Something there

OneshotDrama, Romanze / P12
Krampus OC (Own Character)
13.02.2018
13.02.2018
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Something there


In starlit nights I saw you
So cruelly you kissed me
Your lips a magic world
Your sky all hung with jewels
The killing moon will come too soon.

Echo & The Bunnymen – The Killing Moon





Mary Burwell spürte eine wohlige Wärme in ihrem Brustkorb, als sie zu dem Mann sah, der ihr Herz gestohlen hatte.
Krampus bemerkte ihren Blick und ein schmales Lächeln erhellte seine Züge. „Kann ich dir irgendwie behilflich sein, Kätzchen?“
Sie lachte leise auf und schüttelte verneinend den Kopf.
Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen, während er aufstand und sich zu ihr auf das durchgesessene, karierte Sofa in der Waldhütte setzte. Er schlang ihr einen Arm um die Schultern. „Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich könnte einen Drink vertragen. Wie wäre es, wenn wir beide ausgehen und uns amüsieren?“
„Ganz alleine? Nur wir zwei?“
„Nur wir zwei“, wiederholte er noch immer grinsend.
Mary sah ihn ein wenig skeptisch an. Was hatte Krampus vor? Sie wusste nicht, ob er sie wieder einmal aufziehen wollte oder ob er es tatsächlich ernst meinte.
„Keine Sorge“, begann er und hob beschwichtigend die Hände, ganz so als hätte er ihren Gedankengang erahnt, bevor er ein hämisches Lachen ausstieß. „Selbstverständlich werde ich inkognito unterwegs sein. Ich glaube, in meiner jetzigen Gestalt würde ich allerlei Fragen aufwerfen und allerhand ungewollte Blicke auf mich ziehen.“
Sie schaute ihn mit hoch gezogenen Augenbrauen an. „Okay. Das bedeutet dann also vermutlich dass, du wirst dich wieder ...“
„Vertraue mir einfach, Kätzchen“, fiel er ihr leicht genervt ins Wort. „Habe ich dir jemals Anlass dazu gegeben, mir zu misstrauen?“
Mary ersparte sich die Antwort auf seine Frage und zuckte lediglich mit den Schultern.

Die Dunkelhaarige stand unschlüssig auf, ging zu einem der Fenster und sah hinaus. Es dämmerte bereits, das orangerote Licht der untergehenden Sonne hüllte die Lichtung vor der Hütte in einen sanften Glanz, während sie in weiter Ferne bereits die ersten Anzeichen des anbrechenden Abends erkennen konnte.
„Also, wohin geht ihr jungen Leute heutzutage wenn ihr euch amüsieren wollt?“, fragte Krampus nach einer Weile des Schweigens und holte sie somit in die Gegenwart zurück.
Eine gute Frage.
Sie dachte kurz nach. Boone County und insbesondere die Gegend um Goodhope war im Allgemeinen nicht für sein reges Nachtleben und ausschweifende Partys bekannt. Es gab da natürlich das Horton's, doch der Schuppen glich mehr einer schmierigen, kleinen Kneipe und war kein richtiger Club. Sie war vor einer gefühlten Ewigkeit einmal im Bronze gewesen - einer kleinen Diskothek, wo die Getränke zwar billig waren und für Kopfschmerzen oder gar einen Kater am nächsten Tag sorgten, doch die Musik dafür umso besser war. Sie drehte sich zu dem Gehörnten um und lächelte spitz. „Ich glaube, ich wüsste da einen Ort.“

Mary erzählte Krampus vom Bronze, welches sich ein wenig außerhalb von Goodhope befand und der vermutlich einzige Club war, den die Gegend überhaupt zu bieten hatte. Es war zu gleichen Teilen seltsam, als auch erheiternd sich mit Krampus darüber zu unterhalten, der mit aller Wahrscheinlichkeit noch nie eine Diskothek von innen gesehen hatte, doch er schien begeistert zu sein und sich zu freuen, sodass auch bei Mary allmählich die Vorfreude auf ihr Vorhaben stieg und gute Laune aufkam.
Sie hatten beschlossen, zunächst einmal mit Hilfe des Schlittens sowie der beiden Julböcke Tanngrisnir und Tanngnost zu ihrem Apartment zu fliegen, damit sie sich fertig machen konnte und sie anschließend gemeinsam vorglühen konnten. Krampus hatte lautstark aufgelacht und einen bissigen Kommentar dazu abgegeben, was seiner Meinung nach aus der Welt geworden war.
Etwa eine knappe Dreiviertelstunde später befanden sie sich in Marys Wohnung.
Sie hatte den Herrn über die Julzeit auf ihre Couch verfrachtet und ihm ihren Laptop überlassen, mit der ehrenwerten Aufgabe für Musik zu sorgen, während sie selbst unter die Dusche sprang.


Krampus schnitt eine wehleidige Grimasse.
Der Teufel hatte noch nie viel für diesen neumodischen Schnickschnack übrig gehabt und fand sich eher schlecht als recht mit der ihm übertragenen Aufgabe ab. Doch Mary schien Feuer und Flamme für ihr Unterfangen zu sein. Ihre anfängliche Skepsis war schnell wachsender Begeisterung gewichen und er wusste, dass es ihr wichtig war.
Er würde sich ihr zuliebe zusammenreißen und verdammt nochmal Mühe geben, um ihr zumindest einen Hauch von Normalität zu verschaffen. Krampus wusste, dass er sie oftmals mit seiner Art und Weise zur Weißglut trieb und obwohl er es regelrecht genoss sie aufzuziehen, so wollte er ihr den geplanten Abend nicht verderben. Immerhin war es ja seine Idee gewesen. Er wurde sich vorbildlich benehmen und wie ein wahrer Gentleman verhalten.
Er tippte ungelenk auf der Tastatur herum, verdrehte die flammengleichen Augen und hätte das widerspenstige Teil am liebsten in die nächstbeste Ecke geschmettert, besann sich dann jedoch seiner guten Vorsätze.
Es kam ihm wie eine verdammte Ewigkeit vor, bis er endlich halbwegs dahinter gekommen war wie dieses verfluchte Gerät funktionierte.


Mary spülte sich das restliche Shampoo aus den langen Haaren, stellte das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Sie wickelte sich ein großes Handtuch um den Körper, verließ das Badezimmer und tapste barfuß durch den Flur in ihr Schlafzimmer, um sich etwas überzuziehen.
Sie öffnete den großen Kleiderschrank und sah sich mit dem üblichen Durcheinander an Oberteilen, Hosen, Kleidern und Strickjacken konfrontiert. Sie zog einige Kleidungsstücke heraus und warf sie hinter sich auf das Bett, ehe sie sich nach Unterwäsche und Socken umsah. Letztendlich fiel ihre Wahl auf eine schlichte, schwarze Jeans, ein dunkelblaues Bandeau-Top und ihre schwarzen Chucks.
Nachdem Mary sich auch die Haare geföhnt sowie ein wenig Make-Up aufgelegt hatte, ging sie in die Küche und holte die einsame Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, die sie irgendwann einmal - womöglich zu ihrem Geburtstag - von ihren Arbeitskollegen geschenkt bekommen hatte.

Mit der Sektflasche in der einen Hand und zwei passenden Gläsern in der anderen begab sie sich ins Wohnzimmer, wo sie den Herrn über die Julzeit zurückgelassen hatte. Sie hörte Musik, schmunzelte unwillkürlich und schob die Tür mit dem Fuß auf.
Auf ihrer dunkelblauen Couch hatte es sich der Teufel in der Gestalt des Lügengottes Loki bequem gemacht. Ein paar tiefgrüner Augen erwiderten ihren verdutzten Blick und er quittierte es mit einem überheblichen Grinsen. Mary stellte die Flasche und die beiden Gläser auf einer Kommode ab und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen den Türrahmen. „Nett.“
Wobei Nett eine regelrechte Untertreibung war, denn Krampus sah einfach umwerfend aus. Das rabenschwarze, glatte Haar war leicht zerzaust und fiel ihm locker auf die Schultern. Er trug eine schwarze, abgetragene Lederjacke, darunter ein Shirt irgendeiner ihr unbekannten Band und dunkle Jeans.
„Gefalle ich dir?“ Das Grinsen wurde eine Spur breiter. „Ich kann mich noch allzu deutlich an deine Reaktion erinnern, als ich zuletzt diese Gestalt angenommen habe. Oh, dieser Altar war wirklich sehr ungemütlich, wohingegen deine Couch doch recht einladend wirkt …“

Auch sie erinnerte sich noch sehr lebhaft an ihren Ausflug in die Kirche und an all die Dinge, die sie dort getan hatten.
Mary setzte sich neben ihn und musterte ihn spöttisch. „Vielleicht sollte ich mir eher den Kopf darüber zerbrechen, dass du mich später für eine andere Frau sitzen lässt. Die Frauen werden dir reihenweise zu Füßen liegen.“
„Mhm, welch' eine verlockende Vorstellung“, sinnierte er, zog sie auf seinen Schoß und vergrub sein Kinn an ihrer Halsbeuge. Seine Berührung war eisig und ein Schauer durchfuhr sie. „Doch ich denke, ich werde darauf verzichten.“
„Ich nehme dich beim Wort.“
„Ich werde nicht von deiner Seite weichen, Kätzchen“, murmelte er an ihrem Hals.

Kurz darauf wurde der Sekt geöffnet, sie prosteten einander zu und stießen die Gläser klirrend gegeneinander.
Krampus verzog das Gesicht. „Widerliches Gesöff.“
Mary lachte und schenkte ihm großzügig nach. „Cheers!“
Im Hintergrund dudelte ein alter Popsong vor sich hin, sie nippte an ihrem Glas und verspürte das Verlangen danach, sich eine Zigarette anzuzünden. Sie biss sich auf die Unterlippe und warf einen Blick zu Krampus. Vielleicht würde sich später noch eine Gelegenheit ergeben, um heimlich eine Zigarette zu rauchen.

„Starren ist unhöflich, Liebes“, ermahnte Krampus sie in tadelndem Tonfall, ehe er sein Sektglas in einem Zug leerte.
Mary konnte sich noch immer nicht so recht an seinen Anblick gewöhnen, welcher zugleich ungewohnt und dennoch etwas seltsam vertrautes an sich hatte. Sie sollte aufhören, sich Gedanken zu machen. Immerhin war es noch immer Krampus, welcher sich hinter dieser Fassade verbarg. Sollte sie jemals dem echten Gott der Lügen von Angesicht zu Angesicht begegnen, so würde sie sicherlich vor Scham im Erdboden versinken und kein einziges Wort hervorbringen.
„Gewöhne dich lieber daran“, gab sie zurück. „Die Frauen werden dir scharenweise um den Hals fallen und ich wette, dass du am Ende des Abends mehr als nur eine Telefonnummer zugesteckt bekommen wirst.“
„Sind es die Haare?“ Krampus sah sie fragend an. Ein Grinsen umspielte seine Mundwinkel. „Oder liegt es an der feschen Jacke? Ich habe mich bei der Kleidung an den Belznickeln orientiert.“
„Vermutlich alles zusammen.“ Mary zuckte mit den Schultern und schmiegte sich leicht an ihn. Sie fühlte sich bereits ein wenig beschwipst. „Trotzdem ist mir der richtige Krampus weitaus lieber. Aber ich weiß es zu schätzen, dass du dir so viel Mühe gibst. Es tut gut, hier zu sein. Mit dir. Und ich kann es kaum erwarten, dich tanzen zu sehen.“
Er hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, was Mary ein Kichern entlockte. „Gut gerettet.“
Sie bettete ihren Kopf auf seinem Schoß und sah in diese viel zu grünen und viel zu faszinierenden Augen. „Wollen wir gleich los? Ich könnte uns schon einmal ein Taxi organisieren.“
Der Jullord nickte, beugte sich über sie und küsste sie erneut. Ihre Lippen fanden einander, während Marys Hände durch sein glattes Haar wanderten und ihn sanft näher zu sich zogen.

Als der Sekt sich dem Ende zu neigte und die beiden auf die Ankunft des Taxis warteten, suchte Mary nach einer geeigneten Handtasche, welche weder zu Groß, noch zu Klein war. Schließlich fand sie eine herzförmige Umhängetasche. Sie packte ihr Portmonee, ihr Smartphone und einen tiefroten Lippenstift hinein, zog ihre Schuhe an und durchkämmte ihre Küchenschubladen und Schränke nach einer Schachtel Zigaretten.
Mary hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, da entdeckte sie eine angebrochene Packung Lucky Strike. Schnell ließ sie die rechteckige Schachtel in den Tiefen der Tasche verschwinden und schlüpfte in ihre Jacke.

Es schellte an der Türe, Krampus und Mary eilten durch das Treppenhaus nach unten und stiegen in das dort stehende und auf sie wartende Taxi.
Der Fahrer drehte sich auf dem Sitz zu ihnen um. „Wohin darf es gehen?“
Sie nannte ihm den Namen des Clubs und innerhalb von zwanzig Minuten waren sie auch schon da. Vor dem Eingang des Bronze hatte sich eine kleine Schlange gebildet, sie stiegen aus und reihten sich ein.
Zwei junge Frauen warfen ihnen neugierige Blicke zu und kicherten hinter vorgehaltener Hand, während Krampus in Lokis Gestalt an ihnen vorbei ging. Der Herr über die Julzeit schenkte ihnen sein schönstes Lächeln, ergriff Marys Hand und drückte sie fest.

Als der Türsteher sie endlich hineinließ, empfingen sie dröhnende Bässe und Gitarrenriffs.
Mary gab ihre Jacke an der Garderobe ab und Seite an Seite betraten sie den Club, welcher aus einer Bar auf der linken Seite, einer geräumigen Tanzfläche und einer etwas höher gelegenen Bühne bestand, auf der eine Liveband spielte. Mary erkannte das Lied - es war Nirvanas „Come As You Are“.
Die tanzende Menge schien sich im Gleichtakt hin und her zu wiegen und verschmolz zu einer einheitlichen Masse, die durch die bläuliche Beleuchtung an der Decke an ein wogendes Meer aus Körpern erinnerte.
Krampus berührte sie sachte an der Schulter. „Was hätte die Dame gerne zu trinken?“
„Hmm, einen Cuba Libre bitte.“ Sie wandte sich zu ihm um und verkniff sich ein Lachen, als sie den irritierten Ausdruck auf seinem Gesicht wahrnahm. „Das ist Rum mit Cola und Limettensaft.“
Er deutete eine spöttische Verbeugung an, ehe er sich auf den Weg zur Bar begab. „Dein Wunsch ist mir Befehl.“

Der Rum brannte in ihrer Kehle, als sie an dem Strohhalm zog und Mary schaute zu ihrem Begleiter, in dessen Hand ein orange-rosafarbener Drink ruhte. „Was trinkst du da?“
„Eine Empfehlung der reizenden Lady hinter der Theke“, erwiderte er mit süffisanter Miene und deutete in Richtung der Bar. „Sex on the Beach. Ich glaube, ich habe sie ganz schön in Verlegenheit gebracht.“
Sie seufzte. „Ich habe dich vorgewarnt, Krampus.“
Nach einem weiteren Longdrink, den Krampus ihr mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen gereicht hatte, verspürte Mary das dringende Bedürfnis nach frischer Luft. Sie hätte nicht alles Mögliche durcheinander trinken sollen. Spätestens morgen Früh würde sie es bereuen. Sie fühlte sich benebelt und so entschuldigte sie sich kurzerhand bei Krampus.

Eine unscheinbare Stahltür neben der Bühne führte hinter das Bronze zu einem Außenbereich, wo Mary auf einige Raucher und knutschende Pärchen traf.
Sie warf einen flüchtigen Blick zurück zu der Türe, um sich zu vergewissern, dass der Julherr ihr nicht gefolgt war. Der Anflug eines schlechten Gewissens suchte sie heim, als sie sich eine Zigarette ansteckte und einen tiefen Zug nahm. Sie pustete kleine Rauchwölkchen in die angenehm kühle Nachtluft empor und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Betonwand, während ihre Gedanken abschweiften.


Obwohl Krampus sich von all der Aufmerksamkeit geschmeichelt fühlte die ihm zuteil wurde, hatte er Mary nicht eine Sekunde lang aus den Augen gelassen.
Er konnte sich ausmalen, was sie wohl in eben jenem Moment tat und er wollte ihr gerade nachgehen und den Spaß verderben, als sich zwei Frauen zu ihm gesellten und ihn mit sich auf die Tanzfläche zerrten.
Er wusste nicht wie ihm geschah, während die eine sich von hinten an ihn schmiegte und die andere von vorne. Sie waren hübsch - keine Frage - doch Krampus wusste sehr genau, dass sie ihn in seiner wahren Gestalt nicht eines einzigen Blickes würdigen würden. Die Kleinere der beiden Damen, die von vorne ihre Hüften gegen ihn presste, war eine Blondine mit einem recht freizügigen Oberteil, das nicht sonderlich viel Spielraum für Fantasien überließ.
„Meine Damen, leider steht mir gerade überhaupt nicht der Sinn danach irgendeine Art von Balzritual aufzuführen“, versuchte er sich Gehör zu verschaffen, doch seine Worte stießen scheinbar auf taube Ohren. Er räusperte sich und hob seine Stimme gegen die dröhnende Musik. „Wie wäre es mit einem Drink?“
Die beiden Frauen lachten auf und nickten zeitgleich. Krampus seufzte innerlich erleichtert auf, als sie sich auch schon an ihn klammerten und zu der Bar bugsierten. Auf was hatte er sich da nur eingelassen?
Er orderte wahllos zwei Cocktails und nutzte die Gelegenheit aus, um sich von seinen aufdringlichen und ungebetenen Begleiterinnen loszueisen, als sie sich gerade mit ihren Getränken beschäftigten. Schnell mischte er sich unter die Tanzenden und bahnte sich einen Weg in Richtung der Stahltür.

Ganz wie er es sich bereits gedacht hatte, fand er Mary rauchend und schnatternd mit einem ihm fremden Mann vor.
Mit hochgezogener, rechter Augenbraue scannte er den Mann von Kopf bis Fuß, welcher für seinen Geschmack ein wenig zu nah bei ihr stand. Der Unbekannte hatte kupferrotes Haar, trug ein rotblaues, kariertes Hemd und erinnerte ihn an jemanden. Eigentlich kam ihm die ganze Situation viel zu bekannt vor und ein verhasstes Gesicht tauchte vor seinem geistigen Auge auf.
Evan.
Am liebsten hätte er sich Mary geschnappt und damit allen Anwesenden gezeigt, zu wem sie gehörte. Der hässliche Stachel der Eifersucht bohrte sich glühend wie ein heißer Schürhaken in sein Herz, als er ihr helles Lachen vernahm.
„Oh, das Lachen wird dir schon noch vergehen, mein Schatz“, zischte er leise und beschloss, dass er genug gesehen hatte.
Krampus setzte ein gekünsteltes Lächeln auf und trat zu ihnen. Mit einer einzigen, flinken Bewegung stahl er ihr die glimmende Zigarette, die zwischen ihren Lippen ruhte, und warf sie auf den Boden, ehe er sie mit Nachdruck austrat. „Alte Laster wird man nur sehr schwer los, nicht wahr? Wer ist dein Freund, Mary? Möchtest du uns denn nicht einander vorstellen?“
Sie sah ihn einen kurzen Moment lang verstimmt an und ihre grauen Augen funkelten verärgert, bevor sie antwortete. „Archie, das ist mein Freund Krampus. Krampus, das ist Archie Andrews. Er ist ein alter Schulfreund von mir.“
Archie reichte ihm die Hand, Krampus ergriff sie und drückte sie. Womöglich ein bisschen zu fest, denn Archie verzog leicht das Gesicht. „Freut mich. War cool dich mal wieder gesehen zu haben, Burwell. Viel Spaß euch beiden noch.“
Archie zog von dannen und gesellte sich zu einer Gruppe junger Kerle, die ihn johlend begrüßten.


Krampus lachte leise auf. Er klang sowohl erleichtert als auch schadenfroh. „Was für eine Flasche. Für eine Sekunde befürchtete ich schon, ich müsste mir ernsthafte Sorgen machen.“
Mary verstand seine Anspielung nur zu gut. Das würde er ihr wohl ewig vorhalten. „Das wirst du mir wahrscheinlich nie verzeihen, richtig?“
„Vermutlich nicht“, gab er leichthin zu und lachte erneut auf. Seine Stimme nahm einen verführerischen Tonfall an. „Eventuell fällt mir ja die eine oder andere Kleinigkeit ein, womit du mich besänftigen könntest.“
„Tatsächlich?“ Mary legte in gespielter Nachdenklichkeit einen Finger an ihr Kinn und runzelte die Stirn. „Mhm. Ich frage mich, was das wohl sein könnte?“
Er gackerte nun. „Fürs Erste würde ich mich mit einem Tanz zufrieden geben.“
Seine Hand griff nach der ihren, umschloss diese und zog sie ohne auch nur eine Antwort abzuwarten mit sich zurück in das Innere des Bronze.
Der Jullord führte sie in die noch immer tanzende Menge und bedachte sie mit einem Grinsen, ehe seine Hände ihren Platz auf ihren Hüften fanden und sie näher zu sich heranzog.

Während sie draußen gewesen waren, musste sich eine neue Liveband auf die Bühne gewagt haben, denn nun erklang eine Frauenstimme und stimmte „Teenage Dream“ von Katy Perry an.
Krampus verwickelte sie in eine enge Umarmung und so tanzten sie eine Weile eng umschlungen, während das Lied von junger Liebe und heißen Sommernächten erzählte.
Mary hätte nicht gedacht, dass sie einmal in einem Club mit dem Herrn der Julzeit zu Popmusik tanzen würde und ein Lachen entloh ihren Lippen. Es war zum Schreien komisch und dennoch wollte sie niemand anderen an ihrer Seite wissen und in niemand anderer Arme liegen. Eine gefühlte Ewigkeit später ließ er sie schließlich los, sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn.
„Danke, dass du hier bei mir bist“, flüsterte sie an seinem Ohr.
Er rollte mit den grünen Augen. „Die Musik ist grässlich, aber die Getränke sind in Ordnung. Und meine reizende Begleitung ebenfalls.“
Die Liveband stimmte Florence + The Machines „Kiss With A Fist“ an und sie musste schon wieder lachen. Himmel, sie liebte diesen Song. Sie begannen von Neuen zu tanzen. Lied für Lied für Lied.

„Ich brauche eine Auszeit“, rief sie Krampus zu und fächelte sich demonstrativ Luft zu.
Er schien zu verstehen, legte ihr eine Hand auf den Rücken und führte sie an die Bar. Sie bestellte sich ein Glas Wasser und nahm auf einem der runden Hocker Platz.
„Wollen wir abhauen?“, fragte Mary mit einem mal.
Krampus grinste breit und nickte zustimmend.

Die ganze Fahrt über nach Hause lachten sie, als der Teufel ihr von seinem unfreiwilligen Tanz mit den zwei aufdringlichen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts erzählte.
Im Treppenhaus konnten sie ihre Finger nicht voneinander lassen und als sie gerade im Begriff war die Wohnungstüre aufzuschließen, drückte er Mary hart gegen selbige und küsste sie. Die Türe öffnete sich und sie wären um ein Haar in den Flur gekippt, hätte Krampus nicht noch in allerletzter Sekunde sein Gleichgewicht wiedererlangt und ihren drohenden Sturz abgefangen.
„Psst“, machte Mary und legte ihren Zeigefinger an seine Lippen. „Nicht so laut. Es ist Mitten in der Nacht.“
„Zeit, um ins Bett zu gehen?“, fragte er mit Unschuldsmiene.
Sie kicherte. „Du bist unmöglich, Krampus.“
„Ich weiß.“

Sie zog ihre Jacke aus und aus dem Augenwinkel heraus, bemerkte sie seinen Blick.
Mary hasste und liebte es zugleich, wenn er sie so ansah und betrachtete. Sie fühlte sich nackt und verletzlich unter diesem Blick, den sie niemals ganz entschlüsseln oder gar deuten konnte.
„He“, machte sie. „Starren ist unhöflich, schon vergessen?“
„Vielleicht.“ Krampus sah wie weiterhin unverwandt an. „Es tut mir leid, wenn ich mich manchmal nicht besonders fair dir gegenüber verhalte. Ich weiß, dass ich hin und wieder ein richtiges Ekel sein kann und ich bin froh, dass du mich und meine Launen erträgst.“
Der Herr über die Julzeit lächelte schief.
Und es war diese eine ganz spezielle Sorte von einem Lächeln, wie nur Krampus es vermochte. Ganz gleich, in welcher Gestalt.
Seine Worte, die so unerwartet kamen, berührten sie und einmal mehr erkannte Mary, dass es für sie kein Zurück mehr gab.
Sie hatte sich schon vor langer, langer Zeit entschieden.
Für ihn.
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