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Il y a que la vérité qui blesse.

von Tindaya
GeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Athos Milady de Winter OC (Own Character)
04.03.2018
17.06.2018
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04.03.2018 2.254
 
Es war ein schöner Frühlingstag in einem kleinen Ort namens Loisy-en-Brie in der Champagne. Die Sonne streckte ihre ersten Strahlen aus und bemühte sich, die Pflanzen und Menschen mit ihrer Wärme zu verwöhnen. Jeder Strahl schien wie ein Versprechen, dass der lange und unbarmherzige Winter endlich vorbei sei. Und so herrscht auf dem Marktplatz rege Betriebsamkeit, an jeder Ecke hört man Gespräche, Gelächter und Diskussionen über die Preise der Waren. Niemand achtete auf eine junge, zierliche Frau in leicht schmutzigen aber nicht heruntergekommenen Kleidern. Ihre langen braunen Haaren fielen wie ein Schleier über ihren Rücken und verträumt streckte sie ihr Gesicht der Sonne entgegen. Einem sehr aufmerksamen Beobachter wäre vielleicht aufgefallen, dass das Kleid für ihren Stand sehr hochgeschlossen und ihr Gesicht Spuren von Verzweiflung aufwies, doch so aufmerksam war keiner. Auch nicht der Grafensohn, der auf dem Weg durch die Menschen war. Erschöpft von dem Ritt von Paris zurück zu seinem Heimatort war er blind für seine Umgebung. Und so bemerkte auch er die junge Frau nicht, die er mit seinem Pferd, einem stolzen Rappen, fast umstößt. Der Brünetten liegt ein reichlich undamenhafter Fluch auf den Lippen, der ihr doch im Hals stecken bleibt, als sie in das Gesicht des jungen Grafen de la Fére blickt. Auch der kann seinen Blick nicht von ihr lösen, scheint ihr Anblick für ihn wie eine Erscheinung. Sie war wunderschön für ihn, ein Engel geradewegs dem Himmel entstiegen. „Verzeiht, Mademoiselle. Ich war unachtsam und hätte euch beinah zu Fall gebracht. Ich hoffe, ihr seid nicht verletzt.“ sprach er sie an und stieg von seinem Rappen ab. Die junge Dame senkte scheu den Blick und eine leichte Röte breitete sich auf ihren Wangen aus. „Nein, Monsieur. Mir ist nichts geschehen. Auch ich hätte meine Augen offen halten und achtsamer sein sollen.“ Ihre Stimme klang wie Musik in seinen Ohren, der Klang einer Harfe hätte nicht lieblicher sein können. Völlig fasziniert betrachtete er sie. Er kannte sie nicht, sie musste neu hier sein. Eigentlich war im jedes Gesicht in diesem kleinen Ort bekannt, legte er doch viel Wert darauf, sich mit den Bewohnern zu unterhalten – ganz im Gegensatz zu seinem Vater. Den Gedanken an seinen alten Herren schüttelte der junge Graf jedoch schnell wieder ab. Stattdessen wand er sich wieder dem wunderschönen Geschöpf vor ihm zu.
„Ihr seid neu hier, nicht wahr? Verratet mir doch bitte euren Namen, Mademoiselle.“ Bildete er sich das nur ein oder wurden ihre Augen auf einmal argwöhnischer und der warme Glanz war verschwunden? Doch wenn, dann war es nur für einen Moment, ehe sie wieder die Liebenswürdigkeit in Person war. „Eine sehr forsche Frage, Monsieur. Verratet mir doch einfach erst mal den Euren.“ verlangte sie dann keck und der junge Graf schmunzelte. Nein, sie kann noch nicht lange hier sein, wenn sie ihn nicht erkannte. Noch hatte er auch kein Interesse daran, sich zu erkennen zu geben. Also beschloss er einfach den Spitznamen zu verwenden, den seine Familie für ihn hatte. „Nennt mich einfach Athos.“ erwiderte er und zog seinen Hut in einer formvollendeten Geste vor ihr. Sie kicherte leise. Wenn er gedacht hatte, dass ihre Sprechstimme das schönste Geräusch war, so hatte er sich geirrt. Ihr Kichern war noch hundertmal entzückender. „Sehr erfreut Monsieur Athos. Dann nennt mich einfach Anne.“ Das auch sie ihm ihren Nachnamen schuldig blieb, ließ ihn kurz stutzen. Was hatte so eine wunderschöne Person nur zu verbergen? „Ihr seid noch nicht lange hier in Loisy-en-Brie?“ führte er dann das Gespräch fort, begierig noch mehr von ihr zu erfahren. „Nein, tatsächlich bin ich erst seit ein paar Tagen hier. Ich wohne in der Rue de Treville zur Untermiete.“ erklärte sie und schenkte ihm wieder ein Lächeln, dass der Sonne Konkurrenz machte. Er runzelte die Stirn. Das war eher eine ungewöhnliche Gegend für eine junge Dame. „Dieser Platz ist für ein Gespräch eher ungeeignet, findet Ihr nicht? Wenn Ihr weiter mit mir reden möchtet, würde ich vielleicht vorschlagen, dass wir uns einen weniger lauten und belebten Ort aussuchen. Wobei ich Euch nachtürlich nicht von Euren Geschäften abhalten möchte.“ zerstreute sie dann seine Bedenken und er nickte. „Natürlich, das ist eine gute Idee. Ich würde momentan nichts lieber tun, als mich mit Euch zu unterhalten.“ schmeichelte er ihr und lächelte ihr charmant zu.
In diesem Moment holte eine der Marktfrauen aus und erwischte Anne mit ihrem Arm im Gesicht. Das zarte Geschöpf geriet daraufhin ins Straucheln und Athos bemühte sich, sie aufzufangen, bevor sie fällt. Der Marktfrau warf er einen bösen Blick zu, die ihn erkannte und sich unter vielen Entschuldigungen zurück zog. Anne half er wieder auf die Beine und folgte dann ihrem unglücklichen Blick. Sie war sich beim Sturz wohl selber auf den Saum ihres Kleides getreten, welches nun einen ordentlichen Riss aufwies. Sie war sichtbar geknickt und Athos hätte so ziemlich alles getan um das Lächeln wieder auf ihre süßen Lippen zu zaubern. Zum Glück hatte sie aber nicht das Verhalten der Marktfrau bemerkt, sonst wäre er in Erklärungsnöte geraten. „Oh Nein...“ seufzte Anne leise und begutachtete den Schaden. „Soll ich Euch zeigen, wo der Schneider ist?“ fragte er dienstbeflissen, doch der Blick ihrer Augen verriet, dass das wohl eher eine unnötige Frage war. Innerlich schalt Athos sich. Man konnte doch sehen, dass sie anscheinend nicht so viel Geld besaß. „Nein danke. Ich werde es wohl selber heute Abend nähen.“ bestätigte sie dann seine Vermutung. Vorsichtig führte er sie aus dem Tumult, gut darauf achtend, dass so etwas nicht nochmal geschah. Unauffällig ließ er seinen Blick über ihr unbeschreiblich schönes Gesicht schweifen. Himmel, wie konnte man nur so schön sein? Bis jetzt hatte der junge Comte nicht an die Liebe auf den ersten Blick geglaubt, aber das was er hier gerade erlebte, widersprach allem, was er bisher gedacht hatte. Diese Frau hatte ihn in sekundenschnelle um den Finger gewickelt und er verzehrte sich danach, mehr über sie zu erfahren und Zeit mit ihr zu verbringen.
Ein Seufzen an seiner Seite riss ihn aus seinen Gedanken. „Würde es euch stören, wenn ihr mich zu meiner Unterkunft begleitet? Ich bin so nicht gesellschaftsfähig und würde mich gerne umziehen.“ erklang ihre süße Stimme. Was konnte er anderes tun als zu nicken? Würde er ihr je einen Wunsch abschlagen können? „Was tut ihr sonst den ganzen Tag, wenn ihr nicht junge Frauen in Verlegenheit bringt.“ fragte sie dann lächelnd. Vor dieser Frage hatte er sich gefürchtet. Nun war es an ihm tief zu seufzen. „Ich würde sagen, normalerweise besteht meine Aufgabe darin, das Gut meines Vaters zu verwalten und mich um die Menschen zu kümmern.“ gab er leise zu. Er wollte sie nicht anlügen, nicht gerade diese Frau. Sie blieb unvermittelt stehen. „Das Gut zu verwalten? Also seid ihr der Sohn des Grafen de la Fére?“ hakte sie stirnrunzelnd nach. Fast etwas zerknirscht nickte er. „Oh, Monsieur Vicomte...“ Sie deutete einen Knicks vor ihm an. „Oh bitte nicht! Nicht knicksen! Ich kann mich mit diesem ganzen höfischen Gehabe nicht anfreunden.“ Widersprach er heftig und zog sie sanft wieder nach oben. „Für Euch bleibe ich einfach weiterhin Athos. Aber ja, der richtige Name wäre Olivier de la Fére.“ fügte er mit einem leichten Lächeln hinzu. Wieder schien es ihm, als ob ein Schatten über das engelsgleiche Gesicht der jungen Frau huschte. War es wieder Misstrauen und Argwohn? Er konnte es nicht orten und bevor er weiter darüber nachdenken konnte, begann sie wieder zu sprechen. „Gut, ganz wie ihr wünscht, Monsieur Athos.“ Er schüttelte sacht den Kopf. „Nicht Monsieur Athos, einfach Athos.“ Sie blickte kurz verwirrt drein, ehe sie mit den Schultern zuckte. „Na gut, Athos. Wir wären dann da.“ Ohne das er es gemerkt hatte, waren sie an ihrem Ziel angekommen. Er musterte das Haus kritisch. Um Himmels Willen! Was war das denn für eine heruntergekommene Behausung? Das Haus hatte definitiv schon bessere Zeiten gesehen und war für eine bezaubernde Dame wie Anne absolut unpassend. Irgendwie wirkte sie jetzt auch in der Nähe ihres neuen Heimes ziemlich unbehaglich und schien sich nicht richtig wohl in ihrer Haut zu fühlen. Sie führte ihn die Treppen nach oben. Innen sah es nicht unbedingt besser aus als draußen, nur dass sich jetzt ein unangenehmer Geruch dazu mischte, der irgendwie an eine alte Spelunke erinnerte. Er rümpfte angeekelt die Nase. Wo war sie denn hier gelandet? „Wartet hier...“ murmelte die junge Frau und er bezog vor der Tür Stellung. Seine stahlblauen Augen glitten durch den Treppenflur und er versuchte sich auszumalen, wie ein so bildschönes Geschöpf wohl in so ein marodes Heim gekommen ist.
Ein greller Schrei riss ihn aus seinen Überlegungen und erschrocken riss er die Tür auf. Die Szene, die sich ihm bot, war ein Alptraum. Ein großer, hünenhafter Kerl beugte sich über die auf dem Bett liegende und sich wehrende Anne und versuchte augenscheinlich, sich an ihr zu vergehen. Ohne groß zu überlegen, griff der junge Grafensohn den Mann bei den Schultern und zerrte ihn von der jungen Frau. „Was in aller Welt passiert hier?“ donnerte er und strahlte auf einmal mehr Autorität aus, als sonst. Der Übeltäter wich zurück und wurde auf einmal blass, als er erkannte, wer vor ihm stand. Anne saß auf dem Bett und hielt krampfhaft ihr Kleid zusammen. „Er...Er wollte, dass ich meine Miete anders bezahle als wir es abgesprochen hatten.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und der angsterfüllte Unterton darin, versetzte Athos' Herz einen Stich. „Nun, Monsieur...Was habt Ihr dazu zu sagen?“ fragte er den Anderen scharf. Dieser murmelte eine Entschuldigung und Dinge wie „er habe ihre Zeichen falsch gedeutet“. Athos kochte. Wie konnte sich dieser Mann nur so etwas erdreisten? Die Hilflosigkeit einer jungen Frau so auszunutzen? Ein unterdrücktes Schluchzen ließ ihn herumfahren. Anne hatte sich ein anderes Kleid angezogen und doch zuckten ihre Schultern verräterisch. Er zog seine Jacke aus und legte sie ihr fürsorglich über die Schultern. „Habt keine Angst, meine Liebe. Ich bringe Euch von hier weg.“ versprach er auch wenn er noch keine Ahnung hatte, wo er sie unterbringen sollte. Unsicher, was er tun sollte, streichelte er ihren Rücken und gab ihr die Zeit, sich zu fangen. Zeit, die der Grobian nutzte um zu verschwinden. Doch irgendwie war das gerade nicht wichtig. Viel wichtiger war ihm, dass die Tränen des brünetten Engels versiegten. In diesem Moment schwor er sich, Anne vor den Gefahren dieser Welt zu beschützen, koste es, was es wolle. Nie wieder sollte sie weinen, so lange er es verhindern konnte. „Kommt, packt Eure Sachen. Ich sorge dafür, dass Euch so etwas nie wieder passiert.“ Er half ihr, ihre wenigen Habseligkeiten in eine Tasche zu packen und nahm ihr diese ab. Er band das Gepäck auf den Sattel seines Pferdes und führte sie aus dem Dorf über einen kleinen abgeschiedenen Weg zu einer Hütte. „Darin wohnt einer meiner Bediensteten. Er heißt Pierre und ist ein älterer Herr, der sich sicher über Gesellschaft freut. Ich vertraue ihm und bei ihm seid Ihr in Sicherheit. Die einzige Gefahr, die von ihm ausgeht, sind seine ewigen Geschichten aus seiner oder vorzugsweise meiner Jugend.“ erzählte er und erleichtert nahm er das leise Kichern neben ihm wahr. Er atmete auf. Ein Kichern war deutlich besser als das leise Schluchzen. Er band seinen Rappen an der Tür an und klopfte. „Ich komme ja schon...“ hörte man eine brummige Stimme aus dem Inneren und ein älterer, vom Wetter und der Arbeit gezeichnete Mann öffnete. Auch wenn seine weißen Haare und die Falten sein Alter verrieten, blitzten seine Augen doch jugendlich und waren voller Wärme als er den Grafensohn erblickte. „Oh, Athos! Wie schön, dass du mich besuchen kommst.“ begrüßte er ihn mit einer väterlichen Umarmung und bemerkte dann erst die junge Frau hinter Athos' Rücken. „Oh, was für ein Küken hast du denn da mitgebracht?“ fragte er fürsorglich. „Pierre, dass ist Anne. Sie...hat momentan keine Unterkunft und ich habe ihr angeboren hier ein Dach über dem Kopf zu finden.“ stellte er sie vor. „Oh, Monsieur Pierre! Ich werde euch zu Hand gehen wo ich nur kann! Ihr werdet keinen Grund zu klagen haben!“ rief sie dann fast schon flehend aus und und Pierre hob beschwichtigend die Hände. „Ist ja gut, Kleines. Was wäre ich für ein herzloser Schuft, wenn ich einer so schönen Dame die Unterkunft verwehre. Nur eine Frage noch: Kannst du Kochen?“ Anne sah erleichtert auf und nickte eifrig. „Allerdings.“ Athos klatschte in die Hände. „Gut, dann wäre das ja geklärt.“ Er schenkte beiden ein strahlendes Lächeln. Ein Blick auf den Sonnenstand verriet ihm, dass es mittlerweile schon gen Nachmittag ging und er seufzte. „Leider muss ich Euch nun verlassen. Man erwartet mich bereits und ich bin sicher, dass ich auch so schon Rüge für meine Verspätung erhalte.“ Annes enttäuschter Blick entging ihm nicht und fast freute er sich ein wenig darüber. „Aber ich verspreche Euch, Anne, dass ich so bald wie möglich wieder nach euch sehen werde. Ich muss ja schauen, ob der gute alte Pierre euch mit seinen Geschichten nicht zu Tode langweilt.“ Der alte Mann schnaubte in seinem Rücken verärgert auf, doch Athos zwinkerte ihm nur versöhnlich zu. „Oh, Athos! Ich weiß nicht, wie ich euch danken kann!“ Anne fiel ihm um den Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke, vielen Dank für Eure Hilfe!“ Athos sah sie verdutzt an und fuhr sich über die Stelle, wo eben noch ihre Lippen seine Haut berührt hatten. „Gern geschehen. Ich kann doch eine Dame in Not nicht einfach stehen lassen.“ erwiderte er und verabschiedete sich schließlich von beiden. Er stieg verträumt lächelnd auf sein Pferd und galoppierte zu dem Familienanwesen.
 
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