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Schattenkind

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Kreon Delos Mildred Delos OC (Own Character)
25.02.2018
29.04.2018
4
3.889
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25.02.2018 798
 
Kreon mochte Kirchen. Ihm gefiel die Stille dort, wenn gerade kein Gottesdienst war, er mochte den Geruch des alten Gemäuers und die Kälte, die von den Steinen ausging. Vor allem aber gab es niemanden, der ihn stören konnte. Außerhalb der Gottesdienste befand sich selten jemand in dem alten Gebäude.
Oft setzte Kreon sich auf den hohen Sims oberhalb der Orgel, den Rücken an die bunte Fensterscheibe gelehnt, und hörte Musik.
Manchmal besuchte er sogar den Gottesdienst. Dabei ging es ihm allerdings nicht um die Predigen sodern um die Musik. Er fand die schweren Töne der Orgel beruhigend, sie faszinierten ihn seit er ein kleiner Junge war. Was oder wen die Kirchengemeinde währenddessen besang, interessierte ihn nicht. Er glaubte nicht an einen guten Gott und Erlösung. Warum auch? Schließlich schien dieser Gott auch nicht an Kreon zu glauben.

Entnervt lehnte Kreon seinen Kopf gegen die kalte Buntglasscheibe.
Seine Cousins kamen heute in Spanien an. Er konnte sie nicht leiden, vor allem Lucas und Hector nicht. Sie waren furchtbar nervig. Mit Jason redete er zu selten, um einschätzen zu können, ob er genauso dumm war wie sein Bruder und Cousin. Nicht dass er viel mit Lucas oder Hector redete. Sonst würden sie nonstop streiten und sich gegenseitig an die Gurgel gehen.

Manchmal wünschte Kreon, seine Mutter und er wären vor zwei Jahren einfach in New York geblieben, wenigstens in Kyas Nähe. Dort wäre der Rest seiner nervigen Familie nicht wieder hingezogen, das hätte sein Onkel Pallas verhindert, er hatte zu viel dort verloren.
Aber nein, Kreons Vater hatte geschrieben, dass sie nach Spanien ziehen sollten.
Er schloss die Augen.
Sein Vater.
Der Mann, dessen Gesicht er nur auf den wenigen Bildern, die seine Mutter weggeschlossen in ihrem Nachtschränkchen aufbewahrte, gesehen hatte.
Der Mann, den er nur aus den Geschichten, die andere ihm erzählten,kannte.
Der Mann, mit dem er nie auch nur ein Wort gewechselt hatte. Dabei rief er seine Mom ständig an. Und jedes Mal hatte sein Vater bereits aufgelegt, bevor Kreon überhaupt fragen konnte, ob er mit ihm reden dürfe.
Als er noch jünger war, hatte er seinem Vater oft Briefe geschrieben. Zum Geburtstag, zu Weihnachten, einfach so. Doch als nie eine Antwort kam, hatte er es irgendwann aufgegeben.
Sein Vater interessierte sich nicht für ihn, das spürte Kreon.
Sein Vater.
Tantalus Delos.
Seit fast fünfzehn Jahren verschollen. Niemand wusste, wo er war. Niemand, nicht einmal seine Mutter, obwohl sie so tat, als wüsste sie es.
Kreon biss die Zähne zusammen. Sie hatte das nicht verdient.
Seine Mom schuftete jeden Tag von früh morgens bis spät abends im Büro, schlug sich mit den Hundert herum, kam immer ausgelaugt und todmüde nach Hause, nur um dort noch weiterarbeiten zu müssen, obwohl Kreon versuchte, ihr so viel abzunehmen wie möglich.
Das alles für den Mann, den sie liebte und er vertraute ihr nicht einmal seinen Aufenthaltsort an. Das machte Kreon wütend, denn seine Mutter hätte das Vertrauen mehr als alle Anderen verdient. Doch vermutlich liebte Tantalus seine Frau nicht mal mehr.
Aber Kreon liebte seine Mom und tat alles, um sie nach einem antrengenden Arbeitstag zum Lächeln zu bringen. Kreon fand, dass seine Mutter ein schönes Lächeln hatte. Sie war überhaupt die schönste Frau auf dieser Welt und sicher auch auf jeder anderen. Sie lachte immer nur, wenn er ihr das sagte, doch er wusste, dass es wahr war. Keine Frau könnte seiner Mom je das Wasser reichen. Sie war sein Ein und alles.

Kya sagte immer, er solle es den armen Mädchen nicht so schwer machen. Seine beste Freundin schalt ihn scherzhaft, dass er so keine Freundin finden würde, aber das war Kreon egal. Er hatte seine Mom, Kya und Ryan, Kyas "Adoptivbruder". Na gut, Ryan kannte er nicht wirklich, dieser hatte ihn angeschrieben, weil er Kreon in Kyas altem Handy, welches sie ihm "vererbt" hatte, als 'Yin' gefunden hatte und Ryan selbst als 'Yang' eingespeichert war.
"Ich will schließlich wissen, wer meine andere Hälfte ist", hatte er geschrieben. Seitdem hatten sie regelmäßigen SMS-Kontakt, persönlich hatten sie sich aber nie kennengelernt. Kya meinte auch, dass das wohl leider nicht möglich sei, auch wenn Kreon nicht ganz verstand, weshalb. Aber wenn seine Schwester das sagte, dann musste es einen guten Grund haben und er vertraute ihr in diesen Dingen.

Plötzlich klingelte sein Handy.
"Ja?", nahm er ab.
"Kreon, deine Onkel, Tanten und Cousins werden in zehn Minuten landen. Kommst du bitte nach Hause?", bat seine Mom ihn, "Wir holen sie vom Flughafen ab"
Kreon seufzte und sprang neben der Orgel auf den Boden.
"Kreon?", hakte seine Mutter nach.
"Ja. Ja, ich bin unterwegs"



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Ja ich weiß, das hatte ich schonmal gepostet, aber es passt so gut als Prolog...
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