Wie man anderen ein Date verschafft (in unnötig vielen Schritten)

KurzgeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Draco Malfoy
14.02.2018
14.02.2018
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Es gab Dinge, die in Hogwarts nun mal zwangsläufig ihren Einzug hielten, wenn ein nicht kleiner Teil der Schülerschaft Muggels waren oder immerhin Halbblute. Valtentinstag war eins dieser Dinge. Also, es war nicht wirklich etabliert. Aber es lief doch schon mal in die richtige Richtung, wenn immerhin ein paar Menschen leise kichernd rosa Herzchen austauschten. Also, fast alle waren integriert. Das kleine Wörtchen war eben fast …
     
„Warte was?“ fragte Anemonenfisch und rückte ihre gelbe Krawatte etwas zurecht während sie zweifelnd auf das Pergament vor sich starrte. „Du hast noch nie in deinem ganzen langen Leben einen Valentinsschatz gehabt? Wirklich nicht?“ Gabe sah etwas verwirrt drein. Anemonenfisch schnaubte und blies sich die Haare, blau gefärbt nach einem verunglückten Zauberspruch und sie weigerte sich jegliche Hilfe anzunehmen bis sie diesen blöden Zauber selbst wieder los war und zwar eigenhändig, aus der Stirn. „Niemals? Wirklich?“

Gabe zuckte die Schultern und war einen kurzen Blick über die Schulter der anderen Schülerin. Während zwischen ihnen gefährlich ein Kessel vor sich hinbrodelte, brodelte zwei Reihen und ein paar Plätze versetzt, Draco Malfoy  vor sich hin.

„Nö“, sagte er dann und wedelte einmal mit dem Stab, um zu verhindern, dass das Gebräu, das sie zusammengewürfelt hatten, überkochte. „Was macht man da?“

„Wenn die Personen in der Reihe vielleicht die Freundlichkeit besäßen, sich wieder meinem Unterricht zuzuwenden, dann würde das nächste Mal vielleicht mal etwas Anständiges dabei herauskommen nicht war Miss?“ Snape warf der blauhaarigen einen kalten Blick zu, aber diese war zu sehr damit beschäftigt, ihren Laborpartner entgeister anzustarren.

„Du hast nie ..“ „Zehn Punkt Abzug für Huffelpuff“, schnitt der Lehrer ihr das Wort ab.

Anemonenfisch warf ihm einen bösen Blick zu. Es ging um Leben und Tod! Niemand sollte jemals durch sein Leben kommen ohne die bescheurten und manchmal sehr peinlichen Balzrituale des Valentintages hinter sich zu haben. Mindestens einmal.

Gabe warf, heimlich wie er überzeugt war aber Anemonenfisch merkte es trotzdem, wieder einen Blick nach hinten. Nur ganz kurz, aber dabei lächelte er leicht verträumt und da machte es in Anemonenfischs Kopf ganz leise klick. Ohhh, dachte sie sich.

Sie musterte den Jungen, der gerade versuchte von dem Zaubertrank zu retten, was zu retten war. Und dann musterte sie Malfoy. Sie wusste viel über Draco, oder eigentlich nur dass, was man wispernd in den Gängen sprach. Und sie wusste einiges über Gabe, oder soviel, wie man eben über Laborpartner und gelegentliche Lebensretter wusste, die einen durch dieses Fach im Alleingang durchzuboxen schienen.

Gabe war ganz hübsch würde sie sagen, und er sah ganz ordentlich aus in seiner Ravenclaw Krawatte, der Schuluniform und den verwuschelten Haaren. Und er war ein netter Kerl. Der wohl netteste auf dieser Welt. Jeder andere hätten sie schon längst sitzen lassen.

„Wenn du nur einmal die Konzentration für Zaubertränke aufwenden könntest, die du gerade auf mich anwendest, dann wäre uns sehr geholfen“, spottete er und warf ihr ein schiefes Lächeln zu. Anemonenfisch erwiderte es breit.

„Ich werde dafür sorgen, dass Malfoy dieses Jahr den Valentinstag mit dir verbringt!“

Gabe zog seufzend die Augenbrauen zusammen. „Ich habe immer noch keine Ahnung was das bedeutet, also, währst du bitte so nett und würdest mich erleuchten?“

„Och“, sagte der Huffelpuff und drehte sich unschuldig so hin, dass sie wieder die Tafel vor sich im Blick hatte. „Das wirst du schon merken.“

                                                                *~*~*~*

„Okay“, sagte sich Anemonenfisch an diesem bestimmten, schönen Morgen und knöpfte sich das Hemd zu. „Ich krieg das hin. Ich bin ein Huffelpuff. Wenn es eine Sache gibt, die wir gut können, dann ist das Dinge finden.“

Und es konnte doch nicht so schwer sein, den Platz ausfindig zumachen, den Gabe in Draco’s Herz einnehmen konnte. Heute war der 14. Februar und soweit sie wusste, hatte Gabe es immer noch nicht herausgefunden. Er hatte es wahrscheinlich sogar verdrängt. Aber zur Sicherheit hatte sie ein paar Gefallen eingefordert, dass auch ja niemand diese Überraschung für den Jungen verderben würde. Sie war vielleicht ein Huffelpuff, aber sie konnte auch verdammt nachtragend werden, wenn es jemand wagen sollte, ihren Plan zu ruinieren.

Ein letztes Mal überprüfte sie die kurze Liste mit Zaubersprüchen, die sie sich in den letzten Tagen zusammengesucht hatte. Es waren nicht viele und sie war sich nicht sicher, ob alle genau so hinhauen würden, wie sie es in der Dunklen Ecke der Bibliothek getan hatten, in der sie sie ausprobiert hatte, aber es beruhigte ein wenig das mulmige Gefühl, dass in ihrem Magen lag.

Sie huschte durch die Gänge wie ein Schatten, vorbei an einer Gruppe Mädchen, die leise tuschelten und dabei etwas verräterisch Rotes hin und her reichten. Sie spürte, wie sich ihr Puls unweigerlich beschleunigte.

Der große Saal öffnete sich vor ihr und sie ließ einen raschen Blick durch die Reihen schweifen. Da! Vorbildlich saß Gabe an seinem Platz und ganz zufällig wurde Malfoy gerade von einer sehr engagierten Slytherin zugetextet. Anemonenfisch tastete nach den Schokofröschen in ihrer Tasche.

Einmal tief Luft holend, ging sie an ihren Platz. Sorgfältig legte sie ihren Zauberstab mit der Spitze auf die Gruppe von Ravenclawschülern gerichtet auf ihren Schoß und schlug dann ganz leicht mit dem Löffel gegen ihr Glas.

Den Zauberspruch, ein Relikt aus irgendeiner Zeit, in der Zauberer eben gerne Funkelregen projiziert hatten, hörte sie nur, ein ganz leises Zischen, gefolgt von etwas, was sich wie das Platzen von Seifenblasen anhörte.

„Ohhh“, ertönte es einstimmig aus den Reihen. Das Mädchen erlaubte sich, ihre Schultern zu entspannen bevor sie sich grinsend umdrehte.

Über Gabe erstrahlte die Luft in einem Wirr-warr aus bunten Lichtern, vor allem rot, wegen Symbolik und so, und er selbst starrte Malfoy an, der just in diesem Augenblick, scheinbar zufällig so aussah, als hätte er irgendetwas damit zu tun.

„Ja mann“, wisperte Anemonenfisch leise. Und dann drehte sich Draco wieder um. Im Bruchteil von einer Sekunde hatte Anemonenfisch das Gefühl, dass die Temperatur im Saal um ein paar Grade gefallen war. Vorsichtig schielte sie zu Gabe, aber dieser sah nicht so aus, als hätte er vor, vom Astronomieturm zu springen. Vielleicht hatte er es nicht mitbekommen. Vielleicht war der unfassbar romantische Moment, den sie so gerne erzeugt haben wollte nicht …

Eine Ravenclawschülerin, etwas kleiner, blonde Haare und Anemonenfisch war sich sicher, dass sie zusammen Verteidigung gegen die dunklen Künste hatten, lehnte sich zu ihrem Nachbarn hinüber, Segelohren, krauses Haar und anscheinend sehr überrascht von der Entwicklung der Dinge, und küsste ihn auf den Mund.

„Bei Merlin, dass war ja so romantisch“, sagte sie dann, nachdem sie sich dazu durchgerungen hatte, die Lippen des anderen wieder zu verlassen. „Wie hast du das nur hinbekommen?“

Anemonenfisch hatte das Gefühl, sich in ihrem Orangensaft ertränken zu wollen.

Stattdessen stand sie auf, machte einen trotzigen Bogen um das sehr glückliche und vor allem das falsche Paar, und drückte der so engagierten Slytherin seufzend die Schokofrösche in die Hand.

„Tut mir leid“, sagte diese so leise, dass Malfoy es wohl nicht hören konnte.

                                                           *~*~*~*
Der Verlauf des Schultags brachte so einige Dinge mit sich. Eine Liebesnotiz, die dazu führte, dass ein Huffelpuff und ein Gryfindor sich kichernd und ganz und gar nicht unauffällig aus dem Unterricht für magische Geschichte verabschiedeten (eigentlich war sie für Malfoy bestimmt, Anemonenfisch hatte sogar nach einem Liebesgedicht gesucht, und die Herzen am Rand so verzaubert, dass sie zu pochen schienen, aber nein, Gabe musste sie ja dem Jungen hinter ihnen geben, weil er angenommen hatte, dass die Notiz dem Typen runtergefallen war und der hatte sich freudestrahlend umgedreht und den Rest der Geschichte mochte sich die junge Dame nicht in Erinnerung rufen).

Dann war da noch der magische Papierflieger, der jedoch im Gebräuche des Zaubertranksunterrichts fiel und danach anfing Funken zu spucken.

Dann war da auch noch das Mädchen, dass Malfoy ganz heimlich sagen sollte, dass Gabe seine Augen toll fand und die vor Lampenfieber keine zwei Worte herausbekam und letzten Endes dafür sorgte, dass Malfoy sichtlich irritiert von dannen ging. (Anemonenfisch gab ihr trotzdem das versprochene Souvenir aus Mallorca, eine potthässliche Schatztruhe mit Keramik fischen die daran geklebt wurden, weil es ja nicht die Schuld der Kleinen war, dass Malfoy sehr wohl sehr furchteinflößend sein konnte.)

Also ja, Anemonenfisch hatte vielleicht dafür gesorgt, dass die Geburtenrate wohl auch weiterhin konstant bleiben würde aber in den letzten Minuten des Unterrichts war sie so dermaßen frustriert, dass der Lehrer sie, nett wie er war, fragte ob mit ihr denn alles in Ordnung sei.

Und das schlimmste war, dass Gabe es einfach nicht kapierte.

*~*~*~
„Also, wie geht’s mit deinem Plan voran?“ fragte er deshalb sehr gut gelaunt nach dem Mittagessen, als sie sich zufällig auf dem Gang trafen. Anemonenfisch, bis zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung, dass heute wirklich alles schief gehen würde, lächelte.

„Super, danke der Nachfrage!“ „Das freut mich, denn ich verstehe immer noch nicht was du mit der Aussage gemeint hast!“

Anemonenfisch würde so was von kein Geld mehr nach diesem Tag haben.

„Wirklich? Das überrascht mich ja total!“

Im Hintergrund konnte sie den grinsenden Schatten der Person ausmachen, der sie noch ein Butterbier schuldete.

*~*~*~*

Malfoy saß unter einem Baum. Anemonenfisch blinzelte verwirrt. Es war nicht so, dass Malfoy nie unter Bäumen saß, aber es war Februar und ziemlich kalt und eigentlich saß kein normaler Mensch in dieser Jahreszeit um diese Uhrzeit unter Bäumen. Aber Draco Malfoy tat es. Und Anemonenfisch war zu fertig mit der Welt und mit diesem Tag, um das Szenario ernsthaft in Frage zu stellen.

„Ich habe eine wichtige Nachricht für dich Sterblicher. Eine uralte Prophezeiung wird sich bewahrheiten“, knurrte sie, während sie gleichzeitig versuchte, es sich irgendwie bequem zu machen, was im anbetracht der Tatsache, dass sie auf einem Ast hockte wirklich unmöglich zu sein schien.

Malfoy zuckte zusammen. Also nicht stark, aber es war wohl eine ziemlich menschliche Reaktion, dass unbekannte Stimmen, nicht wirklich das beste waren, was man aus einem Baum hören wollte.

„Heute wirst du deiner großen Liebe begegnen, er ist groß, Ravenclaw und …“ „Was machst du in dem Baum Anemonenfisch?“ Malfoy hatten den Kopf in den Nacken gelegt und sah sie mit kalten Augen an.

„Ähm“, begann sie und fuhr sich durch die blauen Haare. „Das ist eine ziemlich witzige Geschichte?“

„Hey Anemonenfisch“, rief Gabe über die Wiese. „Wie geht es mit deinen Valentinstagsvorbereitungen voran?“ Okay, in einem kahlen Baum zu sitzen war vielleicht  nicht der beste Ort, um einen letzten verzweifelten Versuch zu starten, aber wieso sahen sie denn alle? Und wieso musste Gabe direkt jetzt auftauchen?

„Valentinstag?“ fragte Malfoy und die Hexe war sich nicht sicher ob er amüsiert oder angeekelt war. „Ich versuche Gabe ein Valentinsdate zu besorgen“, antwortete sie und verdrehte die Augen.

„Meine große Liebe, groß, Ravenclaw“, zog Malfoy genüsslich in die länge. Anemonenfisch verstand tatsächlich, wieso manche Menschen Malfoy nicht mochten.

„Jap“, sagte sie und ließ sich behände von dem Ast fallen. Malfoy rollte sich aus dem Weg um Platz zu machen.

„Warte, Du weißt was es mit dem Valentinstag auf sich hat? Du?“ Anemonenfisch starrte den blonden Zauberer erstaunt an. „Jaaa“, sagte Draco vorsichtig.

„Willst du denn mit Gabe ein romantisches Date verbringen?“ hackte sie nach.

„Ich kenn den Kerl nicht“, antwortete Draco und setzte sich auf.

„Aber das ändert man doch mit so etwas!“ Der Junge verdrehte die Augen und ließ das Mädchen stehen. Gabe, der sich wohl etwas vergessen fühlte, kam auf sie zu und murmelte Draco eine leise Begrüßung entgegen. Draco hob die Hand zum Gruß

„Hey“, sagte er dann, als er neben seiner Freundin stand. „Alles in Ordnung?“

„Nein“, sagte sie und strich sich die Haare aus der Stirn. „Nichts ist in Ordnung.“

*~*~*~*

Anemonenfisch hatte beschlossen, den Valentinstag bis ans Ende der letzen Stunde zu ignorieren. Sie hatte sich ein Tasse Kakao aus der Küche entliehen und hatte sich jetzt in den Schlafräumen verkrochen. Um sie herum hatten an diesem Tag eine Menge Freunde und Schulkameraden ihr Glück gefunden.

Nur nicht Gabe.

Also hatte sie sich entschieden, einfach den nächsten Tag abzuwarten.

~*~*~*~
Gabe grinste sie an, als sie gerade dabei war, noch ein letztes Mal in die Küche zu schleichen um vielleicht doch noch einen Keks zu mopsen oder vielleicht noch eine Tasse Kakao.

„Was ist passiert?“ fragte sie und wischte sich hastig über die Lippen, denn sie war sich ziemlich sicher, dass sie einen Kakaobart hatte.

„Draco hat mir den Valentinstag erklärt“, sagte Gabe und zwinkerte ihr verschwörerisch zu.

„Ihhhh“, quietschte die Hexe und kniff hastig die Augen zusammen. „Ich habe gerade mentale Bilder, die ich nicht haben will! Warte, wieso auf einmal? Er war doch nicht wirklich, na ja …“ Anemonenfisch war sich nicht ganz sicher, wie sie diesen Satz beenden sollte, ohne nicht irgendjemanden zu verletzen.

„Och, das ist ein Geheimnis, ich bin ja anscheinend groß …“ „Bei Merlin, Gabe, ich brauche jetzt einen Zauberspruch um mein Gehirn zu löschen. Für immer!“ Der Ravenclaw lächelte verschmitzt und tippte ihr dann einmal mit dem Zauberstab gegen die Haarspitzen während er hastig ein paar Silben murmelte.

„Das hätte ich auch hinbekommen“, sagte das Mädchen, dass wider ihre braune Haarfarbe zurück hatte, stolz.

„Genau wie du es auch selbst hinbekommen hättest Zaubertränke zu bestehen? Und Draco um ein Date zu bitten?“

„Ach sei doch still!“ rief sie aus und hackte sich freundschaftlich bei ihrem Laborpartner unter. „Ich habe eben nicht den umwerfenden Charme, der manche Menschen zu umgeben scheint!“

„Danke“, sagte Gabe während sie sich gemeinsam in Richtung des Gemeischaftsraums gingen. Anemonenfisch glaubte, aus den Winkeln ein kurzes aufblitzen von grün wahrzunehmen.

„Keine Ursache.“
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