Pills N Potions

von Yueliang
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
24.02.2018
29.03.2020
19
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Auch die weiteren Tage arbeiten die neun Jungs konzentriert an ihrem Album weiter. Park hat mittlerweile vorbeigeschaut und angekündigt, dass er in drei Tagen das grobe Ergebnis sehen will. Immerhin ist nicht mehr viel Zeit, wenn sie sich an den Termin halten wollen. Langsam stellt sich bei den meisten Nervosität ein. „Man sollte meinen, wir wären es durch unsere Show gewohnt“, lässt Seungmin eines Abends verlauten, „aber wenn ich daran denke, dass es bald ernst wird, dann wird mir jetzt schon flau.“ „Wenn du kotzen musst, da ist die Tür“, murmelt Hyunjin, ohne aufzusehen und hebt den Arm, Minho grinst belustigt vor sich hin. „Macht euch nicht jetzt schon nervös, es hat noch gar nicht angefangen“, sagt Chan bestimmt, worauf Jisung nickt. „Eben, wenn wir hart genug arbeiten, dann wird es den Fans gefallen.“ „Darauf kannst du wetten!“, grinst Woojin, der sich gerade einige Kommentare unter ihren Musikvideos durchliest. Viele fragen sich, wenn das Debut von Stray Kids ist, da sie es kaum erwarten können, mehr zu hören. „Okay, alle mal herhören!“, ruft Chan schließlich und die Aufmerksamkeit der acht anderen liegt auf ihm. „Ich habe gerade ein kleines Konzept zusammen gebastelt“, erklärt der Leader und Jeongin legt interessiert den Kopf schief. Changbin zieht Felix zu sich und dieser lehnt sich zufrieden gegen den Älteren. Chan nimmt dies wahr, atmet tief durch und unterdrückt das Bedürfnis etwas dazu zu sagen.

In Changbin macht sich ein triumphierendes Gefühl breit. Wenn es um Felix geht, sitzt er eindeutig am längeren Hebel. Er war schon immer ein wenig eifersüchtig auf Chan. Er kann singen, rappen, tanzen, Lieder schreiben und produzieren, sieht gut aus, ist beliebt und außerdem kann er diese verrückte Gruppe zusammenhalten. Wenn er ihm jetzt auch noch Felix wegnimmt… Er hat doch schon alles! Jeongin spürt die Anspannung von Chan, traut sich aber nicht etwas zu sagen. Changbin bettet seinen Kopf auf Felix‘ Haaren, worauf der Australier lächelt. Chan ballt die Hände kurz zu Fäusten, lässt sich aber sonst nichts anmerken und spricht weiter. Jisung runzelt die Stirn, da er spürt, dass etwas im Gange ist und auch Minho sieht fragend zu ihrem Leader. Dieser erklärt allerdings in Ruhe seinen Plan. „Alles klar soweit?“, endet er und schaut in die Runde auf. „Warum machen wir es gerade so?“, will Changbin wissen, seine Stimme klingt herausfordernd, was Chan nicht entgeht. „Wenn du eine bessere Idee hast: Wir hören!“, entgegnet er, leicht gereizt. Changbin grinst breit. „Wir können ja noch Fanservice einbauen“, sagt er und kitzelt Felix am Hals und dieser kichert leise. Chans Miene wird steinern. „Nein“, sagt er nur und wendet den Blick ab. „Warum nicht? Hast du Angst, das du niemanden abbekommst?“, macht Changbin weiter und Chan beißt die Zähne zusammen. Sag jetzt nichts, ermahnt er sich. „Chan-hyung, wie wäre es mit uns?“, fragt Minho fröhlich und versucht die Stimmung zu lockern, doch Chan geht nicht darauf ein. „Fanservice könnt ihr wann anders praktizieren!“, knurrt Chan und funkelt Changbin an.

„Wir könnten die Fans abstimmen lassen, welches ihr liebstes Shipping ist“, macht Changbin gnadenlos weiter. „Ich denke ChangLix ist da sehr weit vorne.“ „Spinner!“, entgegnet Felix grinsend. „Oder Hyung, was meinst du?“, fragt Changbin den Leader. „Changbin-ah, lass es!“, sagt Minho plötzlich drohend, da er die Absicht des Main Rappers durchschaut hat. Chan hat mittlerweile den Kopf gesenkt, um seine Tränen zu verbergen, die ihm in den Augen brennen. Changbin wird so lange weiter provozieren, bis es eskaliert. Unschuldig blickt Changbin zu Minho. „Ich mache doch gar nichts“, sagt er, worauf Minho ihn nur warnend anblickt. „Klärt ihr uns auf?“, meldet sich Seungmin hilflos zu Wort. Jisung allerdings schaut Changbin eingehend an. „Du musst es nicht noch schlimmer machen“, sagt er ernst. „Wovon sprichst du?“, fragt Felix verwirrt. „Ja, Jisung-ah, wovon sprichst du?“, wiederholt Changbin spöttisch. „Verdammt nochmal, es reicht jetzt!“, zischt Chan plötzlich und alle Blicke richten sich auf den Leader, dessen Hände leicht zittern. „Warum auch immer du es jetzt mir vorhalten musst, es reicht Seo Changbin!“, verlangt Chan, ohne den Kopf zu heben. Hyunjin sieht überfordert von einem zum anderen und Woojin hat die Stirn in Falten gelegt. Imaginäre Fragezeichen schweben über seinem Kopf. „Du solltest nur wissen, wo dein Platz ist“, entgegnet Changbin ungerührt.

Jetzt hält Chan es nicht mehr aus, er springt auf und stürmt aus dem Raum. Minho folgt ihm augenblicklich und Jeongin erhebt sich langsam. Er funkelt Changbin zornig an. „Du bist so ein mieses Arschloch!“, schreit er, worauf der Jüngste verstört von den meisten angesehen wird, da er sonst nie ausfällig gegenüber anderen wird. „Du weißt ganz genau, dass die ganze Situation Chan-hyung wehtut und trotzdem quälst du ihn so. Und sowas wie du schimpft sich bester Freund.“ Abfällig sieht Jeongin zu Changbin herab und verschwindet ebenfalls nach draußen. Felix ist von Changbin abgerückt. „Wovon sprechen sie? Was ist mit Chan-hyung?“, will er wissen und runzelt die Stirn, aber Changbin schweigt trotzig. Minho hat währenddessen Chan eingeholt und die beiden haben sich auf die Dachterrasse verkrümelt, wo Minho den Leader in den Armen hält. Eigentlich mag Minho keine Höhe, aber dieser Ort ist um diese Uhrzeit gänzlich ungestört. „Ich bringe ihn um!“, ertönt jetzt allerdings Jeongins aufgebrachte Stimme hinter ihnen und der Jüngste kommt zu ihnen gestapft. „Jetzt ist er zu weit gegangen!“ Noch immer ist Jeongin verdammt wütend auf Changbin. „Ich kann es ihm nicht einmal verübeln“, sagt Chan mit erstickter Stimme. „Felix ist für Changbin einfach alles.“ „Das ist keine Entschuldigung“, entgegnet Minho bestimmt. „Changbin darf dich nicht so runter machen, vor allem nicht, wenn er von deinen Gefühlen weiß.“ „Er ist doch genauso durcheinander wie ich“, murmelt Chan und fährt sich durch sein silber-graues Haar.

„Warum sagt ihr Felix nicht einfach was los ist?“, fragt Jeongin und der Leader seufzt auf. „Damit er zwischen zwei Seiten steht? Das will ich ihm nicht antun.“ „Er könnte sich doch für dich entscheiden, Hyung“, spricht Jeongin weiter. „Dann würde Changbin leiden“, erwidert Chan verzweifelt. „Und das will ich auch nicht! Wie man es dreht und wendet, am Ende ist immer einer unglücklich.“ Tränen steigen in seine Augen und Minho zieht den Leader wieder an sich. Jeongin sieht bekümmert zu Chan. Er würde ihm gerne helfen, aber weiß nicht wie. Gefühle lassen sich nicht so einfach umpolen. Minho nickt dem Jüngsten leicht zu und dieser versteht und verlässt das Dach. Währenddessen versucht Minho den aufgelösten Chan etwas zu trösten. „Willst du heute bei Woojin-hyung und mir schlafen?“, lächelt er und Chan hebt schniefend den Kopf. „Das Erwachsenen-Zimmer soll Comeback feiern?“ Minho wuschelt grinsend durch seine Haare. „Genau, Chan-hyung“, lacht er leise. Als die beiden zurück zu den anderen kommen, herrscht dort betretenes Schweigen. Von Changbin fehlt jede Spur und Chan seufzt leise auf. Felix sieht den Leader fragend an, doch dieser ignoriert es. „Lasst uns zurück gehen, es ist spät“, verkündet Chan und Bewegung kommt in die Gruppe.

Leises Gemurmel setzt ein, doch alles wirkt recht verkrampft. Minho umfasst aufmunternd Chans Hand und lächelt ihm beruhigend zu. „Changbin hat mir geschrieben“, lässt Jisung verlauten, als sie in ihrer Wohnung angekommen sind. „Er ist bei sich zu Hause, kommt aber später zurück.“ Seungmin setzt zum Wort an, um seine Fragen loszuwerden, aber Hyunjin schüttelt den Kopf. Das hier etwas Persönliches im Gange ist, spürt er und er will Chan nicht noch mehr in Verlegenheit bringen. Auch wenn es ihn etwas wurmt, dass er nicht weiß, was gerade gespielt wird. Felix sieht flehend zu Chan, um eine Erklärung zu erhoffen, aber Jisung schiebt ihn mit sanftem Nachdruck in deren Zimmer. Chan verschwindet schnell in seins, um den verwirrten Blicken der anderen Member zu entgehen. Traurig sieht er zu Changbins leerer Seite herüber. Wie sollen sie normal miteinander auskommen können? Irgendwann kocht der Kessel über und dann könnte ihre Freundschaft ein für alle Mal aus sein. Als Changbin gegen ein Uhr morgens im Stray Kids Dorm ankommt, ist dort alles still und dunkel. Die anderen werden längst schlafen. Leise schleicht er durch den Flur zu seinem Zimmer und findet dieses leer vor. Wie angewurzelt bleibt er stehen und blickt zu Chans leerem Bett. Dann macht sich Panik in ihm breit. „Chan-hyung!“, ruft er unwillkürlich und stürmt nach draußen auf den Gang. Was ist, wenn Chan wegen ihrem Streit gegangen ist? Dann wäre es seine Schuld, wenn ihm etwas zustößt! „Chan-hyung!“, ruft er ins Halbdunkle, wissend, dass die anderen davon aufwachen könnten.

„Chan?“ Changbin schaut in das dunkle Wohnzimmer, doch auch hier ist niemand. Sein Herzschlag beschleunigt sich und er versucht ruhig zu bleiben. „Hyung, wo bist du?“, flüstert er, da seine Stimme zu versagen droht. Ein Kloß bildet sich in seinem Hals und in dem Moment kommen Schritte näher und Chan steht vor ihm. „Was machst du denn für Lärm? Geh ins Bett, Changbin-ah“, murrt er gähnend, aber Changbin hört nicht hin. Tränen der Erleichterung schießen in seine Augen und er fällt dem Älteren in die Arme. „Hyung!“, schluchzt er verzweifelt. „Du warst nicht im Zimmer! Mach das nicht nochmal, ich bin erschrocken.“ Sanft drückt Chan ihn von sich und muss leicht lächeln. Da ist er wieder: Der kleine Junge im Körper eines achtzehnjährigen. „Ich schlafe bei Minho und Woojin“, erklärt Chan und Changbin senkt den Kopf. „Verstehe“, murmelt er und schnieft leise. „Zieh dich um und geh duschen. Dann können wir reden, wenn du willst“, macht Chan den Vorschlag und der Jüngere nickt. In Windeseile ist Changbin fertig und geht zu ihrem Zimmer, wo Chan bereits abwartend auf seinem Bett sitzt. Als Changbin herein kommt, weiß er nicht, was er tun soll. Unbehaglich dreht er seine Hände. „Na komm schon her!“, sagt Chan leise lachend, als er den Rapper so hilflos sieht. Changbin tappt zu ihm und setzt sich zögernd. „Was sollte diese Aktion von erst?“, will Chan ernst wissen.

Changbin beißt sich auf seiner Unterlippe herum. „Ich weiß, dass es für dich nicht einfach ist, das kann ich verstehen. Aber es an mir auszulassen, ist nicht richtig und auch nicht vernünftig. Das tut mir nämlich weh.“, stellt Chan klar und Changbin nickt leicht. „Ich weiß“, flüstert er mit brüchiger Stimme. „Entweder wir leben beide mit der Tatsache, die gleiche Person zu mögen und du hörst auf, es noch schwieriger als ohnehin schon zu machen, oder wir müssen klären, wie es weiter gehen soll“, sagt der Leader bestimmt und runzelt die Stirn, als Changbin weiterhin schweigt. „Ich war eifersüchtig“, flüstert dieser plötzlich und zieht die Nase hoch. „Auf wen?“, fragt Chan verblüfft und Changbins Augen füllen sich mit Tränen als er antwortet: „Auf dich.“ „Auf mich?“, wiederholt der Ältere, fast schon belustigt. „Gibt es da überhaupt einen Grund dafür?“ Changbin nickt heftig. „Du bist perfekt, Hyung“, sagt er leise und schluckt. „Alles was du tust, ist gut, du hast für alles eine Lösung und bist immer für alle da. Du kannst einfach alles.“ „Kleiner, ich kann vieles nicht“, versichert Chan und streicht durch Changbins dunkles Haar. „Meine Güte, es gibt keinen Grund, auf mich eifersüchtig zu sein. Habe ich gesehen, dass es Felix schlecht ging? Nein. Habe ich verhindert, dass Felix Medikamente nimmt? Nein. Kann ich eine Lösung für dieses Problem finden? Nein. Kann ich dafür sorgen, dass ich Felix nicht mehr liebe? Nein. Ich kann vieles nicht“, sagt Chan seufzend. „Ich bin nicht Gott, ich bin auch nur ein Junge mit Träumen.“

„Und ich bin ein verdammtes Arschloch“, murmelt Changbin und lehnt den Kopf an die Wand. Tränen brennen in seinen Augen. „Das ist jetzt schon das zweite Mal, das ich dir solche bösen Worte an den Kopf knalle“, sagt er und schließt kurz die Augen. „Und ich habe dir bereits gesagt, dass ich dich nicht hassen werde. Keinen von euch, könnte ich jemals hassen. Ihr müsstet erst einen Mord begehen, damit ich mich von euch abwende und ich denke selbst dann, würde ich euch irgendwann verzeihen“, grübelt Chan und schneidet eine Grimasse. Changbin lacht leise auf, was aber sogleich in ein Schluchzen übergeht. „Wie kann man nur so loyal sein?“, wimmert er und Chan zieht ihn in seine Arme. „Weil ihr meine zweite Familie seid“, erklärt er ruhig und Changbin lehnt seinen Kopf gegen seine Schulter. „Schscht, hör auf zu weinen, sonst beschwerst du dich wieder am Morgen, dass deine Augen so geschwollen sind“, seufzt Chan und schnippt dem Jüngeren gegen die Stirn.

„Ich hab dich lieb, Hyung. Vergiss das nicht, selbst wenn ich mich wie ein Arschloch aufführe“, schnieft Changbin und reibt sich über die Augen. „Wir sind alle gestresst im Moment und bei dir kommt dann noch anderes Chaos dazu“, beruhigt Chan ihn. „Verzeihst du mir?“, fragt Changbin kläglich und der Leader wuschelt durch seine dunklen Haare. „Das habe ich bereits, Kleiner“, sagt er sanft. „Du bist zu gut für die Welt“, murmelt Changbin mit Tränen in den Augen und gähnt dann. Erschrocken blickt Chan auf seinen Wecker. Kurz vor zwei Uhr. „Lass uns schlafen, sonst wird das morgen nichts mehr“, sagt er bestimmt und Changbin schlingt seine Arme um ihn. „Hyung!“, quengelt er. „Ach, jetzt bist du wieder kuschelbedürftig, kleine Zicke?“, schmunzelt Chan und Changbin nickt. „Dann leg dich hin.“ Zufrieden kommt Changbin den nach und als Chan mit unter der Decke liegt, flüstert er: „Es tut mir leid.“ „Weiß ich, und jetzt mach die Augen zu, Dongsaeng“, murmelt Chan.
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