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Vorteil oder Vorurteil?

von Uschibabe
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Fino Inspector Gadget OC (Own Character) Sophie Brown Titus Kralle
04.03.2018
30.08.2020
9
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04.03.2018 1.499
 
'Flatsch, flatsch... flatsch, flatsch' hörte ich noch, und dann war es passiert.
Ich hing an der Mauer des Fabrikgebäudes und meine Füße und Hände waren mit Gummikugeln an der Wand festgeklebt.
"Hey Sophie, du bist ja gar nicht bei der Sache!"
Die Stimme meines Erzfeindes klang etwas überrascht und leicht ungehalten. Zu meinem Erstaunen und seiner Verblüffung hatte er mich genau in dem Moment der Mission erwischt, als ich kurzfristig, ääh...für mehrere Minuten, mit meinen Gedanken bei Hunter war. Normalerweise wich ich Titus Klebekugeln immer geschickt aus, aber diesmal war ich abgelenkt gewesen. Ich ärgerte mich über mich selbst und ließ ungewohnter Weise meine Emotionen heraus. Ich fauchte Titus direkt und ohne Vorwarnung an:
"Dann nimm dir endlich die blöden Scheiben, und lass mich bloß zufrieden."
Hilflos ruckte ich dabei mit meinen Armen, aber ich kam nicht los. Die Klebemischung war extrem stark.
"Wohoo, hübsches Mädchen, warum gleich so garstig?" fragte Titus und schaute mich neugierig an.
Er steckte den Gummiblaster in das Holster an seinem Gürtel. Wir hatten unsere Wortgefechte, aber, es stimmte, so gereizt hatte ich noch nicht reagiert. Ich war sonst immer so beherrscht, aber für heute war meine Geduld extrem begrenzt. Zu meinem Unglück hatte es auch Titus bemerkt. Mit einem übertrieben harmlosen Gesichtsausdruck kam er auf mich zugeschlendert.
"Lass mich mal überlegen: Du siehst nicht krank aus, du bist sogar befördert worden... was könnte es sonst sein?"
Er legte einen Finger an die Lippen und dachte scheinbar nach.
"Mhh, sollte es etwa Ärger im Paradies geben?" fragte er.
Ich seufzte frustriert auf. Woher wusste er das bloß? Dieser Mann hatte ein Gespür für Stimmungen, das war unbeschreiblich. Ich war sauer.
"Titus, hör auf zu fragen. Das geht dich gar nichts an. Mach mich los und dann geh einfach!"
"Dich losmachen und einfach gehen? Jetzt, wo ich dich endlich mal besiegt habe? Nein, das wäre doch zu nett von mir, das bringt dich ja nur noch mehr durcheinander."
Lauernd schaute er mich an, ein süffisantes Lächeln auf den Lippen. "Du warst heute keine Gegnerin, das kenne ich nicht von dir. Etwas lenkt dich von mir ab, und das kann mein Ego nicht ausstehen."
Er strich sich nach seiner Ansprache auch noch über seine wie immer perfekt frisierten Haare. Mann, der Typ ging mir noch mehr auf die Nerven wie sonst.
"Erzähl deinem alten Freund Titus, was los ist... und dann helfe ich dir herunter."
Jetzt wich das Lächeln einem breiten Grinsen. Er hatte eindeutig die Oberhand und genoss das. Ich war allein - entgegen den sonstigen Gepflogenheiten waren mein Onkel und Fino zusammen am anderen Ende der Stadt. Es würde Stunden dauern, ehe sie mich hier finden würden, denn ich konnte noch nicht mal an meinen Sender gelangen, um einen Hilferuf abzusetzen - Titus hatte diesen zusammen mit meinem Arm an die Wand geklebt. Was für eine Wahl hatte ich also?
"Hunter hat mit mir Schluss gemacht", murmelte ich resignierend. Er pfiff durch die Zähne.
"Ärger im Paradies, dachte ich es mir doch."
"So, jetzt hab ich es dir erzählt, jetzt lass mich runter!"
Titus blieb aber neben mir stehen und rührte sich nicht. Er hob entschuldigend die Hand.
"Nein, nein, Moment noch, das kann noch nicht alles gewesen sein. Die taffe Sophie zeigt doch sonst auch keine Gefühle. Es muss also noch mehr dahinterstecken."
Er tippte sich an die Wange und schien wieder angestrengt nachzudenken. Ich hing derweil immer noch an der Wand wie eine Fliege im Sirup und kam einfach nicht los. Es war mir einfach alles zuviel, und es brach aus mir heraus:
"Er hat gesagt, ich wäre langweilig. Kalt. Würde keinen Spaß verstehen", meine leise Stimme stockte und ich musste den Kloß im Hals herunterwürgen. Die Worte von Hunter taten mir immer noch weh. Auch Titus schluckte, und für einen kurzen Augenblick hatte ich das Gefühl, er würde mich und meinen Kummer verstehen. Mitfühlend sah er mich an, doch dann änderte sich sein Gesichtsausdruck und die mir wohl vertraute Überheblichkeit kam wieder hervor.
"Tja, Sophie, vielleicht ist da ja was Wahres dran?" fragte er provozierend.
Ich hob empört das Kinn, aber ehe ich protestieren konnte, fuhr er auch bereits fort:
"Du siehst immer so ernst aus, dein Lachen klingt etwas aufgesetzt und ich glaube, du kannst dich gar nicht richtig von deiner Arbeit entspannen. Du denkst zuviel an mich", fügte er mit einem Grinsen hinzu.
"Titus, lass mich endlich hier runter", flehte ich.
Diese Unterhaltung gefiel mir nicht und ich bereute schon jetzt, überhaupt mit ihm gesprochen zu haben, aber Fakt war: ohne ihn kam ich tatsächlich nicht von der Wand.
"Was hältst du davon, wenn ich dir helfe?" fragte er plötzlich.
"Das hattest du doch versprochen." Ich ruckte mit den Beinen.
"Ja, gleich, ich meine aber was anderes. "
"Mir helfen?" Ich war sofort misstrauisch.
"Ja, dir helfen. Denk doch einmal weiter. Wenn du weiterhin Liebeskummer hast, dann besiege ich dich immer wieder, löse das HQ auf, Onkel Kralle beherrscht die Welt - und ich habe keine Aufgabe mehr. Ich werde nur noch MAD-Katzes Katzenklo leeren dürfen. Wo bleibt denn da der Spaß für mich?"
"Oh", schrie ich empört auf und ruschelte erneut mit den Beinen - vergeblich. Sie steckten in den Klebekugeln fest. Sein fieses Grinsen sagte mir, dass er meine wirkungslosen Anstrengungen genoss. Ich gab nach.
"Wie willst du mir denn helfen?" Das Grinsen wurde noch breiter.
"Du willst deinen Ex zurück?"
Ich nickte.
"Also", Titus dehnte den Augenblick, "ich helfe dir, deinen Liebsten zurückzubekommen!"
Er sagte das so feierlich, dass ich trotz allem losprusten musste und lachte.
"Ernsthaft? Ausgerechnet du? Wie willst du das denn anstellen?"
Er kam noch etwas näher und sein Gesicht war plötzlich nur ein paar Zentimeter von meinem entfernt. Ein sanfter Hauch traf mich und leise flüsterte er in mein Ohr:
"Du brauchst ein wenig mehr Spaß in deinem Leben, Sophie. Und ich kann ihn dir zeigen."
Mir schwirrte plötzlich der Kopf und ein angenehmer Schauer zog durch meinen Körper. Der Augenblick dehnte sich, der Schauer breitete sich aus, und für einen Augenblick vergaß ich meinen Kummer.
"Also?" holte mich seine Frage wieder in die Gegenwart zurück.
"Ok, ich nehme an", antwortete ich, schloss für einen Moment die Augen, nur um beim nächsten Augenaufschlag tief in seine braunen zu tauchen. Ein erneuter Schauer durchzog mich. Etwas hatte plötzlich die Luft zwischen uns verändert und mir wurde heiß. Ich merkte die leichte Röte, die meine Wangen hoch stieg, und schloss wieder die Augen. Titus ging einen Schritt zurück und brachte so Distanz zwischen uns.
"Gut, abgemacht."
Er nickte zufrieden und sein Ausdruck erinnerte mich plötzlich an einen Hund, der endlich seinen Knochen bekommen hatte. Das löste erneut ein Alarmsignal in mir aus.
"Was hast du eigentlich davon?" fragte ich nervös - zu spät, wie ich sofort dachte. Ich hatte ja schon zugestimmt. Ich kam mir noch mehr wie eine Fliege vor, die ihm auf den Leim gegangen war.
"Ich bin halt ein netter Kerl, Sophie. Hast du das noch nicht bemerkt?"
Wieder strich er sich durch seine Haare. Dieser eitle Fatzke. Ich wurde noch wütender und nervöser und fuhr ihn wieder an:
"Nein, Titus, das habe ich noch nicht. Deine vermeintlich netten Gesten waren immer mit einem Nachteil für mich verbunden."
Scheinbar gekränkt hob er eine Augenbraue. "Na, na, das ist jetzt aber nicht nett von dir. Ich sollte meinen Vorschlag besser vergessen und dich da hängen lassen."
Er wandte sich um und machte Anstalten zu gehen. Panik wallte in mir auf.
"Halt, warte... bitte. Ich... " ich stockte etwas "... glaube dir."
Er drehte sich wieder zu mir und verschränkte die Arme vor der Brust. Er schien auf etwas zu warten. Als es ihm zu lange mit der Antwort dauerte, fragte er: "Und? Was noch?"
Das konnte doch nicht wahr sein. Er kostete die Situation so weidlich aus, doch wenn ich von der Wand runter wollte, musste ich klugerweise nachgeben. 'Also gut, Sophie', dachte ich mir, 'Augen zu und durch.'
"Ich entschuldige mich. Bitte hilf mir."
Theatralisch warf er die Hände in die Luft. "Wie könnte ich dem Hilferuf einer hübschen Frau widerstehen?"
Schnell überbrückte er den Abstand zwischen uns, packte mich an der Hüfte und zog mich von der Wand runter. Durch den festen Griff und die ruckartige Bewegung landete ich genau an seiner Brust.
Für einen Moment hielt mich Titus im Arm und wisperte leise: "Du wirst es nicht bereuen, Schnuckelchen."
Ein Kribbeln breitete sich an der Stelle aus, wo sich unsere Körper berührten. Das verwirrte mich und ich dachte unwillkürlich: Doch, das werde ich.
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