtig wie früher war, waren ihm die Kleidungsstücke viel zu gross, doch auch keiner der anderen Offiziere oder gar Fähnriche hatte ach nur ansatzweise eine ähnliche Statur vorzuweisen. Und obwohl es sich etwas seltsam anfühlte machte es Horatio nicht aus, sobald seine eigenen Kleider wieder trocken waren würde er diese wieder anziehen können.
Er setzte sich für einige Minuten auf die schmale Pritsche die ihm als Ruhestätte dienen würde, dann erhob er sich und verliess die Kammer und machte sich auf die Suche nach seinen fünf Männern. Als er sie gefunden hatte erkundigte er sich ob ihnen bereits Schlafplätze zugewiesen und ob sie beim Abendessen muteingerechnet worden waren. Doch er hätte sich keine Gedanken zu machen brauchen, Kaptain Pellew hatte alles nötige in die Wege geleitet und alles war laut Befehl ausgeführt worden. Zudem kannten die Meisten auf der ‚Indefatigable‘ die drei Männer… und natürlich ihn selbst. Kaptain Hornblower wurde von den Matrosen auf seinem ehemaligen Schiff herzlich begrüsst und den Neuzugängen erklärte man sogleich wer er war. Die meisten Geschichten schmückten sie übertrieben aus und Horatio sah sich gezwungen des öfteren einzuschreiten und den wahren Sachverhalt zu schildern.
In dieser Nacht suchte Horatio seine Schlafkammer zu keiner Stunde auf. Der Sturm hatte seinen Höhepunkt erreicht und tobte Stund um Stund mit seiner geballten Kraft. Es schien als wäre der liebe Gott über irgendetwas oder jemanden in zornige Ekstase geraten. Der Kaptain eines Schiffes zu sein während es von einem Sturm gebeutelt wurde, und war es auch nur als Stellvertretung, bedeutete viel Arbeit. Achtsam musste er jede noch so kleine Änderung des Windes beachten und bisweilen sogar voraussehen um zu verhindern das die Segel in Fetzen rissen oder das Schiff in gefährliche Schräglage manövriert wurde. Nun, er war wohl nicht der einzige der in dieser Nacht kein Auge zumachte, es wäre wohl eher ein Wunder sollte überhaupt jemand bei solch einem Seegang schlafen können.
Am späten Vormittag des nächsten Tages war es dann vorbei, raue See aber in einem erträglichen Masse. Doch auch wenn die Sorge des Sturmes von Hornblower gefallen war und er nun vollauf damit beschäftigt war die anfälligen kleineren Reparaturen zu koordinieren bereitete ihm etwas Unbehagen. Der Grund für dieses Gefühl war Kaptain Pellew, dessen Zustand hatte sich nämlich über Nacht, wie Hornblower befürchtet hatte, verschlechtert. So kam es das man ihn, wenn er auf Deck nicht gebraucht wurde, an der Seite von Kaptain Pellew zu finden war, wo er sich um diesen, so es denn in seiner Macht lag, kümmerte.
Der von erneut steigende Fieber geplagt danieder liegende Mann war Hornblower’s Vorbild seit dieser ihn vor Mister Simson gerettet hatte und das nur weil der Ältere sich stets ein eigenes Bild einer Person zu machen pflegte. Eine Eigenschaft die Hornblower übernommen hatte, so hoffte dieser. Die übertragene Verantwortung und die stetige Sorge um Kaptain Pellew forderten nach dem dritten Tag langsam seinen Tribut, so fand Mister Bowles ihn in einem Stuhl neben dem ebenfalls schlafenden Pellew vor und es war bei weitem nicht das einzige Mal. Auch wurde Bowles ein Mal Zeuge wie Hornblower einen Disput mit dem Schiffsarzt führte, anscheinend ging es um die Behandlung des Kranken. Es war als wäre Kaptain Hornblower’s Argumentation überzeugend gewesen, denn der Arzt eilte davon um das verlangte holen zu gehen. Kurz darauf war er mit einer Kanne heissem Wasser und einem beigen verzweigten wurzelähnlichen Ding zurück. Er übergab alles dem schlaksigen Mann, dieser zog aus eine Tasche ein aufklappbares Messer und schnitt etwas von dem Gewurzel in Stücke, gab es in das heisse Wasser und lies es dann kurz stehen bevor er Kaptain Pellew eine Tasse eingoss. Darauf bedacht nichts zu verschütten schritt er zum Krankenlager, half diesem sich etwas aufzurichten und flösste ihm das Gebräu Schluck für Schluck ein. Von dieser minimalen Bewegung erschöpft sank Pellew zurück in die Kissen und schloss die Augen. Leise verliess Hornblower den Raum und wies den Arzt an dem Kaptain so viel davon zu trinken zu geben wie es nur irgend ging und so heiss wie möglich. Dann ging er hinaus, gefolgt von Mister Bowles und wartete nachdem er die Tür hinter ihnen geschlossen hatte auf Bowle’s Bericht. Doch dieser fragte zuerst: >>Sir, was war das?<<
 >>Ingwer, Mister Bowles, Ingwer.<<
 >>Ingwer?<<
 >>Ja, Ingwer. Heiss aufgebrüht wirkt es wäre Wunder bei Erkältungen.<<
 >>Wo haben Sie denn das gehört, Sir?<<
 >>Mein Vater war Arzt. Doch nun, Mister Bowles… Sie wollten Bericht erstatten?<<
 >>Aye, Sir.<<
 >>Nun denn, dann lassen Sie hören.<<
 >>Es wurde ein Boot gesichtet, Sir!<<
Sie stiegen die kurze Treppe hinauf zum Steuerstand und Mister Bowles reichte ihm ein Fernglas, währenddessen fragte Hornblower:
 >>Ein Boot?<<
 >>Are, Sir. Es scheint ein Beiboot zu sein.<<
Er deutete in die Richtung und Hornblower hob das Rohr an das Auge, bald schon betrachtete er das Boot und dessen Insassen.
 >>Was denken Sie, Sir?<<, fragte Mister Bowles.
 >>Spanier.<<
Hornblower reichte das Fernglas an diesen zurück. Der hob es nun seinerseits an und kam schliesslich zum selben Ergebnis. Beide schwiegen eine Weile, dann gab Hornblower den Befehl beizudrehen und die Männer an Bord zu holen. Die Offiziere bat er der Crew aufzutragen Vorsicht mit den Neuankömmlingen walten zu lassen. Man konnte nie wissen und Hornblower wollte kein Risiko eingehen, man konnte es schon ein solches nennen die Spanier an Bord zu nehmen, aber er konnte sie auch nicht einfach ignorieren. Das Gebot schon allein die Menschlichkeit und er hoffte ein anderer Kaptain würde das selbe für ihn tun, sollte er jemals in eine ähnliche Situation geraten.
Sobald die Spanier an Bord waren, sieben insgesamt, lies Hornblower ihnen trockene Kleidung bringen und einen Schlafplatz zuweisen. Es waren der erste Offizier einer spanischen Fregatte und sechs seiner Männer, sie waren damit beauftragt gewesen ein aufgebrachtes britisches Schiff in einen spanischen Hafen zu bringen und wurden von dem Sturm überrascht. Das ohnehin schon leicht beschädigte Schiff war diesem nicht gewachsen und erlag der Naturgewalt. Diese Männer konnten sich in das Beiboot retten und wie durch ein Wunder hatten sie den Sturm überlebt, auch wenn sie zu Beginn  noch 10 Personen gewesen waren.
Dies erzählte der erste Offizier in beinahe fehlerlosem Englisch, wenn auch mit starkem Akzent. Gomez, so sein Name, schien ein umgänglicher Mann zu sein und strahlte lediglich Dankbarkeit aus endlich von dieser Nussschale hinunter zu sein. Dies galt allerdings nicht für all seine Männer. Besonders einer von ihnen, ein grosser muskelbepackter Matrose, schien einen grossen Unmut dem jungen Kaptain gegenüber zu empfinden.
 >>Senore, einen solchen Jungspund können wir doch leicht unter Kontrolle bringen und haben wir den Kaptain, haben wir
     das ganze Schiff in unserer Hand.<<  
Hornblower tat als hätte er kein Wort verstanden und blickte erwartungsvoll Gomez an. Das Horatio spanisch verstand und auch mehr oder weniger fliessend sprechen konnte hatte er einem Aufenthalt in einem spanischen Gefängnis zu verdanken. Dort hatte er zusammen mit Archie die Sprache erlernt um gegen die Langeweile anzukommen. In dieser Situation konnte es allerdings von Vorteil sein dies für sich zu behalten und zu sehen was die Spanier unter sich sprachen.
 >>Ah, Kaptain Hornblower, Guillo hier wollte lediglich wissen wie ein so junger Bursch wie Sie Kaptain sein kann.<<
Wohlwissend das dieser Matrose etwas ganz anderes gesagt hatte, meinte Hornblower: >>Nun, Sir, ich bin noch nicht lange
      Kaptain dieses Schiffes.<<
Gomez nickte lächelnd und wandte sich an seinen Matrosen, wie um ihm das Gesagte zu übersetzten: >>Wir tun nichts der-
      Gleichen, Guillo. Wir haben Kaptain Hornblower unser Leben zu verdanken.<<
Guillo schnaubte, was ihm einen scharfen Blick seines Vorgesetzten eintrug.

Als Hornblower mit Mister Bowles alleine war trug er ihm folgendes auf:
 >>Mister Bowles, gehen Sie und lassen alles aus der Kabine von Kaptain Pellew entfernen das verraten könnte, dass er der
     eigentliche Kaptain dieses Schiffes ist und lassen Sie es unauffällig in meine Kammer bringen!<<
 >>Aye, Sir<<, Mister Bowles klang leicht verwirrt, >>darf ich fragen weshalb, Sir?<<
Hornblower sah sich um ob auch ja keine Spanier in der Nähe waren und erklärte: >>Die Spanier denken ich sei noch nicht lange
      Kaptain, folglich unerfahren, es könnte sich als Vorteil erweisen lasse ich sie in diesem Glauben. Ausserdem sollten sie mich
      Als Geisel nehmen, um das Schiff unter ihre Kontrolle zu bringen, werden sie merken das sie den falschen Kaptain haben.<<
Mister Bowles nickte bedächtig und lies sich den Gedanken eine Weile durch den Kopf gehen, dann wollte er wissen:
 >>Wie wollen Sie das vor den Spaniern verbergen, Sir?<<
 >>Sobald Sie meinen ersten Auftrag ausgeführt haben, weisen Sie die Offiziere an unauffällig die Mannschaft zu unterrichten,
     das von Kaptain Pellew auf keinem Fall als solcher gesprochen werden darf. Ich unterrichte derweilen Kaptain Pellew
     selbst.<<
 >>Kaptain, Sir? Wie wollen Sie seine Anwesenheit in dem Quartier des Kaptain’s erklären?<<
 >>Ich werde mir etwas einfallen lassen und jetzt gehen Sie, seien Sie ja unauffällig!<<
Gesagt, getan. Keine Stunde nach ihrem Gespräch wusste auch der letzte auf dem Schiff, ausser den Spanier, von Hornblower’s Anweisungen und sie wurden in den nächsten Tagen strickt befolgt.

Schon am Tag nach dem sie die Spanier aufgelesen hatten kam es zu einer heiklen Situation. Guillo schien es wohl als sein Recht zu betrachten sich überall umzublicken, so kam es dass er die Kaptain’s-Kabine betritt und einen schlafenden älteren Mann vorfand. Mit einer dampfenden Kanne und einer Tasse neben sich, sowie einen weiteren Mann der wohl der Schiffsarzt war. Obwohl der Kranke keinerlei Kleidung trug die ihn als Kaptain auswies war sich der Spanier sicher dieser Mann sei eher der Kaptain als dieser schmächtige Jüngling.
Sofort eilte er zu seinem Vorgesetzten Gomez und erstattete ihm Bericht, dieser wies ihn darauf hin, das es für den Mann im Quartier des Kaptain auch eine andere Erklärung geben konnte als die, die der Matrose sich zurecht gelegt hatte. Und doch fing der Offizier an zu grübeln ob die Anwesenheit dieses Mannes etwas zu bedeuten hatte. Gomez entschloss sich daher den Kaptain der ‚Indefatigable‘ aufzusuchen und herauszubekommen wer er war. Er brachte seine Frage unter dem Vorwand vor, dass er sich für die Neugierde seines Matrosen entschuldigen wollte und nachfragte ob es dem Mann den bald wieder besser geht.
Aus einem Gefühl heraus entschloss Hornblower sich daraufhin den spanischen Offizier mit Pellew bekannt zu machen, ohne dessen Rang als Kaptain zu erwähnen. Als er die Tür hinter ihnen schloss meinte Hornblower:
 >>Glücklicherweise ist er wieder auf dem Weg der Besserung. Sein Zustand ist sogar schon besser als vor dem Rückfall den er
     erlitt. In zwei, drei Tagen sollte er wieder vollständig Genesen sein.<<
 >>Das freut mich zu hören.<<
Nun stellte Hornblower die Männer einander vor.
 >>Señor Gomez, dies ist Mister Pellew. Mister Pellew, dies ist Señor Gomez von dem ich Ihnen bereits erzählt habe.<<
Kaptain Pellew, der aufrecht an seine Kissen gestützt dasass, nickte freundlich.
 >>Gestatten Sie mir eine Frage, auf die Gefahr hin übergebührlich neugierig zu sein?<<
Als Niemand einen Einwand erhob fuhr der Spanier fort.
 >>Dürfte ich wissen wer Mister Pellew ist, dass er die Ehre geniesst ihr Quartier zu beziehen?<<
Da Gomez bei seiner Frage Hornblower ansah, der leicht hinter ihm im Türrahmen stand, sah er den beunruhigten Blick seitens Kaptain Pellew’s nicht, der dieser dem Spanier zuwarf. Auch entging so diesem den verblüfften Ausdruck in seinem Gesicht ab der Antwort von Hornblower.
 >>Mister Pellew ist mein Vater.<<
Rasch hatte der frisch gebackene, vermeintliche Vater seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle und als Señor Gomez sich überrascht zu diesem umdrehte sass Pellew mit neutralem Gesichtsausdruck da, als wäre es nicht auch für ihn das erste Mal dies zu hören.
 >>Sie tragen nicht den selben Namen, Kaptain.<<
 >>Hornblower ist der Name meiner Mutter, Señor.<< Gab dieser gewandt zur Antwort, dann fuhr er nach einem Moment der Stille fort: >>Ich habe ihn angenommen um bei der Marine nicht den Anschein von Bevorzugung zu erwecken.<<
 >>Ah, ja. Sehr weitsichtig. Darf ich dem entnehmen das ihr Vater ebenfalls Kaptain ist?<<
Bedauernd schüttelte Hornblower den Kopf und übernahm auch hier das Antworten von Dingen die ihm die Inspiration des Augenblickes eingab.
 >>Nein, leider hat seine schwankende Gesundheit es ihm nie erlaubt seine Karriere weiter als ein einfacher Offizier voran zu
     bringen.<<
Gomez nickte verstehen und verabschiedete sich mit einer weiteren Entschuldigung für Guillo und verliess den Raum. Kaum hörten sie die Tür ins Schloss fallen sprach Pellew, der während dem ganzen vorigen Gespräch still dagesessen hatte und meisterlich so getan hatte als wisse er von alledem.
 >>Ich muss gestehen, Mister Hornblower, die Kunst des Fantasierens verstehen Sie hervorragend.<<
Dieser trat nun näher: >>Danke, Sir. Allerdings muss ich Sie um Verzeihung bitten.<<
 >>Wofür, Mister Hornblower?<<
 >>Nun zum einen das ich Sie als zu Krank beschrieben habe um Kaptain zu sein und zum anderen das ich mich erdreistet habe
     anzudeuten ihr Sohn zu sein. Es stand mir nicht zu.<<
 >>Sie haben es nicht nur angedeutet,<< Hornblower senkte bei diesen Worten kurz den Blick, dann straffte er sich und blickte gerade, den Mund öffnend um etwas zu sagen, doch Pellew sprach bereits weiter: >>Solange wir nicht wissen ob und was die
      Spanier Vorhaben ist es wohl so das Beste. Dann nächste Mal jedoch warnen Sie mich bei einer solchen Geschichte vor!<<
 >>Ja, Sir. Allerdings möchte ich anmerken, dass es eine spontane… Geschichte war.<<
 >>Dann wollen wir hoffen es werden nicht noch mehr Spontanität von Ihnen benötigt, sonst verstricken Sie sich irgendwann
     noch in ihnen.<<

Zwei Tage später stand Hornblower auf dem Deck und rief einen Befehl. Die Winde hatten wieder aufgefrischt, wenn sie vom Pech verfolgt wurden dann würden sie in einen weiteren Sturm geraten. Erneut wurde er von einem paar Augen beobachtet, doch dieses Mal nicht von dem wohlwollenden Mister Bowles, sonder von einem stechenden und berechnenden Blick. Es war Guillo der den jungen Kaptain taxiert und sich erst abwandte als man der kleinen Gruppe Spanier mitteilte das sie nun ihre mittägliche Essensration abholen könnten. Während die Spanier davoneilten legte ein englischer Matrose seine Pistole auf eine Kiste, da sie ihm aus dem Hosenbund gefallen war und kam einem anderen Crew-Mitglied zur Hilfe, der alleine ein dickes Seil auf zu schiessen versuchte. Nachdem diese Arbeit getan war wandten sie sich anderen Dingen zu, die Pistole war vergessen und eine Stunde später war sie verschwunden.
Während der Essenszeit herrschte auf dem Deck eine, für diese Tageszeit, angenehme Ruhe. Hornblower genoss sei einen Moment, dann machte er sich auf um mit Kaptain Pellew, Señor Gomez und Mister Bowles zu speisen. Er warf einen letzten Blick auf die zunehmend rauer werdende See. Ja, es würde noch ein Sturm aufziehen. Wenigstens musste er sich nun keine Sorgen mehr um Kaptain Pellew machen, denn dieser hatte sich beinahe vollständig erholt.

Es war der Tag danach, am späten Nachmittag, als der anfängliche Sturm über sie herein brach. Dunkle Wolken zogen sich am Horizont zusammen und waren ein düsteres Versprechen.
Kaptain Hornblower stand in der Nähe des Steuerrades und gab eine Reihe an Befehle als Vorbereitung auf den kommenden Sturm an Mister Bowles weiter. Dieser eilte davon und begann die Befehle weiter zu leiten. Zufrieden trat Hornblower zur kurzen Treppe, gab dem Steuermann noch eine knappe Kursänderung und drehte sich gerade zu den Stufen um, als ein Schuss ertönte. Es folgte Geschrei und ein Aufruhr, dann ein erneuter Schuss aus einer Pistole und plötzlich herrschte bleierne Stille.
Hornblower sah sich um und erblickte Señor Gomez mit einer Pistole in den Händen, die immer noch auf den in die Knie gesunkenen Guillo gerichtet war. Diese entglitt aus seinen erschlaffenden Fingern die Pistole die er Gestern gestohlen hatte. Dann fiel er nach vorne und regte sich nicht mehr. Sekundenlang starrte Gomez noch auf seinen Matrosen, von ihm selbst getötet.
Doch als er gesehen hatte wie Guillo eine Pistole unter seinem Hemd hervorzog und auf den jungen Kaptain Hornblower richtete, hatte er ohne zu zögern gehandelt und einem englischen Matrosen dessen Waffe abgerungen, angelegt und abgedrückt.
Nun hob er seinen Blick und sah hoch zu dem jungen Mann, der mit blassem Gesicht oberhalb der Treppe stand und auf die bizarre Szene blickte. Hornblower öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch alles was heraus kam war ein Keuchen. Plötzlich lief ihm Blut über Lippen und Kinn, dann verdrehten sich seine Augen nach oben und seine Beine gaben nach. Wie erstarrt sahen alle zu wie die drahtige Gestallt die wenigen Tritte hinunter aufs Deck stürzte und mit einem übelkeiterregenden, dumpfen Geräusch aufschlug.  
Alles stand wie zu Salzsäulen geworden da, der Steuermann mit einer Hand ausgestreckt als wolle er den bereits Gestürzten festhalten, obwohl er einige Meter zu weit weg stand.
Dann wurde plötzlich die Tür zur Kabine des Kaptain’s aufgerissen und eben dieser stürzte heraus. Mit dem geübten Auge eines jahrelangen Kaptain’s erfasste er die Situation und übernahm sofort das Kommando.
 >>Styles, Matthews, helfen Sie mir Mister Hornblower hinein zu tragen!<<
 >>Aye, Sir.<<
Da kamen die Beiden auch schon angerannt, ergriffen die Beine, während Kaptain Pellew Hornblower unter den Achseln fasste, dieser schrie auf vor Schmerz. Gemeinsam hoben sie ihn hoch, bevor sie durch die Tür verschwanden wandte sich der Kaptain der
‚Indefatigable‘ das erste Mal seit Tagen wieder an seine Crew.
 >>Was steht ihr noch da rum?! Schafft diesen… diesen… schafft ihn mir aus den Augen!<<, damit meinte er den toten spanischen Matrosen, >>Mister Bowles, Sie haben das Kommando! Sie wissen was zu tun ist?<<
 >>Ja, Sir. Kaptain Hornblower hat die Befehle  bereits gegeben.<<
 >>Worauf warten ihr dann noch? Die Arbeit macht sich nicht von alleine!<<
Sofort machte sich die Mannschaft an die Arbeit, um das Schiff auf den zunehmenden Sturm vorzubereiten.

Drinnen legten sie den Verletzten auf den Tisch, den man sonst benutzte um die Karten darauf auszubreiten. Kaum lag Hornblower auf dem harten Holz da rauschte Kaptain Pellew bereits wieder aus dem Raum und brüllte: >>Oldroyd! Holen Sie den
      Schiffsarzt!<<  
Er wartete eine Antwort doch sie kam nicht von dem Matrosen sondern von Señor Gomez.
 >>El Mariner ist bereits unterwegs.<<
Ohne darauf einzugehen drehte sich Pellew auf dem Absatz um und eilte zurück zu dem jungen Kaptain. Dort musste er zu seinem Schrecken feststellen das der Blutfleck auf Hornblower’s Uniform beängstigende Ausmaße angenommen hatte. Suchend sah er sich um und ergriff dann ein sauberes Tuch, welches der Arzt bei einem seiner Besuche liegen gelassen hatte, trat an den Tisch und drückte es fest auf die Wunde. Hornblower gab einen Laut von sich der sich wie einen unterdrückten Schrei anhörte, sein Gesicht hatte wenn möglich sogar noch weiter an Farbe verloren.
 >>Verzeihen Sie Sir, auf so etwas war ich… nicht vorbereitet.<< Hornblower’s Stimme war leise und kaum zu verstehen.
 >>Reden Sie keinen Unsinn, Mann!<<
Der Jünger wollte noch etwas sagen doch er musste Husten und noch mehr Blut rann ihm von den Mundwinkeln über die Wangen.
 >>Wo bleibt der Arzt, verdammt?!<<
Im selben Moment flog die Tür auf und Oldroyd stürzte Docht gefolgt von eben diesem in den Raum. Aberforth trat an den Tisch und mit fachkundigem Blick mass er Hornblower.
 >>Platzwunde an der Stirn, ausgerenkte Schulter und…<<, zählte er während seiner raschen Untersuchung auf, >>eine
      Schusswunde im Bauch.<<
Nun war es der Arzt der sagte wer was zu tun hatte, ob Kaptain, Matrose oder spanischer Offizier.
 >>Styles finden Sie ein sauberes Tuch und stoppen Sie die Blutung am Kopf! Matthews und Oldroyd, sehen Sie zu das Kaptain
      Hornblower ruhig liegen bleibt!<<
Alle taten sogleich wie ihnen geheissen, Aberforth selbst trat neben Kaptain Pellew und übernahm nun dessen Aufgabe das Tuch auf die blutende Bauchwunde zu pressen und wies diesen an: >>Sir, halten Sie seinen ausgerenkten Arm genau wie ich sage…
      Sie! Helfen Sie ihm dabei!<<, wandte er sich zuletzt an Tenor Gomez, welcher nach dem Arzt die Kabine betreten hatte. Pellew mass den Spanier einen Moment mit einem scharfen, durchdringenden Blick und nickte dann. Mit blutbeschmierten Händen packte er wie angewiesen Hornblower ausgerenkten Arm, Señor Gomez half ihm dabei. Auf das Zeichen des Arztes bewegte Kaptain Pellew ruckartig den Arm des Jüngeren, der spanische Offizier hielt dagegen.
Ein rauer Schmerzensschrei seitens Hornblower war die Folge dessen und er versuchte sich aufzubäumen. Doch nun wurde er nicht nur von zwei Männern festgehalten, sondern gleich von vieren. Der Arzt begann nun, da die Blutung mehr oder weniger gestillt war, die Kugel heraus zu pullen, da diese noch im Körper drinnen steckte. Hornblower’s Augen rollten nach oben, sodass nur noch das Weisse zu sehen war und verlor das Bewusstsein.
 >>Halten Sie ihn bei Bewusstsein!<<, verlangte Aberforth an Niemand bestimmtes gewandt. Kaptain Pellew beugte sich über Horatio, klapste ihm leicht auf die Wange und als dieser nach einer Weile die Augen mit schweren Liedern öffnete herrschte er ihn an.  
  >>Bleiben Sie wach, Mann! Bleiben Sie wach!<<
Mit rasselndem Atem und trübem Blick starrte der Verwundete zu ihm hoch, dann zuckten seine blutverschmierten Mundwinkel. Ein gespenstiger Abklatsch seines früheren Lächelns. Auch wenn es ausserordentlich selten vor kam das Horatio Hornblower völlig frei Lächelte. Dann meinte er mit abgehackter, beinahe flüsternder Stimme: >>Es ist wohl nun an… der Zeit, dass Sie ihr… Schiff
      wieder übernehmen, Sir.<<
 >>Da mögen Sie recht haben, Kaptain Hornblower.<<
Froh das er so Hornblower davor bewahren konnte erneut Ohnmächtig zu werden ging Kaptain Pellew darauf ein. Sie wurden jedoch von einem überraschten Spanier unterbrochen.
 >>Ihr Schiff? Ich dachte…<<
 >>Sie dachten, ja<<, kam es knapp von Pellew. Hornblower wandte mit einem weiteren blasen Lächeln den Kopf und sah den verblüfften Mann an.
 >>Die ‚Indefatigable‘ ist nicht mein Schiff, Señor Gomez, es… gehört Kaptain Pellew. Es war… lediglich eine Taktik um… ihn
      In seinem kranken Zustand zu schützen…<<
 >>Zu schützen vor uns<<, stellte Gomez fest.
 >>Are, Sir. Es hatte auch den weiteren Vorteil, dass somit… auch die Mannschaft nicht ohne Führung bliebe, sollte mir etwas
     durch Sie… oder ihre Männer zustossen.<<
Es trat eine Weile Stille ein, dann nickte Señor Gomez: >>Ich verstehe, ich hätte wohl das Gleiche getan. Ich vermute dann auch
      das Kaptain Pellew nicht ihr Vater ist?<<
 >>Keineswegs… mein… Vater ist tot.<<
Kaum hatten diese drei Worte seinen Mund verlassen schien er es auch schon zu bereuen, denn er presste seine Lippen fest zusammen und wandte den Blick ab. Doch bevor Jemand etwas dazu sagen konnte glitt ein Stöhnen über seine blutleeren Lippen und sein Kopf sank zur Seite als er wieder Bewusstlos wurde. Dieses Mal gelang es Kaptain Pellew jedoch nicht mehr Hornblower daraus zu erwecken. Schliesslich schickte er die Matrosen hinaus um dort zu helfen, hier konnten sie nichts mehr tun, es lag nun alleine beim Arzt und Hornblower selbst.
Aberforth war gerade dabei Hornblower von dessen Uniform zu befreien, mit Bewegungen die seine Eile verrieten, ohne jedoch unbedacht zu sein. Sobald alles aufgeschnitten war, was es zu aufschneiden gab, zog der Arzt die zerfetzte Kleidung unter seinem Patienten hervor. Horatio’s rechte Körperhälfte hatte sich bereits an einigen Stellen bläulich verfärbt und würde es noch weiter tun. Während er die erneut blutende Schusswunde davon abzuhalten versuchte eben dies zu tun, sagte Aberforth mit gepresster Stimme: >>Kaptain, wenn Sie so gut wären die Kopfwunde zu verbinden, alles was Sie brauchen ist in meiner Tasche.<<
Señor Gomez, der näher an dieser stand, ergriff sie und reichte sie weiter. Der Kopf war schnell verbunden, wenn auch wenig Fachmännisch, doch es genügte vorerst. Der Arzt nahm es mit einem angespannten Nicken zur Kenntnis. Die Platzwunde war ihr geringstes Problem, denn die Wunde am Bauch wollte nicht zu bluten aufhören. Dies sagte er auch Kaptain Pellew.
 >>Grosser Gott!<<, dieser blickte auf Hornblower hinunter, >>gibt es denn nicht das Sie tun können? Da muss doch etwas
      zu machen sein.<<
 >>Es tut mir leid, Sir. Wenn ich die Blutung nicht bald zum stillstand bringe dann ist die Mister Hornblower’s Ende und selbst
      wenn es mir gelingen sollte… er hat bereits so viel Blut verloren…<<
Dies war eine erschreckende Tatsache, eine die sie Alle mit eigenen Augen sehen konnte. Unter Hornblower hatte sich sein Blut gesammelt, beschmierte seinen Rücken, sog sich in seine Beinkleider und hatte auf eine Seite eine schmale Spur über den Tisch gezogen und tropfte langsam, aber stetig, auf den Boden.
 >>Und wenn Sie die Wunde… verbrennen, Doctor?<<
Beide Männer wandten die Köpfe und starrten den Spanier an, sie hatten ihn schon ganz vergessen. Der Schiffsarzt überlegte einen Moment und nickte dann langsam.
 >>Das könnte funktionieren, ja… Allerdings sollten wir ihn zuerst zu mir bringen. Tun wir es erst danach könnte es gleich wieder  
      anfangen zu Bluten.<<
 >>Bei diesem Seegang kommen wir nicht weit, und uns läuft die Zeit davon. Legen wir Mister Hornblower auf meine Pritsche<<,
widersprach Kaptain Pellew. Vorsichtig hoben die drei Männer ihn hoch. Señor Gomez übernahm die Beine, der Arzt und Kaptain Pellew den Oberkörper. Schlaff hing Horatio’s Kopf nach unten und schwankte bei jeder grossen Welle die das Schiff traf. Nachdem sie ihn abgelegt hatten fischte der Arzt ein Messer aus seiner Tasche mit einer breiten Klinge, lies sich eine Gaslampe bringen und erhitzte diese. Es dauerte eine Weile, während dessen war Kaptain Pellew damit beschäftigt die Haut um die Wunde so sauber zu wischen wie möglich und gleichzeitig ein bereits blutdurchtränktes Tuch auf diese zu pressen. Seine Hände waren ebenso mit Hornblower’s Blut verschmiert wie die des Arztes. Schliesslich war es soweit.
 >>Señor Gomez, legen Sie ihm das zwischen die Zähne und dann drücken Sie seinen Oberkörper nach unten, aber Vorsicht
      mit seiner Schulter. Kaptain Pellew, achten Sie auf seine Beine, nicht das er noch um sich tritt und sich oder Sie verletzt.<<
Dann zählte der Arzt auf drei, hob das Tuch an und drückte die glühende Klinge auf die Wunde. Schlagartig war Hornblower wieder bei Bewusstsein, er schrie, wollte sich unter dem Messer hervorwinden. Der Schrei war Kaptain Pellew bis ins Mark gedrungen und so sah er mit erblasstem Gesicht zu. Dann nahm Aberforth die Klinge weg und begutachtete sein Werk. Es hatte tatsächlich die Blutung gestillt.
Hornblower lag schweratmend da und öffnete dann schliesslich seine tränenden Augen, sein Blick irrte umher bis er an Kaptain Pellew hängen blieb und sprach mit zittriger Stimme:
>>Es tut mir leid, Sir. Ich wollte ihnen keine…Umstände bereiten, ich…<<, doch weiter kam er nicht. Der Schmerz, den er kurzfristig zu ignorieren in der Lage gewesen war, brach nun wieder mit aller Wucht über ihn hinein. Seine Augenlider flatterten, dann glitt er zurück ihn die Dunkelheit. Mit rauer Stimme wandte sich Kaptain Pellew an den Arzt.
 >>Er wird es überleben, nicht wahr?<<, als er keine Antwort bekam entfuhr es ihm, >>Er muss einfach! Wir werden alles tun
      um dafür zu sorgen, das sind wie ihm schuldig.<<
 >>Schuldig…?<<, kam es nun verwirrt vom Spanier. Kaptain Pellew antwortete ihm ohne zu diesem hoch zu sehen.
 >>Ohne Mister Hornblower wäre heute niemand von der ‚Indefatigable‘ hier, geschweige denn das Schiff selbst.<<
Der Arzt verband mit grosser Vorsicht die Wunde und fixierte als er damit fertig war den verletzten Arm auf dessen Brust. Dann verliessen alle den Raum, der Arzt weil er mehr Schmerzmittel holen ging, Kaptain Pellew wer er noch ein Schiff zu befehligen hatte und der Spanier weil er nicht glaubte das man es gerne sehen würde wenn er alleine bei Kaptain Hornblower bleiben würde und weil er suchnützlich machen wollte. Das war das mindeste das er tun konnte.

Auf dem Schiff herrschte eine eigentümliches Schweigen, die gebrühten Befehle die über das Deck hallten, um den zunehmenden Sturm zu übertönen, peitschte durch diese so wie ein Schuss die Stille durchdrang. Und obwohl alle gewissenhaft ihren Aufgaben nachkamen fragte sich dich jeder immer wieder ob Kaptain Hornblower durchhalten und überleben würde…
Sobald das Schiff soweit für den weiteren Sturm vorbereitet war wie es zum jetzigen Zeitpunkt ging, wurde Kaptain Pellew von Aberforth in die Kaptain-Kabine gerufen. Der Arzt meinte, er solle sich noch immer schonen und in dem kalten Wind zu stehen trüge bestimmt nicht zu seiner vollständigen Genesung bei. Kaptain Pellew erhob keine Einwände.
So kam es das der Ältere in dieser Nacht am Krankenlager des jüngeren sass. Die Ironie dabei war ihm nicht entgangen, denn noch vor einigen Tagen waren die Rollen vertauscht gewesen. Nur war Horatio Hornblower dem Tod weit näher als dem Leben. Je weiter die Nacht fortschritt desto schlimmer schien sein Zustand zu werden. Bald lag er vom Fieber glänzend danieder, bald von Schüttelfrost gepackt und seine Augen bewegten sich unter den geschlossenen Lidern unentwegt.
Der Arzt sah all Stund nach seinem Patienten, er war keineswegs optimistisch gestimmt und dies besserte sich auch nicht als Hornblower anfing zu delirieren. Schweissgebadet murmelte er unverständliche Sachen gor sich hin, öffnete einige Male sogar die Augen, ohne wirklich etwas von der Realität wahrzunehmen. Er versetzte Kaptain Pellew einen Schreck als er begann sich mit seinem Vater zu unterhalten, aus den nur bruchstückhaft verständlich zusammengehängten Wörtern bekam Pellew genügend mit um sich ernsthafte Sorgen zu machen, denn dieser sprach davon sich zu freuen seinen Vater wieder zu sehen.
Dann endlich glitt Horatio in einen tieferen Schlaf und blieb für einige Stunden so still liegen, dass sich Kaptain Pellew des öfteren vergewisserte ob er noch atmete. Im Morgengrauen hatte der junge Kaptain einen klaren Moment. Kaptain Pellew wollte sich gerade wieder setzten als er ein Flüstern hörte.
 >>Vater?<<
Zuerst dachte Pellew das Hornblower wieder im Fieberwahn sprach, doch als er näher trat sah er das dieser ihn mit klaren Augen ansah. Sobald Kaptain Pellew’s Ansitz in dem flackernden Lichtschein zu erkennen war kam es entschuldigend von dem verletzten:  
 >>Verzeihen Sie, Sir… doch ich muss gestehen… Sie haben eine gewisse… Ähnlichkeit mit meinem Vater.<<
 >>Mh… ist dem so?<<
Hornblower’s Mundwinkel hoben sich kurz, dann seufzte er und schloss die Augen.
 >>Ich hoffe Sie werden mir vergeben wenn dies… zu emotional ist, aber nach meinem Vater kommen Sie einer solchen…
     Stellung für mich am… nächsten.<<
Es gab nicht viele Moment in denen Kaptain Pellew keine Worte fand, doch dies war ein solcher. Er und eine Vaterfigur? Doch er brauchte sich keine Sorgen über eine Antwort zu machen, denn Hornblower wechselte das Thema.
 >>Wie lange noch bis Gibraltar, Kaptain?<<
 >>Nun, wenn der Sturm nicht wieder an Stärke zunimmt und die Winde uns gewogen sind, dann sollten wir in zwei-einhalb
      Tagen den Hafen anlaufen.<<
Hornblower schwieg so lange das Kaptain Pellew schon dachte dieser sei wieder eingeschlafen, doch Horatio hatte lediglich Zeit gebraucht um neue Kraft zu schöpfen bevor er das Gespräch weiter führen konnte.
 >>Zwei-einhalb Tage? Ich weiss nicht ob ich so lange durchhalte, Sir.<<
Er öffnete seine Augen und sah zu dem älteren Mann hoch, dieser war etwas blass bei diesen Worten geworden.
 >>Hören Sie, Mister Hornblower… kaum drei Tage, das werden Sie doch noch schaffen? Sobald wir angelegt haben bringen
      wir Sie an Land zu einem der besten Ärzte. Sie halten durch, verstanden?!<<
 >>Are, Sir. Doch… wofür?<<, fragend blickte er auf. Seine Augen wurden bereits wieder glänzend und immer öfter trat ein abwesender Ausdruck in diese. Kaptain Pellew wusste das der Moment der Klarheit bald vorüber sein würde, also beugte er sich hinunter, legte Hornblower eine Hand auf die gesunde Schulter und sprach eindringlich:
 >>Für Ihr Schiff, für Ihre Mannschaft, Kaptain Hornblower… und für mich. Ich werde es mir nie verzeihen wenn Sie sterben, auf
      meinem Schiff.<< Er wartete einen Augenblick doch er bekam keine Reaktion.
 >>Sie werden kämpfen, haben Sie verstanden, Mann!?<<
Mühsam öffnete Hornblower seine Augen einen Spalt weit, brachte ein schwaches Nicken zustande und hauchte:
 >>Aye, Kaptain.

Kämpfen musste Hornblower in der Tat, seine Bauchwunde hatte sich stark entzündet und eiterte. Auch waren die Winde nicht ganz so wie sie Kaptain Pellew für ein schnelles vorankommen gewollt und benötigt hätte. Doch schliesslich am frühen Nachmittag des dritten Tages, nach dem kurzen Gespräch, sahen sie die Küste von Gibraltar. Kaptain Pellew glaubte noch nie so erleichtert gewesen zu sein einen Hafen anzulaufen, es wurde höchste Zeit. Denn Hornblower war nach dem kurzen, klaren Moment zurück ins Delirium abgedriftet, hatte Kaptain Pellew öfters für seinen Vater gehalten und auch etwas von Archie Kennedy gemurmelt.

Im Hafen von Gibraltar lag die ‚Farndale‘ bereits seit zwei Tagen vor Anker, stets einen Mann Ausschau haltend nach der ‚Indefatigable‘. Als die Meldung kam, dass das andere Schiff gesichtet wurde eilte der erste Offizier der ‚Farndale‘ an Deck.
 >>Das wurde aber auch Zeit<<, murmelte er als er die Fregatte sah, die in den Hafen steuerte. Doch sie ging nicht, wie der Offizier gedacht hatte, in ihrer Nähe vor Anker, sondern fuhr näher zum Kai. Als das Schiff vorbeiglitt sahen sie Kaptain Pellew der mit ausgestrecktem Arm einen Befehl nach dem anderen brüllte.
 >>Na, es scheint ihm wieder gut zu gehen.<<
Der erste Offizier der ‚Farndale‘ verfolgte mit den Augen wie das andere Schiff, für sein empfinden, hektisch anlegte. Kaum war der Anker ausgeworfen, da lies Kaptain Pellew ein Beiboot aufs Wasser hinab. Der Offizier hielt sich ein Fernglas an die Augen und beobachtete wie man mit einer Seilwinde ein schmales Brett in waagerechter Position zum Boot hinunterliess. Auf dem Brett lag Jemand, doch man konnte nicht erkennen wer es war. Sobald man die Trage sicher im Beiboot untergebracht hatte kletterte Kaptain Pellew hinterher, gefolgt von vier Matrosen, von denen der Offizier drei kannte. So rasch sie konnten ruderten sie an Land, während an Bord der Fregatte zwei weitere Boote zu Wasser gelassen wurden. In das eine stiegen sechs Männer die aussahen wie Spanier, in das andere stieg ein Offizier und zwei Matrosen und ruderten zu ihnen auf die ‚Farndale‘ hinüber.
Doch bei all diesen seltsamen Geschehnissen fragte sich der Beobachter die ganze Zeit, wo war Kaptain Hornblower? Kaum fünf Minuten später wusste er wo dieser war und machte sich sogleich auf den Weg.

An Land wies Kaptain Pellew den vier Matrosen, die Hornblower trugen, den Weg. Es dauerte gute 10 Minuten bis sie das Haus erreicht hatten zu dem sie wollten. Pellew eilte die Stufen hinauf und hämmerte energisch an die Tür. Er verging einen Moment und er hatte seine Faust gerade abermals erhoben als geöffnet wurde. Heraus trat ein kahlköpfiger Mann, der sie musterte, jedoch nur einen raschen Blick in das ernste Gesicht von Kaptain Pellew werfen musste um zu wissen das es ernst war.
 >>Bringen Sie ihn rein. Zweite Tür, rechts. Kaptain Pellew, erfreut Sie wieder zu sehen.<<  
Mehr an Höflichkeiten tauschte er nicht aus sondern drehte sich um da er sich um seinen neuen Patienten zu kümmern hatte. Der junge Mann schien dem Kaptain am Herzen zu liegen, sonst hätte er ihn nicht selber gebracht. Auch blieb Kaptain Pellew die ganze Zeit dabei während der glatzköpfige Arzt sich Horatio’s annahm. Er verzog leicht den Mund als er den Verband zerschnitt, anhob und sah was darunter lag.
 >>Eine schönen Bescherung<<, murmelte der Arzt vor sich hin. Er war gerade dabei die Wunde mit purem Alkohol auszuwaschen als Hornblower’s erster Offizier zur Tür hereinstürzte. Er trat einige Schritte in den Raum, sobald er jedoch die eiternde Wunde sah bleib er erstarrt stehen.
 >>Grund gütiger! Was im Gottesnamen ist geschehen?!<<
Da er von Kaptain Pellew keine Antwort bekam wandte er sich an Styles und die Anderen, die an der Wand standen um nicht ihm Weg zu sein. Es war Matthews der ihrem Offizier berichtete was sich alles auf der ‚Indefatigable‘ zugetragen hatte. Als er geendet hatte war dieser sprachlos, der Arzt allerdings nicht.
 >>Dieser Bursche scheint ein kluger Kaptain zu sein. Aber auch der Beste kann nichts gegen einen solchen Schlag von
      Menschen ausrichten. So, die Wunde ist versorgt, jetzt muss er nur kämpfen wenn er wieder aufwachen will.<<
 >>Er wird aufwachen. Er hat den Befehl zu überleben<<, kam es von Kaptain Pellew. Er Arzt sah diesen eindringlich an, in der Tat dem Älteren schien viel an Hornblower zu liegen, so nickte der Glatzkopf lediglich und meinte: >>Nun, er scheint mir Jemand
      zu sein der Befehle befolgt.<< Mit diesen Worten verlies er den Raum.

In der nächsten Woche herrschte ein stetiger Strom an Besuchern. Kaptain Pellew kam Hornblower einmal, manchmal auch zweimal Täglich besuchen. Der erste Offizier der ‚Farndale‘ erschien ebenso jeden Tag, der Arzt war sich allerdings nicht so sicher ob dieser nur kam aus Pflichtgefühl oder aus ehrlicher Sorge. Die drei Matrosen: Matthews, Styles und Oldroyd kamen sooft es ihre Pflichten es ihnen erlaubten. Des seltsamste fand der Arzt allerdings, dass ein spanischer Offizier mit bedrückter Mine zu besuch kam, immer dann wenn keiner der Anderen anwesend war. Es schien fast als würde er draussen warten bis Niemand mehr bei dem Verwundeten war.
Der Arzt schüttelte leicht den Kopf, ein Spanier der sich um einen britischen Kaptain sorgte! Hatte es so etwas schon gegeben? Vermutlich nicht. Er junge Mann schien eine aussergewöhnlicher Kaptain zu sein. Als er eine Bemerkung in diese Richtung Kaptain Pellew gegenüber fallen lies, meinte dieser: >>Mister Hornblower ist… ich hatte noch nie einen Fähnrich und Lieutenant wie ihn,
      er war der Beste. Ihn zu verlieren währe ein grosser Verlust für… die Flotte.<<
Der Arzt nahm wahr was der Kaptain nicht sagen wollte oder konnte, doch er sprach diesen nicht darauf an.
Hornblower’s Zustand besserte sich langsam, auch wenn er kaum jemals bei Bewusstsein oder wach war. Dreizehn Tage nachdem sie in den Hafen eingelaufen waren kam Hornblower das erste Mal für mehr als nur ein paar Minuten zu sich. Als er die schweren Lider einen Spaltbreit anhob sah er eine Gestallt in einem Stuhl neben den Bett sitzen. Er konnte allerdings nur die Silhouette ausmachen da die Person von hinten von der Sonne angestrahlt wurde. Hornblower schloss müde seine Augen wieder und war gerade im Begriff weg zu dämmern, als er hörte wie eine Tür geöffnet wurde. Schritte und dann eine ihm unbekannte Stimme die fragte: >>Nun, Kaptain Pellew, irgendwelche Veränderungen?<<
 >>Nein, Sir.<< Die Stimme Pellew’s hörte sich beinahe so müde an wie Hornblower sich fühlte. Abermals kämpfte er darum seine Augen zu öffnen.
 >>Sir? Wo… wo bin ich?<<, brachte er dann mit rauer Stimme heraus. Dass sie nicht mehr auf der ‚Inde‘ waren hatte er bereits an seiner zu bequemen Lagerstätte herausgefunden. Er wandte leicht den Kopf und suchte mit seinem Blick seinen ehemaligen Kaptain. Die beiden Männer die sich leise unterhalten hatten eilten, als sie die schwache Frage vernahmen, zu ihm hin.
 >>In Gibraltar. Dr. Hamilton hier ist der beste Arzt den Sie sich nur wünschen können.<<
 >>Freut mich Sie nun kennen zu lernen, Kaptain Hornblower. Ich habe in den letzten Tagen die ein oder andere Geschichte über
      sie gehört.<<
Hornblower verzog dabei leicht den Mund und sagte: >>Glauben Sie nicht alles was Styles und die… Anderen ihnen sagen,
      sie lieben es zu übertreiben und Geschichten… auszuschmücken.<<
 >>Nun, selbst dann hatten Sie einige interessante Abenteuer.<<
 >>Das mag wohl so sein… Interessant, aber nicht zwingend erfreulich.<<
Darauf wusste Dr. Hamilton nichts zu entgegnen. Hornblower fragte wie lange er schon hier sei, bei der Antwort hoben sich seine Augenbrauen.
 >>Ich liege schon so lange… auf der faulen Haut und fühle mich dennoch unfassbar… Müde.<<
 >>Genau dies ist der Grund weshalb Sie noch so lange hier bleiben bis sie wieder auf den Beinen sind.<< Kaptain Pellew’s ton stellte klar das er keine Einwände hören wollte. Dieser nickte lediglich, er hatte im Moment nicht die Kraft und auch nicht das Bedürfnis solche zu erheben. Seine Augen fielen ihm wieder zu und es erforderte einige Anstrengung sie abermals zu öffnen. Der Arzt, dem dies nicht entgangen war, meinte: >>Sie sollten sich ausruhen, Kaptain Hornblower.<<
 >>Nur noch eine Frage. Wer kümmert sich um mein Schiff und die Besatzung?<<
 >>Nun, ihr erster Offizier scheint alles soweit im Griff zu haben.<<
 >>Ah ja… Dürfte ich Sie dennoch darum bitten bei Gelegenheit nach dem rechten zu sehen, Sir?<<
 >>Haben Sie Grund zu der Annahme, dass ihr Offizier der Aufgabe nicht gewachsen ist?<<, fragte Kaptain Pellew. Hornblower zögerte einen Moment, dann schüttelte er leicht den Kopf.
 >>Nein. Allerdings ist er noch nicht sehr erfahren im Umgang mit den Matrosen.<< Bei diesen Worten huschte ein Lächeln über das Ansitzt des älteren Kaptain.
 >>Ich kannte da jemand dem es zu Beginn genauso erging.<<
Nun war es Horatio der lächeln musste. Er hatte tatsächlich eine Weile gebraucht bis er den richtigen Weg gefunden hatte mit den Matrosen umzugehen und auch als Kaptain lernte er immer wieder etwas neues dazu.
Nachdem Kaptain Pellew ihm sein Wort gegeben hatte ein Auge auf die ‚Farndale‘ zu haben schloss Hornblower erschöpfte die Augen. Als ihm plötzlich etwas anderes in den Sinn kam.
 >>Sir? Was geschieht mit den Spaniern?<< Aus einem schmalen Spalt blickte er zu Pellew, der bereits beinahe die Tür erreicht hatte. Nun hielt er inne und drehte sich zu ihm um. Mit leichtem Bedauern in der Stimme gab er Antwort.
 >>Darüber wird ein Richter entscheiden. Man wartet mit der Verhandlung bis man über euren Zustand Gewissheit hat, in
     jedwede Richtung.<<
Hornblower nickte zum Zeichen das er gehört hatte und mit einem leichten Stirnrunzeln fielen ihm auch schon die Augen zu, er schlief sogleich ein.
In den nächsten Tagen wurde Hornblower immer ein wenige kräftiger, nun das hiess in seinem Fall dass er sich in seinem Bett beinahe aufrecht an die Kissen gelehnt bereits nahezu eine Stunde halten konnte. Seine Besucher waren hoch erfreut zu sehen das es mit ihm bergauf ging. Der Spanier war vor allem äusserst erleichtert nun Gewissheit zu haben das seine Unachtsamkeit gegenüber seinen Matrosen dem britischen Kaptain nicht das Leben gekostet hatte. Und dennoch rechnete er sich vor Gericht keine zu grossen Chancen aus. Es würde jedoch kein öffentlicher werden und dafür war er dankbar.
Hornblower entspannte sich erst wirklich als Kaptain Pellew ihm berichtete das auf der ‚Farndale‘ alles nach dem Rechten ging. Dieser hätte nicht gewusst ob er sich im Bett hätte halten können wenn er ihm etwas anderes gesagt hätte. Hornblower war sich beinahe sicher dass er wenn dem nicht so gewesen wäre er sofort zu seinem Schiff geeilt wäre, ob er nun dazu in der Lage wäre oder nicht. So aber fiel die innere Anspannung von ihm ab. Allerdings hielt dies nicht lange als er zwei Tage nach Kaptain Pellew’s Bericht von diesem erfuhr das die Verhandlung der Spanier auf den nächsten Tag angelegt worden war. Sie sollte um die Mittagszeit herum stattfinden, Hornblower bekam sogar die genaue Zeit und den Ort heraus.

Die Verhandlung lief nicht gut für die Spanier, gar nicht gut. Und dies obwohl Kaptain Pellew zu ihren Gunsten ausgesagt hatte. Das Problem war nur das dieser, obwohl ein günstige Meinung von ihm viel wog, nichts von den Ereignissen mit eigenen Augen gesehen hatte und erst danach dazu gestossen war. Der Richter ging sogar so weit zu behaupten, dass der versuchte Mord an Kaptain Hornblower von Señor Gomez selbst geplant worden war, und nun da dieser ja offensichtlich nicht aufgegangen war auf Unwissenheit plädierte.
 >>Nun, da wir keine weiteren Zeugen zu vernehmen haben kommen wir zum Urteil.<<
 >>Einen Moment, Sir. Sie scheinen einen Zeugen vergessen zu haben.<<
Alle Köpfe wandten sich zu der Tür die aufgeschwungen war und starrten den Mann an der nun mit langsamen Schritten den Mittelgang hinunter kam und dann an dem Platz stehen blieb der für Zeugen vorgesehen war. Der Mann war äusserst blass und sein Gesicht eingefallen, Linien zeugen von einem kürzlichen prägendem Ereignis die sein Antlitz älter erschien lies als er war.
 >>Wer sind Sie, dass Sie es wagen ein Gericht zu unterbrechen?!<<, wollte der Richter empört wissen.
 >>Verzeihen Sie die Unhöflichkeit, Sir. Aber ich konnte es nicht früher einrichten da es einige Probleme gab. Wenn ich mich
      Vorstellen darf?<<, der beinahe magere Mann machte eine leichte Verbeugung, dabei erblasste er etwas und schwankte, stellte sich jedoch mit fester Stimme vor: >>Kaptain Hornblower zu Ihren Diensten.<<
Kaptain Pellew konnte sich nicht länger zurück halten, erhob sich und schritt eilends auf diesen zu.
 >>Sie hätten nicht herkommen sollen, Mister Hornblower! Weiss Dr. Hamilton das Sie hier sind?<<
Der schuldbewusste Blick den er bei diesen Worten sah war Antwort genug.
 >>Sie sind ein leichtfertiger Narr<<, sagte Pellew so leise das nur Horatio ihn hören konnte. Laut gab er den Befehl: >>Bringt
      Einen Stuhl für Mister Hornblower!<<
Sobald dieser gebracht war lies sich Hornblower dankbar darauf nieder und blickte dann abwartend zum Richter. Dieser fragte ihn etwas mürrisch nach seiner Sicht des Vorfalles. Bereitwillig gab Hornblower diese preis. Das Antlitz des Richters verdüsterte sich immer mehr während der überraschend aufgetauchte Zeuge redete. Denn genau wie Kaptain Pellew brachte Hornblower in keiner Weise zum Ausdruck, dass der spanische Offizier und seine übrig gebliebenen Männer eine Schuld traf. Und die Aussage des Opfers wog viel, sehr viel. Als er geendet hatte fügte er noch hinzu man sollte die Spanier nicht bestrafen für etwas das sie nicht begannen hatten, sonder dem Offizier eher danken, da dieser bei seiner Versorgung auf dem Schiff mitgeholfen habe.
Stille folgte auf diese Worte und der Richter beugte sich zu einem weiteren Mann in den Roben des Gerichts hinüber beriet sich leise flüsternd mit diesem. Schliesslich richtete er sich zu seiner vollen Grösse auf, ohne sich von seinem Stuhl zu erheben, und sprach das Urteil. Sofern man es als ein solches sehen konnte.
 >>Nun, da Kaptain Hornblower, der Opfer des Attentats wurde, zu ihren Gunsten ausgesagt hat fälle ich folgendes Urteil. Sie
      alle<<, dabei deutete er auf die kleine Gruppe Spanier, >>werden in einen neutralen Hafen gebracht, wo sie dann gehen
      können wohin sie wollen.<<
Die Spanier waren gelinde gesagt fassungslos und brauchten eine geraume Zeit um zu begreifen, dass man sie nicht ins Gefängnis warf oder sonst wie bestrafte. Sobald das zu ihnen durchgedrungen war waren laute Rufe in ihrer Muttersprache zu hören die wohl ihre Freude zum Ausdruck brachte.
Señor Gomez eilte zu Kaptain Hornblower der sich gerade mithilfe von Kaptain Pellew erhob und umfasste dessen Hand mit seinen.
 >>Wie kann ich ihnen nur danken, Kaptain Hornblower?<<, fragte er mit rauer Stimme.
 >>Sie haben keinen Grund sich zu bedanken, Señor. Sie haben wie ich bereits sagte auf dem Schiff geholfen,<< entgegnete dieser auf Spanisch. Sein gegenüber riss überrascht die Augen auf.
 >>Sie sprechen ja Spanisch! Das heisst Sie haben alles verstanden und nur so getan als ob Sie kein Wort verstehen würden.<<
 >>Man sollte nicht gleich von Anfang an all seine Karten offen legen. Meinen Sie nicht auch?<<
Der Mann lachte nur und schüttelte den Kopf. Das hatte er nicht kommen sehen.
 >>Wo haben Sie spanisch sprechen lernen?<<, fragte er nun wieder auf englisch. Hornblower warf Kaptain Pellew einen Blick zu bevor er sich wieder dem Offizier zuwandte.
 >>Nun ich hatte das… Vergnügen einige Zeit die Gastfreundschaft ihres Landes zu geniessen.<<
Verstehen blitzte in den Augen seines Gegenübers auf. Jetzt erinnerte er sich das Matthews ihm etwas von einer langen Gefangenschaft erzählt hatte und doch waren sie jetzt Alle hier, was ungewöhnlich war.
 >>Wie entkamen Sie?<<
 >>Gar nicht, Señor.<< Hornblower lachte leise als er den Blick sah der ihm der Spanier zuwarf, >>Es ergab sich das ich in der
      Lage war einem einflussreichen Spanier einen gefallen zu tun. Wenn Sie mich nun entschuldigen wollen, ich sollte zurück
      und mich dem Unwillen von Dr. Hamilton stellen.<<
 >>Nur noch eine Frage wenn Sie erlauben. Haben Sie bei allem gelogen was Sie mir auf dem Schiff erzählt haben?<<
Hornblower wandte sich wieder um und sah dem Spanier in die Augen und meinte: >>Ich habe lediglich in einer Sache… genauer
      gesagt in zweien die Unwahrheit gesagt, Señor Gomez. Das eine war das Kaptain Pellew mein Vater sei und das Andere das
      mein Vater bei keiner guten Gesundheit gewesen ist. Er war ein äusserst gesunder Mann… bis er erkrankte und starb.<<
 >>Aber Sie sagten auch Sie seien noch nicht lange Kaptain, das stimmt wie ich hörte auch nicht mit den Tatsachen überein.<<
Man konnte den leisen Vorwurf hören der mitschwang, doch Hornblower lächelte leicht.
 >>Ich habe Ihnen gesagt ich wäre noch nicht lange Kaptain der ‚Indefatigable‘, was durchaus der Wahrheit entspricht, denn
     Kaptain Pellew hatte mich erst wenige Tage vor Ihrer Ankunft auf der Fregatte zu seinem Stellvertreter ernannt. Ich habe nie
     behauptet nicht schon länger Kaptain zu sein.<<
Der Spanier dachte eine Weile darüber nach, dann lachte er kopfschüttelnd: >>Das ist wohl wahr. Und doch hat man es genau so
      gut anders interpretieren können. Was Sie auch genau gewusst haben und doch sprachen Sie die Wahrheit. Ts… ich wünsche
      Ihnen alles gute Kaptain Hornblower und hoffe das wir uns so schnell nicht wieder sehen, da ich sonst gezwungen sein werde
      Sie wie jeden anderen Briten zu behandeln.<<
 >>Das kann ich nur zurückgeben, Señor Gomez.<<
Sie verabschiedeten sich und jeder ging seiner Wege.
Hornblower’s Weg führte ihn in eine kleine Kirche in der Nähe von dem Haus des Arztes. Es war das erste Mal das er diese Möglichkeit hatte eine zu betreten seit er vor knapp einem halben Jahr vom Tod seines Vaters erfuhr. Und das auch erst nach dem dieser schon vor Wochen eingetreten war.  
Hornblower sass in der Mitte der zwölf Bänke und hatte den Kopf gesenkt. Er blinzelte, Tränen drohten überzulaufen und so versuchte er es mit aller Macht zu verhindern. Wie jedes Mal. Er hatte bis jetzt kein einziges Mal nachgegeben, doch heute war er noch zu geschwächt von den hinter ihm liegenden Strapazen. Er verlor den Kampf. Um seine Tränen niemandem zu zeigen hob er die Arme auf die Lehne der Bank vor ihm und legte seine Stirn auf die ineinander verkrampften Hände.
Kaptain Pellew, der Hornblower zurück begleiten wollte, stand vor der Kirche und wartete. Er fühlte sich etwas unwohl. Er war niemand der oft in die Kirche ging. Pellew ging vor der Tür auf und ab, warf hin und wieder durch das kleine Fenster in dieser einen raschen Blick hinein. Ein erneuter Blick bei dem er plötzlich stehen blieb und die Lippen zusammenpresste. Hornblower sass nach vorne gebeugt da, sein ganzer Körper zitterte, eilig wandte er seinen Blick ab. Dies war etwas privates das ihn nichts anging. Er selbst würde es nicht wollen in solch einem Moment beobachtet zu werden, also nahm er seine Wanderung wieder auf, ohne jedoch dieses Mal durch das Fensterchen zu sehen.
Als sich die Tür dann langsam öffnete wandte er sich dieser zu. Hornblower kam heraus, wieder völlig gefasst und nichts wies darauf hin was noch vor ein paar Minuten gewesen war, ausser die leicht geröteten Augen.
 >>Ich bin… sollte nun zurück.<<
Pellew nickte, legte seine Hand auf dessen Schulter, drückte sie leicht. Dann gingen sie gemeinsam in Richtung Arzt davon. Keiner von ihnen sagte ein Wort, es gab im Moment nichts zu sagen und das Schweigen fühlte sich nicht seltsam an.
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