Hold on

KurzgeschichteDrama, Romanze / P12
Anne Meierling Arthur Distelmeier Dr. Martin Gruber Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber
11.02.2018
13.02.2018
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Hallo, Leute! :D
Vermutlich wundern ein paar sich, wieso ich diese Geschichte hier ins Leben rufe, nachdem es Kapitel 1 doch schon einmal als OneShot gab. Das hat folgenden Grund: eigentlich sollte es ursprünglich ein OneShot bleiben, die Fortsetzung habe ich ganz spontan und quasi "über Nacht" geschrieben. Da man nach Fertigstellung einer Geschichte aber einen Monat warten muss, um sie fortzusetzen, habe ich das so gelöst, inklusive neuem Titel und anderer Kurzbeschreibung.
Lange Rede, kurzer Sinn - ich wünsche viel Spaß mit dem ersten Kapitel der Kurzgeschichte! :)

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Kapitel 1: „Flammenmeer“



Flammen.
Grelle, orangefarbene Flammen waren das Erste, was Anne sah, als sie aus dem Auto stieg. Sie hatte eigentlich nur ihren Reisepass holen wollen, den sie dummerweise vergessen hatte, und nun das.
Der Schock fuhr ihr in die Gliedmaßen, und sie stand wie erstarrt da, während nach und nach immer mehr schockierende Erkenntnisse aus sie einprasselten.
Es brannte.
Es brannte hier, auf dem Distelmeierhof.
Wo war ihr Vater? Sie betete, flehte, dass er nicht da drin war, inmitten der Feuerhölle.
Da ertönte aus der Scheune ein Geräusch, das sich vom Knacken und Lodern des Feuers unterschied.
Ein Husten. Das Husten ihres Vaters, unverkennbar.
Es brannte hier, auf dem Distelmeierhof, und ihr Vater war mitten drin.
Und da kam wieder Bewegung in Anne.
Sie sprintete los zur Scheune, während ihre Finger nach dem Handy in ihrer Manteltasche tasteten, um die Feuerwehr zu rufen.
Eine Flammensäule schlug aus dem Scheunendach, dann ertönte ein lauter Schmerzensschrei.
„Papa!“
Sie schrie, ohne es wirklich wahrzunehmen, ließ das Handy achtlos fallen, und stürzte sich in das Flammenmeer.

Lisbeth Gruber schlug entsetzt die Hände vor den Mund, als sie die lichterloh brennende Scheune sah, und sog scharf die Luft ein, als sie eine Person darin verschwinden sah. Durch den knackenden Lärm des Feuers, meinte sie zu hören, wie es Anne war, die nach ihrem Vater schrie. Sie begann hilflos zu zittern, als sie die Erkenntnis überrollte, dass Anne und Arthur inmitten der brennenden Scheune sein mussten, doch es gelang ihr, dass Handy aus der Hosentasche zu holen und die Feuerwehr anzurufen.
Ihre Stimme drohte ihr zu entgleiten, als sie beinahe schon in den Hörer brüllte, während das Feuer immer lauter brauste und ihre Angst immer mehr wuchs. Ihr wurde versichert, dass die Feuerwehr gleich da sei, und immer noch zitternd legte sie auf, ohne den Blick von dem brennenden Gebäude abwenden zu können.
Und da, plötzlich ertönte aus der Scheune ein Schrei.
Anne!

Lilli bemerkte es als Erste, gerade, als sie drei sich hatten hinsetzen wollen, um das mit Neuseeland zu besprechen. „Da!“, rief sie mit gerunzelter Stirn auf und deutete auf einen glühenden Punkt in der Ferne. „Seht mal, da brennt es!“ Martin und Hans kniffen die Augen zusammen. „Scheiße, ist das nicht Arthurs Hof?“, fragte Hans entsetzt, und Martin nickte. „Verdammt, das ist er. Und die Mama wollte dorthin.“ Die Brüder sahen sich ernst an, dann stürmten sie gleichzeitig in Richtung Auto los. „Wartet, ich komme mit!“, rief Lilli aus, aber Martin winkte harsch ab. „Du bleibst hier!“, befahl er, dann stieg er ein und brauste mit Hans vom Hof.

Brennender, beißender Rauch, überall.
Heiße, tödliche Flammen, beinahe endlos.
Ein Husten, inmitten des tosenden Brausen des Feuers.
Anne hustete und würgte, als der beißende Rauch in ihre Lunge drang, und schrie auf, als ihr Arm in die Flammen geriet. Ein unglaublicher Schmerz durchschoss sie, und blind versuchte sie, das Feuer an ihrem Arm irgendwie zu ersticken, aber es war zwecklos. „Papa!“, brüllte sie, während ihr Tränen über das Gesicht liefen und neben ihr ein brennender Dachbalken niederfiel. Panisch stolperte sie zur Seite, nur um gegen die brennende Säule zu prallen, und abermals glaubte sie, den Schmerz nicht aushalten zu können. Gierig fraß sich das Feuer in das Fleisch ihres rechten Beins, und ein greller, hoher Schrei entwich ihr. Raus, raus! In dem Nebel aus Schmerz erwachte ihr Lebenswille, der sie drängte, hier so schnell wie möglich zu fliehen, aber es war zwecklos. Das Feuer umschloss sie, nahm ihr jegliche Orientierung, und der Rauch lähmte all ihre Glieder. Der Schmerz in ihrem Bein erreichte eine neue Welle, und diesmal hatte sie nicht einmal mehr die Kraft zu schreien. Gequält gab sie nach, fiel auf den Boden, wo noch mehr Flammen gierig nach ihr zu greifen begannen. „Papa!“, würgte sie hervor, und, mit weiter schwindendem Bewusstsein, als tausende Bilder durch ihren Kopf wirbelten: „Martin!“ Und dann überwältigte sie der Schmerz und flackernd schlossen sich ihre Augenlider.
Bis sie völlig reglos von dem Feuer umhüllt wurde.

Martin und Hans rannten schon los, ehe das Auto überhaupt richtig zum Stehen gekommen war. Sie sprangen aus dem Wagen, während hinter ihnen entfernte Sirenen ertönten – die Feuerwehr kam. Die beiden Brüder eilten zu Lisbeth, die verzweifelt vor der brennenden Scheune stand. „Mama, was-“, fing Hans an, doch der panische Ausruf seiner Mutter unterbrach ihn: „Sie sind da drin!“ „Sie?“, fragte Martin schockiert, und Lisbeth nickte mit Tränen in den Augen. „Der Arthur und die Anne!“ Hans stieß einen Schreckenslaut aus, und Martin sah sie an. „Was? Anne?“ Seine Stimme droht ihm ob der Panik zu entgleiten.
Anne.
Anne.
Anne.
Sie ist da drin!
Sie wird sterben!
Nein!
Unzusammenhängende, panische Gedanken lähmten Martins Handeln. Nein, nein, nein. Das durfte nicht wahr sein. Das konnte nicht Anne sein. Anne war weggefahren, sie konnte nicht da drin inmitten des brennenden Todes sein. Das Sirenengeräusch hinter ihnen wurde etwas lauter, doch Martin nahm es gar nicht richtig wahr.
Das Einzige, was er sah, war das grelle, tödliche Feuer, und das einzige was er vor sich sah war Anne, inmitten des feurigen Todes. Ohne auf Hans' und Lisbeths Rufe zu achten, stürmte er los, und besaß gerade noch die Geistesgegenwart, eine Decke von der Bank vor dem Haus zu greifen und in das Fass mit Regenwasser zu tunken. Mit fahrigen Bewegungen wickelte er sich die Decke um und bedeckte Nase und Mund, als plötzlich ein greller Schrei voll von Schmerz aus der Scheune zu hören war, und es ging ihm durch Mark und Bein.
Anne!
„Nein!“
Todesmutig stürzte Martin sich in die Flammen.

Die Decke schützte ihn vor dem Feuer, aber er wusste, das würde nur für wenige Sekunden halten. „Anne!“, brüllte er. „Anne!“ Er versuchte, irgendetwas zu erkennen, doch da war nur Feuer, Rauch, und Asche. Verzweifelt hustete er, während er sich weiter umsah. Er hörte einen leisen Laut neben sich, griff blindlings in den Boden und ertastete einen Körper.
Arthur!
So sehr er auch Anne finden wollte und musste, zunächst musste er ihren Vater hier herausschaffen. Er packte Arthur unter den Armen und unterdrückte einen erneuten heftigen Hustenanfall, während er ihn aus der Scheune hinaus ins Freie zerrte. Plötzlich spürte er jemanden neben sich, und als er ins Freie stolperte, erkannte er, dass es Hans war. Und in seinen Armen
lag –
Anne!
Martins Knie gaben beinahe nach vor Erleichterung, er ließ Arthurs Körper fallen und stürzte auf Anne zu, die Hans vorsichtig ablegte. Während Lisbeth hastig zu Arthur rannte und Hans aufsah, als die Feuerwehrleute endlich den Hof erreichten, nahm Martin Anne fest in seine Arme und fühlte hustend und mit zitternden Fingern ihren Puls.
Er war nicht mehr als ein schwaches Flackern, und im orangenen Feuerschein sah er zudem einige klaffende Wunden an ihrem Arm. Und ihr Bein-
Oh Gott.
Es war eine einzige Wunde, blutig, verbrannt, wievielten Grades wusste er nicht, aber eines war ihm mehr als klar.
Sie ist schwer verletzt.
Sie wird es vielleicht nicht schaffen.
Nein, nein, nein.
„Anne!“, stieß er mit brüchiger Stimme aus und drückte ihren Körper an sich, während ihm unwillkürlich Tränen in die Augen schossen. „Nein, Anne, bitte nicht!“ Ein Sanitäter kniete sich neben ihm nieder und schob ihn bestimmt von Anne weg, und Martin sah wie betäubt zu. Unter normalen Umständen hätte er die Fassung bewahrt und mitgeholfen, aber das hier war nicht normal.
Das hier war der Moment, in dem er drohte, die Frau, die er liebte, zu verlieren.



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Etwas sehr dramatisch, ich weiß. :D
Das nächste Kapitel wird diesbezüglich vermutlich nicht besser, aber ich versuche natürlich weiterhin, den Charakteren noch einigermaßen treu zu bleiben. :)
LG TintenFeuer
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