Was die Hitze des Sommers nicht alles bewirken kann...

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Chuu'un Hakuren Ren Judar Kouen Ren Kouha Ren Koumei Ren
16.02.2018
14.08.2019
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Ausflucht

*~*


Mit einem mehr als nur schlechten Gefühl torkelte Koumei die Korridore zum Speisesaal entlang. Sein Kopf schien aus Watte zu bestehen. Zugleich lastete er unendlich schwer auf seinen Schultern. Wenn er ihn nicht mit einer Hand stützen würde, würde er wahrscheinlich abbrechen und zu Boden poltern. Was immer Judar mit ihm angestellt hatte, es war zutiefst verstörend. Der dreckige Magi hatte ihn behext, um sich ihm anzunähern! Welch eine Schmach für den zweiten Prinzen des mächtigen Kou Reichs, der darüber hinaus völlig andere Sorgen haben sollte. Nur leider konnte er sich an jede Einzelheit der vergangenen Nacht und des darauffolgenden Morgens erinnern. Wie er Judar festgehalten und ihn für sein Ein und Alles erklärt hatte. Vor allem aber daran, dass irgendjemand sie gesehen hatte! Das würde unter den Dienern eine ebenso beliebte Geschichte werden wie diese von den zwei Turteltäubchen, die Hakuren und Seishuu Ri vor Jahren mehrmals in einer Besenkammer erwischt hatten… Teil davon wollte man nun wirklich nicht sein. Was sollte er jetzt machen?

„Mein Herr, nun wartet doch! Es tut mir so leid, könnt Ihr mir mein Versagen noch einmal verzeihen?“ Chuu'un bemühte sich nicht zu rennen. Das gehörte sich im Palast nicht sonderlich, aber schließlich tat er es doch, um seinen Prinzen einzuholen. „Ich hätte Euch nicht verlassen dürfen! Ich hätte den Magi unter dem Teppich aufspüren müssen, damit Ihr in Sicherheit gewesen wäret! Solch eine Schande!“
Koumei blieb müde stehen. Was genau bereut er so sehr? Er konnte noch nicht klar denken. Seine Augen flirrten konfus über die braune Haarmähne, welche jeglichen Gesichtszug seines Vasallen verbarg.
„Ach, Prinz Koumei, ich bin so unsäglich betrübt über mein Scheitern. Diese Fahrlässigkeit. Möchtet Ihr Euch nicht noch ein wenig ausruhen? Vielleicht solltet Ihr Euch in diesem Zustand nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Na kommt, setzt Euch einen Moment“, schlug er vor, als sein Herr vor Müdigkeit und den Folgen des hinterhältigen Zaubers zu schwanken begann.
Dankbar ließ Koumei sich von ihm zu Boden helfen. Chuu'un hatte ihn vor einer Stunde benommen und allein in seinen Gemächern liegend gefunden. Auf den harten Dielen, in seinen Nachtgewändern, die ganze Zeit irgendwelche unzusammenhängenden Sätze vor sich hinmurmelnd. Immer wieder gespickt mit Judars Namen. Das hatte dem treuen Vasallen genügt, um sich seinen Teil zu denken. Dieser verfluchte Abschaum von einem Hohepriester! Hier handelte es sich nicht um einen durch Faulheit verursachten Schwächeanfall, sondern um die Nachwirkungen eines bösen Fluchs. Koumei freute sich, dass Chuu'un sich um ihn gekümmert hatte und nicht irgendein sensationsgieriger Sklave. Vermutlich hatte er eher den Eindruck eines tollwütigen Monsters mit Schaum vor dem Mund anstatt den eines Adeligen erweckt. Nun konnte er immerhin wieder laufen. Und langsam sorgte er sich wirklich um die Folgen dieses hinterhältigen Zaubers. Wenn er doch nur wüsste, wer  sie gesehen hatte! Würde dieser Jemand seine Beobachtungen für sich behalten oder wusste bereits der ganze Palast davon? Trauernden Menschen kam doch jede erheiternde Ablenkung recht.

„Oh, Chuu'un, was sollen wir nur tun?“, ächzte er und schlug sich die Hände vors Gesicht. Wie sollte er diese Peinlichkeit nur überstehen? Die befremdeten Blicke, den Spott seiner Brüder… er wollte doch nur seine Ruhe haben und ihr Land in eine bessere Zukunft führen. Womit hatte er diese List bloß verdient? „Chuu'un… sag doch endlich etwas!“, jammerte er und zog an den braunen Haaren, die er erreichen konnte, weil der Vasall sich besorgt neben ihn gehockt hatte.
„Den Magi auf möglichst grausame Art und Weise zur Strecke bringen?“, schlug er beflissen vor.
Überrascht starrte der zweite Prinz den ansonsten so gefassten Mann an. Dann lachte er leise. „Eine hervorragende Idee, wenn wir ihn und seine Talente nicht noch brauchen würden. Durch seinen Zauberbann hat er bewiesen, dass er große Macht besitzt.“
„Er hat Eure Ehre verletzt und dafür gesorgt, dass irgendjemand es bemerkt hat. Falls es ein Dienstmädchen war, wird diese Information bald das gesamte Koureich durchwandern“, gab Chuu'un zu bedenken. Wie vernünftig er sich sogar bei der Unterbreitung solcher Schwachsinnigkeiten anhörte!
„Nun hör mal, daran wird der Tod eines unleidlichen Magi auch nichts mehr ändern können“, tadelte Koumei, ein bisschen entsetzt über die Kaltblütigkeit des anderen. „Ich wüsste auch nicht, ob wir ihn überhaupt in einem Kampf besiegen könnten…“, sinnierte er dann doch.
Sein Vasall kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Ihr habt Recht, wir brauchen einen besseren Plan. Wie wäre es, wenn Ihr Euch einfach so verhaltet wie immer und die möglicherweise aufkommenden Gerüchte ignoriert? Schließlich ist es nicht sicher, ob sich die Nachricht ausbreiten wird.“
Vorsichtig, um keinen stechenden Kopfschmerz auszulösen, nickte Koumei. Eigentlich war dies die einzige Option. Alles abstreiten, verdrängen, ignorieren, die Wachen vor seinen Gemächern verstärken, Judar meiden. Vornehmlich letzteres.

Murrend versuchte er, sich zu erheben. Sofort stützte Chuu'un ihn. Seiner Hilfsbereitschaft zu Folge musste Koumei einen erbärmlichen Anblick bieten. Sein armer Kopf, eigentlich hatte er nach diesem brutalen Übergriff eine Sonderration Schlaf verdient.
„Nein“, meinte der Vasall, der offenbar seine sehnsüchtigen Gedanken erraten hatte, „wir gehen jetzt schön zu Euren Brüdern und entschuldigen uns für Euer Fernbleiben von der verabredeten Zusammenkunft. Ich habe Euch nicht umsonst wieder einigermaßen hergerichtet.“
Koumei stöhnte unwillig. „Ohne dich könnte das Leben so viel entspannter sein, du behandelst mich wie ein Kleinkind…“
Chuu'un schüttelte seine Mähne. Wahrscheinlich amüsierte er sich grade köstlich über seine geistige und körperliche Umnachtung, die einfach nicht vollständig verschwinden wollte.  Oder er dachte genau das Gleiche von Koumei. Ja, das würde es wohl sein, denn der arme Vasall wurde mal wieder viel zu stark in Tätigkeiten eingespannt, die für gewöhnlich einfache Diener regeln mussten.

Wie erwartet fiel der Empfang im prachtvollen Speisesaal recht unterkühlt aus. Kouen thronte bedrohlich am hinteren Ende der Tafel und schob Schriftrollen hin und her. Er würdigte seinen kleinen Bruder keines Blickes. Wahlweise neben oder über ihm schwebte das schwarze Grauen. Judar funkelte den Neuankömmling böse, beinahe hasserfüllt an, was Koumei nicht nachvollziehen konnte. Dieser Magi trug schließlich die alleinige Schuld an ihrer misslichen Lage, doch momentan gab es noch keinerlei Anzeichen darauf, dass irgendjemand von ihnen erfahren hatte. So beschloss er, ihn mit Missachtung zu strafen. Als er dachte, dass es momentan niemand gäbe den er derart weit fort wünschte, wie den dreckigen Hohepriester, ertönte in seinem Rücken ein verstörendes Kichern.

Erschrocken fuhr er herum, glücklich über Chuu'uns Deckung. Hinter ihm hatte sich der wandelnde Albtraum seiner dahinziehenden Kindheit aufgebaut. Kali, die Haremsdame, welche ihn an seinem sechzehnten Geburtstag das Fürchten gelehrt hatte. Natürlich teilten sie mittlerweile nicht mehr eine derartige gegenseitige Abneigung wie damals, aber von Zuneigung zu sprechen wäre falsch. Heute trug sie ein Oberteil welches Judars Kleidungsstil alle Ehre machte. Wie üblich wehte um ihre Beine ein langer Rock, während ihr Bauch unzüchtig hervorblitzte. Ihr langes, offenes, schwarzes Haar konnte getrost den Boden fegen. Koumei heulte innerlich. Womit wollten diese Tage ihn noch quälen?
Kali spürte sein Unwohlsein. Natürlich, dafür hatte sie einen sechsten Sinn. Sogleich verzog sich ihr hübsches Gesicht zu einer spöttischen Fratze: „Ach, das Kaiserpack ist wieder in der Stadt. Voll versammelt und so eigenwillig wie eh und je.“
„Falls du lieber deine Ruhe hättest, kannst du gerne wieder gehen. Ich habe dich jedenfalls nicht eingeladen“, brummte Koumei, ehe etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Erfreulicherweise waren die drei Schreckgestalten nicht die einzigen Anwesenden in diesem Raum. Kouha musste gestern Nacht oder heute früh aus Magnostadt angekommen sein, denn nun saß er fröhlich mit den Beinen baumelnd auf der anderen Seite des großen Tischs. Sobald er Koumei entdeckte, glitt er von der hölzernen Platter herunter und stürmte auf ihn zu.
„Bruder Mei!“
Die herzhafte Umarmung drückte ihm beinahe die Eingeweide heraus. Eindeutig zu viel unerbetene menschliche Nähe in den letzten Tagen.
„Ich habe dich so sehr vermisst!“, jauchzte Kouha und machte keinerlei Anstalten ihn loszulassen.
Leider war der zweite Prinz diese Liebesbekundungen von dem Jüngsten im Bunde gewohnt.
„Ich freue mich auch, dich wiederzusehen“, japste er und versuchte sich von ihm zu lösen.
Endlich gelang es ihm, Kouha zurück zu schieben und die dünnen Ärmchen ließen wehleidig von ihm ab. Dafür blitzten ihn nun zwei rötliche Augen begeistert an. „Hast du eine gute Nacht gehabt, Mei Mei?“
Es benötigte keine Sekunde, um den heimlichen Beobachter zu entlarven.
„Du?!“, wäre es ihm fast herausgerutscht, ehe er im letzten Moment die Lippen aufeinanderpresste. Bei den Rukh, von allen Menschen, die diese unschöne Begebenheit hätten erblicken können, war sein kleiner Bruder der schlimmste.

Kouha liebte Klatsch und Tratsch, beinahe ebenso sehr wie Junjun, Jinjin und Reirei. Nur konnte man Worte nicht schlagen, also zog er insgesamt wohl seine Dienerinnen vor.
„Willst du mir gar nichts davon erzählen? Och bitte, Mei.“
„Was sollte ich dir erzählen wollen? Wovon ich geträumt habe?“ Sein Herz begann zu rasen. Gleich würden alle wissen, dass er, der zweite Prinz des mächtigen Koureichs mit respektlosen Magis verkehrte.
Kouha verengte die Augen. „Wieso tust du so ahnungslos? Ich habe gesehen, dass du nicht alleine warst. Weißt du, zuerst war ich ganz begeistert, weil ich dachte, dass du Judar zu dir geholt hättest, was übrigens eine beachtliche Leistung gewesen wäre, aber dann hat mir Kouen diese Kali hier vorgestellt und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich vertan habe. Das ist zwar nicht so spannend, aber interessant ist es dennoch.“
„K-Kali?“, stotterte er. Sein Gehirn musste erst einmal mit diesen unerwarteten Informationen zurechtkommen. Sein kleiner Bruder bespitzelte ihn, war auf die richtige Fährte gelangt, nur um sogleich von ihr abzulassen? Und die streitsüchtige Haremsdame spielte dabei auch noch mit? Eigentlich würde es besser zu ihr passen, wenn sie Kouhas Irrtum richtigstellen würde. Aber sie wirkte vollkommend überzeugend und hatte stolz den Kopf erhoben. Vielleicht hatte sie Angst, nutzlos zu sein und deshalb verbannt zu werden? Ach, sollten sich die Rukh um ihre Gefühlswelt scheren, ihn hatte sie in der Vergangenheit viel zu oft dank ihrer spitzen Zunge verletzt.
„Ja, Kali! Mei, ich bin sauer! Und irgendwie freue ich mich auch für dich. Du hast mir nie von ihr erzählt! Ich hätte sie gerne kennengelernt! So eine nette Dame!“
Das glaube ich dir sofort. Vom Wesen her könntet ihr zusammen passen, dachte er. Dann kam plötzlich die Erleichterung. Konnte es wirklich sein, dass sie ihn freiwillig deckte? Warum? Verwirrt suchte er den Blick der jungen Frau, doch diese schenkte ihm lediglich ein rätselhaftes Lächeln. Es konnte entweder bedeuten: "Ich hege keinerlei Groll gegen dich." oder "Jetzt stürz dich schon vom Palastdach!"
„Mei, jetzt antworte mir! Wieso verheimlichst du vor mir, dass du eine Konkubine hast? Ich denke, zwischen uns gibt es keine Geheimnisse?“
Judar, der sich zuvor unauffällig verhalten hatte, stieß ein höhnisches Glucksen aus, welches nach einem Rippenstoß von Kouen sogleich verstummte. Dieser elende, kleine... egal, sein Bruder hatte jegliches Theater rechtzeitig unterbunden. Der erste Prinz kümmerte sich ansonsten nicht um das Spektakel um ihn herum. Irgendwie stimmte dieser Umstand Koumei misstrauisch.
„Nun… das tut mir Leid… es hat sich nie ergeben…“, erwiderte er, höchst irritiert, dass sein jüngster Bruder plötzlich derart an seinem Leben teilhaben wollte. Es war ihm unangenehm. Denn Geheimnisse hatte er vor der halben Portion massenweise, was hauptsächlich an Kouhas geringem Alter lag. Langsam entwuchs der Junge den kindlichen Allüren, doch für seine älteren Geschwister würde er immer der kleine, unbeherrschte Kaisersohn bleiben.
Ebendieser verschränkte nun beleidigt die Arme vor der Brust. „Ich wusste, dass ihr mich ausschließt, weil ich nicht die gleiche Mutter habe“, schniefte er plötzlich.
Herrje, die Aufregung und Sorge um den Tod ihres Vaters traf jeden auf eine andere, nervtötende Weise.

Während Kouha bereits kummervoll nach seinem Messer tastete, um irgendjemanden für sein Leid büßen zu lassen,  ertönte plötzlich ein energisches Quietschen. Alle Anwesenden zuckten zusammen, Chuu'uns Hand zuckte nach einem Pfeil, aber es war nur Kouen, dem es reichte. Er hatte seinen Stuhl zurückgeschoben.
„Jetzt reißt euch alle mal zusammen“, knurrte er finster. „Ich versuche hier zu arbeiten und das solltet ihr ebenfalls tun. Stattdessen lässt du, Kouha, die arme Kali hierher schleifen und niemand bemüht sich darum, das zu tun, was in unserer momentanen Situation angemessen ist! Was seid ihr? Alte Waschweiber oder Prinzen?“
„Aber du hast Kali doch hergerufen, weil ich dir nicht glauben wollte, wie ähnlich sie Judar sieht!“, protestierte Kouha entrüstet.
„Schweig! Du hast schon genug Unheil angerichtet!“, donnerte Kouen und packte den kleinen grob am Arm. Das Messer landete klirrend am Boden. „Wisst ihr was, alle außer Koumei und seinem Wächter verlassen nun diesen Saal. Alle, besonders du solltest meinen Befehlen nun Folge leisten!“, bellte er, als Judar einen gelangweilten Salto schlug, aber keine Anstalten machte, auf ihn zu hören. Anscheinend hatte der Magi sich wieder von seinem Schreck heute Morgen erholt.

Nach einer halben Ewigkeit hatte sich die streitlustige Gesellschaft widerstrebend zerstreut, natürlich nicht ohne Koumei mit bitterbösen Blicken zu bedenken. Judar wirkte, als würde er Koumei am liebsten auflauern und bei der günstigsten Gelgenheit umbringen. Nur Kali zwinkerte ihm schalkhaft zu. Wahnsinnige Hexe.
Doch dann waren sie endlich fort. Nur noch die beiden ältesten Prinzen samt Chuu'un saßen sich an der Tafel gegenüber. Erleichtert, nicht mehr von Kouha über Kalis Qualitäten ausgequetscht zu werden, seufzte Koumei laut auf. Er erhielt ein einfaches Frühstück und schon gefiel ihm das Leben wieder besser. Genüsslich ließ er sich den Reis auf der Zunge zergehen.
Daraufhin schob Kouen endlich seine Papiere zur Seite und maß ihn durchdringend. Sofort wurde der Jüngere wieder nervös und wäre wohl Hals über Kopf in seine Gemächer geflohen, wenn Chuu'un ihm diesen Fluchtweg nicht versperrt hätte.
„Du schuldest mir etwas“, bemerkte der erste Prinz leise. Stäbchen klapperten auf den Boden.
„Wie bitte, mein königlicher Bruder?“
Kouen lachte schallend, ehe er die Stimme senkte. „Du glaubst nicht ernsthaft, dass Kali von sich aus derart kooperativ gewesen ist, oder?“
Koumei spuckte beinahe seinen Tee über den Tisch. „Ich… verstehe nicht?“
„Oh, der schlauste Mann des gesamten Kaiserreichs versteht nicht? Deine Lügen sind so jämmerlich wie immer. Du enttäuschst mich. Ich weiß, dass Kouha die Wahrheit gesprochen hat. Schließlich bist du an dieser Haremsdame nicht interessiert. Die Sache mit dem Priester überrascht mich zugegebener Weise, stimmt mich ein wenig besorgt, aber nach der Sache mit Hakuren… Du hast zwar nie etwas Eindeutiges durchscheinen lassen, aber nun wird mir einiges klarer.“

Koumeis schmale Augen waren so weit aufgerissen, als wollten sie ihm gleich aus dem Kopf fallen. Sein Bruder wusste von ihm und Hakuren?! Und von ihm und Judar? Er würde wahrlich ein guter Herrscher werden, wenn er so viel mitbekam. Egal wie peinlich es ihm eigentlich war, er verspürte zusätzlich einen widersprüchlichen Stolz auf den anderen. Er hatte Kouen nie für sonderlich aufmerksam oder feinfühlig gehalten.
„En, ich…“
„Schon gut.“
„Nein, Judar hat…“
Doch sein Bruder schüttelte lediglich den Kopf. „Es geht mich nichts an und es interessiert mich auch nicht. Allerdings hoffe ich, dass du in Zukunft mehr Vorsicht walten lässt. Du kannst so unvernünftig sein, obwohl du so klug bist. Bitte verschwende deine Talente in Zukunft nicht mehr an solch einen Unfug. Ich brauche dich an meiner Seite, besonders in der kommenden Zeit. Sie verspricht mehr als anstrengend zu werden und ich befürchte, Mutter wird uns einige Schwierigkeiten bereiten.“
Sein Gesicht zeigte plötzlich einen warmen Ausdruck tiefer Verbundenheit und der Jüngere wäre beinahe in Tränen ausgebrochen. Wie lange hatte er diese Emotionen nicht mehr erblicken dürfen? Jahre?
Unwillig schnalzte Kouen mit der Zunge. „Nun schau mich nicht so rührselig an. Es war kein großer Akt oder Zeitaufwand, Kali davon zu überzeugen, dich zu decken. Ein kleiner Hinweis auf die unverhältnismäßigen Lebenshaltungskosten einer untätigen Konkubine und schon war unsere wilde Raubkatze ganz fügsam. Außerdem ist die Ehre der Familie ein wichtiges Gut, das bewahrt werden muss. Kouha mag ein lieber Kerl sein, aber manchmal ist sein Verhalten sehr zerstörerisch. Und Judar… nun… mit dem haben wir wohl noch ein Hühnchen zu rupfen. Meinst du nicht auch?“
Ergeben nickte Koumei. Am liebsten wäre es ihm, wenn er den Priester für die nächsten Jahre nicht mehr sehen müsste. Er wusste nicht, das ihm dieser Wunsch bald erfüllt werden sollte.
„Ich danke dir, mein Bruder und König. Ich danke dir!“
Kouen schmunzelte, ehe er sich den Bart zwirbelte. „Danke es mir am besten, indem du weniger verschläfst, vor allen Dingen in wichtigen Situationen.“
„Natürlich, ich stehe wirklich tief in deiner Schuld.“
„Nicht doch und nun will ich kein Wort mehr von dieser ganzen Angelegenheit hören. Es gibt wichtigeres zu tun.“
„Jawohl, En. Du bist der Beste.“ Koumei sank erleichtert und erschöpft zugleich auf dem Esstisch zusammen. Auf seinen großen Bruder war Verlass, was immer auch geschehen mochte, gemeinsam konnten sie es durchstehen. Auch das drohende Unheil, welches nun wie eine schwere Gewitterwolke über dem Koureich schwebte. Die Familie ging in einem derart mächtigen Reich eben vor.
Kouen schritt zu ihm hinüber. „Das wusste ich schon immer. Aber genug davon. Jetzt wollen wir erst einmal unseren Vater verabschieden!“


*~*


Hui, hiermit sind wir schon am Ende der Geschichte. Ich bin ehrlichgesagt ziemlich froh, überhaupt eine Stelle gefunden zu haben, die einen akzeptablen Abschluss bildet, wobei ich hiermit nicht wirklich zufrieden bin. Irgendwie könnte ich immer weiter schreiben. Da dies wahrscheinlich niemandem mehr zu Gute gekommen wäre, ist jetzt an dieser Stelle Schluss ;)

Ich hatte eigentlich noch eine Fortsetzung geplant, aber dafür fehlen mir neben meinem neuen Schreibprojekt leider Zeit und Lust. Die letzten Magi-Bände machen das Fanfiktionschreiben in diesem Fandom bedauerlicherweise auch nicht verlockender. Das einzige was ich mir zu Magi momentan noch vorstellen könnte wäre eine humorvolle Kurzgeschichte. Deshalb hoffe ich einfach, dass euch dieses Geschreibsel oder die Sidestory wenigstens ein bisschen gefallen haben.

Vielen Dank auch an euch Leser, die ihr die Story von Anfang an bis hierhin mitverfolgt habt. Die Favoriteneinträge und Kommentare waren sehr motivierend. Lasst mir doch mal einen Review oder ein Sternchen da, das würde mich sehr freuen. :)

Vielleicht liest man sich bald mal wieder

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