7 Hugs

OneshotRomanze, Freundschaft / P6
Penny Sheldon Cooper
16.02.2018
16.02.2018
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7 Hugs

Sieben Umarmungen. Sie hatte sieben Umarmungen gewonnen. Es gab nichts anderes mehr, an das sie denken konnte und auch wollte. Ihre Gedanken drehten sich nur noch um diese verdammten Umarmungen. Wann sollte sie sie einsetzen? Sollte sie sie sich aufheben oder gleich alle auf einmal aufbrauchen?

Es war nicht einmal eine Woche her, dass sie alle gemeinsam in Leonard und Sheldon's Wohnung gesessen hatten und die Star Wars Version von Monopoly gespielt hatten – selbstverständlich mit abgeänderten Regeln. Da sie sich nicht an den normalen Verlauf des Spiels gehalten hatten, war die Runde schnell vorbei gewesen. Nach und nach waren sie alle pleite gegangen, Raj, Leonard, dann Howard und zu guter Letzt auch Sheldon. Penny hatte gewonnen. Doch sie hatte mehr gewonnen, als nur den Sieg auszukosten. Vorher hatten sie gewettet und mit Penny's Sieg hatte sie sich ein Geschenk von Sheldon ergattert.

Es war kein einfaches Geschenk. Der Einsatz waren sieben Umarmungen gewesen, welche Penny nach belieben einlösen konnte. Und genau so hatte es begonnen.

Eins.

Die erste Umarmung von Sheldon, welche Penny einlöste, war an einem Tag, welchen sie gemeinsam verbringen durften oder mussten. Leonard hatte länger arbeiten müssen und so war es Penny's ehrenvolle Aufgabe gewesen Sheldon zum Zahnarzt zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich noch keine Gedanken um die Umarmungen gemacht. Sie schwebten im Raum, ohne, dass sie danach greifen wollte.

Beim Zahnarzt hatte man Sheldon dann zugedröhnt. Er hatte einfach nicht still auf der Liege legen bleiben wollen und so hatte man ihm Lachgas injiziert. Er war noch gesprächiger und kindlicher als ohnehin schon und ihn die Treppe nach oben zu bringen, war wirklich kein Leichtes.

Penny bemühte sich ihn die Stufen nach oben zu stützen, wobei Sheldon die ganze Zeit unablässig darüber redete, wie sich das Wetter in den letzten Jahren verändert hatte. Es war ein sehr langer Monolog, dessen Penny gar nicht folgen konnte, war sie doch damit beschäftigt Sheldon in den Ecken zu lenken. Man, der Kerl war echt schwerer, als er aussah.

Endlich oben angekommen, ließ Penny Sheldon kurz los. „Kannst du alleine stehen?“, fragte sie und musterte ihn besorgt.

Sheldon hatte ein großes Grinsen auf den Lippen. „Meinst du, ich wäre ein guter Wetterfrosch?“, wich er ihrer Frage geschickt aus und kippte vornüber. Penny fing ihn auf und versuchte ihn wieder nach oben zu drücken. „Okay, okay.“, presste sie unter Anstrengung hervor. „Wo sind deine Schlüssel?“ Als sie wieder keine Antwort bekam, klopfte sie heftig gegen die Tür. Leonard müsste mittlerweile eigentlich wieder zu Hause sein.

Als dieser die Tür öffnete und das Bild, welches sich ihm bot, zweifelnd beäugte, stolperten Penny und Sheldon in die Wohnung. „Kannst du ihn mir vielleicht abnehmen?“, fragte Penny atemlos und sofort war Leonard da, um seinen Mitbewohner zu stützen. „Klar doch.“ Er blickte zu Sheldon. „Was haben sie ihm gegeben?“

„Lachgas.“ Penny streckte ihr Kreuz durch. Das war anstrengend gewesen! „Er hat wohl nicht still liegen bleiben wollen.“

Leonard lachte kurz auf. „Ja, das hatte ich mir gedacht. Danke, dass du ihn gefahren hast.“

„Kein Problem.“ Penny gab ihrem Freund einen sanften Kuss und lehnte sich dann zu Sheldon. „Machs gut, Sheldon.“

Dieser grinste sie wieder nur an. „Danke, Penny.“ Er breitete seine Arme aus und zog seine gute Freundin in seine langen, schlaksigen Arme. Auch wenn Penny sich das nicht gewünscht hatte, so murmelte er dennoch: „Das war Nummer eins.“

Und von nun an dachte Penny fast ununterbrochen an die Wärme von Sheldon's großen Körper und seine innige Umarmung.

Zwei.

Penny schmiss eine kleine Halloweenparty und während Leonard überall herum erzählte, dass er mit der Gastgeberin zusammen ist – sein Prahlen war echt anstrengend auf Dauer –, hatten es Raj und Howard anscheinend geschafft Sheldon einzureden, sie hätten ihm Alkohol in seine Drinks gemischt. Und auch wenn sich Penny sicher war, dass dem nichts so war, verhielt sich Sheldon tatsächlich so, als sei er betrunken.

Und so fanden sich die Zwei wieder im Hausflur, wo Penny den „betrunkenen“ Sheldon wieder stützen durfte. Zum Glück mussten sie diesmal nicht die Treppen nach oben oder unten laufen. In nur wenigen Schritten waren sie in der Wohnung der Wissenschaftler. Penny begleitete ihren Partygast noch bis zu seinem Schlafzimmer und verabschiedete sich dann von ihm.

„Danke, Penny.“, meinte dieser schon wieder und lächelte schief. „Du bist die beste.“

„Ach nicht doch.“ Penny winkte ab. Kurz standen sie beide regungslos voreinander und Penny hing noch immer der Duft von Sheldon's Wäsche in der Nase, als sie sich einfach an ihn schmiegte. Und das war Nummer Zwei gewesen.

Drei.

Für gewöhnlich war Penny ja immer diejenige, die die Gruppe vor der Bosheit der Menschheit beschützte. Sie waren gemeinsam unterwegs. Die Jungs hatten erst Penny von der Arbeit abgeholt und waren dann zu Stuart, um auch ihn abzuholen. Sie wollten alle gemeinsam ins Kino und auch wenn Penny eigentlich kein Lust auf noch so einen bescheuerten Superheldenfilm hatte, so war sie dennoch hier. Leonard hatte sie die ganze Zeit versucht zu überreden und als Sheldon dann auch noch begonnen hatte auf sie einzureden, hatte sie irgendwie nachgegeben.

Es passte ihr nicht, dass Sheldon seit neustem solch eine starke Kraft ausstrahlte, die sie einknicken ließ. Sie versuchte zu ignorieren, was da scheinbar greifbar in der Luft lag und schmiegte sich enger an Leonard's Arm, der gerade mit Howard über irgendetwas zu diskutieren schien, was mit dem Joker zu tun hatte.

Genau in diesem Moment wurde sie heftig an der Schulter gerammt. Ein stämmiger Mann funkelte sie finster an. „Pass doch auf!“, fauchte er.

„Passen Sie doch auf!“, rief da plötzlich Sheldon und baute sich vor dem Typen auf. „Sie haben doch wohl gesehen, dass wir hier laufen.“

Alle starrten sie ihn ungläubig an, in der ersten Reihe Leonard und Penny. Sie konnten nicht fassen, dass Sheldon sich gegen dieses Muskelpaket wehrte. Er war dabei seine Gruppe zu beschützen. Er war dabei Penny zu beschützten.

Sie begann zu lächeln, als der Mann verschwunden war. Sie strahlte Sheldon an, löste sich von Leonard's Arm und schloss den schlaksigen Wissenschaftler in die Arme. „Danke, Sheldon.“, hörte sie sich leise sagen. Und alle starrten sie sie an.

Vier.

Die vierte Umarmung war vielmehr ein Versehen gewesen, als dass sie beabsichtigt war. Sie saßen wieder in der kleinen Wohnung und starrten auf den Bildschirm. Penny hatte die Jungs überreden können Topmodel zu schauen. Raj und Howard starrten gebannt auf den Fernseher, Penny war auf Leonard's Sessel zusammengerollt und hielt sich an einer Tasse Tee fest. Leonard selbst war in der Küche und machte Waffeln. Er gab dabei seltsame Geräusche von sich und Penny schaute immer wieder belustigt zu ihm hinüber. Er machte so gut wie alles falsch. Aber er bemühte sich.

Sheldon saß bei der Gruppe und las. Er beschwerte sich hin und wieder über das Geschreie von Leonard, der sich schon wieder verbrannt zu haben schien und murmelte unverständliches über den „Schwachsinn“, den sie gerade schauten. Wehalb er hier saß und las und nicht in sein Zimmer gegangen war, war Penny schleierhaft. Vielleicht war er einfach wieder zu stolz seinen Platz aufzugeben.

Als dann die nächste Werbepause kam, standen sie zeitgleich auf. Penny und Sheldon rannten ineinander. Nur eine halbe Sekunde später meinte Sheldon ernst: „Das zählt.“ Und Penny war bewusst, dass sie ihre nächste Umarmung verspielt hatte.

Fünf.

„Sie waren überall!“, jammerte Sheldon mit ängstlicher Stimme. Er hatte schlecht geträumt – scheinbar hatten ihn Vögel attackiert – und anstatt zu Leonard zu gehen und sich von ihm beruhigen zu lassen, war er tatsächlich rüber gekommen und hatte Penny geweckt.

Verschlafen rieb sie sich die Augen. „Es war nur ein Traum.“, murmelte sie müde. Schnell schlängelte sich der Nerd an ihr vorbei in die Wohnung.

„Sheldon, was zum...“

„Ich kann so nicht mehr einschlafen.“

Penny seufzte. Sie hätte einfach liegen bleiben sollen. Sie war todmüde. Doch als Sheldon jetzt so vor ihr stand, ängstlich wie ein kleines Kind, welches glaubt, da sei ein Monster in seinem Schrank, da konnte sie nicht anders. Sie legte den Kopf schief und musterte ihr Gegenüber für einen Moment schweigend. Dann zog sie ihn in eine lange und innige Umarmung. Beruhigend strich sie ihm über den Rücken, spürte seine warmen Hände an ihren Schulterblättern, konnte seinen Atem spüren, wie er ihr Genick streifte, erst schnell und dann immer regelmäßiger und ruhiger.

Einen Moment später lösten sie sich voneinander. „Danke, Penny.“

„Du musst dich nicht immer bei mir bedanken, Schätzchen.“ Penny lächelte mild.

Sheldon zog die Schultern hoch. Er sah schon wieder so aus, als läge eine Frage auf seiner Zunge. „Kann ich hier schlafen?“

„Aber...“, begann Penny und zuckte dann schließlich mit den Schultern. Sie hatte sich so sehr auf ihr warmes Bett gefreut. Nun würde sie also auf dem Sofa schlafen dürfen. „Okay.“

Sechs.

Penny klopfte dreimal. Sie war erneut zum Essen eingeladen. Es gab Thailändisch. Sheldon öffnete ihr. „Penny? Seit wann klopfst du?“ Und sie schmiegte sich an ihn, schlang die Arme um seinen Rücken und wartete, bis er sie einhüllte. Und sie wartete noch einen Moment länger und noch einen länger. Sie hatte sich so sehr nach seinen Armen gesehnt. Das machte ihr Angst, doch sie hatte nicht dagegen ankämpfen können. Sie hatte ihn einfach wieder umarmen müssen. Dass ihnen dabei wieder alle zuschauten, war ihr gerade völlig egal.

Sieben.

Weinend saß sie vor ihrer Tür. Sie hatte den Schlüssel in der Aufregung in der Chesecake Factory vergessen. Und nun saß sie hier im Flur auf dem Boden, weinend, verlassen. Sie wusste, was sie falsch gemacht hatte und sie wusste auch, dass Leonard Recht gehabt hatte. Sie mussten sich trennen. Sie war nicht ehrlich zu ihm gewesen. Und trotzdem tat es weh.

Einsamkeit lag über ihr wie eine geladene Wolke. Sie war bleiern und schwer und sie drückte sie nach unten. Sie hatte sich in Sheldon verliebt und das war alles andere als gut. Sie war mit Leonard zusammen gewesen und sie hatte geglaubt, wenn sie bei ihm bleiben würde, dann würde sich diese lächerliche Schwärmerei wieder in Luft auflösen. Doch dem war nicht so und Leonard hatte es bemerkt. Ob Sheldon es denn auch schon wusste?

Unmöglich. Sheldon war ein Kopfmensch. Er bemerkte es nicht, wenn jemand auf ihn stand.

„Penny.“

Schnell zuckte ihr Kopf nach oben. „Sheldon.“, versuchte sie seinen Namen mit fester Stimme zu sagen, doch sie scheiterte. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und versuchte zu lächeln. „Ich habe mich ausgesperrt.“

„Und da weinst du gleich?“

Penny schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht.“

„Sondern?“

„Leonard hat mich verlassen.“ Sie atmete tief durch, spürte sie doch die Tränen wieder in sich aufsteigen. Sie ließen sie wieder verschleiert sehen und schnell blinzelte sie sie weg. „Er glaubt, ich liebe einen anderen.“

„Das ist doch Blödsinn!“ Sheldon kam langsam auf sie zu. Er streckte ihr die Hand entgegen und sah sie auffordernd an. Penny ergriff seine Hand, ließ sich hoch helfen. Sie bekam ein Taschentuch gereicht und lächelte. „Danke, Sheldon.“

„Du musst dich nicht immer bei mir bedanken.“, lächelte dieser und er schaffte es auch, dass Penny sich besser fühlte. Kurz strahlte sie ihn an, dann zog sie ihn in die letzte verbliebene Umarmung. Sie würde das hier so sehr vermissen. Also hielt sie ihn so lange fest, wie sie nur konnte. Und Sheldon hatte keine Ahnung, wie viel ihr das hier bedeutete.
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