Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Kinder, Kinder

von Tilajasar
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Dinah Greaseball Pearl Rusty
09.02.2018
10.04.2018
9
14.835
2
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
02.04.2018 2.004
 
Am nächsten Morgen wurde Rusty unsanft von einem heftigen Klopfen geweckt. Sofort war er hellwach und schaute erschrocken zur Tür. Waren das etwa schon die Trax. Verdammt, er wollte doch vorher noch mit Pearl reden. Als er am Abend Papas Depot verlassen hatte, hatte in ihrem kein Licht mehr gebrannt. Daraufhin hatte er beschlossen sie nicht mehr aufzuwecken und war in sein eigenes Depot gefahren, wo er aber lange keinen Schlaf gefunden hatte. Denn Papa war nicht so überzeugt gewesen, dass die Aussage seines besten Freundes ihm helfen würde. Wieder schlug jemand heftig gegen die Tür. „Moment!“, rief Rusty, stand so schnell er konnte auf und machte sich fertig. Dann rollte er zögerlich zur Tür und öffnete.

Sofort drückte Greaseball die Tür auf und drängte sich hinein. „Hey, was soll das?“, rief Rusty überrascht, aber Greaseball stand schon im Raum und alles was er noch tun konnte, war die Tür wieder zu schließen.

„Hör zu du Schrotthaufen“, begann der Diesel in wütendem Ton. „Dinah ist bereit ihren Vorwurf zurückzunehmen aber nur unter einer Bedingung!“
Rusty starrte ihn an. Er konnte nicht glauben, was er gerade gehört hatte. Das wäre ja fantastisch. Egal was die Bedingung war, er würde das Angebot auf jeden Fall annehmen. Wobei… wenn sie von Greaseball kam… „Was für eine Bedingung?“, fragte er misstrauisch.
Jetzt begann der Diesel zu grinsen. „Du mischst dich nicht in unsere Familienangelegenheiten ein und hältst dich von meinem Sohn fern!“
„Aber er ist nicht…“
„Er ist mein Sohn oder gibst du zu, dass du dich an Dinah vergriffen hast?!“
„Nein, aber…“
„Das will ich hoffen. Denn wenn du anfängst das Gerücht zu verbreiten, dass der Test falsch war, könnte es sein, dass dem Zwerg was passiert.“
Rusty war entsetzt. „Du…du würdest dem Kleinen was antun?“ Die Vorstellung war so ungeheuerlich. Aber Greaseball grinste nur. „So ’ne kleine Dampflok ist doch bestimmt noch sehr empfindlich. Kann schnell mal passieren, dass sie irgendwo runterfällt.“
„Greaseball! Der Kleine ist doch unschuldig! Und er ist auch Dinahs Sohn.“
„Glaubst du das weiß ich nicht?“, fuhr der Diesel ihn an. „Aber er sollte auch mein Sohn sein! Du hast alles kaputt gemacht! Dinah und ich sollten jetzt glückliche Eltern sein aber stattdessen muss sie diesen Bastard aufziehen. Aber glaub mir, das bekommt er zu spüren! Solange er noch auf ihre Hilfe angewiesen ist, bleibt er bei uns aber wenn er groß genug ist, steck ich ihn ins Heim!“    
„Das kannst du nicht machen!“, entfuhr es Rusty. „Er kann doch nichts dafür!“
„Nein, aber du sehr wohl. Und ich weiß, dass er dir was bedeutet. Caboose meint, es würde effektiver sein den Kleinen leiden zu lassen als dich zu verprügeln. Offenbar hat er recht.“ Er grinste.

Rusty konnte nur ungläubig den Kopf schütteln. Darum ging es Greaseball also. Er wollte ihm eins auswischen, auf Kosten des unschuldigen Babys. Das war so unfair. Aber einen Trumpf hatte er noch im Ärmel, auch wenn es vielleicht nicht an ihm war ihn auszuspielen. Wobei, im Interesse des Kleinen musste er alle Mittel einsetzen. Entschlossen sah er Greaseball an.
„Wenn du den Kleinen gerecht behandelst, werde ich auch deine Kinder wie meine aufziehen.“
Wie erwartet schaute Greaseball ihn verdattert an. „Ich habe keine Kinder.“
„Noch nicht“, entgegnete Rusty, „aber bald. Pearl erwartet Zwillinge.“
„Was?!“ Dem Diesel blieb der Mund offen stehen. „Und du meinst die sind von mir?“
„Pearl ist sich sicher. Leider.“
„Oh…. das ist… überraschend.“
Rusty nickte. Ja, das hatte er auch so empfunden, allerdings schien sich Greaseball im Gegensatz zu ihm, nach der anfänglichen Überraschung, wirklich zu freuen. Er grinste plötzlich zufrieden. „Ich und Pearl sind ein super Paar. Meine Stärke und ihre Schönheit. Das müssen tolle Kinder werden!“
„Also, lässt du Dinahs Sohn zufrieden?“, hakte Rusty nach.
„Was?“, fragte Greaseball als wäre er mit seinen Gedanken ganz woanders. „Ach der… keine Ahnung. Wenn du mir keinen Ärger machst.“
„Also darf ich den Kleinen auch besuchen?“
Greaseball musterte ihn abschätzend und rollte dann zur Tür. „Na von mir aus. Aber vielleicht überleg ich mir das noch mal anders. Jetzt muss ich erstmal zu Pearl!“
„Nein, warte!“, rief Rusty ihm hinterher, aber Greaseball war schon zur Tür hinaus. Rusty fuhr ihm ein paar Meter hinterher, entschied sich dann aber ihn nicht weiter zu verfolgen. Er konnte jetzt sowieso nichts mehr ungeschehen machen.

Sein Blick fiel auf einen Waggon, der in der Ferne gerade zwischen den Depots verschwand. Das war Dinah mit dem Kleinen. So schnell er konnte fuhr er ihr hinterher. Zwischen Greaseball und Pearl gab es mit Sicherheit einiges zu klären, das würde ihm Zeit verschaffen mit Dinah zu reden.
„Dinah, warte!“, rief er ihr hinterher. Doch sie schien ihn nicht zu hören. Erst als er neben ihr bremste, hielt sie an. „Hallo Rusty“, sagte sie leise, ohne ihn anzusehen.
Eigentlich hatte er angenommen zumindest ein bisschen sauer zu sein, dass sie ihn in so eine unangenehme Situation gebracht hatte, aber als er in die wachen Augen ihres kleinen Sohnes schaute und der ihn sofort anlächelte, waren all seine negativen Gefühle wie weggeblasen. „Hallo mein Kleiner“, flüsterte er, „erkennst du mich noch?“ Als würde das Baby ihn verstehen, lächelte es wieder.

„Rusty, es tut mir leid“, sagte Dinah jetzt kleinlaut. „Ich wollte das alles nicht. Aber Caboose hat mir so überzeugend erzählt, was in der Nacht geschehen ist, dass ich ihm geglaubt habe. Und dann ist Greaseball dazugekommen und hat gesagt, wenn ich das für mich behalte, verlässt er mich wieder. Was hätte ich denn da tun sollen?“
„Du hättest mit mir reden können“, erwiderte Rusty ohne den Blick von seinem Sohn abzuwenden.
„Ich hätte nichts lieber getan als das. Aber Greaseball…“ Dinahs Stimme brach und als Rusty sie ansah, sah er wie sie mit den Tränen kämpfte. „Er… meinte du würdest… nur alles abstreiten…“, schluchzte sie. Augenblicklich fing auch das Baby an zu jammern. „Würdest… du ihn kurz nehmen? Ich… ich muss mir ein Taschentuch holen.“ Ohne seine Reaktion abzuwarten drehte Dinah sich um und fuhr davon. Rusty schaute den Kleinen an, dann wieder Dinah hinterher. Eigentlich war es gar nicht gut, wenn er jetzt hier von Greaseballs Jungs mit dem Baby gesehen wurde. „Ich nehme ihn mit raus!“, rief er deshalb Dinah hinterher.

Das kleine Würmchen jammerte immer noch und so beeilte sich Rusty schnell mit ihm raus aus dem Bahnhof zu kommen, damit er schneller fahren konnte und der Kleine sich beruhigen würde. Er würde ihn ja auch dann gleich zurückbringen. Wie er aber so mit dem bald wieder neugierig dreinschauenden Kerl über die Gleise fuhr, merkte er, dass er ihn eigentlich gar nicht so schnell wieder seiner Mutter übergeben wollte. Wer wusste schon, wann er das nächste Mal alleine mit ihm Zeit verbringen konnte? Es war nicht auszuschließen, dass Greaseball es sich anders überlegen und ihm den Zugang zu seinem Sohn wieder verweigern würde.

Er bremste und schaute sich nach dem Bahnhof um, der in nicht allzu großer Entfernung hinter ihm lag. Die Sonne ging dahinter gerade auf aber dennoch war es schon angenehm warm. Nur ein paar Minuten. Entschlossen trat er vom Gleis. Er breitete die Decke, in die das Baby gehüllt war, aus und legte es vorsichtig darauf. Sofort begann der Kleine aufmerksam hin und her zu gucken. Rusty setzte sich neben ihn und strich ihm sanft über die Wange. „Na mein Kleiner, hast du noch nie auf einer Wiese gelegen? Dann wird es aber Zeit.“ Er lächelte und das Baby lächelte zurück. Das war zum Dahinschmelzen. „Papa kann dir noch viel mehr zeigen, schau!“ Er riss eine Grasblüte ab und hielt sie dem Kleinen vors Gesicht. Augenblicklich wirkte er hochkonzentriert und schien genau zu beobachten, was sich da vor ihm hin und her bewegte. Rusty musste lachen und begann ihm mit der Blüte über Stirn und Wangen zu streichen. Das Baby gluckste vor Freude. „Ist das lustig, ja? Wir könnten so viel Spaß zusammen haben.“ Er ließ die Blühte sinken und sein Blick verlor sich in der Ferne. Das Baby gab ein enttäuschtes Geräusch von sich aber Rusty nahm es kaum wahr. Er musste plötzlich wieder an das wohl wahrscheinlichste Zukunftsszenario denken. Sein Sohn würde unter Greaseballs strenger Hand aufwachsen und schon von klein auf drangsaliert werden. Welche Chance hatte Rusty schon ihm ein schönes Leben zu ermöglichen? Vielleicht würde es besser werden, wenn Pearl Greaseballs Kinder zur Welt brachte. Aber dennoch würde der Kleine bei Greaseball wohnen müssen, sich tagein, tagaus abfälliges Gerede über Dampfloks anhören müssen. Das war so ungerecht! Wie gern würde er ihm helfen. Und eigentlich war das ja auch seine Pflicht. Als Vater musste er dafür sorgen, dass es dem Kleinen gut ging.

„Wollen wir einfach verschwinden?“ Er sah das Baby an aber natürlich gab es keine Antwort. Es lächelte nicht einmal. Im Gegenteil, Rusty bemerkte, dass es sehr ernst guckte und ganz leicht zitterte. „Oh, ist dir kalt?“, fragte er erschrocken. „Warte, Papa wärmt dich.“ Er legte sich ganz dicht neben ihn und hüllte ihn mit seinen Armen ein. Das Baby gab ein zufriedenes Geräusch von sich und auch Rusty musste lächeln. „Besser, ja?“ Er kuschelte sich noch ein Stück näher an den Kleinen heran und schloss die Augen. Dieser Moment sollte ewig währen.

---

„So, Rusty hat dir das gesagt.“ Pearl sah ihn durchringend an, als glaube sie ihm nicht. Deshalb beeilte sich Greaseball noch einmal kräftig zu nicken. Daraufhin senkte Pearl den Blick und schwieg.
Greaseball wurde ungeduldig. Er hatte doch nicht minutenlang Smalltalk betrieben, um dann keine Antwort auf seine eigentliche Frage zu bekommen.
„Also was ist jetzt, stimmt das?“, wiederholte er sie deshalb noch einmal mit Nachdruck. So langsam kam ihm der Verdacht, dass Rusty ihn angelogen haben könnte, um an seinen Sohn heranzukommen. Na dann konnte er was erleben!

Hatte Pearl eben mit den Schultern gezuckt oder hatte er sich das nur eingebildet? Sie sollte endlich mal den Mund aufmachen. So schwer konnte doch die Antwort nicht sein. Vielleicht sollte er es anders versuchen. „Hör zu, Pearl, das bleibt auch unter uns.“
Jetzt sah sie ihn zweifelnd an und seufzte dann. „Wenn er es sowieso schon rumerzählt, ist es auch egal. Ja, ich glaube es stimmt.“
„Wow!“, entfuhr es Greaseball. „Das ist ja großartig! Komm, das müssen wir feiern!“ Er hielt ihr auffordernd die Hand hin. Aber Pearl sah ihn nur verständnislos und leicht entrüstet an. „Sag mal spinnst du? Was gibt’s da zu feiern?“ Er sah, dass sich Tränen in ihren Augen formten. Aber ohne ihm die Chance auf eine Erklärung zu geben, drehte sie sich um, rollte ins Bad und schloss die Tür ab. Was sollte das denn jetzt? Einen Moment überlegte Greaseball, ob er warten sollte, bis sie sich wieder beruhigt hatte, aber eigentlich hatte er alles erfahren, was er wissen wollte. Sein Blick fiel auf den kleinen Tisch, wo ein Brief ähnlich dem, den er von Wrench bekommen hatte, lag. Schnell nahm er ihn in die Hand und überflog die Zeilen. Verdammt. Pearl wusste es schon. Aber spielte das jetzt noch eine Rolle? Jetzt, wo sie seine Kinder erwartete? Er steckte den Brief ein und verließ das Depot.

Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, hörte er schon Dinahs aufgeregtes Rufen. Leicht genervt rollte er ihr entgegen. „Was gibt’s denn?“
„Greaseball, … der Kleine…“ Sie war ganz außer Atem. „…Rusty hat…“
Sofort wurde Greaseball hellhörig. „Was hat Rusty?“
Dinah sah ihn aus tränengefüllten Augen an. „Rusty hat ihn mitgenommen und ich kann sie nirgends finden!“
„Was?!“, brüllte Greaseball. „Wieso hat er ihn mitgenommen? Hast du ihn ihm gegeben? Ich habe dir doch verboten ihn an das Baby zu lassen. Da siehst du was du davon hast!“
Dinah schlug die Hände vors Gesicht und weinte herzzerreißend. Jetzt tat sie Greaseball fast ein wenig leid. Aber er war zu sauer um auf sie einzugehen. „Wo ist er langgefahren?“ Seine Frage klang aggressiver als er es beabsichtigt hatte. Dinah deutete vage in eine Richtung.

„Was ist denn los, Dinah?“, hörte er jetzt Pearls Stimme hinter sich. „Ist was passiert?“
Greaseball drehte sich wütend zu ihr um. „Das kannst du wohl laut sagen. Dein guter Rusty hat unseren Sohn entführt!“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast