NCIS:LA - Separate Lives

von Bendragon
GeschichteSchmerz/Trost / P16
G. Callen OC (Own Character)
14.02.2018
11.03.2019
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Es war 15.20 Uhr.
Erst.
Es war drei Tage vor Weihnachten.
Malgorzatta verbrachte die Tage im Einkaufszentrum.
Um in ihrem Appartement Heizkosten zu sparen.
Auch wenn es weh tat, all die schönen Sachen zu sehen, die sie sich nun nicht mehr leisten konnte.
Mit dem Gedanken unterwegs zu sein, Weihnachten alleine zu verbringen.
Ohne G.
Ohne Grisha.
Sie hatte nicht mal Zeit gehabt, ihn mit seinem Vornamen anzureden.
In Gedanken tat sie es fast stündlich.
Seit neun Monaten, zwei Wochen und drei Tagen.
So lange war es her, dass sie ihn verlassen hatte. Seitdem hangelte sie sich von einem Tag zum anderen.
Sie wusste nicht, wie sie den Rest ihres Lebens verbringen sollte.
Sie wusste nicht mal, wie sie den Rest des Tages herumbekommen sollte.
Vier Wochen hatte sie bei Tim McGee gewohnt, in seinem winzigen Appartement.
Zwei Tage bei Tony DiNozzo.
Nach einem Gespräch mit Gibbs über G war sie völlig zusammengebrochen und hatte anderthalb Wochen im Krankenhaus verbracht.
Sie hatte dort bleiben sollen. Eine Langzeit-Therapie machen.
Doch sie wollte nicht.
Sie hatte sich dieses kleine Appartement genommen.
Arbeiten konnte sie nicht.
Gibbs half ihr bei dem Kampf um eine Rente von der CIA.
Sie war noch nie so am Boden gewesen.
So lange. So tief.
Sie hatte auch keine Lust, wieder aufzustehen.
Sie wusste nicht, wozu.
Malgorzatta konnte sich auch sehr gut vorstellen, sich umzubringen.
Sie hatte viele Tabletten gesammelt.
Im Krankenhaus hatte sie sogar eine Spritze und ein Medikament an sich bringen können.
Sie wusste absolut nicht, wofür sie weiterleben sollte.
Das Leben tat weh ohne G.
Ohne Grisha.
Sie hatte ihn bloss anstarren können als er aus Russland zurück kam und ihr seinen vollen Namen nannte.
Grisha Aleksandrovich Nikolajev.
`Nennt Anna Dich schon Grisha?` hatte sie ihn gefragt.
`Hat sie es getan bevor ich es durfte?`
Gs Gesicht hatte sich sofort verschlossen.
`G ... `
Sie wollte `Grisha` sagen.
Bekam es nicht heraus.
G wandte sich um und verließ das Haus.
Malgorzatta tat es ihm wenig später gleich, mit den Wichtigsten ihrer Sachen und ohne ihren Verlobungsring und ohne ihren Engelsrufer.
Sie hatte beides auf dem kleinen Tischchen unter dem Fenster abgelegt.
Sie buchte den nächsten Flug nach Washington und rief Tim an.
Er holte sie am Flughafen ab.
Und bemühte sich, sie die nächsten Tage aufzufangen.
Sie war fast acht Jahre mit G zusammen gewesen.
Als sie ihn das erste Mal gesehen hatte, war sie felsenfest davon überzeugt gewesen, dass er es war, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt damals selbst schon verheiratet gewesen war.
Eigentlich war sie noch immer überzeugt davon!
Er war der Richtige für sie.
Aber vielleicht bekam man gar nicht einfach immer das, was richtig für einen war!
Vielleicht passten die Umstände einfach nicht.
Es war drei Tage vor Weihnachten.
Und sie musste immer öfter an ihr erstes Weihnachten mit G zusammen denken:

Obwohl die CIA sie schon vor Jahren angestellt hatte, war sie noch nie zuvor in Los Angeles gewesen.
Es war der 22. Dezember.
Zum Glück waren sie in der Botschaft in Kiew, in der Ukraine, wo Weihnachten erst am 6. Januar begangen wurde. Ganz seiner tschechischen Heimat verpflichtet gab Efremil am 24. Dezember auch immer eine kleine Weihnachtsfeier in der Botschaft, für die Angestellten und deren Familien. Malgorzatta würde sie dieses Jahr verpassen. Es war ihr egal. Sie wollte so viel Zeit wie nur eben möglich mit G verbringen.
Sie hatte Efremil versprochen, zu Weihnachten zurück in Kiew zu sein, doch schon den ganzen Flug über, je näher sie G kam, umso intensiver suchte sie bereits nach einer Ausrede, um länger bleiben zu können.
Und sei es nur, um den Weihnachtsabend noch mit G zu verbringen!
Der Flughafen hier war riesig, hell, sauber, nicht im Geringsten wie der Flughafen in Kiew, Boryspil, der gerne international wirken wollte.
Sie ertappte sich, dass sie einmal mehr negative Gedanken gegen ihre derzeitige Heimat hegte. Es kam immer öfter vor, seit sie G in Rio wiedergetroffen, mit ihm geschlafen hatte.
Es störte sie nicht.
Sie konnte es kaum noch erwarten, G wiederzusehen!
Sie war aufgeregt. Ihr Herz klopfte bis zum Hals, ihr Mund war trocken. Und sie hatte eiskalte Hände.
Die automatische Tür glitt mit einem leichten Schaben beiseite und gab den Weg frei in die Ankunftshalle.
Eine Menge Leute standen hier hinter der kurzen Absperrung.
Viele von ihnen hatten Blumen, Luftballons, kleine Geschenke, Willkommensschilder dabei, Malgorzatta sah erwartungsvolle Gesichter, große Augen, bei Kindern und Erwachsenen gleich.
Wen sie nicht sah, war G.
Er hatte ihr gesagt, er würde sie abholen. Natürlich musste sie bei seinem Job auch immer damit rechnen, dass etwas dazwischen kam.
Also zog sie ihren Trolly erst einmal an die Seite, blieb an einer der Milchglaswände stehen, die die Halle in verschiedene Bereiche teilte, und griff zu ihrem Mobiltelefon in ihrer Handtasche.
Es zeigte ihr keine verpaßten Anrufe, keine Nachricht von G an.
Sie ließ ihren Blick über die wartenden Menschen wandern.
G war nicht zu sehen.
Wahrscheinlich war er aufgehalten worden. In diesem Beruf konnte man nicht auf die Minute pünktlich sein!
Die Halle war weihnachtlich geschmückt.
Grüne Girlanden hingen an den Decken, mit dicken roten Schleifen und weißen Kugeln. Ein Weihnachtsbaum stand neben einer Sitzgruppe für Wartende. Bunte Kugeln hingen darin, rot-weiße Zuckerstangen. Den patroullierenden Sicherheitsbeamten hier in der Halle war es sicher zu verdanken, dass er noch so makellos aussah.
Weihnachtslieder wurden über die Lautsprecher in die Halle gespielt.
Das unvermeidliche „Last christmas“ von Wham.
Malgorzatta musste daran denken, dass sie mal die Geschichte im Radio gehört hatte, dass das Lied ursprünglich „Last easter“ heißen sollte. George Michael hatte es angeblich auf Drängen seiner Plattenfirma umgeschrieben.
Sie mochte das Lied. Sie mochte auch Weihnachten.
Doch hier irritierte sie die Temperatur in Kalifornien.
Langsam machte sie wieder ein paar Schritte Richtung der Halle.
G würde wissen wo sie ankam und wenn sie sich …
In diesem Moment sah sie ihn in dem breiten Gang.
Er trug Jeans, Jacke, ein dunkelblaues Shirt, er kam eilig in Richtung des Passagierausganges, sah dabei suchend um und sie bekam den unglaublichen Luxus, ihn ein paar Sekunden ungestört beobachten zu können bevor sein Blick auf sie fiel.
Sie spürte sein Lächeln eigentlich mehr als dass sie es wirklich sah auf die Entfernung.
Es war ein wärmendes Gefühl in ihrer Herzgegend.
Sie konnte nichts tun als lächeln.
„Mali!“
G kam zu ihr, Malgorzatta sah das Lächeln auf seinem Gesicht und konnte selbst nichts anderes als strahlen.
Sie blieb stehen.
Genoss Gs letzte Schritte in ihre Richtung, das ehrliche Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen, es schien ihn wirklich und wahrhaftig zu freuen, dass sie da war!
„Mali, es tut mir leid … ich bin zu spät … bin aufgehalten worden … „
G legte seine Hand an ihre Wange, beugte sich rasch zu ihr hinab und berührte mit den Lippen kurz, fast zögerlich, die ihren.
Malgorzatta legte ihren Arm an seine Seite.
Sah ihn für einen Moment prüfend an. Fast irritiert.
„Jetzt bist Du ja da … kein Thema, G!“
Sie stemmte sich auf die Zehenspitzen, berührte mit den Lippen die seinen.
G erwiderte ihren Kuss sofort.
Als sie ihren Arm um seine Seite rutschen ließ spürte sie, wie er sich in ihre Umarmung schmiegte. Beruhigt lehnte sie sich gegen ihn. Genoss es zu spüren, wie er beide Arme um sie legte und sie noch etwas näher an sich zog.
Sie registrierte, wie seine Schultern leicht nach unten sanken, er sich leicht zu entspannen schien.
Mit einem Mal fühlte sie sich ebenfalls ruhiger. Zufrieden.
Langsam streichelte sie mit der Hand unter seine Jacke, über sein Shirt. Spürte durch den Stoff die Wärme seiner Haut.
Das Spiel seiner Zungenspitze mit der ihren war sehr sanft.
Er roch, schmeckte noch ganz genau so, wie er sie vor drei Tagen in Rio verlassen hatte, er fühlte sich noch immer vertraut an.
Behutsam löste sie ihre Lippen von den seinen, sah ihn an.
Das strahlende Blau seiner Pupillen faszinierte sie noch immer.
„Danke für die Einladung, G!“
Ein kleines Lächeln verzog sein Gesicht.
Sein Blick zu ihr war ruhig.
„Schön, dass Du angenommen hast, Mali! Wie war Dein Flug?“
„Grauenhaft! Ich hätte ihn nicht überstanden hätte ich nicht gewusst, dass Du auf mich wartest!“
Gs Lächeln wurde ein bisschen deutlicher. Offensichtlicher. Zärtlicher.
„Komm her!“
Seine Hand streichelte sanft durch ihre kurzen Haare, er drückte ihren Kopf leicht in seine Richtung und küsste sie erneut.
„Das tut mir leid!“
„Mir nicht!“
Malgorzatta löste ihre Lippen von seinen und sah ihn an.
Sie legte ihre Hand an seine Wange, streichelte sacht darüber. Seine Bartstoppeln kratzten noch immer.
Er schien erst kürzlich beim Friseur gewesen zu sein, seine Haare waren so raspelkurz, dass seine Kopfhaut durchschimmerte.
„Es ist wunderbar wieder bei Dir zu sein! Jetzt schon!“
„Du bist noch genau so hinreißend wie in Rio!“ gab G zurück.
Er wandte leicht den Kopf, drückte einen raschen Kuss in ihren Handteller.
„Sollen wir fahren?“
„Ja. Sehr gerne!“ stimmte sie ihm zu.
G nickte.
Küsste sie noch mal.
Streckte dann seine Hand aus.
„Gib` mir Deinen Koffer!“
„Danke, G!“
Malgorzatta wechselte den Griff des Trolleys hinüber zu seiner Hand, G nahm ihn und legte seinen Arm um ihren Rücken.
Er zog sie sanft mit zu nächsten Ausgangstür.
Malgorzatta mochte ihren Blick gar nicht von G wenden.
Bekam das Lächeln gar nicht von ihrem Gesicht.
Wieder zurück in Kiew war nicht eine Stunde vergangen, in der sie nicht an G gedacht hatte. Sich sein Bild ins Gedächtnis gerufen hatte. Die Stunden zählten, die vergingen, bis sie ihn wiedersehen würde.
Jetzt endlich war es soweit, doch so recht konnte sie es nicht genießen weil wieder ein Ticker lief, der weit bedrohlicher war weil er rückwärts lief. Der Ticker zum Abschied.
Sie konnte ihn einfach nicht aus dem Hinterkopf bekommen!
Die automatische Tür entließ sie nach draußen.
Hier stand, in ein paar Meter Entfernung, ein dunkler Jaguar zur Hälfte schräg auf dem Gehweg.
Malgorzatta sah bereits von hier das Ticket unter dem rechten Scheibenwischer.
Sie wusste augenblicklich, dass das Gs Auto war. Und musste schmunzeln.
„Ihr parkt hier etwas anders in Los Angeles, hm?“ meinte sie während sie in Richtung des Fahrzeuges gingen.
G sah sie an.
Es dauerte einen Moment, dann verzog ein kleines Grinsen seine Lippen.
Sein Arm rutschte hoch zu ihrem Nacken, er zog sie zu sich und küsste sie nachdrücklich.
Dann öffnete er ihr die Autotür.
„Danke, G!“
Malgorzatta wollte einsteigen.
Doch sie stutzte als sie auf dem Beifahrersitz die langstielige dunkelrote Rose liegen sah.
Sie sah zu G.
Es war das erste Mal, dass sie ein kleines verlegenes Lächeln bei ihm sah.
„Entschuldigung! Habe ich vergessen! Ich war in Eile!“
Malgorzatta musste lächeln.
Gerührt.
Sie streichelte mit der Hand über seine Brust.
„Danke G! Das ist lieb von Dir!“
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Danke!“
„Ich hab`s vermasselt!“ gab G zurück und klang sogar zerknirscht.
„Entschuldige!“
„Hast Du nicht!“ widersprach Malgorzatta sofort.
Sie ließ ihren Arm um seinen Oberkörper rutschen und lehnte sich gegen ihn während sie nach wie vor zu ihm aufsah.
„Mit einer Rose in der Ankunftshalle stehen kann jeder! So ist es viel schöner!“
G lachte leise auf.
Er zog sie wieder an sich. Malgorzatta spürte seine Lippen für einen langen Moment über ihre Wange streicheln. Seinen Atem warm an ihrer Haut.
„Du bist wundervoll.“ raunte er ihr zu.  
„Du hast in Rio gesagt, ich wäre frech.“ gab sie halblaut zurück, sah ihn aufmerksam an, schloss ihre Hand etwas fester an seiner Hüfte.
„Das ist schon ein Unterschied!“
G lächelte.
Er wirkte ein bisschen verunsichert.
„Belassen wir es bei wundervoll?“
„Dann werde ich mir Mühe geben, so zu bleiben!“ flüsterte sie ihm zu, streichelte über seine Seite.
Gs Gesicht war dem ihrem noch immer ganz nah. Sie genoss es. Hielt still, während sie die Wärme seiner Haut an ihrer spürte.
„Mir ist egal, wie! Hauptsache, Du bleibst bei mir!“
Seine Hand streichelte sanft über ihren Rücken.
Malgorzatta musste lachen.
„Du hattest noch keine Gelegenheit, das herauszufinden, aber ich kann unausstehlich sein wenn ich nicht wundervoll bin! Das willst Du gar nicht wissen! Aber abgesehen davon, es ist traumhaft mit Dir hier zu stehen und Du machst mir Komplimente!“
Jetzt lachte auch G.
Malgorzatta beobachtete ihn genau.
Sie hatte ihn noch nicht so oft lachen sehen. Im Moment wirkte er sehr ungewohnt entspannt. Auch das hatte sie noch nicht oft an ihm gesehen. Er schien eine Menge mit sich herum zu tragen.
Sie hatten noch nicht viele Gelegenheiten zum Reden gehabt.
So hoffte, dass sie in den nächsten Tag dazu kommen würden.
G küsste sie.
„Fahren wir jetzt trotzdem?“ fragte er sie sanft.
„Sehr gerne.“ gab Malgorzatta zurück.
„Vielleicht darf ich dann später noch ein bisschen mit Dir flirten?“
„So oft und so lange Du willst!“
G schob sie sanft in den Wagen, Malgorzatta nahm die Blume vom Beifahrersitz und stieg ein.
G schlug die Tür hinter ihr zu.
Er ging vorne um den Wagen herum, zog im Vorbeigehen mit einer lässigen Bewegung das Ticket unter dem Scheibenwischer weg und stieg auf der Fahrerseite ein ohne einen Blick darauf geworfen zu haben.
G schob den Schlüssel ins Zündschloss.
Er drehte ihn aber nicht, sondern sah sie fragend an.
„Möchtest Du in ein Hotel oder möchtest Du … mit zu mir?“
Malgorzatta lächelte ihm zu.
Streckte ihre Hand aus und streichelte sanft über sein Bein.
Sie hatten telefoniert. Heimlich.
Sie war in den Garten gegangen zu der Zeit, als sie das Gespräch verabredet hatten. Weit weg von allen Ohrenzeugen.
G hatte gefragt ob sie ihn in L. A. besuchen wolle. Sie hatte sofort „Ja“ gesagt.
G hatte ihr zur Auswahl gelassen ob sie im Hotel wohnen wollte oder bei ihm. Hatte aber ein Flugticket für sie hinterlegen lassen.
„Ich würde gerne bei Dir wohnen, G! Sehr gerne sogar!“
G nickte.
Er startete den Motor, wendete den Wagen und lenkte ihn auf die Straße, die vom Flughafen weg führte.
Los Angeles sah in Wirklichkeit so aus wie auf den Bildern, die sie kannte.
Breite Highways, hohe Palmen, gleißender Sonnenschein, die Straßen waren sauber und an manchen Blocks auch weihnachtlich geschmückt.
Es irritierte etwas vor dem strahlend blauen, wolkenlosen Himmel...