Das Gasthaus

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Colonel Robert E. Hogan Hans Georg Schultz Louis LeBeau Oberst Wilhelm Klink OC (Own Character) Wolfgang Hochstetter
08.02.2018
08.02.2018
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„Andrew bist du so weit? Wir müssen los, Elsa wartet,“ drängte Newkirk.

Es war gerade kurz vor 18:00 Uhr und Newkirk wartete ungeduldig neben Lebeau auf den trödelnden Amerikaner. Seit nun mehr 4 Wochen arbeiteten Sie vier Tage die Woche im Hammelburger Hofbräuhaus um die dortige Chefin, Elsa, zu unterstützen. Ihr Verlobter war im Westfeldzug gefallen und seitdem führte Sie das Gasthaus alleine.

„Komm ja schon.“

Es war November 1944 und verdammt kalt, langsam kam auch der erste Schnee. Sie brauchten etwa 30 Minuten zum Hofbräuhaus. Die Abende waren immer eine Abwechslung und sie konnten so auch für ein paar Stunden den Krieg vergessen. Kaum angekommen im Hofbräuhaus, empfang sie auch schon Elsa.

„Ach Jungs, was würde ich nur ohne euch machen,“ sagte Elsa und umarmte jeden der Männer.

„Schon gut Elsa, wir helfen doch gern,“ antwortete Newkirk. Es war damals seine Idee gewesen ihr zu helfen und er war froh Lebeau und Carter gleich dafür gewonnen zu haben. Nur Hogan war wenig angetan davon. Es war zu riskant in seinen Augen, womit er natürlich nicht unrecht hatte. Das Hofbräuhaus wimmelte nur so vor Soldaten und gelegentlich auch Gestapo, da dass örtliche Hauptquartier nur wenige 100 Meter entfernt lag. Sie trugen Zivil und hatten Papiere die sie als Fremdarbeiter auswiesen. Bisher aber hatten sie Glück gehabt, niemand hatte Interesse an ihnen gezeigt. Wer hier her kam wollte auch in erster Linie eine Auszeit vom Dienst und dem Krieg und sich nicht noch mehr Arbeit aufhalsen. Doch heute Abend sollte ihr Glück ein Ende haben.

Es war kurz nach 19 Uhr, das Gasthaus gut gefüllt und die drei Männer bester Laune. Eigentlich war alles wie immer. Carter servierte, Newkirk stand hinter der Bar und LeBeau in der Küche.

„Ach Elsa,“ Carter kam hinter die Bar, „darf ich dich mal was fragen?“

„Aber sicher Andrew.“

„Auf wen wartest du?“

„Bitte?“

„Carter hat recht,“ meldete sich Newkirk vom Zapfhahn. „Jeden Abend schaust du um die gleiche Zeit zur Tür und jeden Abend wirkst du gleichermaßen Enttäuscht.“

Elsa stellte die fertigen Getränke auf dasTablett und ein lächeln huschte über ihr Gesicht. „Auf einen...Freund. Er war länger nicht da...“

„Wie lange kommt er nicht mehr,“ fragte Carter.

„Fast 3 Wochen...vielleicht wurde er auch versetzt.“ Sie schenkte den beiden Männern ein lächeln, hob das Tablett an und ließ es im gleichen Moment wieder sinken. „Oder auch nicht,“ sagte sie mit Blick zur Tür.

Als Newkirk und Carter sich umdrehten sahen sie nur die Rückseite einer schwarzen Uniform und wechselten nervöse Blicke. „Keine Angst Jungs, euch passiert nichts.“ Sie reichte Carter ein Bier. „Bring ihm das bitte. Er ist nur hier um in Ruhe zu lesen.“

Carter nahm das Bier, ging zielsicher auf den besagten Tisch zu und stoppte in seiner Bewegung, als das Bier den Tisch berührte und der vor ihm sitzende Gast den Kopf hob. „Ach du scheiße....“ Es war Major Wolfgang Hochstetter der vor ihm saß und ihn geistesabwesend Musterte. Carter ließ das Glas los, aber bewegte sich nicht vom Tisch weg. „Ja...das ist jetzt etwas blöd...“

„Ach ist es das?“ Hochstetter sah von Carter zu dem Buch vor ihm und dann zurück zu dem Amerikaner. „Ich habe Feierabend...sie auch?“

„Ähh....nein..ich...“

„Gut, dann haben sie ja sicher noch genug zu tun,“ unterbrach Hochstetter ihn und widmete sich seinem Buch.

Carter blieb noch einen Moment stehen, nicht ganz sicher was er nun tun sollte, bevor er zurück zur Theke ging.

„Was ist denn mit dir los Andrew,“ empfang ihn Newkirk an der Bar. „Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“

„Tisch 5...“ Er ging etwas beiseite um Newkirk einen besseren Blick zu gewähren. Der Gesichtsausdruck des Engländers veränderte sich schlagartig.

„Scheiße...“

„Das hab ich auch gesagt,“ meinte Carter und wollte das volle Tablett von der Theke nehmen.

„Was tust du da Andrew? Spinnst du? Lass das Tablett stehen, wir müssen hier raus.“

„Aber er hat Feierabend,“ entgegnete Carter fast trotzig und machte sich auf um den Inhalt des Tabletts zu verteilen. Newkirk sah ihm fassungslos nach und zweifelte gerade ernsthaft an dem Gesundheitszustand seines Kameraden. Er ging in die Küche um LeBeau zu holen und kam gerade mit ihm zurück, als Carter zurück kam. "Hochstetter ist hier, " erklärte der Brite LeBeau und zeigte mit dem Kopf in Richtung Fenster.

"Verdammt...der Colonel hatte recht, es war eine dumme Idee hier her zu kommen," bemerkte LeBeau.

"Was regt ihr euch denn so auf? Er sitzt doch nur da und liest," fragte Carter und war bereits dabei die vor ihm stehenden Teller hochzunehmen.

"Weis er das wir hier sind," fragte LeBeau.

"Ja, Carter hat ihm ja das Bier gebracht."

LeBeau sah irritiert zwischen Newkirk und Carter hin und her. "Warum wimmelt es dann hier noch nicht von Gestapo?"

Carter seuftzte. "Weil er Feierabend hat!" Er wartete keine Antwort ab und lies die beiden Männer stehen um das Essen auszutragen.

"Na ja...er sieht nicht so aus als würde er uns verhaften wollen," sagte LeBeau nach einem Moment des schweigens.

"Was? Fängst du jetzt auch noch damit an?" Er folgte LeBeaus Blick zu Hochstetter, welcher in der Tat nichts machte außer dort zu sitzen und zu lesen. "Also gehen wir jetzt?"

"Gehen? Das könnt ihr nicht machen Jungs, ich brauche euch doch," meldete sich Elsa, welche gerade zur Theke kam.

Newkirk atmete tief durch. Es war seine Idee hier zu helfen, er wollte es um bei Elsa zu sein. Aber das hier war nun ein ernsthaftes Problem. "Elsa....der Mann dort hinten an Tisch 5....das ist Major Hochstetter."

"Ja ich weis, er kommt wie gesagt öfter her."

"Er weis wer wir sind und hat er Carter erkannt. Du verstehst?"

Elsa verstand in der Tat, sie hatte nicht daran gedacht das der Major auch im Stalag 13 unterwegs war. "Nun ich verstehe wenn ihr gehen wollt, a..."

"Also ich bleibe," sagte Carter, der zurück war vom austragen. "Er hat mich ja eh schon gesehen. Und du brauchst unsere Hilfe." Er hatte sein typischen, unbefangenes Lächeln.

"Das ist lieb Andrew," sagte Elsa, "aber ich verstehe auch wenn deine Kameraden gehen wollen."

"Falls ihr mich sucht, ich bin in der Küche," warf LeBeau ein und ging.

"Na dann ist es wohl entschieden, wir bleiben," sagte Newkirk resignierend und wusste wirklich nicht, wie er das Colonel Hogan erklären sollte.

Es war kurz nach 22:00 Uhr als das Gasthaus sich langsam gelehrt hatte. Während Carter die Tische reinigte, kümmerte sich Newkirk um die Theke und warf dabei misstrauische Blicke in Richtung Hochstetter. Der Major war noch da, Carter hatte ihm noch das ein oder andere Bier gebracht, aber er hatte keine Anstalten gemacht etwas gegen Sie zu unternehmen.


Anfangs dachten Sie ja noch an die Möglichkeit das er Carter tatsächlich nicht erkannt hatte, nachdem dieser ihm aber noch 3 Bier gebracht hatte, war es doch ehr unwahrscheinlich. Was Newkirk aber am meisten daran störte, war das Elsa nun schon eine gute halbe Stunde am Tisch des Majors saß. Und zu dem auch noch ausserordentlich gut unterhalten wirkte und als dies nicht schon schlimm genug war, dem Major beim verabschieden nun auch noch auf die Wange küsste.

„So das sind die letzten,“ sagte Carter und stellte ein halbes Dutzend Gläser zur Theke. „Es hat aufgehört zu schneien, wir sollten uns los machen. Ich hole LeBeau.“

Elsa war mittlerweile zurück gekommen und nahm Newkirk das spülen der Gläser ab. „Ich mache den Rest, es wird Zeit für euch.“

„Sag mal Elsa....du weist das ich dich mag oder?“

„Sicher Newkirk und nein, der Major ist nicht mein Freund, falls du das wissen wolltest.“

„Ihr saht nur sehr...vertraut aus.“

Elsa sah einen nachdenklich zur Tür. „Das...ist er auch...,“ sie schüttelte lächelnd den Kopf, „es ist mir bis eben gar nicht bewußt gewesen wie sehr wir es eigentlich sind."

LeBeau und Carter kamen aus der Küche und Newkirk schluckte seine Worte runter bevor er sie aussprechen konnte. „So Madame, alles sauber,“ sagte LeBeau.

„Das ist schön. Dann kommt gut nach Hause. Sehen wir uns morgen?“

Die drei Männer sahen sich fragend an. „Nun ja, Hochstetter ist ein Problem,“ sagte Newkirk.

„Wobei er ja nichts gemacht hat,“ bemerkte Carter.

„Er wird auch nichts tun,“ sagte Elsa. „Nicht so lange ihr nach 18:30 kommt.“

„Was?“ Die Frage kam von allen drei Männern gleichzeitig.

Doch bevor Elsa antworten konnte, meldete sich Carter mit seiner typischen Lockerheit zu Wort. „Weil er Feierband hat!“ Dafür erntete er von LeBeau einen tritt gegen sein Bein und von Newkirk einen klapps auf den Hinterkopf. „Na was denn?“

Elsa lachte bei dem Anblick der Männer. „Ja Andrew, weil er Feierabend hat.“ Sie mochte die drei, nicht nur weil sie ihre Hilfe brauchte, sie brachten auch Abwechslung in den teilweise immer trüber werdenden Alltag, in dem der Krieg immer mehr Raum einnahm. Sie sah an Newkirks Blick das er es nicht so einfach nahm wie sein Kamerad. Wofür sie Verständnis hatte, denn letztendlich war es nur ein geringer Teil der Wahrheit. „Ich verstehe wenn ihr nicht mehr wieder kommt.“

„Lass uns erst einmal abwarten, sagen wir zwei Tage? Dann sind wir Freitag wieder hier...sofern nichts passiert,“ sagte Newkirk.

„Gut,“ entgegnete Elsa, „dann bis Freitag.“

„Und nicht vor 18:30,“ warf Carter lächelnd ein und erntete dafür ein Augenrollen von Newkirk.

Sie verabschiedeten sich und machten sich auf den Weg zum Lager. Kurz vor dem Tunnel blieben sie stehen. „Sagen wir es dem Colonel,“ stellte Carter die Frage, die Newkirk schon den ganzen Weg lang belastete.

„Wenn wir das tun wird er uns nicht mehr gehen lassen,“ antwortete der Brite. Ihm war klar, dass er Elsa dann nicht mehr sehen würde aber er konnte auch das Risiko nicht ignorieren. Es ging nicht nur um ihn. „Ich kann von euch nicht verlangen zu schweigen oder wieder mit zu kommen...“

„Warten wir doch erstmal ab, ändern können wir ohnehin nichts mehr. Er hat mich ja schon gesehen,“ bemerkte Carter.


„Ja aber hat er dich auch erkannt? Oder hat er Newkirk gesehen? War er je an der Bar,“ fragte LeBeau.

„Nein bei mir war er nicht, aber Carter hat ihm ja mehrfach ein Bier gebracht.“ antwortete Newkirk und sah zu dem Amerikaner.

Carter sah zu Boden und wusste das seinem Freund die Antwort nicht gefallen würde. Aber eine Wahl hatte er nicht. „Als ich ihm das zweite Bier brachte....er hat Danke Sergant gesagt...“

Newkirk sah ihn fassungslos an. Auch wenn er es für unwahrscheinlich hielt das Hochstetter Carter nicht erkannt hatte, so wollte er es doch glauben. „Wir sind am Arsch....“

„Ich werde dem Colonel nichts sagen,“ beruhigte Carter ihn. „Wie gesagt, es ist ohnehin zu spät. Gehen wir ins Lager und warten ab. Spätestens morgen sollten wir es wissen.“

Die beiden anderen Männer nickten und sie gingen schweigend in den Tunnel. Sie schafften es Gesprächen weitgehend aus dem Weg zu gehen, der Colonel hatte sich nur kurz erkundigt und ihr 'war alles wie immer' hingenommen.