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Hermine Granger und die magische Welt III

von Zettel
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Thriller / P16 / Mix
Daphne Greengrass Harry Potter Hermine Granger Lavender Brown Ronald "Ron" Weasley
05.03.2018
30.12.2020
100
377.271
171
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Dieses Kapitel
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05.03.2018 6.151
 
Hallo, Hauptquartier



Hallo,

ich freue mich, dass du meine Geschichte angeklickt hast. Diese Geschichte wird von mir so geschrieben, dass man sie auch ohne großes Vorwissen der anderen beiden Teile lesen kann. Ich werde so viel wie möglich erklären, so dass man es auch direkt verstehen kann. Wenn etwas unklar sein sollte, kann man gern fragen.

Viel Spaß


„Springer nach D Vier“, beordert Harry mit einem überheblichen Grinsen.
Sein schwarzer Reiter auf dem ebenso schwarzen Ross kommt angaloppiert und verprügelt aufs Brutalste meine Dame, bis er sie mit einem groben Kick vom Schachbrett tritt, wo sie bewusstlos liegen bleibt.
„Schach matt“, lächelt Harry süffisant und macht Anstalten meinen König mit seinem Finger umzustoßen.
„Wage es ja nicht“, zische ich und greife schnell nach seinem Finger, ehe er den König auch nur anfassen kann. „Ich kann nicht Schach matt sein.“

Mit hastigem Blick suche ich auf dem Feld nach einer Lösung, um meinen armen König wenigstens diese Runde noch am Leben zu halten.

„Schatz, egal wo du hingehst, er wird erwischt“, seufzt Harry und zieht seinen Finger aus meiner Hand.
„Und wenn ich…“
„Da ist mein Turm“
Der winzige, weiße König vor mir auf dem Schachbrett dreht sich nun um und zuckt mit den Schultern, dann zieht er sein Schwert und wirft es auf das Brett.
„Selbst die Figuren meinen, dass du verloren hast“, kichert Harry.
Wütend haue ich mit der flachen Hand auf den Tisch. „Das kann nicht sein, ich habe mir alles haargenau überlegt! Wie konntest du jetzt schon wieder gewinnen?!“
Er zuckt mit den Schultern und dreht seinen linken Arm, um auf die Armbanduhr zu schauen. „Ich muss jetzt los. Wir sehen uns nachher im Grimmauldplatz?“
Ich erhebe mich seufzend von meinem Stuhl und nicke zustimmend. „Ich werde da sein. Die Elfen sind gerade los und ich appariere direkt hinterher, wenn du weg bist.“
„Ich weiß Bescheid. Pass auf dich auf.“

Er bewegt sich zur Eingangstür hinüber und nimmt seinen Aurorenmantel vom Haken.
„Pass du wohl eher auf dich auf! Es ist dein letzter Arbeitstag in diesem Jahr und ich will nicht, dass du dich verletzt, so kurz vor Weihnachten!“
„Ich verletze mich nicht“, beteuert er lächelnd und beugt sich zu mir hinunter, um mir einen Kuss auf den Mund zu drücken. „Bis heute Abend.“

Er dreht sich nun um und lässt mich ohne ein weiteres Wort in der Eingangshalle stehen. Als er die Tür öffnet, flattern ein paar Schneeflocken aus dem Schneetreiben über die Schwelle und verschwinden direkt in der warmen Luft der Eingangshalle.


Eine Viertelstunde später tippe ich die vier großen Koffer mit meinem Zauberstab an und schicke sie damit in den Flur des Grimauldplatzes Nummer zwölf. Danach drehe ich eine Runde durch jedes Zimmer des Hauses und überprüfe, ob auch alle Fenster versiegelt sind und das Licht ausgeschaltet wurde, dann gehe ich zurück in die Eingangshalle, um meinen eigenen Mantel und Schal vom Kleiderständer zu nehmen und mich so dick wie nur möglich einzupacken.

Zum Abschied aus diesem Jahrtausend scheint sich die Natur noch einmal richtig ins Zeug legen zu wollen und hat daher einen extrem kalten Winter auf Großbritannien losgelassen.

Ich stecke meine Hände nun in die selbstgestrickten Handschuhe und ziehe mir eine pinke Strickmütze auf, dann verlasse ich das Haus. Sofort schlägt mir die Eiseskälte entgegen und sticht auf die Haut, die nicht von meinem Schal, oder dem hohen Kragen des Mantels geschützt wird. Ich bibbere leicht, drehe mich schnell um und fummle den komplizierten Hausschlüssel hervor.

Es war Harrys grandiose Idee ein großes, gönnerisches Weihnachtsfest zuschmeißen. Alle sollen kommen und die Festtage gemeinsam verbringen und sogar zusammen in das neue Jahrtausend reinfeiern. Da aber leider der Platz in unserem Einfamilienhaus dafür nicht ausreichen würde, mussten wir auf das alte Hauptquartier des Phönixordens zurückgreifen, den Grimmauldplatz Nummer zwölf.

Das Problem dabei ist aber, dass wir dem Grimmauldplatz, seit unserem kurzen Aufenthalt bei der Horkruxjagd, nie wieder besucht oder gar überhaupt an ihn gedacht haben. Dementsprechend habe ich mich mental schon auf ein halbes Schlachtfeld vorbereitet, welches die Todesser dort hinterlassen haben, nachdem Yaxley sie dort hingeführt hat.

Ich stecke meine Hände nun tief in den Manteltaschen und ziehe den Kopf ein. Der große Garten unseres Hauses ist komplett im Schnee versunken. Die Bäume des Gartens tragen weiße, fluffige Mützen und sogar die Äste des mächtigen Kirschbaumes, in der Mitte des Gartens, unter dem Krummbein begraben liegt, beugen sich unter dem Gewicht des Schnees.

Ich ziehe nun auch die Schultern, hoch um mich gegen die klirrende Kälte zu schützen, dann stapfe ich den geräumten Kiesweg hinunter zum eisernen Gartentor hinunter, um dann in einer verschneiten Seitengasse des kleinen Dorfes, Turners Hill, in dem wir wohnen, zu disapparieren.


Ich fühle mich beinahe in alte Zeiten zurückversetzt, als ich wieder mit beiden Füßen auf der obersten Steinstufe der kleinen Treppe lande, die zur Haustür des Hauptquartieres führt. Die Treppe wurde vom Schnee befreit und wurde sogar mit Salz und Kies gestreut, damit die Besucher sich nicht verletzen können. Dieses Mal habe ich aber zum Glück alle Zeit der Welt und muss auch keinen Tarnumhang tragen, aus Angst, dass Todesser mich sehen könnten, wenn ich hier lande. Trotzdem werfe ich doch einen schnellen Blick über die Schulter und betrachte den stillen Grimauldplatz.

Mit einem schnellen Griff stecke ich den Schlüssel ins Schloss und drehe den Knauf um, dann betrete endlich den schon vorgeheizten Flur.

Mit einem leisen Seufzer ziehe ich mir die Mütze vom Kopf und streife die Handschuhe ab, dann ertönt plötzlich eine kalte Stimme: „Severus Snape?“
Bevor ich etwas sagen kann, rauscht ein kalter Luftzug über mich und lässt die Öllampen ausgehen, dann klappt meine Zunge unangenehm nach hinten und ich stoße nur ein erschrockenes Japsen aus.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind natürlich alle noch da.

Zwei Sekunden später löst sich meine Zunge wieder und schon erhebt sich die Staubgestalt von Dumbledore vom Boden. „Ich habe Sie nicht getötet, Albus!“, rufe ich entschieden und ehe die Gestalt ganz erscheinen kann, fällt sie wieder in sich zusammen und die Öllampen, rechts und links, gehen wieder an.
„Miss Hermine!“, kreischt Dobby fröhlich und springt vom Treppenabsatz herunter.
„Hallo Dobby“, lächle ich fröhlich den Elfen an, während dieser mit weit ausgebreiteten Armen auf mich zu eilt.
„Dobby hat schon angefangen Staub zu putzen, Miss“, erklärt er, nachdem er mich wieder losgelassen hat. „Dobby hat die Küche gereinigt.“
„Sehr gut, Dobby“, lächle ich erleichtert. „Das ist eine große Hilfe. Wir haben noch viel zu tun, wenn wir bis Weihnachten fertig werden wollen.“ Ich ziehe meinen Mantel aus und hänge ihn über den Kleiderhaken. „In vier Tagen ist Weihnachten und bis dahin soll es einigermaßen gut aussehen.“ Ich beginne aufzuzählen und Dobby ein kleines Briefing darüber zugeben, was die nächsten Tage passieren wird. „Ron, Lavender, Molly und Arthur reisen heute schon an. Sie wollen natürlich helfen. Über die restlichen Tage kommen auch die anderen dann eingetröpfelt. Wir sollten schauen, dass wir bloß die ganzen Schlafzimmer rechtzeitig fertigbekommen.“
Dobby nickt aufgeregt und mit großen Augen.
„Ist beinahe wie damals, als wir das erste Mal hier waren“, lächle ich nostalgisch und schaue die Treppe hinauf. Spinnenweben hängen nun in beinahe jedem Winkel und selbst die Treppe ist voller Staub. Da auch Kreacher in den letzten zwei Jahren nicht hier war, um sauber zu machen, sieht es auch dementsprechend aus.
„Tut mir leid, dass mein Freund euch damit reinzieht“, sage ich traurig an den Elfen gerichtet. „Er wollte unbedingt ein großes Fest.“
Zugegeben: Auch mir hat die Idee von einem Weihnachtsfest mit all unseren Freunden sehr gut gefallen, daher habe ich auch nicht dagegen protestiert.

Der Elf schüttelt energisch seinen Kopf. „Dobby ist sehr, sehr froh, dass er zu einem echten Weihnachtsfest eingeladen wurde!“ Tränen steigen ihm in die Augen. „Dobby ist Hermine Granger und Harry Potter sooooo dankbar.“ Er schluchzt auf und stürzt auf mein Bein zu, um es zu umklammern. „Danke, danke!“
Gerührt seufze ich auf und gehe auf die Knie, um den Elfen zu umarmen. „Natürlich Dobby, du gehörst doch so gut wie zur Familie!“

Dobby verfällt nun in einen fünfminütigen Heulkrampf und erst, als ich ihn lieb frage, ob er Tee machen kann, hört er auf meinen Pullover zu durchnässen.

„Wo ist eigentlich Kreacher, Dobby?“, frage ich, während der Elf in der blitzblanken Küche herumhantiert.
Schlagartig hält er inne und lässt die Ohren hängen. „Kreacher ist oben, Miss“, flüstert er leise und bedächtig. „Dobby hat ihn seit ein paar Stunden nicht mehr gesehen.“


Ich brauche gar nicht lang nach Kreacher zu suchen. Schon im ersten Stock höre ich schon von rechts ein leises Wimmern. Ich schiebe die Tür zum Salon auf und befinde mich in einem Chaos der extra Klasse.

Die Sessel und Sofas wurden aufgeschlitzt, das Klavier zertrümmert, die Schränke wurden umgeschmissen und ihr Inhalt im ganzen Raum verteilt, die Bar ausgeräumt und die Flaschen auf dem Boden zertrümmert – Farbige Flecken auf dem Teppichboden zeugen noch davon, dass die Flaschen gefüllt waren. Selbst den Kronleuchter hat jemand von der Decke gerissen und auf dem Boden zertrümmert.

Kreacher tapst wimmernd durch den Raum und in seinen Armen trägt er die einzelnen Tasten des Klaviers zusammen.
„Kreacher, was ist passiert?“, keuche ich entsetzt und gehe mit schnellen Schritten zu dem Elfen hinüber.
„A-Alles zerstört… Alles“, schnieft der Elf und wischt sich mit dem Unterarm die Tränen aus dem Gesicht. „Das schöne Haus der edlen Familie Black!“
Ich knie mich nun vor ihm hin und will ihn umarmen, doch der Elf dreht sich schnell weg und lässt keine Berührung von mir zu.

Ein wenig tut es immer noch weh, dass Kreacher mich gar nicht an sich ranlässt, doch jetzt übergehe ich das einfach und seufze gequält auf. „Das müssen die Todesser gewesen sein“, schließe ich und lasse mich auf meinen Hintern fallen. „Ich habe damit schon gerechnet, dass Yaxley sie hierhergeführt hat, nachdem… nachdem ich… ich ihn versehentlich hierhergebracht habe.“
Kreacher lässt mit einem lauten Scheppern die Tasten des Klaviers auf den Boden krachen. „Die… Miss Hermine… hergebracht?“, stammelt er entsetzt.
Ich nicke traurig. „Als wir – Harry, Ron und ich – aus dem Ministerium zurückkamen, hat sich ein Todesser, Yaxley, an mir festgekrallt, als wir zum Grimmauldplatz zurückappariert sind. Dadurch wussten sie, wo der Grimmauldplatz ist und konnten daher hier eindringen.“
Der alte Elf schaut mich entsetzt mit den großen, grauen Augen an und kurz wirkt es so, als ob er mir gleich an die Kehle geht, dann dreht er sich um und beginnt zornig in sich hinein zu murmeln: „Das schöne Haus meiner armen Herrin… Warum war Kreacher nicht da… Haben sie hergebracht!“ Er beginnt nun wieder die Tasten aufzusammeln. Währenddessen schwingt das Medaillon, welches Harry ihm geschenkt hat, um seinen Hals.

Bei diesem Gemurmel, welches er gerade ausstößt, erinnert er mich entsetzlich an den alten Kreacher, der mich so verabscheut hat. Inzwischen sind wir wenigstens soweit, dass er mich nicht mehr hasserfüllt anschaut, oder mich ‚Schlammblut‘ nennt. Doch nun bekomme ich Angst, dass ich seine Zuneigung nun gänzlich verloren habe.

„Kreacher, lass mich dir helfen“, sage ich bestimmt und erhebe mich vom Boden, dann ziehe ich meinen Zauberstab aus der Tasche und flüstere leise „Reparo!“

Alle möglichen Trümmer, die hier im Raum verteilt liegen und zum Klavier gehören schwärmen nun zurück zu den Überbleibseln des Klaviers, bis es wieder aussieht, als ob nie irgendetwas damit geschehen wäre.
Fröhlich lächle ich Kreacher an. „Wir bekommen das hier schon wieder hin“, sage ich und deute meinen Zauberstab auf die Polstermöbel. „Es wird alles gut.“
Kreacher antwortet nicht und beginnt wieder per Hand die Scherben, der zerbrochenen Flaschen aufzusammeln.

Wieso nutzt er seine Magie nicht?


Obwohl ich mich ordentlich ins Zeug lege und eigentlich nur ständig mit meinem Zauberstab am herumwirbeln bin, benötige ich beinahe zwei Stunden, um den Salon halbwegs wieder in Schuss zu bekommen. Das Mobiliar ist zwar wiederhergerichtet, jedoch verzweifle ich an den Flecken auf dem Teppich, die der Schnaps hinterlassen hat und außerdem ist mir erst jetzt aufgefallen, dass der Stammbaum der Familie Black verschwunden ist.

Kreacher ist das natürlich auch nicht entgangen und natürlich musste er es mit einem enormen Heulkrampf quittieren.

Dobby hat inzwischen damit begonnen das Wohnzimmer aufzuräumen, welches ebenfalls in einem miserablen Zustand war. Hier wurden sogar die Bilder geklaut und die Schubladen, der ollen, verstaubten Kommoden ausgeräumt – Obwohl ich mir hier nicht wirklich sicher bin, ob das nicht einfach Mundungus war.

Gegen zwölf Uhr – Ich bin gerade dabei das erste Schlafzimmer, in dem damals Mr. und Mrs. Weasley geschlafen haben – herzurichten, da klingelt es an der Tür.
Natürlich wird davon auch Mrs. Black geweckt. Das schrille Surren ist kaum verstummt, da höre ich das laute Ratschen der Vorhänge, die zur Seite gezogen werden und augenblicklich schallt ihr lautes Geschrei durchs Haus: „SCHLAMMBLUT!“

Woher weiß die Alte, dass ich hier bin?

Ich begebe mich auf den Treppenabsatz und schaue genervt zu dem übergroßen Gemälde einen Stock tiefer hinunter.
Widerliches Scheusal! Minderwertige Kreatur!“, kreischt sie, als ich an ihr vorbeigehe.
„Ausgeburt der Hölle“, erwidere ich kühl, als ich vor ihr stehe.

Sie will gerade wieder loslegen, mich anzuschreien, da huscht der kalte Windzug durch die Halle und meine Zunge klappt sich wieder nach hinten.
Tatsächlich scheint auch das Gemälde davon betroffen zu sein, denn Mrs. Black stößt ein eigenartiges Glucksen aus und schaut mich empört an, dann ertönt die Stimme von Moody: „Severus Snape?“

Mrs. Black schaut mich ängstlich an und mit einem lauten RATSCH zieht sie ihre Vorhänge wieder zu.
Inzwischen erhebt sich schon eine Staubwolke vom Boden. „Ich habe Sie nicht getötet“, sagt die matte Stimme von Mr. Weasley. Sofort zerfällt die Wolke wieder und die Lichter in der Halle gehen wieder an.
„Dieser schaurige Zauber sollte wirklich entfernt werden“, beschwert sich Mrs. Weasley und schüttelt ihren Kopf, um die Schneeflocken herauszuschütteln.

Ich gehe nun die letzten Stufen hinunter und betrete den Windfang. Dobby steht neben Mr. und Mrs. Weasley, da er für die beiden gerade die Tür geöffnet hat. „Hallo Mr. und Mrs. Weasley!“, rufe ich freudig und umarme die beiden. „Schön, dass Sie gekommen sind.“
Mrs. Weasley umarmt mich und patscht mir dann sanft auf die Wange. „Du sollst uns duzen, Hermine“, lächelt sie. „Wie oft denn noch?“ Sie zieht ihren Mantel aus und hängt ihn an den Kleiderhaken.

Schüchtern lächle ich die beiden an. Zu unserem Abschluss haben die beiden Harry und mich schon ermahnt, sie endlich zu duzen, doch irgendwie bekomme ich es einfach nicht auf die Reihe, ständig verfalle ich in das ‚Sie‘ zurück.
„Ich gebe mein bestes“, grinse ich und halte den beiden die Tür zur Küche auf. „Freut mich, dass ihr schon da seid. Tee?“
„Gern“, seufzt Mr. Weasley und reibt sich die kalten Hände aneinander.


„Das ganze Haus?“, ruft Mrs. Weas… ich meine Molly entsetzt, als ich den beiden von meiner Entdeckung erzähle.
„Ich glaube schon, ja“, seufze ich. „Ich habe mir bisher noch nicht alles angeguckt, aber der Salon, das Wohnzimmer und die ersten beiden Schlafzimmer sind völlig zerstört. Die Todesser müssen, nachdem wir hier abgehauen sind, alles nach Hinweisen durchwühlt haben.“
Arthur nickt mit ernstem Blick. „Kann ich mir vorstellen.“
„Ich habe da gar nicht dran gedacht“, sagt Molly und schüttelt ihren Kopf. „Zwei Jahre war der Grimmauldplatz irgendwie aus meinen Gedanken. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, hier mal vorbeizuschauen.“
„Harry und ich auch nicht“, erwidere ich. „Wir hatten so viel mit unserem Leben zu tun und auch damit die UTZe nachzuholen, dass wir es völlig vergessen haben.“
„Nicht zu vergessen, dass ihr euer eigenes Haus bauen musstet“, stimmt Arthur zu. „Aber ich denke, dass wir das Haus hier mit vereinten Kräften wieder hinbekommen. Als wir es fünfundneunzig das letzte Mal gemacht haben, durftet ihr alle noch nicht zaubern. Jetzt seid ihr alle aber ausgebildete Hexen und Zauberer. Ich denke, dass sollte bis Weihnachten alles erledigt sein.“ Zuversichtlich zwinkert er mir zu.
Molly setzt ihre Tasse an die Lippen und leer sie mit ein paar Zügen. „Wir sollten trotzdem keine Zeit verlieren. Hermine, wir fangen an die Zimmer aufzuräumen und du Arthur entfernst Moodys nervigen Empfang.“
„Einverstanden“, stimmt Arthur zu. „Der hat ja anscheinend eh nichts gebracht, wenn die Todesser trotzdem hier alles durchsuchen konnten.“


Natürlich will Mrs. Weasley nun den Salon begutachten und mir ein paar Zauber zeigen, wie ich die hartnäckigen Schnapsflecken aus dem Teppich bekomme. Doch als auch ihre Zauber hier nicht funktionieren, schaut sie mich gefrustet an, so als ob ich diese Flecken mit Absicht so schrecklich gemacht habe.

„Geht nicht“, seufzt sie schließlich und schaut sich um. „Ich werde morgen ein paar Tinkturen besorgen. So etwas kann man immer gebrauchen, wenn man einen Haushalt hat.“
„Stimmt schon“, antworte ich und blicke zu der kahlen Wand hinüber, an der sich der Stammbaum befunden hat. Molly folgt meinem Blick und sieht nun ebenfalls die leere Stelle. „Wer klaut denn sowas?“
„Todesser“, erwidere ich. „Ich glaube, dass Bellatrix höchstpersönlich hier war und alles durchwühlt hat. Sicherlich konnte sie dann nicht widerstehen, das Ding mitzunehmen.“
Bei der Erinnerung an Bellatrix erschaudern Molly und ich gleichzeitig.

Wahrscheinlich hat sie vor knapp zwei Jahren genau hier gestanden und hat alles mit ihren verrückten Kumpanen durchwühlt!

„Wir werden uns morgen um den Salon und die anderen, großen Räume kümmern“, beschließt Mrs. Weasley. „Wir müssen heute ein paar Betträume fertigbekommen.“ Sie beginnt aufzuzählen. „Ron, Lavender, Harry, du, Arthur und ich. Das macht drei Räume, die wir bis heute Abend fertig haben müssen.“
Ich nicke zustimmend.
„Fred, Hannah und George kommen erst am vierundzwanzigsten. Sie meinen, dass sie während der Weihnachtszeit nicht lange vom Laden entfernt sein können. Charlie hat leider komplett abgesagt. Er bleibt in Rumänien.“
„Verstehe ich und Charlie hat uns schon geschrieben, sehr schade.“
Molly nickt traurig und fährt fort: „Neville holt Ginny morgen vom Kings Cross ab. Ihr Trainingslager ist endlich vorbei und sie darf wieder nach Hause.“
„Perfekt.“
„Percy kommt erst zu Weihnachten. Harry meinte, dass das okay ist.“
„Wie mein Verlobter wünscht“, sage ich und winke ab. Ich habe irgendwann komplett die Übersicht über die Gästeliste verloren. Harry hat einfach jeden eingeladen und inzwischen graust es mir vor unserer Hochzeit und den Tausenden von Gästen, die Harry einladen wird, nur weil sie mal nett zu ihm waren.

Wir verlassen nun den Salon und gehen ein Stockwerk höher, zu den ersten Gästebetten.
„Tonks kommt morgen mit Teddy.“
„Genau“, lächle ich. Tonks und Teddy wurden sogar sofort von mir eingeladen. Sie haben die erste Einladung bekommen, die ich sofort mit Nova, Harrys Phönixdame, abgeschickt habe. Wir beide waren uns einig, dass wir die beiden unbedingt dabeihaben müssen, denn gerade an so großen Familienfesttagen wird Tonks Remus besonders vermissen.
„Fleur und Bill kommen wahrscheinlich nur zu Silvester“, erklärt Mrs. Weasley enttäuscht. „Sie wurden schon nach Frankreich eingeladen und weil natürlich nicht die ganzen Delacours hierherkommen können, haben die beiden sich dazu entschieden, die Feste aufzuteilen.“
„Nicht schlimm“, erwidere ich. „Sie kommen ja zu Silvester.“
„Habe ich wen vergessen?“, überlegt Molly angestrengt.
„Draco und die Greengrass-Schwestern“, werfe ich ein. „Harry hat die natürlich auch eingeladen. Die kommen aber auch zu Silvester. Meine Eltern kommen auch erst am Weihnachtsmorgen. Hagrid will auch irgendwann kommen. Er war sich noch nicht so sicher, wann er vom Schloss gehen kann. Er will aber vor Weihnachten da sein.“
Molly nickt und zählt nach. „Das wären dann also… mhmhmh…“ „Siebzehn zu Weihnachten und zweiundzwanzig zu Silvester. Theoretisch plus zwei weitere Personen, aber Dobby und Kreacher verbrauchen nicht viel Platz.“ Unterbreche ich sie und lächle gequält.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal froh darum bin, dass die beiden immer so wenig Platz wie möglich haben wollen.

„So viele Gäste“, stöhnt Molly entsetzt. „Ist das nicht ein bisschen viel?“
Ich seufze leise auf. „Harry hat sich ein großes Weihnachtsfest gewünscht. Ich glaube, dass er sich immer sowas gewünscht hat, weil er zuhause nie wirklich Weihnachten gefeiert hat. Ich kann ihm das einfach nicht abschlagen.“
Molly lächelt mich fröhlich an. „Ich kann das nachvollziehen. Du brauchst keine Angst haben, dass du uns alle allein bekochen musst. Ich werde natürlich helfen.“

Entsetzt reiße ich meine Augen auf. Ich habe an alles gedacht, nur nicht daran, dass zwanzig Leute ja auch irgendetwas essen müssen.


Durch diese Erkenntnis sinkt meine Stimmung für die nächsten zwei Stunden auf den Nullpunkt. Ich bin sogar richtig wütend. Wütend auf mich, dass ich so etwas Offensichtliches vergessen habe und nun bin ich sogar wütend auf Harry, weil er sich diese riesige Feier ausgedacht hat.

Wie sollen wir denn für so viele Leute, zwei Wochen lang, Essen kochen? Und woher sollen wir die Unmengen an Essen herbekommen? Klar, verdoppeln geht, aber auch nur begrenzt. Irgendwann schmeckt das Essen einfach nach Pappe.


Ein paar Stunden später lasse ich gerade meine ganze Wut mit einem Teppichklopfer an einem Teppich aus, den ich in der Luft schweben lasse, als es wieder schrill und laut durchs Haus klingelt.

Sofort macht es wieder RATSCH und das nervtötende Geschrei von Mrs. Black geht los. Wie ein zorniges Tier wetze ich aus dem Schlafzimmer im zweiten Stock, in das Treppenhaus.
„BLUTSVERRÄTER! SCHLAMBLÜTER! VERSCHWINDET AUS MEINEM HAUS!“
Ich poltere nun, immer noch mit dem Teppichklopfer in der Hand, die Treppe hinunter und beginne Mrs. Black zurück anzuschreien: „GEBEN SIE DOCH ENDLICH MAL RUHE!“
„SCHLAMMBLUTHURE!“, brüllt sie und dabei sprüht sie ein paar gemalte Spucketropfen durch die Gegend.
„RASSISTIN!“
„DU BRINST SCHANDE ÜBER MEIN HAUS! DU MENSCHLICHER ABFALL!“
Die Lichter in der Halle gehen aus und Mrs. Black und mir wird für einen Moment die Zunge nachhinten geklappt, doch jetzt lassen wir uns davon nicht beirrten, denn als der Zauber nachlässt und eine kalte Stimme fragt „Severus Snape?“ Schreien wir uns einfach erneut an: „ICH RICHTE IHRE BRUCHBUDE VON HAUS WIEDER EIN, NACHDEM IHRE TODESSERFREUNDE SIE ZERSTÖRT HABEN!“
Sie geht darauf gar nicht ein, verdreht ihre Augen nach hinten und atmet tief ein: „KREACHER!“, kreischt sie. „KREACHER, WO BIST DU!“
„HALTEN SIE KREACHER DARAUS!“
„SCHMEIß DAS DRECKIGE BLUT AUS MEINEM HAUS! RAUS SAGE ICH – Uff.“
Ich habe ihr mit dem Teppichklopfer ins Gesicht geschlagen. „Seien Sie still!“, sage ich zornig und haue noch einmal mit dem Teppichklopfer gegen das Bild. „Bleiben Sie verdammt nochmal hinter ihren Vorhängen!“
„GARSTIGES SCHLAMM…“ Noch einmal schlage ich mit dem Teppichklopfer gegen das Bild.
„Ruhe!“
Ihr Gesicht läuft puterrot an und noch einmal schlage ich mit dem Teppichklopfer gegen das Bild.
Mrs. Black stößt ein extrem zorniges „OHHHH“ aus, dann macht es wieder RATSCH und die Vorhänge werden zugezogen.

„Alter“, hauch Ron leise hinter mir. „Bist du wieder gestresst, Hermine?“
Ich wirble herum und erblicke Ron und Lavender in voller Wintermontur.
„Oh, ihr seid schon da“, lache ich nervös und stelle den Teppichklopfer neben das Bild von Mrs. Black. Sicherlich werde ich ihn noch häufiger gebrauchen in der nächsten Zeit.
„Ja“, seufzt Lavender und zieht sich ihre Mütze vom Kopf. „Es ist ja auch erst vier Uhr.“
Den Sarkasmus in ihrer Stimme kann man beinahe schmecken. Ich habe völlig die Zeit vergessen, während ich hier sauber gemacht und aufgeräumt habe.
„Wir sind sogar zu spät“, merkt Ron lächelnd an und umarmt mich. „Wir mussten noch packen.“

Ich begrüße nun auch meine beste Freundin mit einer warmen Umarmung und streiche mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Deine Eltern sind auch schon da. Deine Mum hilft mir beim Aufräumen und dein Dad… na ja, der wollte eigentlich diesen Moody-Zauber aufheben.“
Ich schaue mich nach Arthur um.

„Was ist denn hier passiert?“, fragt Lavender und schaut die ewiglange Treppe hinauf. Sie ist natürlich noch nie hier gewesen und kennt den Grimmauldplatz nur aus unseren Geschichten. Ihr Blick bleibt natürlich an den abgehackten Hauselfenköpfen hängen.
„Die will ich hier weg haben“, murmle ich bestimmt, als ich ihren Blick bemerke. „Die sind mir schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Wollen wir uns erstmal hinsetzen?“
Die beiden nicken zustimmend und folgen mir in die Küche, in der sich noch eine Kanne mit Tee befindet.
„Ich glaube nicht, dass Kreacher es so toll findet, wenn du die Köpfe abnimmst“, mutmaßt Ron mit ernster Miene.
„Kann sein“, erwidere ich und zucke mit den Schultern.
„Vielleicht können wir sie für die Feiertage einfach mit irgendetwas zu hängen“, schlägt Lav vor „mit Zweigen oder so. Wieso solche Eingriffe vornehmen? Ihr habt euch zwei Jahre nicht für das Haus interessiert und es wird euch auch nach den Feiertagen nicht mehr interessieren. Lass die Köpfe da einfach.“
Ron wirft ihr einen bösen Blick zu.
„Vielleicht hast du recht“, überlege ich und fummle an meinem Teelöffel herum. „Wir haben uns wirklich gar nicht hier für interessiert. Wir haben nicht einmal nach dem Krieg nachgeschaut, wie es hier aussieht, nachdem wir Yaxley hierhergebracht haben.“
„Wie sieht es denn aus? Scheint ja alles okay zu sein“, sagt Ron und schaut sich in der Küche um.
„Weil wir hier schon fertig sind“, erwidere ich. „Die haben wirklich jedes Zimmer zerstört – Die haben nicht gesucht, die haben nur zerstört.“
„Schweine“, knurrt Ron.
„Kreacher hat das alles gar nicht gut aufgenommen. Er watschelt die ganze Zeit wimmernd durch das Haus und sammelt irgendwelche Gegenstände ein, um sie per Hand irgendwie zu reparieren.“
„Der arme Kerl“, seufzt Lavender besorgt und verzieht ihr Gesicht. „Er tut mir richtig leid.“
Ron winkt ab. „Er heuchelt. Er hat ja auch zwei Jahre lang hier nicht reingeschaut und jetzt, wo er wieder hier ist, ist alles total schlimm. Den interessiert das in Wahrheit auch nicht mehr.“
„Glaube ich nicht“, erwidere ich. „Ich glaube, dass er schon gern hierhergekommen wäre, jedoch hat er sich nicht getraut, da er von Harry die Anweisung bekommen hat, in Hogwarts mitzuarbeiten. Sicherlich wollte er einfach nicht seine Anweisung untergraben und ist daher immer dortgeblieben.“
„Ergibt Sinn“, murmelt Ron und nippt an seinem Tee. „Zumindest wenn man weiß, wie die denken.“
Ich wechsle nun das Thema. „Hast du Harry gesehen? Weißt du, wann er Schluss hat?“
Ron zuckt nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich sehe ihn ja auf der Arbeit selten. Tut mir leid, Hermine.“
„Sie lassen ihn immer viel zu lang arbeiten. Er sollte sich nicht so sehr herumschupsen lassen.“
„Er ist in der Aurorenausbildung“, lächelt Ron. „Da wird nun mal viel von einem verlangt. Die wollen nur die Besten der Besten.“
Ich knirsche mit den Zähnen. „Du bist auch immer pünktlich zuhause.“
„Mein Chef ist auch etwas entspannter als Harrys.“ Er verschränkt die Arme hinter seinem Kopf.
„Es ist halt kein Bürojob, den die beiden da machen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er länger arbeitet, Hermine“, merkt Lavender an.
„An seinem letzten Arbeitstag im Jahr? Außerdem arbeitet er immer lang. Ich finde das nicht gerecht und sein Job ist auch so gefährlich.“

Beide rollen gleichzeitig mit ihren Augen, mir ist das aber egal. Sollen sie doch denken was sie wollen. Es ist ein Unding, dass Harry immer bis zu zehn Stunden täglich arbeiten muss und niemand etwas dagegen sagt, wohingegen Ron teilweise nur sechs Stunden täglich auf der Arbeit ist.


Erst kurz vor dem Abendessen – Ich stehe mit Lavender, Mrs. Weasley und Ron in der Küche - geht die Haustür zum Grimmauldplatz ein letztes Mal auf. Dieses Mal wurde nicht geklingelt und das kann nur bedeuten, dass diese Person einen Schlüssel hat.
„Endlich“, seufze ich und wische meine nassen Hände an einem Geschirrtuch ab.
„Severus Snape?“
„Ich habe Sie nicht getötet“, sagt Harry müde, der noch auf der Fußmatte steht.

Die Staubgestalt verpufft und Harry schüttelt sich die Schneeflocken aus den Haaren, die noch nicht geschmolzen sind. Er ist natürlich zu cool, um eine Mütze zu tragen – Manche Dinge ändern sich einfach nie.
„Da bist du ja!“, rufe ich erleichtert und gehe auf ihn zu, um ihm einen Begrüßungskuss zugeben. „War viel los?“
„Oh, das war es!“, schnaubt er. „Anscheinend beginnen die Leute sich jetzt in der Vorweihnachtszeit am liebsten gegenseitig umzubringen. Zwei Typen haben sich in einer Muggelbar geprügelt und duelliert. Wir mussten dafür sorgen, dass die Muggel nicht abhauen konnten, während die Kollegen die Gedächtnisse gelöscht haben.“
Ich nehme ihm die Tasche ab. „Immerhin hat dich keiner angegriffen.“
Er schüttelt den Kopf „Nein, ich wurde verschont.“ Er lächelt mich an. „Und wie war dein Tag?“
„Anstrengend“, erkläre ich, während er sich den Mantel auszieht. „Die Todesser haben hier alles auseinandergenommen. Ich habe mit Mrs. Weasley und Kreacher schon ein paar Zimmer aufgeräumt, jedoch brauchen wir unbedingt ein paar Zauberstäbe mehr.“
„Du sollst sie Molly nennen“, ermahnt mich Harry mit einem Schmunzeln.
„Mir fällt das halt schwer.“
„Wie kommt Kreacher mit der Verwüstung klar?“
Ich schüttle meinen Kopf. „Er ist total fertig. Er sammelt alles per Hand ein und sortiert es liebevoll zurück, obwohl er es mit Magie einfacher könnte. Ich weiß auch nicht, was los ist.“
Er verzieht besorgt das Gesicht. „Ich rede mit ihm.“
„Tu das“, ich lege meine Hände ineinander. „Ich habe ihm gesagt, dass ich diejenige war, die Yaxley hierhergebracht hat.“
„Oh.“
„Ja, ‚Oh‘. Er war nicht sehr begeistert und ich habe mich für heute auch lieber von ihm ferngehalten.“
„Kommt ihr jetzt endlich rein?“, ruft Ron aus der Küche. „Ich will was essen!“


„Seit wann bist du hier?“, fragt Harry Ron, als wir allesamt am großen Esstisch sitzen und Mrs. Weas… Molly, die Suppe austeilt, für die sie extra noch einmal einkaufen gegangen ist.
„Seit vier Uhr“, erklärt Ron. „Wir haben schon mal ein bisschen geholfen. Morgen geht es dann richtig los.“
„Mine hat mir schon erzählt, was passiert ist. Aber ich denke, dass wir das wieder hinbekommen.“
„Natürlich“, stimmt Molly zu. „Ich habe es deiner Verlobten auch schon erklärt. Ihr seid jetzt volljährig und dürft alle zaubern. Wir bekommen das ruckzuck hin!“ Sie lächelt uns alle an und setzt sich nun hin. „Ron, wo ist dein Vater?“
„Woher soll ich das wissen?“, stöhnt Ron, der schon den Löffel halb im Mund hat. „Ich habe ihn heute noch gar nicht gesehen.“
Molly schaut mich fragend an, doch ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Auch ich habe Arthur seit heute Mittag nicht mehr gesehen.
„Vielleicht ist er Geschenke einkaufen?“, schlägt Harry vor und lächelt Molly zu. „Er kommt sicherlich bald zurück.“
Molly stößt ein zischendes Geräusch aus. „Esst schon mal, Kinder. Ich schaue mal nach ihm!“ Sie erhebt sich vom Tisch und geht nach oben.


„Die haben im Palast bestimmt einhundert Weihnachtsbäume aufgebaut“, erklärt Ron mit lachendem Gesicht, als wir schon beinahe fertig mit dem Essen sind. „So viele habe ich noch nie gesehen. Nicht mal in der Großen Halle!“

Auch wenn Harry und Ron beide den Beruf des Aurors ausführen, haben sie dort unterschiedliche Aufgaben. Harry sorgt in seinem Aufgabengebiet für die Sicherheit der normalen, magischen Bevölkerung, während Ron nur für den Schutz einer Person abgestellt wurde – Prinz Philip. Wieso man ausgerechnet Ron mit dieser mehr als nur entspannten Aufgabe betraut hat, kann man sich nur da herleiten, dass Lavenders Onkel Leiter der Aurorenabteilung ist und Lavender wahrscheinlich irgendwie ihre Finger im Spiel hatte.
„Philips Frau“
„Die Queen“, werfe ich rasch ein.
„Ja, die Queen“, winkt Ron genervt ab. „hat das sogar alles beaufsichtigt. Das muss da wirklich richtig wichtig sein.“
„Sie ist ja auch das Glaubensoberhaupt. Sie kümmert sich natürlich um so was“, erkläre ich dem etwas muggelfremden Ron.
„Die Queen ist das Oberhaupt der anglikanischen Kirche“, erklärt Harry Ron. „Hermine ist auch anglikanisch.“
Ron schaut mich beinahe entsetzt an. „Ist das schlimm?“
Harry unterdrückt ein Lachen.
„Nein, das ist der Glauben zu dem ich angehöre. Meine Eltern haben mich taufen lassen als ich noch ein Baby war. Konfirmiert bin ich aber nicht.“
Ron schaut mich verwundert an. „Beeinträchtigt dich das irgendwie?“
„Wieso sollte es? Ich gehe dem Glauben auch nicht wirklich nach.“
„Keine Ahnung. Kann ja sein.“
„Also, mal ehrlich, Ron. Du hast doch schon Kirchen gesehen. Was hast du denn gedacht, was das ist?“, fragt Harry verdattert.
„Keine Ahnung!“, erwidert Ron nun hitzig. „Irgendein Muggelblödsinn!“
Harry lächelt ihn an. „Vielleicht liegst du damit nicht ganz falsch.“
„Bist du auch angelmanisch?“
Anglikanisch. Nein, nicht, dass ich wüsste. Es gibt zwar in Godrics Hollow eine Kirche, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das bin. Es könnte sein, dass meine Eltern mich getauft haben. Die Dursleys haben mich auf jeden Fall nie mit zur Kirche mitgenommen.“
„Harry und ich wollen auch kirchlich heiraten“, erkläre ich den beiden.
„Echt?“, fragt Harry verwundert.
„Ja, wollen wir.“
„Ich weiß aber nicht, ob das Ministerium das anerkennt.“
„Wir kriegen das schon hin“, ich lächle ihn an.
„Wenn du aber deinen Glauben nicht so verfolgst, Hermine“, sagt Lavender dazwischen, „wieso willst du dann kirchlich heiraten?“
„Weil ich davon immer geträumt habe. Ich wollte schon immer in einer Kirche den langen Gang entlang gehen und dann vor einem Altar getraut werden.“ Ich knete nervös meine Finger. „Die Zaubererart im Garten zu heiraten, ist zwar auch ganz nett, aber ich finde eine Kirche besser. Jedes Muggelmädchen träumt von so etwas, glaube ich. Es unterscheidet sich zwar nicht groß, aber ich finde es einfach schön. Besonders, wenn das Brautpaar aus der Kirche kommt und die Glocken läuten.“ Ich setze ein verträumtes Gesicht auf.
„Gut, wir heiraten kirchlich“, stimmt Harry zu und gähnt. „Auch das kriegen wir schon hin!“
Glücklich lächle ich ihn an und gebe ihm einen Kuss auf den Mund.

In diesem Moment kommt Mrs. Weasley wieder herein. „So, dein Vater ist nicht im Haus. Keine Ahnung wo er ist.“
„Mir hat er es nicht gesagt. Ich habe ihn heute nicht gesehen“, erwidert Ron hitzig. „Du brauchst mich nicht so böse anzugucken.“
„Er ist bestimmt wirklich nur Geschenke kaufen“, sagt Harry locker.
„Denke ich auch“, sagt Lavender, „oder es war irgendetwas auf der Arbeit. Arthur ist ein erwachsener Mann, Molly. Er kommt sicherlich gleich nach Hause.“


Arthur kommt erst gegen kurz vor acht zurück, mit der Entschuldigung, dass er noch etwas gebraucht hat, um Moodys Schutzzauber zu brechen.

Molly ist von der Ausrede nicht wirklich beeindruckt, besonders nicht, weil es mehrere Stunden gedauert hat, bis er wieder zurückgekommen ist und dass er nicht einmal Bescheid gesagt hat, dass er geht.
Die Situation eskaliert schnell in einen Streit, dem wir anderen lieber schnell aus dem Weg gehen wollen und daher verschwinden wir in die oberen Geschosse, um Harry die Schäden zu zeigen, die die Todesser angerichtet haben.


„Wie sieht Sirius´ Zimmer aus?“, fragt er, nachdem wir eins der Gästezimmer im dritten Stock besichtigt haben.
„Weiß ich nicht“, gebe ich zu. „Ich habe mir noch nicht alles angeschaut.“ Ich lege meine Hände wieder in einander und schaue ihn besorgt an. „Ich habe alles durchgerechnet: Wir müssen auch Sirius´ Zimmer aufräumen, damit alle im Haus Platz finden.“
„Er würde bestimmt nichts dagegen haben“, winkt Harry nach einer kurzen Pause ab. „Wo sind die Elfen?“
Schon wieder muss ich zugeben, dass ich keine Antwort auf seine Frage kenne und schüttle den Kopf. „Ich habe sie irgendwann aus den Augen verloren.“
„Kreacher ist auf den Dachboden gegangen“, sagt Lavender aus dem Hintergrund. „Ich habe ihn vorhin gesehen, wie er die Luke aufgemacht hat und die Leiter hochgeklettert ist.“
„Ich wusste gar nicht, dass es hier einen Dachboden gibt“, sagt Ron.
„Sirius hatte sowas mal fünfundneunzig erwähnt“, erinnere ich mich. „Wir sind da aber irgendwie nie nachgegangen. Mir ist oben aber nie eine Luke aufgefallen und daher habe ich den Dachboden auch bald wieder verdrängt.“
Lavender rollt beleidigt mit ihren Augen. „Es gibt aber eine Luke! Ich habe doch gesehen, dass Kreacher sie geöffnet hat! Ich kann es euch auch zeigen!“


Natürlich wollen wir den Dachboden sehen, der uns bisher noch nicht bekannt war und folgen Lavender in den sechsten und letzten Stock. Hier oben bin ich nur ein paar Mal gewesen und ich weiß noch, dass Seidenschnabel hier oben einquartiert wurde.
Lav legt ihren Kopf in den Nacken und schaut zur Decke. „Hier hat er die Luke geöffnet.“
Wir schauen nun ebenfalls gegen die vertäfelte Decke. Doch hier ist keine Luke zu erkennen.
„Muss versteckt sein“, schließt Harry. „Ron, kommst du gegen die Decke?“

In den anderen Stockwerken des Hauses ist die Decke recht hoch, doch hier, im obersten Stockwerk, kommt Ron gerade so mit der Hand an die Decke und klopft dagegen.
„Klingt hohl“, sagt er und versucht dagegen zu drücken.
„Das Gebäude hat ein Flachdach, oder?“, fragt Lavender nachdenklich. „Da muss also etwas sein – Ich spinne also doch nicht!“
„Das hat ja auch keiner behauptet“, sage ich und ziehe meinen Zauberstab aus der Tasche. „Sirius Dad hat hier viele Schutzvorrichtungen und Geheimverstecke eingebaut. Wir haben dir alle geglaubt, dass du gesehen hast, wie Kreacher hierhin gegangen ist – Alohomora!“
Nichts geschieht.
Revelio!
Ebenfalls geschieht nichts.
Specialis Revelio!“
Nun zeigt sich ein violettes Rechteck an der Decke, an der Stelle, an der sich die Luke befinden muss.
„Aha“, sagt Harry. „Wie kommen wir da jetzt rein?“
„Aufsprengen!“, ruft Ron.
„Nein!“, rufen Lavender und ich entsetzt.
„Kreacher ist dort drin und er wird wieder herauskommen. Wenn wir ihn freundlich fragen, zeigt er uns sicherlich wie man dort hineinkommt!“, sage ich aufgebracht.
„Und das tun wir alles morgen!“, sagt Harry leise und gähnt. „Der Dachboden läuft nicht weg.“

Ich nicke zustimmend und lege Harry die Hand auf den Rücken. „Es war ein anstrengender Tag und morgen wird es noch anstrengender, wenn die ganzen anderen kommen. Wir sollten nun wirklich zu Bett.“
Die anderen stimmen mir zu und nun gehen wir langsam wieder die eingestaubte Treppe hinunter in unsere Zimmer.
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