Häusliche Gewalt

GeschichteAllgemein / P16
"Howlin' Mad" Murdock Bosco "B.A." Baracus John "Hannibal" Smith OC (Own Character) Templeton "Face" Peck
05.03.2018
31.05.2018
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Diese Geschichte ist allen Opfern häuslicher Gewalt gewidmet.

Betroffene Personen könnten eventuell getriggert werden.

Triggerwarnung!


„Vor einigen Jahren wurden vier Männer einer militärischen Spezialeinheit wegen eines Verbrechens verurteilt, das sie nicht begangen haben. Sie brachen aus dem Gefängnis aus und tauchten in Los Angeles unter. Seitdem werden sie von der Militärpolizei gejagt. Aber sie helfen anderen, die in Not sind. Sie wollen nicht so ganz ernst genommen werden, aber ihre Gegner müssen sie ernst nehmen. Also wenn Sie mal ein Problem haben und nicht mehr weiter wissen, suchen Sie doch das A-Team!“

Das A-Team

„Domestic Violence / Häusliche Gewalt“

Lautlos flog die Eule auf den alten Baum zu. Der Vogel streckte die Füsse vor und faltete in der gleichen Bewegung die Flügel zusammen, während er elegant auf dem Baum landete. Sein dunkles Gefieder wurde vom Licht das nahe stehenden Hauses angestrahlt, doch das störte den nächtlichen Räuber nicht. Die Bewohner des Hauses nahmen keine Notiz von ihm, für sie war der Vogel praktisch unsichtbar. Sie konnten die Eule weder sehen noch hören. Und selbst wenn, der ihr war das egal. Sie interessierte sich nicht für das, was in dem Gebäude vor sich ging, hatte sie doch genug andere Probleme. Entschlossen schickte sie ein lautes Schuhuhuhu in die Dunkelheit, begleitet von lautem Geschrei, das aus dem Haus drang. Das Gebrülle klang richtig feindselig. Die Person zu der es gehörte, schien sich kaum unter Kontrolle zu haben.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du da drin nichts zu suchen hast, hä?“
Der Mann zu dem die Stimme gehörte, stand mitten im Wohnzimmer und wies voller Zorn auf einen anderen Raum. Schon wieder hatte diese blöde Kuh sein Arbeitszimmer betreten. Dabei wusste sie ganz genau, dass das tabu war. Sie hatte dort absolut nichts verloren!
„Mir reichts langsam, dass ich dir das immer wieder sagen muss! Du bist wirklich saublöd! Na warte!“
Er holte aus und schlug der Frau mitten ins Gesicht. Sie schwankte und konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Äusserlich und innerlich verletzt, versuchte sie sich zu erklären.
„Bitte, Walter, ich hab nur …“
Ihre Worte wurden aprupt unterbrochen, als sie der nächste Schlag zu Boden schickte. Sie versuchte ihren Kopf und ihr Gesicht mit den Händen zu schützen, doch Walter zerrte sie an den Haaren auf die Beine. Sie hatte gefälligst zu stehen, wenn er mit ihr sprach!
„Was hast du, hä? Ich glaube, du brauchst ne Lektion, du dumme Kuh!“
Erneut schlug Walter zu. Wieder stürzte sie zu Boden. Walter beugte sich runter und schlug mehrmals auf die wehrlose Frau ein. Sie blutete, aber das interessierte ihn nicht. Ohne jegliches Mitleid ließ er seinen Zorn an ihr aus.

Die spätsommerliche Sonne tauchte die Gegend in ihr grelles Licht. Es war mittlerweile Anfang September, doch die warmen Temperaturen ließen trotzdem nicht nach. Der Himmel war wolkenlos und strahlend blau. Ein wunderschöner Tag, den die Menschen auch begeistert nutzten. Wohin man blickte, überall waren Leute zu sehen. Wie die drei Rollschuhfahrer, die lachend die Wege entlangsausten. Oder die zwei Kinder, die sich angeregt über irgendwas unterhielten, das sie im Fernsehen gesehen hatten. Ein junges Pärchen küsste sich liebevoll. Alle waren glücklich und genossen den Tag.
Alle bis auf einen.
Der junge Mann lief seufzend durch den Park und ließ seinen Blick schweifen. Er wusste nicht, wonach er suchte, aber dennoch hoffte er, hier fündig zu werden. Es war seine einzige Chance, Kontakt zu der Gruppe aufzunehmen, deren Hilfe er so dringend brauchte. Aber diese Männer waren schwer aufzutreiben und noch schwerer zu kontaktieren. Und bisher hatte man ihn nur durch die Gegend gescheucht, jedoch ohne ein Resultat. Mittlerweile ging ihm jede Hoffnung verloren, diese Männer wirklich zu treffen. Die schienen sich wohl nur einen fiesen Scherz auf seine Kosten zu erlauben. Dabei war er wirklich am Rande der Verzweiflung. Carolines letzter Brief hatte noch unglücklicher und verzweifelter geklungen, als der vorige. Und auch so endgültig. Als würde sie ihm fortan nicht mehr schreiben. Wahrscheinlich hatte ihr dieser Drecksack das auch noch verboten. Das würde ihm ähnlich sehen. Dieser elende Mistkerl.
Natürlich hatte Scott versucht, Caroline zu helfen, aber das war gründlich schiefgegangen. Man hatte ihn aus dem Haus geworfen und verhöhnt. Und dann hatte sich Caroline auch noch auf die Seite ihres Mannes geschlagen. Jenes Mannes, der so mies zu ihr war. Der sie offensichtlich misshandelte. Aber Scott hatte nicht aufgegeben. Er hatte sein kleines Vermögen zusammengerafft und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diese Einheit anzuheuern. Doch das hatte bisher nicht funktioniert. Man hatte ihn nur von A über B und C nach D geschickt, ohne Kontakt zu ihm aufzunehmen. Und mittlerweile gingen Scott die Kraft, Geduld und Hoffnung aus. Wenn ihm diese Männer nicht helfen wollten, musste er eben andere Wege suchen.
„Entschuldigung, junger Mann, ähm, Sie sehen so traurig aus. Wie wärs mit einer Aufmunterung, hm?“
Scott wurde unvorbereitet aus seinen Gedanken gerissen. Ein alter Mann mit einem grauen Bart hielt ihn sanft am Arm fest und blickte ihn freundlich an. Mit der Rechten hielt er seinem Gegenüber einen handbeschriebenen Zettel hin.
„Bitte was? Was wollen Sie?“, fragte Scott irritiert. Er verstand gar nichts. Was wollte dieser alte Kerl? Gehörte der zu dieser Einheit? Wohl eher nicht. Jemand der so alt und abgewrackt aussah, war sicher kein Mitglied von denen. Wahrscheinlich wollte sich der Alte nur wichtigmachen. Vermutlich hatte er sonst nichts zu tun.
„Wissen Sie, ich sage immer, persönlich geschrieben sind nette Worte erst richtig schön. Wenn man das ausspricht, ist es gleich wieder weg. Aber wenn sie es aufschreiben und verschenken, freuen sich die Leute länger darüber.“
Scott befreite sich aus dem Griff des Mannes und lehnte entschieden ab. Er hatte jetzt wirklich nicht die Nerven, sich mit irgendeinem verwirrten alten Mann abzugeben. Dafür war das hier alles zu wichtig. „Nein danke.“
„Sind Sie sicher? Die eine oder andere geschriebene Zeile kann einem eine ganz neue Sicht auf das eigene Leben geben. Bitte, nehmen Sie. Ist kostenlos.“ Erneut hielt er Scott den Zettel hin, den dieser genervt annahm. Warum auch nicht. Hauptsache, dieser nervige alte Mann ließ ihn endlich in Ruhe.
Mit dem Zettel in der Hand marschierte Scott weiter durch den Park und suchte nach weiteren Anzeichen einer Kontaktaufnahme mit ihm. Aber nichts geschah. Zutiefst enttäuscht gab Scott seine Suche auf. Es hatte nicht geklappt. Die Einheit hatte kein Interesse an ihm. Niemand hatte ihn angesprochen. Niemand hatte ihn kontaktiert. Niemand. Bis auf – Konnte das sein?
Scott sah sich den Zettel an, den ihm der alte Sack gegeben hatte. In handgeschriebenen Buchstaben stand darauf: „Terminal Island, Dock 24-12. Heute Abend, 20 Uhr. Kommen Sie allein.“
Na gut, okay, er würde dorthin kommen. Er gab diesen Leuten eine letzte Chance. Wenn er diese Einheit heute nicht traf, würde er es sein lassen. Entweder heute Abend geschah was, oder er gab es endgültig auf. Scott hatte auf diese Spiele keine Lust mehr.

Leise schlugen die Wellen an die Docks, nur begleitet vom Gekreische der Möwen und dem Lärm des einen oder anderen Schiffes, das vorbeikam.
Die letzten Arbeiter machten sich auf den Weg nach Hause und freuten sich auf den Feierabend, während die untergehende Abendsonne die Szenerie in ihr rotes Licht tauchte.
Eine Kolonne LKWs fuhr an dem jungen Mann vorbei, der sich unsicher umblickte. Doch keiner davon hielt bei ihm an. Das war einerseits blöd, andererseits jedoch hatte Scott keine Lust darauf, plötzlich einen Sack über den Kopf gezogen zu bekommen und in einen Lieferwagen gezerrt zu werden.
Sowas sollte lieber nur in albernen Krimis und Spionagefilmen passieren. Er brauchte das wirklich nicht.
Die weitläufige Gegend wirkte immer einsamer, je weiter sich Scott in sie hineinwagte. Es gab keine Spur von den Männern, deren Hilfe er so dringend brauchte. Aber man hatte ihn hierher bestellt, also musste die Einheit hier sein. Oder man schickte ihn wieder woanders hin. Aber davon hatte er endgültig genug.
Liebe Güte, war diese Hafengegend groß. Wie konnten sich die Arbeiter hier bloß zurechtfinden? Er selbst würde sich hier unter Garantie ständig verirren. Nur gut, dass er hier nicht arbeiten musste. Sein eigener Job als Automechaniker war da viel einfacher. Zumindest konnte er sich in seiner eigenen Werkstatt nicht verlaufen.
Okay, hier war es. 24-12. Er war angekommen. Aber außer Scott selbst war niemand da. Keine paramilitärische Einheit, keine Soldaten, selbst die hier angestellten Dockarbeiter waren bereits weg. Man hatte ihn einmal mehr ins Leere laufen lassen.
Scott schüttelte den Kopf. Verdammt! Es langte nun wirklich! Was zur Hölle sollte der Scheiß? Wenn diese Leute keine Lust auf ihn hatten, konnten sie ihm das doch mitteilen.
„Hey, was machen Sie hier?“, rief jemand und Scott drehte sich um. Ein Wachmann kam auf ihn zu. Er hatte ein Funkgerät in der Hand und wirkte ganz so, als würde er sich für Scotts Gründe für sein Auftauchen interessieren. Na ganz toll. Das hatte Scott gerade noch gefehlt.
„Ich suche hier jemanden“, antwortete Scott und hoffte, der Wachmann würde ihn in Ruhe lassen. Aber der kam noch näher und sagte irgendwas in sein Funkgerät, von wegen dass die Lage im Griff wäre. Klar, wahrscheinlich würde man ihm gleich Handschellen anlegen. Diese verdammte Einheit hatte ihn tatsächlich komplett verladen.
Der Wachmann steckte das Funkgerät weg und musterte Scott eingehend. „Aha, Sie suchen also jemanden, hm? Darf man fragen, wen?“ Der Mann legte alle Autorität der Welt in seine Frage. Es war eindeutig, dass er seinen Job sehr ernst nahm. Und dieser verzweifelte junge Mann kam ihm gerade recht, um seinen Job auch endlich mal auszuüben.
„Das ist schwer zu erklären. Aber ich schätze, das ist jetzt auch egal, weil Sie mir das sowieso nicht glauben. Und ich gebe das ganze jetzt sowieso auf. Hat ja eh keinen Sinn“, sagte Scott resignierend. Seine Suche nach der Einheit hatte nun definitiv ein Ende. Schluss und Aus. Er hatte keine Lust mehr. Er würde jetzt nach Hause fahren und dort überlegen, was er alleine tun konnte, um Caroline zu helfen.
Der Wachmann blickte sich kurz um und legte Scott eine Hand auf die Schulter. Die ganze Autorität schien von ihm abzufallen. Der Mann hatte wohl doch etwas Mitgefühl mit ihm, auch wenn er keine Ahnung hatte, was eigentlich los war.
„Na, nun werfen Sie nicht gleich die Flinte ins Korn, junger Mann. Kommen Sie mit, wir unterhalten uns mal.“
Der Mann machte Anstalten, Scott in einen offenen Lagerraum zu führen, aber der befreite sich aus dem Griff. Er hatte keine Lust, sich ohne jeden Grund einfach verhören zu lassen. Er hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen. „Vergessen Sie’s, ich geh jetzt. Ist ja alles sinnlos.“
Der Wachmann hob die Augenbrauen und blickte Scott an, der sich gerade auf den Weg machen wollte. Okay, es war Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen, bevor ihnen der Klient davonlief. „Ich dachte, Sie sind hier, um das A-Team zu treffen.“
Überrascht drehte sich Scott um. Was? Dieser Wachmann gehörte also dazu? Traf Scott jetzt endlich auf die Leute, die ihm helfen sollten? Verwundert blickte er den uniformierten Mann vor sich an.
„Kommen Sie, unterhalten wir uns“, wiederholte der Mann seine Worte und betrat das Innere des Lagerraums. Scott folgte ihm. Verwundert, überrascht und neugierig. Er war jetzt verflucht nahe dran, diese Männer für sich zu gewinnen. Jetzt durfte nichts mehr schiefgehen!
Der Wachmann ging vor ihm her und setzte sich auf eine Kiste, während irgendjemand das Licht im Lagerraum einschaltete. Es war also noch jemand hier. Langsam wurde Scott mulmig. Das gefiel ihm ganz und gar nicht.
Und noch mulmiger wurde ihm, als der Wachmann nicht nur die Mütze, sondern auch gleich seine Haare und sogar seinen Schnurrbart abnahm und neben sich legte. Ein weißhaariger Mann blickte den jungen Mechaniker nun gut gelaunt an.
„Face“, sagte er und ein junger, gutaussehender Mann in kariertem Hemd und Jeans kam hinter den voll beladenen Regalen hervor und grüßte Scott kurz, ehe er sich an den Weißhaarigen wandte und sich an eine große Kiste lehnte.
„Murdock.“ Ein weiterer Mann kam zum Vorschein. Er war in eine abgetragene braune Lederjacke gekleidet. Auf dem Kopf trug er eine alte Baseballkappe.
„B.A.“ Ein dritter Mann tauchte auf und Scott schluckte. Lieber Gott, sah der gefährlich aus. Gross und muskulös und voller Goldketten. Und dann noch dieser Irokesenschnitt. Herrje!
Die Männer bauten sich neben dem falschen Wachmann auf, bei dem es sich ganz offensichtlich um den Chef der Einheit handelte.
„Ich bin Hannibal Smith“, stellte sich der falsche Wachmann vor. „Entschuldigen Sie bitte diese lange Schnitzeljagd, aber wir haben viele Feinde.“
Okay, das sah Scott ein. Solche Leute mussten wahrscheinlich ständig auf der Hut sein. Was für ein Leben das wohl war. Schrecklich. Gut, dass er selbst nur ein Automechaniker war. Obwohl diese Männer, und da war Scott sicher, bestimmt in der Lage waren, sich gegen feindliche Angriffe zu wehren. Vor allem dieser schwarze Irokese.
„Ja, das leuchtet ein. Ich habe nur nicht mehr damit gerechnet, Ihnen wirklich noch zu begegnen. Das ist … also, wow! Der Wahnsinn“, machte Scott seiner Fassungslosigkeit Luft. Er stand tatsächlich dem berühmt-berüchtigten A-Team gegenüber. Das musste erst mal verdaut werden.
„Worum geht es Ihnen denn nun eigentlich, Mister Brixton?“, fragte Hannibal ruhig. Er und das Team waren daran gewöhnt, solche Reaktionen hervorzurufen. Und manch ein Klient empfand den Vieren gegenüber sowas wie Ehrfurcht, manch einer sogar fast schon richtige Angst. Zumindest so lange, bis derjenige merkte, dass man das A-Team nicht fürchten musste. Ausser natürlich, man hinterging die Vier.
Denn obgleich das A-Team mittlerweile den Ruf einer rechtschaffenden Robin Hood-artigen Gruppe von Volkshelden inne hatte, wurde die Einheit dennoch weiterhin von der Army und den Behörden gesucht. Dass die Vier unschuldig waren, spielte dabei keinerlei Rolle. Sie galten als gesuchte und flüchtige Straftäter, und solange sie ihre Unschuld nicht beweisen konnten, würde das so bleiben.
Scott setzte sich aufgeregt auf eine Kiste. Der Anblick dieser vier Männer verunsicherte ihn zutiefst. Aber er wusste, dass er diese Chance nun nutzen musste. Entweder jetzt oder nie. Er blickte Hannibal an und holte tief Luft, ehe er zu sprechen begann. „Also, es geht um meine Schwester. Sie heißt Caroline. Sie ist mit einem Mann verheiratet, der sie schlecht behandelt."
Face hob eine Braue. Bitte was? Deswegen wollte er Kontakt zum A-Team? Weil seine Schwester den falschen Mann abbekommen hatte? Ernsthaft? „Ähm, ist das nicht eigentlich das Problem ihrer Schwester? Ich meine, wenn ihr Mann sie schlecht behandelt, soll sie sich von ihm trennen.“ Der Lieutenant sah keinen Grund, weshalb dies ein Fall für das A-Team sein sollte.
Scott warf ihm einen verärgerten Blick zu. „Es ist ja nicht nur so, dass er blöd zu ihr ist oder so. Er misshandelt sie,  das heißt, er schlägt sie. Verstehen Sie, er verletzt meine Schwester!“ ‚Sich von ihm trennen‘, als wenn das für Caroline so einfach wäre. Schön wär‘s.
„Ihr Schwager misshandelt also Ihre Schwester. Und was erwarten Sie nun von uns?“, fragte Hannibal, denn auch er sah keinen Grund, weswegen sich das Team darum kümmern sollte.
Da gab es drastischere Fälle, die ein Eingreifen der Vier eher nötig hätten. So tragisch diese Sache auch sein mochte. „Ich sehe nicht, wie wir Ihnen da helfen können. Das ist eher ein Fall für die örtliche Polizei. Ihre Schwester sollte den Kerl anzeigen.“
„Ich weiß, dass sie dazu nicht wirklich in der Lage ist. Er schlägt sie, er unterdrückt sie … Er hat ihr das Telefonieren verboten. Er schreibt Caroline ihr ganzes Leben vor! Sie ist praktisch seine Sklavin“, rief Scott, der nun wirklich verärgert war. Wieso erkannten diese Männer nicht, wie schlimm das alles war? Dass Caroline dringend Hilfe brauchte!
„Das mag alles sein, aber was erwarten Sie nun, das wir tun sollen?“, fragte Hannibal. Dort hinfahren, die Tür eintreten und den Typen zusammenschlagen? Das würde nur wieder auf Caroline zurückfallen, daher war das keine Idee. Dies schien definitiv kein Fall für das A-Team zu sein.
Sott schüttelte den Kopf und blickte genervt vom einen zum anderen. Diese Kerle schienen keinerlei Empathie zu besitzen. Was immer Gutes über diese Männer in der Zeitung stand, schien wohl doch nicht wahr zu sein. „Hören Sie, ich möchte, dass Sie Caroline dort rausholen. Fahren Sie hin, schnappen Sie sie und holen Sie Caroline dort weg. Meinetwegen können Sie diesem Mistkerl auch gerne eins auf's Maul geben. Aber holen Sie meine Schwester da raus!“
Nun mischte sich Murdock ein. Er hatte bis jetzt die ganze Zeit geschwiegen, aber nun hatte er auch etwas zu sagen. „Also, Colonel, es mag verrückt klingen, aber wir sollten da was unternehmen.“ Leute die ihre Frauen verprügelten, konnte Murdock gar nicht leiden. Außerdem klang der Fall ganz interessant.
„Murdock hat Recht, Mann!“, meldete sich B.A. polternd zu Wort. Hannibal und Face blickten ihn überrascht an. Dass ihr muskulöser Mechaniker Murdock in irgendwas zustimmte, kam reichlich selten vor. Für gewöhnlich nutzte B.A. jede Chance, Murdock zurechtzuweisen. „Ich hasse Leute, die sich an Schwächeren vergreifen! Und ich hasse Leute, die Frauen schlagen! Ich sage, wir kümmern uns darum!“
B.A. hatte eine derart deutliche Autorität in seine Stimme gelegt, dass keiner widersprechen wollte. Aber das hatte sowieso niemand vor.
Scott blickte erst zu Murdock und dann zu B.A.. Dieser grimmige Mann hatte ihn gerade wirklich überrascht. Im positiven Sinne.
„Moment mal“, ergriff Face wieder das Wort. „Für gewöhnlich sind Frauen, die in einer Beziehung geschlagen werden, nicht wirklich in der Lage, sich selbst zu helfen, geschweige denn, sich von dem Partner zu trennen. Was ist, wenn sie ihn gar nicht verlassen will?“
Dieser Punkt war äußerst relevant, denn schließlich konnten solche Details den Unterschied zwischen Erfolg und Fehlschlag ausmachen.
Scott seufzte und nickte. Ja, über diesen Punkt hatte er sich auch schon desöfteren den Kopf zerbrochen. Caroline war an diesen Kerl gebunden, sie konnte und wollte ihn nicht verlassen. Nicht nur aus Angst, sondern auch, weil sie diesen Dreckskerl liebte. Sie würde ihn nicht aufgeben. „Ja, dann holen Sie sie notfalls gegen ihren Willen dort weg. Hauptsache, sie kommt in Sicherheit.“
Hannibal griff die Äußerung von Scott auf. Ob dem Jungen klar war, welche Konsequenzen das für ihn haben würde? „Ihnen ist aber klar, Mr. Brixton, wenn Ihre Schwester davon erfährt, kann es sein, dass sie Sie auf ewig hassen wird.“ Diese Tatsache musste unbedingt bedacht und geklärt werden. Man musste ja wissen, worauf man sich einließ.
Scott nickte resigniert. Natürlich war ihm das klar. Aber das spielte keine Rolle. Sollte sie halt sauer auf ihn sein. Sollte sie ihn hassen, das kümmerte Scott nur sekundär. Ihm war am wichtigsten, dass dieser Mistkerl nie mehr seine Finger an Caroline legen würde. „Ja … wenn sie mich dann hasst, dann … dann ist das eben so“, sagte er leise.
Hannibal legte ein Lächeln auf und streckte Scott eine Hand hin. „Dann gratuliere ich Ihnen, Mister Brixton: Sie haben das A-Team.“ Das Lächeln des weißhaarigen Colonels war ein Versprechen. Eines, das Erfolg und Triumph versprach.
Scott ergriff die Hand, doch freuen konnte er sich nicht. Die Tatsache, dass seine Schwester ihn möglicherweise die Schuld dafür geben könnte, dass das A-Team sie von diesem gewalttätigen Mann wegholte, hing ihm schwer im Magen.
Der Colonel zog eine Zigarre aus seiner Jacke und zündete sie an. „Na gut, Mister Brixton, dann erzählen Sie uns jetzt alles, was Sie über Ihre Schwester und ihren Mann wissen. Alles kann wichtig sein.“
Scott nickte. Er holte tief Luft und fing an zu erzählen. Von den Telefonaten. Den Briefen. Er berichtete dem Team alles was er wusste. Alles, was ihm im Gedächtnis geblieben war. Alles, was Caroline ihm erzählt und geschrieben hatte.
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