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Doppelt geirrt

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles OC (Own Character) Vince Korsak
20.02.2018
17.04.2021
6
8.530
11
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
20.02.2018 1.439
 
Hallo meine Lieben!
Nach über einem Jahr - ja, ich geh schon ins Eckchen und schäme mich - kommt nun endlich wieder eine Geschichte von mir.
Ich möchte sie wuschel204 widment, ohne die ich wahrscheinlich nie in die Gänge gekommen wäre, obwohl mir einige Ideen schon lange im Kopf herumgeschwebt sind.
Euch allen viel Spaß - Feedback aller Art ist wie immer gern gesehen :)
Alles Liebe,
eure isabella1994
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Genervt verdrehte ich die Augen. Schon wieder hörte Maura mir nicht zu, starrte dümmlich grinsend auf ihr Handydisplay. Dies passierte in letzter Zeit häufiger, immer dann, wenn Alex ihr schrieb. Mit Alex war Maura seit kurzem zusammen. Keiner von uns hatte diesen Kerl bisher gesehen, wir wussten nahezu nichts über ihn. Was ich jedoch wusste, war, dass mir dieser ominöse Typ jetzt schon auf die Nerven ging!
Ich mied es tunlichst, genauer nachzufragen, denn weder wollte ich etwas über Alex‘ spanisches Temperament, noch über die wunderschönen dunklen Augen wissen. Es interessierte mich nicht. Zumindest war es das, was ich mir in den letzten Wochen immer wieder versucht hatte, einzureden. Um ehrlich zu sein, wollte ich ihre Schwärmereien nicht hören. Der Grund dafür war simpel: ich war bereits seit geraumer Zeit in Maura verliebt. Natürlich wusste sie nichts davon, schließlich war sie meine beste Freundin und Gefühle würden alles bloß verkomplizieren.
Außerdem stand Maura, im Gegensatz zu mir, nicht auf Frauen. Damit erst gar nicht der Verdacht aufkam, dass ich etwas für sie empfand, beteuerte ich gleich damals, als ich ihr von meiner sexuellen Orientierung erzählte, dass sie sich keine Sorgen machen bräuchte, weil sie nämlich gar nicht mein Typ wäre. Das war eigentlich auch gar nicht so unrichtig, denn keine Frau, mit der ich je zusammen gewesen wäre, hatte auch nur entfernte Ähnlichkeit mit Maura gehabt. Dennoch hatte mich Maura in ihren Bann gezogen. Dass sie wunderschön war, konnte man nicht leugnen, aber auch ihre Art war durchwegs liebenswert, sogar ihre oft altklugen Monologe und Berichtigungen meiner Ausdrucksweise.
Hin und wieder hatte es zwar den Anschein gehabt, Maura würde austesten wollen, ob ich tatsächlich nichts von ihr wollte, aber diese Gedanken verwarf ich schnell, schließlich wusste ich es besser.
Trotzdem genoss ich unsere gemeinsamen Abende, wenn wir einfach nur beisammen auf dem Sofa saßen und ein Gläschen Wein beziehungsweise Bier tranken und uns über Gott und die Welt unterhielten. Heute war eigentlich wieder ein solcher Abend, doch diesmal war es anders…
Alle fünf Minuten guckte meine beste Freundin auf ihr Handy, grinste, tippte eine Nachricht, legte das Mobiltelefon weg, um das Spiel wenige Minuten später zu wiederholen.
Als ich meine Bierflasche lautstark auf dem Kaffeetisch abstellte, zuckte Maura zusammen. Schnell ließ sie ihr Handy in die Tasche gleiten und räusperte sich verlegen.
„Tut mir leid, Jane, das war unhöflich“, entschuldigte sie sich sofort, „Alex wollte wissen, ob ich dich endlich gefragt habe…“
„Was gefragt?“ Verwirrt schaute ich Maura an.
„Da du für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben bist, möchte Alex…“, sie machte eine Pause und überlegte kurz, „…möchte ich, dass du Alex kennenlernst.“, vervollständigte Maura den Satz.
Früher oder später hatte das ja so kommen müssen – ich hatte auf später gehofft. Ehrlich gesagt hatte ich insgeheim gehofft, dass sich das Verhältnis der beiden bald abkühlen würde und es zu gar keinem Treffen käme. Nun ja, offensichtlich wohl doch…
„Wann?“, fragte ich seufzend und bemühte mich, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich absolut keine Lust hatte, diesem Alex zu begegnen.
„Morgen Abend im La Bernaise… passt 20 Uhr für dich?“ Diese Frage war nahezu eine Aufforderung, die kaum Widerspruch zuließ. Scheinbar hatten die beiden das Treffen bereits länger geplant und auch schon einen Tisch reserviert. Das Restaurant war ein französisches Bistro in Mauras Wohnbezirk, hatte demnach gehobene Preise. Auch kleidungstechnisch hatte man sich anzupassen – ein feiner Hosenanzug war daher für mich Pflicht.
„Gut“, antwortete ich schnell, bevor ich noch länger darüber nachdenken konnte.
„Schön!“, erwiderte Maura freudig. „Du wirst Alex sicherlich mögen, ihr habt schon die ein oder andere Gemeinsamkeit.“ Verwundert hob ich eine Braue.
„Ach ja?“, fragte ich höchst skeptisch, denn das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
„Ja, euer beider Lieblingssport ist Baseball, ihr habt die Red Sox als favorisierte Mannschaft und Alex hat, so wie du, zwei Brüder.“ Naja, Baseball und die Red Sox machten diesen Kerl erst einmal sympathisch, dennoch hatte ich mir selbst versprochen, ihn nicht nett zu finden!

Der Rest des Abends verlief dann doch noch angenehm. Gegen Mitternacht verabschiedete ich mich von meiner besten Freundin und fuhr nach Hause.
Als ich endlich im Bett lag, dachte ich über Maura, Alex und den morgigen Abend nach. Ob Maura ihrem Alex erzählt hatte, dass ich lesbisch war? Vielleicht sah er mich ja indirekt als Konkurrenz… Nein, so wichtig durfte ich mich selbst nicht nehmen!
Wahrscheinlich war es ihm egal und er wollte einfach nur Interesse an Mauras Familie und ihren Freunden heucheln. Bestimmt würden die zwei morgen ständig fachsimpeln – wie ich erfahren hatte, arbeitete Alex in einem Krankenhaus – und ich würde dämlich danebensitzen wie das fünfte Rad am Wagen…

Der nächste Morgen kam schneller als mir lieb war, um sechs Uhr klingelte der Wecker auf meinem Nachttisch. Besonders gut geschlafen hatte ich nicht. Dauernd hatten mich Albträume verfolgt, in denen Maura diesen Alex heiratete. Absurd, denn da ich nicht einmal wusste, wie er aussah, stellte er sich mir im Traum als schwarze Schattenfigur dar.
Müde schleppte ich mich erst ins Badezimmer unter die Dusche und anschließend in mein Auto, um zum BPD zu fahren. Dort angekommen, holte ich mir zuallererst einen starken Kaffee und machte mich sogleich an die Arbeit. Unser aktueller Fall befasste sich mit einem toten Schreibwarenhändler. Wir hatten, dank Mauras Erkenntnissen durch die Autopsie, herausgefunden, dass er durch die mehrfachen Stiche mit einem Brieföffner in seine Brust gestorben war. Unter Verdacht standen sein Sohn, der kein Alibi hatte und sich auch bei der Vernehmung merkwürdig verhalten hatte, und der Angestellte, der den Toten gefunden hatte, jedoch war der Notruf erst von der Frau des Verstorbenen abgesetzt worden. Wir waren kurz vor dem Durchbruch, das spürte ich einfach!

Tatsächlich hatten wir den Fall am frühen Nachmittag abgeschlossen. Der Mitarbeiter hatte heimlich Dokumente gefälscht und sein Arbeitgeber war ihm auf die Schliche gekommen – deshalb hatte der arme alte Mann sterben müssen. Als Mitglied der Mordkommission durfte man die Fälle nicht zu nah an sich heranlassen, trotzdem war es immer wieder furchtbar, aus welchen Gründen Mörder handelten.
Nach dem Verhör, welches zum Erfolg geführt hatte, hatten Korsak und ich uns erst einmal eine Pause verdient. Wir saßen auf der großen Treppe vor dem Gebäude und ließen die ersten herbstlichen Sonnenstrahlen auf unsere Gesichter scheinen.
„Heute lerne ich Alex kennen“, informierte ich ihn beiläufig.
„Du wirkst aber nicht sehr erfreut darüber“, schmunzelte Vince.
„Natürlich nicht, du weißt doch, warum!“, murrte ich. Schon vor einiger Zeit hatte ich mich meinem Kollegen anvertraut. Korsak war ein väterlicher Freund, ich konnte mich zu einhundert Prozent auf ihn verlassen, er würde darüber schweigen wie ein Grab. Zuerst hatte ich es ihm nicht erzählen wollen, doch es war ihm nicht entgangen, dass ich Maura „anders ansah“, wie er es ausdrückte. Nicht umsonst war Vince eben schon seit Jahrzehnten einer der besten Ermittler Bostons.
Mit Ma hatte ich über meine Gefühle für Maura nie reden können, da sie sich auch Maura als „Mutter“ verpflichtet fühlte. Sie war wie ein Familienmitglied. Abgesehen davon hätte Ma sicherlich versucht, herauszufinden, ob Maura meine Gefühle nicht doch erwiderte und damit ein heilloses Chaos und verletzte Herzen herbeigeführt.
„Wirst du klarkommen?“ Korsak war kein Mann vieler Worte, wenn es um Gefühle ging. Ich seufzte.
„Es wäre gelogen, zu sagen, wenn Maura glücklich ist, bin ich es auch… ich werde dieser Beziehung zumindest nicht im Wege stehen. Maura ist mir wichtig und ich möchte, dass es ihr gut geht.“ Vince murrte zustimmend.

Der weitere Tag verlief ohne große Überraschungen. Zum aktuellen Fall musste noch der Bericht geschrieben werden, den ich nach Fertigstellung mit Korsaks Version abglich.
Das Treffen kam immer näher und so fuhr ich nach Hause, um mich noch einmal frisch zu machen und umzuziehen. Auf dieses feine Restaurant hatte ich gar keine Lust. Viel lieber hätte ich den Abend im Dirty Robber bei einem Bierchen verbracht – da hätte ich diesen Kerl doch genauso gut kennenlernen können…
Vor mich hin murmelnd stieg ich in mein Auto und fuhr zum Bistro. Pünktlich um 20 Uhr kam ich an, bereits durch das Fenster konnte ich erkennen, dass Maura sich angeregt mit einer dunkelhaarigen Frau an der Bar unterhielt. Ihren Begleiter erspähte ich jedoch nicht… vielleicht kam er ja später oder – was mir besser gefallen hätte – gar nicht mehr.
Ich atmete noch einmal tief durch und ging hinein.
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