Nur ein Blick

von KatieC
GeschichteDrama, Tragödie / P16
Eric OC (Own Character)
15.02.2018
31.05.2018
16
39.332
10
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Dieses Kapitel
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15.02.2018 1.581
 

Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von „Immer wieder Donnerstags“. ^^
Mein neustes Projekt ist in der Tat wortwörtlich einem Projekt entsprungen. Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, findet ihr alle Informationen hier: Projekt „Dein Blick…“
Aber auch so hoffe ich, dass diese Geschichte euer Interesse weckt. Ich freue mich schon darauf, eure Meinungen zu hören.
Bleibt mir nur noch, euch viel Spaß zu wünschen! Bis nächste Woche dann. :)

Liebe Grüße
Katie


~*~*~*~



-Carly-
Unaufhaltsam dringt die Kälte des nackten Betonuntergrundes in meine Glieder. Meine Beine sind inzwischen schon taub, dennoch bleibt mir nichts anderes übrig, als in dieser unbequemen Position zu verharren. Die Hände sind hinter meinem Rücken gefesselt und eben jene Fessel ist mit einer weiteren an meinen Knöcheln verbunden. Ich bin zur völligen Bewegungsunfähigkeit verdammt. Und das schon seit Stunden. Zumindest fühlt es sich so an.
„Wohin wolltest du sie bringen?“ Der glatzköpfige Ferox vor mir beugt sich leicht über mich. Sein Name ist Carter und auch wenn wir eigentlich kaum etwas miteinander zu tun haben, waren wir bis heute Morgen noch Kollegen. Oder eher Komplizen, wenn man betrachtet, was wir angerichtet haben.
Sein Gesicht kommt immer näher an meines heran, bis ich seinen Atem auf meiner Haut spüren kann. Er riecht nach Zigaretten und ich kräusele automatisch die Nase.
Wie schon zuvor vermeide ich es, ihn direkt anzusehen. Genauso wie ich ihm keine Antwort gebe. Da kann er noch so viel auf mich ein schreien. Und davon hat er bisher auch schon redlich Gebrauch gemacht. Vielmehr blicke ich stoisch auf den Boden vor mir und versuche das mittlerweile fast unerträgliche Gefühl in meinen Beinen und meine verkrampften Schultern auszublenden.
Ich kann hören, wie Carter schnaubt. Wie ein wildgewordenes Tier. Es hört sich an, als wäre er kurz davor endgültig die Geduld zu verlieren. Mir ist nur allzu bewusst, dass ich ihn mit meinem Schweigen in Rage bringe. Aber lieber sterbe ich, als ihm die Antworten zu geben, die er verlangt.
Plötzlich wird es von seiner Seite aus ganz still. Nach all seiner Wut, die bis eben noch lautstark auf mich eingeprasselt ist, wirkt die Ruhe geradezu trügerisch. Zögerlich hebe ich nun doch meinen Blick von der staubigen Betonfläche unter uns und genau in dem Moment, in dem meine Augen auf seine treffen, schlägt sein Handrücken mit voller Wucht gegen meine Wange. Ich hätte nicht einmal ausweichen können, wenn ich es gewollt hätte. Ich zucke zusammen und der brennende Schmerz, der in meiner linken Gesichtshälfte explodiert, lässt mir sofort die Tränen in die Augen schießen. Unter Anstrengung zwinge ich mich ruhig weiter zu atmen. Immer gegen den Schmerz anatmen. Ich versuche die Tränen fortzublinzeln. Die Genugtuung zu weinen, werde ich ihm nicht geben. Aus demselben Grund spare ich mir auch jede weitere Reaktion. Ein kurzes hasserfülltes Funkeln ist alles, was er von mir bekommt.
Für ein paar Sekunden starren wir uns so an. Schwer atmend und unnachgiebig.
Bis er sich ein paar Schritte von mir entfernt und die Hände in die Taschen seiner Hose schiebt. Auf diese Weise kann ich für einen kurzen Moment unbeobachtet seine Rückseite betrachten. Groß gebaut und muskulös ragt er wie ein Berg vor mir auf. Er ist der Inbegriff eines Kriegers. Der Inbegriff eines Ferox. Und genauso skrupellos ist er auch. Es wundert mich nicht, dass er für Max arbeitet und von ihm ins Vertrauen gezogen wurde. Nur wenige wussten von Jeanines Plänen. Auch ich gehöre zu ihnen. Und genau das ist auch der Grund für seine Wut.
Beinahe schon lässig dreht Carter sich wieder zu mir um. Seine Kiefer arbeiten und an seinem Hals zeichnet sich pulsierend eine Ader ab. Wie ein Raubtier, das seine Beute fixiert blickt er auf mich herab. Sein ganzer Körper ist angespannt. Inzwischen steht er wieder direkt vor mir und jene Distanz, die kurzzeitig zwischen uns herrschte, löst sich prompt wieder in Luft auf. „Rede!“, brüllt er ungehalten und holt erneut aus. Diesmal ist es seine Faust, die mich trifft. Und diesmal ist die Wucht seines Schlages noch größer. Außer Stande mein Gleichgewicht zu halten, kippe ich zur Seite. Und als würde der höllische Schmerz, den seine Faust an meiner Schläfe erzeugt nicht genügen, knallt mein Kopf nun auch noch ungebremst auf den harten Beton. Meine Zähne schlagen aufeinander und bohren sich in die Innenseite meiner Wange. Sofort beginnt alles um mich herum, sich zu drehen und für einen kurzen Augenblick verliere ich sogar meine Orientierung. Die Farben vor meinen Augen verschwimmen zu einem undurchsichtigen Durcheinander und gegen den Schmerz anzuatmen scheint auf einmal keine besonders verlockende Option mehr zu sein. Das Pochen in meinem Kopf wächst zu einem unfassbaren Dröhnen an und lässt mich kaum noch einen klaren Gedanken fassen.
Als mein Sichtfeld wieder aufklart, spüre ich, wie sich eine warme Nässe an meiner Stirn ausbreitet. Ebenso schmecke ich Blut in meinem Mund. Träge blinzle ich die letzten Schleier fort, die vor meinen Augen tanzen. Nur Sekunden später schieben sich ein Paar schwarze Stiefel vor mein Gesicht. Direkt vor mir geht Carter in die Hocke und blickt mit einem dreckigen Grinsen auf mich herab. Erst als meine Augen von seinem Gesicht her abwärts wandern, sehe ich den Schlagring in seiner Hand. Fast schon spielerisch schwingen seine Finger das martialische Metallstück vor meinen Augen hin und her. Er verhöhnt mich. Und er genießt es in vollen Zügen.
Ich spüre wie es unaufhaltsam in mir zu brodeln beginnt. Wäre ich nicht besser verschnürt als ein Weihnachtspaket, würde ich ihn dafür umbringen. Meine Hände wehren sich gegen die Fesseln in meinem Rücken, finden jedoch keinen Weg, sich zu befreien.
„Mal sehen wie lange du durchhältst.“ Seine Stimme ist auf einmal betont ruhig und klingt fast schon ein wenig belustigt. Irgendwie verheißungsvoll. Die Vorfreude, die in jedem seiner Worte mitschwingt ist unüberhörbar. Instinktiv weiß ich, dass seine Worte keine leeren Versprechen sind. Er wird versuchen mich zu brechen. Auf die eine oder andere Weise.
Noch bevor ich etwas erwidern könnte, packt er mich grob am Kragen meiner Jacke und reißt mich in die Höhe. Mein Körper krümmt sich schmerzhaft in den Fesseln und ich stöhne auf, als Carter mich unsanft auf den Boden fallen lässt und meine Knie mein ganzes Gewicht abfangen müssen.
Ich ächze und krümme mich zusammen. Zumindest soweit mir das möglich ist. Bei der kleinsten Bewegung schreien meine verkrampften Muskeln anklagend auf. Und ich würde es ihnen nur zu gerne gleich tun. Trotzdem presse ich die Kiefer aufeinander. Ich schließe meine Augen und schweige. Auch wenn es mir mit jeder Minute schwerer fällt.
Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass er mit seinen Spielchen sofort weiter machen würde, aber mein Gegenüber hält unerwartet inne. Erst jetzt höre ich das Geräusch schwerer Schritte, die sich uns nähern. Ich habe nicht einmal mitbekommen, dass die Tür zu diesem Raum überhaupt geöffnet wurde.
Während Carter noch ein paar Schritte weiter zurück tritt, schiebt sich der Neuankömmling in mein Sichtfeld. Langsam blicke ich auf und erkenne Max direkt über mir. Ohne Vorwarnung greift seine Hand in mein Haar und reißt meinen Kopf daran grob nach hinten. Ich bin gezwungen, ihn anzusehen. Ob ich nun will oder nicht. Und das was ich sehe, jagt mir augenblicklich einen Schauer über den Rücken. Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, dass ich Max besonders gut kenne. In den letzten Monaten haben wir notwendigerweise eng zusammen gearbeitet und dadurch gezwungenermaßen viel Zeit miteinander verbracht, aber sein Blick war noch nie so kalt, wie in diesem Augenblick. Über seinen braunen Augen liegt ein dunkler Schatten, voller Abscheu und Missachtung.
„Was wissen wir?“ Er spricht mit Carter, auch wenn seine Augen sich nach wie vor wie Dolche in meine bohren.
„Sie hat versucht Unbestimmte in Sicherheit zu schaffen. Und dabei hat sie fünf unserer Leute niedergeschossen“, fasst Angesprochener mein Vergehen zusammen. Und jedes Wort davon entspricht der Wahrheit.
Max‘ Augen verengen sich noch ein wenig mehr und ich kann deutlich erkennen, wie es in ihm arbeitet. „Wo wurden die Unbestimmten hingebracht?“
„Das wissen wir noch nicht. Und dieses kleine Miststück redet nicht.“ Es entsteht eine kurze Pause und kurz darauf tritt Carter neben unseren höchsten Anführer. „Wenn du mich fragst, können wir sie auch einfach erschießen. Wir können es uns nicht erlauben noch mehr Zeit mit ihr zu verschwenden, wenn sie nicht redet.“
Mein Magen zieht sich bei seinen Worten krampfhaft zusammen. Auch wenn ich damit eigentlich hätte rechnen müssen. Wer nicht ins System passt oder das System bedroht, wird eliminiert. Ohne Diskussion. Ohne Warnung. Ohne Kompromisse. Ich brauche mich gar nicht erst der Illusion hingeben, dass ich da irgendeinen Sonderstatus genießen würde.
„Weiß Eric schon bescheid?“, wendet sich Max an Carter, ohne auf dessen ursprünglichen Vorschlag einzugehen.
„Ich habe ihn informiert, kurz nachdem wir sie aufgegriffen haben. Er sollte jeden Moment hier sein.“
Max nickt bedächtig und lässt mich endlich los. Mein Kopf sackt nach vorne und das Bedürfnis, mir den verspannten Nacken zu massieren, wird beinahe übermächtig. Aber genauso bleibt er reines Wunschdenken.
„Ich verstehe nur nicht, warum wir noch warten? Warum nicht kurzen Prozess machen?“, meldet sich Carter erneut zu Wort, während die beiden sich ein Stück weit von mir entfernen. Max dreht sich noch einmal zu mir um und ein bösartiges Lächeln huscht über sein Gesicht. Dieser Ausdruck ist sogar noch angsteinflößender, als die Kälte, die er vorher verströmt hat. „Weil es nicht unsere Aufgabe ist, sie auszuschalten.“


~*~*~*~

So, das war nun der erste Einstieg. Meinungen und Anregungen sind wie immer gerne gesehen. :)
Freue mich darauf von euch zu hören.


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