Within my heart

OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
14.02.2018
14.02.2018
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Hier ist mein kleiner OneShot für CaelestiaLilium zum Valentinstag.
Der OneShot ist anlässlich der Wichtelaktion Accio Amor von MiraMiracle entstanden.

Meine Vorgaben waren:
Pairing: Scorpius Malfoy x Albus Severus Potter
Kuppler: Teddy und Victoire!
Setting: Während ihrer Hogwartszeit, was mir aber sehr gefallen würde, wäre eventuell auch ein Gespräch zwischen Teddy und Albus im Fuchsbau/im Hause von Harry und Ginny.
Prompt: https://anastasiamantihora.deviantart.com/art/Boiling-water-377554400

Mein liebes Wichtelkind!
Ich hoffe, dieser kleine OS hat dir gefallen und irgendwie deinen Vorstellungen entsprochen. In diesem Sinne mal die liebsten Grüße zum Valentinstag von mir für dich mit diesem kleinen Scorbus OneShot. Viel Spaß beim Lesen <3

Ganz liebe Grüße

Rubinkarfunkel95

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Within my heart


Ungeduldig tippte er mit den Finger auf dem Tisch. Klack. Klack. Klack. In einem immer schneller werdenden Rhythmus. Sein Blick glitt immer wieder zu der Uhr über der Küchentür, doch der Sekundenzeiger war der Einzige, der sich zu bewegen schien. Was die anderen beiden Zeiger betraf, kam es ihm so vor, als würde auch nur ansatzweise einer von ihnen einen Gedanken daran verschwenden, ein kleines Stück voran zu rücken. Auch schien es diese Uhr kein Stück zu kümmern, dass ein Paar grüner Augen sie am liebsten gerade erwürgen würden. Konnte man eine Uhr überhaupt erwürgen? Mit Magie gewiss! Sollte er es versuchen? Und was habe ich dann gewonnen? Meine einzige Anzeige für die Zeit... Natürlich befanden sich im Hause Potter noch an anderen Orten Uhren, keine Frage. Aber dafür müsste er von seinem Platz aufstehen, was wiederum bedeuten würde, dass er seinen zweiten Punkt, den er immer wieder fokussierte – nämlich den Karmin – aus den Augen lassen musste. Und das ging nicht. Dann würde er ja den Moment verpassen, auf den er im Grunde die ganze Zeit schon wartete.
Nach einer gefühlten weiteren Ewigkeit – in Wahrheit war gerade einmal eine Minute verstrichen, aber für Albus kam es eben länger vor – gab er einen genervten Laut von sich, lehnte sich im Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Einen letzten Tötungsversuch hatte er der Uhr noch geschenkt, die immer noch nicht wirklich beeindruckt davon schien. Also versuchte er nun den Karmin zu beschwören, dass dieser endlich die Person ausspucken sollte, auf die wartete. Eine Person, die kein geringerer war als sein bester Freund. Albus' Lippen verzogen sich kaum merklich und nur im Ansatz angedeutet zu einem kleinen Lächeln, als er daran dachte. Scorpius würde eine Woche der Ferien bei ihm wohnen. Es würde fast wie in Hogwarts sein. Sie würden sich zusammen ein Zimmer teilen, könnten sich stundenlang was erzählen und keiner würde sie am nächsten Morgen allzu früh aus den Betten scheuchen, denn immerhin waren Ferien. Zumindest hatte er seinen Eltern das Versprechen abringen können, wenigstens die ersten zwei Tage sie etwas ausschlafen zu lassen. Besonders heute Abend, wo ein gewisser Teil seiner Familie ebenfalls zum Essen eingeladen worden war. Genauer gesagt sein Onkel Ron, seine Tante Hermine und dessen Kinder samt Anhang. Anhang bedeutete in diesem Fall einfach nur, dass seine älteste Cousine aus dieser Truppe, nämlich Victoire, ihren Freund mitbringen würde. Und dieser war das Patenkind seines Vaters – Edward Lupin. Oder wie alle ihn eben anders kannten, Teddy. Für Albus war dieser fast so etwas wie ein zweiter großer Bruder, wenn auch der Altersunterschied zwischen ihnen beiden nicht gerade klein war. Änderte dennoch nichts an der Tatsache, dass Teddy eben dies in seinen Augen war – ein großer Bruder. Manches Mal ein besserer, als es sein wirklicher großer Bruder war. James war nicht ganz so begeistert gewesen, als er gehört hatte, wer noch zu dem kleinen – es war wirklich noch ein kleines – Familientreffen dazu stoßen wurde. Denn der älteste Potter-Sprössling hatte keine allzu gute Meinung was Scorpius betraf. Dies hielt dessen Bruder jedoch nicht davon ab, weiter mit eben jenen befreundet zu bleiben. Immerhin war der blonde Slytherin sein allerbester Freund. Und im Grunde auch fast sein einziger – zumindest richtiger – Freund. Mal ganz abgesehen davon, dass besagter Slytherin James mal so rein gar nichts getan hatte. Sein Bruder würde sich irgendwie damit arrangieren müssen, dass Scorpius diese Woche – und damit einher gehend eben auch dieses Essen – dabei sein würde. Soll er sich dann doch an Rose halten, oder an Victoire. War ihm egal. Natürlich freute auch er selber sich auf seine Verwandtschaft, keine Frage.
Aber diese Freude, die in genau diesem Moment sein Gesicht erhellte, würde keiner herbei zaubern können, solange diese Person nicht ganz rein zufällig auch Scorpius Hyperion Malfoy hieß. Denn genau dieser tauchte in diesem Moment im Karmin auf, umringt von den typischen grünen Flammen die das Flohnetzwerk nun einmal mit sich brachte. Albus – der mittlerweile sein fünfzehntes Lebensjahr beendet hatte – sprang sofort vom Tisch auf. Seine Augen leuchteten, als hätte er gerade das größte Geschenk auf Erden präsentiert bekommen. Und freudig, wie ein kleines Kind, das es nicht erwarten konnte eben jenes Geschenk auszupacken, rannte er seinem besten Freund entgegen. Dieser hatte gerade einmal es geschafft den Karmin zu verlassen, da schlang Albus bereits die Arme um ihn. Scorpius lachte und dieses Lachen ließ eine Wärme in Albus entstehen, die sich mehr als gut anfühlte, sodass er den Anderen einen Moment noch näher an sich zog. Sie waren alleine, da ging das wohl.
„Ich dachte, wir wollten uns nicht umarmen.“
Albus schmunzelte, während er sich löste und seinem besten Freund in die Augen sah. Dessen blaugraue Augen funkelten ebenfalls ein wenig und das Grinsen auf dem Gesicht des Blonden unterstrich das gesagte Wort nur noch besser. Diese kleine Floskel stammte noch aus dem Beginn ihrer Freundschaft. Wo sie wirklich vereinbart hatten, dass sie sich doch nicht zu umarmen brauchten. Warum auch? Irgendwann hatte sich das jedoch nach und nach eingeschlichen, dass sie einander doch in den Armen lagen. Wenn sie wie jetzt alleine waren verstand sich, denn vor anderen das zeigen taten sie nicht. Denn dieser ganze Prozess, so normal er auch für andere wirken musste, nun, für Albus hatte er etwas intimes, was er eben nicht mit der ganzen Welt teilen wollte. Es gehörte eben nur zu Scorpius und ihm und ging niemanden sonst auch nur im Ansatz etwas an.
„Es ist schön, dass du da bist.“
„Ich freue mich auch.“
Einen kurzen Moment blieben sie beide noch so stehen, ehe Albus ganz zurück trat und auf die Tasche deutete, die Scorpius durch die stürmische Umarmung hatte fallen lassen.
„Komm, wir gehen aufs Zimmer.“

*~*~*~*

„Hugo, das wird gegessen!“
„Aber, das schmeckt mir nicht, Mama.“
„Du hast es davor auch gegessen.“
„Lily? Gibst du mir etwas von dem leckeren Kartoffelsalat?“
„Hat Jemand zufällig die Getränke irgendwo gesehen?“
„Hey, ich will auch noch etwas von dem Braten haben, klar?!“
Albus hätte sich am liebsten die Hände vor das Gesicht geschlagen. Seine Familie benahm sich mal wieder königlich. Königlich peinlich daneben. Sein Blick glitt zu Scorpius, der rechts von ihm saß und das ganze Schauspiel auch nach der Zeit noch scheu, aber mit einer gewissen Zufriedenheit im Gesicht betrachtete. Bis heute verstand er selber nicht, wie der Blonde so entspannt bleiben konnte, während er selber am liebsten manches Mal vor all dem hier flüchten würde. Er liebte die meisten seiner Verwandten, keine Frage – selbst James, auch wenn dessen etwas kalte Art vor allem Scorpius gegenüber diese brüderliche Zuneigung abgekühlt hatte -, aber dennoch hatte er manchmal von dieser überdrehten Sippe genug. Zwar hatte der andere Slytherin es ihm einmal versucht zu erklären, doch ganz verstanden hatte er es nicht. Denn wie konnte, wenn man mehr oder weniger alleine in einem so großen Anwesen wie das Manor der Malfoys aufgewachsen war, diese kleine chaotische Gruppe so lieben? Denn genau das tat Scorpius. Albus konnte es in jeder Geste seines besten Freundes lesen. Er wollte hier sein, auch wenn seine, wie gesagt, leicht zurückhaltende Art etwas ganz anderes aussagen würde. Zumindest für Leute, die ihn eben nicht kannten. Doch Albus kannte ihn besser als sonst Jemand auf diesem gesamten Planeten. Nicht umsonst waren sie beide eben die besten Freunde – nicht wahr? Ohne, dass er es selber merkte, war sein Blick an dem Blonden hängen geblieben, der sich nun auch – wenn auch nicht so fordernd und laut wie der Rest – sich in das Geschehen mit einmischte und das Wort an Ginny richtete. Ganz genau die Worte verstehen tat Albus nicht. Zum einen weil gerade Lily James gerade etwas entgegen schrie, weil dieser ein wenig von den Getränken auf ihrem Oberteil verschüttet hatte. Natürlich beteuerte dieser seine Unschuld, aber das Grinsen in seinem Gesicht sprach eine andere Sprache. Im Grunde war es Albus selber auch egal.
Eine Hand auf seiner Schulter ließ ihn kurz erschrocken zusammen zucken. Die Augen von Scorpius und die Ohren von dem Trubel abwendend drehte er sich zu der Person um, die zu seiner Linken saß: Teddy. Dieser musterte ihn einen kurzen Moment mit einem brüderlichen sanften Blick, den er bei James manches Mal vermisste, ehe er sich etwas vorbeugte sodass wirklich nur Albus selbst die nächsten Worte hören konnte. „Hast du über unser Gespräch letztens nachgedacht?“
Albus erstarrte, sein Herz raste leicht ehe er das verhindern konnte. Er wusste genau, welches Gespräch Teddy meinte.
Und wie er sich daran erinnerte.

Guten Morgen, Albus.“
Der angesprochene junge Zauberer hob den Kopf, als Teddy die Küche der Potters betrat. Es war noch früh am Morgen des heiligen Morgens. Genau genommen Weihnachten. Albus selbst war erstaunt, dass er selber nicht länger hatte schlafen können. Irgendwie aber hatte es in seinen Fingern gejuckt so schnell wie möglich einen Brief an Scorpius zu schreiben und ihm eben jenen zu schicken. Das Geschenk würde er ihm, wie in den letzten Jahren auch, in der Schule überreichen, aber ein kleiner Brief zu Ehren des Tages musste sein.
„Frohe Weihnachten.“
„Frohe Weihnachten, Teddy.“
Der Ältere ließ sich auf einen der Stühle neben dem jungen Potter nieder, was diesen dazu veranlasste den Brief so weg zu schieben, dass dieser nicht lesen könnte, was darin geschrieben stand. Teddy jedoch sah nicht einmal im Ansatz hin, dennoch schien er zu wissen, an wen der Brief zu gehen schien. „Soll ich dich in Ruhe schreiben lassen, oder hast du ein paar Minuten für mich. Wo wir gerade hier alleine sind.“
Albus schaute leicht verwirrt, nickte aber. „Natürlich – was gibt es denn?“
„Es geht um Scorpius.“
„Um Scorp?“
„Genau.“
Das deutliche Fragezeichen auf dem Gesicht des jungen Slytherin wurde immer größer, denn nun verstand er rein gar nichts mehr. Was wollte Teddy denn bitte da besprechen? Kurz huschte Sorge über sein Gesicht. War Scorpius etwas zugestoßen? Wenn ja, warum wusste dann der Andere davon aber er selber nicht? Teddy schien die Sorge zu sehen, denn er hob beschwichtigend eine Hand, versuchte dem Sohn seines Patenonkels damit zu verstehen zu geben, dass es so schlimm nicht war. Seine Lippen verzogen sich sogar zu einem kleinen Lächeln.
„Keine Angst, mit Scorpius ist alles in Ordnung. Denke ich. Genau genommen möchte ich einfach nur über euch beide reden.“
„Über uns?“
Teddy nickte. Albus verstand immer noch nicht.
„Und...das wäre?“ Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme einen kleinen misstrauischen Klang bekam. Fing jetzt Teddy, gerade Teddy, jetzt etwa wie James an und wollte ihre Freundschaft beenden? Niemals! Doch anscheinend waren seine Gedanken gerade sehr gut darin, mit vollem Anlauf in die falschen Richtungen zu laufen. Denn wieder hatten sie das Ziel um einige Meilen verfehlt.Teddys Lächeln wurde immer breiter.
„Was bedeutet dir Scorpius?“
„Er ist mein bester Freund.“ Diese Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, stimmte sie ja auch. Aber sie schien dem Älteren nicht zu reichen.
„Nur das?“
„Klar, was sollte er sonst sein?“
Und bei dieser Antwort klang Albus in seinen eigenen Ohren nicht ganz so überzeugend wie er wollte. Teddy hatte da ein Thema angeschnitten, welches der Jüngere ganz tief in seinem Inneren vergraben hatte, denn darüber wollte er nicht nachdenken. Scorpius war sein bester Freund. Ende der Diskussion. Gerne gab er auch noch zu, dass sie Seelenverwandte waren, doch verzog er da auch mal das Gesicht. Das klang im Grunde fast schon zu kitschig. Es war dennoch einer der emotionalsten Gedanken, die er über den Blonden zuließ. Denn das es da kleine Veränderungen – zumindest von seiner Seite aus – gab, wollte er nicht sehen. Er wollte sie nicht wahrhaben und nicht einmal in seinen Gedanken aufzählen. Er hatte sich selber ein Verbot auferlegt, diese neuen Gedanken über seinen besten Freund zu haben. Und nun kam Teddy daher und sprach dieses Thema an. Warum nur?! Dieser berührte Albus' Schulter.
„Albus...ich weiß, dass da etwas ist. Dass dir Scorpius mehr bedeutet, als du dir gerade eingestehen magst.“ Der Angesprochene schüttelte heftig den Kopf, konnte aber keinen Blickkontakt halten, sodass Teddy weiter fuhr. „Es ist in Ordnung, weißt du? Es ist an sich auch in Ordnung, wenn du es ihm nicht sagen willst. Aber vermutlich bereust du es irgendwann, wenn du dich nicht jetzt damit auseinander setzt und die Entscheidung triffst. Mit jetzt meine ich nicht in dieser Minute, aber warte damit nicht Jahre lang. Denn ehe du dich versiehst, kann es zu spät sein für die Wünsche, die tief in deinem Inneren schlummern. Albus, glaub mir...ich bin nicht der Einzige, der das weiß.“
„Du redest Unsinn, Teddy.“
Der Ältere seufzte leise. Er merkte, dass er für diesen Moment mehr gegen eine Wand redete, aber vielleicht hatte er ein kleines bisschen etwas indem Jüngeren geweckt. Einfach nur den ersten Schritt, doch über das nachzudenken, was ein Blinder sehen konnte. „Denk über meine Worte nach, Albus. Mache es ruhig – dann können wir gerne wieder reden.“
Damit stand er auf und ließ den jungen Slytherin alleine mit seinen Gedanken und auf das Pergament vor sich starrend am Küchentisch zurück.

Seit diesem Tag hatte Albus gefühlt jeden Tag an dieses Gespräch gedacht – ob er wollte oder nicht. Manches Mal hatte er es es besser verstecken können, dann wieder kreisten seine Gedanken im Kreis mit der Geschwindigkeit von einem Schnatz. Genau wie in diesem Moment. Er nickte langsam auf Teddys Frage.
„Und?“
„Ich weiß es nicht...“, flüsterte er nur und wandte sich ab; ein klares Zeichen, dass er nicht mehr darüber reden wollte. Sein Magen fühlte sich mit einem Mal so an, als würden dort die zehnfache Anzahl von dem kleinen goldenen Ball in seinem Kopf auch da rumoren. Der Appetit war ihm vergangen. Sein Blick huschte wieder zu Scorpius. Seit den letzten Winterferien hatte er Tag für Tag darüber nachgedacht, was Scorpius wirklich für ihn war und ein Teil von ihm hatte das Ganze auch begonnen zu verstehen. Sein größtes Problem war eher, ob er es dem Blonden sagen sollte oder nicht. Denn das Risiko, Scorpius dadurch zu verlieren, bestand. Und auch, wenn diese neuen Gefühle jetzt, wo sie wahrgenommen wurden, ihm in den letzten Monaten mehrfach den Schlaf geraubt hatten und ihn schier wahnsinnig werden ließen, wusste er genau, dass es noch mehr schmerzen würde, den anderen Jungen zu verlieren. Denn ein Leben komplett ohne Scorpius, da könnte man ihm gleich sein Herz heraus reisen und eine leblose Hülle zurück lassen – im Grunde käme dasselbe dabei heraus. Wollte er dieses Risiko wirklich eingehen?
„Albus – jetzt komm. Iss noch etwas!“
Die Stimme seiner Mutter riss ihn aus seinen Gedanken. Auch, wenn es seinem Magen rein gar nicht passte, nahm er sich noch etwas von dem an sich wirklich leckeren Kartoffelsalat, den seine Mutter zubereitet hatte. Sie konnte ja nichts dafür, dass die unzähligen goldenen Bälle da in seinem Inneren alles aufwirbelten, was es nur aufzuwirbeln gab.

*~*~*~*

Er lauschte in die Dunkelheit, konnte er leise den Atem des anderen Jungen hören, der ruhig und gleichmäßig ging. Scorpius schlief, nicht ahnend, was seinen besten Freund wach hielt. Er hatte es geschafft das alles für heute wieder auszublenden, warum hatte Teddy erneut damit anfangen müssen? Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt, sodass er leicht die Silhouette des Blonden ausmachen konnte. Es war ein kurzer Impuls. Sie lagen nicht weit voneinander weg, war Albus' Zimmer groß genug, dass für diese Woche sogar ein Ersatzbett aus dem Gästezimmer hier hinein gezaubert wurde. War eben leichter, als es tragen zu müssen. Natürlich war der allgemeine Platz damit begrenzt und Scorpius war auch vollkommen überfordert davon gewesen, dass – in seinen Augen – so eine Mühe betrieben wurde. Oder um es in James' Worten auszudrücken, viel zu viel Wirbel um diesen blonden reichen Schnösel gemacht wird. Aber weder Ginny, noch Harry hatten sich da reinreden lassen. So hatte der Malfoy-Sprössling am Ende klein beigegeben und nun schlief er seelenruhig in eben diesem Bett – nur einen gefühlten kleinen Spalt breit von dem seinen eigenen entfernt. Gerade so, dass er selber aufstehen konnte. Wenn er sich nur minimal etwas mehr strecken würde, konnte er Scorpius über die Wange streichen, vielleicht durch seine Haare fahren und-
Erschrocken zog Albus seine Hand zurück, ehe er diesen Gedanken weder zuende denken, oder – noch schlimmer – in die Tat umsetzen konnte. So leise wie möglich stand er auf und verließ das Zimmer und schlich sich in die Küche. Er brauchte einen Tee um seine Nerven zu beruhigen. Sie hatten einen da, den Ginny ihm schon als kleines Kind gemacht hatte, wenn er nicht schlafen konnte. Und genau diesen Tee brauchte er jetzt – sehr dringend! Behutsam schloss er die Tür hinter sich, denn er wusste, dass es sich nicht vermeiden lassen würde ein wenig an Lautstärke zu produzieren. Und sein Plan war es gewiss nicht, das ganze Haus aufzuwecken. Er brauchte diesen kurzen Moment für sich alleine um sich wieder zu fangen. Bei Merlin, gerade würde er Teddy am liebsten für diese Frage beim Essen hassen. Oder eher für das Gespräch an Weihnachten, denn damit hatte er ja alles ins Rollen gebracht.
Albus nahm sich eine Tasse aus dem Schrank und stellte diese vor sich auf die Anrichte, während er sie ein wenig nachdenklich betrachtete. Was sollte er nur machen? Wieder alles verdrängen und zu dem Schauspiel zurück kehren, welches er vor ein paar Stunden an den Tag gelegt hatte und welches er nur selber glauben konnte, wenn er die Veränderung ganz tief in seinem Inneren vergraben hatte? Wie lange würde das noch gut gehen? Teddy hatte auch gemeint, dass dieser nicht der einzige in Albus' Umgebung sei, der es realisiert hatte. Was, wenn auch Scorpius etwas wusste oder gar ahnte? Und nur darauf wartete, dass der junge Potter offen mit ihm sprach, damit er Gewissheit hatte und sich...eventuell...abwenden konnte. Immerhin teilten sie sich beide einen Schlafsaal in Hogwarts und besonders in den letzten Wochen vor den Sommerferien waren so gewisse Träume von seinem besten Freund und ihm immer intensiver geworden. Es war einfach nur eine verzwickt komplizierte Situation.
Mit einem leisen Seufzen nahm er nun den Tee und stellte ihn neben die Tasse, während er den Wasserkocher nahm, an die Spüle trat und diesen mit Wasser füllte, ehe er ihn anstellte. Damit hieß es warten, bis das Wasser kochte. Sollte genug sein, sich dem Ganzen irgendwie etwas klarer zu werden – hoffte er. Vermutlich hatte Teddy die Wahrheit gesagt und er sollte mit Scorpius reden. Denn dieser Versuch in seinem Zimmer, dem Anderen nahe sein zu wollen, war nicht das erste Mal passiert. Ganz im Gegenteil. Es hatte schon die eine oder andere Situation gegeben, in denen er diesen neuen Gefühlen in sich fast nachgegeben hätte. Und das erste Mal, wurde ihm gerade bewusst, war sogar vor dem Gespräch mit Teddy gewesen. Mitte November, als es angefangen hatte zu schneien und die Ländereien von Hogwarts in Schnee getaucht wurden. Im Grunde war es nur ein normales Hogsmeadwochenende gewesen. Aber für Albus war es ein Moment, in dem er selber glaubte fast ihre Freundschaft aufs Spiel gesetzt zu haben und sie deswegen aus seinem Gedächtnis verband hatte.

„Al! Kommst du nun endlich!“
„Ja ja!“
„Potter!“
„Malfoy!“
„Komm jetzt!“
„Bin ja schon unterwegs!“
Albus hatte sich noch schnell die Handschuhe angezogen, während er schon aus dem Schlafsaal stolperte um in den Gemeinschaftsraum zu eilen, wo Scorpius bereits auf ihn wartete. Dieser grinste ihm entgegen.
„Da ist ja die lahme Schnecke. Ging es nicht schneller, Potter?“
„Ach, sein still!“ Trotz dieser Worte konnte Albus nicht verhindern, dieses Grinsen seines besten Freundes zu erwidern, der nur leicht lachte. Albus' Herz setze einen Moment aus, ehe es einen Moment lang schneller schlug. Meistens eine Reaktion darauf, wenn Scorpius anfing zu lachen. Dieser schien nicht zu bemerken, was für kurze Emotionen in seinem besten Freund herrschten, auch wenn sie einander in den meisten Fällen lesen konnten wie ein offenes Buch. Gerade aber schien er sich mehr auf den bevorstehenden Nachmittag in dem kleinen Zaubererdorf zu freuen, was Albus selbst ihm nicht einmal verübeln konnte. Natürlich waren da auch die anderen Schüler, aber in Hogsmead hatte er das Gefühl seine Klassenkameraden, oder allgemein andere Schüler von Hogwarts, besser ausblenden zu können als im Schloss selbst. Denn in Hogsmead gab es auch so den einen oder anderen Platz, an dem man sich ungestört zurück ziehen könnte. Natürlich nur, um für eine Weile blöden Kommentaren gleichaltriger Hexen und Zauberer aus dem Weg zu gehen. Was denn sonst? Kurz warfen sich die beiden Freunde einen Blick zu, ehe sie nacheinander den Gemeinschaftsraum der Schlangen verließen, um sich auf den Weg zum Treffpunkt zu machen.


*~*~*~*


Albus hatte sein Ziel getroffen, welches taumelnd ein paar Schritte zurück trat um sich dann mit einer dramatischen Handgeste in den Schnee fallen zu lassen. Sein Schneeball hatte Scorpius direkt an der Brust getroffen, die Stelle, wo sein Herz darunter schlug. Dies hatte der Blonde als Vorwand genommen, beide Hände auf eben jene Stelle zu legen, die Augen weit aufzureißen und, ja, sich eben es in dem kalten Weiß gemütlich zu machen. Der Dunkelhaarige lachte und lief zu seinem besten Freund, der nur zu ihm hoch grinste.Er kniete sich neben ihm nieder, die Kälte ignorierend die sich etwas schon durch seine Klamotten fraß. Sie waren schon eine Weile hier draußen und sollten vermutlich bald irgendwo sich in die Wärme zurück ziehen. Aber gerade jetzt war ihm das mehr als herzlich egal.
„Bist du tot?“
„So gut wie!“
„Soll ich dich versuchen wiederzubeleben?“
„Wenn einer das kann – dann ja wohl du!“
Scorpius grinste immer noch, doch Albus' eigener Blick huschte für einen kurzen Moment zu den Lippen des Blonden. Es war ein kleiner Scherz gewesen, doch mit einem Mal war da ein Impuls. Er wollte sich wirklich vorbeugen, seine Lippen auf die des anderen Jungen legen und es alles so aussehen lassen, als würde er in ihrem kleinen Spiel hier nur eine einfache Mund-zu-Mund-Beatmung nachstellen. Doch Scorpius würde ihn gewiss durchschauen, immerhin kannten sie einander viel zu gut. Aber was, wenn er es doch versuchen würde...?
„Al?“
Sein Spitzname, begleitet von diesem fragenden Unterton, riss ihn aus seinen Gedanken. Zudem konnte er leichten Atem auf seinem Gesicht spüren und ein kleiner Schauer erfasste seinen Körper, als er realisierte, dass er Scoprius' Atem so nahe wahrnahm. Ein angenehmes Gefühl, dennoch konnte er es keinen falls genießen. Denn genauso wurde ihm bewusst, wie nahe sie sich sein mussten damit er eben dies alles wahrnahm. Erschrocken wich er aus, traute sich nicht dem Anderen direkt in die Augen zu sehen. Es reichte, dass er spürte, wie die blaugrauen Augen ihn versuchten zu lesen, ihn musterten. Und dieses Mal war es kein schönes Wissen, wie offen er meistens zu durchschauen war für eben jenes Augenpaar. Schnell rappelte er sich auf und hielt dem anderen Slytherin eine Hand hin. „Na komm, lass uns noch einen Kürbissaft trinken und dann ins Schloss zurück kehren.“

Nach diesem Nachmittag hatte er versucht nie wieder daran zu denken und zu seinem eigenen Glück hatte Scorpius selbst es auch nie wieder erwähnt. Zwar glaubte Albus in den ersten Tagen danach immer wieder so einen musternden Blick seines besten Freundes zu bekommen, als würde er doch versuchen wollen zu verstehen, was da passiert war, doch redete er sich selbst ein, es sich nur einzubilden. Wenn der Andere es wissen wollen würde, hätte er ihn doch gewiss gefragt, oder etwa nicht? Und zudem, wie sollte er etwas erklären, was er selber doch mal so rein gar nicht verstand? Wie sollte er erklären, dass mit einem Mal sein Herz schneller schlug, wenn Scorpius auf eine gewisse Art und Weise lachte; dass seine Nackenhaare sich leicht aufstellten und ein angenehmer Schauer seinen Körper erfasste, wenn sie sich zufällig berührten. Die Träume, in denen er mit Scorpius einige Dinge tat, bei denen sie beide direkt Körper an Körper sich aneinander schmiegten. Aber am meisten war da dieser Wunsch den Anderen einfach nur zu küssen, ihn im Arm zu halten oder gar selbst in den Armen des Anderen zu liegen. Wie sollte er das bitte irgendwem erklären?! Besonders eben Scorpius, ohne das bekannte Risiko ihre Freundschaft damit zu zerstören?
Das Pfeifen des Wasserkochers riss ihn aus seinen Gedanken. Gerade, als er jedoch nach dem Henkel griff um das Wasser in die Tasse umzufüllen, spürte er Arme um sich. Seine Nackenhaare stellten sich auf und ein Schauer erfasste seinen Körper. Scorp! „Ich dachte, wir umarmen uns nicht.“, fing er mit ihrer gemeinsamen Floskel dieses Mal an, ehe er leise hinzu fügte, „Warum bist du wach?“
„Ich hab mitbekommen, wie du aufgestanden bist. Oder eher, wie du gerade die Tür hinter dir geschlossen hast und da du nicht sofort zurück kamst. Ist alles in Ordnung?“
Scorpius' Atem kitzelte nahe an seinem Ohr und wieder erfasste ein Schauer ihn, den er nicht verhindern konnte. Gar nicht gut!
„Natürlich!“
„Sicher? Seit dem Abendessen warst du immer wieder etwas abwesend... Bedrückt dich etwas?“
Auch wenn er selber den Blick auf seine Tasse heftete und fast monoton das Wasser eingoss und den Tee hinzufügte, konnte er genau den fragenden, besorgten und leicht musternden Blick des Anderen auf sich spüren.
„Klar.“
Doch er spürte selber, wie wenig überzeugend es klang. Denn er glaubte sich in diesem Moment selbst nicht einmal. Bei Merlin, warum musste Scorpius gerade auch im Arm halten? So taten sie das wirklich im Grunde nicht! Nicht, dass es sich schlecht anfühlte, im Gegenteil, aber daran lag ja das ganze Problem. Und der Blonde machte es ihm nicht gerade leichter, denn anstelle die Umarmung aufzulösen, spürte er, wie dieser sich noch mehr an ihn schmiegte. „Vermutlich werde ich es später bereuen, wenn ich das jetzt tue – je nachdem, wie du reagierst. Ich schiebe es auf die späte Stunde, die Situation hier und auf deine Cousine.“
Nun drehte Albus den Kopf nach hinten und überrascht sahen grüne Augen den Malfoy-Sprössling an. „Meine Cousine? Welche?“
„Victoire.“
„Und sie wollte was?“
Doch Scorpius antwortete darauf nicht. Stattdessen sah er ihm einfach nur die Augen. Albus schluckte kaum merklich, als er diesen Blick sah. Derselbe Blick, den Scorpius ihm damals nach dem Wochenende zugeworfen hatte. Und als hätte dieser die Gedanken gelesen, sprach er genau diese Situation auch an.
„Ich wollte mit dir über die Situation in Hogsmead reden. Letztes Jahr im Winter, im November...nach der Schneeballschlacht.“
Albus wollte sagen, dass er nicht wüsste, wovon der Andere sprach. Doch seine Stimme versagte ihren Dienst und seine Kehle fühlte sich an, als hätte sich Staub darin festgesetzt. So konnte er nichts erwidern, doch sein eigener Blick gab ungewollt preis, dass er eben ja wusste, wovon sein bester Freund da sprach. Und Scorpius schien dadurch ermutigt, die nächste Frage zu stellen.
„Wolltest du mich küssen?“
„Quatsch!“
Diese Antwort kam schneller als er wollte und war einfach ein Reflex das zu verleugnen, was er fühlte um ihre Freundschaft zu retten. Doch mit dem Schmerz, einen kurzen Moment lang über das Gesicht des Blonden huschte, hatte er nicht gerechnet. Er spürte, wie die Arme, die ihn eben noch festgehalten hatten, sich langsam lösten. „Wirklich nicht?“
Hörte man nur auf den Wortlaut, könnte man meinen, dass Scorpius erneut so etwas wie das 'Quatsch' zu hören bekommen wollte. Aber wie der Blonde ihn kannte, kannte Albus ihn eben auch. Und so konnte er klar heraus hören, dass da etwas anderes war, was Scorpius hören wollte. Er senkte den Blick, wich ihm aus, als er leise flüsterte: „Doch.“
Für einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen beiden.
Dann drang Scorpius' Stimme, ebenfalls ein leises Flüstern, an seine Ohren. „Wirklich?“
Albus nickte nur, starrte den Boden an in den er am liebsten versinken würde. Doch kein Spalt öffnete sich für ihn. Stattdessen spürte er Hände an seinem Gesicht, die ihn mit einer sanften aber bestimmten Geste dazu zwangen, sich dem Anderen zuzuwenden. Und was dann passierte, ließ ihn für einen Moment die komplette Welt um ihn herum vergessen. Denn anstelle sich nun einen Vorwurf anhören zu müssen, spürte er das Paar Lippen auf seinen, welches er in seine Träumen schon so unzählige Male geküsst hatte. Doch das hier war kein Traum, denn kein Traum konnte so schön sein. Zudem fühlte es sich viel zu real und intensiv an. Kein Traum konnte so sein – keiner. Nicht einmal der lebhafteste. Ohne zu zögern erwiderte er den Kuss, schmiegte sich an den Anderen und legte aus einem Gefühl heraus um ihn noch näher an sich zu ziehen. Dieser Kuss war einfach nur atemberaubend – Scorpius war atemberaubend.
Als sie beide sich nach einer kleine Weile voneinander lösten und sich dieses Mal in die Augen sahen, brauchte es keine Worte um zu verstehen, was sich in ihrer Beziehung geändert hatte. Und etwas in Albus vibrierte voller Freude und Glück Scorpius nicht nur als seinen besten Freund, sondern nun auch noch seinen festen Freund nennen zu dürfen.
„Was hat Victoire zu dir gesagt?“
Die Frage musste aber noch geklärt werden. Scorpius grinste schief. „Ach, in einer ruhigen Minute hat sie mich aufgesucht und gesagt, dass wir beide wohl die besten Freunde sind. Und dass sie uns gerne so eng zusammen sieht und froh ist, dass wir einander haben. Mehr hat sie nicht gesagt aber, ihre Stimme hatte so einen komischen Ton gehabt und der Blick hatte auch mehr gesagt. Sie wusste vermutlich eher als wir beide, was los ist. Irgendwie...hat mir das den Mut gegeben das anzusprechen, was ich dich seit diesem Wochenende fragen wollte...“
Wie Teddy bei mir! Doch diesen Gedanken sprach er nicht aus. Stattdessen genoss er es, nun wirklich frei den anderen küssen zu können und klaute sich erneut noch einen Kuss, ehe er den anderen angrinste. „Komm, lass uns schlafen.“
„Aber nur, wenn ich mich zu dir kuscheln darf.“
„Ihh – werden wir jetzt so ein klischeehaftes Pärchen, dass einander Händchen hält, im Bett kuschelt und immer und überall herum knutscht?“
„Bei Merlin – und wie wir das sein werden!“
Das es da vielleicht die eine oder andere Person gab, der sie ihre Beziehung so nicht unter die Nase reiben sollten, war den beiden Jungs in diesem Moment vollkommen egal. Ein jeder von ihnen strahlte verliebt und glücklich über beide Ohren, als Albus mit einer Hand die Tasse nahm und mit der anderen seinen festen Freund festhielt, ehe sie zusammen sich auf den Weg ins Schlafzimmer zu machen. Denn es war spät, sie sollten schlafen.
Zum ersten Mal eine Nacht als Paar.
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