Die Biber Brüder - Kranksein ist nicht schön

GeschichteAllgemein / P6
05.03.2018
05.03.2018
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Es schien wie ein ganz normaler Morgen im Hause Biber zu sein, es war alles so schön ruhig, alles schien so friedlich, unberührt, und einfach... normal. Wenn man es denn so nehmen möchte.

Ein Blick nach unten in die Küche. Es knurpste aus kurzer Entfernung. Am Küchentisch saß ein frisierter, blonder Biber mit einer lilafarbenen Nase, der gerade dabei war, eine große Schüssel Holzflocken zu essen. Es war Norbert, der in aller Seelenruhe sein Frühstück verzehrte, und die Zeitung durchstöberte.

Ein Blick ins Schlafzimmer. Norberts kleiner Bruder Daggett lag noch in den Federn, und wachte gerade erst auf. Allerdings fühlte Dag sich nicht genau so wie an jedem Morgen. Er stöhnte müde, hatte Kopfschmerzen, und er schwitzte wie verrückt. Dag fühlte sich schrecklich. Die Grippe hat ihn eiskalt erwischt. Er sah auch völlig anders aus als sonst. Sein Fell war nicht braun, wie es immer war, sondern es hatte einen hellen, bleichen braunen Farbton, seine Nase jedoch hatte jedoch noch immer die leuchtend rote Farbe, die sie normalerweise hatte. Dag begab sich nach unten, stöhnte unter Schmerzen, und war sichtlich angeschlagen.

„Morgen Norbie...“, jammerte Dag während er sich in die Küche schlich.

„Morgen Daggi-Mausi!“ sagte Norb in einer ungewöhnlich guten Laune.

Dag nahm sich eine große Scheibe Eichenholz aus der Vorratskammer und ließ sich am Küchentisch nieder. Er begann zu essen, hörte aber bald wieder auf, als er schniefte und kräftig husten musste. Und das mehrere Male.

„Dag? Alles in...“ Norbert unterbrach seinen Satz und sah mit Entsetzen seinen kranken Bruder.

„Heiliges Holzgewächs, Dag, du siehst schrecklich aus! Was ist los?“, schrie Norb entsetzt.

„So fühle ich mich auch...“ sagte Daggett, der kaum noch sprechen konnte, weil er seine Stimme fast verloren hatte.

Dag wollte gerade erneut von seiner Eichenholzscheibe abbeißen, als Norb sie ihm aus der Hand riss.

„Hey! Das wollte ich noch essen!“, murmelte Dag.

„Du, mein Lieber, isst erstmal gar nichts! Du gehst jetzt sofort rauf in dein Bett!“, sagte Norb und half seinem Bruder vom Stuhl auf.

„Norbie, ich schaff das schon...“ Dag versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, aber das nützte ihm herzlich wenig.

„Nein nein, ich helf dir schon. Ab ins Bettchen, du brauchst eine Menge Bettruhe!“, sagte Norb und ging mit Dag die Treppe nach oben.

Vor dem Badezimmer blieben die Beiden kurz stehen. Norb legte seine Hand auf Dags Stirn, und riss sie gleich wieder weg, da er sie sich augenscheinlich verbrannt hatte.

„Meine Güte, Dag, du glühst förmlich!“ sagte Norbert, und sah dabei Dag an.

Daggett war am Schwitzen, am Frieren, hatte Fieber, Husten, Kopfschmerzen, und jeder Schritt war schmerzhaft für ihn. Als ob das noch nicht genug wäre, fing Dag noch das Würgen an. Er hatte seine Arme verschränkt auf seinem Bauch liegen, und verzog sein Gesicht vor Schmerzen.

„Dag? Ist dir schlecht?“, fragte Norbert besorgt.

Daggett nickte ohne auch nur einen Ton von sich zu geben.
Norbert kam mit einem Eimer aus dem Badezimmer wieder. „Hier, nimm den, wenns wirklich raus muss!“ sagte Norb und wollte seinem Bruder den Eimer in die Hände drücken.

„Danke Norbie...“, jammerte Daggett, „ich...“ Dag würgte, versuchte krampfhaft, sein Frühstück drinnen zu behalten.

„Dag, bitte, quäl dich nicht, lass es raus!“ Norb war sichtlich besorgt um Dag.

„Ich schaff das schon, mach dir...“ - ehe Dag seinen Satz beenden konnte, würgte er kräftig und übergab sich direkt in den Eimer, den Norbert immer noch in seinen Händen hielt.

„Oh Gott, mach dass es aufhört!“ jammerte Dag unter Schmerzen, und übergab sich direkt nochmal.

Norbert war leicht angewidert, hielt aber ganz scherzhaft eine 9,5 Punkte Karte hoch, da Dag perfekt getroffen hatte.

„Los jetzt, ab ins Bett mit dir Dag! Du brauchst dringend Ruhe!“ sagte Norb und ging mit Dag ins Schlafzimmer.
Dag versuchte die Leiter am Stockbett hochzuklettern, ihn hatten aber schon nahezu alle Kräfte verlassen, und fiel auf den Boden.

Norbert überließ ihm daraufhin das untere Bett, in dem er selbst normalerweise schlief. Daggett konnte einfach nicht mehr, er war kräftemäßig am Ende.

„Du überlässt mir dein Bett?“ fragte Dag überrascht.

„Aber sicher! Ich seh doch, dass du einfach keine Kräfte mehr hast, es ist das Beste.“ sagte Norb.

„Danke Bruder...“ murmelte Dag.

„Kein Ding, Dag. Mach ich gerne, ich kann heute nacht auf der Couch schlafen.“ sagte Norb. Er konnte es eigentlich zu seinem Vorteil nutzen, dann konnte er sich endlich alle Oxnard Montalvo Filme ansehen, die die Biber in ihrer Filmesammlung hatten, und diesmal, ohne dass Dag ständig spoilerte, und den Film somit nicht mehr sehenswert machte.
Wollte Norbert aber nicht. Er kümmerte sich lieber um seinen kranken Bruder. Auch wenn die beiden sich sehr oft streiten, so waren sie immer noch Brüder, und waren da für einander.

Norbert ging aus dem Schlafzimmer, und kam 20 Minuten später wieder zurück. Er schleppte eine große Box Taschentücher, einen Erste-Hilfe-Kasten, eine große Flasche Hustensaft, einer Flasche Wasser, und 3 große Pillen mit sich, Pillen, die fast genauso groß waren wie der blonde Biber selbst.

„Hä...?“ Dag war überrascht über die vielen Arzneimittel.

„Das wird dir in Null Komma nichts wieder auf die Beine helfen!“ sagte Norb zuversichtlich, drückte Dag die Taschentücherbox in die Hand, und öffnete die Flasche Hustensaft.
Dag schniefte und hustete weiterhin kräftig, und schnäuzte sich die Nase mit den Taschentüchern. Kurz darauf versank er im Kissen und unter der Bettdecke.

„Mund auf, hier kommt das Flugzeug!“ sagte Norbert in einer ziemlich hohen Stimmlage.
Daggett öfffnete zaghaft den Mund und schluckte den Hustensaft hinunter.

„Aua...“ sein Hals tat weh, als er schluckte.

Als nächstes waren die drei Pillen dran. Eine gegen Fieber, die andere gegen Übelkeit und Erbrechen, und die dritte war eine Schmerztablette.

„Die sind aber riesig!“ sagte Dag.

„Groß genug, damit sie schnell helfen!“ entgegnete Norb seinem Bruder, „Mund auf!“

Dag wusste, dass er nicht drumherum kam, die riesigen Pillen zu nehmen, aber es war die einzige Möglichkeit, wieder zu Kräften zu kommen. Er riss sich zusammen, und schluckte eisern die monströsen Pillen hinunter, gefolgt von einem Schluck Wasser.

„Das hat echt weh getan...“ stöhnte Daggett.

„Brauchst du noch etwas?“ fragte Norbert.

„Nein, alles bestens.“ murmelte Dag.

„Ich komme später noch mal, ich besorge uns noch etwas zu essen.“ sagte Norb und wollte sich in den Wald aufmachen, um einen riesigen Baum umzulegen, schließlich hatte er große Nagezähne, mit denen er alles kurz und klein kauen konnte.
Als Norbert sich gerade auf den Weg machen wollte, meldete sich Dag nochmal zu Wort.

„N-Norbie?“ sagte er mit sehr schwacher Stimme.

„Ja Dag?“

„Da wäre doch noch etwas, was du machen könntest...“ sagte Daggett und stand aus dem Bett auf.

„Dag, was wird das?! Leg dich sofort wieder ins Bett!“ sagte Norbert und wollte ihn gerade wieder ins Bett bringen.

„Ich frag ja nie danach, aber... bekomm ich eine Umarmung von dir?“ fragte Dag und hob seine Arme.

„Dag, so gerne ich würde, aber ich möchte nicht dass du mich ansteckst... wenn du wieder gesund bist, bekommst du so viele Umarmungen wie du willst, versprochen!“ - Das war so ziemlich das erste Mal, dass Norbert eine Umarmung ausschlug, dabei liebte er große Umarmungen.

„Ach komm schon, bitte Norb!“ bettelte Dag mit großen, glitzernden Augen.

„Ach, weißt du, was ist schon dabei, komm her und lass dich drücken!“ sagte Norb und nahm seinen kranken Bruder in seine Arme.

Die beiden Biber umarmten sich für längere Zeit, beiden war es mittlerweile relativ egal, dass Daggett krank war, und eigentlich im Bett liegen sollte.

„Aber ich werd wieder gesund, oder?“ fragte Dag.

„Aber sicher! Was du brauchst, ist eine Menge Ruhe.“ entgegnete Norb.

Die Umarmung zog sich weiter in die Länge, und Dag fing an, ziemlich kindliche, rhetorische Fragen zu stellen, und Stuss zu labern.

„Du bist so flauschig...“ flüsterte Dag.

„Ja, bin ich. Du auch, Dag.“ flüsterte Norb.

„Und so schön warm...“ fügte Dag hinzu.

„Mhm...“ Murmelte Norb.

„Kein Tier der Welt ist so warm und flauschig wie du...“ sagte Dag.

„Wir sind Biber, die besten Tiere der Welt!“ sagte Norb voller Stolz.

Dag überlegte lange, was er sagen wollte, und schließlich kam ihm etwas ganz besonderes über die Lippen:

„Weißt du Norbie, ich sag dir das nie, weil ich mir nicht peinlich vorkommen will, aber, ich bin überglücklich dich als meine Bruder zu haben. Ich finds echt krass, wie du alle meine sputteligen Ideen über dich ergehen lässt. Mich wundert es, dass du mich noch nicht umgebracht hast... Ich hab dich lieb...“ liebäugelte Dag.

„Ach Dag, ich hab dich doch auch lieb. Du bist manchmal echt ein Holzkopf, aber du bist mein Holzkopf.“ entgegnete Norb und umarmte seinen kranken Bruder nochmal richtig dick und fest.

Nach einer Weile ließ Dag dann schließlich los, und ging wieder zu Bett.

„Danke Bruder...“ sagte Daggett mit schwacher Stimme und hustete 3 mal kräftig.

„Kein Ding, Bruder, Ich komme später noch mal, bis dahin geht es dir bestimmt besser!“ sagte Norbert und verließ das Schlafzimmer.

Ende von Kapitel 1
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