Earl Grey, Milch, kein Zucker

OneshotHumor, Freundschaft / P6
Saguru Hakuba Shinichi Kudo
23.02.2018
23.02.2018
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Es war nicht so, dass Hakuba Saguru Kudo Shinichi nicht über den Weg traute. Er hatte rein gar nichts gegen seinen Kollegen. Da waren nur diese … Sachen! Und die schafften es, dass der Brite sich gelegentlich die Haare raufen wollte. Das war eine Sonderstelle, die ansonsten Koruba sehr eifersüchtig für sich beanspruchte.
     
Es waren diese kleinen Sachen. Die klitzekleinen Sachen die dazu führten, dass Kudo Shinichi es schaffte, innerhalb einer Woche vollständig in das Spezialteam, dass Nakamori für den Raub zusammengestellt hatte, eingeschlossen zu sein. Hakuba hatte dafür Monate gebraucht, bevor der Inspektor aufgehört hatte, ihn zu hinterfragen, hatte Monate gebraucht um die feinen Nuancen zu erkennen, die die Person ausmachten und wie man geschickt um diese herumschiffte.

Außerdem wusste er, was Hakubas Lieblingsgetränk war.

Sofort.

Ohne Vorgeschichte.

Der braunhaarige war einfach eines Tages neben ihm aufgetaucht und hatte ihm einen Becher in die Hand gedrückt bevor er in Richtung des Büros von Inspektor Megure verschwunden war.

„Danke“, hatte der Oberschulendetektiv gemurmelt, während er sich wieder in seine Notizen vertieft hatte. Es war bestimmt Kaffee, nicht seine bevorzugte Art, sein Gehirn wieder auf Trab zu bekommen, aber eine nachvollziehbare.

Kudo ging erst seit gefühlten Stunden wieder hier ein und aus und davor hatte der Blonde den anderen noch kein einziges Mal gesehen. Das er ihm Kaffee brachte grenzte schon an sich an eine seltsame Begebenheit, aber vielleicht war das Kudos Art, sich mit Gleichaltrigen zu unterhalten.

Hakuba zog die Augenbrauen hoch, als er den ersten Schluck nahm. Es war Earl Grey. Mit Milch.

Das war unmöglich! Außer Kudo hatte gefragt, was Hakuba gerne trank und selbst da war er sich nicht sicher, ob jemand hätte sagen können, wie Hakuba seinen Tee trinken wollte. Er trank Kaffee, viel Kaffee. Ungesund viel, laut seiner Haushälterin. Aber es gab wenige, die wussten, dass er am liebsten über KID’s Rätseln mit Earl Grey brütete. Eigentlich niemand.

Weil er sich den immer selbst mitbrachte. Immer. Ausnahmslos. Er mochte da etwas eigen sein, aber er war hier in Japan und er hatte lang genug in England gelebt um einen Geschmack zu entwickeln der für seine Landsleute hier, schlicht gesagt, seltsam war.

Das hatte Koruba immerhin so ausgedrückt. Etwas bunter ausgeschmückt aber in etwa waren das seine Worte gewesen. (Der Kerl hatte kein Recht sich über irgendetwas aufzuregen, sein Konsum von Kakao und anderen ungesunden Sachen war dem Rest der Welt genauso ein Rätsel!) Also hatte er sich angewöhnt ihn selbst zu kaufen, in diesem kleinen Teeladen das ihn immer ein wenig an London erinnerte, und nein, er hatte kein Heimweh. Das wäre ja lächerlich

Aber er kam vom Thema ab.

Denn während er auf seinem Stift kaute und die Tür, durch die der andere Schülerdetektiv verschwunden war nicht aus den Augen ließ, überlegte sein Gehirn krampfhaft, wie das hier ein konnte. Manche würden vielleicht behaupten, Hakuba verrannte sich hier in eine Sache oder wurde obsessiv oder noch schlimmer, er war eifersüchtig auf dieses neue Mitglied, das sich bei Nakamori einzunisten schien.

Was er nicht war! Er wusste, wie es sich anfühlte, jemanden um etwas zu beineiden oder jemandem eine Sache zu missgönnen. Er missgönnte Kudo nicht im Geringsten die Leichtigkeit, mit der er sich hier zurechtzufinden schien. Als wäre er schon tausendmal durch diese Räume gegangen und als hätte er schon tausendmal diese Leute begrüßt. (Kudo wusste ihre Namen. Er konnte sie alle. Und auch wenn er, unbestreitbar, ein ausgezeichnetes Gedächtnis haben musste, er kannte sogar Namen von denen sich Hakuba sicher war, dass sich die Personen nicht vorgestellt hatten. Das ein Großteil der Polizeischaft genauso überrascht darüber war, dass bestärkten den jungen Mann nur noch in seiner Vermutung das hier irgendetwas nicht stimmte!)

Und daran lag es auch, dass er immer noch nicht dieses vermaledeite Rätsel gelöst hatte. Er konnte sich nicht länger als eine beschämend kurze Zeit auf die Verse konzentrieren bevor sein Blick unweigerlich zu der Tür wanderte. Und das schlimmste war, dass Kudo ihm schon wieder Tee mitgebracht hatte.

Also zermarterte er sich das Gehirn, wer ihm das erzählt haben konnte.

Koruba, aber die liefen sich wahrscheinlich kaum über den Weg, außer Kudo fuhr riesige Umwege um zu seiner Schule zu kommen. Koruba vermied außerdem noch weiter Bekanntschaften mit noch mehr Detektiven, nahm Hakuba an. (Außer Kudo hatte KID getroffen? Aber wann? Und wieso hätte Koruba es ihm genau dann sagen sollen? Wieso sollte Koruba irgendetwas dergleichen tun?)

Hatte er es selbst es einmal erwähnt? Aber er hatte nie mit Kudo zusammengearbeitet. Nicht mal im entferntesten. Der andere war vor Wochen zurückgekommen, nach einem längeren Fall, wie das Gerücht herumging.

Der Brite knurrte, nicht im geringsten gereizt oder genervt oder frustriert, und schob jeglichen Gedanken an irgendwelche Personen außer KID, weit, weit weg.

(Hatte Nakamori es erwähnt? Aber wann? In welchem Zusammenhang? Wusste der Kommissar überhaupt, was Hakuba trank? Hatte seine Tochter es ihm erzählt? Aber Nakamori brachte ihm immer nur Kaffee, weil sie das meisten in großer Stückzahl bestellten. Und wieso eigentlich regte ihn diese kleine Sache mit Kudo eigentlich so dermaßen auf, dass er es nicht schaffte, zwei Zeilen zu lesen bevor seine Gedanken wieder einmal nur um dieses Thema kreisten?)

Entnervt schlug Hakuba die Akte mit einem Patscher zu und versetzte dem Sessel einen gehörigen Tritt, sodass er sich einmal im Kreis drehte. Ein paar Kollegen warfen ihm einen verwirrten Blick zu. Der Junge ignorierte sie während er sich zurücklehnte und die Hände unter dem Kinn faltete.

Was war hier los?

„Hakuba-san“, sagte Kudo hinter ihm. „Geht’s nicht voran?“ Hakuba schnaubte.

„Es ist nichts weiter“, sagte er dann ablehnend.

„Okay“, entgegnete der Andere kühl und Hakuba kam nicht darum herum ihn anzustarren. Ausführlich. Vielleicht etwas aufdringlich. Mit dem Blick, den ihm der andere  zuwarf, etwas sehr aufdringlich. Aber wo hatte er ihn schon mal gesehen?

War es sein Gehirn, dass verwirrt von der Tatsache war, dass Kudo und Koruba sich so ähnlich sahen? Nein, das war es nicht. So leicht ließen sich seine Synapsen nicht verwirren. Es war etwas anderes. Aber was?

Der andere Detektiv schnaubte leicht entnervt, bevor er sich wortlos umdrehte und in Richtung des Ausgangs ging. Hakuba spürt Reue in sich aufsteigen. Er hasste Kudo nicht! Er mochte den anderen sogar, auch wenn dieser es aus irgendeinem Grund geschafft hatte, sich mit Hattori Heiji anzufreunden, was mindestens eine leichte Beeinträchigung voraussetzte und nach sich zog. Aber wann immer er den anderen sah begann sein Kopf zu arbeiten und das war ablenkend und Hakuba hasste Ablenkungen vehement.

„Kommst du zu dem Raub?“ rief er deshalb dem anderen hinterher, nur um immerhin irgendetwas gesagt zu haben, dass nicht anmuten lies, dass er Kudo vor den nächsten Bus stoßen würde.

„Wenn ihr bis dahin rausgefunden habt, wo der ist“, kam die leicht arrogante Antwort.

„Du kannst es doch selber raus finden“, schoss der Blonde sofort zurück. Kudo drehte sich langsam um, nicht wahrnehmend dass eine ganze Reihe von Polizisten sehr beschäftigt damit waren alles mitzuverfolgen und gleichzeitig so zu tun, als wären sie tief in ihren Akten versunken. Um die Lippen des anderen legte sich ein Lächeln. Es war kein freundliches Lächeln, eher eins, mit dem an Duelle in vergangener Zeit annahm oder forderte. Hakuba war sehr zufrieden damit, dass er dieses Lächeln hervorgerufen hatte und tätschelte etwas ungeduldig den Stuhl neben sich.

Und dann brüteten sie zu zweit über der Notiz von KID. Also eigentlich brütete Kudo und auch nur vergleichsweise kurz, bevor er sich mit einem triumphierenden Lächeln zu seinem Kollegen umdrehte.

„Was ist eigentlich aus Conan geworden?“ fragte Hakuba bevor der andere zu einer äußerst ausführlichen Erläuterung der Lösung ansetzte denn, Kudo Shinichi lächelte wie Conan. Es war eine sehr unnützliche Beobachtung, die er da gemacht hatte, denn sie waren was? Cousins? Hatte der Junge nicht mal so etwas erwähnt?

Aber jetzt, wo er daran gedacht hatte, dass der Junge mit der großen Brille nicht mehr ständig zwischen seinen Beinen und anscheinend auch nicht zwischen denen von ein paar bestimmten Polizisten herumwuselte, konnte Hakuba einfach nicht mehr aufhören, die beiden zu vergleichen.

„Er ist wieder zu seinen Eltern gezogen.“, antwortete Kudo „Ins Ausland.“ Und Hakuba hätte schwören können, dass ihn der andere anlog.

Er nahm einen Schluck aus seinem Becher. Der Tee war inzwischen kalt geworden.

„Ach schade“, sagte er dann, augenscheinlich unberührt, „war ein schlaues Kerlchen. Hat auch immer bei den Ermittlungen mitgeholfen.“

„Ich denke, dass drei Detektive dann doch ein wenig zu viel für den werten Herrn Inspektor gewesen wären oder?“ Kudo grinste verschmitzt aber Hakuba kam nicht um den Gedanken herum, dass der andere auszuweichen schien. Recht geschickt, aber trotzdem auffällig.

„Mmh“, brummte er deshalb und sah seinen Kollegen auffordernd an. Dieser schien das als Signal zu sehen, lang und breit seine Gedankengänge offenzulegen. Und dies tat er auch. Sehr lang und ausführlich. Etwas überheblich vielleicht. Aber Hakuba kam nicht drum herum anerkennend eine Augenbraue hochzuziehen.

„Das hört sich ja fast an, als könntest du KID ziemlich gut lesen“, sagte er während sein Gegenüber etwas auf seinem Handy eintippte.

„Ich hab mir manchmal seine Notizen in der Zeitung angesehen“, Kudo gähnte einmal und streckte dann seine Arme über den Kopf.

3 Wochen, 5 Tage, 6 Stunden, 32 Minuten und 16 Sekunden seit er das erste Mal in diesen Raum gekommen war und er schien sich schon pudelwohl zu fühlen.

Und er hatte Hakuba Tee mitgebracht. Genau die Mischung die er mochte.

Hakuba war übrigens nicht obsessiv. Das war nur eine rein wissenschaftliche Feststellung gewesen. Es war wichtig, besonders als Detektiv, immer ein Auge auf alles zu haben. Auch auf die wirklich kleinen.

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Wird Hakuba jemals die Wahrheit herausfinden? Wer weiß. Bis dahin wird er wohl graue Haare bekommen und weiterhin schmollend seinen Tee trinken, weil er einfach nicht die Antwort findet. (Und ja, ich stelle mir gerade sehr bildlich vor, wie Hakuba Shinichi stalkt und anstarrt)
Review?
Schönen Tag euch allen noch!
LG Anemonenfisch
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