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Kinder, Kinder

von Tilajasar
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Dinah Greaseball Pearl Rusty
09.02.2018
10.04.2018
9
14.835
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21.03.2018 1.306
 
„Pearl, du glaubst wirklich, dass ich Dinah vergewaltigt habe?“ Er war noch immer fassungslos über das, was Pearl gerade gesagt hatte.
„Ach, Rusty, du warst betrunken, sie war betrunken, ich war nicht dabei. Ich weiß nicht was passiert ist. Das ist doch nur eine Auslegungssache. Wer wollte und wer nicht. Alles was ich weiß ist, dass du sehr spät nach Hause gekommen bist. Und dann bist du sofort eingeschlafen, obwohl wir eigentlich noch was anderes vorgehabt hatten.“ Sie lächelte kurz.

Rusty schwieg. Was hätte er auch sagen sollen. Pearl schien sauer auf ihn zu sein, vermutlich mit Recht. „Es tut mir leid, wenn da was passiert ist, wirklich! Du musst mir glauben, dass ich das nie gewollt habe.“
„Aber es ist nun mal passiert“, gab sie resigniert zurück und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Und jetzt drehen sie mir einen Strick daraus. Pearl, weißt du, was passiert, wenn ich nicht glaubhaft belegen kann, dass ich unschuldig bin?“ Er sah sie erwartungsvoll an aber sie schaute weiterhin auf ihre Hände. „Dann darf ich nie wieder fahren.“ Seine Stimme zitterte. „Du… du weißt, was das bedeutet?“
Sie sah ihn traurig an. „Das hättest du dir vorher überlegen müssen.“
„Ach!“, gab er wütend von sich und stand auf. Pearl wollte ihn nicht verstehen.

„Wo willst du hin?“, rief sie ihm hinterher als er zur Tür rollte. Aber er konnte nichts mehr erwidern. Wortlos verließ er das Depot und knallte die Tür hinter sich zu. Pearl verhielt sich so unfair. Dabei war sie die einzige, auf die er noch Hoffnungen gesetzt hatte. Was sollte er denn jetzt noch tun? Er rollte auf den großen Platz und schaute sich hilfesuchend um. In einigen Depots war schon das Licht gelöscht worden. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit. Sollte er doch noch einmal versuchen an Dinah ranzukommen? Aber das würde er nicht schaffen. Eigentlich gab es jetzt nur noch einen, mit dem er reden konnte und der würde ihm sicher nicht helfen. Im Moment jedoch war Rusty so verzweifelt, dass er bereit war, alles zu versuchen.

Schnell rollte er zu Cabooses Depot und schlug gegen die Tür. Drinnen brannte Licht und er sah die Bewegungen eines Schattens, der Bremswagen war also da. Aber auch nachdem Rusty ein zweites Mal geklopft hatte, rührte sich drinnen nichts.

„Caboose!“, rief Rusty und klopfte wieder. „Mach auf! Ich muss mit dir reden!“
Nichts. Rusty schlug mit zunehmender Verzweiflung an die Tür. „Mach auf! Bitte!“ Wenn er auch Caboose nicht zum Einlenken bewegen könnte, war er erledigt. Selbst wenn Pearl es sich noch mal überlegte und zu ihm hielt, sie war keine Zeugin. Und Caboose war ein überzeugender Lügner. Gegen ihn hatte er keine Chance. „Caboose! Verdammt! Mach auf!“, brüllte er noch einmal. Noch immer regte sich nichts. Rusty spürte, wie sich seine Hoffnung aus der Geschichte heil rauszukommen von einer zur anderen Sekunde in Rauch auflöste. Er wandte sich von der Tür ab und ließ sich auf den Boden sinken.

Alles war verloren. Morgen früh würden die Trax kommen und ihn holen. Dann würde er nie wieder mit Pearl fahren können, nie wieder den süßen Kleinen sehen. Natürlich könnte er auch einfach hier und jetzt verschwinden, aber das käme ja einem Schuldgeständnis gleich und außerdem, wo sollte er denn hin? Verzweifelt starrte er auf den dunklen Boden. Er merkte gar nicht, wie sich jemand langsam näherte.

„Rusty? Alles in Ordnung?“, hörte er plötzlich eine vertraute Stimme neben sich. Er sah auf und schaute in das besorgte Gesicht von Dustin.
„Du hast eben so laut geschrien, da dachte ich, ich guck mal, was los ist.“
Rusty nickte aber Dustin machte keine Anstalten sich zu entfernen. „Was wolltest du denn von Caboose?“, fragte er stattdessen neugierig.
Rusty seufzte und richtete den Blick wieder zu Boden. Er hatte jetzt überhaupt keine Lust zu versuchen Dustin sein Problem begreiflich zu machen. „Nichts Wichtiges“, sagte er leise.
„Das klang aber nicht so“, meinte Dustin und schwieg einen Moment. „Erzähl mir ruhig, wenn dich was bedrückt. Vielleicht kann ich helfen.“
Rusty schaute zu ihm auf. Dustin lächelte, als könne er allein dadurch seine Laune verbessern. Wenn es doch nur so einfach wäre. „Ach, Dustin“, begann er. „Ich glaube ich habe großen Mist gebaut.“
„So?“ Dustin zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe. „Warte, ich setz mich erstmal.“ Er ließ sich neben Rusty auf den Boden plumpsen und schaute ihn dann erwartungsvoll an. „Jetzt kannst du weitererzählen.“

„Erinnerst du dich an meinen letzten Geburtstag? Bis zum Nachmittag warst du doch noch dabei.“
Dustin überlegte angestrengt aber dann fiel ihm plötzlich etwas ein, denn er rief aufgeregt: „Ja, jetzt weiß ich’s wieder. Dinah hatte so eine leckere Schoko-Torte gemacht, die aussah, als wäre sie verrostet. Da hatte Greaseball doch was Böses gesagt und durfte dann kein Stück davon kriegen.“
„Wirklich?“ Daran konnte er sich gar nicht erinnern.
„Ja, und dann gab’s noch so viele leckere Küchlein und ich hatte danach so dolle Bauchschmerzen, dass ich nach Hause musste. Aber das wolltest du gar nicht wissen, oder?“
Rusty musste kurz lächeln. Nein, das wollte er wirklich nicht wissen. „Schon ok. Schön, dass du dich noch an den Nachmittag erinnerst. Ich wünschte, ich würde mich an die Nacht erinnern.“
„Da hast du doch bestimmt nur geschlafen, wie wir alle.“
„Ja, irgendwann schon, aber davor muss noch was passiert sein.“
Dustin schaute ihn neugierig an. „Was denn? So wie du das sagst, muss es was Schlimmes gewesen sein.“
„Ach, Dustin. Ich hatte ein bisschen viel mit den Mädchen getrunken und als sie dann nach Hause wollten, habe ich sie gezogen. Ich erinnere mich noch, dass ich Buffy und Ashley abgesetzt habe. Dann hab ich wohl Dinah zu ihrem Depot gebracht… und…“
„Oh“, machte Dustin plötzlich. „Daran kannst du dich nicht erinnern? Du weißt nicht mehr, wie du mit ihr rumgealbert hast und wie ihr dann übereinander gestolpert und einfach liegengeblieben seid?“
„Woher weißt du das?“, fragte Rusty fassungslos.
„Oh, ich… ich… war draußen, wegen der frischen Luft, …wegen der Bauchschmerzen. Tut mir leid, ich weiß, dass man das nicht macht, aber ich habe euch beobachtet.“ Seine Stimme nahm plötzlich einen ängstlichen Ton an. „Ich hoffe du kriegst jetzt keinen Ärger wegen mir. Caboose hat gesagt, ich darf niemandem erzählen, was ich gesehen habe, auch dir nicht, sonst kriegst du Riesenärger.“
„Caboose hat uns auch beobachtet?“ Das wurde ja immer besser.
„Weiß ich nicht genau. Er ist mir in den Weg gefahren, als ich wieder in mein Depot wollte und hat gesagt, dass ich niemandem erzählen darf, was ich gesehen habe.“
„Okay“, sagte Rusty langsam. Eigentlich wollte er es gar nicht wissen, aber er musste doch die entscheidende Frage stellen. „Und was genau hast du gesehen?“
„Oh, das war sehr seltsam. Als ihr übereinander lagt habt ihr plötzlich gar nicht mehr gelacht. Es war zu dunkel um viel zu erkennen. Zuerst dachte ich ihr seid verletzt, weil es plötzlich so still war, aber dann hast du dich bewegt und Dinah hat angefangen so komische Geräusche von sich zu geben und dann hast du…“
„Ok, ok, du musst nicht weiter ins Detail gehen. Aber hattest du den Eindruck, dass ich etwas getan habe, was Dinah nicht wollte… dass ich ihr… wehgetan habe?“
Dustin schien zu überlegen, was er damit meinte. „Nein“, sagte er schließlich. „Es schien eher so, als ob du lieber aufhören wolltest…“ Er lächelte ein wenig peinlich berührt. „…. zumindest am Anfang.“
„Dustin, ich könnte dich umarmen!“, rief Rusty voller Freude und stand auf.
Dustin schaute ihn verständnislos an. „Wenn dir das hilft...“ Rusty musste lachen. „Komm, du musst Papa erzählen, was du mir gerade gesagt hast.“
„Aber…“, begann Dustin, während er sich schwerfällig erhob. „Bekommst du dann nicht Riesenärger, wenn das alle erfahren?“
„Nein“, lachte Rusty, „im Gegenteil.“

Als die beiden sich entfernt hatten, trat Caboose vom Fenster zurück und begann zu überlegen, wie er mit der neuen Situation umzugehen hatte.
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