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I'm glad it is you

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
OC (Own Character)
20.02.2018
16.04.2018
6
14.715
3
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20.02.2018 2.199
 
Der Wecker klingelte um kurz nach sieben, verschlafen sah ich auf mein Handy und schaltete ihn aus. Für einen Moment überlegte ich, weshalb ich an einem Ferientag so zeitig aufstehen wollte doch dann fiel es mir wieder ein – Ryou würde mich heute abholen! Ich richtete mich auf und betrachtete mein Zimmer, das nötigste war bereits gepackt, meine Klamotten passten in eine große Reisetasche, mein Laptop sowie die Schulsachen in einem Koffer, der Kleinkram befand sich in meiner Schultasche. Ich versuchte noch einmal tief durchzuatmen und verließ das Bett. Die frischen Sachen, welche ich  mir gestern rausgeapckt hatte, schnappte ich mir und ging in das Badezimmer. Schnell legte ich sie ab, zog mich aus und hüpfte unter die Dusche. Nachdem mich das lauwarme Wasser endgültig weckte, trocknete ich mich ab und zog mich an. Meine langen schwarzen Haare band ich zu einem Pferdeschwanz zusammen. Das ganze kam mir noch immer surreal vor – Ryou und ich sind uns noch nie im realen Leben begegnet und nun würde ich zu ihm ziehen. Für mich war er gewissermaßen ein Held, als Haseo hat er mich sooft gerettet und nun tat er es erneut, als Ryou.

Nachdem ich ihm erzählte das mich meine Eltern zu Hause rausschmeißen wollen, zögerte er nicht lange und bat mir an das ich zu ihm kommen könnte, ich zögerte doch eine andere Wahl hatte ich nicht. Ich wusste ich war in guten Händen, wir konnten uns immer aufeinander verlassen – deshalb bat ich ihn mich am Freitag, also heute, abzuholen.

Ich stellte meine Sachen in den Flur und wartete geduldig bis es an der Tür klingelte. Nervös starrte ich auf mein Handy, wir telefonierten seit über einem Jahr regelmäßig – das Jahr in dem er nie online war und einen Weg suchte seinen Freund Masato, dem Spieler hinter Ovan,  zu retten. Er begann einen Teilzeitjob bei NAB, welchen er Pi zu verdanken hatte. Wir erzählten uns beinahe alles, ganz gleich was es war. Mir sind auch die Meinungen der anderen Leute egal gewesen, alle die sagten Haseo wäre ein schlechter Mensch und alle die meinten er wäre bösartig, lügten. Ich wusste es besser, er war ein freundlicher und netter Kerl.  

„Chigusa!“ Der Schrei meiner Mutter riss mich aus den Gedanken und ich schreckte auf. Schnell stand ich von meinem Bett auf und schnappte mir meine Sachen, mit einem letzten Blick sah ich zurück in mein Zimmer und ging anschließend die Treppe hinunter. An der Tür sah ich ihn dann, Ryou.
Auf den ersten Blick wirkte er beängstigend und einschüchternd, er machte seinem Spitznamen als Schrecken des Todes auch im realen Leben alle Ehre. Seine Haare waren hellbraun und er trug eine ähnliche Frisur wie bei seinem Charakter Haseo in seiner letzten Form. Seine roten Augen zogen mich sofort in den Bann. Er trug einen schwarzen Mantel mit Kunstfell an der Kapuze, eine dunkelblaue Jeans und ein schwarz-rote gestreiften Pullover. Als er mich bemerkte, sah er nach oben und lächelte. Mein Herz setzte sofort einen Schlag aus.
Mit eiligen Schritten ging ich auf ihn zu und umarmte ihn, so wie jedes Mal im Spiel. Ryou erwiderte die Umarmung und strich mir sanft über den Kopf.

Verächtlich sah meine Mutter zu uns, mein Vater schüttelte nur mit dem Kopf, murmelte etwas von wegen ich würde bei so einem Kerl nur auf die schiefe Bahn geraten. Für einen Moment wusste ich nicht was sie meinten, anscheinend waren sie froh mich endlich loszuwerden. Im nächsten Moment wurde die Tür zugeschlagen, ich zuckte ein wenig zusammen und stand nun draußen mit Ryou. „Wow, du hast wirklich nicht untertrieben, Chigusa.“, bemerkte er und ich schaute zu ihm. Sofort fiel mir ein Piercing an seiner Unterlippe, auf der linken Seite, auf. Ryou’s Gesicht zog mich sofort in den Bann, genauso wie es Haseo immer tat und obwohl wir uns das erste Mal sahen, war das Treffen alles andere als merkwürdig. Es war nicht anders als in „The World“ oder bei unseren Telefonaten.
Mit einer Hand schnappte er sich meinen Koffer und mit der anderen nahm er hielt er meine und führte mich zu seinem Auto. Er öffnete den Kofferraum und lud mein Gepäck ein, anschließend setzte ich mich auf den Beifahrersitz, schnallte mich an und Ryou fuhr auf die Straße.
Ich schaute noch einmal zurück zu dem Haus, in dem ich bis vor wenigen Minuten noch lebte und musste zugeben das ich doch ein wenig traurig war.
„Ängstlich?“, riss er mich aus den Gedanken während wir an einer roten Ampel standen. Von ganz allein wandte sich mein Gesicht zu ihm und da war wieder dieses Lächeln- die linke Seite der Lippe mit dem Ring nach oben gezogen. „Nein, ich glaub nicht.“ „Du glaubst?“ „Ich… ich bin mir…“ „Hey, Chigusa. Wenn dir irgendetwas auf dem Herzen liegt, sag es mir.“ Mein Blick war noch immer auf Ryou gerichtet und ein paar Tränen liefen über meine Wange. Gerade als ich mich abwenden wollte, hielt ich inne nachdem Ryou mir die Tränen wegwischte. „Ich bin genau hier, Chigusa.“, sagte er leise und ich griff nach seiner Hand welche an meiner Wange ruhte. Meine Finger strichen über seinen Ring, welchen er am Zeigefinger trug- etwas worauf ich vorher nicht genau geachtet hatte, und ich zwang mir ein Lächeln. „Danke.“, flüsterte ich leise.

Die restliche Fahrt verging relativ schnell, nach fast einer Stunde befanden wir uns bereits in der Hauptstadt Japans und ich versuchte all die neuen Eindrücke so gut es ging zu verarbeiten. Ryou wohnte in Shinjunku, die Häuser waren riesig und im ganzen sah die Gegend alles andere als Arm aus. Das Gegenteil von meinem alten zu Hause. Dass der Wagen bereits seit ein paar Minuten stand wurde mir erst bewusst, nachdem der Fahrer meinen Arm berührte. „Wir sind da.“, sagte er mit ruhiger Stimme und ich nickte. Gemeinsam stiegen wir aus dem Auto und holten meine Sachen aus dem Kofferraum, ich durfte jedoch nur meine Schultasche tragen, da Ryou den Rest für sich beanspruchte.  Wir betraten das Haus und ich folgte meinem Freund in den Fahrstuhl, beobachtete ihn wie er auf die Zahl der Etage drückte.
Während der Fahrt drehte er sich zu mir und holte etwas aus seiner Jackentasche hervor. „Ich hab da noch etwas für dich.“, sagte er und überreichte mir einen Briefumschlag. Fragend nahm ich ihn entgegen, öffnete ihn und sah nach was sich darin befand. Ich holte den Gegenstand aus dem Briefumschlag. Es waren drei Schlüssel mit einem kleinen Anhänger der aussah wie mein Charakter Atoli, aus „The World“. „Willkommen zu Hause, Chigusa!“, sagte er lächelnd und ich fiel ihm um den Hals. „Vielen Dank, Ryou! Du weist ja nicht was mir das bedeutet!“ Ryou erwiderte die Umarmung und wir lösten uns voneinander als der Fahrstuhl in unserer Etage hielt. Den Schlüssel drückte ich an mich, Ryou griff nach meinem Koffer und ich folgte ihm. Er bat mich die Tür aufzuschließen, welches ich tat und anschließend zur Seite ging damit der Braunhaarige ebenfalls in seine Wohnung konnte.
Das Appartement war groß und geräumig, es war schwer vorzustellen das Ryou alleine in einer so großen Wohnung lebt. Die Wände waren in einem mandelfarbenden Ton gestrichen und die Räume strahlten daher sehr viel Wärme aus. Hier und da standen ein paar künstliche Pflanzen. Die Küche war gefliest und die Arbeitsplatte war aus Granit, zudem stand ein Glasesstisch in dieser. Die Küche wirkte sehr sauber, ich fragte mich wie oft Ryou wohl für sich kochte. Im Wohnzimmer stand eine mittelgroße Ledercouch, davor ein wallnussbrauner Couchtisch und an der Wand stand eine große Wohnzimmerwand mit einem großen Fernseher. In den Fächern befanden sich diverse Konsolen, DVD’s, Spiele und CD’s. Die beiden Räume, Küche und Wohnzimmer, waren miteinander verbunden. Die gesamte Einrichtung war sehr modern und westlich gehalten, das Gegenteil meines alten zu Hauses in dem alles traditionell japanisch war.
Ryou führte mich in ein leeres Zimmer und stellte die Reisetasche auf das Bett, welches noch nicht bezogen war, ab. „Hier ist dein Zimmer, keine Sorge meins ist gleich nebenan. Du kannst dich hier gerne ausbreiten und einrichten wie du magst.“, sagte er mit einem Lächeln und ich konnte mir nicht helfen als dieses zu erwidern. „Vielen Dank, für alles, wirklich. Aber warum tust du das alles für mich?“ „Weil du mir wichtig bist Chigusa und weil ich dir helfen wollte!“, antwortete er und gab mir einen sanften Kuss auf die Wange. Sofort erhitzten sich diese und ich wurde rot. Nach all den Telefonaten und der gemeinsamen Zeit, welche wir in „The World“ verbrachten, sollten mich seine Gesten nicht mehr überraschen, online nahm er mich auch des Öfteren an die Hand oder hauchte mir einen Kuss auf die Wange. Er löste sich von mir und begann zu sagen: „Hast du Hunger? Du hast bestimmt noch nichts gefrühstückt oder?“ „Nein, leider nicht.“  „Okay, dann räumst du deine Sachen aus und ich mach Frühstück für uns beide. Klingt nach einem Plan oder?“ Ich nickte und mein neuer Mitbewohner ging in die Küche. Mir fielen drei weitere Piercings an ihm auf, sie befanden sich an seinem linken Ohr, eins war sogar ein Stab welcher oben an zwei Stellen befestigt war. Mein Blick fiel auf meine Reisetasche, welche ich anschließend öffnete und meine Sachen geordnet in den Schrank legte. Meinen Vermutungen nach war dieses Zimmer vorher das Gästezimmer, es war wirklich schön eingerichtet mit einem Schreibtisch, Wandschrank, einem Bett und einer Kommode. Als ich beim Koffer angelangt war und meine Schulsachen sowie meinen Computer auf den Schreibtisch legte, roch ich bereits das Essen und sofort knurrte mein Magen. Ich beschloss in Richtung Küche zu gehen und beobachtete wie Ryou am Herd stand und Pancakes zubereitete. Mein Herz schlug schneller als ich ihn sah, das war kein Traum, sagte ich zu mir selbst. Dann drehte er sich zu mir und erschrak. „Wie oft soll ich dir noch sagen das du nicht in meinem toten Winkel stehen sollt, Chigusa.“, gab er grummelig von sich.  „Tut mir leid“, meinte ich leise, „Kann ich dir helfen?“
Der Braunhaarige schüttelte den Kopf und wandte sich wieder dem Herd zu. Er legte die letzten Pancakes auf einen Teller und stellte diesen anschließend auf den Glastisch. „Was möchtest du trinken? Ich wusste nicht was du magst, deshalb hab ich Cola, Limo und Eistee geholt.“, sagte Ryou während er zwei Gläser aus dem Schrank holte. „Eistee, reicht mir.“ Mein Gegenüber nickte und goss mir ein Glas Eistee ein und sich selber Limo. Die Gläser stellte er ebenfalls auf den Tisch und setzte sich zu mir.
„Hast du alles eingeräumt?“ Ich nickte. „Gut, kommen wir zu dem unangenehmen Teil mit mir zusammen zu wohnen. Regeln.“ Ich sah von meinem Essen auf – Ryou aka Haseo der Schrecken des Todes hatte Regeln?
„Als erstes, die Wäsche wird Donnerstags gemacht, verschlaf das nicht. Zweitens das Geschirr kannst du in die Spüle legen, ich wasch das dann ab und räum es weg.  Drittens bitte bring niemanden mit es seiden ich hab dir mein OK gegeben. Viertens, wenn du etwas brauchst oder willst, zögere nicht mich zu fragen denn ich werde höchstwahrscheinlich Ja sagen. Gut jetzt nenn mir deine!“
Ich nickte und war überrascht wie locker seine Regeln waren. Doch ich war mir nicht sicher was er von mir hören wollte, daher zögerte ich. „Chigusa, du lebst von heute an ebenfalls hier, diese Wohnung ist von nun an ebenfalls dein zu Hause wie es auch das meine ist. Natürlich hast du Mitspracherecht, und nun lass mich deine Regeln hören.“, versicherte er mir. „Uhm okay…“, ich überlegte einen Moment, „Sei ehrlich zu mir, sei zu DIESER Zeit bitte etwas Verständnisvoller und hilf mir bitte bei der Schule denn ich bin wirklich nicht gut.“ „Ich denke das bekomme ich hin. Apropos Schule. Ich habe mit meiner Mutter gesprochen und nach den Ferien gehst du mit auf meine Schule. Ich mache allerdings in einem halben Jahr den Abschluss, aber du bist am Anfang wenigstens nicht alleine.“
Bei den Worten fiel mir die Kinnlade herunter.  Seine Eltern wussten von mir und das ich hier bin? Ungläubig starrte ich ihn an, Ryou‘s Schule – ich fragte mich wie sie so war. Zugegeben war ich sehr nervös, ich wurde Jahrelang gemobbt und hatte sogar mehrfach versucht mich umzubringen. Er würde nie zulassen dass das erneut passiert. „Wenn du magst, können wir gleich ein bisschen spazieren gehen dann zeig ich dir hier ein bisschen was von Tokyo. Wir haben viel Zeit, jetzt wo wir nicht mehr spielen können.“, schlug Ryou vor. „Das wäre schön!“, sagte ich und lächelte. Der Braunhaarige stellte das Geschirr, nachdem wir gegessen hatten, in die Spüle und wir zogen uns an. Wir nahmen unsere Schlüssel und Ryou wartete bereits im Hausflur auf mich bis ich fertig war. Wenige Augenblicke später stand ich ihm gegenüber und warteten auf den Fahrstuhl. Mit einem Klingeln erreichte der Fahrstuhl unsere Etage, zwei Familien stiegen aus und wir ein. Ryou drückte auf den Knopf und wir setzten uns in Bewegung.

Draußen war es noch immer kalt, erträglich aber dennoch kalt. Schnee hatten wir bisher nicht. Es war doch sehr ruhig, hier und da hörte man ein paar Menschen sprechen oder Autos fahren. Schweigend folgte ich Ryou, nicht weil ich nicht reden wollte sondern weil ich überwältigt von all den Eindrücken in dieser Stadt war.
 
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