Die Europäische Union

von ahaa
GeschichteDrama, Humor / P16
Deutschland Frankreich Italien OC (Own Character) Preussen Russland
08.02.2018
23.11.2019
49
245.949
19
Alle Kapitel
44 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
12.02.2018 3.679
 
La Communauté Européenne du Charbon et de l'Acier – Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (franz.)

1951 – Paris, Île-de-France, France


„Wollt ihr etwa behaupten, dass dieses Kind in Wirklichkeit das Abkommen ist, das wir gerade unterzeichnet haben?“, murrte Niederlande mit einem Seitenblick auf den Jungen. Dieser saß nun zwischen England und Deutschland, während Ersterer ihm die Worte der Anderen dolmetschte.

„Dann sag du mir doch, wer er sonst kein kann“, entgegnete Deutschland.

Alle verstummten für einen Moment und richteten ihre Blicke auf die Union. Diese war so rot im Gesicht, dass Spanien, wenn er denn hier gewesen wäre, es bestimmt mit einer Tomate verglichen hätte.

„Ich wusste gar nicht, dass Unionen auch menschliche Gestalt annehmen können“, meldete sich Luxemburg schließlich zu Wort.

„Ve~ Ich auch nicht...“

„Und woher bekommen wir dann die Gewissheit, dass dieses petit enfant unsere Union ist?“, fragte Frankreich. Ohne Beweise wollte er es nicht so recht glauben.

„Shit, es ist nur eine Institution, wie willst es denn beweisen? Er weiß es doch nicht einmal selbst“, meinte England, genervt von der bloßen Tatsache, dass der Franzose den Mund aufgemacht hatte.

„Kesesese~ Der Awesome Ich hat eine awesome Idee!“, schrie Preußen plötzlich. Alle schauten ihn beunruhigt an, denn seine awesomen Ideen nahmen normalerweise kein gutes Ende.

„Welche?“, fragte Belgien.

„Diese!“

Preußen schnappte sich all die unterschriebenen Papiere, holte ein Feuerzeug heraus, das er mitgebracht hatte, um mit Frankreich Unsinn zu machen, zündete es an und hielt es an die Blätter.

„PREUßEEEEEEEEN!“, brüllte Deutschland und rannte zu seinem Bruder. „Dieses Abkommen ist viel zu wichtig, um verbrannt zu werden!“

„Ach komm, West, wir können es doch erneut unterschreiben! Wenn dieses Kind wirklich die Union ist, wird es verschwinden und wir haben unseren Beweis. Und dann machen wir das Ganze eben nochmal“, erwiderte Preußen, die Tatsache genießend, dass alle wegen seiner awesomen Idee mit offenem Mund dastanden (nicht, weil sie so awesome war, eher aus anderen Gründen).

„STOP, STOP! PLEASE, STOP THAT FIRE!“ Ein durchdringender Schrei hallte im gesamten Saal wider. Die Stimme des Kindes, das sich vor Schmerzen wand.

„Eh?“ Preußen drehte sich erstaunt zu ihm um.

Frankreich, der am nächsten stand, reagierte sofort und nutzte seine Jacke, um das Feuer zu ersticken. Deutschland verpasste seinem Bruder einen Faustschlag ins Gesicht, der diesen der Länge nach zu Boden stürzen ließ.

„Mach so etwas gefälligst nie wieder, Bruder! Das war sehr gefährlich, diese Union ist äußerst wichtig für uns, und wenn Russland dir schon die Erlaubnis erteilt hat, an dieser Konferenz teilzunehmen, dann ist das Mindeste, was du tun kannst, dich wie eine NATION zu verhalten!“

Deutschland war stinksauer. Der Ältere war mit seiner Awesomeness viel zu weit gegangen. Der halb bewusstlose Preuße nickte, beschloss aber, lieber noch eine Weile liegen zu bleiben.

„Ve~ Dann ist dieser Kleine also wirklich unser Abkommen!“, rief Italien, woraufhin sich die Länder wieder an den Grund erinnerten, wieso Preußen die Papiere überhaupt angezündet hatte.

Der Junge war zwar nicht verschwunden, hielt jedoch den Kopf zwischen den Knien verborgen und wimmerte laut.

„Bird bastard! Deine Aktion gerade war absolut grausam!“, schimpfte England den immer noch auf dem Boden liegenden Preußen aus. Dann machte er sich daran, den armen Kleinen zu trösten.

„Oh, très bien! Zum Glück sind die Papiere nur ein wenig angesengt“, stellte Frankreich fröhlich fest, der seine Jacke aufgehoben und die Blätter gründlich untersucht hatte.

„Nun gut, damit haben wir ja den Beweis, dass der Junge die EGKS ist. Seine Idee hat zu guter Letzt doch etwas gebracht“, meinte Niederlande mit einem Blick auf den Preußen, der bei diesen Worten aufstand.

„Kesesesesese~ Ich sagte doch, dass sie awesome ist!“

Die Länder nahmen wieder Platz und betrachteten die gerade entdeckte EGKS, sogar mit noch mehr Interesse als zuvor. Der Kleine hatte aufgehört zu weinen und schaute dankbar auf den muskulösen Blonden, der seinen Peiniger geschlagen hatte.

„Also haben Abkommen und Bündnisse auch menschliche Repräsentanten … ganz schön … seltsam … ich kannte bis jetzt keinen Fall und Bündnisse hatte ich schon mehrere“, sagte Frankreich, nachdenklich auf den Jungen blickend. Der erneut rot wie eine Tomate angelaufen war.

„Kesesesesese~ das ist so, weil er eben kein normales Bündnis ist, sondern eine „europäische Gemeinschaft“, wie sein Name schon sagt. Also ist er was Stärkeres, weil er eine Union zwischen vielen Ländern darstellt.“

„.... das stimmt ...“, meinte Luxemburg.

„Hm, aber wieso tauchte dann keine Personifikation auf als Österreichs Habsburger die Herrschaft über Tonios Land übernahmen? Das war doch auch eine Union“, fuhr Preußen fort.

„Mon ami, das war keine Union, sondern eine Heirat“, lachte der Franzose. „Das war sehr wohl ein Bündnis und den Beweis dafür trugen die beiden am Ringfinger.“

„Kesesese~ Du hast Recht!“, stimmte der Preuße ihm zu. „Ach, ich frag mich, wie es diesem Südländer wohl geht ...“

„HÖRT ENDLICH AUF, ÜBER DIESEN VERDAMMTEN TOMATENLIEBHABER ZU REDEN!“, brüllte Romano auf einmal, von seinem Stuhl aufspringend und auf den Tisch hauend. Alle drehten sich erstaunt zu ihm um, ohne den blassesten Schimmer, was in den Italiener so plötzlich gefahren war. Der Junge schaute ihn ebenfalls an, denn er begriff, dass diese Situation nicht sehr normal sein musste.

Daraufhin fiel bei Romano der Groschen, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren, und setzte sich rasch wieder hin.

„Dieser blöde Bastard … hat es nicht verdient, dass über ihn gesprochen wird … verdammter Trottel“, sagte er. Alle wussten, dass er die Diktatur meinte, in der der Spanier gerade steckte. Für Romano war es ein Schlag ins Gesicht gewesen, dass sein „Ex-Boss“ sie nicht hatte verhindern können.

„Also gut … kommen wir zum Thema zurück“, ordnete Deutschland an, woraufhin die anderen Länder den Einwurf des Italieners wieder vergaßen. „Ein gemeinsames Abkommen, ich meine, Union, hatten wir noch nie. Weiß also jemand, was jetzt zu tun ist?“ Damit sprach der Deutsche die Gedanken aller Anwesenden aus. Was bedeutete so eine Union? Was sollten sie machen?

„Sie muss beschützt werden. Wenn der Personifikation etwas passiert, werden auch die zur Union gehörenden Länder Konsequenzen erleiden, und wenn sie zerstört wird, könnten wir sogar alle von der Weltkarte verschwinden. Es ist ein sehr heikles Thema. Aber zum Glück sind personifizierte Unionen sogar noch widerstandsfähiger als Länder, weil sie ja mehrere davon repräsentieren. Der Junge muss bloß von jemandem großgezogen werden.“

Niemand sagte auch nur ein Wort. Preußen beendete seinen Vortrag mit ernster Stimme. Dass er den Unterschied zwischen einem normalen Bündnis und einer Union kannte, gut, aber...

„Bruder, woher weißt du das alles?“, fragte Deutschland überrascht. Das typische Grinsen des Preußen wurde noch breiter.

„Ganz einfach, West. Russland hat auch so eine Union. Sveta Bolschevik heißt sie und ist ein Mädchen mit einer etwas … finsteren Aura. Aber eigentlich ist sie ziemlich nett.“ Sein Grinsen vergrößerte sich sogar noch mehr, während alle ihn erstaunt anschauten. England sprach als Erster.

„Meinst du die UdSSR?“, fragte er und schluckte.

„Genau.“

Angespanntes Gemurmel erfüllte den Saal.

„Mamma mia...“

„Mein Gott ...“

„Ve...“

„Oh là là...“

„God save the Queen...“

„ Vreemd...“

„Äddi...“

„Je ne sais pas...“

„Kesesese~ Ich weiß, ich bin viel zu awesome für eure kleinen Köpfchen! Das muss auch so sein! Ich weiß ALLES! Kesesesesese~ Kesesesesese~“ Und schon wieder zeigte Preußen seine selbstverliebte Seite (wenn er sie denn jemals verborgen hatte).

„Und wieso haben wir bis jetzt nichts davon gewusst? Eine personifizierte Union stellt einen Schwachpunkt dar...“, murmelte Deutschland.

„Eben. Russland passt gut auf, dass niemand von euch von ihrer Existenz erfährt. Aber an mich hat er nicht gedacht, kesesesesese...“

Allen kam der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion in den Sinn, der sogleich nach dem 2. Weltkrieg angefangen hatte. In diesem kämpften die sowjetischen Länder, angeführt von Russland, gegen die Kapitalisten mit USA an der Spitze.

Es war ein ganz schön seltsamer Krieg, ganz anders als die Weltkriege, weil keine solche Anspannung herrschte und es keine ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen gab. Und doch zog auch er sich in die Länge und war hart, und außerdem würde der Sieg die Chance bedeuten, der ganzen Welt sein System aufzuerlegen, was sowohl Russland als auch USA sehr verlockend erschien.

„Okay, kein Wort darüber zum hamburger bastard, es wäre nicht fair der anderen Union gegenüber. Das wäre ja so, wie diesen Jungen hier dem Tod auszuliefern“, meinte England mit einem Seitenblick auf den Kleinen, den er bereits über alles in Kenntnis gesetzt hatte.

Die EGKS schluckte beim bloßen Gedanken an seine Lage, die ihn zur Zielscheibe von vielen Gegnern machen konnte, denen er nicht glaubte, unbeschadet entkommen zu können. Und jetzt erfuhr er gerade, dass es noch so jemanden wie ihn auf der Welt gab...

Der Junge drückte das Kaninchen an sich. Die andere Union ihrem Feind auszuliefern, wäre wirklich grausam.

„Gut, damit wäre das Thema UdSSR beendet. Und nicht vergessen, kein Wort zu Alfred“, beendete Luxemburg die Diskussion. „Jetzt müssen wir nur noch entscheiden, wer den Jungen zu sich nimmt, denn sich selbst überlassen werden wir ihn ganz sicher nicht, oder?“

„Soll ihn doch der Teetrottel nehmen, der ist der Einzige, den er versteht“, sprach Romano seine Meinung aus.

„Zieht mich nicht in eure Probleme hinein! Ich gehöre nicht einmal zu dieser Union!“, erwiderte England wütend. Er war bloß erschienen, um sich den Kleinen anzusehen.

„Ich kann ihn nicht zu mir nehmen, ich habe zu viel zu tun“, meinte Luxemburg.

„Und ich denke auch nicht daran, auf den Zwerg aufzupassen. Es sei denn, ich werde dafür bezahlt“, verkündete Niederlande. Doch die anderen Länder hielten ihn nicht gerade geeignet für so eine Aufgabe.

„In … In meinem Land liegt noch sehr Vieles in Trümmern und meinen Bewohnern geht es sehr schlecht … tut mir leid, aber im Moment kann ich kein Kind bei mir aufnehmen“, sagte Belgien.

„Ve~ aber ich! Wir werden ihm ganz viel Pasta geben!“, rief Italien lächelnd und sich darauf freuend, einen kleinen Bruder zu bekommen.

„Oh neinneinneinnein … ich werde ganz bestimmt keinen verdammten Knirps aufnehmen! Fratello, vergiss nicht, dass wahrscheinlich viele Typen hinter ihm her sein werden. Und die könnten uns auch umbringen!“, fuhr Romano seinen Bruder an, woraufhin beide erzitterten.

„V-ve~ w-wir können ihn doch nicht zu uns nehmen … wir …. haben auch viel zu tun...“

„Nein, die Italiens sollten wirklich nicht. Sie sind viel zu … italienisch“, stimmte England zu. Die beiden Brüder seufzten erleichtert. „Es muss ein starkes Land sein.“

„Oh, dann wäre das Land de l'amour bereit, wieder der große Bruder zu sein~“, wisperte Frankreich, aber so, dass alle es hören konnten.

„NEIN!“, schrien alle auf der Stelle (außer Veneziano, der nichts Schlimmes daran erkennen konnte).

„Ach, ihr schenkt dem großen Bruder einfach kein Vertrauen! Ich hätte ihm viel amour gegeben...“, klagte der Franzose, dramatisch in sein Taschentuch beißend.

„Und genau deshalb kommt er nicht zu dir, verdammter Bastard. Ein Perversling auf der Welt reicht uns vollkommen“, grummelte Romano.

Der Junge schaute England an, der ihm diese Unterhaltung aus irgendeinem Grund nicht dolmetschte. Schade, und dabei klang das so interessant...

„Dann bleiben nur noch...“ Die Länder blickten fragend auf die beiden Deutschen.

„Kesesese~ ich könnte ihn ja in die Sowjetunion mitnehmen! Auch wenn ich nicht glaube, dass das so eine gute Idee ist...“, lachte Preußen.

Also blieb nur noch einer übrig.

„Nein“, sagte ein gewisser Blonder. „Nein. Nein. Nein. Ich könnte ihn nicht beschützen.“

„Du bist aber ein starkes Land“, erwiderte England.

„Ich werde ständig kontrolliert und bin alles Andere als stark, wenn überall die Alliierten in meinem Land lagern.“

„Das ist doch gut. Wenn du Hilfe brauchst, brauchst du bloß mit einem unserer Soldaten zu sprechen“, sagte Frankreich lächelnd.

„I-Ich habe viel zu tun und riesige Schulden...“

„Wir helfen dir mit den Ausgaben“, meinte Belgien fröhlich.

„Aber ich weiß doch überhaupt nicht, wie man sich um ein Kind kümmert!“, schrie Deutschland verzweifelt.

„Kesesese~ dein awesomer Bruder hat dir ja sein awesomes Tagebuch hinterlassen. Ich hab die Bände aussortiert, in denen es darum geht, wie ich dich großziehe! Es ist ganz einfach, du wirst schon sehen!“

„Auf wessen Seite stehst du eigentlich, Bruder?“

„Ich will dich bloß unbedingt als Kindermädchen sehen, West.“

„Außerdem musst du sehr wohl etwas gelernt haben, wenn du auf meinen fratello aufgepasst hast, Kartoffelbastard.“

„Ve~“

„A-Aber...!“

„Also ist es entschieden: Ludwig Beilschmidt nimmt die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl bei sich auf“, sagte Luxemburg, dem Deutschen keine Zeit zu weiteren Klagen gebend.

„Da hast du dir aber schon was eingebrockt, West...“

*.*.*

Mit dem Kleinen an der Hand schritt Deutschland Richtung Ausgang. Der Junge schielte leicht eingeschüchtert von seinem Respekt einflößenden Äußeren zu ihm hoch. Er wäre lieber beim Engländer geblieben, weil er keine Ahnung hatte, ob die Anderen ihn überhaupt verstehen würden.

Hinter ihnen gingen die übrigen Länder her. Preußen plauderte angeregt mit den Italienern und der Rest unterhielt sich über andere Themen.

Alle wirkten fröhlich.

Alle außer dem Deutschen, der ihn hinter sich herzog.

Ach, warum musste er ausgerechnet zu ihm?

Keiner von beiden wollte es. Denn beide hatten Angst: der eine vor seinem Aufpasser und der andere vor der Aufgabe, den ersten großzuziehen. Das war keine gute Kombination, oh nein ...

Die EGKS blickte erneut zum Deutschen. Gott, war der riesig, er konnte kaum sein Haar erkennen. Und außerdem würdigte der Mann ihn keines Blickes. Gut, denn er wollte von diesen eiskalten blauen Augen sowieso nicht angesehen werden.

Er begann sich zu langweilen und schaute, was der lustige Albino namens Preußen so machte.

Auf dessen Kopf war ganz plötzlich ein gelbes Küken erschienen und alle Länder sahen es erstaunt an. Deutschland drehte sich zu seinem Bruder um.

„Wo kommt dieses verdammte Küken her?“, fragte Romano.

„Kesesesesesese~ Es hat die ganze Zeit draußen auf mich gewartet!“

„Ve~ mir gefällt dein Vögelchen, Preußen!“

„Natürlich, schließlich ist es so awesome wie ich. Und aus diesem Grund nannte ich es Gilbird!“

„Gilbird? Etwa von Gilbert?“, murrte Romano.

„Kesesesesese~ Oh ja! Alles, was fast so awesome ist wie ich, verdient es, meinen Namen zu tragen! Das ist Gilbird! Das hier ist mein Gilhemd, meine Gilhosen, der da ist Gilwest, der Gilitalien...“

„Und weißt du, was du bist? Ein Gilidio-“

Verdammt, der Junge bekam das letzte Wort des Italieners nicht mit, weil Deutschland ihm die Ohren zuhielt.

Also wirklich, es sah keine Zukunft für sich mit diesem Typen.

*.*.*

Deutschland blickte wütend auf seinen und auf Venezianos Bruder.

„Es reicht mir schon, dass ich auf ein Kind aufpassen soll, also bringt ihm gefälligst nicht auch noch Schimpfwörter bei. Er wird nicht aufhören, sie ständig zu sagen...“

„West, er versteht uns doch nicht einmal! Und außerdem lernt jeder von uns Schimpfwörter, so wie er Sprachen lernt, das ist nun mal so im Leben!“

„Ve~ Romano spricht sehr gut Spanisch...“

„Hör auf, diesen Bastard zu erwähnen! Kein Wort weder über ihn noch über seinen Bruder! Und auch sonst über niemanden, der mich an diese beiden erinnert!“, schnauzte Romano seinen Bruder an.

Deutschland achtete nicht mehr auf die Italiener und stellte den Jungen vor sich hin, ihm die Hände von den Ohren nehmend. Er hatte keine Ahnung, wie man auf ein Kind aufpasste, aber zu verhindern, dass es solche Wörter hörte, war bestimmt schon mal ein guter Anfang. Vielleicht könnte er ihn ja so wie seine Hunde behandeln...

Er blickte auf ihn herunter und sah bloß seinen blonden Haarschopf. Der Junge war SEHR klein. Und er SEHR groß. Keine gute Kombination, das wusste er schon aus seiner Erfahrung mit Italien. Er stellte sich vor, wie der Kleine sich im Haus versteckte, ihm weglief, die Küche dreckig machte, auf Blackie, Berlitz oder Aster oder gleich auf alle drei gleichzeitig steigen wollte, auf Bäume kletterte, eine Tomatenkistenfee spielte, Lieder über ihn verfasste ….

Die Küche dreckig machte...

„Nein, ich kann das nicht“, murmelte er vor sich hin. Der Junge hob beim Klang seiner Stimme den Kopf, senkte ihn aber schnell wieder.

Deutschland verpasste sich eine Ohrfeige. Er war doch die Bundesrepublik Deutschland! Er hatte gegen die Alliierten gekämpft und stellte sich jetzt der Sowjetunion und damit Russland höchstpersönlich! Sich leicht auf die Stirn klopfend, blickte er Richtung Decke. Wenn er das alles und noch viel mehr getan hatte, dann würde ein Kind doch kein Problem für ihn sein! Von diesem Gedanken beflügelt, begann er, noch schneller zu gehen, was EGKS ein wenig erschreckte, der kaum mitkam.

Die anderen Länder schauten sich Deutschlands plötzliche Wandlung erstaunt an.

*.*.*

Erschöpft verließen die Nationen das Gebäude. Es war eine ganz schön aufregende Konferenz gewesen, sie hätte fast aus einem von Englands Märchen stammen können (der Junge war übrigens der Einzige, der Flying Mint Bunny sehen konnte, die anderen dachten, dass der Brite bloß durchs Fenster hereingeklettert war).

„Oh là là, dann bin ich also Papa!“, bemerkte Frankreich fröhlich.

„Das ist eine Union, wine bastard, und kein Sohn!“

„Ganz ruhig, Angleterre, du darfst gern die Mama sein.“

„Habe ich dich etwa darum gebeten?!“

Und die beiden entfernten sich mit viel Geschrei.

„Gut, ich müsste dann auch mal gehen, ich habe noch viel zu tun“, murmelte Luxemburg, seinen Terminkalender durchgehend. „Tschüss!“

Und mit diesen Worten eilte das kleine Land davon.

„Und wir auch“, sagte Belgien und drehte sich zu Deutschland. „Brauchst du Hilfe? Du bist doch in der Lage, dich um ihn zu kümmern, oder?“

„Nein … i-ich meine, ja!“, stammelte der Deutsche.

„Gut … dann viel Glück ...“, verabschiedete sie sich verwundert. Für gewöhnlich stammelte Deutschland nie. Er wirkte so als hätte er Angst vor dem Kind, wenn es doch eher andersherum war.

„Tschüss“, sagte Niederlande kurz und bündig.

Und die beiden Geschwister machten sich auf zu einem Bus.

„Ve~ Dürfen wir ihn mal besuchen kommen, Deutschland?“

„Du meinst wohl, ob du ihn besuchen kommen darfst. Zieh mich nicht in deine verdammten Angelegenheiten rein.“

„Ja, natürlich, wann immer du willst und so lange du willst“, willigte Deutschland rasch ein. Er musste zugeben, dass der Norditaliener ganz gut mit Kindern umgehen konnte.

„Kesesesesese~ Du hättest ihm den Knirps doch am liebsten gleich geschenkt, West!“, bemerkte Preußen.

„Ich denke ja nicht dran, meinen fratello mit euch mitkommen zu lassen, Kartoffelmacho Eins und Zwei! Komm, gehen wir, Feliciano!“

Und die beiden Italiener verschwanden, ehe man „ve“ sagen konnte.

„Hey, West. Kartoffelmacho Eins bin doch ich, oder?“

„Und der zweite kannst du auch gleich sein, wenn du willst“, antwortete Deutschland und schlug die entgegengesetzte Richtung zu den anderen Ländern ein.

Russland saß auf einer Bank in Innenhof des Gebäudes, in dem die Konferenz stattgefunden hatte, und betrachtete das wunderschöne Paris. Eines Tages wird das alles mir gehören … dachte er lächelnd und drehte sich um, als er Schritte hinter sich hörte.

„Hallo, Deutschland“, grüßte er gutgelaunt den Blonden an der Spitze des Trios. Deutschland verzog keine Miene, sondern erwiderte den Gruß bloß mit einer leichten Kopfbewegung. „Und dir auch Hallo, Preußen.“ Der Preuße würdigte den Russen keines Blickes. „Und dieses Kind da … ist das etwa ein neues Land?“, murmelte dieser als er den Knirps bemerkte, der hinter den beiden Deutschen herschritt.

„Das geht dich nichts an, Russland“, entgegnete Deutschland trocken.

Verwundert betrachtete EGKS den hochgewachsenen, fast weißhaarigen Kerl, der da auf der Bank saß. Er hätte nicht gedacht, dass es jemand noch imposanteren als Deutschland geben könnte, und außerdem umgab diesen Mann eine böse Aura, die ihm gar nicht geheuer war.

„Ich habe viel zu tun und kann nicht sehr lange hier bleiben“, fuhr Russland fort, den eiskalten Tonfall des Deutschen ignorierend. „Wie war die Konferenz?“, fragte er. Keine Antwort.

Deutschland blickte zu seinem Bruder, der trotz der in der Luft liegenden Anspannung noch grinste.

„Also gut, West, ich glaub, ich muss jetzt gehen!“, sagte Preußen laut und begab sich völlig gelassen zum Russen. „Aber bald werden wir uns wiedersehen, versprochen! Der Awesome Ich lässt seinen Bruder nicht mit einem Knirps allein! Kesesesesese~“

„Du solltest keine Versprechen machen, die du sowieso nicht halten kannst, Preußen“, riet Russland lächelnd. Der Albino ignorierte ihn immer noch. Deutschland schaute sie beide an, im Versuch, das Kind vor den Blicken des Russen abzuschirmen. „Mach's gut, Deutschland, ich werde gut auf deinen Bruder Acht geben, dessen kannst du dir sicher sein“, verabschiedete sich Russland und machte sich auf den Weg Richtung Hofausgang, wo ein schwarzes Auto auf ihn wartete.

Deutschland blickte ihnen nach, schaute zu, wie Preußen sich mit jedem Schritt immer weiter von ihm entfernte. Er hatte keine Ahnung, wann er ihn wiedersehen würde. In einem Jahr? In zwei? Aber vielleicht auch erst in mehreren Jahrzehnten und doch drehte sein Bruder sich nicht einmal zu ihm um, um ihm Lebewohl zu sagen.

Immer weniger Schritte trennten sie noch vom schwarzen Auto.

Was würde Russland wohl mit ihm anstellen? Höchstwahrscheinlich nichts Gutes, er traute den Worten des Russen nicht. Vielleicht würde er den Älteren sogar niemals mehr wiedersehen, vielleicht würde Preußen während dieser Zeit bei dem Anderen ganz verschwinden...

Russland öffnete bereits die Hintertür des Autos.

Und was, wenn er ihn folterte? Getrennt. Sie würden ab jetzt für eine lange Zeit getrennt sein. Also hatte er das Recht, wenigstens eine bestimmte Frage zu stellen...

„Russland!“, schrie Deutschland verzweifelt. Zum Glück hörte dieser ihn noch, bevor er in das Auto einstieg, und schenkte ihm ein Lächeln, bei dem es einem eiskalt den Rücken runterlief.

„Da?“ Preußen schaute kurz zu seinem Bruder, beschloss dann aber, sich ins Auto zu setzen. „Gibt es ein Problem?“

„Wann … wann bekomme ich ihn zurück?“, murmelte Deutschland, im Versuch, genauso gefühlskalt wie immer zu erscheinen. Jedoch vergebens. „Darf ich ihn ab und zu sehen, so wie heute? Wenigstens ein Mal?“ Seine Stimme wurde zu einem Wispern.

Doch die von Russland war alles Andere als das, und Preußen, der hinter den getönten Autofenstern saß, konnte ihn perfekt hören:

„Du warst ein böses Kind, Deutschland. Und böse Kinder müssen bestraft werden.“

Eine ziemlich klare Antwort. Russland stieg ein und sie fuhren rasch davon.

Deutschland und der Junge blieben allein zurück.

Während Preußen im Auto versuchte, seine Tränen zurückzuhalten.


* * *


„ petit enfant“ (franz.) = „kleines Kind“
„vreemd...“ = laut Internet bedeutet es „seltsam“ auf Niederländisch, aber keine Garantie für die Richtigkeit
„äddi...“ = Das Einzige, was ich dazu gefunden hab, ist „Tschüss“ auf Luxemburgisch. Keine Ahnung, wie das in den Kontext passen soll, aber okay...
„Je ne sais pas...“ (franz.) = „Keine Ahnung“



Übrigens heißt die EGKS, nicht nur auf Französisch, sondern auch auf Spanisch "CECA" (Comunidad Europea del Carbón y del Acero).
Bei Kapitel 3 und 4 werden keine Übersetzungen der Titel nötig sein, denn beide spielen in Deutschland! Das nächste kommt so am Wochenende, wann genau, weiß ich noch nicht.
Review schreiben