Ordenskontrolle im Gasthaus "Zum Fliegenden Fisch"

von SilviaK
GeschichteHumor, Fantasy / P12
13.02.2018
25.03.2018
4
5057
2
Alle
9 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Hallo zusammen! Ich wünsche euch viel Spaß mit dieser nicht ganz so ernsten Geschichte zu Christian Günthers spannendem Roman "FAAR – Das versinkende Königreich: Die Aschestadt". Außerdem habe ich mir noch Fermalis aus seiner dazugehörigen Novelle "Herr der Wälder" ausgeborgt. Es war noch eine Stelle als Paladin zu vergeben und so klärt sich vielleicht endlich, warum man ihn eigentlich aus dem Orden rausgeworfen hat. Der Autor hat's uns ja bisher nicht verraten.  ;-)


Es war ein friedlicher Morgen in der Küstenstadt Kath. Im Gasthaus "Zum Fliegenden Fisch" wurden die Fensterläden aufgeklappt und Harmis öffnete weit die Tür, um die Gerüche der letzten Nacht in die Freiheit zu entlassen. Alix fegte energisch den Gastraum, während Hyron die traurigen Überreste eines Stuhles ins Tageslicht hielt.
"Der Kerl hatte einen wirklich harten Schädel", stellte er fest. "Nicht mehr zu retten, das Ding. Taugt nur noch als Feuerholz."  
"Wenn du ihm den Stuhl nicht so derb übergezogen hättest, dann wäre der jetzt noch ganz!" Tadelnd blickte Harmis den Söldner an. "Das war der dritte in dieser Woche! Du bist hier der Rausschmeißer! Du sollst dafür sorgen, dass die Kerle mein Mobiliar ganz lassen, wenn sie in Streit geraten! Nicht es selber zerlegen!"
"Ja, ja … Beim nächsten Mal passe ich besser auf."
"Beim nächsten Mal? Ich werde dir schon dieses Mal die Kosten vom Lohn abziehen!"
Hyron zog die Augenbrauen zusammen. "Du willst was?"
"Jungs! Benehmt euch!" mahnte Alix. "Wir kriegen hohen Besuch!"
Die Männer wandten sich um und ließen ihre Auseinandersetzung sofort ruhen, als sie sahen, wer da auf sie zugeritten kam: ein Mann in der goldenen Rüstung der Bruderschaft. Eben ging die Sonne über den Häusern auf und spiegelte sich hell auf dem metallenen Harnisch. Harmis kniff die Augen zusammen.
Was zur Hölle wollte der denn hier?
Die Bruderschaft im Haus zu haben bedeutete immer Ärger, auch wenn man sich gar nichts vorzuwerfen hatte. Hier in Kath war es noch nicht so schlimm mit ihnen wie in Alaris. Aber seit neuestem patrouillierten die Goldenen immer öfter in den Straßen und es sah so aus, als würden sie auch in dieser Stadt nach der Macht greifen.
Nachdem Harmis und seine Begleiter aufgrund der letzten Geschehnisse in Kath untergetaucht waren und fürs erste eine neue Identität als Besitzer eines kleinen Fischgasthauses angenommen hatten, passte ihm dieser Besuch überhaupt nicht.
Verflixt noch mal! War man ihnen auf die Spur gekommen? Hatte jemand herausgefunden, wen Harmis da in seiner Küche beschäftigte, und ihn bei der Bruderschaft angeschwärzt? Würde ihre Tarnung diesen ungebetenen Gast überstehen?
Bevor Harmis Alix unauffällig einen Wink geben konnte, Syuk zu warnen, wollte die junge Frau schon selbst im Haus verschwinden. Aber es war zu spät.
"Halt! Bleibt mal schön alle vor der Tür!" rief der Reiter ihr mit befehlsgewohnter Stimme zu.
Alix drehte sich wieder herum und verschränkte mit missmutigem Gesicht die Arme vor der Brust. Harmis fluchte im Stillen, aber einen der Goldenen zu verärgern war im Moment eine ganz schlechte Idee. Hoffentlich konnten sie ihn von Syuk fernhalten. Oder der Meermensch bemerkte die Gefahr und verschwand in seinem geheimen Versteck.
Inzwischen war der Reiter herangekommen. Er hielt vor dem Eingang des Gasthauses und blickte auf Harmis, Hyron und Alix herab. Sein Blick trug diese gewisse Arroganz und Herablassung in sich, die Harmis so gar nicht leiden mochte.
"Fermalis Hagan, Paladin der heiligen Bruderschaft vom Goldenen See. Seid Ihr der Besitzer dieses Gasthauses?"
"Der bin ich", antwortete Harmis in unbegeistertem Tonfall. Dann rief er sich zur Ordnung. Immerhin trug er hier auch die Verantwortung für seine Gefährten. "Kann ich Euch etwas anbieten?"
Der Paladin zog die Augenbrauen hoch, so dass sie fast unter der Stirnkante seines im Sonnenlicht leuchtenden Helmes verschwanden.
"Vorerst nur Informationen und Einblicke." Er holte einige zusammengefaltete Pergamente aus seiner Satteltasche und verzog das Gesicht. Der Anlass seines Besuches schien ihm zu missfallen. Dementsprechend klang er auch, als er fortfuhr: "Die Bruderschaft schickt mich zur Inspektion Eures Gasthauses. Einsicht in die Bücher, Einblick in alle Räume, Prüfung der Waren und Lagerbestände, Gesichtskontrolle aller Bediensteten und so weiter und so weiter."
Die Liste schien lang zu sein, wie das auseinander geklappte Pergament drohend bewies.
Harmis schluckte.
Gesichtskontrolle? Was würde der sagen, wenn er Syuk gegenüberstand? Und was alle anderen betraf, ihn selbst eingeschlossen … die Haut unter seinem falschen Bart begann, fürchterlich zu jucken.
"Eure vollste Unterstützung ist mir doch sicher gewiss, damit wir diese lästige Prozedur schnell hinter uns bringen können."
"Je schneller, desto besser", knurrte Hyron und zerbrach dabei unbeabsichtigt eines der lädierten Stuhlbeine zwischen seinen Fäusten. Irgendwo musste die Wut einfach hin, die er auf diesen heiligen Verein hatte.
Nicht nur der Paladin warf ihm einen tadelnden Blick zu. Dann schob Fermalis das oberste Pergament nach hinten, betrachtete das, was darunter gelegen hatte, und musterte ausgiebig Harmis' Gesicht. Harmis bemühte sich um eine unauffällige, dienstbeflissene Miene, obwohl er allmählich zu schwitzen begann. Doch die gefärbten Haare, die falsche, gleichfalls gefärbte Barttracht und seine schon etwas mitgenommene Wirtskleidung hatten wohl nicht viel gemein mit der Zeichnung auf dem Pergament, von der Harmis leider nicht viel erkennen konnte.
"Eure Hand. Was ist damit?"
Harmis warf einen Blick auf den Verband, unter dem er seine versteinerte Hand verbarg – das unliebsame Andenken an den Zusammenstoß mit einer Medusa.  "Verbrannt", antwortete er mit der ihm schon geläufigen Ausrede und setzte eine dazu passende Leidensmiene auf. "Bin zu nah an den Ofen gekommen. Sieht nicht schön aus, Herr Paladin."
"Erspart mir die Einzelheiten. Euer Name ist mir bekannt. Wer sind diese zwei?"
Harmis nannte die Decknamen, die Alix und Hyron genauso wie er führten. "Sie arbeiten in meiner Wirtschaft."
"Sind das alle?"
"Alle, die gerade hier sind." Das war nicht einmal gelogen. Syuk befand sich schließlich drinnen im Haus. Und Gor war zum Glück nicht in der Stadt. Einen Seelenkrieger zu tarnen wäre schlichtweg unmöglich gewesen.
Der Paladin senkte seinen Blick auf weitere Pergamente mit Zeichnungen. Aber noch immer schien ihnen das Glück hold zu sein, obwohl er die fleckigen Handschuhe, die Alix wegen ihrer verräterischen Schwimmhäute trug, mit einem Stirnrunzeln musterte.
"Auch am Ofen verbrannt, wie?" fragte er spöttisch.
"Ja! Als ich ihm seinen Arm gerettet habe, indem ich ihn rauszog, diesen verdammten Trottel!"
Harmis riss Mund und Augen auf bei dieser Beleidigung, aber Fermalis lachte und betrachtete die junge Frau, die energisch die Hände in die Seiten stemmte, nun etwas wohlgefälliger.
Harmis trat unauffällig näher an den Paladin heran und erhaschte endlich einen Blick auf eines der Bilder. Nun verstand er, warum keiner von ihnen wirklich auffiel. Die Zeichnung, die vermutlich Hyron zeigte, denn der Mann darauf trug ein viel zu gepflegtes Schwert in der Hand, sah dem Söldner nicht besonders ähnlich. Die Herren vom goldenen See mochten wohl erhaben im Geiste und flink mit der Klinge sein – akkurat mit der Zeichenfeder waren sie jedenfalls nicht. Der alte Kartograph Cormar, Harmis Ziehvater und Lehrer, hätte ihm ein paar Takte erzählt, hätte er eine solch schludrige Arbeit abgeliefert.
Review schreiben