Das Unheil des verlorenen Volkes

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
23.02.2018
23.02.2018
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Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Die Alptraumhöhle“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

Es war eine dunkle Nacht, und eine Gruppe von Freunden war unterwegs. Sie waren Abenteurer, und sie waren auch Halbwüchsige. Sie warteten auf eine Freundin, die nicht lange fortbleiben wollte, und hielten sich in der Nähe eines großen Felsens auf.
Inarisos lehnte sich an einen der Felsen und sah in die Nacht. Einen Moment lang war er ein bisschen neidisch auf die Fähigkeiten seiner Freunde, denn sie konnten in der Nacht gut sehen, er als Mensch hingegen nicht. Der Junge hatte eine etwas stämmigere Statur, sowie rote Haare und blaue Augen. Inarisos war ein Hexenmeister, der einen Pakt mit Feen geschlossen hatte. Sein Hemd und seine Hose waren türkis, während seine Robe violett war.
„Soran findet bestimmt ein gutes Gasthaus.“ sagte eine Stimme neben ihm.
Inarisos drehte sich um, und erkannte Kadlin. Sie beiden waren Freunde, denn obwohl Inarisos ein Mensch war, störte er sich nicht daran, dass Kadlin ein Tiefling war.
Kadlin hatte zwar eine menschliche Hautfarbe, doch wenn ihre spitzen Ohren und kleinen, vorstehenden Hörner sie schon nicht als Tiefling verrieten, dann ihre roten Augen, ihre dunkelblauen Haare, sowie ihr Schwanz, und die Krallen an ihren Fingern. Kadlin trug ein ockerfarbenes Leinenkleid, und wie die meisten Barden, trug sie ihr Musikinstrument, eine Laute, auf dem Rücken. An ihrer Seite hatte sie hingegen einige Waffen.
Eine Gestalt näherte sich den beiden. Sie sah wie ein Panther aus, doch die beiden Freunde wussten, wer es wirklich war. Ihr Freund Ragin. Er war ein Sonnenelf, und zugleich auch eine Werkatze. Oder, wenn man genau sein wollte, ein Werpanther. Wie auch sonst häufig, so lief er auch jetzt in seiner tierischen Gestalt herum. Wie die meisten Sonnenelfen, hatte er in seiner natürlichen Gestalt, lange blonde Haare und grüne Augen, doch Ragin trug auch eine schwarze, ausgefranste Weste und Hose.
„Seht nur, Soran kommt zurück.“ sagte Jador plötzlich.
Kadlin folgte seinem Blick, doch Inarisos konnte nicht viel erkennen.
„Ja, sie ist es tatsächlich.“ meinte auch Ciara.
Jador war ebenfalls ein Tiefling. Er hatte eine schlanke, hochgewachsene Gestalt, sowie eine menschliche Hautfarbe und kleine Hörner. Seine Augen waren silbrig, und seine langen, schwarzen Haare reichten ihm bis auf die Schultern. Er hatte spitze Ohren, Krallen an den Fingern, und einen Schwanz, und seine Füße ähnelten denen eines Wasserschweines. Wie viele andere Waldläufer auch, trug Jador eine grünbraune Lederrüstung und ein dunkelgraues Cape.
Ciara war dagegen eine Halbdrow. Sie hatte ein rundes, weiches Gesicht, und spitze Ohren, sowie bernsteinfarbene, mandelförmige Augen. Sie hatte kurze, weiße Haare und eine dunkle Haut. Sie ähnelte optisch einer einer Drow, doch ihre Statur war deutlich die eines Menschen. Außerdem trug sie auch einen dunkelgrünen Kapuzenmantel.
„Ich habe einen Platz für ein Nachtlager gefunden.“ sagte Soran, nachdem sie gelandet war, „Und dort ist auch eine heiße Quelle.“
Soran war ein Halbdrache. Sie sah so wie ein aufrecht gehender, humanoider Drache aus. Sie war etwas größer als ein Mensch, hatte eine bronzefarbene haut, sowie Reptilienaugen. Ihre Krallen, ihre Flügel und ihr Schwanz wiesen sie als einen Halbdrachen aus. Zudem trug sie eine Rüstung aus Metall.

Alle drei Mädchen saßen im heißen Wasser der Quelle und badeten. Ihre Kleidung und ihre Waffen lagen am Rand der Quelle.
„Ich verstehe nicht, warum wir nicht einfach alle zusammen baden, sondern getrennt.“ meinte Ciara schließlich, „Hier ist doch schließlich genug Platz.“
„Ich weiß ja, dass Elfen meist kein Problem mit Nacktheit haben... andere Leute aber schon.“ erwiderte Kadlin.
„Und außerdem sind die Jungs heute mal damit dran, unser Nachtlager aufzubauen.“ fügte Soran hinzu.
Eine Weile lang sagte keines der Mädchen etwas. Schließlich sprach Soran: „Erinnert ihr euch an den Gelehrten, dem wir vor wenigen Wochen begegnet sind?“
„Diesen hübschen Halbelfen? Natürlich.“ meinte Kadlin.
„Ohne ihn wüssten wir nicht, dass Ragin ein Werpanther und keine Werkatze ist.“ fügte die Halbdrow hinzu.
„Er sagte auch, dass Inarisos die Welt zu einem besseren Ort machen möchte. Denn er und Ragin zeigen das, indem sie sich in unserer Gesellschaft aufhalten.“ redete das Halbdrachenmädchen, „Wisst ihr, was diese Worte zu bedeuten haben?“
„Wahrscheinlich meinte er damit, dass die meisten von uns zu bösen Völkern gehören, und die beiden trotzdem in unserer Nähe sind.“ erklärte Kadlin, „Ciara ist eine Halbdrow, doch die meisten Völker an der Oberfläche machen keinen großen Unterschied zwischen Drow und Halbdrow, und halten sie für böse. Ich und Jador sind Tieflinge. Weil wir die Nachkommen von Dämonen sind, glauben viele Leute, dass wir genauso böse wie Dämonen sind. Den meisten Leute gefällt es obendrein nicht, wenn Tieflinge nicht alleine unterwegs sind, und wir sind zu zweit. Das ist dir doch bestimmt auch schon passiert, dass Menschen dich ausgegrenzt, oder sogar angegriffen haben. Und das bei deinen Kräften. Sie hatten Glück, dass du so gutmütig bist.“
„Inarisos und Ragin sind aber ein Mensch und ein Hexenmeister.“ erkannte Ciara, „Sie würde man ohne uns nicht mit ausgrenzen.“
„Ganz genau.“ erwiderte das Tieflingsmädchen.
Nachdem sie gebadet hatten, zogen die Mädchen sich wieder an, und gingen zum Nachtlager. Die Jungen spielten offenbar gerade ein Spiel, und Inarisos hatte vermutlich eine Glückssträhne, denn er stieß einen Freudenruf aus und lachte.
„Wir sind fertig. Nun könnt ihr baden.“ sagte Ciara.
Die Jungen, die gerade mit dem Spiel fertig geworden waren, standen auf und gingen in die Richtung der heißen Quelle. Sie hatten an einer Stelle trockene Stöcke hingelegt, das Lagerfeuer aber noch nicht entzündet. Vermutlich wollten sie damit warten, bis die Mädchen da waren.
„Wir brauchen noch ein Lagerfeuer. Dann spiele ich euch heute wieder etwas auf meiner Laute vor.“ redete Kadlin.
„Ich mache das gerne.“ bot Ciara an.
„Das wäre eine blöde Idee. Bei deiner wilden Magie, würdest du eher unser Nachtlager in einen Krater verwandeln.“ scherzte Soran und zwinkerte ihrer Freundin zu.
Ciara und Kadlin kicherten. Dann näherte sich Kadlin den trockenen Hölzern. Sie streckte die Hand aus, und murmelte: „Ignis Pila!“
Über ihrer Hand schwebte nun ein Feuerball. Diesen warf sie auf die Stöcke, welche sofort Feuer fingen. Dann setzte sie sich auf einen umgestürzten Baumstamm und sagte: „Nun warten wir auf die Jungs.“

Am nächsten Morgen zogen die Freunde weiter. Sie waren zu dem Dorf unterwegs, welches Soran in der Nacht zuvor entdeckt hatte. Allmählich wich die Wildnis bebauten Äckern, auf denen einige Menschen standen. Die Freunde gingen weiter, bis sie den Rand des Dorfes erreicht hatten. Sie hatten abgemacht, dass Inarisos und Ragin vorausgingen, weil die Menschen sie vielleicht eher akzeptieren würden. Doch bevor sie das Dorf erreichen konnten, hatte sich schon eine Traube aus Menschen gebildet, welche alle mit Ackerwerkzeugen bewaffnet waren, und sich so positioniert hatten, dass die Freunde das Dorf nicht betreten konnten.
Ragin trat vor und streckte beide Hände vor, um zu zeigen, dass er unbewaffnet war. Doch das Misstrauen und die Abneigung wichen nicht aus den Leuten.
„Wir sind hier, um unsere Vorräte aufzufüllen.“ sagte er, „Wir werden gerecht dafür bezahlen, und uns hier nicht lange aufhalten.“
„Verschwindet von hier! Wir wollen solche wie euch nicht in unserem ehrenwerten Dorf haben!“ sagte einer der Männer.
„Genau, fort mit euch!“ stimmte eine der Frauen zu.
„Wir sind wirklich bloß Reisende, die neue Vorräte kaufen möchten.“ sagte Inarisos und trat vor.
„Ihr solltet euch schämen. Ihr reist in der Gesellschaft von Ungeheuern.“ meinte ein anderer Mann.
„Wie könnt ihr nur deren Gesellschaft der von Menschen vorziehen?“ fragte eine Frau.
„Gehen wir. Wir sind hier nicht erwünscht.“ meinte Ragin an seine Freunde gewandt und drehte sich um, doch dann sah er noch einmal zu den Dorfbewohnern und sagte: „Auch wenn ihr sie als Ungeheuer bezeichnet, so ist doch jeder von ihnen viel menschlicher, als ihr alle zusammen.“
Die Freunde gingen wieder los. Sie würden einfach einen nahegelegenen Stadtstaat aufsuchen. Bis dahin würden sie mit ihren Vorräten schon zurechtkommen. In den Stadtstaaten kamen die Leute mit Mitgliedern von bösen Völkern besser zurecht.
„Hattet ihr auch den Eindruck, dass sie etwas vor uns verborgen haben?“ fragte Ciara schließlich.
„Warum sollten sie? Sie haben uns aus offensichtlichen Gründen abgelehnt.“ meinte Jador.
„Ich bin unter Drow aufgewachsen. Dinge zu verheimlichen und böse Pläne zu schmieden, ist da Alltag. Und die Drow können das deutlich besser als diese Menschen hier. Glaubt mir, sie haben etwas zu verbergen, etwas was gefährlich sein kann.“
Die Freunde gingen ein Stück weiter. Plötzlich sahen sie, dass ein Junge auf sie zu rannte. Er wurde von anderen Kindern verfolgt. Kadlin wurde einen Moment lang an ihre eigene Kindheit erinnert, und trat wütend vor. Inzwischen hatte der Junge die Freunde erreicht, und die anderen Kinder bewarfen ihn mit Steinen. Als die Kinder jedoch die Freunde sahen, wichen sie zurück. Und nun erkannten die Freunde auch, was der Junge wirklich war. Ein Halbork.
„Was fällt euch ein, einfach einen Jungen anzugreifen?“ fragte das Tieflingsmädchen verärgert, „Hat er euch etwas getan?“
„Er ist ein Halbork.“ sagte einer der Jungen, als wäre das Erklärung genug.
Die anderen Kinder stimmten zu. Einige von ihnen hoben sogar weitere Steine auf, um sie nach dem Jungen zu werfen.
„Das dürft ihr nicht tun!“ sagte Ciara und trat vor, „Orks sind zwar böse, doch Halborks können auch das Gute wählen. Was ihr tut, ist Unrecht.“
Nun wichen die Kinder weiter zurück. Denn scheinbar hatten sie es mit einer Drow zu tun. Soran trat ebenfalls vor, und ein Halbdrache konnte durchaus furchterregend aussehen.
„Seid nicht so schüchtern. Wen von euch soll ich zuerst fressen?“ fragte sie und trat einen weiteren Schritt vor.
Die Kinder schrien und liefen davon.
„Dass du immer solche Witze machen musst.“ meinte Jador an Soran gewandt, klang jedoch ein wenig amüsiert.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“ fragte Ragin mitfühlend.
Der Junge nickte nur.
„Keine Sorge, wir sind nicht so wie diese Dorfbewohner. Einige von uns sind schon guten Halborks begegnet.“ redete der Sonnenelf.
„Wie heißt du denn?“ fragte Inarisos und beugte sich zu dem Kind vor, „Ich heiße Inarisos, und das hier ist mein Freund Ragin.“
„Ich bin Etor.“ erwiderte der Junge.
„Sind die Kinder immer so gemein zu dir?“ wollte Kadlin wissen.
„Ja.“ sagte der Junge, während ihm einige Tränen über die Wangen liefen, „Zu mir und zu den anderen.“
„Die anderen? Hier sind noch mehr Halborks?“ fragte Jador.
„Ja, einige.“ erwiderte der kleine Junge.
„Dann geh zu den anderen zurück. Und wenn die Kinder dich wieder ärgern, sag ihnen, dass sie es dann mit uns zu tun bekommen.“ sagte Kadlin.
„Mache ich!“ sagte der Halborkjunge und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
„Wir sind hier in der Nähe von einem Orkgebiet.“ sagte Ragin, „Ich vermute mal, dass diese Halborks geboren wurden, nachdem umherstreifende Orks über die Frauen hier hergefallen sind.“
„Das gibt den Menschen trotzdem nicht das Recht, so mit ihnen umzugehen!“ meinte Inarisos.
„Wir sollten gehen.“ meinte Soran nur.

Mehrere Dorfbewohner standen in der Nähe der verfallenen Ruine und bewachten sie. In der Ruine arbeiteten hingegen die Halborks. Es war eine harte Arbeit, die ein Mensch vermutlich nicht lange durchhalten würde, aber für das Dorf sollten die Halborks wenigstens etwas nützlich sein.
Sie ließen sie in den Scheunen wohnen, wo auch ihre Nutztiere waren. Wo käme das Dorf denn hin, wenn sie die Halborks plötzlich so behandeln würden, als seien sie Menschen? Einer der Dorfbewohner hatte vor einigen Wochen diese Ruinen hier entdeckt.
Sie waren mit den Schriftzeichen aus einer Dämonensprache versehen, die jedoch keiner von ihnen entziffern konnte. Allerdings hatte man sich bald darauf geeinigt, dass es sich nur um einen Schatz handeln konnte, welcher ihrem Dorf großen Reichtum bringen würde, und beschlossen, diesen auszugraben. Und wer war für diese Aufgabe geeigneter, als die Halborks? Schließlich übernahmen sie auch andere Aufgaben, für die sonst nur Nutztiere zu gebrauchen waren.
Und keiner der Dorfbewohner bemerkte, wie sich sechs Gestalten in die Ruine schlichen.

Jador und Kadlin lasen die Schriftzeichen, die sich an den Wänden befanden. Sie waren eine deutliche Warnung an alle, die sich in dieser Ruine aufhielten. Ihre Freunde hatten den Tieflingen den Vortritt gelassen, weil die Tieflinge die Dämonensprache kannten.
„Hier wurde ein Tanarukk versiegelt.“ sagte Jador schließlich, „Ein Magier hat ihn bekämpft, konnte ihn jedoch nicht besiegen, und so hat er ihn einfach versiegelt.“
„Was ist denn ein Tanarukk?“ fragte Inarisos verwundert.
„Tanarukks entstehen, wenn Orks sich mit Dämonen paaren.“ erklärte Ragin, „Sie sind gefährliche Ungeheuer.“
„Wir müssen die Leute hier warnen!“ sagte Inarisos schnell, „Sie wissen nicht, was sie da befreien!“
Die Freunde hatten sich in einem der Räume versteckt, in welchem sich niemand aufhielt. Doch der junge Hexenmeister rannte nun dorthin, wo die Halborks arbeiteten, wo sie den Boden aufbrachen, und die Steine wegtrugen.
„Ihr dürft hier nicht arbeiten!“ rief er laut, „Hier ist etwas böses versiegelt worden. Wenn ihr weitergrabt, befreit ihr es.“
Einige Dorfbewohner, welche die Arbeiten der Halborks überwacht hatten, kamen wütend auf den jungen Hexenmeister zu. Sie bauten sich wütend vor ihm auf, doch Inarisos wurde von seinen Freunden begleitet, sodass sie sich nicht auf ihn stürzten.
„Warum seid ihr schon wieder hier?“ verlangte einer der Männer wütend zu wissen.
„Wir wollen diesen Schatz für unser Dorf. Euch steht er nicht zu!“ meinte ein anderer von ihnen.
Mehrere der Halborks hatten ihre Arbeit unterbrochen, und sahen neugierig zu den Abenteurern und den Dorfbewohnern.
„Arbeitet gefälligst weiter!“ befahl eine Frau, und die Halborks fügten sich.
„Ihr grabt keinen Schatz aus, sondern eine Bestie, die hier versiegelt wurde.“ sagte der junge Hexenmeister.
„Wenn diese Menschen nicht auf uns hören wollen, dann sollen sie doch in ihr Verderben laufen.“ meinte Soran nur.
„Nein, das wäre falsch. Sie sind immer noch unschuldige Menschen... und die Halborks haben es auch verdient, gerettet zu werden.“ hielt Jador entgegen.
„Ich fürchte fast, wenn wir sie noch retten wollen, müssen wir uns beeilen.“ meinte Ciara und deutete auf einen großen Würfel aus Stein, welcher gerade von den Halborks aus einem gegrabenen Loch herausgezogen wurde. Dieser war mit leuchtenden, hellgrünen Runen versehen. Und einige Halborks bearbeiteten ihn gerade mit ihren Spitzhacken.
Aus den Löchern in dem großen Würfel trat nun hellgrüner Rauch aus, dieser wurde immer dichter, sodass die Halborks zurückwichen. Schließlich nahm der Rauch eine Gestalt an, verdickte sich, und verschwand. Ein Tanarukk stand dort, wo der Rauch verschwunden war.
„Endlich frei.“ sagte der Tanarukk und zeigte den Halborks sein böses, dämonisches Grinsen, „Verneigt euch vor mir, dem großen Loded, und ich werde euch vielleicht verschonen.“
Die Halborks wichen zurück. Einen Halbork konnte man nicht leicht einschüchtern, doch vor einem Tanarukk hatten sie offenbar Angst. Als die Dorfbewohner ihn sahen, wichen sie zurück, und rannten schreiend los.
Der Tanarukk ähnelte auf dem ersten Blick einen Ork, doch er war ein gutes Stück größer und massiger, und sah auch viel wilder und gefährlicher aus. Er war definitiv stärker als ein Ork, und, wie Ragin wusste, auch deutlich klüger.
Die Abenteurer stiegen herunter, um sich dem Tanarukk zu stellen. Als die Halborks sie sahen, machten sie ihnen bereitwillig Platz. Loded sah sie, und grinste wieder dämonisch.
„So, ihr wollt euch also nicht vor mir verneigen? Dann werde ich euch vernichten!“ sagte er.
„Du kannst es gerne versuchen.“ erwiderte Soran kampflustig.
Alle sechs Freunde stellten sich dem Tanarukk entgegen. Und dieser griff sie sofort an.
Der Tanarukk formte einen großen Feuerball und warf diesen auf die Freunde. Sofort trat Kadlin vor und ließ ihre magischen Armschienen aufleuchten. Sie erzeugten eine Barriere, welche den Feuerball abwehrte. Doch der Tanarukk formte gleich einen weiteren, welcher Kadlin voll traf. Er lachte voller bösem Triumph, als er sah, dass das Mädchen völlig unversehrt war.
„Tieflinge sind übrigens immun gegen Feuer.“ sagte sie.
In diesem Moment sprang Ragin los, in der Gestalt eines Panthers. Er stürzte sich auf den Tanarukk, doch dieser wehrte seine Krallenhiebe mühelos ab, und jene, die er nicht abwehren konnte, konnten ihn nicht sehr stark verletzen. Schließlich warf er den Werpanther mit einem heftigen Hieb zu Boden. Doch bevor er ihn erneut angreifen konnte, wurde er von einem Pfeil getroffen. Diesem Pfeil folgte ein weiterer, und dann ein dritter.
Wütend fuhr der Tanarukk herum. Jador stand nicht weit von ihm entfernt, und schoss einen Pfeil nach dem anderen ab. Doch bevor der Tanarukk den jungen Tiefling angreifen konnte stellte sich ihm Soran entgegen. Das Halbdrachenmädchen hatte ihre beiden Breitschwerter aus Elektrum, welche mit Runen versehen waren, gezogen, und hieb mit ihnen auf den Tanarukk ein.
Diese Angriffe zeigten mehr Wirkung, denn der Tanarukk wich zurück und brüllte bei jedem Treffer vor Schmerzen auf. Doch schließlich formte er einen weiteren Feuerball, und warf diesen auf seine Gegnerin. Soran wurde zu Boden geschleudert.
Inarisos und Ciara liefen auf den Tanarukk zu. Inarisos streckte seinen Zauberstab vor, welcher an jedem Ende vier Kristalle hatte und rief: „Felsenklinge.“
Der gelbe Kristall leuchtete auf, und aus dem Boden schossen mehrere Steine in klingenförmiger Form, welche auf den Tanarukk zuschossen und ihn trafen.
Ciara streckte einfach nur eine Hand aus, und schickte einen Schwall wilder Magie los. Aus ihrer Hand flog eine weiße Kugel, welche den Tanarukk traf, und ihn durchbohrte. Der Tanarukk taumelte noch einige Schritte weit, dann fiel er zu Boden und löste sich auf. Bloß noch ein Haufen seltsam gefärbter Kieselsteine lag dort, wo der Tanarukk sich befunden hatte. Offenbar war das eine Nebenwirkung von Ciaras Magie.

Die Freunde machten sich wieder auf den Weg. Die Halborks, die sie vor dem Tanarukk gerettet hatten, hatten ihnen überschwänglich gedankt. Daraufhin hatten die Freunde ihnen empfohlen, sich von den Menschen einfach nicht mehr so schlecht behandeln zu lassen, und stattdessen in ihrem Dorf die Macht zu übernehmen. Denn schließlich waren sie deutlich stärker, als die Menschen, die sie so schlecht behandelt hatten. Und kurz danach waren die Halborks auch schon in Richtung Dorf unterwegs gewesen.
„Hier wird sich so einiges ändern, oder?“ fragte Ciara.
„Ja, das wird es. Weil die Halborks endlich für sich einstehen.“ erwiderte Jador.
Und schließlich zogen auch die Freunde wieder weiter.

ENDE
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