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Fingerabdrücke bleiben

von Lynnix
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
23.02.2018
25.11.2021
129
578.228
7
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
24.07.2020 5.541
 
Kapitel 45 - Orange Overalls

Zwei Monate später
Ich komme gerade von einem Kautionsbüro zurück und habe mein Geld abgeholt. Meine Schecks lagen schon seit sicher zwei Wochen in der Küche herum, die ich nun endlich eingelöst habe. Im Moment erledige ich Aufträge, die leichtes und schnelles Geld bringen und ich bin noch weit davon entfernt, das zu tun, was ich eigentlich will.
Ich liefere harmlose Leute aus, die ihren Gerichtstermin verpasst haben – was im heutigen Fall ein älterer Mann war, der ihn einfach vergessen hat und keineswegs auf Krawall aus war. Diese einfachen Aufträge verhelfen mir zu einem vollen Geldbeutel, wodurch ich nicht auf Sam angewiesen bin.
Als ich vor der Blockhütte aus dem Mustang aussteige, trete ich direkt in eine Pfütze hinein. Der Schnee ist inzwischen geschmolzen, auch wenn es immer noch ungemütlich kalt ist.
Ich schnappe mir meine Sachen und laufe in Richtung der Eingangstür.
Es ist noch früh am Nachmittag und normalerweise bin ich weitaus länger unterwegs, aber heute machte ich früher Schluss, da ich nun eine berufliche Zwangspause einlegen werde.
>Hey Kleines, ich hatte dich noch nicht erwartet. Wie lief es? < flötet mein Freund, als ich ihn in der Küche vorfinde. Er begrüßt mich mit einem Kuss.
>Reibungslos. Ich hatte irgendwie Mitleid mit dem armen Kerl und er ging bereitwillig mit mir. Eigentlich war es bloß ein Missverständnis. <
>Es wäre mir trotzdem lieber, wenn du eine schusssichere Weste unter deinen Sachen tragen würdest. < meint Sam.
>Trägst du denn eine bei deinen Aufträgen? < frage ich verschmitzt. >Nächsten Monat besorge ich mir eine, okay? <
Ich stehe in meiner Montur vor dem Küchentisch und ziehe meine Waffe heraus, um sie zu sichern und auf den Tisch zu legen. Ebenfalls meinen Teaser und die Handschellen lege ich ab. Neben Sam´s Tasse liegt ein Haufen Bargeld von mir, dessen Stapel noch größer wird, als ich die eben abgeholten Scheine dazulege.
Ich zähle sie schnell durch und seufze.
>Falls es für mich einen Antrag auf Kaution gibt, dann reicht das vorn und hinten nicht. <
>Als wenn ich deine Kaution nicht bezahlen würde. < erwidert Sam augenrollend.
>Große Mädchen wollen das lieber selbst tun. <
>Jetzt vergiss mal deinen Stolz. Wir sollten froh sein, wenn überhaupt dieser Fall eintritt und sie dich auf Kaution herauslassen. <
>Verlierst du jetzt etwa die Nerven? Nun haben wir so lange darauf gewartet, dass es losgeht und besonders jetzt sollten wir uns keine negativen Dinge einreden. Das hast du selbst vor ein paar Tagen gesagt. <
>Ich fühle mich einfach nicht wohl. Du wirst morgen eine ganze Menge durchmachen müssen und ich muss dabei zusehen. <
>Veronica hat das mit mir geübt. Ich weiß wie der Staatsanwalt mich auseinandernehmen wird. <
>Morgen wahrscheinlich noch nicht. < murmelt er.
>Was? <
>Ach … na ja Veronica und ich gehen davon aus, dass es morgen schon relativ schnell vorbei sein wird und die Gegenpartei um Vertagung bittet. Das ist häufig so. <
>Davon hat sie mir noch gar nichts gesagt. < erkläre ich verwundert und runzle die Stirn. Sam dreht sich zur Kaffeemaschine und somit von mir weg. Damit nimmt er mir die Sicht auf seine Mimik. So etwas tut er in letzter Zeit häufiger, wenn er nicht will, dass ich ihn zu genau entschlüssele.
Wir sind alle nervös, also ist es nicht notwendig, es zu verbergen. Schlimm geht es wohl auch Meg, die nicht weiß, was sie erwartet. Morgen beginnt mein Prozess und sie wird dabei sein, um auszusagen. Seit Tagen versuche ich mich besonders viel mit meinem Job abzulenken, um nicht genauer darüber nachzudenken, was alles schiefgehen könnte, aber das ist kaum möglich. Sam dreht sich wieder zu mir, hat sich etwas Nachschub in eine Tasse eingegossen und stellt mir ebenfalls mein geliebtes Heißgetränk hin. Er setzt sich an den Tisch und nimmt den Stapel Bargeld in seine Hand.
>Wie viel hast du eben dazugelegt? < will er wissen.
>Etwa 1200 $. <
>Hmm … nicht schlecht für zwei Wochen Arbeit. < grinst er.
>Du meinst dafür, dass es solche kleinlichen Aufträge sind? Was hast du an deinem gestrigen Auftrag verdient? <
>15.000 $. <
Ich rolle mit den Augen und schüttle den Kopf. Das sind kaum vorstellbare Unsummen für mich. Jedenfalls noch.
>Aber ich denke, du bist so weit, die nächste Stufe anzugehen. < wirft er ein.
>Ach ja? Welche Stufe? <
>Ich habe ein paar Dinge im Vorlauf, die noch nicht detailliert genug sind und sich bestimmt noch etwas hinziehen, aber sobald meine Insider mehr Informationen für mich haben, könnte ich mir vorstellen, deine Hilfe zu brauchen. <
Breit grinsend nicke ich. Klar will ich das machen. Schließlich interessieren mich die richtigen Fälle und die hat Sam an der Angel.
Wir sitzen noch eine Weile zusammen am Tisch und besprechen den morgigen Tag. Es gibt Dinge, an die ich mich mittlerweile gewöhnt habe. Das sind sowohl die langen Autofahrten, als auch die häufigen Übernachtungen an anderen Orten. Solange Sam jedoch bei mir ist, ist mir alles egal. Wir schaffen es oft, unsere Aufträge so zu legen, dass wir trotzdem viel zusammen sein können. Auch heute werden wir wieder eine gemeinsame lange Autofahrt auf uns nehmen und uns in einem Hotel einquartieren. Dieses Mal allerdings nicht in beruflicher, sondern in privater Angelegenheit. Das Bundesgericht, in dem mein Fall verhandelt wird, ist in Winona. Da es für Straf- und Zivilrecht in Minnesota zuständig ist, wurde mein Fall das erste Mal auch dort verhandelt, aber nach sehr kurzer Zeit geschlossen, da es keine Zeugenaussagen gab und gefälschte Beweise vorlagen. Doch dieses Mal bin ich mit dabei.
>Wann willst du los? < frage ich meinen Freund leise, der seine Hand auf meine gelegt hat.
>Eigentlich gar nicht. < murmelt er in seine Kaffeetasse hinein.
>Sam, es wird alles gut. Wir müssen Veronica vertrauen. Sie holt mich da raus. <
Das letzte Mal, als ich Sam so erlebt habe wie jetzt, war, als Madjid genau vor mir stand und er mit anhören musste, dass mir dieser Taliban zu nahe kam. Sam redet zwar nicht darüber, aber tief in ihm drin ist er hin- und hergerissen von seiner Idee.
Er will, dass ich endlich freigesprochen werde, aber andererseits hat er sehr große Angst, dass wir den Fall doch verlieren könnten und ich ihn niemals wieder sehen werde. Manchmal höre ich ihn hinter der geschlossenen Badezimmertür fluchen oder Selbstgespräche führen. Es hört sich oft an wie: „Fuck! Warum habe ich das getan?“.
Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Juristen wissen, dass ich irgendwo in Minnesota stecke und nicht vor sieben Monaten ums Leben kam. Ich bin angemeldet und stehe im Zeugenstand und gleichzeitig auf der Anklagebank. Sam kann nicht schlafen und nicht essen. Ich glaube, er hat sogar etwas an Gewicht verloren, bei all dem Stress, den er sich selbst macht. Ich bin aktuell hingegen relativ passabel im Verdrängen.
>Ich vertraue ihr ja. < seufzt er. >Glaub mir, es tut mir nur so unsagbar leid, was ich dir da morgen antun werde. <
>Es tut dir leid, dass dir etwas daran liegt, dass ich freigesprochen werde? < frage ich sarkastisch. Daraufhin rollt er mit den Augen. Irgendetwas macht ihn wirklich fertig. Dann dreht er sich nach hinten zur Uhr um.
>Hast du alles gepackt? < will er wissen.
>Meine Tasche steht seit drei Tagen fertig in der Ecke. <
>Meine auch. < murrt er. >Ich habe mir übrigens die Freiheit genommen, dir eine Massage in dem Hotel zu buchen. Vielleicht bringt dich das etwas runter. <
>Gute Idee, danke. Aber bist du sicher, dass du die nicht selbst brauchst? <
Er zieht einen Mundwinkel hoch und nickt zu dem Kaffee.
>Trinken wir den noch aus und dann fahren wir in Ruhe los. Ich würde vorschlagen, wir machen uns heute zumindest einen schönen Tag. Das ist ein 5-Sterne-Hotel und Winona ist eine schöne Stadt. <
Ich habe das Gefühl, dass Sam krampfhaft versucht, mir heute noch so viel Normalität zu geben wie möglich und den heutigen Tag eher einem Urlaub gleichen zu lassen, aber er wird überschattet sein.
>Klingt gut. < sage ich leise. Ihn zu beruhigen ist für mich im Moment wichtiger, als mit ihm darüber zu reden, wie nervös ich wirklich bin.
              Da wir uns nun auf den Weg machen wollen, gehe ich zu dem Bett im Gästezimmer, auf dem eine Tasche bereitsteht. Ich packe nur noch ein paar Kosmetika ein und bin dabei den Reißverschluss zuzuziehen, als Sam gerade hereinkommt. Wahrscheinlich will er mir das Gepäck abnehmen, doch anstatt danach zu greifen, geht er an den Nachttisch neben dem Bett und holt etwas heraus.
>Hier, pack ihn ein! < er hält mir den Kamm meiner Mutter entgegen.
>Was? Wieso? <
>Du hast mir mal erzählt wie du damals deine Haare trugst, als du auf der Party warst. Bekommst du das wieder so hin? <
>Bestimmt … aber weshalb? Ich wollte sie einfach offen tragen. <
>Bitte schminke und frisiere dich morgen so, wie du damals ausgesehen hast. Weg mit dem Nasenring und weg mit Kim. <
>Okay. <
Ich stelle keine weiteren Fragen und stecke das Schmuckstück einfach mit ein. Ich weiß, dass ich auf den Taxifahrer im Zeugenstand treffen werde. Vielleicht fällt es ihm dann leichter, mich sofort zuordnen zu können. Wobei gerade dieser Kerl absolut unhilfreich bisher war.
Sam geht nach draußen und verstaut die Sachen von uns bereits im Pick-up. Da wir von mehreren Verhandlungstagen ausgehen, habe ich für einige Zeit ein paar unterschiedliche Klamotten zusammengeworfen, die ich für einen Prozess tauglich finde. Die Hauptsache ist, dass ich nicht bis zu meinem Lebensende einen orangen Overall tragen muss.
Ich gehe raus und steige in den Wagen ein, den wir auf der Hälfte der Strecke gegen ein Mietauto tauschen werden. Mein Freund hat eine Limousine mit getönten Scheiben angeheuert, da er mit seinem privaten Wagen nicht vor einem Gericht stehen will und mich so lange wie möglich vor jeglichen Blicken abschotten möchte. Ich weiß das, weil er tagelang herumtelefonierte, um die dunkelste Scheibentönung zu bekommen, die in unserem Land noch erlaubt ist.
Mein Freund steigt neben mir ein und bevor er mich von hier fortbringt, sehe ich ein letztes Mal sehnsüchtig zu dem Lake, dem Wald und dem Haus.
>Wir kommen beide gemeinsam wieder hierher zurück. < verspricht mir Sam, der mein Gesicht mustert. Er schaut ebenso bedrückt, aber er greift zu meiner Hand, küsst sie und startet schließlich den Motor.

--

Am nächsten Morgen

In der vergangenen Nacht zerbrach ich mir mein Hirn mehr denn je und bin sämtliche Dinge in meinem Kopf immer wieder durchgegangen. Seit geraumer Zeit strich ich jeden Abend einen weiteren Tag am Kalender weg und erwartete fieberhaft das heutige Datum – den Beginn meines Prozesses. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie Sam und Veronica es hinbekommen haben, so schnell einen Termin für die Eilanhörung zu erhalten. Aber ich schätze, mit der Verzweiflung wachsen auch die Kräfte.
Ich hoffe wirklich, dass ich diesen Termin durchstehe. Meine Anwältin macht immerhin keinen Hehl daraus, dass Staatsanwälte nur ungern einen Fehler zugeben und ich diese Prozedur nicht nur einen halben Tag lang durchstehen muss. Das ist nur halb so schlimm wie das, was Sam auf der Seele liegt. Er denkt, da die Behörden bei mir Fluchtgefahr vermuten könnten, werde ich bis zum Prozessende in Haft kommen. Dieses Risiko werde ich eingehen und im Falle des Falles werde ich auch dem standhalten, wie allem anderen. Vielleicht komme ich auch auf Kaution raus. Das wird sich heute herausstellen.
Nervös stehe ich vor dem Spiegel in der Hotelsuite und sehe mich an. Zu einem Gerichtstermin, der so wichtig für mich ist, sollte ich nicht in einer Jeans und einem Sweatshirt kommen.
Ich trage daher weinrote Wildleder-Pumps, eine schwarze Röhrenhose und ein langärmliges Businessoberteil ebenfalls in weinrot mit weißem Kragen. Meine Haare habe ich so wie damals zu einem hohen Dutt gebunden und in diesem Moment stecke ich den Kamm meiner Mutter hinein. Den Nasenring nehme ich heraus und ich decke den tätowierten Schönheitsfleck neben meinem Auge mit Make-up ab.
Ich will in diesem Gerichtssaal als ich selbst auftreten und nicht als jemand anderes. So lange kämpfe ich schon dafür, wieder Nayeli sein zu können und nun besteht endlich eine reelle Chance darauf.
Meine schweißnassen Hände wische ich an meiner Hose ab und laufe im Zimmer hin und her. Der Roomservice brachte uns Frühstück und jedes Mal, wenn ich an dem Tisch vorbeigehe, löffle ich etwas von dem Joghurt weg, damit ich überhaupt etwas zu mir nehme. Eigentlich fühlt es sich so an, als würde sich mir der Magen umdrehen. Auch mein Herz rast und ich habe meine Atmung nicht unter Kontrolle.
Plötzlich geht die Zimmertür auf und ich bleibe stocksteif im Raum stehen.
Sam kommt herein und sieht ebenfalls so nervös aus, wie ich mich fühle.
>Schicker Anzug. < scherze ich. Ihn kenne ich für gewöhnlich in Boots, Jeans, Hemd und Lederjacke, aber ein Anzug steht ihm auch verdammt gut.
>Ich will nicht gleich den Eindruck erwecken, ein Killer zu sein. <
Gequält lache ich und laufe dann wieder unkontrolliert durch den Raum. Mein Freund kommt zu mir, berührt mich an der Schulter und hält mich dadurch an.
>Wie fühlst du dich? < fragt er überflüssigerweise.
>Hundeehlend. Mir ist schlecht und ich habe das Gefühl, mich gleich übergeben zu müssen. Meine Hände schwitzen und mir ist nach Heulen zumute. Ich glaube, ich habe es mir anders überlegt, ich will da nicht rein. < mit jedem Wort wurde meine Stimme höher und schneller.
>Tut mir leid Kleines. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Dein Name ist auf der Zeugenliste. Jeder im Gericht weiß, dass du nun unter den Lebenden weilst. Wenn du da nicht auftauchst, wird landesweit nach dir gefahndet. <
>Ja ist mir auch klar. < fluche ich.
>Hey, sieh mich an! < sagt er und fixiert mein Gesicht. Schwer atmend sehe ich zu ihm. >Du bist nicht für eine Sekunde alleine. Ich stehe das hier mit dir zusammen durch und glaube mir, ich habe die gleiche Angst und die gleiche Wut wie du, aber wenn ich dich dort herausbekommen habe, dann schwöre ich dir, dass du nie wieder vor etwas Angst haben musst. <
>Was ist, wenn du mich dort nie herausbekommst? <
>Daran darfst du nicht einmal denken. Du wirst auf keinen Fall ins Gefängnis gehen und falls doch, dann hole ich dich mit einer Bataillon dort heraus und wir hauen nach Panama ab. Dann haben wir es wenigstens versucht. Ich liebe dich Kleines und ich werde dich nie wieder gehen lassen. <
Ich verziehe mein Gesicht zu einem Lächeln und mein viel zu schneller Herzschlag stolpert und wirkt allmählich nicht mehr so bedrückend.
>Ich liebe dich auch. < hauche ich.

            Die Fahrzeit beträgt etwa zehn Minuten und ich musste auf Sam´s Drängen hin auf dem Rücksitz des gemieteten 5er BMWs Platz nehmen. Als wir durch die offenen Tore vordringen, kommt mir dieses Bezirksgericht so vor, als wenn ich in ein feindliches Gebiet hineinfahren würde. Ich sehe ein großes Gebäude, zu dem viele Stufen führen. Daneben weht die amerikanische Flagge und die Statur der blinden Justitia steht auf einem Sockel.
Doch dann fährt Sam weiter vor und wir beide keuchen zeitgleich auf, als sich ein Bild vor uns aufklärt.
>Was ist hier los? < hechele ich.
>Das kann nicht wahr sein. Es gibt eine Nachrichtensperre. Was machen diese Hyänen hier? Fuck! <
Vor den steinernen Stufen des Gerichtsgebäudes befinden sich mehrere Polizisten nebeneinander, die einige Meter auseinanderstehen und ihre Arme hinter dem Rücken verschränkt haben. Weiter vor ihnen steht eine Absperrung, vor der zwei Transporter gehalten haben. Drum herum sind einige Leute mit Kameras und Mikrofonen verstreut. Ich lese auf einem der Transporter „12 News“ und auf einem anderen „Fox News“. Die Presse riecht bereits eine Story, worauf Sam sichtlich genervt ist und den Wagen abstellt.
>Du bleibst hier! Ich gehe erstmal rein und versuche die hier wegzubekommen, falls sie deinetwegen gekommen sind. <
Ich nicke nur und schlucke schwer. Er steigt aus und lässt die Tür zuknallen. Als die Reporter merken, dass jemand in das Gebäude will, stürzen sie sich auf ihn und wollen wahrscheinlich wissen, was er hier tut. Er drängt sich jedoch nichtssagend an ihnen vorbei und läuft zu einem der Polizisten, der ihn in das Gebäude lässt, während die Presse nicht hineinkommt.
Wie er es bereits sagte, gibt es eigentlich eine Nachrichtensperre, die seit über einem halben Jahr zu meinem Fall besteht. Schon damals sorgte mein Freund dafür, dass es ruhig um mich wurde. Wenigstens kommen sie nicht in das Gericht hinein, denn der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

              Es fühlt sich so an, als wäre Sam schon ziemlich lange weg und ich beobachte stattdessen die anderen Menschen, die in das Gebäude gehen. Sicher gibt es mehrere Verhandlungsräume und es werden verschiedene Prozesse gleichzeitig geführt.
Ich sehe von hier aus, dass ein paar Gefangenentransporte vonstattengehen und Personen in das Gebäude hineingebracht werden, die orange Overalls tragen. Offenbar gibt es auch dort einen Fall, der in die Berufung geht. Die straffälligen Personen werden so gut es geht vor neugierigen Blicken abgeschottet, dass selbst ich nichts Genaues erkennen kann. Nervös sehe ich auf die Uhr meines Handys, denn es sollte bald losgehen.
Veronica nannte mir vor Kurzem die Namen der Bundesrichter und Richterinnen. Ich bin gespannt, wer gleich vor mir sitzen wird – ein geduldiger Zuhörer oder ein Bluthund?
>Oh Gott. < keuche ich und atme angestrengt aus. Mit den Händen fahre ich mir durch mein Gesicht und als ich sie wieder hinunternehme, sehe ich einen roten Ford Fiesta an mir vorbeifahren. Mir bleibt das Herz stehen und ich drehe mich nach hinten, um ihn weiter anschauen zu können. Er parkt nur wenige Meter weiter und es steigt eine schwarzhaarige Inderin aus.
>Meg. <
Ich höre mein Wispern selbst kaum. Am liebsten würde ich aussteigen und zu ihr rennen, aber ich unterdrücke das starke Bedürfnis und muss stattdessen mit ansehen, wie sie ebenfalls von den Reportern belagert wird. Die umstehenden Polizisten sorgen allerdings dafür, dass sie ohne Bedrängnis hineinkommt.

              Ich sitze auch nach weiteren zehn Minuten immer noch in diesem Auto und bin vollkommen nervös. Die Scheiben sind zwar getönt und niemand kann mich wahrnehmen, aber dafür kann ich weiterhin die Reporter vor dem Gericht stehen sehen. Inzwischen wirken sie gelangweilt, da nun schon seit ein paar Minuten kein Mensch mehr vorbeikam. Ich schätze, sobald ein Anwalt oder Richter herauskommen würde, würden sich diese Personen mit aller Macht auf die Juristen stürzen.
Wieso braucht Sam so lange und warum sind die Leute vom Sender immer noch hier?
Plötzlich ist etwas Bewegung in der Menge und das Gerangel geht plötzlich los. Die Reporter, die frei umherstanden, rennen jetzt alle mit ihren Mikrofonen, Fotoapparaten und Videokameras nach vorn zu der hüfthohen Absperrung. Eine Handvoll Polizisten kommt aus dem Gebäude heraus und läuft die Treppenstufen hinunter.
Sie stellen sich der Meute in den Weg und sorgen für einen kleinen Durchgang bis zum Bordstein. Oh Gott, war’s das jetzt? Ist die Entscheidung gefallen ohne meine Aussage?
Plötzlich kommen sie noch näher in meine Richtung und ich werde panisch. Dann geht auch noch die Zentralverriegelung des BMWs auf. Scheiße, die dürfen doch hier nicht einfach rein, oder? Doch dann sehe ich Sam in der Menge. Er kommt um den Wagen herumgelaufen, öffnet die Tür und steigt eilig hinten ein, um sich neben mich zu setzen.
>Sam? < keuche ich verwirrt. >Wieso kommst du mit einem ganzen Regiment an? Das hat mir einen Herzinfarkt beschert. <
>Wir bekommen die Journalisten hier nicht weg. Die Nachrichtensperre ist vom letzten Jahr und demnach muss erst eine Neue aufgesetzt werden – diese scheiß Gesetze. Ich hatte gerades ein kurzes Vieraugengespräch mit dem Richter und sagte ihm, dass du hier seist. Unter der Voraussetzung, dass ich dich mit Verstärkung hole und dich von der Presse fernhalten darf, kommst du freiwillig ohne Gegenwehr in seinen Saal. Die Zeugen sitzen alle schon im Zeugenbetreuungszimmer, damit sie während des Prozesses nicht manipuliert werden können, aber ich darf sofort mit in den Gerichtssaal hinein, da wir sowieso zusammen leben. Ich bin also fast die ganze Zeit bei dir, okay? <
Mit einem Kloß im Hals sehe ich mich zu der Menge um, dessen Aufmerksamkeit wir nun ungewollt auf uns gezogen haben. Immerhin schirmen einige Polizisten den direkten Weg zum Fahrzeug ab und Sam, der gerade noch aus dem Bezirksgericht lief, verschwand eben in einem verdunkelten Wagen. Das sorgt natürlich sofort für Fragen.
Mein Freund nimmt sich meine unruhige Hand und sagt motivierend:
>Lass sie uns fertig machen. Ein für alle Mal. Du wirst alles erzählen, was die letzten Monate passiert ist. Wir machen das jetzt zusammen als Team okay? Du wirst mich so weit belasten, wie du es musst und du wirst dir keine Sorgen deswegen machen, auch wenn es prekär ist, was du vielleicht sagen musst. <
>Sam nein, das Thema hatten wir schon unzählige Male. Ich würde dich auf so vielen Ebenen verraten. <
Daraufhin lächelt er milde.
>Weißt du eigentlich, dass es so unglaublich wenige Menschen in meinem Leben gab, die das überhaupt interessierte, ob ich verraten wurde? <
>Umso schlimmer. < hauche ich.
Er küsst mich, um mich am Weiterreden zu hindern. Für einen kurzen Augenblick vergesse ich, wo ich gerade bin, aber dann löst er sich seufzend.
>Du wirst diesen Gerichtssaal als Nayeli Misra und als freie Frau verlassen. <
Einer der Uniformierten klopft gegen die Scheibe, weil wir so lange zum Aussteigen brauchen. Daraufhin öffnet Sam sein Sakko und zieht eine Sonnenbrille heraus und stülpt sie mir über die Augen. Aus dem Gepäcknetz des Vordersitzes nimmt er ein Basecap hervor und setzt es mir notdürftig auf den Kopf, um mir dann auch die Kapuze meiner Jacke überzuziehen. Er öffnet die Wagentür und obwohl sie nur einen Spalt aufgeht, haben wir die komplette Aufmerksamkeit der Presse sofort auf uns gerichtet. Ein Polizist kommt näher zur Tür, während die anderen die Presse in Zaum halten. Dieses Auto hat für sie etwas Spannendes zu bedeuten und ich sehe bereits wie die Meute telefoniert, die Tonbänder herausholt und die Mikrofone bereitmacht.
Sam geht zuerst raus, kommt dann zu meiner Tür und zieht mich dann am Oberarm heraus. Er und der andere Polizist neben dem Auto versuchen mich abzuschirmen, aber ich höre bereits die Klickgeräusche und die Fragen, die uns die Reporter zuwerfen. Von dem Blitzlicht ganz zu schweigen. Automatisch senke ich meinen Kopf etwas.
Plötzlich kommt von vorn ein starker Windzug und fegt mir die Kapuze vom Kopf, sowie das Basecap. Reflexartig drehe ich mich nach hinten um, um die Kappe noch zu fangen, aber da starre ich auch schon direkt in die Kameras.
Sam reagiert blitzartig, dreht mich in seinem Arm und zieht mir die Kapuze wieder hoch. Ich kann die Reporter Dinge wie: „Das muss sie sein.“ und „Ja, das ist sie wirklich.“ rufen hören und sofort drehen sie ihre Live-Berichte. Einer von ihnen ist so dreist und springt über die hüfthohe Absperrung, aber einer der Polizisten ist nicht gerade zimperlich mit ihm und wirft ihn zu Boden.
Sam und der Uniformierte an meiner anderen Seite bringen mich irgendwie heil in das Gebäude und die Türen schließen sich hinter uns. Mein Freund nimmt mir wieder die Brille ab und ich streife die Kapuze runter. Erst dann spricht mich auch der Polizist an, der mich bis hierhin begleitete.
Er zückt Handschellen und stellt sich vor mich. Er ist so groß, dass ich meinen Kopf in den Nacken legen muss.
>Nayeli Misra? < fragt er.
Ich sehe erst unsicher zu Sam, der vorsichtig nickt und schließlich sage ich:
>Die bin ich. <
Dann nimmt er mein Handgelenk und ich ziehe es automatisch weg. Aber er greift noch fester.
>Schon gut Kleines. < besänftigt mich Sam. >Es muss leider sein. <
Dann werden mir Handschellen angelegt und er schiebt mich vorwärts.
>Sam! < rufe ich und sehe nach hinten. Er steht mit heruntergezogenen Mundwinkeln und Sorgenfalten auf der Stirn da und folgt mir nicht. Ich werde weggebracht und habe keine Ahnung wohin. Mein Freund darf mir ganz offensichtlich nicht hinterherlaufen und verzweifelt drehe ich mich immer wieder zu ihm um, ehe er völlig aus meinem Blickwinkel verschwindet.
Aber fürs Erste kommt es nicht so schlimm, wie ich es befürchtet habe.
Ich werde zu einer Empfangsdame gebracht, bei der ich meine Jacke und mein Handy abgeben soll und ich muss ein paar Sicherheitsmaßnahmen über mich ergehen lassen. Selbst das Abtasten und der Metalldetektor bleiben mir nicht erspart, aber zum Glück darf ich den Kamm in meinen Haaren mit hineinnehmen. Immerhin könnte er mit seinen Zacken schnell als Waffe angesehen werden. Danach werden  mir wieder Handschellen angelegt, als wäre ich eine Schwerverbrecherin und der Cop bringt mich bis vor den Verhandlungsraum. Er drückt mich auf eine Bank neben der Tür des Saals.
Die meisten der Polizisten verschwinden hinter einer der anderen Türen. Nur der, der mich von draußen in das Gebäude hineinbegleitete, bleibt bei mir.
>Die Geschworenen haben alle Platz genommen. Ihre Anwältin wird gleich bei Ihnen sein und dann geht es los. < erklärt er mir knapp.
>Wissen Sie wo der Mann ist, der mich eben noch begleitete? <
>Ja, er ist schon drin. Sie sind die Letzte. <
Ich nicke dankend und atme noch einmal zittrig aus.
Es können nur wenige Minuten vergangen sein, aber sie kommen mir ewig vor, bis ich endlich Schritte höre. Jemand öffnet die Tür vom Gerichtssaal und ich sehe Veronica Ambers. Sie schließt die Tür und setzt einen sanften Blick auf.
>Hallo Miss Misra. Ich kann mir vorstellen, wie Sie sich jetzt fühlen, aber atmen Sie tief durch und haben Sie keine Angst. Die da drin, sind diejenigen, die Angst vor Ihnen haben werden, denn noch rechnen sie nicht mit unserer Offensive. <
>Wer wird Angst vor mir haben? < frage ich verwirrt. Sie antwortet nicht und ich schlucke schwer, als mich der Polizist am Arm hochzieht.
>Es geht los – Sie werden aufgerufen. < verkündet er und plötzlich schlägt mir mein Herz wieder bis hoch zur Kehle. Meine Anwältin legt mir beruhigend eine Hand auf die Schulter und sagt eindringlich:
>Sie sind unschuldig. Ich will, dass Sie auch genau das ausstrahlen, wenn Sie diesen Gang entlanglaufen. <
Veronica verlangt etwas, was mich nur noch mehr verwirrt. Allerdings geht mir gerade viel zu viel durch den Kopf, als danach zu fragen, was sie meint.
>Okay. < wispere ich, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie ich das ausstrahlen soll.
Die Türen des Gerichtssaals gehen auf und der Polizist schiebt mich vorwärts. Ich setze einen Fuß vor den anderen und hebe meinen Kopf.
Als ich hineinkomme, erkenne ich, dass ganz vorn eindeutig der Richter und daneben der Protokollschreiber sitzen. Ebenfalls kann ich die zwölf Geschworenen ausmachen und ich weiß, dass die Prozessparteien immer links und rechts vor den Juristen sitzen.
Und dann sehe ich mich weiter mit einem flüchtigen Blick um. Ich erblicke Sam in einer Sitzreihe, in der später noch alle anderen aufgerufenen Zeugen Platz nehmen werden. Jedoch gefriert mir mein Blut plötzlich zu Eis, als ich noch andere Personen wiedererkenne und gleichzeitig wird mir unendlich heiß, dass ich vor Schock mitten im Gang stehenbleibe. Im Augenblick bin ich nicht fähig weiterzulaufen, aber der Polizist zwingt mich dazu.
Ich weiß nicht, wer erschütterter aussieht – Ich, oder die drei Mörder meiner Familie mit ihrem Boss. Alle tragen einen orangen Overall und sitzen auf einer weiteren Bank in der letzten Reihe neben der Tür. Ohne Zweifel erkennen sie mich ebenso, wie ich sie. Die vier Männer werden von fünf Polizisten und offenbar ihren Anwälten umringt. Es ist nicht möglich, dass sie hier sind. Sam und seine Leute haben doch jedes Mitglied umgelegt. Zumindest glaubte ich das bis jetzt.
Während Mischa De Angelis, Phillipe Dimech und Raphael McCurdy das Entsetzen ins Gesicht steht, blickt mich Madjid an, als wolle er mich sofort umbringen.
Mein Blick geht zu seiner Hand, die ich vor knapp 11 Wochen mit einem Messer durchbohrt habe. Man erkennt die rosige Verletzung, die sich immer noch im Heilungsprozess befindet.
Ich werde zu einem Tisch geführt, an dem meine Handschellen gelöst werden. Der Polizist verschwindet und meine Anwältin nimmt neben mir Platz.
Was ich eben sah, muss ich einfach geträumt haben, also sehe ich mich noch einmal nach hinten zur Tür um.
Die erste Reihe hinter mir ist leer, denn dort sitzt normalerweise die Presse.
In der Reihe dahinter sitzen später alle aufgerufenen Zeugen und in der letzten Reihe sitzen immer noch diese Männer, die ganz eindeutig nicht damit gerechnet haben, dass ich hier auftauchen würde.
Ich wurde sicher angekündigt, aber ihrem Blick nach zu urteilen, hielten sie das Ganze für einen Scherz.
Meine Panik verfliegt urplötzlich, auch wenn mir das Herz gleich herausspringt. Ich bin entschlossen, sie hier vorzuführen und endlich Gehör zu finden.
>Miss Misra. < sagt der Richter. Mein Blick wendet sich zwangsweise von meinen Peinigern ab und ich schaue nach vorn. Ich lese das Schild vor ihm: John T. Houston. Oh je, vor mir sitzt auch noch der Chefrichter von Winona. >Bitte setzen Sie sich! <
Mir war gar nicht klar, dass ich immer noch stand. Langsam und erneut mit dem starren Blick zu diesen Männern setze ich mich. Ich bete, dass das hier gut ausgeht.
Die Verhandlung beginnt damit, dass der Chefrichter ein Aktenzeichen nennt. Er erklärt, dass es sich hierbei um einen Berufungsfall handle und gibt dann das Wort an die Staatsanwaltschaft. Diese sitzt rechts vom Gang auf Höhe von meiner Anwältin und mir. Die Staatsanwältin Holly Preston verliest die Anklageschrift und macht sehr deutlich, dass es nicht den geringsten Zweifel in dieser Sache gibt. Schon damals waren die Beweise eindeutig, aber durch meine Anwesenheit ist nun noch zusätzlich klar, dass ich untertauchte, um meinem Urteil zu entkommen. Ich sehe die Staatsanwältin an und ich erkenne, wie eiskalt sie ist und wie sie mich am liebsten sofort in eine Zelle stecken möchte. Wenn ich meinen Kopf nur leicht über die Schulter drehe, habe ich Sam dennoch gut im Blick. Er beißt sich auf die Lippe und ist genauso wütend wie ich.
Nun geht das Wort an meine Verteidigung. Veronica steht auf und stellt sich vor das Richterpult.
Für ihr Eröffnungsplädoyer sind ihr dreißig Minuten gewährt worden und sie beginnt ohne Umschweife damit, dass ich auf furchtbare Weise von diesem Rechtsstaat behandelt wurde. Ich bin in diesem Fall das Opfer und genau so stellt sie es auch dar.
>Hohes Gericht, ich werde nicht nur beweisen, dass meine Mandantin unschuldig ist, ich werde Ihnen die wahren Täten präsentieren, die heute bei uns sind und die Miss Misra wissentlich einen Mord angehängt haben. Mischa De Angelis, Phillipe Dimech, Madjid Haaleh und Raphael McCurdy sind derzeit in Untersuchungshaft wegen diverser Straftaten und für den heutigen Fall eigentlich als Zeugen geladen. Sie gehören jedoch auf die Anklagebank und verdienen das höchste Strafmaß. < sagt sie kraftvoll.
Plötzlich geht das Gemurmel durch den Saal und die Geschworenen beginnen zu flüstern oder stoßen erschrockene Töne aus. Die Männer, die nun von Veronica beschuldigt wurden, zischen ebenfalls etwas und unterhalten sich mit ihren Anwälten. Diese Männer waren also die ganze Zeit in der U-Haft. Es ist ihr gutes Recht, einen Verteidiger mitzubringen, auch wenn ihr heutiges Erscheinen ganz offenbar nur für eine Zeugenaussage getarnt war. Chapeau an Sam und Veronica, dass ihnen so etwas gelungen ist.
>Ruhe! < ruft John T. Houston – der Richter, damit das Gemurmel wieder verstummt. Die Staatsanwältin wendet sich an meine Verteidigung.
>Sie suchen also einen geeigneten Sündenbock, damit ihre Mandantin frei kommt, Miss Ambers? Verteidigen Sie nicht für gewöhnlich Leute im Todestrakt? <
>Nein, ich suche keine Schuldigen, sondern ich habe sie gefunden. Und wir können es beweisen. Den Rest meiner verbleibenden Zeit möchte ich gern für die Erwiderung nutzen. Das Wort sollte nun an meine Mandantin gehen, Euer Ehren. <
Ich sehe in viele fragende Gesichter aus der Jury. Das kann ich ihnen nicht verübeln, denn in nur wenigen Minuten tauchte plötzlich eine vermeintlich tote Mörderin im Gericht auf und nun gibt es eine weitere Anklage gegen vier offensichtlich bestellte Zeugen, die alle die Farbe Orange tragen.
Der Richter wendet sich an mich und will, dass ich vortrete. Ich muss vorn neben ihm auf dem Zeugenstuhl Platz nehmen und in ein kleines Mikrofon sprechen.
Zuerst muss ich meinen Eid ablegen, vor Gericht die Wahrheit zu sagen und dann beginnt er mit einigen persönlichen Fragen über meinen Namen, mein Alter und meine Herkunft. Immerhin galt ich monatelang als tot. Als John Houston von mir wissen will, was in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli passiert ist, sehe ich einen kurzen Moment zu Sam. Er nickt vorsichtig und auch meine Anwältin bedeutet mir, endlich loszulassen und diesen Ballast loszuwerden. Ich schließe für einen Moment meine Augen und gehe erneut durch diese Tortur.
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