Teufelskreis

von Rose97
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
05.03.2018
03.11.2019
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Hallöchen :)
Die Idee zu dieser FF schwirrt mir schon eine kleine Weile im Kopf herum und da musste ich sie einfach aufschreiben :D
Natürlich gehören die hier genannten Personen sich selbst. Ich kenne niemanden von ihnen persönlich und kann dementsprechend auch nicht beurteilen, wie sie im wahren Leben als Privatpersonen sind.
Etwas Böses möchte ich hiermit natürlich auch niemandem, sondern einfach nur meiner Fantasie freien Lauf lassen.
Mir ist bewusst, dass die Nationalmannschaft im Jahr 2018 kein Freundschaftsspiel gegen Polen geplant hat, es ist für meine Geschichte nur relevant, deshalb habe ich Brasilien gegen Polen ausgetauscht.

Dann wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen – und vielleicht mögt ihr mir ja auch euren ersten Eindruck mitteilen? Ich würde mich freuen :)


Prolog

„Sag mal, spinnst du?!“

Wütend stand Robert Lewandowski wieder vom Rasen auf und ballte die Hände zu Fäusten. „Mich einfach so zu halten, geht’s dir noch gut, Thomas?“

Der Pole machte einen Schritt auf ihn zu und gezwungenermaßen wich Thomas Müller zurück, während seine Augen den Älteren gereizt fixierten.

„Was sollte das?“, fuhr Robert ihn an.

Thomas schwieg darauf nur. Am liebsten hätte er seinem eigentlichen Teamkollegen bei Bayern München noch mal auf den Boden befördert und ihn angeschrien, ihn doch einfach in Ruhe zu lassen, so genervt und angespannt war er. Aber er besann sich eines Besseren, es war nur ein Freundschaftsspiel gegen Polen. Jetzt eine Szene zu machen, brachte doch nichts.

Und langsam, fast schleichend, drang dann doch das schlechte Gewissen zu ihm durch, denn Lewy konnte ja nun wirklich nichts für seine momentane Situation. Doch bevor er zu einer Entschuldigung ansetzen konnte, durchschnitt ein schriller Pfiff die Luft und ließ beide Kontrahenten aufschauen.

Der Schiedsrichter kam angelaufen und rief ihnen etwas zu, was sie aufgrund des immer lauter werdenden Lärms im Stadion und der Entfernung zum Schiedsrichter allerdings nicht verstehen konnten.

„Was?“,  rief Robert und hielt sich eine Hand an sein Ohr. Der Schiedsrichter lief zu ihnen, ebenso wie vier Teamkollegen von Robert, die so schnell heran gesprintet kamen, dass sie den Schiedsrichter überholten und Thomas umrundeten wie ein Rudel Wölfe. Zwei von ihnen begannen, ihn auf Polnisch zu beschimpfen. Er hatte ja auch ihren Kapitän am Trikot gehalten und damit zu Fall gebracht, wie konnte er nur?

Skurwysyn!“ – Hurensohn.

Gnój!“ – Drecksack.

Diese beiden Wörter konnte er verstehen, weil Robert es ihm irgendwann mal auf einer Party, nachdem einiges an Alkohol geflossen war, erklärt hatte. Die Beleidigungen reichten aber aus, seine eh schon wackelige Selbstbeherrschung komplett verschwinden zu lassen.  Ein kleiner, vernünftiger Teil in ihm ihn drängte ihn zwar noch, die Klappe zu halten, die gelbe Karte, die der Schiedsrichter gut sichtbar für jeden in die Höhe hielt, anzunehmen und sich einfach zu entschuldigen, aber er hörte nicht auf diesen Teil.

Stattdessen drängte er sich an Robert vorbei und schlug dabei die Hand von Sami Khedira, die sich beruhigend auf seine Schulter legte, weg. Entschlossen stapfte er auf Artur Jędrzejczyk und Jakub Błaszczykowski zu, welche ihn beleidigt hatten.

„Was ist euer Problem?“, blaffte er die beiden an, „Ich wollte mich gerade bei ihm entschuldigen!“

Beim letzten Wort stieß er Błaszczykowski von sich weg. Er wusste sofort, dass dies ein Fehler war, wusste genau, was nun folgen würde. Wütend auf sich selbst schloss er die Augen und biss sich so lange auf die Unterlippe, bis er Blut schmeckte.

Nur dumpf, wie in Watte gepackt, nahm er den erneuten Pfiff des Schiedsrichters war, sah nur verschwommen die rote Karte, die nun gegen ihn erhoben wurde.

Er hörte auch nur sporadisch die immer lauter werdenden Pfiffe der deutschen Fans und das höhnische Jubeln und Klatschen der polnischen Anhänger, als die Stadiondurchsage ertönte:

„Platzverweis für Deutschlands Nummer 13, Thomas Müller.“

Thomas öffnete wieder seine Augen und sah sich dem Schiedsrichter gegenüber, der ihm immer noch die rote Karte unter die Nase hielt.

„Schon klar“, murrte Thomas mit rauer Stimme, „ich hab’s ja verstanden. Bin schon weg.“

Er stieß Mats Hummels grob zu Seite, welcher nach seinem Arm greifen wollte, als Thomas sich schon zum Gehen umwandte.

Besorgt aber auch ein wenig wütend hob Mats die Augenbrauen. „Thomas, was sollte das?“

„Mats, ich glaube nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, das zu besprechen. Ich…“

Er wurde von einem erneuten Pfiff unterbrochen und der Schiedsrichter deutete ungeduldig in Richtung Kabine.

Thomas nickte nur und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen, vom Platz. Die Buhrufe gegen ihn begleiteten ihn allerdings weiter, er konnte sie sogar noch hören, als er nach der Türklinke zur Kabine griff.  

Erst als er in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft angekommen und allein war, schlug er sich mehrmals an die Stirn, bevor er sich schwer atmend gegen den Spiegel stützte.

„Du verdammter Vollidiot! Warum, warum, warum?!“

Doch sein Spiegelbild konnte ihm darauf auch keine Antwort geben.

Es war doch nur ein Freundschaftsspiel gewesen. Es ging um nichts, galt nur als Übung für die kommende WM in Russland.

Die für ihn, das hatte er im Gefühl, in weite Ferne rücken würde, so, wie er sich gerade aufgeführt hatte.

Der Bundestrainer hatte ihm noch diese eine Chance gegeben, um zu zeigen, dass er den Platz im Kader wirklich würdig war, bevor er im Mai seinen vorläufigen Kader für die WM bekanntgab.

Hatte statt ihm selbst Mats zum Kapitän des Spieles ernannt, da Manuel immer noch an seinem Fuß arbeitete und der Nationalmannschaft somit noch nicht zur Verfügung stand.

Und diese letzte Chance des Trainers hatte er nun höchstwahrscheinlich verspielt.

Zögernd wanderte sein Blick zu seiner Trainingstasche. Er wollte es eigentlich nicht tun, hatte er es sich doch schon längst zur Aufgabe gemacht, damit aufzuhören. Und trotzdem kribbelte es ihm in den Fingern, seine Tasche aufzureißen und die Flasche Wodka ans Tageslicht zu befördern, welche er heimlich mit ins Stadion geschmuggelt hatte. Reine Routine, allein der Gedanke daran, dass die Flasche in seiner Tasche war, ließ ihn ruhiger werden.

Ob er sich einfach einen Schluck gönnen sollte? Zumindest einen kleinen?

Warum auch nicht? Deine ganze Karriere befindet sich doch eh schon am Abgrund, da wird dir ein wenig Alkohol auch nicht den Todesstoß versetzen.

Er biss sich erneut auf die Unterlippe und fluchte leise, war hin- und hergerissen, ob er die Flasche öffnen sollte, oder nicht.

Alkohol.

Zigaretten.

Clubbesuche bis in die frühen Morgenstunden, auch unter der Woche.

Kater von besagten Clubbesuchen am nächsten Morgen.

Aus diesen vier Komponenten setzte sich momentan sein Leben zusammen.

Fußball, seine eigentlich große Leidenschaft, kam dabei immer kürzer. Wenn er es denn mal schaffte, sich zum Training zu hieven, tat er das nur, weil seine Frau Lisa ihn dazu nötigte und ihn höchstpersönlich an der Säbener Straße ablieferte. Er war dann zwar anwesend – zumindest körperlich – aber auf dem Platz zu nichts zu gebrachen. Wie auch, mit Restalkohol im Blut? Von seinen Kollegen wusste es aber niemand. Und wenn einer ihn ansprach, warum er so schlecht aussah, schob er einen Streit mit Lisa vor.

Er tat dies alles allerdings nicht, weil es ihm Spaß machte. Nein, das wirklich nicht.

Die Zigaretten schmeckten jedes Mal aufs Neue widerlich.

Der Alkohol holte ihn nur kurzzeitig aus seiner misslichen Lage heraus, die sich sein Leben schimpfte.

Die Clubbesuche hingen ihm langsam aber sicher zum Hals hinaus.

Und an die morgendlichen Kater wollte er gar nicht erst denken.

Es waren aber – zumindest aus seiner Sicht – die einzigen Möglichkeiten, seinen Schmerz zumindest kurzzeitig zu vergessen.

Den Schmerz darüber, dass er langsam aber sich sowohl bei Bayern als auch bei Joachim Löw nur noch die zweite Geige spielte. Wenn überhaupt.

Den Schmerz darüber, dass alles an Training nichts gebracht hatte, bevor er zu Zigarette und Co. gegriffen hatte, um ihn wieder in seine alte Form zurück zu bekommen.

Den Schmerz darüber, was in den Zeitungen über ihn geschrieben wurde. Es traf ihn immer wieder aufs Neue und bestätigte seine Ansicht über ihn nur noch mehr, dass er zu nichts mehr zu gebrauchen war.

Sofort fluteten Überschriften, die die Presse über ihn druckten, seinen Kopf.

Thomas Müller     wird er je wieder der Alte?

Müller spielt immer? Das war einmal.

Bayerns Müller – im jetzigen Formtief eine Gefahr für Nationalelf und Titelgewinn

Joachim Löw sollte Müller lieber im Sommer zuhause lassen

Ohne, dass er es verhindern konnte, schossen ihm die Tränen in die Augen und schnell wischte er sich über das Gesicht.

Er blickte kurz zur Uhr. Bald würde das Spiel vorbei sein, und dann hätte er keine Möglichkeit mehr…

„Drauf geschissen.“, murmelte er, bevor er die Flasche nahm, sie öffnetet und einen großen Schluck nahm.
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