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Kinder, Kinder

von Tilajasar
GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Dinah Greaseball Pearl Rusty
09.02.2018
10.04.2018
9
14.828
2
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.02.2018 1.687
 
Diese Geschichte ist vor ein paar Monaten recht spontan und ungeplant entstanden. Nachdem ich immer mal wieder auf Geschichten gestoßen bin, in denen die Züge Kinder bekommen, stand für mich eigentlich fest, dass ich über sowas nie schreiben würde, einfach weil sie dann für mich zu wenig Zug und zu viel Mensch sind. Dann habe ich aber doch mit meinem Vorsatz gebrochen, weil mir die erste Szene in den Sinn gekommen ist und ich neugierig war, wie sich davon ausgehend eine Geschichte entwickeln würde. Außerdem hatte ich auf Arbeit genügend Leerlauf, um zu schreiben. Also viel Spaß beim Lesen! Und vielleicht noch als Warnung: Das ist, anders als die Kurzbeschreibung vielleicht vermuten lässt, keine Komödie. Reviews sind herzlich willkommen. ^_^

***

Die Lampen im Gang strahlten ein unangenehm helles Licht aus. Es waren auch viel zu viele. Die Hälfte hätte auch für ausreichend Helligkeit gesorgt. Sich mit derartigen Gedanken ablenkend fuhr Greaseball nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit den Gang rauf und runter. Dabei bemerkte er immer wieder Dinge, die ihn störten. Zum Beispiel die Stühle, die völlig unnötiger Weise im Weg standen. Als ob jemand der hier wartete die Ruhe hätte, sich hinzusetzen. Er schnaubte und hielt vor der Tür, hinter der noch immer nur Dinahs wehklagende Stimme zu hören war. Wieder ertönte ein gedämpfter Schrei, gefolgt von Wrenchs beruhigenden Worten, woraufhin Dinah aber nur umso mehr schrie. Greaseball spürte, wie er wütend wurde. Dinah wollte ihn zwar nicht dabei haben, aber wenn das noch lange so weiterging, würde er reinfahren und das Kind eigenhändig aus ihr rausziehen. Das konnte doch nicht sein, dass sie so lange leiden musste, nur um ein Baby auf die Welt zu bringen. Mit einem wütenden Geräusch wandte er sich ab und fuhr wieder den Gang rauf und runter.

Dinah schrie jetzt in regelmäßigen Abständen. Er war froh, dass sie ihn zuvor gewarnt hatte, dass das passieren könnte, sonst wäre er jetzt noch mehr um ihr Wohlergehen besorgt gewesen. Aber trotzdem empfand er das alles als nicht richtig. Ein Kind zu zeugen war so einfach, warum war es so schwer es zur Welt zu bringen? War es dann vielleicht auch gar nicht so einfach es aufzuziehen, wie er sich das im Moment vorstellte? Nein, er verscheuchte den unschönen Gedanken. Dinah freute sich so auf das Baby und er eigentlich auch. Wenn er Glück hatte, würde es sogar eine Lok werden und er könnte ihr später alles beibringen, was sie können musste, um ein Champion zu werden. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht stellte er sich vor, wie der kleine Diesel neben ihm die Rennstrecke entlangsauste und dabei seinen Papa bewundernd ansah.

Wieder ertönte ein markerschütternder Schrei und dann plötzlich ein neues, viel höheres Geräusch. Greaseball bremste sofort und fuhr zur Tür. Es dauerte noch eine unerträgliche Weile bis sie geöffnet wurde. Dann schaute Wrench heraus. „Komm rein“, sagte sie tonlos.

Sofort rollte er hinter ihr her in den großen, hell erleuchteten Raum. Im Bett in der Mitte lag Dinah, noch immer schwer atmend. Ein seltsamer Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. Ihr Blick war auf das Bündel in ihrem Arm gerichtet. Das musste das Baby sein. Es war in ein Handtuch gewickelt, so dass er es kaum sehen konnte. Es gab jetzt auch gar kein Geräusch mehr von sich. Schlief es etwa schon wieder?

„Es ist ein gesunder Junge“, stellte Wrench sachlich fest. Greaseball warf ihr ein glückliches Lächeln zu während sie das Zimmer verließ, aber in ihrem Gesicht regte sich keine Miene. Auch Dinah schien noch viel zu erschöpft zu sein um sich richtig freuen zu können. Selbst als er jetzt näher heranrollte, schaute sie das Baby an, als könne sie noch nicht glauben, dass sie nun Eltern waren.

Greaseball hielt neben ihr, strich ihr eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Sie schoss die Augen und er richtete seinen Blick auf das Bündel neben ihr. Mehr als dunkle Haare und eine Nasenspitze konnte er leider nicht sehen. Vorsichtig griff er nach dem Handtuch und schob es ein wenig vom Gesicht des Jungen weg.
„Hallo mein…“
Fassungslos starrte er das Baby an. Ein paar Mal atmete er ein und aus und suchte nach einer anderen Erklärung als der offensichtlichen. Aber es gab keine. Wütend richtete er seinen Blick auf Dinah. „Das ist eine Dampflok!“ Er hatte so laut gesprochen, dass das Baby davon aufwachte und zu jammern begann. Aber das war ihm egal.
„Greaseball, ich verstehe das auch nicht“, flüsterte Dinah und Tränen rannen aus ihren Augen.
„Verkauf mich doch nicht für blöd!“, brüllte er jetzt. „Der sieht genauso aus wie Rusty!“
„Aber… ich habe nie…“
Doch er ließ sie nicht ausreden. „Lüg mich nicht an! Der Beweis liegt doch hier!“ Er deutete mit angewidertem Blick auf das jammernde Bündel. Am liebsten hätte er es genommen und gegen die Wand geschmissen. „Ich bin fertig mit dir!“, schleuderte er ihr entgegen, drehte sich um und fuhr so schnell er konnte hinaus.

Die neugierigen Blicke der versammelten Loks und Waggons trafen ihn, als er aus dem Gebäude rollte. Einige schauten irritiert und er hörte Fragen, was los sei, aber darauf achtete er nicht. Er wollte jetzt nur eins. In einer schnellen Bewegung fuhr er auf Rusty zu, holte aus und versetze ihm einen festen Schlag ins Gesicht. Die überraschte Dampflok taumelte nach hinten, verlor das Gleichgewicht und fiel. Pearl und die anderen Mädchen um ihn herum kreischten auf aber Greaseball setzte schon nach. Er zerrte ihn am Kragen nach oben und schrie ihm ins Gesicht: „Du verfluchtes Stück Schrott! Du…“ Er konnte seine Wut gar nicht in Worte fassen, also versetzte er ihm einfach noch einen Hieb in den Bauch, gefolgt von einem Kinnhaken, der Rusty endgültig zu Boden gehen ließ. Aber das war noch nicht genug!
„Hör auf!“, schrie Pearl neben ihm und versuchte ihn am Arm festzuhalten. Flat Top packte ihn an der anderen Seite. „Beruhige dich!“, rief er.
„Lasst mich los!“, brüllte Greaseball, schüttelte Pearl ab und versuchte sich auch aus dem Griff des Steinwaggons zu befreien, aber der hielt ihn erstaunlich fest. Eine Sekunde war Greaseball kurz davor auch ihm einen Faustschlag zu verpassen, aber inzwischen hatten sich auch schon Buffy und Ashley schützend vor Rusty gestellt und er konnte ja nicht alle niederstrecken.

„Was ist denn hier los?“, hörte er Papas Stimme und sah die alte Dampflok herankommen. Alle Augen richteten sich fragend auf Greaseball. Er holte noch ein paar Mal tief Luft und versuchte seine Wut unter Kontrolle zu bringen, aber das gelang kaum.
„Er ist einfach auf Rusty losgegangen!“, rief Buffy Papa zu.
Papa ging neben Rusty in die Knie. „Alles ok, mein Junge?“ Rusty versuchte zu nicken, während er sich die blutende Nase hielt.
Daraufhin richtete Papa wieder seinen Blick auf die Diesellok. „Greaseball?!“
Der Diesel stieß wütend die Luft aus. „Das was Dinah da geboren hat, ist nicht mein Kind. Es ist seins!“

Rusty glaubte sich verhört zu haben. Das konnte nicht sein! Warum behauptete Greaseball so etwas? Hilfesuchend schaute er zu Pearl. Aber sie starrte ihn nur an als wisse sie gar nicht, was sie denken solle. „Das kann nicht sein“, sagte er an sie gewandt.
„Ach nein!?“, brüllte Greaseball. „Dann fahr rein und überzeug dich selbst! Und dann geh mir aus den Augen oder du kannst was erleben!“ Er ballte die Fäuste, riss sich aus Flat Tops Griff los und raste davon.

Während die anderen ihm fassungslos hinterherstarrten, rollte Pearl schon in die Reparaturhalle hinein.
„Pearl!“, rief Rusty ihr hinterher aber sie hielt nicht an. So schnell er konnte, richtete er sich mit Papas Hilfe auf. Aber anstelle ihn dann loszulassen, zog die alte Dampflok ihn noch ein Stück zu sich heran. „Rusty, hör zu“, flüsterte er, „wenn du Mist gebaut hast, dann steh auch dazu.“
Entrüstet schüttelte Rusty den Kopf. „Ich habe nichts gemacht!“ Er löste sich von Papa und rollte, sich den Bauch haltend, langsam hinter Pearl her. Dabei merkte er sehr wohl, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren und nicht in allen sah er Mitgefühl. Aber Greaseball musste sich täuschen. Er wusste genau, dass er Dinah nie nahe gekommen war. Warum hätte er das auch tun sollen? Sie gehörte zu Greaseball und er hatte Pearl. Vielleicht hatte sie sich ja mal mit einer anderen Dampflok eingelassen, aber selbst dieser Gedanke war abwegig. Dafür liebte Dinah ihren Diesel doch viel zu sehr.

„Pearl! Es tut mir leid!“, hörte er Dinahs Stimme und kurz darauf kam Pearl um die Ecke gesaust. Sie bremste scharf vor ihm und schaute ihn mit einer Mischung aus Zorn und Verachtung an. „Wie konntest du nur?“, flüsterte sie. Aber noch ehe er etwas zu seiner Verteidigung vorbringen konnte, senkte sie schon den Blick und rollte an ihm vorbei.
„Pearl! Warte!“, rief er ihr hinterher. Er überlegte kurz, ob er ihr folgen sollte, aber sie schien so wütend zu sein, sie würde wahrscheinlich sowieso nicht mit sich reden lassen. Also schaute er ihr noch hinterher, bis die Tür hinter ihr zufiel, und rollte dann weiter.

Noch bevor er das Zimmer erreichte, hörte er Dinahs Schluchzen. Er klopfte leise an die Tür und rollte dann hinein. Sie sah nicht auf. Ihr Blick war auf das Bündel gerichtet, was leise jammernd vor ihr auf dem Bett lag. Rusty blieb stehen. Er wollte plötzlich gar nicht mehr näher herankommen.
„Dinah?“, fragte er leise. „Geht’s dir gut?“
Sie sah ihn aus tränenverquollenen Augen an und schüttelte den Kopf. „Komm her“, forderte sie ihn schluchzend auf.
Widerwillig setzte Rusty sich in Bewegung. Jetzt schaute er doch neugierig auf das kleine Ding, was da vor Dinah lag, und erschrak.
„Das ist eindeutig, oder?“, schluchzte Dinah. „Verdammt, Rusty, was haben wir gemacht?“
„Aber… das kann nicht sein. Ich… ich kann mich nicht erinnern, dass wir…“ Er sah verwirrt zu Dinah. „Wann soll das gewesen sein?“
Dinah wischte sich über die Augen und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es doch auch nicht. Aber es muss passiert sein, sonst wäre das hier Greaseballs Kind… oh Greaseball!“ Ihr Schluchzen wurde noch lauter und Tränenbäche rannen aus ihren Augen.
„Das tut mir leid“, murmelte Rusty, wobei er noch immer nicht überzeugt war, dass ihn irgendeine Schuld traf.
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