Verblassende Farben

von Stormy
KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P6
05.03.2018
05.03.2018
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05.03.2018 622
 
Es war schon spät, als Grummel und Regina sich trafen. Der Sonnenuntergang hatte die Welt in ein sanftes rot getaucht und die Sterne funkelten am Himmel. Regina fröstelte leicht, es war einer von diesen Frühlingsabenden, die sie so liebte.
Grummel stand auf der Veranda und schaute in die Ferne, hinüber zu den zauberhaften Bergen mit dem frischen grünen Klee, das die Babyeinhörner zu gerne fraßen.
„Du weißt warum ich gekommen bin“ flüsterte Regina leise und schritt ein paar Schritte näher zu Grummel der seinen Blick nicht von Fauna lassen konnte.
„Nein, aber ich habe eine Vermutung.“
Er sah betrübt zu Boden, und als er sich zu Regina umsah, konnte sie Tränen in seinen Augen erkennen.
„Grummel..du musst die Graukanone zerstören bevor es zu spät ist... wenn du diese Maschine bedienst, werden alle Farben verschwinden... kleine Kinder werden keine Regenbögen mehr sehen können...Grummel... wenn du die ganze Welt in Grau tauchst, dann wird es auch mein Todesurteil sein“
„ Aber ich muss es tun, Regina...“ Grummel wandte sich ab und schlich an ihr vorbei.
„Ich hasse alle Farben... ich hasse...“
Er sah sie an und seine Stimme erstickte in den tiefen seiner schmerzerfüllten Seele.
„Was wird Schleichmichl von mir denken, wenn ich es nicht tue... sie werden über mich spotten, mich verachten... sie werden mich allein lassen, wie damals mein Vater tat, als er mit Marina Maiglöckchen durchbrannte und meine Mutter und mich allein ließ. Glaubst Du, es tut nicht weh, euch lachen zu sehen, Regina? Wie ihr fröhlich Ringelreihen um den Springbrunnen der Glückseeligkeit hopst? Glaubst du, es tut mir nicht weh, Bubi Blauschuh an deiner Seite zu wissen... wie er dich ansieht, Regina, während ich aus der Lieblichkeit ausgeschlossen werde? Du weißt ja nicht einmal, dass ich dich li...“ Grummel presste sein Gesicht tief in seine Hände, als wolle er nicht, dass jemand den Kummer und die Wahrheit aus seinen Augen lesen könnte. Regina verstand. Langsam schritt sie zu ihm herüber und legte ihren Arm um seinen zitternden, kalten Körper.
„ich fühle doch das gleiche“ flüsterte sie liebevoll. Grummel sag sie an und umarmte sie fest und liebevoll. So standen sie da viele Stunden, die ganze Nacht, als hätten sie Angst einander loszulassen.
Auf einmal stürmte Schleichmichl herein, die Graukanone auf Regina und Grummel gerichtet.
„Du Verräter! Du hast mich zum Sklaven gemacht und jetzt hurst du mit dem Regenbogenvolk!?“
Noch bevor Grummel anworten konnte, hatte Schleichmichl schon abgedrückt. Regina drückte auf ihren Regenbogengürtel um die Graukanone aufzuhalten. Es flogen ein paar Funken und die Graukanone explodierte samt Schleichmichl. Schnell rannte Regina zu Grummel herüber, die Blutbeschmiert auf dem Boden lag.
„Es...ist doch noch ein wenig Farbe in... mir“ röchelte er.
„Sccchhhtt...Grummel..du darfst dich nicht anstrengen“
„Regina... ich euch immer beneidet...schon als ich ein kleiner Junge war, habe ich dich geliebt“
Regina begann zu weinen. „Du darfst nicht sterben, Grummel...wir haben ein gemeinsames Leben vor uns... mit einer eignen Sternschnuppenfarm und vielen Kindern“
Reginas blondes Haar hing in Strähnen in ihr Gesicht.
„Ich hab immer sehr gerne gesungen, Regina... am liebsten Volkslieder...erkennst du nun den Mann hinter dem Monster? Die Kreatur, die Gefühle für dich hegt?“
Reginas Stimme war verstummt.
„Ich liebe ....dich....Regilein...und ich werde es für immer....tun“. Grummel blieb reglos liegen. Regen prasselte auf das Geschehen nieder. Und noch hinter den Regenbogenhügeln hörten die Sternwichtel Reginas Schrei, der die Nacht zum Tag machte und der so grausam war, dass alle Bewohner des Regenbogenlandes ihn bis zum heutigen Tage nicht vergessen werden.
Regina bekleidete sich schwarz voll Trauer ,zog darauf hin in eine alte Höhle, die vor ihr schon Einsiedlerbärchi bewohnte hatte und begann mit einer Feder ihr Leben niederzuschreiben. Und sie gab ihrem Werk einen Titel:
„Farben sind scheiße“