Beste Freinde

OneshotHumor, Freundschaft / P12
Felipe Nasr Jolyon Palmer
11.02.2018
11.02.2018
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Kommentar: Hallo Ihr Lieben.
Heute gibt es mal einen kleinen Oneshot mit Felipe Nasr und Jolyon Palmer. Ich hoffe, dass Du, liebe Silvana, Dich ganz besonders darüber freust. Aber selbstverständlich wünsche ich auch allen anderen sehr viel Freude damit. Und…
Viel Spaß beim Lesen!

Disclaimer: Der Inhalt des Oneshots entspricht nicht den wahren Begebenheiten, sondern ist einzig und allein meiner Phantasie entsprungen. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahetreten.

Anmerkung: Ab morgen bin ich im Urlaub. Reviews kann ich dann erst ab dem 01.03. wieder beantworten. Nicht, dass Ihr denkt, ich freue mich nicht, ich werde nur da, wo ich hinfliege kein Internet haben. :)





Beste Freinde



Suzuka, Japan
8. Oktober 2017


Es sollte sein letztes Rennen werden.
Diese Gewissheit hatte er schon das ganze Wochenende über im Kopf. Das war hart. Das war wirklich hart. Aber wem wollte er damit in den Ohren liegen? Jeder würde ihm sagen, dass er das verdient hatte, dass das zurecht so gekommen war.
Er hatte sich nun einmal keine Freunde gemacht. Absichtlich. Das war immer seine klare Haltung gewesen. Davon war er überzeugt und das hatte ihm nie geschadet.
Genauso war er überzeugt davon gewesen, dass er es hier schaffen würde, dass er gut genug war, dass er sogar besser war. Aber am Ende musste er einsehen, dass er den Leistungen, die Hülkenberg mit demselben Boliden erbracht hatte, deutlich hinterher hing.
Es war nur… Es war sehr schwer, das einzusehen und zu akzeptieren.

Er wollte das gerne auf die vielen Ausfälle schieben, die er im Gegensatz zu dem Deutschen hatte, aber einen eklatanten Unterschied gab es da nicht zu verzeichnen. Und wie sollte er das seinem Vater erklären? Er hatte mit ihm nicht darüber geredet. Oder mit seinem Bruder.
Nicht vor der Pressekonferenz und nun, wo die durch war, wo er das bekannt gegeben hatte, ging er ihnen ganz bewusst aus dem Weg, weil er ahnte, wie so ein Gespräch verlaufen würde. Sie würden wütend und enttäuscht oder etwas in der Art sein.
Er musste wenigstens vor sich selbst zugeben, dass er nie gelernt hatte, mit solchen Niederlagen umzugehen. Weil es solche Niederlagen niemals gegeben hatte.
Das war nie ein Thema für ihn gewesen und jetzt? Er saß hier, in der Hotel-Lobby, das Rennen stand noch bevor und er wusste, dass es das letzte in der Formel 1 für ihn sein würde. Was danach kam, war gerade vollkommen ungewiss und er…

Er musste so viel nachdenken. Über alles, was in den letzten Jahren passiert war und wofür er sich den Arsch so aufgerissen hatte. Anders konnte man es doch nicht nennen.
Er hatte sich angestrengt, er hatte alles gegeben. Das konnten sie ihm nicht vorwerfen! Aber sie taten es natürlich. Angeblich war er doch auch jemand, der alles hinterhergeworfen bekam, für den Papi alles erledigte. Er konnte es nicht mehr hören! Er wollte auf ihre Meinung scheißen, aber die Wahrheit war eben, dass es ihn aufregte und dass es ihm zusetzte, so gesehen zu werden. Er war nur nicht so wahnsinnig, das auch noch zuzugeben!
Die Frage war jetzt nur noch, wie er untergehen wollte. Er konnte nun nur noch seinen Abgang planen. Das war alles, was er noch in der Hand hatte, aber…

Das brachte doch jetzt auch alles nichts mehr. Es war sinnlos. Und seltsamerweise war ihm sogar kurz in den Sinn gekommen, dass es so hatte kommen müssen. Weil dieser fiese, kleine Brasilianer es ihm prophezeit hatte…
Letztes Jahr, da hatte er es nämlich nicht lassen können, Felipe eiskalt unter die Nase zu reiben, dass es eben ein Fehler gewesen war, ihn in die Formel 1 zu holen. Er hatte schließlich den Titel in der GP2 geholt und dann waren die so dämlich und holten Nasr! Das hatte ihn dermaßen aufgeregt und dann hatte er sich eben dazu hinreißen lassen, dem Brasilianer sowas zu sagen.
Er hatte sich darüber geärgert, dass der Jüngere in seinem Heimrennen mit diesem grässlichen Sauber tatsächlich noch zwei mickrige WM-Punkte geholt hatte, aber da war schon klar gewesen, dass er kein Cockpit mehr bekommen würde. Als er ihn nach dem Rennen im Fahrerlager gesehen hatte, war er zu ihm gegangen, in der bewussten Absicht, seine Euphorie über das recht gute Heimrennen zu schmälern.
Er konnte es eben nicht leiden, wenn Felipe sich über etwas freute! Und im nächsten Moment bereute er solche Gedanken auch schon wieder.

Es war fies, so etwas zu denken. Im Grunde hatte der Jüngere ihm auch nie etwas getan, außer besser zu fahren als er, aber auch das war etwas, was er unmöglich zugeben konnte. Er hatte sich seine Argumente gegen Felipe schließlich immer gut zurechtgelegt und…
Dabei würde es auch bleiben. Und diesen Quatsch, dass er ihm neuerdings leidtat, weil er ohne Cockpit war und weil seine verzweifelten Hoffnungen darauf, für die kommende Saison mit hartem Training doch wieder ein Comeback zu starten, sich langsam aber sicher zerschlugen… Nein! Er wollte nicht, dass der Kerl ihm leidtat und damit hatte es sich!
Zumindest war das der Plan und in der Theorie mochte das auch noch ganz gut funktionieren. In der Praxis jedoch sah das wieder alles ganz anders aus…
Es ging eben einfach nicht. Er war sich immer sicher gewesen, den Brasilianer zu hassen, aber jetzt tat er das irgendwie doch nicht und das nervte ihn gewaltig. Warum konnte er nicht einfach das empfinden, was er auch empfinden wollte? Das war doch nervig und unsinnig und…

Wieso musste sich sein Kopf jetzt damit beschäftigen? Er hatte doch noch genug andere Sorgen oder etwa nicht? Das Ende seiner eigenen Karriere stand bevor, wenn alles ganz dumm lief. Das war viel schlimmer. Da war Felipe der letzte Mensch an den er denken wollte!
Also zwang er sich mit aller Gewalt, eben nicht an ihn zu denken und das funktionierte…
…genau so lange, bis der Brasilianer durch die Eingangstür dieses verdammten Hotels kommen musste… Zur Hölle, was wollte der hier, verdammt noch mal?! Sich darüber lustig machen, dass er sein Cockpit nun auch verloren hatte? Ihn damit aufziehen, dass er durch das Vorzeitige aus nun weniger Formel 1 Rennen absolviert hatte? Salz in die Wunden streuen?
Wenn er ihm so kam, würde der Jüngere wohl zurecht fragen, ob er von sich auf andere schloss. Das war so blöd und überhaupt…
Was sollte er jetzt machen? Wenn er jetzt aufsprang und woanders hinging, bestand die Gefahr, dass Felipe ihn entdeckte und seinen Fluchtversuch bemerkte. Das wäre vollkommen bescheuert und darüber würde der Jüngere sich doch nur noch mehr lustig machen. Es war gerade irgendwie zum Verzweifeln…

Was sollte er tun?
Ihm war eigentlich klar, dass Felipe wahrscheinlich nur einen der anderen Fahrer besuchte. Vielleicht Massa oder einen der Testfahrer. Was wusste er schon davon, mit wem der hier jetzt so abhing? Vielleicht hoffte er wirklich noch naiv und dumm darauf, hier wieder ein Cockpit zu bekommen.
Er schnaubte bei diesem Gedanken. Offenbar zu laut, in dem Moment, als Felipe zu dicht bei ihm stand, sodass er das wohl hörte und sich in seine Richtung drehen musste.
Scheiße!‘ Das hatte er jetzt echt nicht gebraucht.
Felipe runzelte die Stirn, als er ihn entdeckte und natürlich ließ eine Bemerkung seinerseits auch nicht lange auf sich warten: „Bist du noch gar nicht an der Rennstrecke?“
„Sieht das für dich so aus?“, gab er angefressen zurück.
Dass der Brasilianer jetzt auch noch grinsen musste, statt seine selten dämliche Frage zu bemerken, regte ihn total auf. „Dreihundertfünfundsechzig Tage gute Laune…“, lautete sein lapidarer Kommentar dazu und er könnte Felipe gerade wirklich eine reinhauen.
„Lass mich bloß in Ruhe, du hast mir echt noch gefehlt!“, gab er zurück.

Er war so wütend und er konnte nicht anders, als direkt aufzuspringen. Er wollte sich echt nicht mit dem abgeben, aber etwas in Felipes Blick änderte sich und er hob beschwichtigend die Hände.
„Komm schon, tut mir leid, aber was erwartest du denn? Du fährst doch selbst immer aus der Haut und was du letztes Jahr in Brasilien abgezogen hast, das war auch nicht gerade nett von dir“, erinnerte Felipe ihn.
„Bist du deswegen hier?“, gab er sogleich zurück. Er würde sich hier sicher nicht von ihm beleidigen lassen. Wenn er krieg führen wollte, dann konnte er ihn haben, aber das würde er sicher nicht vertragen, das…
Wieso lächelte er ihn auf einmal wieder so an? Das war grässlich, denn das hatte schon etwas entwaffnendes, wenn Felipe das tat.
„Nein, so wichtig bist du mir nun wirklich nicht, keine Sorge.“
„Du machst es echt nicht besser, ist dir das eigentlich klar?“, schnaubte er. „Was zur Hölle willst du von mir?“
Felipe legte den Kopf schief. „Das könnte ich dich genauso gut fragen. Es eskaliert jedes Mal, oder?“ Da war schon etwas dran. Sie hatten nie wirklich ruhig und vernünftig miteinander geredet. Aber sie hatten es auch im Grunde nie so richtig versucht.

„Ja, weil du frech, vorlaut und respektlos bist!“, giftete er ihn an. Er war jetzt echt nicht in Stimmung für sowas. Aber anders als sonst schien Felipe gar nicht auszurasten. Sonst sprang er auf solche Äußerungen immer recht bald an. Was war geschehen? Hatte er seinen Lebensmittelpunkt oder seine innere Mitte oder so einen Schwachsinn gefunden?
„Da haben wir’s doch! Ich bin dir einfach zu ähnlich“, behauptete Felipe nun und da stutzte er. Was hatte er da eben gesagt? Das meinte er doch wohl nicht im Ernst, aber er konnte nicht verhindern, dass er über diese Möglichkeit nun ernsthaft nachgrübelte.
Nicht, dass er das wirklich wollte und…
„Du hast doch ´n Knall!“, versetzte er.
„Du nicht, oder was?“
Das konnte ihn so aufregen, aber so abwegig war das wirklich nicht. Und wenn er mal ganz ehrlich war, dann half ihm diese Streiterei mit Felipe überhaupt nicht weiter. Er konnte seinen Frust zwar immer wunderbar an ihm ablassen, aber letztlich…
Es war unsinnig. Das war es auch immer gewesen. Sie hätten sich das Leben niemals so schwermachen müssen, aber sie hatten es leider getan und…

„Weißt du was?“, setzte Felipe nach einer Weile noch einmal an und das musste irgendwie schon fast so etwas wie das längste Gespräch sein, das sie je miteinander geführt hatten. „Irgendwie ist das schon speziell zwischen uns Beiden. Ich meine, diese Wortgefechte hauen wir uns jetzt schon seit fast fünf Jahren immer wieder um die Ohren. Würde dir das nicht fehlen, wenn es anders wäre?“
Er verdrehte die Augen. Nicht, weil die Aussage an und für sich so dämlich war, sondern weil Felipe damit tatsächlich ins Schwarze getroffen hatte. Ja, eine Rivalität mit dem Brasilianer hatte ihm wahrhaftig schon in diesem Jahr gefehlt, aber er konnte sowas doch nicht einfach so zugeben. Wie sah das denn aus?
„Es fehlt mir jetzt schon.“ Er konnte nicht glauben, dass er das gerade wirklich ausgesprochen hatte. Was war denn jetzt mit ihm los? Solche Texte kannte er von sich ja nun gar nicht… Es war ihm schon ziemlich peinlich irgendwie. Er gab doch vor anderen nie etwas zu und das war Felipe natürlich auch bewusst. Kein Wunder, dass er jetzt wieder grinste, als sei Weihnachten vorverlegt worden.

„Siehst du. Das ist was, was sonst keiner hat. Wir sind quasi sowas wie beste Freinde.“
Er sah zog die Stirn in Falten und kapierte gar nichts. „Wir sind was?“
„Beste Freinde“, wiederholte der Jüngere.
„Aha, und was soll das wieder sein?“
„Na Freunde sind wir ganz sicher nicht, aber richtige Feinde nach diesem Gespräch wohl auch nicht mehr. Das muss irgendwas dazwischen sein.“
„Du hast echt einen an der Klatsche, weißt du das?“ Der war doch komplett irre, aber irgendwie… Er konnte ja nicht bestreiten, dass er das auch mochte, aber er wollte ihm das nun einmal nicht sagen.
Felipe zuckte mit den Schultern. „Du erinnerst mich ja ständig dran. Und wenn du mir schon so nette Komplimente machst, gebe ich es dir auch gerne zurück.“

Er wollte ihn schlagen. Ja, wirklich, er wollte Felipe wirklich schlagen. Und irgendwie auch nicht. Es war ganz merkwürdig, aber was auch immer das war, vielleicht war diese seltsame Bezeichnung wirklich nicht so weit hergeholt und wie es nun weitergehen würde…
Das mussten sie wohl erst noch sehen. Gewiss war aber, dass das wirklich das längste Gespräch war, das er jemals mit Felipe geführt hatte und es war kurios…
Denn diesmal gingen sie nicht völlig zerstritten und mit Wut im Bauch auseinander. Das war ganz merkwürdig, das kannten sie überhaupt nicht von ihren Begegnungen, aber heute konnte ihm das nur recht sein.

Ein bisschen von all dem Zorn schien mit einem Mal verraucht zu sein und er konnte nicht glauben, dass der Grund dafür ausgerechnet Felipe Nasr sein sollte…
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