Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Der Tod wird nicht gerne übergangen

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Übernatürlich / P16 / Gen
OC (Own Character)
09.02.2018
13.11.2019
4
2.754
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
09.02.2018 1.120
 
„I close my eyes, only for a moment
And the moment's gone
All my dreams pass before my eyes, a curiosity
Dust in the wind
All they are is dust in the wind“
So klang es aus dem Autoradio. Im Fahrzeug befanden sich sechs Personen, obwohl es nur für fünf zugelassen war. Sie alle kannten sich aus der Schule, hingen aber sonst nie miteinander ab. Carry stellte das Radio aus. Eine Sekunde später stellte Eric es wieder an. „Der Fahrer bestimmt die Musik!“, gab er mit einem abfälligen Blick an Carry gerichtet, die auf dem Beifahrersitz saß, weiter.
„Mach dich nicht wichtiger, als du bist, Eric.“. Lea saß zwischen Keith und ihrem Freund Nick hinten. Neben Keith hatte sich noch ein Typ namens Frank hineingequetscht, von dem niemand genau wusste, wer er wirklich war, oder was er tat. Sie alle waren auf dem Nachhauseweg von einer Party, bei der gefühlt die ganze Schule anwesend war. Es war mittlerweile weit nach vier Uhr früh.

Lea knutschte nun wild mit Nick rum und Keith war das ganze sichtlich unangenehm. Er war ein eher introvertierter Junge und eigentlich wusste er auch gar nicht, warum er zugestimmt hatte, auf diese Party zu gehen. Er trank weder Alkohol, noch nahm er irgendwelche Drogen und doch saß er in einem Auto, in dem mehr als die erlaubte Menge an Rauschgift pro Person aufzufinden war. Er lehnte mit dem Kopf nach hinten und wollte ihn an die Kopfstütze anlehnen, doch weil Frank noch neben ihm saß, lag sein Kopf nun zwischen der linken und der mittleren Kopfstütze. Auf dem Beifahrersitz holte Carry ein kleines Päckchen mit einem nach Benzin stinkendem weißen Pulver heraus. Sie nahm eine Nase voll und als sie das Päckchen wieder zurück in ihre Jackentasche gleiten ließ, stieß Frank aus: „Sag mal, konntest du dir nicht mal anständiges Koks besorgen? Das stinkt ja unglaublich und ist auch bestimmt nicht ganz rein. Wenn es so riecht, ist es meistens gestreckt. Das ist doch total ungesund…“. Lea und Nick hörten auf, sich zu küssen und zu befummeln und starrten Frank unglaubwürdig an. „Woher kennst du dich denn damit aus? Du bist doch voll der Loser!“, profilierte sich Nick. Ein Stoß von Lea in sein linkes Bein gefolgt von einem „Lass ihn doch mal in Ruhe, was hast du denn gegen ihn? Wir kennen ihn doch alle nicht, aber momentan ist er der einzige, der nicht total zugedröhnt ist, abgesehen von unserem lieben, überheblichen Fahrer.“ Sie tippte Eric leicht auf die Schulter. Ohne weiter auf die Straße zu achten, sah er ihr mystisch in die Augen und antwortete mit einem breiten Grinsen: „Na, wenn du das sagst, muss es ja stimmen, oder?“. Dann zwinkerte er ihr zu. Als er wieder auf die Fahrbahn sah, erkannte er eine dunkle Gestalt und eine rote Ampel. Da die Teenager-Gruppe allerdings viel zu schnell unterwegs war, konnte Eric nicht bremsen, stattdessen riss er das Lenkrad nach links, um die Gestalt nich zu überfahren.

Der Tod stand an einer roten Ampel und überlegte sich gerade, wen er als nächstes umbringen lassen wollte. Die Ampel schaltete auf Grün und er wollte gerade die Straße überqueren, als ein mit Teenagern vollgepacktes Auto vor seinen Füßen vorbei raste. Er schätzte eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mindestens 30 km/h. „Ihr seid jetzt dran!“, murmelte er vor sich hin und holte ein kleines Klapphandy aus seiner Tasche.  Sobald er die Kurzwahl-Taste vier gedrückt hatte, ertönte am anderen Ende eine weibliche Stimme: „Koordinaten?“. „-94.5785667, 39.0997265, Oak St., Ecke Truman Rd.“, gab der Tod gefühllos von sich. Das Telefonat wurde getrennt und sofort erschien eine Frau mit langen schwarzen Haaren und rot-geschminkten Lippen an der Kreuzung. Sie streckte die Arme nach dem Auto aus und wischte dann mit beiden Händen nach links.

Eric verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, als er das Lenkrad herumriss. Trotzdem versuchte er zu bremsen, doch das Fahrzeug hatte kein eingebautes ABS und so geriet es nur noch mehr ins Schleudern. Einen Wimpernschlag später klebte das Fahrzeug samt Insassen an der Hauswand eines Parkhauses in Kansas City. Auf der Rückbank schrie Nick als einziger Überlebender voller Angst auf. Alle, mit denen er im Auto saß, waren sofort tot. Er spürte sein linkes Bein nicht mehr, doch er versuchte aus dem Wrack zu steigen. Die Autotür klemmte, aber da das Fensterglas komplett zersprungen war, kletterte er blutüberströmt aus dem Auto. Er fiel auf den Boden und schrie nun vor Schmerzen auf. So daliegend krümmte er sich und robbte einige Meter weg. Das Kokain, das er vor einigen Minuten auf der Party noch geschnupft hatte, bevor die zufällig gebildete Fahrgemeinschaft gegründet wurde, verlor seine Wirkung. Er sah zu dem an der Fassade klebenden Auto auf und erkannte, dass Carrys Kopf halb abgetrennt war und nur noch von einer Leitplanke, durch die sie wahrscheinlich gestorben war, zusammen gehalten wurde. Langsam rutschte ihr Kopf zur Seite und Blut spritzte aus ihrer Halsschlagader. Erics Kopf war im Airbag eingewickelt, der sich nun auch entleerte. Ohne weiter hinzusehen, erkannte Nick, dass der Airbag statt seiner ursprünglichen weißen Farbe sich nun rot eingefärbt hatte. Dieses Rot gehörte natürlich zu Eric. Frank war mit Keith förmlich verschmolzen. Nick konnte ihre Körper nicht mehr voneinander unterscheiden. Sie hatten die volle Wucht des Aufpralls abbekommen, da sich das Fahrzeug gedreht hatte. Zu sehen war nur noch eine blutige, matschige Pampe und ein paar Körperteile wie das halbe Gesicht von Frank und die Arme von Keith. Tränen strömten über Nicks Wangen, er fing gerade erst an zu realisieren, was passiert war. Dann glitt sein Blick an Lea vorbei, er konnte den Anblick ihres leblosen Körpers nicht ertragen. Trotzdem sah er noch einmal hin. Ihr Kopf war von derselben Leitplanke durchbohrt, wie auch Carry. Lea war allerdings um einige Zentimeter kleiner als Carry, also hatte die Leitplanke ihren Kopf komplett durchbohrt und Stücke ihres Gehirns klebten an dem Ende, das hinten herausragte. Er weinte noch mehr und schloss seine Augen. In seinen Gedanken sah er sich mit Lea bei ihrem ersten Date, vor über einem halben Jahr, wie die beiden ein Picknick machten und sich zum ersten Mal küssten. Er sah nun an sich herab und bemerkte zuerst, dass Stücke von Leas Gehirn an seinem Shirt hingen. Angewidert davon verzog er das Gesicht und ein kehliger Aufschrei entglitt ihm. Er versuchte sich erneut weiter zu bewegen, um wenigstens sein linkes Bein wieder zu spüren. Es geschah nichts. Es war wie gelähmt. Doch der Ausdruck ‘gelähmt’ traf es nicht ganz. Sein linkes Bein lag zur Hälfte noch im Fahrzeug-Wrack. Unterhalb der Kniescheibe fehlte es an seinem Körper. Erneut schrie er auf, als er dies bemerkte. So viel Blut, wie er im Moment verlor, hatte er noch nie gesehen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast