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Herzenssehnen

von Yoruake
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
28.02.2018
01.12.2020
68
230.952
309
Alle Kapitel
897 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
22.11.2020 3.928
 
Hallo ihr lieben!

Danke für all eure lieben Reviews, alle neuen Favoriteneinträge, alles was ihr bis hierher an Empfehlungen abgegeben habt. Ihr seid der Wahnsinn.

Zuerst also das wichtigste: Ihr müsst alle zu Kapitel 66 zurückgehen, das ich komplett überarbeitet habe und das seit dem 14.11. neu ist, dann kommt wieder und lest das hier.

Dieses Kapitel ist das vorletzte Kapitel. Es ist kitschig, es ist anders, als ich wollte, aber es ist da und ich bin irgendwie froh, dass es ist, wie es ist.

Das heißt auch, dass wir dieses Mal eine Kapitelfrage haben, die ganz weihnachtlich ist:

Euer liebstes Weihnachtslied ist welches und warum?

So in diesem Sinne! Viel Spaß mit Herzenssehnen Teil 67!
Eure Yo

~*~

„Olivia!“, bellte Thomas' Stimme durch den Raum, aber seine Frau stand still da, während Hermine einfach den Umschlag öffnete und einen Stapel Papiere herauszog. Obenauf lag ein Brief, aber es waren ungefähr zehn weitere Seiten darunter. Hermine entschied sich, alles in Astorias festgelegter Reihenfolge zu studieren und überflog die ersten Zeilen des Briefes schon, als Scorpius forderte: „Boah, Mama, das geht uns alle was an! Papa und mich auch!“ Sein kindliches Drängen zeugte von seiner Neugier, aber auch davon, wie dringend er Worte seiner Mutter aufsaugen wollte, wie ein Schwamm.

Sie rang sich ein Lächeln ab, denn sie wusste schon, worum es ging und räusperte sich, wollte etwas sagen, doch dann sah sie, dass auch Draco mehr als neugierig war. Hermine spürte deutlich, dass es ihm trotzdem schwer fiel, jetzt Astorias Worte zu hören, die nicht an ihn gerichtet waren, aber ihn augenscheinlich betrafen. Es war der Weihnachtsmorgen, auch wenn es noch sehr früh war und Weihnachten hatte ihnen viel bedeutet. Hermine hob also die Stimme und brachte den Raum zum Schweigen.

Liebe zukünftige Mrs. Malfoy,

wenn meine Mutter Ihnen diesen Brief gibt, dann hat Draco um Ihre Hand angehalten, weil Sie zu meinen beiden Jungs passen. Sie waren sicherlich einige Zeit lang verloren, so wie die verlorenen Jungen im Nimmerland. Ich werde nicht mehr bei ihnen sein und nun sind Sie in das Leben meiner Jungs getreten und lieben die beiden. Unter anderen Umständen hätte Draco Sie nie gefragt, ob Sie seine Frau werden wollen.

Ich hoffe, dass es nicht zu viel Ärger mit meinem Vater gab. Aber, ich kenne ihn. Sagen Sie ihm, dass Sie von Aurelie wissen. Er muss nicht wissen, dass Sie vermutlich mit dem Namen nichts anzufangen wissen. Ich habe es herausgefunden. Ich habe sein dunkelstes Geheimnis mittlerweile gelüftet und ich werde ihm vergeben, unter der Bedingung, dass er Sie zufrieden lässt. Ansonsten habe ich Ihre Lebensversicherung in einem Gringotts Verließ hinterlegt, an das nur Sie kommen. Der Schlüssel befindet sich im Umschlag. Sollte der Eigentümer sterben, so sind die Kobolde angewiesen den Inhalt dem Zaubereiministerium, genauer gesagt dem Aurorenbüro zur Verfügung zu stellen und ich bin sicher, dass Harry Potter sich freuen wird, meinen Vater festzunehmen.


Hermine blickte auf, in Thomas Greengrasses bleiches Gesicht und schluckte dann, als sie Harry ansah und den Schlüssel aus dem Umschlag fischte, nur um ihn in ihrer Hosentasche verschwinden zu lassen, wie eine Erinnerung daran, was zu tun war.

Sie werden also Dracos Frau. Das macht Sie zu Scorpius' Stiefmutter. Mein Sohn und mein Mann sind das wichtigste in meinem Leben und ich sterbe, während ich diese Zeilen schreibe. Ich habe nicht mehr viel Zeit. Das weiß ich ganz genau. Meine Zeit ist begrenzt und meine Zeit mit meinen Jungs wird niemals genug gewesen sein, nicht für mich und nicht für sie. Den Rest ihres Lebens, werden die beiden mich erinnern und vermissen, deswegen müssen Sie dafür sorgen, dass sie mich weniger vermissen.

Hier also meine Anweisungen an Sie:
   1. Draco hasst seinen Geburtstag. Es war der Tag an dem man ihn dazu zwang ein Todesser zu werden. Sie müssen ihm nun an meiner Stelle zeigen, wie viele gute Tage zwischen zwei Geburtstagen liegen. Wie? Sie werden es herausfinden.
   2. Ich habe diese dumme Idee gehabt meinem Sohn immer etwas Selbst gemachtes unter den Weihnachtsbaum zu legen. Sagen sie Draco, dass er auch zerdrückte Basteleien unter den Baum legen soll. Scorpius freut sich darüber, weil es mit Liebe gemacht ist und nicht, weil etwas perfekt ist. Und sagen Sie ihm, dass er leichtere Dinge wählen soll oder etwas machen soll, dass er kann. Vielleicht etwas Schreiben? Er schreibt wundervoll.
   3. Lieben Sie meine Jungs jetzt und für immer. Machen Sie die beiden glücklich.
   4. Sie sollen wissen, dass ich mir das, was auf den nächsten zehn Seiten steht gut überlegt habe. Ich möchte, dass Sie wissen, dass es meine Entscheidung ist. Seien Sie seine Mutter. Ich werde nicht mehr sein, wenn Sie diese Zeilen lesen und er braucht Sie. Sagen Sie Draco, dass es mein letzter Wunsch an ihn ist. Scorpius Hyperion Malfoy-Greengrass braucht eine Mutter. Was, wenn Draco mal auf Geschäftsreise ist und dem Jungen passiert etwas? Ich liebe Scorpius und ich liebe Draco. Ich möchte, dass jemand sich um ihr Wohl sorgt.

Passen Sie auf meine Jungs auf, zukünftige Mrs. Malfoy. Ich hätte Sie sicher sehr gerne gemocht. Umarmen Sie Scorpius ganz fest und sagen Sie ihm, dass ich ihn lieb habe, bitte. Küssen sie beide von mir. Sagen Sie beiden, dass ich sie immer lieben werde, jetzt und für immer. Ich bin nur vorangegangen, wir sehen uns wieder, wenn sie eines Tages nach einem erfüllten Leben nachkommen.

Ihre Astoria Malfoy

PS: Sagen Sie Draco, dass er wirklich unterschreiben kann und soll. Ich will es so.

Und sagen Sie Scorpius, dass die Tomaten fünf Minuten länger im Ofen sein müssen, als es im Rezept steht.


Als Hermine geendet hatte, herrschte Stille im Zimmer. Sie umarmte und küsste sowohl Draco, als auch Scorpius, ehe sie dann Scorpius den Brief in die Hände gab, der die Handschrift seiner Mutter schon sehr lange nicht mehr gesehen hatte und nun den Brief an sich drückte, als sei es sein größter Schatz. Darin stand, dass sie ihn liebte und es war mehr wert, als jedes andere Weihnachtsgeschenk, dass er je erhofft hatte. Hermine ihrerseits, blickte lange auf den Stapel Unterlagen, auf denen zu lesen war: „Adoptionsantrag für Scorpius Hyperion Malfoy-Greengrass“. Dann ganz langsam reichte sie Draco die Unterlagen und sagte gar nichts, sondern wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Astoria hatte gewollt, dass sie eine richtige Mutter wurde? Sie hatte schon alle Seiten unterzeichnet. Nur Dracos Unterschrift, Hermines Name und Hermines Unterschrift fehlten, um alles rechtskräftig zu machen. Hermine sah, dass Draco zögerte, aber dann auf der letzten Seite sah sie eine Notiz: „Ich bin immer seine Mum. Er braucht eine Mutter, Draco. Ich liebe euch für immer und sie wird es auch tun.“

Olivia war hinter die kleine Familie Malfoy getreten, hatte ebenfalls gelesen und nickte leicht: „Draco, ich glaube... sie würde das wirklich wollen. Miss Granger sollte seine Mutter sein.“

Thomas erhob sich, er hatte wohl mittlerweile kapiert, worum es ging, ohne eingeladen worden zu sein. „Untersteh dich! Noch habe ich das Sorgerecht für den Jungen!“

„Sir“, es war Hermine, die sich erhoben hatte und nun erschöpft aussah, denn ihr Herz lief über vor Glück, während in der Realität noch eine Menge fehlte, zu diesem Glück, „es rettet Daphnes Leben, wenn es mit Ihrem Segen passiert.“

Danach war es still im Raum, sehr lange, niemand bewegte sich oder hustete. Es herrschte Stille, bis Thomas sich setzte.

„Sie werden mir keine Wahl lassen, Miss Granger, oder?“, hörte man dann.

„Ihre Tochter hat Ihnen keine gelassen, Mr. Greengrass. Sie hat alles herausfinden können, was mit dem Fluch zu tun hatte. Restlos alles und wenn wir ihr doch diese Ehre erweisen können... wer sind wir, es nicht zu tun?“, fragte Hermine leise und lächelte dann Olivia aufrichtig an. „Danke. Für Ihre Hilfe.“

Draco seufzte schließlich und tuschelte hinter aller Rücken mit Scorpius. „Wie siehst du das? Soll Hermine deine richtige Mutter werden?“

Eine Weile blickte der kleine Kerl nachdenklich zwischen Hermine und Draco hin und her, dann blickte er auf Astorias Brief und nickte. „Wenn ich Mum nicht vergessen muss,dann ja.“ Seine Antwort war laut genug, das Hermines sie hörte.

„Das wirst du nie müssen, mein Schatz“, gab Hermine ihm da auch schon simpel die Antwort.

~*~

Die anschließende Unterhaltung zwischen dem kleinen Gamot, Familie Malfoy, Familie Greengrass, Hermine Granger und Harry Potter dauerte lange und förderte diverse Dinge zu Tage. Harry legte die Beweise für drei Richterbestechungen vor. Eine bei der Scheidung, die Hermine erlebt hatte und die zweite und dritte bei den jeweiligen Sorgerechtsprozessen. Man ließ natürlich nicht aus, welche Rolle Ron Weasley, Narzissa Rosier (ehemals Malfoy) und Thomas Greengrass bei der Bestechung der ehrenwerten Richter hatten und dass mindestens eine der Sekretärinnen, namentlich Miss Edgecombe, noch eine persönliche Rechnung mit Hermine offen hatte. Pansy hatte das ganze zu Protokoll gegeben und so ihr Wort gehalten.

Harry legte ebenfalls eine von vielen Menschen unterzeichnete Petition als Beweismittel vor. Viele der Frauen, denen Hermine mit ihrem Buch geholfen hatte, hatten unterzeichnet, als Zeichen der Solidarität. Die Beweise dafür, dass Hermine Scorpius nie etwas getan hatte und Draco ein guter Vater war, waren erdrückend.

Der Minister brummte schließlich. „Es ist sieben Uhr am Weihnachtsmorgen. Können wir uns darauf einigen, dass Familie Greengrass Mister Malfoy das Sorgerecht als Weihnachtsgeschenk zurückgibt und die Klage gegen Miss Granger zurückzieht, bevor wir uns durch diesen Aktenberg wühlen, den die Auroren mir hier zusammengetragen haben?“ Er wirkte übermüdet. Auch er war nun schon seit drei Uhr nachts auf den Beinen.

Harry schmunzelte. „Es würde ein paar Verhaftungen bis nach den Feiertagen hinauszögern“, stellte er mit vielsagendem Blick auf Thomas fest.

Der ergab sich seinem Schicksal. „Ja. Wenn dann das Gamot hier verschwindet und wir alle zu Bett können...“ Müde lehnte er sich nach hinten und griff nach dem sicherlich fünften Feuerwhisky seit ein Uhr nachts. „Ich würde darum bitten, dass Sie Narzissa nicht weiter behelligen. Sie hat meine Befehle ausgeführt, Mr. Potter und ich würde ungern die Einzelheiten meines Familienfluches in der Klatschpresse lesen.“

„Oh, dem Minister liegt bereits eine Anzeige gegen Miss Kimmkorn vor. Sie ist in den Unterlagen enthalten. Russland weigert sich aber die bezaubernde Gattin ihres Zaubereiministers a.D. auszuliefern. Nur nach England einreisen kann sie auch nicht mehr.“ Harry feixte und lehnte sich gegen den Kamin.

~*~

Es waren zwei weitere Stunden vergangen, bis Hermine und Draco mit Scorpius das Manor betraten. Sie alle waren müde und erschöpft. Es waren harte Tage gewesen. Aber es war auch Weihnachten und Hermine ließ es sich nicht nehmen, die Familie ins Wohnzimmer zu befördern, wo die Hauselfen den Weihnachtsbaum geschmückt hatten und ein Haufen Geschenke unter dem Baum lag.

„Du, Mama, können wir das später machen?“, fragte Scorpius, der sich an seinen Papa kuschelte.

Hermine nickte und setzte sich zu den beiden aufs Sofa, lehnte sich in Dracos Umarmung und spürte, dass der schon eingeschlafen war. „Ja, wir schlafen erstmal, du kleiner Ausreißer“, murmelte sie an Scorpius gerichtet, ließ eine Decke zu ihnen schweben, deckte alle zu und schloss die Augen. Tatsächlich schliefen auch diese beiden sehr schnell ein.

Gegen Mittag erwachte Draco, blickte auf Hermine und Scorpius herab, die tief schlafend aneinander geschmiegt neben ihm auf dem Sofa lagen. So leise er konnte, erhob er sich aus seiner nicht ganz so bequemen Pose. Er war zwar noch müde, aber er musste einige Kontakte spielen lassen, um das Weihnachtsfest mit seinem Sohn perfekt zu machen...

~*~

Am frühen Nachmittag, erwachte Scorpius und weckte auch Hermine, die verschlafen den Blick durchs Zimmer wandern ließ. Draco war nicht dort, aber sie setzte sich auf und lauschte Scorpius. „Mama, darf ich Geschenke auspacken? Bitte?“, bettelte der.

„Nicht ohne deinen Vater. Ich denke, er will dabei sein“, lachte Hermine und zog den kleinen Kerl in eine feste Umarmung. „Suchen wir ihn?“

„Wenn's sein muss?“, erklang von dem kleinen Blondschopf, der dachte, dass es Sinn machte einen Flunsch zu ziehen.

Lachend ließ Hermine ihn frei und die beiden suchten Draco in so ziemlich allen Räumen, die ihnen einfielen, bis keiner mehr übrig war. „Fragen wir Tila, wo er ist“, schlug Hermine vor.

In der Küche gab Tila natürlich Auskunft an Scorpius. „Master Malfoy hat Dinge erledigt und hat gesagt, dass er nicht gestört werden will und sich zurück zieht.“

Hermine nickte. Natürlich, er war in seinem ehemaligen Schlafzimmer. Er nahm Abschied. „Komm, wir gehen nach oben und ziehen uns um“, schlug sie Scorpius vor.

Scorpius nickte und war sogar einverstanden damit, dass Hermine eine Dusche nahm. Ihre Sachen waren aus dem tropfenden Kessel längst wieder ins Manor gebracht worden und Hermine sah wirklich sehr kaputt aus. Geschenke mussten warten.

~*~

Als Scorpius die Dusche rauschen hörte, stahl er sich leise aus seinem Zimmer und marschierte über den Flur. Er hatte Angst und er war noch nie an diesem Ort gewesen, seitdem seine Mutter gestorben war, aber jetzt klopfte er an die Tür, ehe er sehr mutig die Klinke nach unten drückte und eintrat. Sein Vater saß am Fenster und blickte auf das gemachte Bett nach unten. Er schien nachzudenken. „Papa?“, fragte Scorpius leise.

„Habt ihr schon Geschenke ausgepackt?“, kam es von Draco, der langsam aufsah.

„Mama sagt, wir warten auf dich. Sie is' duschen“, erklärte Scorpius und sah auf die Stelle, wo er vor sehr langer Zeit seiner Mum einen gute Nacht Kuss gegeben hatte. „Es riecht nach Mum. Sie würde dich jetzt küssen und dir dann sagen, dass Weihnachten voll wichtig ist und du kommen sollst.“

Draco lächelte. „Du bist einfach unschlagbar. Deine Mum wäre stolz auf dich. Und? Willst du wissen, was ich deiner Mama zu Weihnachten schenke?“

Scorpius nickte und Draco vertraute ihm ein süßes Geheimnis an...

~*~

Als im Wohnzimmer alle versammelt waren, roch es im Haus herrlich nach Weihnachtsessen. Hermine schmunzelte, als sie sich an Draco kuschelte und Kakao trank, während Scorpius die Geschenke seiner Freunde und seiner Verwandten auspackte. „Mama, ein Autogramm von Viktor Krumm! Boah, cool!“, erklang es einmal. Draco hatte den zerdrückten Drachen dazu gelegt und Hermine hatte ein leeres Fotoalbum eingeschlagen, das Scorpius mit Momenten des kommenden Jahres füllen sollte. Sie lachte bei allen Freudenrufen und schließlich war der Knirps fertig mit auspacken und verteilte an Draco und Hermine deren Päckchen. Hermine wickelte einen obligatorischen Weasleypulli aus, Kleinigkeiten von den Kindern und natürlich Geschenke ihrer Freunde. Schließlich grinste Draco sie an. „Dein Geschenk liegt oben auf deinem Bett, also dein Geschenk zusätzlich zu... den Anhängern. Ich werde aber noch einen Minimuff außer der Reihe machen lassen.“ Er lächelte und küsste sie auf die Wange.

Scorpius strahlte. „Au ja!“

Hermine schmunzelte und reichte Draco ihrerseits ein sehr besonderes Geschenk. Es war ein Rahmen mit zwei Familienfotos: Auf einem waren Scorpius, Astoria und er selbst und auf dem anderen sie selbst, Scorpius und er abgebildet. „Nur eine Kleinigkeit“, flüsterte sie und küsste ihn sanft, um ihm zu zeigen, dass alles in Ordnung war.

~*~

Als sie bald darauf nach oben gehen musste, da Draco offensichtlich ein Weihnachtsdinner geplant hatte, war sie mehr als überrascht ein cremefarbenes Kleid auf dem Bett vorzufinden. Warum hatte er ein cremefarbenes Kleid gewählt? Sie lachte leise, als sie feststellte, dass es sogar ihr Stil war. Schlicht, elegant, ein bisschen mit Spitzenapplikationen. Ein perfektes Kleid, für die Oper oder so etwas, stellte sie sich vor und lachte, als sie ihr Haar hochsteckte, passende Ohrringe wählte und darauf achtete, dass ihr Medaillon, das Bettelarmband und der Verlobungsring gut saßen.

Als sie in den Flur trat, stand Scorpius da und hielt einen herrlichen Blumenstrauß in den Händen. „Der is für dich!“, strahlte er und drückte Hermine den Strauß in die Hände. Herrliche Vergissmeinnicht in blau, rosa und weiß ließen den Strauß schlicht und schön wirken.

„Oh, danke schön. Ich stell sie ins Wasser!“, kam es als Antwort von Hermine, aber Scorpius schüttelte den Kopf und griff nach Hermines Hand.

„Wir müssen runter. Papa wartet und ich hab versprochen, dich runter zu bringen. Es soll das allerschönste Weihnachten werden!“, erklärte er dann und drückte Hermines Hand. „Papa hat alle eingeladen.“

So langsam dämmerte Hermine, was Scorpius vor hatte und ehe Scorpius sie die Treppe nach unten ziehen konnte, blieb sie vor dem Familienporträt der Malfoys stehen und blickte auf in Astorias Gesicht, dann lächelte sie ganz plötzlich und ihre Lippen formten ein stummes „Danke schön“, ehe sie mit Scorpius die Treppen ins Erdgeschoss nach unten schritt.

~*~

Am Fuß der Treppe stand Draco und grinste doch sehr selbstgefällig. „Es sitzt wie angegossen. Du siehst fabelhaft aus.“ Er streckte die Hand aus und küsste ihre Wangen. „Ich finde, wir sollten heute heiraten. Die Adoption wird mit Eheschließung erst gültig und ich finde, wir sollten uns alle das Geschenk einer Familie machen. Auch wenn es eine kleine, improvisierte Hochzeit ist, was denkst du?“

Noch ehe Hermine antworten konnte plapperte Scorpius an seiner Fliege zupfend, als sei die wirklich etwas Furchtbares: „Sag bloß nicht nein! Wir haben uns alle voll viel Mühe gegeben, schick zu sein! Und es gibt Torte! Siruptorte und Schokotorte und... und... was mit Mousse...“

Hermine lachte leise und strich Scorpius durchs Haar. „Ihr seid schon längst meine Familie. Aber natürlich heirate ich an Weihnachten. Welchen besseren Tag gibt es bitte? Aber... Draco, wir werden ein Einzelkind haben. Ich meine... wir beide bekommen keine Kinder mehr.“

„Wir finden einfach die Halbblutkinder, die mein Vater gezeugt haben und werden für all unsere Nichten und Neffen da sein und für unseren Sohn. Was denkst du? Gute Idee?“, fragte der und Hermine nickte.

„Dann...“, Scorpius machte einen Hüpfer und rief, „Spalier stehen!“ Das führte dazu, dass Hermines Nichten und Neffen tatsächlich mit bunten Blumenkörbchen Stellung bezogen. Scorpius nahm sich aber eine Schachtel, kletterte ein paar Stufen nach oben und legte Hermine einen Blumenkranz auf den Kopf. „Perfekt!“, betonte er, obgleich der Kranz ein wenig schief saß und das Bild nicht wirklich perfekt war. Trotzdem war es das Schönste, das Draco je an Weihnachten gesehen hatte und er schmunzelte. „Ich geh mal zum Altar. Du hast heute einen ganz besonderen Brautführer und drei Trauzeugen, weil ich mich nicht für einen entscheiden konnte.“

~*~

Bald darauf führte Scorpius Hermine vorbei an jede Menge Blumen werfender Kinder und hastig eingeladener Gäste in den weihnachtlich geschmückten Salon. Hermine konnte nicht anders, als eine gewisse Ironie darin zu erkennen, dass Draco für ihre Hochzeit kein weißes Kleid gewählt hatte, sondern ein cremefarbenes. Es passte besser zu ihnen beiden und eigentlich kam der Ton heraus, wenn man Gold und Silber mischte.

Ein Ministeriumsbeamter stand vorn am Altar. Die Weasleys waren gekommen, Luna, George und Neville standen am Altar auf der Seite der Braut, wenn man das wohl so sagen konnte und Hermine wusste jetzt, was Draco gemeint hatte, als er sagte, er habe sich nicht entscheiden können. Auf Dracos Seite stand Harry neben Blaise und tatsächlich zu ihrer aller Erstaunen Newt Scamander, der einen Bowtruckle in der Tasche seines Festumhangs spazieren trug. Hermine musste leise kichern, angesichts dieser doch sehr amüsanten Sachlage, doch eigentlich lag das Hauptaugenmerk auf dem blonden Mann, der in seinem schwarzen Festumhang wirklich gut aussah. Er wirkte nervös, aber auch sehr glücklich, doch Hermine sah noch etwas.

Er hatte Schuldgefühle. Schuldgefühle, wie auch sie welche hatte. Während er sich schuldig fühlte wegen Astoria, fühlte sie sich schuldig, weil sie ihm keine größere Familie geben konnte.

Doch das war in Ordnung. Ihre Familie hatte viel durchgemacht und nun waren sie erneut zusammen, würden es für immer bleiben.

Scorpius überreichte seinem Vater stolz Hermines Hand und blieb dann vor den beiden stehen und überlegte kurz, bevor er auf den Tisch kletterte, an dem der Ministeriumsbeamte stand. „Also, ich hab noch was zu sagen, bevor es losgeht!“, verkündete der Knirps stolz und grinste dann Hermine und Draco an, „Als meine Mum gestorben ist, war ich sehr traurig und sehr sauer, weil immer alle von mir wollten, dass ich Mum vergesse. Ich wollte keine neue Frau für meinen Papa. Dann kam Hermine zu uns und sie war nett. Sie hat mich Sachen über Mum gefragt und sie war immer so... sie war anders. Sie war richtig lieb und sie passte zu uns. Sie wurde eine richtige Mama. Sie hat mir Sachen beigebracht, die andere mir nicht zugetraut haben und sie hat uns zum Lachen gebracht und jetzt, haben wir sie lieb. Wir haben sie lieb, seit der ersten Bolognesepizza!“ Hermine musste lachen, als sie an ihre Frustration angesichts der verfluchten Tomatensoße dachte, die sie mit Scorpius versucht hatte zu ergründen und auch Draco lachte leise, denn die Pizza war und blieb der Renner im Hause Malfoy. „Mein Papa und sie haben sich sehr lieb und wir haben viele gute Sachen erlebt und auch viele schlimme, aber mehr gute und als meine Oma heute Morgen meiner Mama einen Brief von meiner Mum gegeben hat, da haben wir alle gewusst, dass wir das richtige machen und auch das richtige fühlen, hier drin.“ Dabei deutete er auch sein Herz und es war, als würden alle ein bisschen schmelzen angesichts eines so süßen Redners. „Damit Hermine meine richtige Mama wird, also meine Adoptivmama, aber das zählt nicht – Mama ist Mama – hat mein Papa heute das mit dem Heiraten ganz schnell organisiert und weil wir uns alle so lieb haben, werden wir heute eine richtige Familie. Mama, Papa, wehe einer sagt jetzt noch nein oder hat Angst! Weil: zusammen schaffen wir alles! Zusammen wird alles richtig gut werden!“

Hermine lächelte und blinzelte Tränen weg, als Scorpius seine Rede beendete, wieder vom Tisch kletterte und sich an Dracos Hose festklammerte. Der Ministeriumsbeamte räusperte sich und sah von Draco zu Hermine und zurück. „Möchten Sie beide sich noch etwas sagen, bevor ich...“

Draco unterbrach ihn mit einem Nicken. „Hermine, ich hab Angst. Angst, dass ich Scorpius oder dich oder euch beide verlieren könnte. Heute Nacht dachte ich, meinem Sohn sei etwas zugestoßen, aber du, du warst da. Du hast ihn gefunden. Du hast mein Leben wieder zu einem besseren Leben gemacht, du hast meinen Sohn wieder zum Lachen gebracht, du hast... so viel Stärke gezeigt. Du hast Geduld mit uns gehabt, dich uns geöffnet, hast gegen alle Widrigkeiten deine Liebe verteidigt und du hast... du hast das Glück zurück zu uns gebracht. Als ich dich bat, mich zu heiraten, war auch klar, dass ich dich bitte Scorpius eine Mutter zu sein und du hast ohne zu zögern ja gesagt, du hast dich für uns entschieden und uns damit sehr glücklich gemacht. Wir sind zu einer Familie zusammengewachsen und ich liebe dich. Ich liebe dich jetzt und ich werde dich für immer lieben. Danke, dass du unser Leben bereicherst und danke, dass du dich heute von uns hast überrumpeln lassen.“

Hermine war erst blass, dann rot geworden und wischte sich nun Freudentränen weg, als sie leise antwortete: „Draco, nie hatte ich mehr Angst, als an dem Tag, als ich diese Tomatensoße nicht hinbekam... nie war ich glücklicher, als an dem Abend, an dem du mir zeigtest, dass ich verdient habe, wieder zu lächeln. Ich bin an jedem Tag mit euch ein glücklicherer Mensch. Dank euch, habe ich die Kraft gefunden zu meiner Vergangenheit zu stehen und dank euch... habe ich heute eine zweite Chance. Ihr habt mir gezeigt, was Familie bedeutet und du Draco, hast mir neues Vertrauen in die Liebe zwischen Mann und Frau gegeben. Ich habe Angst, weil ich Scorpius keine Geschwister geben kann und trotzdem... trotzdem stehen wir hier. Ich bin so dankbar für deine Liebe, eure Liebe. Ich liebe dich jetzt und ich werde dich für immer lieben. Euch beide.“

Kurz darauf hatten sie beide die Frage des Ministeriumsbeamten, ob sie den jeweils anderen heiraten wollten mit ja beantwortet und erlebten das glücklichste Weihnachten aller Zeiten.
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