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Obstacles

OneshotHumor / P12 / Gen
Midorima Shintarō
22.02.2018
22.02.2018
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Obstacles



„Guten Morgen Tokio, an diesem strahlenden Samstag ist uns nicht nur das Wetter gewogen, nein, auch die Sterne stehen heute in fast allen Fällen günstig! Verrate uns doch bitte die heutigen Horoskope, Megumi! Wir sind schon ganz gespannt!“

„Natürlich, Taro! Also: Für Jungfrauen ist heute ein guter Tag, um endlich einmal lange vorgenommene Dinge zu erledigen. Packen Sie die Gelegenheit am Schopfe, gönnen Sie sich keine Rast und Sie werden zufrieden sein. Ihr Glücksbringer ist ein violetter Seestern.“

Shintarō Midorima hätte bei diesen Worten beinahe gelächelt, doch er beließ es dabei, dass sein linker Mundwinkel leicht nach oben zuckte und er seine Brille wieder zurück auf ihre Soll-Position schob, während die munteren Stimmen von Taro und Megumi durch die Kopfhörer seines Mobiltelefons in sein Ohr drangen.

„Waage: Sie wollen von alten Gewohnheiten abkehren? Versuchen Sie es, indem Sie sich neu entdecken – Skorpione sind Ihnen dabei eine tatkräftige Unterstützung. Ihr Glücksbringer ist ein Umaibo.“

Der Basketballer stand vor seiner Sammlung und wartete geduldig auf seine Vorhersage, um im äußersten Notfall seinen Tagesplan abzuändern. Nicht, dass dieser flexibel wäre, Shintarōs mentale To-do-Liste ließ keinerlei Raum für Spielereien oder Kinkerlitzchen. Nach Oha Asas Vorhersage würde er laufen gehen, dann duschen, den Bus nehmen und punkt zehn Uhr an der Sporthalle sein, um bis sechzehn Uhr zu trainieren, während er sich sowohl um zwölf als auch um vierzehn Uhr eine fünfminütige Pause erlauben würde, um sich eine kalte rote Bohnensuppe zu ziehen. Im Anschluss würde er einkaufen gehen, sich die wöchentliche Ausgabe seines Sportmagazins holen, es lesen und den Rest des Abends damit verbringen, DVDs vergangener Spiele zu analysieren.

Ja, er hatte aus der Vergangenheit gelernt. Fehler zu machen, gehörte wohl oder übel dazu, aber einen Fehler zweimal begehen, war schlicht und ergreifend Dummheit.

„Zwillinge:Sie sehen heute prächtig aus! Nutzen Sie Ihre Tagesform, um alte Bekanntschaften wieder aufleben zu lassen. Ihr Glücksbringer ist eine Klingel oder Glocke jeglicher Art.“

Shintarō betrachtete seine Sammlung. In den letzten Wochen hatte er begonnen, sich größere Versionen bereits vorhandener Glücksbringer zu beschaffen. Einmal hatte er sogar Takao zu Kise geschickt, um diesen einen alten Basketball aus den Rippen zu leiern. Kein gewöhnlicher Basketball, dieses Exemplar war aus ihrem letzten Spiel als „Team“ der Teikō gewesen und Kise hatte ihn damals in seiner Sporttasche aus der Halle geschmuggelt. Takao war den ganzen Tag fort, vermutlich hatte Ryōta ihn einfach bewusstlos gequatscht, weil er immer etwas fand, worüber er reden konnte – vor allem wenn es um seinen Lieblingssport ging. Das sah dem Modell zumindest nach Midorimas Ansicht ähnlich.

„Krebse.“ [/

Er horchte auf.

„Für Sie stehen die Sterne heute denkbar ungünstig. Bleiben Sie in Ihrer Routine und meiden Sie auftretende Hindernisse. Besonders Stiere haben heute keinen guten Einfluss auf Sie. Ihr Glücksbringer ist einen Chrysanthemen-Pin.“

Gezielt griff er nach dem kleinen Objekt, welches sich direkt auf Augenhöhe befand. Die Chrysantheme war das Symbol des kaiserlichen Thrones, des Chrysanthementhrons. Vor einigen Jahren hatte es diese Anstecker als Sonderedition gegeben – ein Andenken an den Geburtstag des Kaisers Akihito. Gut, dass er damals einen erstanden hatte, er sollte ihn heute sicher durch den Tag geleiten.

[„Wassermänner: Sie bekommen heute etwas zurück, dass Sie verloren geglaubt haben! Es wird ein guter Tag für Sie. Besonders Ihr Einfluss auf Löwen ist heute großartig,merteilen Sie wertvolle Ratschläge. Ihr Glücksbringer ist eine Bentobox.“

Midorima schaltete das Radio aus und ließ sein Telefon in die Jackentasche gleiten, nachdem er den Pin an seinem Kragen befestigt und das letzte Horoskop gehört hatte. Vorsorglich kontrollierte er sein Aussehen im Spiegel, stellte fest, dass alles an Ort und Stelle war, betrachtete aus Gewohnheit noch einmal Fingernägel sowie Tape und seufzte, als er seine Finger auf die Klinke legte.

Bleiben Sie in Ihrer Routine... Gut, dass er so eine akkurate Planung und Selbstdisziplin hatte. Er würde sich daran halten, dann würde sich alles schon regeln und nichts Unvorhergesehenes würde passieren. Der morgige Tag stand hoffentlich unter einer besseren Sternenkonstellation.

Mit entschlossenem Griff öffnete er die Haustür, trat an die frische, noch kühle Morgenluft des langsam erwachenden Tokios …

… und stolperte beinahe, als er reflexartig dem sich ihm in den Weg springenden Hindernis auswich.


Leicht verärgert rückte der Shooting Guard der Shūtoku seine Brille erneut zurecht und inspizierte den Übeltäter, der ihn beinahe so leichtfertig zu Fall gebracht hätte.

„Aru…Wuff!“, erwiderte Tetsuya #2, wedelte mit dem Schwanz und starte den Grünhaarigen aus seinen großen, kugelrunden Augen mit einer unübersehbaren Erwartungshaltung an.

„…was zum?“ Auch Shintarōs Augen weiteten sich für einen kurzen Augenblick der Ungläubigkeit, als er den Fellball im Seirintrikot musterte.

und meiden Sie auftretende Hindernisse.

„Husch, verschwinde dorthin zurück, wo du hergekommen bist.“ Mit einer wedelnden Handbewegung und deutlicher Enervierung versuchte der treffsichere Schüler den entlaufenden Vierbeiner zu verscheuchen - mit wenig Erfolg, der Hund bedachte ihn weiterhin mit heraushängender Zunge und ließ sich zu allem Überfluss auch noch mit dem Hinterteil nieder.

Das konnte nur ein schlechter Scherz von Kuroko sein.

Wahrscheinlich tauchte dieser gleich neben ihm auf, wenn er dort nicht bereits seit einigen Sekunden stand, und würde ihn wegen irgendeiner Nichtigkeit belästigen. Tetsuya war zwar kein Kise, der wirklich penetrant werden konnte, aber allein die Anwesenheit des Flohtaxis zu seinen Füßen ließ darauf schließen, dass Aomines ausgedienter Schatten in der Nähe sein musste.

Und darauf würde er sich nicht einlassen. Nicht heute. Vor allem nicht heute. Also beschloss Shintarō – mit unterdrücktem Zähneknirschen – einfach wieder zurück ins Haus zu gehen und zu warten, bis sich das Problem von selbst löste, denn würde er jetzt auf die Straße treten, würde Tetsuya ihn garantiert mit irgendetwas Unwichtigem behelligen.

So verschob er – entgegen seiner persönlichen Haltung, aber für sein Tagesgesamtwohl – seinen Plan um eine halbe Stunde nach hinten, nutzte aber das sich nun ergebende Zeitfenster, um bereits die erste DVD ins Abspielgerät zu legen und den Rest chronologisch zu stapeln. Darauf folgend arrangierte er einige Glücksbringer um und suchte sich eine neue Abfahrtszeit für den Bus heraus, den er nach dem Duschen schließlich nehmen würde. Um die halbe Stunde wieder gut zu machen, beschloss der Brillenträger seinen Einkauf auf wenige Artikel zu reduzieren und das Gewinnspiel in seiner Sportzeitschrift erst morgen auszufüllen und abzuschicken.

Nach dreißig Minuten trat er schließlich einmal mehr vor die Haustür, um festzustellen, dass der Hund sich keinen Meter bewegt hatte, noch immer auf dem Fußabtreter saß und ihn, Midorima Shintarō, weiterhin mit seinen widerlich süßen, himmelblauen Kulleräuglein bedachte.

Verdammt, dieses pelzige Etwas sah Tetsuya mit jeder Sekunde ähnlicher als ihm lieb war. Als wäre ein Exemplar nicht bereits genügend.

Im Stillen bereute er, den Köter an jenem Abend der Vorspiele des Winter Cups nicht einfach zum Basketball umfunktioniert zu haben, nachdem dieser ihm so dreist in die Rikscha uriniert hatte.  Warum hatte er gewartet bis Ryōta – der auch schon wieder aus irgendeiner Ecke mit Momoi im Schlepptau angeschlichen gekommen sein muss – und das Team der Serin sich zu ihm gesellt hatten? Es reichte aus zu wissen, dass Takao die Rikscha schon drei ganze Male geschrubbt und desinfiziert hatte, und er sich noch immer nicht hereinsetzen wollte, weil seine Nase noch des Hundes Sekrete rochen. Seitdem fuhr er Bus.

„…Wuff?“, wies Tetsuya#2 wieder auf seine unerwünschte Anwesenheit hin, sodass eine Ader auf Midorimas Stirn aufploppte.

„Was willst du? Verschwinde, sonst binde ich dich zu einem Ball zusammen und trainiere mit dir!“

Als würde das kleine Maskottchen wissen, dass der Leistungssportler ihm niemals ein Haar krümmen würde, erwiderte er dessen Worte mit enthusiastischem Hecheln.

Langsam wurde Shintarō ungeduldig. Dank Kuroko und dessen Fellknäuel schob sich seine Planung immer mehr nach hinten hinaus. Aber offenbar hatte der Blauhaarige mehr Geduld als zunächst angenommen.

„Kuroko-kun“, gab der Athlet schließlich nach, doch eine Reaktion oder das plötzliche Auftauchen des zierlichen Basketballers blieben aus.

„Kuroko-kun, ich wiederhole mich ungern. Du siehst, dass ich in Eile bin“, mahnte er nun mit deutlich unfreundlicherer Tonlage. Alles, was jedoch geschah, war ein interessiertes Schnuppern Tetsuya #2s an seinen Schuhen.

Angewidert trat der Grünhaarige einen Schritt zurück und schürzte beleidigt die Lippen. Was für ein Spielchen wurde hier gespielt? Das passte ihm gar nicht, und noch weniger an Tagen wie diesem.

Wie von Oha Asa vorgeschlagen, entschied er sein Hindernis im wahrsten Sinne des Wortes zu umgehen, trat an dem kleinen Hund vorbei auf den Gehweg und begann seinen Morgenlauf. Er hatte Kuroko die Möglichkeit gegeben herauszukommen, doch auch seine Güte hatte ihre Grenzen und sein Terminplan drängte ihn.

„Aru“, bellte es unvermittelt neben dem Grünhaarigen, als er sich nach wenigen Metern bereits in trügerischer Sicherheit wog.

„Was zum…?“, wiederholte er einmal mehr ungläubig, als er sich umdrehte und den schwarz-weißen Trikoträger dort laufen sah. In der Hoffnung, den Vierbeiner abzuschütteln, beschleunigte Midorima sein Tempo merklich, doch sein pelziger Verfolger blieb ihm mit sichtlicher Freude auf den Fersen.

Wie sollte er, Midorima Shintarō, ein Hindernis umgehen, wenn es ihn schlimmer an ihm klebte als Momoi an Tetsuya?

Der Schüler entschied sich, den Hund einfach zu ignorieren, sowie er es mit allem tat, was ihn nervte. Und wenn dieser Streich tatsächlich von Kuroko kommen würde, dann würde er diesem die Genugtuung nicht geben.

So richtete der Brillenträger seine Blicke wieder nach vorn, zog seine Ohrenstöpsel aus der Jackentasche, schaltete auf den gewohnten Radiosender und lief – als wäre zuvor nichts passiert – seine Runde durch den Stadtteil, den Fluss entlang, über die Brücke und wieder zurück. Die keuchende Tetsuya-Miniatur blendete er einfach aus. Er hatte sich die Suppe nicht eingelöffelt …

Zurück vor seiner Haustür stand dem Sportler der Schweiß sichtlich auf der Stirn. Er war so schnell gelaufen, dass er ganze zehn Minuten wieder gutgemacht hatte, die allerdings in Anbetracht des Busfahrplans keine nennenswerte Errungenschaft darstellten. Tetsuya #2 war hörbar aus der Puste und legte sich mit heraushängender Zunge und schnellem Hecheln auf dem kühlen Beton der Eingangsstufe nieder. Die großen Augen ließen dabei keine Sekunde von Shintarō ab.

Wie auch das kleine Flohtaxi verspürte der Basketballer Durst, sodass er instinktiv nach der Wasserflasche griff, die sich in seiner handlichen grünen Umhängetasche befand – ebenfalls ein Glücksbringer, vor allem in Prüfungszeiten. Das Wasser war eine Wohltat für seinen Körper, auch wenn er stets nur die Hälfte trank, sonst wurde ihm nur übel. Mit dem Rest goss er für gewöhnlich die Hecke. Das war sein Beitrag zum Umweltschutz, zu dem das Oha Asa dann und wann wieder aufrief.

Während er trank, spürte er die Blicke des Hundes, ignorierte aber das Betteln und Keuchen neben sich.

„Aru?“, hechelte #2.

Beinahe hätte er sich verschluckt. Das wäre es nun auch noch gewesen, wenn er halb erstickt wäre wegen eines offenbar entlaufenden Tieres!

Mit merklich erzürnten Blicken stierte Midorima Shintarō auf das durstige Maskottchen hinab.  Ganz gewiss würde er dem Hund nichts abgeben! Warum auch? Er hatte ihn weder dazu aufgefordert, vor seiner Wohnung zu campieren noch ihm zu folgen. Also schraubte er den Deckel seiner Flasche ab, marschierte zur Hecke und ging in die Knie, um seiner Gewohnheit nachzugehen.

Aruwuff?“

Tetsuya #2 legte den Kopf fragend schief, als er dem Grünhaarigen hinterherlief und dessen Tun mit noch immer heraushängender Zunge beobachtete.

Dieser Hund ist Kurokozu ähnlich. Selbst einige Wenige Meter Laufweg reichen völlig aus, um ihn komplett auszulaugen, tch. Durch die Brille hindurch bohrten sich laubgrüne Blicke voller Abweisung in die des kleinen Vierbeiners.

Warum konnte dieses Ding nicht einfach verschwinden? Und aus welchem Grund hatte er noch immer keinen Tropfen Wasser in die Hecke geschüttet? Was war das los?

„…ru?

Shintarō linkes Auge zuckte, schließlich erhob er sich tonlos, ging hinein und füllte sein restliches Wasser in eine kleine Schale, die er neben den Eingang stellte. Er war kein Unmensch, auch wenn ihm das, was er tat, widerstrebte.  Und noch während der Hund trank verschwand der Shooting Guard wieder im Inneren des Hauses, um zu duschen. Er war sicherlich keine Hundemama oder derjenige, der Tetsuya anrufen würde, damit dieser sich sein sabberndes, mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mal geimpftes und unregistriertes Etwas abholen konnte.

Wer war er denn?

*


„Oi, Tetsuya Nigō, wie bist du denn hier her gekommen?“

Als der ehemalige Teikōschüler ein letztes Mal mit den besten Absichten, den Hund zu ignorieren, hinaustrat, hatte er zwar damit gerechnet, dass dieser noch immer an Ort und Stelle lauern würde, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass neben diesem auf einmal eine Momoi Satsuki hocken würde, sodass das erste, was er neben ihren unangenehm pinken Haaren sah, ihr viel zu tiefer Ausschnitt war.

Mit einem Satz stand Shintarō wieder hinter seiner Haustür, die er in annähernder Lichtgeschwindigkeit zugeschlagen hatte und presste seinen Rücken gegen diese. Sein Gesicht war kreidebleich, und sein Herzschlag setzte aus - als hätte er soeben ein Gespenst gehen.

Was.Machte.Sie.Hier?

Bis auf sein Team wusste niemand, dass er hier wohnte. Auch Ryōta und dessen investigativer Ader hatte er seine Adresse vorenthalten können. Wie konnten Kuroko, sein Filzball und zu allem Unheil auch noch Momoi herausgefunden haben, wo er wohnte? Irgendjemand musste geredet haben. Er würde es herausfinden. Zuerst würde er Takao lynchen.

Schlimmer noch als die Tatsache, dass jemand geredet haben musste, war der Umstand, dass Momoi nun seine Anschrift kannte. Und wenn die Pinkhaarige es wusste, dann wusste es auch bald Kise. Dass Aomine hier aufschlagen würde bezweifelte er, dazu war Daiki viel zu faul. Der Rest würde sich hier auch nicht sehen lassen. Dazu wohnten sie alle zu weit weg.

„Midorin, bist du es?“

Hatte sie ihn doch gesehen? Er sollte den Stadtteil wechseln. Und den Nachnamen. Nein, er sollte das Land verlassen. Unverzüglich.

„Oi, das ist dein Klingelschild, also komm raus!“

Er hätte die Tür heute gar nicht erst öffnen dürfen, schlussfolgerte Shintarō, bewegte sich freiwillig jedoch keinen Millimeter.

„Miiiidorin!“, wiederholte Satsuki flötend.

Er wusste, dass sie vor allem eines war: persistent. Das war wohl so eine Nebenerscheinung, wenn man mit Aomine befreundet war.

Der Schüler befürchtete, dass sie ihm die Türe aus den Angeln heben würde, wenn er sich seinem Schicksal nicht stellte. Er hatte gesehen, dass sie Daiki seinen Anteil an ihrer Bentobox verweigert hatte bis dieser endlich seine Hausaufgaben machen würde. … die er dann am Ende auch nur von Akashi abgeschrieben hatte, weil ein hungriger Aomine noch schwerer zu ertragen war als ein genervter und motivationsloser Aomine.

Ja, Momoi war konsequent. Und weder er noch seine Tür waren darauf begierig, dies bewiesen zu bekommen.

Seufzend schob er seine Brille zurecht, griff nach seiner Sporttasche, sah auf die Uhr und trat hinaus.

Der Bus fuhr in drei Minuten.

„Midorin!“, stemmte die Managerin ihre Arme in die Seiten und plusterte sich auf. „Was hast du mit Nummer 2 gemacht? Und warum ist er hier? Hast du ihn entführt, um das Team zu erpressen?“

Beleidigt zuckten die Mundwinkel des Grünhaarigen, doch da er beschlossen hatte, seine Hindernisse zu umgehen – und Momoi samt Oberweite waren in der Tat ein physikalisches und nervliches Hindernis – ging er einfach an ihr vorbei, ohne auf ihre Worte einzugehen.

„Ich rede mit dir!“, trompetete sie los.

Noch immer den Rücken zu ihr gewandt, den Kopf nur minimal in ihre Richtung gedreht, hielt das Ass der Shūtoku inne.

„Das könnte ich dich genau so fragen. Immerhin bist du es, die in meine Privatsphäre eingedrungen ist.“

Satsukis Blicke wurden fragend. „Ich habe doch nur Tetsu-kun gesucht.“

Der Bus fuhr in zwei Minuten.

„Er ist nicht hier, wie du siehst“, entgegnete Shintarō unterkühlt. „Und ich würde es begrüßen, wenn du dich auch entfernst. Samt Hund.“ – „Och Midorin, sei doch nicht immer so abweisend!“

Zur Erwiderung hob er lediglich eine Braue und ging nicht weiter darauf ein. Er war bereits im Verzug, er hatte keine Zeit für dieses Gespräch.

„War er auch so zu dir?“, setzte Momoi ihren Monolog mit dem Pelztier unbeirrt fort. „Gut, dass ich dich gefunden habe. Tetsu-kun macht sich bestimmt schon Sorgen! Aber du kleiner Ausreißer bist ja nun unter meiner Überwachung! Dank deines neuen Halsbandes weiß ich immer, wo du bist. Und dann ist auch mein geliebter Tetsu-kun nicht weit!“

Mitten im Schritt gefror die Bewegung des Grünhaarigen. Das erklärte nicht nur Einiges. Nein, die Angelegenheit wurde sogar immer besser! Hätte dieser Kläffer nicht heute Morgen vor seiner Haustür gestanden und ihm seine Planung versaut, dann wäre er auch Satsuki, die Kuroko nachstellte, nicht begegnet und müsste sich nun keine Sorgen bezüglich einer neue Bleibe machen.

Vielleicht sollte er ihr den Tipp geben, Aomine auch so ein Halsband zu kaufen. Allein bei dem Gedanken daran hätte er beinahe wieder gelächelt. Aber wie auch alles andere, gehörte dies nicht in die Schublade mit den Dingen, die ihn interessierten.

Der sich im Nanometerbereich andeutende Gesichtsausdruck wurde Shintarō jedoch sofort aus dem Gesicht gewischt, als er hörte, wie die Nervensäge hinter ihm ihr Telefon aufklappte und kurz darauf zu reden begann.

Was machte er eigentlich noch hier? Der Bus fuhr jeden Moment!

„Tetsu-kun, ich habe Nummer 2 gefunden. Er ist bei Midorin… Ja, der wohnt hier in…“

Als analog zu diesen Worten auch noch der Omnibus an ihm vorbeifuhr, war er tatsächlich davor zu lachen. Hysterisch zu lachen. Laut.

Das passierte gerade nicht wirklich. Er hatte alles geplant – bis ins letzte Detail. Wie konnten zwei so einfältige Geschöpfe ihm nur so den Tag vermiesen? Außerdem war nun das Geheimnis um seine Wohnung gelüftet. Er würde doch nachts nie wieder ruhig schlafen können. Was hatte er falsch gemacht? Er war doch seinen Hindernissen aus dem Weg gegangen! Offenbar hatte Oha Asa noch nie etwas von der Kalamität namens Momoi Satsuki gehört.

Er sollte es mit Voodoo versuchen. Wenn er die Probleme nicht umgehen konnte, dann musste er sie aus der Welt schaffen.

„…nein, aber Midorin bringt ihn dir bestimmt vorbei. Der steht hier eh nur rum und starrt Löcher in die Luft.“

Nein, Voodoo würde zu lange dauern. Er brauchte etwas Effektiveres. Einen Attentäter, einen Bus oder einen nuklearen Sprengsatz.

Wo konnte man so etwas bestellen? Lieferten die auch an gewöhnliche Haushalte?

Bevor er seinen Plan vertiefen konnte, hörte er Momois Schritte näher kommen.

„Midorin, lass uns gemeinsam den nächsten Bus nehmen!“

Mit schockgeweitetem Blick wandte sich der Grünhaarige um und sah, wie ihm der Hund entgegengehalten wurde. Er konnte förmlich das Unglück riechen, dass aus dem Vierbeiner triefte.

Welches Sternenzeichen hatte der Hund eigentlich? Kuroko war Wassermann und Momoi war…

Stier.

*


Für die Pinkhaarige war es sicherlich ein eigenartiger Anblick zu sehen, wie der Shooting Guard der Shutokō nur noch eine Staubwolke hinterließ, nachdem er wie von der Tarantel gestochen losgerannt war.

Für Shintarō selbst standen jedoch drei Dinge fest:

1. Er würde vor dem Bus an der Sporthalle sein.

2. Er würde unmittelbar nach dem Training sein Klingelschild tauschen und die Wohnung kündigen.

3. Konnte es nur noch bergauf gehen, richtig?

Ende.


Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen!
Über Lob, Kritik und Anregungen freue mich mich natürlich sehr!

beste Grüße
Daneh
 
 
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