Sympathy for the devil

von Pustiso
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18
21.02.2018
12.02.2019
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Ungeachtet seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit schritt Negan langsam auf Beta zu. Das Verbrechen, welches dieses Ungetüm an Olivia und Tara verübt hatte nahm er persönlich. Ambers Tod nahm er persönlich. Das Lächeln um seine Lippen war komplett verschwunden. Das, obschon er eigentlich in den unmöglichsten Momenten sein Lächeln aufsetzen konnte. Keine stumpfsinnigen Sprüche mehr, nicht ein Wort. Er sah nur noch den Typen hinter seiner entmenschlichten Fratze.

In diesem Augenblick war er wieder der Boxer von damals, alleine im Ring mit seinem Kontrahenten. Die Luft in der Halle brannte, sie schien tatsächlich zu brennen, denn aus irgendeinem Grund liefen die Schmelzöfen auf Hochtouren. Nicht lange dauerte es, da stürmten gleich zwei Maskierte auf Negan zu. Dieser schaute nicht einmal empor, als er der einten Kreatur die letzte Patrone aus seinem Magazin durch die Stirn jagte. Dem zweiten Mann, der sich ihm von hinten nähern wollte, warf er treffsicher sein Jagdmesser in den Schädel. Es war eine fließende Bewegung. Angewidert rümpfte er die Nase, als er sein Werk kurz betrachtete. Negan fühlte sich selbst schon seit langer Zeit nicht mehr so deutlich wie in diesem Moment. Wieder Beta zugewandt beobachtete er ihn, seine grau-blauen Augen hinter der Maske, welche auch ihn kurios betrachteten. Er und das Scheusal vor ihm atmeten denselben Atem, fühlten denselben Herzschlag, waren just in diesem Moment Eins. Es würde ein Kampf werden, bei dem es nur einen Überlebenden geben konnte. Keinen Sieger, keine Punkte.

Von Draußen her drang Lärm in die Fabrikhalle hinein. Es waren Kampfgeschrei und Schüsse vom Westflügel der Fabrik herkommend. Zwar hatte es Arat geschafft, das Vorhängeschloss am Westeingang aufzubrechen und das Rolltor mühsam nach oben zu drehen. Doch hatte sie nicht damit gerechnet 50 Meter weiter hinten im Korridor ein verschlossenes Schleusentor vorzufinden. Es war die Chemikalienschleuse. Der Westeingang des Sanctuary war ein Ort, an welchem sie in all den Jahren noch nie war, obwohl sie insgeheim wusste, dass Negan ihn für sich als Ruheort auserkoren hatte.

Als die Welt noch in Ordnung war, wurden durch dieses Tor fässerweise Chemikalien zur Anfertigung diverser Metalllegierungen ins Innere der Fabrik durchgeschleust. Die Ingenieure hatten fernab der Apokalypse diesen Zugang für den Fall eines Chemieunfalls speziell gesichert. Zwei unbenutzte Feuerlöschgeräte säumten beide Seiten des Gangs und ließen nur erahnen, wie viele Fässer Salpetersäure und Anderes zu den besten Zeiten der Fabrik neben ihnen hindurch transportiert worden waren. Unter Strom würde diese massive Schleuse binnen Sekunden nachgeben, wenn man daran, von welcher Seite auch immer, etwas kräftiger drücken würde. Ansonsten müsste man, wie in diesem Augenblick vor Morgengrauen, einen enormen Kraftakt tätigen, um das Ding zu bewegen. Es war in etwa so  als würde man versuchen, einen Laster ohne Servolenkung in einer superknappen Parklücke zu versorgen. Die eiserne Tür in der Mitte des Schleusentors war ebenfalls zugeschlossen. Arat versuchte sich dennoch sogleich an ihr. Bisher blieb vor ihr keine einzige Türe verschlossen. Früher oder später knackte sie sie alle auf.

So hatte sie eigentlich auch das Rolltor am Eingang relativ leise öffnen können. Dennoch blieb ihre Aktion von den neuen Besetzern des Sanctuary nicht unbemerkt. Gekonnt lenkten wenige von ihnen einen Teil der Horde aus dem Vorhof direkt zum Westflügel um. Zwischen der Schleuse und dem Eingang wurden die neuen Eindringlinge nun eingekesselt. Während Arat weiterhin an der Türe im Tor herumwerkelte, versuchten König Ezekiel und weitere Helfende ihr den Rücken frei zu halten.

Daryl war die trügerische Ruhe vor dem Ansturm dieser Horde schon von Beginn weg sehr suspekt. Er zog sich darum mit einem gewissen Mann namens Alden in die Büsche auf der anderen Seite des Gleises zurück, um nötigenfalls Rückendeckung geben zu können. In Hilltop stellte sich heraus, dass Alden ein ausgezeichneter Speerwerfer war. Eine Fähigkeit, welche jene von Daryl perfekt ergänzte. Den ersten Beißer konnte er auch schon direkt am Kopf erwischen, kurz nachdem dieser seinen fauligen Fuß ins Innere der Fabrik setzten konnte.
Arat schien auf die Schnelle weder mit der Schleuse noch mit der Tür fertig werden zu können. Auch der Andrang der Untoten wurde rapide grösser. Was mit Geschick nicht mehr zu bewerkstelligen war, musste nun mit brachialer Gewalt erreicht werden. Ezekiel packte sich den einten Feuerlöscher und schritt Arat zur Hilfe, während er ihre Waffe nahm und auf das noch immer an der Wand hängende zweite Schaumlöschgerät zielte. Es knallte fürchterlich als dieses Gerät seine schaumige Ladung in alle Richtungen sprengte und für einen kurzen Augenblick den ganzen Gang bis zum Eingang hinaus beinahe leerfegte. Unter den Beißern wurden erstmals unkontrollierte menschliche Schreie laut. Bevor sich der Schaumnebel verflüchtigen konnte, hatte Ezekiel den Feuerlöscher unter seinem Arm an die Türe im Tor gelegt und Arat mit sich hinausgezerrt. Bevor er mit ihr den Eingang erreichen konnte, drückte er ihren Körper auf den Boden und schoss mit erstaunlicher Zielsicherheit auf das rote Gefäß an der Schleuse. Ein zweites ohrenbetäubendes Rumsen ging durch den Korridor. Ezekiels krude Idee hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Obwohl das Schleusentor noch stand, war die Tür in ihr stark ramponiert. An einen Anschlag mit Hilfe eines zweckentfremdeten explodierenden Geschosses hatten die damaligen Sicherheitsingenieure wohl nicht gerechnet.
Eilig hastete Ezekiel mit seinen Gefährten nach vorne. In dem ganzen Aufruhr hatte er es ausgeblendet, dass unter den Beißern eigentlich menschliche Schreie ertönt sind. Daryl und Alden jedoch waren sich ganz sicher, etwas Lebendes unter den Untoten vernommen zu haben. Da die Sicht jedoch noch immer schaumbehangen war, konnten sie nicht ausmachen, wem die Schreie zugeordnet werden konnten. Ohnehin mussten sie sich nun beeilen, den Anschluss an ihre Vorhut nicht zu verpassen. Dieser ganze Lärm lockte nun alle restlichen Beißer des Vorhofs an.
Zu Daryls Missfallen, aber zur Gunst seiner lauernden Mitstreiter leerte sich der besagte Vorplatz urplötzlich. In Scharen trotteten die Untoten dem Lärm auf der anderen Seite der Fabrik entgegen.

Am Haupttor des Vorhofs zeichnete sich alsbald die neue Gefahr dieses Ortes ab, als plötzlich Beißer mit koordinierten Bewegungen und Macheten in den Händen aus dem Sanctuary nach Außen stürmten, die Treppen hinabhasteten, um sogleich hinter dem Fabrikgebäude zu verschwinden. Für einen Sekundenbruchteil waren die Kämpfer der vereinten Gemeinschaften verdattert. Denselben grotesken Anblick von rüstigen und bewaffneten Beißern, welcher sich ihnen zuvor bei Sonnenuntergang in Hilltop bot, hatten sie noch nicht verdauen können.

Negans übrige Saviors schlugen sich während dem ganzen Showdown durch die ganzen Gänge des Sanctuary durch, um weitere Menschen zu befreien. Zusammen mit den befreiten Arbeitern versuchten sie die Gestalten im oberen Stockwerk des Sanctuary zu überwältigen. Was anfänglich schnell voran ging wurde umso aufreibender, je länger die Kämpfe in den Gängen andauerten. In den oberen Etagen der Fabrik konzentrierten sich die Gefechte auf jeden Meter im Korridor. Ganze Zimmer wurden von Menschen, welche zum Teil mit Stühlen und abgebrochenen Flaschenhälsen bewaffnet waren, erobert und rückerobert.

Der ganze Tumult draußen blieb in der Fabrikhalle nicht unbemerkt. Dennoch interessierte es den beiden Anführern herzlich wenig, was sich außerhalb der Fabrikmauern ereignete. Würde Negan in diesem Kampf draufgehen, dann hätte er für eine würdige Sache sein Leben gelassen. So hatte er es sich jedenfalls in einem ruhigen Moment im Nirgendwo für sich ausgemalt. Es war jetzt ohnehin der falsche Zeitpunkt, um über den eigenen Tod nachzudenken. Leichten Schrittes glitt er auf Beta zu, welcher ihn um mindestens einen Kopf überragte und dessen Schulterspannweite um gute 10 Zentimeter breiter war. Locker holte er mit Lucille aus, um seinen Gegner an der linken Wange zu treffen. Der erste leichte Jab. Sein zweiter Streich folgte zugleich. Er traf ihn wiederum mit ein wenig mehr Schwung am selben Ort. Zweiter Jab. Beta konnte ab dieser beiden Hiebe nur kratzig auflachen. Negan wollte einen dritten Schlag im Gesicht seines Kontrahenten absetzen, als dieser das stacheldrahtumwobene Holz mit beiden Händen zu fassen bekam. Ruckartig zog Negan seine Lucille zu sich zurück. Dabei verkeilte sie sich in Betas Handschuhen. Er gab Lucille mit der rechten Hand einen Wimpernschlag lang frei, um einen rechten Seitwärtshaken an Betas Kinn zu betonieren. Wirkungstreffer. Der Typ schien etwas aufgescheucht und taumelte leicht zurück. Mit zerschlissenen Handschuhen versuchte er nun Negan an den Kopf zu greifen. Beinahe gelang es ihm auch, hätte dieser sich nicht weggeduckt und ihm in derselben Bewegung mit Lucille eins auf den Flachschädel übergebraten.

„Fertig gespielt jetzt!“ Beta hatte genug von den Sticheleien. Er zückte einen Dolch und versuchte Negan in Richtung der Schmelzöfen zu drängen. Ganz so einfach wollte das nicht klappen, denn Negan glitt immer wieder zur Seite weg und versuchte mit Lucille, als verlängerten Arm sozusagen, die Hände seines Gegners zu erwischen. Abermals verfing sie sich in ihnen. Gleichzeitig zerrte Beta ihn auf diesem Weg ein weiteres Stück an sich heran, bis er sich von Lucille losreißen konnte und den Mann hinter ihr am Kragen zu fassen bekam. Er hob ihn wie einen großen, gefüllten Jutesack hoch und lies ihn grinsend über dem Boden zappeln. Dann schleuderte er ihn mit voller Wucht gegen eine Palette mit angehäuften Eisenstangen. Mit dem Aufschlag rollten all diese von der Palette weg. Geistesgegenwärtig behändigte Negan eine Eisenstange und ging damit auf Beta los. Abermals landete er damit ganze Volltreffer, doch das schien diesen Kasten von einem Mann nicht weiter zu stören. Negan prügelte mit der Eisenstange auf einen Körper ein, der keinen Schmerz zu kennen schien. Frontal stieß er diese in die ungeschützte Magengrube seines Gegenübers, doch nichts geschah. Andere hätten spätestens jetzt krümmend Blut und Galle gekotzt, doch Beta blieb davon gänzlich unbeeindruckt. Diese Resistenz machte Negan zu schaffen. Fast gänzlich unbeeindruckt von den Schlägen schritt Beta nach vorne auf ihn zu. Er bekam ihn erneut am Jackenärmel zu fassen und donnerte ihm eine gewaltige Faust in die Gesichtsmitte. Eine massive rechte Gerade. Negans Nasenbein war wieder einmal angebrochen. Sein Widersacher hatte es darauf abgesehen, ihn in den geöffneten Schmelzofen hineintreiben. Soviel war nun klar. Negan wand sich aus seiner Lederjacke heraus und suchte den Boden nach Lucille ab, welche er leider erst weiter hinten lokalisieren konnte. Dann platzierte er die Eisenstange ein Stück weit in einem der Schmelzöfen und wandte sich erneut Beta zu. Dieser ließ ihn die ganze Zeit lang nicht aus den Augen. Urplötzlich sprang Negan ihn mit einem angezogenen Knie an. Er zog seinen Kopf am Nacken gleichzeitig mit beiden Händen gegen sein nach vorne gerichtetes Knie. Beide Männer taumelten kurz voneinander weg. Ein erneuter Wirkungstreffer. Negan bemühte sich zum Ofen und zog das glühende Eisen am anderen Ende heraus. Dann walzte er es Beta quer übers Gesicht, gefährlich nahe am Auge vorbei. Die Maske hing nun nur noch in Fetzen an dessen Gesicht herab. Knockout?

Der Verdroschene sank sofort auf die Knie und wurde jetzt erst richtig wütend. Unter einem kurzen Aufschrei zog er die Eisenstange an dem noch glühend heißen Teil aus Negans Hand weg. Seine Handinnenflächen waren völlig verbrüht. Dennoch machte Beta solange weiter, bis er wieder ganz auf den Füssen stand. Für einen Sekundenbruchteil spiegelte sich in Negans Augen die blanke Angst. Vor Schrecken ließ er die Eisenstange fallen. Sekunden später war Beta vor ihm und versuchte dessen Kopf in die Armbeuge zu bekommen, damit er ihn würgen konnte. Es kostete Negan seine ganze Kraft, Beta irgendwie am Kopf zu packen und ihn schließlich mit einer Art Judorolle über seine Schulter vor sich auf den Boden zu werfen. Schwer schnaubend legte sich Negan mit seinem ganzen Körpergewicht auf den am Boden liegenden Brustkorb vor ihm, drehte sich darauf nochmals um und packte dessen Kopf in einen Schwitzkasten. Nun versuchte er Betas Kopf so fest zu überdrehen, bis die Wirbel in dessen Hals nachgaben. Es geschah jedoch nichts! Er musste kurz lockerlassen, damit der Kopf seine gerade Position wiederfinden konnte. Abrupt drehte er ihn weiter in die Gegenrichtung. Beta wäre bei weitem nicht der Erste, dem er auf diese Weise mit einem fließenden Ruck das Genick gebrochen hätte. Dessen Wirbel schienen jedoch aus Titan zu sein. Nichts an der Wirbelsäule wollte in die Brüche gehen.
Um seinen Gegner letztendlich zum Loslassen zu zwingen, biss Beta sich direkt an Negans nicht bandagiertem Handgelenk fest, so dass dieser unter Schmerzensschreie loslassen musste. Er stieß ihn von sich hinunter, um sich alsdann selbst auf ihn draufzusetzen. Dann malträtierte er Negans Gesicht mit einem Hagel voller knochenbrechender Schläge.

„Dein Frauchen…“, Negan grinsten den Mann auf seinem Brustkorb mit blutverschmierten Zähnen und zwei geschwollenen Augenlidern an.
„Wer schwach ist verdient den Tod.“
„Dein Frauchen Alpha, hat sich mir angeboten. Sie offenbarte mir ihre Hügellandschaft, als sie gefesselt vor mir lag.“
Beta hielt mit den Faustschlägen inne. Knockout!
Geistesgegenwärtig spürte Negan in diesem Moment Betas Dolch an seiner Seite auf dem Boden liegen. Er griff nach der Klinge, um sie Beta irgendwohin in den Muskel des Oberarms zu rammen. Völlig erschrocken von dieser Aktion fuhr Beta zusammen. Mit beiden Händen versuchte er sich selbst seinen Dolch aus dem Oberarm zu zerren, was ihm erst nach mehrmaligem Rütteln gelingen konnte und eine blutige, klaffende Wunde nach sich zog. Dasselbe Messer nahm er schlussendlich an sich, um es Negan durch die unteren Rippen hindurch in die rechte Seite zu stechen.

Fast zeitgleich erkämpften sich Ezekiel und Arat zusammen mit den übrigen Mitstreitern den Zugang zur Halle. Neben dem Kampf der beiden Anführer waren Betas Leute schwer damit beschäftigt, die Eindringlinge draußen halten zu können oder zumindest zu stoppen. Die Metalltür im Schleusentor war zu fest zerstört, als dass sie hätte Beißer und Weiteres aufhalten können. Kämpfend wateten auch Daryl und Alden langsam durch den Gang in Richtung Halle.

Beta musste seine Kampfhandlungen unterbrechen, nachdem er vernommen hatte, dass Negans Gefolgsleute nun endgültig in die Fabrik eingebrochen sind. Er ließ von Negan ab, der nun wehrlos röchelnd am Boden liegen blieb. Er wollte die Treppen zur Galerie hinaufgehen, um seine Männer besser koordinieren zu können, weil nun unkontrolliert Untote, Eindringlinge, eigene Leute und womöglich auch befreite Gefangene den Weg in die Halle mit den Schmelzöfen gefunden haben.
„Willst du mich nicht fertigmachen, du Schlappschwanz?“, keuchte Negan kaum wahrnehmbar.
„Du bist doch schon fertig!“
Beta wandte sich vom sterbenden Mann vor ihm ab und lief eiligen Schrittes die Stufen zur Galerie hoch. Auf der mittleren Plattform blieb er kurz stehen und versuchte die Gesamtsituation irgendwie zu überblicken. Als sein Augenpaar den Fußboden nach seinem Widersacher absuchte, war dieser weg. Bevor ihm klar wurde, was sein Kontrahent getan hat, wurde er durch einen harten Schlag von Lucille von den Beinen geholt. Als dieser auf der mittleren Plattform zu liegen kam, setzte Negan mit Lucille nach.

Arat sah, wie ihr Boss verletzt und blutüberströmt sich mit dem Anführer dieser Kreaturen abmühte. Sie nahm von Ezekiel ihre Waffe zurück und zielte auf Betas Kopf. Das Projektil prallte allerdings mit einem charakteristischen metallischen Scheppern am Treppengeländer ab. Ihr war klar, dass ihr Boss sie jetzt mehr denn je brauchte. Schnell lief sie die Treppe am anderen Ende der Halle zur Galerie hinauf, um dem Anführer der Anderen von oben her weiter zusetzen zu können. Aus der Ferne sah sie, wie dieser versuchte, wackelig wieder auf die Beine zu kommen. Von unten her schritt Negan unter Höllenqualen am Treppengeländer entlang, Stufe für Stufe ihm entgegen. Arat rannte weiter und feuerte erneut. Das Projektil vergrub sich irgendwo in der Fabrikmauer.
Beta blickte empor um festzustelle, woher diese Schüsse kamen. Dann fokussierte er Arat. Sichtlich geschwächt richtete er sich das Treppengeländer umklammernd auf. Er entschied sich dafür, der Lady mit der Knarre zuerst den Garaus zu machen, denn vom Baseballschlägertyp war nicht mehr viel übrig was hätte niedergerungen werden müssen. Ein heftiger Tritt an die Leber seines Gegenübers reichte aus, damit dieser rücklings mit einem Überschlag die Stufen hinunterholperte und mit einem Aufschlag seines Hinterkopfs an der Betonwand gebremst wurde.
Er wandte sich nun wieder Arat zu und setzte seinen Weg zu ihr fort.

Unter ihnen begann sich die Halle allmählich mit den echten Untoten zu füllen. Beta wies mit Handzeichen seine Leute an, schnell noch mehr Beißer in die Halle hineinzulassen. Sie sollten sich um den Rest von Negans Mitstreitern kümmern. Die Essensglocke ist bereits unüberhörbar geläutet worden. Nun sollten die ungebetenen, hungrigen Gäste zur Tafel gebracht werden. Tatsächlich kamen die modernden Gäste, dicht um dicht.

Irgendwie rappelte sich Negan auf und versuchte konzentriert einen Fuß vor den anderen zu setzen. Er sah wie Beta rascheren Schrittes auf Arat zulief und sich vor ihr aufbaute. Gegen ihn hätte sie nicht einen Hauch von einer Chance.
„Verflucht Arat, verschwinde!“ Die Besagte wollte nicht hören.
Arat rührte sich keinen Deut von der Stelle und feuerte ihre letzten Schüsse auf Beta ab. Zwei davon brachten ihn zum Stehen, zum Erliegen jedoch nicht. Sie nutzte diesen Moment, um ihn direkt anzugreifen. Beherzt trat sie ihm in die Eier. Das wirkte, vorerst.

Noch immer unterwegs nach oben rief Negan ihr zu, dass sie endlich abhauen sollte. Doch das konnte sie nicht. Beta würgte den aufkommenden Schmerz in seinem Unterleib hinunter und richtete sich wieder ganz auf. Er bewegte sich auf Arat zu, während Negan ihr zubrüllte, dass sie doch einfach hinunterspringen sollte. Sie prügelte und trat auf Beta ein, was diesen ziemlich kalt zu lassen schien. Dann bekam er ihr Bein zu fangen. Er zog es in einem Ruck zu sich empor und verdrehte es. In seinem stählernen Griff gefangen fand sich Arat bäuchlings auf dem Boden der Galerie wieder und kam davon nicht mehr weg. Nun ermächtigte er sich auch ihrer Arme und drückte ihren ganzen zappelnden Körper näher an seinen Rumpf heran. Damit das Hampeln ein Ende fand, scheuerte er ihr mit der offenen rechten Handfläche einen brutalen klatschenden Hieb ins Gesicht. Die Maßnahme verfehlte seine Wirkung nicht. Grinsend hob Beta Arats angespannten Körper hoch, während er sich auf seiner linken Seite hinkniete und sein rechtes Knie aufstellte.
Negan befand sich nun auf der Galerie ein paar Schritte von den beiden entfernt und wusste, was jetzt folgen würde. Beta hob Arats Körper ruckartig in die Höhe, um ihr Kreuzbein in der nächsten Bewegung auf sein aufgestelltes Knie hinunterdonnern zu lassen. Ein Knacken durchdrang die lärmige Halle und war gefolgt von einem Schmerzensschrei, den Negan bei seinem Lieblingslieutenant nie hatte vernehmen können. Arat kreischte vor Schmerzen, als Beta sie wie einen deformierten Dummie auf den Boden der Galerie sacken ließ.
Mit beiden Händen umgriff Negan seine Lucille, um sie für ein letztes Stelldichein mit der Kreatur vor ihm in Position zu bringen. Mit seiner ganzen Schlagkraft holte er aus und traf das Scheusal vor ihm frontal an der rechten Schläfe. Auf der Galerie knackte es abermals in einem durchdringenden Ton. Es war ein hölzernes und gleichzeitig ein dumpfes Knacken.
Durch den Schwung dieses Schlages sackte Negan nach vorne auf die Knie. Nur das Treppengeländer konnte verhindern, dass er von der Galerie auf den Hallenboden herabfiel. Das hölzerne Knacken konnte er nicht überhören. Der hölzerne Körper seiner Allerliebsten war am Kopfteil zerborsten. Die hölzernen Fragmente haben sich im losegewordenen Stacheldraht verfangen und baumelten nach unten. Negan brüllte ihren Namen so laut er nur konnte. Seine Tränen vermischten sich mit dem verschmierten Blut in seinem Gesicht. Was von Lucille übriggeblieben ist, entglitt ihm nun aus der Hand und stürzte in die Meute von Beißern, welche nun unter ihm versammelt war.
Arat schrie ihrem Boss zu, er solle sich vorsehen, doch dieser konnte sie nicht mehr hören.

Mit einem angebrochenen Schädel erhob sich Beta. Er packte Negan am Gürtel und gleichzeitig am Saum seines T-Shirts. Dann preschte er ihn schwungvoll zwischen dem Geländer hindurch und ließ ihn in die Mitte seiner gierenden untoten Gäste fallen.
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