Bartimäus- Was wäre, wenn..

von EmmChan24
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Bartimäus Kitty Nathanael alias John Mandrake
10.02.2018
04.03.2018
6
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10.02.2018 661
 
Kitty ging im Schankraum der Kneipe „Zum Frosch“ auf und ab. Die Gäste waren schon längst alle verschwunden, der Laden für heute dicht gemacht. Auf der Theke standen ein paar frisch polierte Gläser, die im Licht der wenigen noch aufgedrehten Lampen glitzerten. Die Stühle an den Tischen waren hochgestellt und die Arbeitsflächen sauber gewischt. Alles fertig. Sie ging zu der Wand hinüber, an die mehrere Fotos der Minister von London gepinnt waren und an der viele Besucher oft und gerne Dat spielten. Jeden Tag suchte man sich ein Bild aus und dann wurde gespielt. 1 Punkt für den Hals, 2 Punkte für die Stirn, 5 Punkte für die Nase und 10 Punkte für ein Auge, alles andere 0 Punkte.
Natürlich, das hatte sie vergessen. Sie musste die Pfeile noch einsammeln, die immer noch in dem jeweiligen Foto steckten. Kitty streckte die Hand nach einem der Datpfeile aus und warf dabei einen Blick auf den Minister, der heute zur Zielscheibe geworden war. Es war John Mandrake. Als die Gewöhnliche sein Gesicht sah, biss sie die Zähne zusammen, seufzte tief und wunderte sich bestimmt zum 1 897 000sten Mal, warum sie diesem Typen das Leben gerettet hatte. Dieses arrogante, egoistische, selbstsüchtige, anmaßende, hochnäsige, verwöhnte Arschloch! Wütend starrte sie das Bildnis des Zauberers an und hätte es am liebsten einfach abgerissen, in winzig kleine Teile zerlegt, die Teile zusammengeknüllt und im Ofen verbrannt. Doch stattdessen atmete sie zweimal tief ein und aus, riss die Pfeile vielleicht etwas zu energisch aus dem Bild und wollte sie gerade zur Theke bringen, als sie sich noch einmal umdrehte. Sie hatte die Fotografien sicher schon tausendmal betrachtet, aber erst jetzt fiel ihr auf, dass an dem Bild von Mandrake etwas anders war, als bei den anderen...
 Kitty sah sich zu den anderen Fotos um. Die Gesichter der Zauberer wirkten alle samt eitel und stechend und viele hatten die Nase leicht gerümpft. Wenn überhaupt mal ein Lächeln auftrat, dann war es aufgesetzt und geradezu plastikhaft. Ihr drehte sich bei diesem Anblick beinahe der Magen um. Ihr Blick wanderte nun zu Mandrake. Ja... jetzt sah sie es.
 Seine Augen starrten nicht stechend und abgeneigt in die Welt hinaus. Nein. Diese Augen glitzerten voller Tatendrang und Entschlossenheit und sein Lächeln war ehrlich und geradezu herzlich. Ihr wurde allein bei dem Anblick wärmer ums Herz....
Sie schüttelte den Kopf und ging zur Theke, um die Dartpfeile wegzulegen. Dieser Zauberer war ein überaus begabter Schauspieler, so viel stand fest. Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, dann hätte sie vermutlich tatsächlich gedacht, er wäre ein guter Mensch. *ring ring* na toll. Wer zum Teufel hatte den Mut, sie anzurufen, genau in dem Moment, in dem sie sich wie der sauerste Mensch auf der Welt fühlte?! Schön, das könnte ja schließlich keiner wissen. Sie rannte zum Telefon (Ja, es gab noch keine Handys XD), hob ab und bemühte sich, möglichst ruhig zu klingen. „Kneipe ‚zum Frosch‘, Clara Bell am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“ Auf der anderen Leitung ertönte ein Knacken. „Mann Kitty!“ Das Mädchen fuhr zurück, da die ihr wohlbekannte Stimme wieder einmal viel zu laut ins Telefon brüllte. Wer hatte Jacob nur beigebracht, wie man telefonierte? „Du arbeitest ja immer noch! Ich wollte dich was fragen!“ „Was ist denn?“ Sie klang vielleicht noch ein bisschen zu giftig, aber sie hoffte, das ihr bester Freund es auf ihren langen Arbeitstag zurückführte. Was er offenbar auch tat. „Du hast doch morgen Ferien, oder?!“, Rief er. „Ja schon, aber ich wollte eigentlich ein paar Überstunden...“ „Hier bei uns in Brügge gibts ab Heute nen richtig coolen Jahrmarkt! Wir wollten dich fragen, ob du mitkommen willst!!“ Er wurde immer lauter. Kitty hielt den Hörer auf Armlänge von ihr weg, bis sie wieder sprechen musste: „Das...das klingt großartig! Ich bin so gut wie da.“ Vielleicht würde so etwas wie ein Jahrmarkt sie auf andere Gedanken bringen. Dieser John Mandrake war es nicht wert, dass sie ihre kostbare Zeit damit verschwendete, über ihn nachzudenken.
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