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Fen'Harel, ich sehe dich

KurzgeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Solas
28.02.2018
22.02.2021
16
20.741
10
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22.01.2021 986
 
VI. SOLAS


Lange schon hatte er sich keinen körperlichen Freuden hingegeben.
Er erinnerte sich nicht einmal mehr an das letzte Mal, das vor seinem langen Schlaf gewesen war, denn seine Gedanken waren stets beherrscht vom Nichts oder davon, wie er seinen früheren Zauber rückgängig machen konnte. Die Bedeutung aller anderen Dinge war nach und nach verblasst, bis sie nur noch ein kaum wahrnehmbares Rauschen im Hintergrund waren.

Solas hatte es nicht einmal vermisst. Bis sie zu ihm kam und seinem sorgfältig geschliffenen, zielgerichteten, sachlichen Ego ein paar Kratzer verpasste.
Jetzt vermisste er es, obwohl es kaum ein paar Stunden her war.

Tam schlief auf dem Bauch, das Gesicht ihm zugewandt, und er betrachtete sie. Ruhiger Atem strömte in sie und wieder hinaus und veränderte dabei ganz leicht den Schein der Kerzen, der auf ihren Rücken fiel. Auf ihrer gebräunten Haut sah man deutlich mehrere helle Narben – langgezogene, runde, kleine, große. Die Ausbildung bei Leliana war mit Sicherheit kein Zuckerschlecken gewesen, aber jede dieser Narben hatte Tam zu dem gemacht, was sie heute war. Und er fand sie vollkommen.
Das war ihr Metier. Die Jagd, das Töten. Dort bewegte sie sich sicher und ohne Zweifel.
Doch hier zwischen ihnen war eine Unschuld an ihr, die sich auch schon so oft in ihrem Lachen gezeigt hatte, die ihn einfach verzauberte. Ihr Scharfsinn, welchen sie gleichermaßen besaß, war zudem etwas, an dem sich sein Geist erfreuen konnte.

Er wusste um all die schlechten Eigenschaften der Menschen, der Elfen und jedes anderen willkürlich ausgewählten Volkes. Er wusste es, da er selbst viele davon besaß. Aber Tam schaffte es, dass er sich unbesudelt davon fühlte.

Er war Solas, sie war Tam. Und mehr brauchte es nicht, wenn sie zusammen waren.
Es war eine ganz einfache Magie und gleichzeitig so viel komplexer und tiefgehender, als er sich jemals erhofft hatte.
Immerwährend kreisten die Fragen durch seinen Kopf, wie sie, so jung an Jahren, sein inneres Streben und all das, was er war, so gut verstehen konnte.
Wie ein lang verschollenes Puzzleteil passte sie an seine Seite, hatte sich wortlos, ungefragt, perfekt angefügt und das Bild wäre niemals mehr vollständig, sollte Tam ihn eines Tages verlassen.
Ein seltsames Besitzdenken hatte ihn erfasst, das er nicht kannte, wenn er diese Möglichkeit in Betracht zog.
Es war unnütz, darüber jetzt nachzudenken, nachdem sie sich gerade erst nahe gekommen waren, doch so war er eben. Sein Verstand betrachtete stets alles von allen Seiten, wog Möglichkeiten ab, spielte sämtliche Szenarien durch, und dies hatte ihm oft dabei geholfen, nicht unangenehm überrascht zu werden.
Hier und jetzt war es einfach nur lästig.

Als er daran zurückdachte, wie sie sich ihm hingegeben hatte, entflammte die Erinnerung daran erneut seine Lendengegend. Er ließ seine Fingerspitzen über ihren Rücken gleiten, von den muskulösen Schultern bis hinunter zu der Rundung ihres herrlichen Pos. Sie begann sich zu regen und seufzte leise im Halbschlaf, was ihn nur noch verrückter machte.
Was tat er denn hier?
Wieso konnte er sich bei diesem Elfenmädchen nicht beherrschen?
Er beugte sich über sie, schob ihr glattes Haar beiseite, küsste ihren Nacken, biss leicht hinein, streichelte ihre Wirbelsäule entlang und schob die Hand zwischen sie und das Bett, um ihre Brust zu umfassen. Das Seufzen hatte sich bereits in ein stockendes Atmen gewandelt und er erkannte daran, wie sie sich ihm entgegenreckte, dass sie wach war.

Solas konnte nicht warten.
Etwas in ihm sehnte die Vereinigung mit Tam herbei, als hätte er viel zu lange darauf verzichten müssen. Er richtete sich auf und kniete sich hinter sie. Tam lag noch immer in ihrer vollkommenen Nacktheit auf dem Bauch und wie selbstverständlich spreizte sie ihre Beine weiter, um ihm Platz zu machen. Nun wand sie auch den Kopf nach hinten, um ihn anzusehen und ihre schwarzglühenden Augen trafen ihn wie einer ihrer Pfeile.
Er umfasste ihre Hüften, als sie ihr Becken leicht anhob und drang in sie ein. Ihr Hintern fügte sich perfekt an seine Hüften und er genoss das Gefühl, wie bereit sie schon für ihn war und wie genussvoll ihr Stöhnen.
Diesmal konnte er nicht sanft sein. Der Wolf in ihm wollte sie tief und schnell, rief in uralten Instinkten danach, sie völlig zu vereinnahmen und seinen Verstand auszuschalten. Und er wollte sich diesem Teil in ihm gerade nicht widersetzen, da Tams lustvolles Wimmern ihn bei jedem Stoß noch weiter von der Vernunft wegtrieb. Sie kam ihm entgegen und er sah, wie sich ihre Hände im Bettzeug festkrallten. Wie sie den Kopf in den Nacken warf und ihr Haar sich über die Hälfte ihres Rückens ergoss, während ihre Augen geschlossen waren und ihr Mund diese entzückende Laute von sich gab.

Warum hatte man ihm diese Seele geschickt?
Sie war wunderschön.
Sie verstand, was ihn ausmachte.
Und er konnte sich nicht vorstellen, jemals wieder ohne ihr Lächeln zu sein. Ohne diesen Körper, der sich so selbstverständlich an ihn schmiegte, als wären sie bereits vorher eins gewesen.
Konnte er es wagen daran zu glauben, dass seine Einsamkeit vorbei war? Zu viele Emotionen zuzulassen, hatte er sich lange Zeit nicht gestattet. Es hätte ihn abgelenkt von seinem Vorhaben, ihn weich gemacht und ihn höchstwahrscheinlich dazu gezwungen, sich jemandem gegenüber rechtfertigen zu müssen.
Niemals hätte er geglaubt, jemanden zu finden, der mit ihm gemeinsam diesen Weg einschlug. Nicht blind aus Ehrfurcht, sondern weil er gesehen und gespürt hatte, was Solas‘ Antrieb war.

Plötzlich erschien Tam ihm zu weit weg, auch wenn er sie, so vor sich kniend, am intensivsten haben konnte. Er beugte sich vor, legte den Arm um ihren Körper und zog sie an seine Brust, während er mit ihr verbunden blieb und auch nicht langsamer wurde in seinem Drängen.
Ihr durchtrainierter Körper bog sich ihm entgegen und ihre Hände suchten Halt an seinem Hals.
So verschmolzen sie zu einer einzigen, geschmeidigen Silhouette sanfter Kurven, bewegten sich im gleichen Rhythmus, während sie atemlos seinen Namen flüsterte.
Und es war ihm, als müsse er niemals wieder fürchten, allein zu sein.
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