Blutsbruder

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Lucan Tegan
01.03.2018
25.03.2018
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Blutsbruder


Kapitel 1




Lautes Donnergrollen drang durch die dichten Mauern des Hauptquartiers. Schon lange hatte es in Bosten nicht mehr so sehr gestürmt wie in dieser Nacht. Wie passend.
Der Krieg den sie nun schon seit Jahrhunderten führten wütete auf den Straßen Bostons. Auf ihre eigene Art waren die Krieger des Ordens mit dem Sturm gleichzusetzten, eine fast schon poetische Vorstellung.

Lucan konnte das kurze zynische Lächeln nicht verhindern, das über sein Gesicht huschte.

Viele der Bewohner der Dunklen Häfen, besonders die jungen Männer, die danach lechzten sich zu beweisen, hatten mit der Zeit ihre Feindseligkeit gegenüber dem Orden abgelegt.
Seit der Orden immer mehr an Beliebtheit gewonnen hatte, war es immer schwieriger für die Krieger auf der Straße anonym zu bleiben. Er selbst, als Gen Eins, hatte damit noch am wenigsten zu kämpfen. Wohin er ging folgten ihm argwöhnische aber auch neidvolle Blicke seiner Stammesmitglieder. Dennoch würde sich keiner von ihnen jemals wagen, ihn anzusprechen.

Dazu kam, dass die Droge, Crimson, sich seit einigen Monaten immer mehr unter den Stammesangehörigen verbreitete. Für Menschen war sie ungefährlich, für die Brüder des Stammes bedeutete sie eine unaufhaltsame Verwandlung zum Rogue, die innerhalb von Minuten stattfinden konnte.

Er stieß einen leisen Fluch aus.

Erst letzte Nacht war es einem Rogue gelungen sich aus Nikolais tödlichen Fängen zu befreien, weil die Jugendlichen ihm in die Quere gekommen waren. Er hatte sich mit drei zu Rogues gewordenen Vampiren auseinandersetzten müssen und dabei den Rogue, den er verfolgte verloren.
Der Krieger war fluchend zurück von seiner Patrouille zurückgekehrt und hatte dabei eine Wut ausgestrahlt, die jeden Normalsterblichen das Fürchten gelehrt hätte.

Gideon hatte ihn empfangen, den Blick fest auf einen seiner Monitore geheftet, während er in einer beeindruckenden Geschwindigkeit tippte.

„Was ist passiert? Du hättest schon vor einer Stunde Bericht abgeben sollen“

„Hätte ich, Mann“, fauchte Nikolai wütend, „Wenn diese verdammten Hundesöhne nicht so einen riesen Auffuhr veranstaltet hätten! Der Rogue ist mir verdammt nochmal entwischt. Und er hat genau gewusst zu welchem Zeitpunkt ich dort sein würde. Ich hätte ihn mir zu gern vorgenommen um herauszufinden woher diese Mistkerle so viele Informationen über uns herausbekommen haben“

Gideon hatte ihn nur nachdenklich über die Ränder seiner Sonnenbrille angeschaut.
„Ich denke es wird Zeit etwas zu unternehmen. Ich werde Lucan Bescheid geben.“

Nikolai nickte nur knapp und verließ dann, immer noch wütend, mit schweren Schritten den Saal.



Nur einige Stunden später hatte Lucan alle Krieger ins Techniklabor gerufen. Er saß mit verschränkten Armen am Kopf des Tisches und sah die anderen Krieger mit einer Art grimmiger Entschlossenheit an. Das hier hatte oberste Priorität.

Er räusperte sich und das leise Raunen, das den Raum noch kurz zuvor durchflutet hatte stoppte abrupt.

„Ihr habt sicher schon mitbekommen aus welchem Grund ich euch hier und heute einberufen habe.“
Die anderen nickten zustimmend, jeder von ihnen hatte bereits bemerkt, dass die Angriffe der Rogues immer koordinierter wurden. Und auch das Problem der Jugendlichen der dunklen Häfen zerrte an ihren Nerven.

Dante hatte die Hände zu Fäusten geballt, „Ich schwöre euch, Ich leg die alle um!“ Seine Hände fuhren wie automatisiert zu seinen Waffen, als wollte er sein Vorhaben direkt in die Tat umsetzten.
Chase legte ihm in einer Geste, die wohl beruhigend sein sollte, eine Hand auf die Schulter.
„Glaub mir Bruder, Ich verstehe was dich antreibt, aber wir dürfen jetzt nicht irrational handeln. Dann würden wir ihnen genau in die Hände spielen.“

Der Agent war erst vor kurzem zum Orden dazugestoßen. Erst durch ihn hatten sie von der Droge erfahren, die ihnen jetzt das Leben so schwer machte.
„Schon gut“, meinte Dante nur trocken, „Bin nur ein bisschen gereizt. Nachdem was Niko passiert ist sollten wir das aber verdammt nochmal auch sein“

Lucan grunzte zustimmend, „Trotzdem, Chase hat Recht. Keinerlei Alleingänge mehr“
Bei diesen Worten fiel sein Blick auf einen der Krieger, der sich ganz am Ende des Raums gegen die Wand gelehnt hatte und ihn aus seinen smaragdgrünen Augen ausdruckslos anstarrte.
„Morgen schweifen wir wieder aus. Dante, Chase ihr übernehmt den Westen. Kade, Brock, ihr werdet im Osten patrouillieren. Niko, da Rio noch nicht wieder imstande ist zu kämpfen wirst du mit Tegan losziehen. Ihr observiert die Nervenanstalt.“

Nacheinander nickten die Krieger ihm zu. Als er Rios Namen erwähnte verdüsterte sich die Stimmung und Nikos Hände ballten sich zu Fäusten. Er war vor ein paar Monaten von einer Bombe, die eigentlich Lucan selbst hätte treffen und töten sollen, schwer verletzt worden. Fast nichts war von dem einst so hochmütigen, heißblütigen Spanier übriggeblieben als seine Gefährtin ihm am Krankenbett gestanden hatte, dass sie ihn verraten hatte und einen Deal mit einem ihrer Feinde eingegangen war um Lucan zu töten.

Es war ein kaum zu ertragender Verlust für sie gewesen und bis auf weiteres verblieb Rio auf der Krankenstation.



Nacheinander verließen die Krieger den Raum, bis nur noch Gideon und Lucan zurückblieben. Tegan war der letzte der ging aber nicht ohne Lucan noch einmal abschätzend anzusehen.

„Was ist mit dir?“, fragte ihn Gideon plötzlich, das Kinn auf seiner Handfläche abgestützt, „Ich dachte Alleingänge sind jetzt nicht mehr drin? Solltest du dich nicht lieber den anderen anschließen?“
Lucan schüttelte nur schroff den Kopf. Damit war das Thema für ihn geklärt und er stand auf um den Raum zu verlassen.
„Sag Bescheid, wenn du etwas Neues rausfindest.“

Mit diesen Worten verließ er das Labor, froh endlich allein zu sein. Er hatte immer gewusst, dass die Blutgier ihn eines Tages einholen würde. Seit er den ersten Tropfen Blut geschmeckt hatte, kämpfte er ununterbrochen gegen das Monster in seinem inneren an.

Das Brummen in seinem Kopf hatte bereits angefangen und es war nur noch eine Frage der Zeit bis er ihm nicht mehr standhalten konnte. Keiner seiner Brüder, noch nicht einmal Gideon konnte ihn in dieser Verfassung sehen.
Die Krämpfe begannen und Lucan keuchte auf, als ihn der Hunger durchfuhr wie ein brennendes Messer, sich immer tiefer in ihn hineinfraß, bis er das einzige war, was er noch spürte.

Er schaffte es gerade noch bis zur Tür seines Quartiers, zog diese auf und brach direkt hinter ihr mit einem unterdrückten Schrei zusammen.
Was er nicht bemerkt hatte in seinem Wahn, so schnell wie möglich zu verschwinden, war das Paar smaragdgrüner Augen, das an ihm heftete bis er die Tür hinter sich zuschlug.
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