Geheimnis des Strudels

von KiraNear
GeschichteMystery, Romanze / P12
12.02.2018
12.02.2018
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„Uzushiogakure! Nächster Halt: Uzushiogakure! Vielen Dank für ihre Fahrt im Konoha-Landbus Nummer Fünf!“, ertönte es blechern aus einem der zwei Lautsprechern im hinteren Bereich des Busses. Während der junge Mann versuchte, sein rechtes Ohr zu bedecken, rieb er sich mit der anderen Hand den Schlaf aus den Augen.
Seine gleichaltrige Begleiterin dagegen störte sich weniger am kratzigen Geräusch des Lautsprechers und machte sich auf die Suche nach dem nächstgelegenen Halteknopf. Ein kurzes Klingeln aus dem vorderen Busteil war zu hören, er bestätigte der jungen Dame, dass sie nun bis zur nächsten Haltestelle warten und gemütlich aussteigen würden. Seit über zwei Stunden saßen die beiden in der vorletzten Reihe, mit einer guten Übersicht über die restlichen Mitfahrer. Wenn es noch welche geben würde, doch der letzte andere Passagier hatte den Bus bereits vor mehreren Haltestellen verlassen.
Wie auch die Zeit das Vehikel hinter sich gelassen hatte, der Bus war bereits ein wenig in die Jahre gekommen, ließ es sich jedoch nur anhand der veralteten Einrichtung anmerken. An dieser und auch an dem blechernen Lautsprecher, welcher als einziger von zweien im hinteren Fahrgastbereich noch funktionierte.
Für die Busgesellschaft war das offenbar genug, doch das änderte nichts an der Meinung des jungen Mannes. In seinen Augen hätte das längst ausgebessert werden müssen. Wäre er alleine in diesem Bus gesessen, hätte er sich einen Spruch gegenüber dem Fahrer nicht verkneifen können, unabhängig davon, ob er mit seiner Beschwerde den Richtigen erwischt hätte oder nicht.
Doch an diesem herrlichen, wenn auch frühen Tag war er nicht alleine, seine Freundin begleitete ihn auf seinem Ausflug und so hielt er sich zurück. Zumal sie sich nicht von dem unangenehmen Geräusch irritieren lies. Stattdessen sah es seine Tagesplanung vor, dass sie ihr Ziel ohne unnötige Ereignisse erreichten und ihre Zeit gemeinsam miteinander verbrachten.
Verliebt betrachtete er das Mädchen, noch immer konnte er sich nicht erklären, wie sie es geschafft hatte sein Herz zu erobern. Waren es ihre langen, blau-schwarzen Haare, die immerzu nach sanften Blumen rochen? War es ihre zarte Stimme, die ihm regelmäßig im Nacken ein Kribbeln verursachte? Oder war es ihre warme Seele, die er für alle Ewigkeiten vor der Dunkelheit beschützen wollte?
Lächelnd betrachtete er sie, am liebsten hätte er seine Augen gar nicht von ihr gelassen, so sehr genoss er ihren Anblick. Doch der Moment hielt nicht lange, da hielt der Bus bereits an ihrer Zielhaltestelle und sie mussten aussteigen.
„Warte bitte, ich muss noch ein paar letzte Vorbereitungen treffen“, sagte sie leicht schüchtern und begann, in ihrem Rucksack nach etwas bestimmtem zu suchen. Ihr Begleiter nickte nur, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und beobachtete sie bei ihren Vorbereitungen. Kaum hatte sie ihre langen Haare zu einem simplen Pferdeschwanz zusammengebunden und die Sandalen gegen feste Schuhe getauscht, blickte sie verschämt ihren Begleiter an.
„Tut … mir leid, dass es so lange gedauert hat, Naruto. Es ist nur so, als du mich so plötzlich vor unserer Reise zum Essen eingeladen hast, da wollte ich nicht mit diesen Stiefeln kommen …“
Sie verstummte, kaum hatte er seine Hand auf ihren Kopf gelegt und begonnen, diesen zu streicheln. Hinatas Wangen färbten sich hummerrot.
„Ach was, das ist doch in Ordnung. Du brauchst die Schuhe, immerhin ist das Dorf ziemlich alt und da kann schnell was passieren. Außerdem siehst du ziemlich süß aus mit Pferdeschwanz“, sagte er zu ihr und nahm ihre Hand. Inzwischen hatte Hinatas Kopf die Farbe einer reifen, leckeren Tomate angenommen.
„Komm, lass uns zu diesem Dorf gehen und gucken mal, was da noch alles ist. Bestimmt ist alles ziemlich morsch und bröckelig. Aber keine Angst,“ und dabei sah er ihr in die Augen. „Ich werde auf dich aufpassen, da kann dir gar nichts passieren!“
Mit einem großen Grinsen deutete der junge Mann auf sich und lächelte seine Freundin an. Diese bedankte sich leise und ließ sich über die Straße führen, auf einen kleinen Feldweg, welcher in die freie Natur führte.

Nachdem sie auf ihrer kleinen Wanderschaft mehrere verlassene Felder und einen kleinen Fluss überquert hatten, standen sie schließlich an einem verwitterten, kaum leserlichen Schild. „Will..kommen in Uzu … Uzushiogakure“ las Hinata von ihm ab und blickte sich um. Sie hatten bereits in mehreren Büchern bereits einen ersten Eindruck über den heutigen Zustand des längst verlassenen Dorfes bekommen, doch es war nichts gegen den Anblick, der sich den beiden eröffnete.
Verfallene Häuser, die immer mehr und mehr von der Natur zurückerobert wurden. Selbst Naruto blieb nicht unbeeindruckt, auch er sah sich intensiv um und versuchte, auf den ersten Blick so viele Eindrücke wie möglich einzusammeln.
„Sollen wir weitergehen?“, riss ihn Hinata aus seinen Gedanken und er merkte erst jetzt, dass er geistig beim Anblick des Dorfes abgedriftet war. Entschuldigend kratzte er sich am Hinterkopf.
„Ja, klar, natürlich, ich war nur … etwas überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass das Dorf so kaputt aussehen würde. Damit hatte ich eben nicht gerechnet. Also, dass es so schlimm aussehen würde.“
Sie überwanden die Distanz zwischen dem Ortseingangsschild und den ersten Häusern, gingen noch ein kleines Stück weiter und blieben dann auf einer größeren Straße stehen. Hier und da lagen längst vergessene Gegenstände herum, ein kleines Kinderfahrrad, ein einzelner Schuh oder auch verwilderte Pflanzen, die einst die Eingänge der Häuser dekorierten.
„Ist das nicht ein seltsames Gefühl, Naruto?“, fragte sie ihren Begleiter, während sie sich umsah.
„Was genau meinst du mit dem Gefühl?“
Sie sah sich noch weiter um, dann richtete sie ihren Blick auf Naruto.
„Nun ja, bis vor etwa 16 Jahren haben hier noch Menschen gelebt. Sie wohnten in diesen Häusern, gingen der Feldarbeit nach oder genossen einfach nur das Leben. Kleine Kinder haben hier gespielt und von ihrer Zukunft geträumt. Sie alle sind schon lange weg, aber dennoch werde ich das Gefühl nicht los, als wären wir hier nicht willkommen. Als würden wir in die Seelen der Menschen direkt hineinsehen und in ihrer Privatsphäre stören. Es sieht aus, als wären sie gerade mal kurz den Berg hinaufgegangen und dort verschwunden.
Die Legenden um dieses Dorf sind mit Sicherheit nicht real, aber die Menschen dieses Dorfes waren es. Darum habe ich so ein seltsames Gefühl.“
Für ein paar Augenblicke sah Naruto sie stumm an, unsicher, wie er darauf reagieren sollte. Doch dann verzog er das Gesicht zu einem Lächeln.
„Ich glaube, ich verstehe, was du meinst, Hinata. Aber sieh es doch mal so, die Menschen hier haben das Dorf vor einer langen Zeit verlassen und werden wohl auch nicht mehr zurückkommen. Dann wird es sie bestimmt auch nicht stören, wenn wir uns hier umsehen und ein paar Fotos für unseren Bericht schreiben. Wir haben ja auch nicht vor, irgendetwas kaputtzumachen oder mitzunehmen. Oder fürchtest du dich etwa vor Geistern?“, begann er sie zu necken.
Hinata schüttelte energisch ihren Kopf, doch ihr Gesichtsausdruck und ihre Körperhaltung sprachen vom Gegenteil. Naruto sah dies und lachte ein wenig. Dann nahm er ihre Hände in die seine und drückte die Handflächen aneinander.
„Na wenn das so ist, dann werden wir eben zu den Geistern dieses Dorfes beten und sie bitten, dass wir uns hier umsehen können. Wir wollen ja nur genug Bildmaterial sammeln, damit wir Professor Iruka einen erstklassigen Bericht schreiben können. Dagegen wird sich mit Sicherheit kein Geist dieses Dorfes aussprechen.“
Narutos Optimismus schien wie immer keine Grenzen zu kennen, doch auch er konnte das beklemmende Gefühl in der Brust nicht abschütteln, so sehr er sich auch bemühte, es sich Hinata gegenüber nicht anmerken zu lassen. So suchten sie die Ruinen des ehemaligen Dorftempels auf und beteten zu ihnen unbekannten, namenlosen Geistern. Stumm baten sie darum, sich in dem Dorf umzusehen zu dürfen und versprachen dafür im Gegenzug, alles so zu belassen, wie sie es vorfinden würden. Dass sie versuchen würden, die hiesigen Geister nicht zu erzürnen. Stumm überragte sie das Gebäude, gefüllt mit unbekannten Kräften und einer besonderen Aura. Doch diese konnten nichts daran ändern, dass auch der Tempel verfiel und langsam von der Natur absorbiert wurde. Der heilige Grund, irdisch und gleichzeitig jenseits der Welten, war machtlos gegenüber den Forderungen von Mutter Natur. Kaum hatten sie ihre Gebete beendet, verließen sie andächtig die Tempelanlage und begannen, diverse Fotos von den Überresten einer vergangenen Dorfgemeinschaft zu fotografieren.

Nachdenklich betrachte Hinata eine Eingangstüre, in welche eine Spirale hinein geritzt wurde. Vorsichtig, als könnte die Türe unter ihren Fingern unwiderruflich in Staub zerfallen, berührte sie die Schnitzereien.
„Hinata, ist alles in Ordnung mit dir?“
Die junge Dame drehte sich langsam zu der Stimme ihres Begleiters um, erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie bereits mehrere Minuten damit verbracht hatte, die Türverzierung zu berühren, die einzelnen Schnitte immer wieder und wieder nachzufahren. Ihr Herz fühlte sich schwer, doch sie fand keine Erklärung dafür.
„Sag mir, Naruto, wie viel weißt du bereits über dieses Dorf? Hast du die Bücher gelesen, die ich dir neulich vorbeigebracht habe?“
Der junge Mann zögerte. „Nun ja, um ehrlich zu sein, ich habe mir eher die Bilder angesehen und ein wenig durchgeblättert, die meiste Zeit … habe ich mit anderen Dingen verbracht.
Wie mit Konohamaru, den Jungs oder auch viel bei Ichiraku.
Sehr zu seiner Überraschung, ging Hinata jedoch nicht darauf ein.
„Das Dorf war nicht sehr groß und auch nicht gerade bekannt, aber dafür konnten die Menschen in Frieden leben. Sie gingen ihren Alltagstätigkeiten nach, bis eines Tages … bis sie alle von der Katastrophe eingeholt wurden.“
Sie sah sich um, als würde sie etwas suchen. Ihr Blick rutschte auf und ab, von der einen zur anderen Seite, bis sie schließlich fündig wurde.
„Schnell, Naruto, folge mir“, stieß sie atemlos aus und begann, sich mit schnellen Schritten ihrer Entdeckung zu nähern. Sie überquerten die breitere Hauptstraße und betraten eine der vielen kleineren Nebenstraßen. Dort angekommen durchquerten sie diese, nur um wieder auf einer breiteren Straße anzukommen. Vor ihr stand, auf einer von der Sonne verblichenen Marmorsäule, ein steinernes Tier, welches im Gegensatz zu seiner Säule nichts von seiner Farbe verloren hat. Lediglich der Staub der Zeit hatte sich, wie im restlichen Dorf, auf dem Tier niedergelassen. Die Krallen ausgefahren, hob die Statue die Pranke, für alle Ewigkeiten bereit zum Angriff. Wild bauschten sich seine Schweife hinter ihm auf, als würde er seine Feinde damit einschüchtern wollen. Neugierig hob Naruto den Finger und begann die Schweife zu zählen. Kaum hatte er seine Zählung beendet, starrte er den Fuchs erstaunt an.
„Das hier ist der Kyuubi no Youko und er war der Schutzgeist dieses Dorfes. Laut einer Legende kam der neunschwänzige Fuchs vor vielen Jahrhunderten vom Berg hinab und wollte das Dorf vernichten. Doch die Dorfbewohner wollten noch nicht sterben, also begannen sie sich zu wehren, was dem Fuchs natürlich nicht gefiel. Beide Seiten gaben nicht auf und es starben viele Menschen bei dem Versuch, den Fuchs zu töten oder wenigstens zu versiegeln. So ging der Kampf der Menschen gegen den Bijuu viele Tage und genauso viele Nächte. Bis eines Nachts ein weiterer Bijuu auftauchte, angelockt vom Blut des Kyuubi. Reibi, der Nullschwänzige erschien und wollte sich das Kyuubi einverleiben. Für die Menschen war das eine ideale Gelegenheit, so würde zuerst Reibi seinen Konkurrenten loswerden und anschließend würden sie das schlangenähnliche Monster vernichten. Doch eine weise und gütige Frau, die Miko des Dorfes hielt die Männer von ihrem Plan ab. Mito Senju war ihr Name und soweit ich es in einem alten Stammbaum erkennen konnte, war sie ein Mitglied des Uzumaki-Klans, welcher wohl der größte Klan des Dorfes gewesen sein musste. Zumindest bin ich sehr oft über den Namen gestolpert, als ich mich durch das Buch gelesen habe.“
Ein weiteres Mal blickte Naruto verstohlen zur Seite. Es wurde ihm immer unangenehmer, dass er sich beim Studium der Bücher lediglich darauf beschränkt hatte, gelangweilt die Bilder zu betrachten, bevor er den Stapel ins Regal gestellt und seitdem nie wieder angefasst hatte.
„Im ältesten Buch heißt es, dass Mito sich dafür einsetzte, dass die Bewohner den Fuchs lieber retten sollten, anstatt ihm seinen Tod zu überlassen. Es hieß, sie konnte wahrnehmen, wie das Schlangenmonster langsam, aber sicher die Lebensenergie der Dorfbewohner aussog, um sich gegen das Fuchsungeheuer behaupten zu können. Sie waren sich zuerst uneinig, aber sie vertrauten der Miko und begannen schließlich, ihre verbliebenen Kräfte auf die Vernichtung des Reibi zu konzentrieren. Mit Hilfe des Kyuubi gelang es ihnen, Reibi für immer aus dieser Welt zu schaffen. Damit brach auch die Feindschaft zwischen dem Dorf und dem Fuchs, welches er nun geschworen hatte für immer zu beschützen. Diese kleine Nachbildung aus Feueropal soll den Fuchs aus jener Zeit repräsentieren. Ebenso wurde überliefert, dass jedes Mal, wenn der Fuchs sich zeigte, ein helles Polarlicht am Himmel zu sehen war. So wussten die Dorfbewohner, dass sie keine Angst mehr zu haben brauchten und dass der Fuchs sie weiterhin beschützen würde.“
Neugierig hatte Naruto ihrer Erzählung gelauscht, konzentriert hatte er dabei in ihr Gesicht gesehen. Peinlich berührt leuchtete ihr Kopf heller als jede Tomate, doch ihr Freund lächelte sie nur an.
„Wo hast du diese Geschichte gehört, Hinata? Du wusstest sehr viel über diesen Fuchs, das ist ziemlich beeindruckend.“
„Nun ja…“, stammelte Hinata und drückte wie alten Zeiten ihre Fingerspitzen aneinander.
„Wir haben zuhause eine Sammlung mit ländlichen Erzählungen und Sagen, die meine Vorfahren über die Zeit angesammelt haben, die durfte ich als Kind immer mal wieder lesen. Die Geschichte dieses Dorfes und ihres Schutzgeistes haben mich immer sehr beeindruckt, weshalb ich mich dafür entschieden habe, dass ich meine Arbeit über dieses Dorf schreiben möchte. Über die Vergangenheit, die Mystik aber auch über das Leben der Menschen. Wie sie lebten, was sie sahen und was sie möglicherweise fühlten. Es war wie gesagt eines der Bücher, die ich dir weitergegeben hatte.“
Nur schwer konnte er das Bedürfnis, sie auf der Stelle stürmisch zu küssen, unterdrücken. Doch er wusste sich zu beherrschen und so verdrängte er seine Gefühle, hob sie auf für einen Zeitpunkt, an welchem sie angebrachter sein würden. Und auch die Atmosphäre angenehmer.
„Ich finde es toll, dass du so viel weißt, Hinata. So kann ich dich immer was fragen, wenn ich mal eine Antwort brauche und du kannst sie mir dann sagen.“
Die Farbe in ihrem Gesicht wechselte nun von Hellrot zu Dunkelrot, was ihr zugleich auch sehr unangenehm war. Naruto sah es gelassen. Stattdessen nahm er sie bei der Hand und ermutigte sie, ihr Projekt fortzusetzen. Dabei war ihm jedes Mittel recht, ob es nun die hundertste Frage zur Kultur des ehemaligen Dorfes war oder auch nur ein lustiger Spruch, welcher nur dem Zweck diente, seiner Liebsten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Kaum sah er, wie sich ihr Gesicht wieder aufhellte, wärmte es auch sein eigenes Herz erneut auf. Gleichzeitig nahm er sich vor, ihr die Bücher wieder zurückzugeben, sobald sie wieder in Konohagakure waren.

Nachdem sie sich für eine längere Zeit in den verlassenen Dorfruinen umgesehen hatten, beschlossen sie, einer nahegelegenen Höhle einen Besuch abzustatten.
„Laut den Erzählungen, die sich ebenfalls im Besitz unserer Familie befinden, soll die Höhle eine wichtige Rolle für das Dorf und seine Bewohner gespielt haben. Sie kamen oft hierher, wenn sie Trost brauchten und diesen in einem Gebet wiederfinden wollten. Auch soll das der Ort sein, an dem der Fuchsgeist schläft, bis sein Dorf ihn braucht und er es beschützen muss. Andere Quellen berichteten, es gäbe dort einen bis heute unentdeckten Schatz, das geheime Vermögen des Dorfes, allerdings kann es keiner von denen, die das behaupten, so richtig beweisen. Sie stützen ihre Behauptungen auf die Malereien im vordersten Teil der Höhle, aber die wahre Bedeutung kannten wohl nur die Dorfbewohner. Wir können leider darüber nur raten.“
Andächtig betraten sie die Höhle, welche auf dem ersten Blick eher einem großen Hohlraum ähnelte, der natürlich entstanden von den Menschen als Gebets- und Aufenthaltsraum umfunktioniert wurde.
Die Wände, gefüllt mit diversen bunten Malereien, verliefen alle schräg hinauf zur Decke, die ebenfalls sehr unförmig war. Trotz der seltsam anmutenden Form war der Raum groß genug, um die Bewohner des Dorfes komplett aufnehmen zu können, sei es, weil sie alle Trost benötigten oder um vor einem Sturm in Sicherheit zu sein.
Vergilbte Bücher, umgekippte Stühle und verschimmelte Sitzkissen zeugten auch hier, dass sich vor einer langen Zeit Menschen an diesem Ort aufgehalten hatten. Dass dieser Ort regelmäßig mit Leben gefüllt war – das einzige, was ihn nun füllte, war eine seltsame Art der Stille. Zwar gelang durch den Höhleneingang genug Licht in die Halle, dennoch waren die beiden froh, als sie an ihre Taschenlampen gedacht hatten. Der Lichtschalter, den Hinata beim Betreten benutzen wollte, zeigte keinerlei Reaktion.
„Naja, es macht ja auch nur Sinn“, sagt Hinata betrübt. „Immerhin lebt hier keiner mehr und das Dorf selbst wird vernachlässigt. Es ist nicht einmal ein lebendes Museum, daher hat es sich nicht gelohnt, hier weiterhin Strom fließen zu lassen.“
Missmutig verzog Naruto die Unterlippe, wandte sich dann aber wieder den Malereien zu. Während kleine Kinder mit ihren Fingerfarben sich selbst, ihre Freunde und Familien gezeichnet hatten, erzählten die großen Bilder darüber die Legende des Fuchses, wie auch von unbekannten Situationen.
„Das hier muss das Bild sein, wegen dem alle vermuten, dass es hier einen Schatz gebe“, stellte Hinata fest und deutete auf eines der Bilder. Es zeigte den Berg, in welchem sich die Höhle befand. Vor dem Eingang standen sinnbildlich mehrere Dorfbewohner und sie trugen allerlei Dinge in die Höhle hinein.
„Hm, wenn ich das so sehe, dann kann ich schon verstehen, dass die Leute das vermuten. Der eine trägt Gold hinein, der andere einen Diamanten und … kannst du erkennen, was das dritte sein soll?“
Vergeblich reckte er den Hals, doch so sehr er sich anstrengte, er konnte es beim besten Willen nicht erkennen.
„Ein Mochi. Er trägt einen Mochi hinein“, sagte Hinata  mit viel weniger Mühe. „Ich kann auch verstehen, dass man von einem Schatz ausgeht, das würde jeder im ersten Moment tun. Es ist nur verständlich, die Höhle ist nur erreichbar, wenn man das Dorf durchquert und wenn sich die Bewohner schützen, dann auch ihren Besitz. Es könnte aber auch sein, dass es keine Gegenstände sind, die sie in Sicherheit bringen wollen, sondern Opfergaben für den Fuchs. Wie bei den kleinen Opfergaben, die Gläubige an Buddha in ihren Schreinen errichten. Das würde zumindest den Mochi erklären und auch die Wertgegenstände.“
„Ja, das könnte es sein“, erwiderte Naruto, während er sich weiter umsah. Er hatte seine Kamera bereits fest in der Hand, doch er konnte sich nicht dazu durchringen, sie auch zu benutzen. Mit einem unwohlen Gefühl im Magen drehte er sich zu Hinata um, die ihm den Gedanken präzise von der Stirn ablesen konnte.
„Ich bin mir sicher, wenn wir ganz lieb darum bitten, werden wir auch von diesem Ort Fotos machen dürfen, ohne dass wir dabei den Fuchsgeist oder andere eventuelle Dorfgötter erzürnen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb die Menschen Opfergaben machten: Um Fotos zu machen oder um die Wände bemalen zu dürfen.“
Ihr Blick suchte umher, dann nickte sie mit ihrem Kopf an das andere Ende des Raumes.
„Dort drüben ist eine Art Schale, ich denke, wenn wir eine Opfergabe machen, dann wird es schon in Ordnung gehen.“
Sachte durchsuchte sie ihre Tasche, holte ein noch in Bananenblättern eingewickeltes Onigiri hervor und legte es in die Schale hinein. Gefolgt von einer Verneigung, brachte sie ihr Opfer dar. Naruto hingegen zögerte erst ein wenig, bis er eine Packung Fertignudelsuppe neben das Onigiri legte.
„Naruto, du … du hast wirklich eine Nudelsuppe mitgenommen? Als ich gehört habe, dass du auch Proviant dabei hast, dachte ich eher an was anderes …“
Ihr Begleiter grinste sie nur an. „Das hier sind die besten Fertignudeln von Ichiraku, die kann man zu jeder Tageszeit und jedem Wetter essen.“ Das Grinsen erweiterte sich. „Außerdem machen sie für eine lange Zeit satt und man kann sie auch kalt genießen. Wobei sie natürlich besser werden, wenn man sie vorher nochmal aufwärmt.“
Hinata schüttelte leicht den Kopf, zwar hätte sie es vermuten können, aber auf den Gedanken kam sie trotzdem nicht. Stattdessen begann sie zu überlegen.
„Naruto, du hast doch sicherlich eine der Essschalen zum Kompostieren, oder? Kannst du bitte die Suppe in die Schale umfüllen? Soweit ich weiß, verrottet die Schale von selbst und das wäre besser für die Gegend hier, als das Plastik. Also, nur, wenn es dir keine Umstände macht.“
Wieder berührten sich die Spitzen ihrer Zeigefinger. Naruto sah sie verwundert an, nickte und ging ihrer Bitte nach. Die leere Plastikverpackung landete, nachdem er sie ein paar Mal ausgeschüttelt hatte, wieder in seinem Rucksack.
„Auf jeden Fall haben wir beide unsere Opfergaben dargebracht, das bedeutet doch, dass wir jetzt Fotos machen können, oder?“
Sie verbrachten beinahe zwei Stunden damit, sämtliche Eindrücke und Motive mit der Kamera festzuhalten. Auch verbrachten sie mehrere Minuten einfach nur damit, die Bedeutung der Wandmalereien zu verstehen, wobei sie nicht immer das Gleiche in die Motive hineininterpretierten. Naruto zog es irgendwann vor, dabei weniger ernst zu bleiben und erzählte eher kuriose Geschichten, die ihm spontan in den Sinn kamen. Schließlich hatten sie, was sie benötigten, mit dem Wissen, dass sie nicht alles davon verwenden werden können.
„Aber dann haben wir doch eine schöne Erinnerung, oder nicht? Das ist doch auch etwas. Das Dorf wird es nicht ewig geben, genauso wie all die Dinge, die die Menschen hiergelassen werden. Entweder weil es von anderen Menschen geklaut oder vernichtet wurde. Oder weil die Natur alles wieder zurückerobert hat. Wenn wir die Bilder alle in einem Buch verstauen, haben auch die nachfolgenden Generationen etwas davon, selbst, wenn es das Dorf und seine Ruinen schon lange nicht mehr gibt.“
„Aber sagtest du nicht“, räumte Naruto ein, „Dass es bei der Katastrophe keine Überlebenden gab? Wenn es noch Menschen aus dem Dorf gäbe, dann hätten die doch am meisten was davon.“
Traurig sank Hinata den Kopf.
„Vieles weiß ich darüber leider auch nicht. Hier sind sich die Quellen besonders uneinig, noch mehr als über die Zeichnung mit dem angeblichen Dorfschatz. Man weiß nicht genau, was hier passiert ist, da es leider keinerlei Überlebenden und damit Zeugen gibt. Die einen sagen, das Dorf wurde von gewalttätigen Banditen überfallen. Andere sagen, dass es mit einer Krankheit zusammenhing, einer Art Seuche, die vielen Menschen das Leben kostete. Und Dritte meinen, dass die Menschen zu tief in den Berg gebohrt hatten und dort wohl auf ein giftiges Schwefelgast gestoßen sind, da der Berg wohl in grauer Vorzeit ein Vulkan war, der allerdings schon seit einer sehr langen Zeit inaktiv ist. Soweit ich das jedenfalls herauslesen konnte, über den Vulkan gibt es nur sehr wenige Aufzeichnungen und damit zu arbeiten ist nicht gerade einfach.“
Nervös strich sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr, als ihr Blick den von Naruto strich. Er lächelte sie an.  „Ach, denk dir da nichts. Mach dir keine Sorgen, du weißt ohnehin schon mehr als genug für uns beide, da musst du bestimmt keine Details wissen, die sowieso keiner nachprüfen kann. Wenn wir jetzt die Bilder zu unserem Bericht hinzufügen – und was du sonst noch gefunden hast – dann ist uns eine gute Bewertung sicher. Was meinst du, zum Abschluss noch Ramen?“
Hinata schüttelte erneut den Kopf, dieses Mal allerdings amüsiert. „Das ist typisch Naruto, zu jeder passenden Gelegenheit Ramen zu essen.“
Sie begann zu überlegen.
„Aber ja, gerne, warum nicht? Doch zuerst würde ich gerne noch das eine oder andere Gebäude fotografieren. Vielleicht die örtliche Schule, hier soll es mal eine Grundschule gegeben haben, die würde sich noch gut für unsere Arbeit eignen. Die und noch ein anderes Gebäude, dann können wir gerne Ramenessen gehen.“
Höchst motiviert nahm Naruto die Hand seiner Freundin und zog sie sachte aus der Höhle hinaus.
„Worauf warten wir noch, je eher wir diese Fotos bekommen, desto eher können wir leckere, warme Ramen genießen …“

Doch sie kamen nicht sehr weit. Kaum hatten sie die Höhle verlassen und waren um die nächstbeste Ecke gebogen, um die Dorfschule zu erreichen, stellte sich ihnen ein Mann in den Weg. Schnell gesellten sich noch zwei weitere, finster wirkende Gestalten zu ihm und ein Blick in mehrere Richtungen zeigte Naruto, dass die drei Männer nicht alleine aufgetaucht waren.
„Was … was ist denn hier los?“, fragte Hinata leise, auch sie spürte die seltsame Stimmung, die in der Luft lag. Die düsteren Blicke der Fremden untermauerten das ungute Gefühl, das sich immer weiter in den beiden ausbreitete. Der Anführer der Fremden, mit verspiegelter Sonnenbrille, sonnengebräunter Haut und einer selbstgedrehten Zigarette im Mund, kam auf die beiden zu.
„Nun, der Tag ist zwar noch jung, aber ich denke nicht, dass auch nur einer von uns hier etwas davon hätte, wenn wir unsere Zeit mit Smalltalk verplempern. Ihr beide seid gerade aus dem Tempel gekommen und ihr seht nicht aus, als wärt ihr auf den Kopf gefallen. Besonders du, Kleine, du hast ja eine Menge zu dem verkommenen Kaff hier erzählen können. War ganz schön interessant, da hat sich das Abhören richtig gelohnt.“
Mit einer Wischbewegung warf er die halb gerauchte Zigarette von sich und gab den beiden Männern sich mit den Augen Anweisungen. Sie verstanden sofort.
Kaum hatten sie sich in Bewegung gesetzt, hatten schon zwei Paare an großen Händen nach Hinata gegriffen und diese zur Sonnenbrille gebracht. Nur wenige Zentimeter trennten ihre Gesichter voneinander und die Sonnenbrille machte keinen Versuch, die Gerüche aus seinem Mund zurückzuhalten. Zigarettenrauch, der Gestank nach Alkohol vermischt mit einem unbekannten, süßlichen Geruch trieben Hinata Tränen in die Augen. Sie blinzelte heftig, um sie auf diese Weise vertreiben zu können.
„Hey, was habt ihr mit Hinata vor?!“, stieß Naruto aus, ihm gefiel die Situation immer weniger. Doch da wurde er selbst bereits von zwei weiteren Männern festgehalten. So sehr er versuchte sich aus seiner beklemmenden Lage zu befreite, ihm fehlte es schlicht an der körperlichen Kraft. Dass er versuchte, sich aus den Armen herauszuwinden, störte die zwei Männer dagegen herzlich wenig.
„Lass mich los, ihr werdet es sonst noch bereuen!“, versuchte Naruto die Männer zu beeindrucken, womit er bei ihnen nicht viel erreichte. Mehr als ein hämisches Lächeln hatten sie für Narutos Drohungen nicht übrig.
Währenddessen griff die Sonnenbrille nach Hinatas Kinn und zwang sie, in sein Gesicht zu sehen. Seine Lippen verzogen sich zu einer grässlichen Fratze und seine Augen gaben einen finsteren Vorgeschmack, was er sich bereits geistig in seiner Fantasie ausmalte. Naruto bekam das Bedürfnis, der Sonnenbrille auf die Gläser zu spucken.
„Sag mal, Blondie, ist das hier deine Freundin? Da hast du dir ja was richtig Süßes geangelt, Respekt. Auch wenn sie zu so einem Brüllaffen wir dir überhaupt nicht passt. Du könntest ihr niemals geben, was sie verdient und was sie braucht.“
Noch immer wehrte sich Naruto, doch die Griffe um seine Oberarme blieben hartnäckig fest.
„Lass Hinata in Ruhe“, konnte er noch rufen, bevor ihm einer der Gorilla genervt die Hand auf den Mund drückte. Naruto bekam das Gefühl, als könnte er ihm jederzeit die Zähne mit einem Handgriff zerdrücken, wenn dem Gorilla nur danach wäre. So musste er hilflos zusehen, wie sich die Zunge der Sonnenbrille seiner hilflosen Freundin näherte. Da es ihr gelang, sich rechtzeitig wegzudrehen, berührte seine Zunge lediglich ihre Wange. Hinata begann zu zittern.
„Wow, du siehst nicht nur hübsch aus, du hast auch eine weiche Haut.“
Er wischte sich den Speichel aus dem Mundwinkel, bevor er sein Werk fortsetzen wollte.
„Natürlich lasse ich sie in Ruhe, ich gebe ihr nur, was du ihr niemals geben könntest. Ihr könnte hier und jetzt aus ihr eine richtige Frau machen – natürlich kannst du dabei zusehen, vielleicht lernst du ja auch etwas daraus … arrrrrgh!“
Von Schmerzen verzerrt, hielt sich die Sonnenbrille den Mund, während er abwechselnd brüllte und fluchte. Hinata hatte es in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit geschafft, ihrem Belästiger eine Kopfnuss zu verpassen, während er sich ihr wieder mit einer Zunge genährt hatte. Unsicher sahen ihre zwei Bewacher sich an, unschlüssig darüber, ob sie nun weiterhin das Mädchen festhalten sollten oder lieber nach ihrem Boss sehen.
„Du verdammte Hure! Ich … ich hab mir auf die Zunge gebissen! Das wirst du bereuen, und wie du das bereuen wirst, du Miststück!“
Wütend packte die Sonnenbrille das Mädchen an den Haaren und zog ihren Kopf nach zurück. Dieses Mal war es Hinata, die vor Schmerzen aufschrie. Zwar waren Narutos Augen lang nicht so gut, was die Sicht aus der Ferne betraf, aber die Tränen, die sich langsam über ihre Wangen hinunterflossen, waren mehr als sichtbar für ihn. Wütend senkte er den Kopf, ließ sich ein wenig fallen und versuchte, so locker wie möglich zu sein.
„Ihr Schweine werdet Hinata sofort in Ruhe lassen oder ihr werden mich noch so richtig kennenlernen“, schrie er in die Richtung der Sonnenbrille, bevor er ein weiteres Mal seinen Kopf hängen ließ. Hinatas Schreie gingen direkt über die Ohren an sein Herz. Ein Gefühlscocktail aus Hass, Zorn und Verachtung stieg immer weiter in Narutos Körper.
Eigentlich wollte ich das hier nie machen … verzeih mir Mutter. Aber sie ist das erste Mädchen, das mich so akzeptiert, wie ich bin. Ich liebe sie.

Ein Kribbeln breitete sich unter den Fingern der zwei Gorillas aus, sie spürten, wie sich im Körper des jungen Mannes immer mehr Energie zusammenzog und versammelte. Seine Augen, gerötet von Tränen, wechselten von seinem freundlichen Blau zu einem aggressiven Blutrot. Auch nahm er immer mehr an Kraft zu, bis es den Männern schier unmöglich war, ihn noch weiterhin festzuhalten. Schnell ließen sie von ihm ab, als hätten sie sich gerade an einer heißen Herdplatte die Finger verbrannt.  Eine geheimnisvolle Aura bildete sich um den Körper des jungen Mannes, welche ihn noch bedrohlicher erscheinen ließ.
„Na … ruto?“
Verwirrt beobachten die Sonnenbrille und seine zwei Handlanger das Geschehen, aber auch Hinata konnte kaum glauben, was sich gerade vor ihren Augen abspielte.
Naruto, vollkommen umgeben von einer roten Aura, welche ihm ein leicht animalisches Aussehen verleite. Ihr Blick wanderte hoch zum Himmel, dort, hoch oben hatten sich die Wolken stark zurückgezogen. Dort, wo vorhin einzelne Schäferwölkchen an einem strahlend blauen Sommerhimmel zu sehen waren, herrschte nun Dunkelheit. Und etwas anderes. Ein Schleier aus grünem und violettem Licht war am Himmel zu bestaunen. Wären die Umstände anders gewesen, hätte Hinata alles dafür gegeben, um diesen Anblick mit Naruto zu teilen.
„Was für ein schönes Polarlicht …!“
Erstaunt sah Hinata zu ihrem Freund hinüber, hätte sie nicht bis gerade eben das Bedürfnis gespürt, ihrem Gegenüber ihren Mageninhalt zu zeigen, hätte sie all das für einen Traum gehalten. Auch später, als die beiden sich darüber im Bus auf dem Weg zum Restaurant darüber unterhalten hatten, konnte Hinata es nicht begreifen, es nicht verstehen. Naruto hingegen gab sich seinem Zorn hin, immer mehr und mehr erschien von dieser fremdartigen Aura, bis sie eine Form angenommen hatte. Die Form eines Fuchses.
„Ihr, die ihr gekommen seid um die Ruhe des Dorfes zu stören und um es seiner Schätze zu berauben, lasst euch gewarnt sein! Ich bin der Kyuubi no Youko, der Schutzgeist dieses Dorfes. Es ist meine Aufgabe, die Bewohner dieses Dorfes zu beschützen und das in allen Ewigkeiten. Menschen wie ihr haben es vernichtet, doch dieses Mal werde ich es euch nicht durchgehen lassen! Also lasst die Finger von diesem Menschenmädchen oder ihr werdet meinen Zorn schneller zu spüren bekommen als euch lieb ist!“
Verängstigt, ja geradezu panisch ließen die Männer von Hinata ab, rannten und stolperten so viel sie konnten. Hinata dagegen beobachtete Naruto, ihren Naruto, wie er die Gangster mit seinen roten Fuchsaugen verfolgte. Seine Stimme klang grollend wie ein naher Donner, mächtig und sogar ein wenig heilig. Er hingegen beachtete sie gar nicht, stattdessen begann er die Männer zu verfolgen. Ein mordlustiges Lächeln lag auf Narutos Lippen und es dauerte nicht lange, bis Hinata begriff, welche Absicht der Fuchsgeist hegte.
„Naruto, nein, tu das nicht!“, schrie Hinata, brachte sich so schnell wie möglich zurück auf die Beine und lief in die Richtung, in welche ihr Freund verschwunden war. Ihr Herz schlug ihr in der Brust, als wäre es ein Motor und auch ihr Atem steigerte sich immer weiter.
Bitte Naruto, mach nichts, was du hinterher bereuen würdest.
Drei Querstraßen weiter konnte sie ihn schließlich einholen. Eine Klaue erhoben, hatte er mithilfe seiner roten Aura alle Mitglieder der unbekannten Bande fangen und festhalten können. Hinata wusste, wenn sie jetzt nicht etwas unternahm, würden die Männer auf der Stelle den Tod finden.
„Naruto! Bitte, du musst aufhören!“, rief sie in die Richtung ihres Freundes und näherte sich ihm vorsichtig. Naruto, der bis eben noch mordlüstern seine Opfer belächelt hatte, hob den Kopf und sah Hinata mehr als verwundert an.
„Warum denn nicht, Hinata? Warum soll ich es nicht tun? Menschen wie diese sind schlecht und sie werden auch immer wieder schlechtes tun. Sie hätten dir gerade etwas angetan, wie kannst du sie da in Schutz nehmen? Ich muss ihnen eine Lektion erteilen, ich muss ihnen zeigen, dass das, was sie da getan haben, nicht richtig ist. Ich muss mich in ihrem Blut weiden und an ihrem Leid ernähren …“
Er stoppte, kaum hatte Hinata ihn umarmt und so fest es ihr möglich war an sich gedrückt.
„Hinata …“, begann er zu reden, doch diese schüttelte nur den Kopf.
„Ich kann verstehen, dass du sehr wütend auf sie bist und ihnen am liebsten etwas antun möchtest. Außerdem möchte ich mich bei dem Fuchsgeist bedanken, dass er mich beschützen und meine Ehre verteidigen möchte, auch wenn ich wie Naruto nicht aus diesem Dorf stamme. Ja, es sind Verbrecher, wer weiß, was die bisher alles gemacht haben. Bestimmt haben sie auch schon einen Mord begangen. Oder mehrere. Aber bitte, stelle dich nicht mit diesen Kerlen auf eine Stufe. Wenn du sie jetzt umbringst, handelst du damit genauso wie sie. Ich möchte nicht mit ansehen, wie aus dir ein Mörder wird. Komm, Naruto, lass uns Ramen essen gehen.“
Noch immer hatte Naruto bedrohlich die Klaue erhoben, doch dann ließ er sie fallen, bevor er seinen Blick auf die Männer richtete und kurz mit den Fingern schnippte.
„In Ordnung, Hinata zuliebe werde ich euer armseliges, unverdientes Leben verschonen. Doch seit gewarnt, das nächste Mal ist Hinata möglicherweise nicht anwesend. Außerdem möchte ich nicht, dass ich auch nur ein Sterbenswort über das Dorf oder über die Ereignisse ausplaudert. Dafür sorge ich vor.“
Wieder ein Schnipsen, und auf den Handgelenken der Männer erschien ein kleines Symbol. Ein kleiner Kreis, kaum auffällig wirkte es wie ein Leberfleck oder ein seltsames Tattoo.
„Das hier … wird euch an meiner Stelle bewachen. Solltet ihr auch nur ein Wort verlieren, das nicht über eure Lippen kommen soll … nun, dann werdet ihr von mir bestraft werden. Ich werde es erfahren“, sagte der Fuchsgeist, bevor er Narutos Körper wieder verließ. Erschöpft ließ Naruto sich fallen, Hinata konnte ihn gerade noch auffangen, bevor er zu Boden ging. Die Bandenmitglieder stattdessen nahmen die Beine in die Hand und liefen so schnell sie konnten davon – sie blickten nicht mehr zurück.

Stumm sahen die beiden nach vorne, als sie wieder im Bus saßen. Unsicher, was sie sagen sollten, hingen die beiden ihren Gedanken nach. Zwar hatten sie die Dorfschule gefunden und noch ein paar Fotos schießen können, dennoch lag eine seltsame Stimmung zwischen ihnen. Sie hatten gehofft, dass sie im Dorf bleiben würde, wenn sie es verließen, doch sie war mit ihnen gekommen. Und mit ihr das seltsame Gefühl.
„Hinata … es tut mir Leid, dass du das sehen musstest. Aber ich hatte keine andere Wahl, ich wollte nicht, dass er dich berührt oder noch schlimmeres …“
Ihre Hand griff nach der seinen, griff sie und hielt sie fest. Als würde Hinata diese Hand nie wieder loslassen wollen.
„Naruto, ich wusste nicht, dass du aus Uzushiogakure stammst. Und auch nicht, dass das mit dem Fuchs nicht nur eine Legende ist.“
Traurig wandte Naruto den Kopf ab.
„Es fällt mir schwer, über diesen Teil meiner Vergangenheit zu reden. Aber ja, ich stamme wirklich aus diesem Dorf, meine Mutter gehörte zur Priesterfamilie, die im engsten Kontakt mit dem Fuchsgeist stand. Sie war die letzte Priesterin, bevor die Katastrophe passierte.“
Erneut riss Hinata die Augen auf: „Aber das bedeutet, deine Mutter …“
„Ja, genau, sie war Kushina Uzumaki“, gestand Naruto. „Eigentlich kann ich mich kaum noch erinnern, als das passierte, war ich gerade mal drei Jahre alt. Meine Mutter wollte immer, dass ich über meine Herkunft Stillschweigen bewahre, weswegen ich auch den Nachnamen meines Vaters angenommen habe. Er ist ein Namikaze und das ist ein Clan, der rein aus Konoha stammt. So würde niemand vermuten, dass ich eigentlich in Uzushiogakure geboren wurde. Ich durfte mir nichts anmerken lassen. Es tut mir leid, dass ich dich so hinters Licht geführt habe. Das war aber auch alles – der Rest ist keine Lüge“, fügte er noch hinzu, da spürte er schon Hinatas weiche Lippen auf seiner Wange. Sein Herz machte einen Luftsprung.
„Ich kann es verstehen, auch, dass du es geheim halten musstest. Der Fuchs ist mächtig und wenn er in die falschen Hände gerät, dann geht es für uns alle nicht so gut aus. Aber in erster Linie möchte ich dich beschützen, weil ich dich liebe, Naruto! Du bist mir wichtig!“
Nun war es Naruto, dessen Gesicht rot anlief. Doch dann begann er zu lächeln.
„Ich liebe dich auch, Hinata-chan. Sogar noch mehr als Ramen.“
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