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Hubert & Staller Oneshots

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller
16.02.2018
08.07.2018
10
16.596
3
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
16.02.2018 1.302
 
Für dieses Kapitel ist es sehr wichtig  Folge 16 der 6. Staffel  "Alles wird gut" gesehen zu haben. Die Szene spielt als Hubsi "nach fünf Jahren im Krankenhaus aufwacht."
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Ich hatte diesen Tag heraus gezögert. Monate, Jahre, aber irgendwann war auch die letzte Hoffnung gestorben. Irgendwann glaubte selbst Hansi nicht mehr daran. Seit fünf Jahren lag Hubsi nun schon im Koma, fünf lange Jahre, die mir mehr denn je gezeigt hatten, wie sehr ich ihn in meinem Leben brauchte und gebraucht hätte. Jeden Tag war ich hier gewesen, bei seinem Bett, jeden verdammten Tag und jedes Mal schien es mir, als würde er gleich aufwachen. Doch er war nicht aufgewacht. Mit zitternden Händen schaltete ich den Rasierer ein. Hubsi sollte doch schön aussehen, im Sarg. Eine Träne floss mir über die Wange. Ich wollte die Geräte nicht abschalten, aber es musste sein. Er würde nicht mehr aufwachen und ich würde nicht mehr glücklich werden.

Ich rieb mir mit der Hand über die Augen. Hoffentlich war mein Make Up nicht verschmiert. Ich liebte diesen Menschen immer noch, ich hatte nie aufgehört ihn zu lieben. Wieso hatte ich vor knapp zehn Jahren die Scheidung eingereicht?! Ja, er räumte selten auf, ja, er kochte schlecht, aber waren das gute Gründe? Ich hielt mir die Hand vor den Mund, um nicht laut aufzuschluchzen. Jeden Tag hatte ich mich an die Hoffnung gekrallt, Hubsi vielleicht irgendwann in seine Ozeanblauen Augen zu schauen. Doch es gab nichts mehr zu krallen.

Vorsichtig setzte ich den Rasierer an. Ich wollte schließlich seine Haut  nicht verletzen. Die rechte Hand legte ich an seine Wange. Meine Hände zitterten noch immer ein wenig, weswegen ich ein meine Hand etwas verrutschte und dann.. "Au!". Ich zuckte zurück. Er zuckte zurück. Er lebte. Hubsi lebte, sie würden die Maschinen nicht abschalten müssen. Aber wie konnte das sein? Mein Herz schlug wie wild. Seine blauen Augen sahen mich ziemlich orientierungslos und konfus an.

Er lebte und blickte im Raum umher, dann sah er wieder zu mir. Es kostete mich all meine Willenskraft nicht laut los zu weinen vor Freude. Ich hätte ihm das gerne gesagt, wäre ihm gerne um den Hals gefallen, doch das wollte ich ihm im Moment nicht zumuten. "Was machst n du da?", fragte er ganz beiläufig, als würde er nach dem Wetter fragen.

Meine Atmung ging schnell. Was sollte ich darauf antworten? Ich konnte ihm kaum sagen, dass es in ein paar Stunden für ihn zu spät gewesen wäre.  Hubsis Stirn, die gerade noch in verwirrten Falten lag, glättete sich, als er sah, wie aufgelöst ich war. "Was schaust n so?", fragte er weiter, als ich nicht erwiderte. "Hab ich was im Gesicht?". Ich hätte gerne gelacht, aber die Situation ließ das kaum zu. "Nein.. du. Du bist nur eine Zeit lang weg gewesen", versuchte ich die Situation am besten zu umschreiben.

Was würde Hansi sagen? Wie würde Hubsi sich jetzt zurecht finden? Ich beugte mich ganz leicht nach vorne, einfach um sein Gesicht zu studieren. Fünf lange Jahre habe ich keine Bewegung in diesem gesehen und jetzt bewegten sich seine Augen hin und her. Er sprach, es kamen Worte aus seinem Mund. Ich würde ihn gerne.. küssen. Ich hatte mir oft gedacht, wie es wäre, wenn ich ihn küsste und er davon wieder aufwachen würde. Was für ein kindischer Gedanke. Ich hätte ihn durchaus in diesen fünf Jahren küssen können, doch wofür, wenn er selbst keine Kontrolle hatte und sowieso nicht mehr aufwachen würde? Doch jetzt war er wach und sie würden noch sehr viel Zeit zum reden haben.

"Habt ihr den Deppen erwischt?", fragte Hubsi unvermittelt, als ich dabei war seine Züge zu betrachten. "Ha?", fragte ich wenig einfallsreich. Welchen Deppen? "Der mich da runter g'schmissen hat", fügte er hinzu. Ich versuchte ruhig zu atmen, was mir kaum gelang. Was redete er da? Ich legte ihm beschwichtigend meine Hände auf die Brust. "Ich hol den Arzt." "Nanana", erwiderte er dickköpfig, wie er es immer schon gewesen war. "Ich brauch keinen Arzt." Er richtete sich schwerfällig auf.

Meine Hand lag immer noch auf seiner Brust. Irgendwie war dort genau der Ort, wo sie liegen sollte. Ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. "Wo ist n meine Uniform?". Neue Tränen traten mir in die Augen, als ich daran dachte, dass Hansi und ich ihn in seiner Uniform hatten bestatten wollen. Sein Beruf war schon immer seine Leidenschaft gewesen. Dementsprechend war nun auch seine Uniform das einzige, was er nun hier anzuziehen hatte. Ich deutete auf den Schrank, der sich neben dem Bett befand. "Ich hab drauf bestanden, dass sie hier bleibt. Dein Job war ja das einzige, von dem ich weiß, dass es dir noch was bedeutet hat."

Meine Stimme brach. Sein Job und Hansi. An welcher Stelle ich kam, wusste ich nie, vielleicht war ich auch an gar keiner Stelle gewesen. Ich schniefte und wischte mir die Tränen vom Gesicht. Hubsi sah mich verständnislos an. Natürlich, er hatte allen Grund dazu. Er wusste nicht, dass er fünf Jahre lang geschlafen hatte und auch nicht, dass heute beinahe sein Todestag gewesen wäre.

"Was'n los mit dir?". Er klang besorgt. Wenn hier jemand nicht besorgt sein sollte, dann er. Ich wusste, dass ich etwas antworten musste, aber ich konnte nicht anders, als weiterhin sein Gesicht zu betrachten. So viel würde ich geben, um von nun an wieder neben diesem Gesicht morgens aufzuwachen. Ich würde es ihm gerne erklären. Alles, aber dafür fehlte mir die Kraft. "Also, ich würde mich jetzt gern umziehen."

Ich musste lachen. Wenn er wüsste, in welcher Situation er sich befand. Wie konnte er jetzt an umziehen denken? Ich nickte, nicht weil ich zum Umziehen animieren wollte, sondern weil er so vital war, so lebendig und weil es ihm gut ging. Mein schneller Herzschlag verlangsamte sich nicht. Jeden Moment hatte ich trotz allem Angst, dass er die Augen schließen und wieder zurück in seine Kissen fallen würde, doch nichts dergleichen geschah.

Ich stand auf, um einen Arzt zu suchen oder eine Schwester. Irgendjemanden, dem ich die gute Botschaft überbringen konnte. Doch stattdessen hörte ich hinter mir einen dumpfen Aufschlug, fuhr herum und sah, dass Hubsi trotz allem versucht hatte das Bett zu verlassen und kläglich daran gescheitert war. "Hubsi", rief ich aus, als ich wieder an seiner Seite war. "Du musst liegen bleiben." Ich dachte, das sei offensichtlich gewesen. "Ja, das sagst du mir jetzt", murrte er. Ich zog ihn von seinen Knien hoch und buchsierte ihn zurück aufs Bett.

"Das ist er Muskelschwund." Als er wieder saß, blickte er mich aus seinen unergründlichen blauen Augen an. Ich würde so gern wissen, was er dachte. Freute er sich mich zu sehen? "So, ich hol jetzt den Arzt und du bleibst sitzen, verstanden?", sagte ich und versuchte so viel emotionale Standfestigkeit wie möglich aufzubringen, was ein schweres Unterfangen war. Ich ließ meine Hand über seine Wange gleiten. Ja, ich wusste, wie offensichtlich ich mich verhielt und dass er mich womöglich bald damit aufziehen würde, aber das war mir egal. Dieser Mann war mir wichtig und diese letzten fünf Jahre, in denen ich nur eine Hülle von ihm berühren hatte können, waren die Hölle gewesen.

Schnell zog ich meine Hand weg. Dann lächelte ich und legte noch einmal kurz meine Hände an beide Wangen. Wie war es möglich, dass er aufgewacht war? Ich wollte noch etwas sagen, doch ich wusste nicht was. Vielleicht endlich sagen, was ich fühlte? Doch dazu war noch jede Menge Zeit. Ja, ich hatte noch sehr viel Zeit ihm meine Gefühle zu zeigen und ich würde das auch tun.
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