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Fen'Harel, ich sehe dich

KurzgeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Solas
28.02.2018
22.02.2021
16
20.741
10
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27.05.2019 1.331
 
V. SOLAS


Er hätte hier in diesem Wald bis zum bitteren Ende gekämpft. Die Inquisition wollte die Zukunft ihrer Welt sichern und ihn um jeden Preis stellen. Solas war bereit dafür. Er fürchtete sich nicht, denn er hatte Macht und nichts zu verlieren. So dachte er lange.
Als Tam zu ihm hinuntergeflogen kam wie ein Engel des Todes, zweifelte er kurz an dessen Treue. Immerhin war er ursprünglich von Leliana zu ihm gekommen und es war gut möglich, dass er sich, hier und jetzt im Angesicht seiner alten Verbündeten, wieder auf ihre Seite schlagen würde.
Doch der Bogenschütze gesellte sich direkt an seine Seite und funkelte seine Gegner an. Alle Bewaffneten hielten kurz inne und der Meisterspionin stand die Überraschung ins Gesicht geschrieben.

„Tam!“, rief sie aus. „Du bist hier?“
Solas sah zu seinem Leibwächter, dessen Miene zu einer grimmigen Maske erstarrt war. Leliana streckte eine Hand in seine Richtung aus.
„So viele Jahre, in denen ich nicht wusste, was mit dir passiert ist. Aber du bist am Leben!“ Sie lachte erleichtert auf. Tam jedoch schien diese Wiedersehensfreude nicht zu teilen und bewegte sich kein bisschen. Auf Leliana’s Gesicht zeichnete sich Verwirrung ab.
„Was ist los mit dir? Zwingt er dich…“
„Er zwingt mich zu gar nichts“, unterbrach Tam sie und sah Solas direkt an, bevor er weitersprach. „Ich wollte nicht zurückkehren.“
„Du gehörst zu mir, das weißt du doch. Wir haben jetzt die Gelegenheit ihn aufzuhalten, Tam!“, redete sie beschwörend auf ihren einstigen Schützling ein.
Doch Tam antwortete nur: „Ich werde nicht zulassen, dass Ihr ihn tötet.“
Ein Anflug von Schmerz huschte über der Meisterspionin Augen, bevor sich ihre Züge verdüsterten.
„Dann wirst du mit ihm sterben.“
Tam setzte ein breites Grinsen auf, als freue er sich darauf, sich mit seiner alten Lehrmeisterin zu messen. Und dann brach der Sturm los.

Leliana zog ihre Dolche. Neben ihr machte sich der dunkelhaarige Krieger Blackwall bereit.
Tam rannte los, frontal auf die beiden zu, was diese dazu brachte, ebenfalls zum direkten Angriff überzugehen. Als er sie fast erreicht hatte, zündete die Meisterspionin eine Rauchbombe und verschwand. Tam rechnete damit, dass sie ihn aus dem Hinterhalt attackieren wollte, während er mit dem besser Gepanzertem der beiden beschäftigt war. Er sprang ab, hoch in die Luft, zog einen Pfeil, während er sich drehte. Als er kopfüber in der Luft stand, sirrte der Pfeil bereits in Richtung des großen Gegners. Dieser lachte und hob sein Schild gen Himmel, fing den Pfeil mühelos damit ab und hielt danach triumphierend nach Tam Ausschau. Dieser war jedoch nicht mehr zu sehen und der Krieger begann, sich hektisch umzuschauen. Der kleine, flinke Tam kniete bereits zu seinen Füßen, versteckte sich unter dem Schild des Gegners und zog seinen Dolch an den Unterschenkelinnenseiten seines Gegners entlang. Überrascht aufschreiend ging dieser in die Knie und Tam huschte hinter ihn und legte eine Schlinge um den Hals des wuchtigen Kriegers. Fest genug, um eine Gegenwehr zu unterbinden, hatte Tam vor, Blackwall mit einem kräftigen Tritt in seinen Rücken auf den Boden zu befördern und dessen Füße mit dem anderen Ende des Seiles zu fesseln, doch dazu kam er nicht mehr. Ein Angriff von Sera hielt ihn davon ab, sein Werk zu beenden und zwang ihn zu einem schnellen Rückzug.

Solas sah all dies aus dem Augenwinkel, während er damit beschäftigt war, Dorians Zauber abzuwehren. Cassandra und den Bullen hielt er mir Eiszaubern auf Abstand und wenn sie ihm doch zu nahe kamen, nutzte er den Schleierschlag, um sie zu Boden zu schmettern und zu schwächen. Vor allem Cassandra mit ihren Sucher-Fähigkeiten konnte ihm gefährlich werden.

Sein Leibwächter war kurzzeitig außer Sichtweite und Solas hoffte, er würde bald jemanden aus dem Kampf nehmen. Die Anderen waren in erdrückender Überzahl und allesamt versierte Kriegshelden, taktisch kluge Köpfe. Und sie kannten Solas. Diesen Kampf hatte er in dieser Form nicht vorausgesehen und er war zwar entschlossen, doch nicht sicher, ob er sie tatsächlich alle besiegen konnte.
Wo war Tam?!
Hatte er ihn letztendlich doch verraten?

Als Tam ihn mit seinem Körper schützte, schien die Welt still zu stehen.
Er spürte die Erschütterung, hörte das Zischen, als zwei Pfeile den jungen Elfen trafen, das Leder seiner Rüstung durchbohrten, und Tam ihm schlaff entgegenfiel.
In diesem Moment war Solas das Kampfgeschehen und all die Gründe, die sie hierher geführt hatten, vollkommen gleichgültig. Er hatte kämpfen wollen, doch nun war alles, woran er dachte, Tam in Sicherheit zu bringen.
Er wob ein Schutzfeld um sie beide, das sämtliche Waffen und Zauber abprallen ließ. Dann musste er sich beeilen, da dies große Mengen seines Manas verbrauchte. Er hatte auf dem Weg hierher eine magische Spur zum Eluvian hinterlassen, um bei Bedarf sofort zurück zu finden. Nun verband er sich mit dem Nichts und tat ein paar Schritte durch es hindurch, um mit Tam auf dem Arm schnell voranzukommen. Bald schon war er außer Reichweite der Inquisition, auch wenn er ihre Rufe hörte, und trat durch die schimmernde Oberfläche des Eluvian. Auf dem Kreuzweg angekommen, versiegelte er ihn, dass niemand ihnen folgen konnte.

In seinem Gemach angekommen, legte er Tam auf seinem Bett ab und machte sich unversehens daran, dessen Wunden zu versorgen. Zum Glück war der junge Bogenschütze noch bewusstlos, so dass Solas ohne großes Leid die Pfeile aus dem Körper ziehen konnte, die in Schulter und knapp oberhalb des Herzens steckten, nachdem er deren Spitzen abgebrochen hatte.
Das zerfetzte Fleisch heilte er mit seiner Magie, was ihm nach dem vorangegangenem Kampf und der Flucht durchaus viel Kraft abverlangte.
Als die Blutung gestillt und die Wunden geschlossen waren, rückte er sich einen Sessel zurecht und setzte sich zu Tam. Dieser atmete ruhig, schien jedoch tief zu schlafen.

Er zog seinem Beschützer die Ledertunika aus, unter der er noch ein Leinenhemd trug und bettete ihn behutsam wieder in den Kissen.
Solas faltete die Hände vor seinem Gesicht und sah Tam weiterhin wachsam an. Alles war in dem Moment unwichtig geworden, als er dachte, der Junge wäre tot. Auch das Artefakt, das er sich unter allen Umständen hatte aneignen wollen.
Den ersten Pfeil hatte Solas nicht kommen sehen. Er musste für ihn bestimmt gewesen sein, denn plötzlich tauchte Tam vor ihm auf und fing diesen ab.
Der zweite Pfeil sollte den Jungen töten. Er war im Zorn über Tam’s Verrat von Leliana abgefeuert worden. Solas hatte es an ihrem entschlossenen Blick gesehen und wollte ihn einfach nur noch aus der Gefahrenzone bringen…

Tam regte sich leicht, wachte jedoch noch immer nicht auf.
Der Altelf sah, dass Tam’s Lippen spröde waren und flößte ihm vorsichtig etwas Wasser ein. Ein Tropfen löste sich von dessen Mundwinkel und begann eine kleine Reise über das Kinn, den schlanken Hals hinunter und verschwand im v-förmigen Ausschnitt des Leinenhemdes. Solas Augen waren dem Tropfen unwillkürlich gefolgt. Als er unter das Hemd wanderte, erblickte Solas etwas, das wie ein Verband aussah und wunderte sich. Der Bogenschütze hatte ihm nichts von einer Verletzung oder dergleichen erzählt. Er zog den Ausschnitt des Hemdes etwas beiseite, weil er wissen wollte, ob es noch andere Wunden zu heilen gab. Aber dann sah er plötzlich, dass sich die Spur des Wassertropfens unter einer straff gewickelten Bandage verlor.
An deren Rand sich eindeutig die Wölbung einer weiblichen Brust abzeichnete.

Solas fiel schockiert in seinen Sessel zurück und es war, als würde ein dichter Schleier von seinen Augen gelüftet. Wie blind jemand seines Alters dennoch sein konnte…
Tam war kein knabenhafter Mann, sondern eine Frau!
Nun machte auch die Irritation, die Solas immer wieder empfunden hatte, Sinn. Sein Unterbewusstsein hatte gespürt, dass etwas nicht zusammenpasste. Er hatte es nur nicht einzuordnen gewusst.
Mit diesen neuen Erkenntnissen betrachtete er Tam noch einmal.

Und plötzlich erschien es ihm unmöglich, in diesem Gesicht nicht die Frau zu erkennen.
Die langen, dunklen Wimpern wie kleine Fächer über der gebräunten Haut. Der weich geschwungene Mund und das eigenwillige und doch zierliche Kinn.

Solas schüttelte den Kopf und lachte leise in sich hinein.
Der Wolf hatte sich von einem Welpen an der Nase herumführen lassen.
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