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Kinder, Kinder

von Tilajasar
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Dinah Greaseball Pearl Rusty
09.02.2018
10.04.2018
9
14.835
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10.04.2018 1.336
 
Die Sonne stand schon tief am Himmel als aus der Ferne ein Pfeifen zu hören war. Rusty bremste und drehte sich zu Pearl um. „Das müssen sie sein.“
„Na hoffentlich“, entgegnete sie leicht genervt.
„Ach, komm schon, mach ihnen keine Vorwürfe. Sie sind jung und wollen Spaß haben.“
Pearls Gesichtsausdruck ließ keinen Zweifel an dem, was sie dachte. „Sie können gern so viel Spaß haben wie sie wollen, solange sie sich an die Abmachungen halten. Und die besagten heute, dass sie Punkt achtzehn Uhr zurück sein sollten.“
Rusty ersparte es sich anzuführen, dass eine viertel Stunde ja noch keine wirkliche Verspätung war, wusste er doch, dass Pearl ihm auch da wieder widersprechen würde. Daher drehte er sich nur wortlos um und schaute den herannahenden Zügen entgegen.

So schnell wie sie fuhren, schienen sie wieder einmal ein Rennen zu machen. Und obwohl sie gut einen Kopf kleiner war und zudem noch ihre Schwester zog, lag die Diesellok vorn. Aber die Dampflok schien aufzuholen.
„Schneller, überhol sie!“, rief Rusty so laut er konnte.
„Sag mal, auf wessen Seite stehst du?“, fragte Pearl. Rusty sah sie verwundert an. Das sollte sie doch wissen. Auch wenn er ihre Kinder mochte, würde er immer seinem Sohn den Sieg wünschen.

Jetzt setzte der tatsächlich zum Überholen an. Aber die Diesellok zog zur Seite rüber und ließ ihn nicht vorbei und ihre Schwester streckte ihm die Zunge heraus. Dann musste der Diesel auch schon bremsen, denn er war auf seine Mutter aufmerksam geworden, die mit in die Hüften gestemmten Armen und einem vorwurfsvollen Blick neben den Gleisen stand.

Aber als er zum Stehen kam, richtete er zuerst das Wort an Rusty. „Das war unfair, warum feuerst du den da an?“ Er deutete auf die junge Dampflok, die inzwischen auch schwer atmend angehalten hatte.
„Ich…“, begann Rusty sich zu verteidigen, aber ihm fiel gar keine plausible Begründung für sein Verhalten ein. Er hatte auch keine Chance weiter darüber nachzudenken, denn der junge pinke Personenwagen jammerte: „Stimmt, du solltest uns doch anfeuern. Wir sind deine Kinder, nicht der da!“
„Aber…“ Rusty wusste nicht was er sagen sollte und schaute nur hilflos zwischen den vorwurfvollen Kindergesichtern hin und her. Dann fiel sein Blick auf die junge Dampflok. Sie sah ihm noch ähnlicher als sie es als Baby getan hatte. Damals hatte er immer so viel gelacht. Das tat er jetzt nur noch selten. Und auch in diesem Moment wandte er den Blick zu Boden und rollte mit den leisen Worten: „Ich fahr dann mal nach Hause“, an ihnen vorbei. Rusty wollte ihm hinterherrufen, ihm irgendeine Ermutigung mit auf den Weg geben, aber da war sein Sohn schon verschwunden.

„Hey, Rusty!“ Pearls Stimme holte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. Er schaute zu ihr aber auch sie stand nicht mehr neben ihm, sondern war mit ihren Kindern rechts und links an der Hand bereits wieder auf dem Weg zurück zum Bahnhof.
„Wartet!“, rief er ihnen nach, aber keiner der drei reagierte.
„Hey, Rusty!“ Da war wieder Pearls Stimme und er spürte, dass ihn jemand berührte. „Wach auf!“

„Du hast Nerven, hier einfach einzupennen!“ Das war Greaseballs Stimme.

Rusty öffnete die Augen und blinzelte in die helle Sonne, vor der sich die Konturen von Greaseball und Dinah abhoben. Er fühlte sich unheimlich erleichtert, dass sich doch noch nicht alles so entwickelt hatte, wie in seinem Traum. Neben ihm lag noch immer das fröhliche Baby und lachte seiner Mutter entgegen. Vorsichtig nahm Rusty es auf und reichte es Dinah. „Entschuldigt, ich wollte ihn eigentlich gleich wieder zurückbringen“, sagte er leise.
„Das will ich doch hoffen, sonst überleg ich mir das mit dem Besuchsrecht noch mal“, gab Greaseball zurück und legte einen Arm um Dinah. Hätte Rusty es nicht besser gewusst, hätte er vermuten können, dass sich der Diesel tatsächlich um das Baby gesorgt hatte.

„Greaseball hat mir erzählt, dass ihr euch geeinigt habt, dass du ihn ab und zu nehmen darfst“, richtete Pearl jetzt das Wort an ihn. „Das freut mich.“ Allerdings klangen ihre Worte gar nicht so, als würde sie das wirklich so meinen.
„Pearl, ich…“, begann Rusty und verstummte. Zwei gelb-schwarze Gestalten näherten sich ihnen. „Die Trax“, flüsterte Rusty. Was wollten die denn hier? Hatte Greaseball nicht gesagt, er würde die Anzeige zurücknehmen? Er suchte den Blick des Diesels, aber der schien genauso verwundert über das Herannahen der Streckenposten zu sein wie er.

„Greaseball“, begann jetzt Dinah aufgeregt zu flüstern, „du hast Papa doch gesagt, was wir abgesprochen hatten, oder?“
„Na klar“, nickte der Diesel. In diesem Moment kamen die beiden Trax zum Stehen. Ernst schauten sie auf Rusty. Er griff Pearls Hand, drückte sie fest und sah ihnen unsicher entgegen. Doch die Trax drehten sich schon zu Greaseball um, der jetzt auch nicht mehr so selbstsicher wie üblich dreinblickte.

„Rusty, Greaseball“, begann der ältere von beiden mit ernster Stimme, „ihr wisst schon, dass heute kein Feiertag ist.“ Und der andere fügte hinzu: „Papa hat uns beauftragt euch zu suchen. Ihr hättet schon vor einer viertel Stunde auf Tour gehen sollen. Fracht- und Personenwaggons warten. Also seht zu, dass ihr in den Bahnhof zurückkommt.“
„Sonst gibt’s ’ne Verwarnung!“, ergänzte der andere drohend und gemeinsam entfernten sie sich langsam.

Rusty war ein Stein vom Herzen gefallen, als er die Worte der Trax gehört hatte, obwohl es ihm ja schon ein wenig peinlich war dass er total vergessen hatte, dass er auch noch eine Aufgabe zu erfüllen hatte. Aber da war er offenbar nicht der Einzige gewesen. Auch Greaseball schien es für wichtiger empfunden zu haben ihn und das Baby zu suchen, als seine Tour anzutreten.

„Da dann wollen wir die Jungs nicht länger warten lassen“, meinte Greaseball. Dinah nickte und sie fuhren los.

Rusty wartete, bis Pearl sich angekuppelt hatte. Aber bevor er startete, meinte er noch über die Schulter: „Hör zu, es tut mir leid, aber ich musste es Greaseball sagen, sonst hätte er dem Kleinen was angetan.“
„Wie kommst du auf sowas?“, fragte Pearl überrascht. „Das würde er niemals tun! Frag doch mal Dinah, wer nachts aufsteht und den Kleinen beruhigt, wer ihn im Depot umherfährt und ihm Schlaflieder vorsingt.“
„Nein…“, meinte Rusty. Das konnte er nicht glauben.
„Tja“, Pearl zuckte mit den Schultern. „Du bist vielleicht nicht der einzige gute Vater hier.“ Und während Pearl ihn schon drängte jetzt endlich zurückzufahren, überlegte Rusty noch, wie er das wohl alles zu verstehen hatte.

Würde am Ende vielleicht doch all das was so katastrophal begonnen hatte, auf ein gutes Ende hinauslaufen? Würde sein Sohn vielleicht doch von Greaseball anerkannt und gleichberechtigt zu seinen eigenen Kindern aufwachsen? Würden dann vielleicht eines Tages, alle drei gemeinsam spielen, anstelle gegeneinander zu kämpfen? Rusty hoffte es sehr, aber er konnte nicht in die Zukunft sehen. Er wusste nur, dass er alles tun würde, um den dreien ein harmonisches gemeinsames Aufwachsen zu ermöglichen.

*** Ende ***

Das Ende kommt vielleicht etwas überstürzt und ich kann mir gut vorstellen, dass ihr mehr erwartet habt, aber inhaltlich ist alles erzählt, was ich erzählen wollte.

Der Gedanke Rusty mit dem Baby verschwinden zu lassen, war natürlich reizvoll aber nicht umzusetzen. Wie Lacrima schon im Review meinte, wo sollten sie denn hin? Und wo hätte das die Story hingetragen? Das hätte ich nie und nimmer ohne Spannungsverlust und mit Happy End (was ich mir ja für diese Geschichte schon gewünscht hatte) auflösen können.

Das Ganze war ja auch, wie ich eingangs schon erwähnte, mehr so eine Idee und ich habe sie sozusagen ausgeschrieben, um die Auflösung zu erfahren.

Da es mir dabei hauptsächlich um die Beziehungen rund um Rusty ging, kam mir beim Schreiben auch gar nicht in den Sinn Konfrontationsszenen Dinah-Greaseball oder Dinah-Pearl zu verfassen. Angeregt durch die Erwartungshaltung meiner treuen Reviewer Fuchs und Lacrima habe ich zwar noch einmal darüber nachgedacht Szenen dazuzuschreiben, aber mich dann doch dagegen entschieden. In meiner Vorstellung bewahren sowohl Pearl als auch Greaseball Dinah gegenüber Stillschweigen. Richtig interessant wird es dann bei der Geburt der Zwillinge. Aber das wäre ja eine andere Geschichte.

Ich hoffe diese hat euch dennoch gefallen und bedanke mich fürs Lesen!

Eure Tilajasar
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