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Die fetteste Weide

OneshotFamilie / P6
02.03.2018
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Auf einer saftigen Wiese weidete eine Herde Schafe. Ein Lämmchen war für einen Augenblick unaufmerksam gewesen und als es sich umsah, war die Herde wohl weitergezogen. Es beschloss, nach seiner Herde zu suchen, denn obwohl es noch sehr jung war, wusste das Lämmchen von den Gefahren, denen Schafe ausgesetzt sind.

Es lief ein paar Schritte in die eine Richtung, dann ein paar Schritte in die andere Richtung und sprach schließlich zu sich selbst: „Ich weiß nicht, wohin sie gezogen sind. Aber eines steht fest: unser Bock sucht immer nach der fettesten Weide. Ich muss nur konsequent in eine Richtung gehen und mich nach der fettesten Weide erkundigen. Dann werde ich meine Herde wiederfinden.“

Das Lämmchen zog zielstrebig, mit dem Wind im Rücken, über die weite grüne Fläche. Es zupfte links ein Hälmchen und biss rechts ein Blättchen. Schließlich gelangte es an einen Waldrand.

Da stellte sich ihm ein kleines Tier in den Weg.

„Wohin willst du?“, fragte das Tier.

Das Lämmchen betrachtete das kleine Tier und dachte bei sich: ‚Es hat ein braunes Fell wie ich. Aber die Ohren und die Beine sind viel kürzer als bei mir. Kein Wunder, es ist ja auch kleiner als ich. Es muss ein sehr junges Schaf sein.‘

Zum dem Tier sagte es laut: „Ich suche nach einer fetten Weide. Weißt du, wo eine ist?“

Das braune Tier fragte: „Was ist denn eine fette Weide?“

„Saftige Gräser, Kräuter, Büsche, junge Bäumchen …“

Das fremde Tier dachte kurz nach und sagte dann: „Ich weiß, wo eine fette Weide ist. Soll ich dich dorthin führen?“

„Ja“, sagte das Lämmchen und war froh, dass es Hilfe bei der Suche erhalten würde.

Sie gingen gemeinsam durch den Wald, und das Lämmchen naschte ein paar Tannennadeln hier und ein paar Blaubeerblätter dort. Dann wurde der Wald lichter und zwischen den Bäumen wuchsen mehr und mehr Grasbüschel. Schließlich gelangten sie auf eine große Lichtung. Kräftige Brombeerbüsche wuchsen auf der einen Seite, zarte Haselnussruten ragten an der anderen Seite empor. Zwischen den sattgrünen Grashalmen reckten sich Blumen in die Höhe und wandten sich Kräuter der Sonne zu. Auf krautigen Büschen tanzten Schmetterlinge.

„Habe ich dir zu viel versprochen?“, fragte das kleine braune Tier. Das Lämmchen stürzte sich sogleich in das Gras, das genauso hoch war wie es selbst.

Plötzlich stutzte das Lämmchen und hielt beim Fressen inne. „Wo ist meine Herde?“, fragte es, „eigentlich wollte ich doch die anderen Schafe wiederfinden.“

„Ich weiß nicht, wo deine Herde ist, aber schau mal dort drüben, dort wirst du schon erwartet“, antwortete das fremde Tier.

Zuerst sah das Lämmchen einen riesigen grau-schwarzen Wollhaufen.

„Habe ich dir zu viel versprochen?“, fragte das kleine braune Tier ein zweites Mal.

Der Wolf riss das Lämmchen in Stücke und als er so satt gefressen war, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, rief er: „Komm her, Marder, der Rest ist für dich!“
 
 
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