I'd loved you in the dark

von Haniko
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
07.02.2018
19.08.2018
24
23258
12
Alle
39 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
Er würde wieder kommen. Sicher war er sauer. Konnte ich nachvollziehen, aber er meinte das nicht so. Er würde zurück kommen. Er konnte sich nicht von mir entfernen. Das ging einfach nicht. Das konnte nicht sein. Doch langsam dämmerte der Gedanke zu mir durch und zwang mich in die Knie. Am Boden. Ich war wahrlich am Boden. Die Tränen liefen über und ich begann seine Worte zu realisieren. Was zur Hölle hatte ich getan? Warum hatte ich nicht einfach die Gefühle unterdrücken können. Warum hatte ich mich nicht im Griff? Warum war ich mir wichtiger als unsere Freundschaft? Warum? Ich wusste es nicht.
„Du bist so dumm, Lucy. Du bist schuld, dass er weg ist.“
Ich weinte bis ich keine Tränen mehr übrig hatte. Zitternd saß ich an der Wand unseres, meines Wohnzimmers. Ich hatte keine große Hoffnung, dass er in diese Wohnung zurückkehren würde. Dazu war er zu deutlich gewesen. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

Am nächsten Morgen wachte ich mit höllischen Kopfschmerzen auf. Ich schleifte mich in die Küche, nahm eine Aspirin und machte mich auf den Weg zur Gilde. Als ich dort ankam, brachen viele verschiedene Sinneseindrücke auf mich ein. Es war nicht das übliche Chaos, das mich stocken ließ. Alle waren am diskutieren, fuchtelten wild mit den Armen herum und schrien sich an. Was zum Teufel war hier schon wieder los? Ich setzte mich mit meinem Monsterschädel an die Bar und bestellte bei Mirajane ein Wasser. Warum waren alle in heller Aufregung? Was hatte ich jetzt schon wieder verpasst?

Mirajane gab mir mein Glas mit einem traurigen Gesichtsausdruck. „Was ist los Mira?“, fragte ich leise.
Sie schluckte hart und wischte sich eine Träne aus den Augen. „Es geht um Lisanna und Natsu.“
Sofort wurde ich hellhörig. Was war mit Natsu? Ich starrte sie mit großen Augen an. Was....
„Sie sind heute zu einer Zwei-Jahres-Mission aufgebrochen. Happy ist ebenfalls mit ihnen gegangen. Er wirkte....so entschlossen und nicht einmal der Meister konnte ihm von seinem Vorhaben abbringen. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Er war so...verbissen. Und Lisanna, ich konnte sie ebenso wenig davon abbringen. Ich vermisse sie jetzt schon.“ Sie schluchzte leicht auf, doch ich nahm es gar nicht richtig war. Zwei-Jahres-Mission? War das sein Ernst. Er hatte wirklich ernst gemacht. Er wollte Abstand und verschwand deswegen. Ich konnte gar nicht in Worte fassen, was ich gerade empfand. Ich wusste nur, dass ich innerlich die Schotten dicht machte. Dass ich mich selig auf diese Zeit vorbereitete. Dass ich mich entlieben würde. Was anderes blieb mir ja auch kaum übrig, wenn ich nicht an gebrochenem Herzen sterben wollte.

-- Etwa 2 Jahre später --

In den zwei Jahren hatte ich viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Ich war eine weitaus stärkere Person geworden als ich es davor gewesen war. Ich hatte mich innerlich gefestigt und konnte über meinen Schmerz hinaus wachsen. Ich fand mich wieder unter den Trümmern meines Herzens und konnte endlich nach vorn sehen. Ich konnte mit meinem Leben weitermachen.
Ja, es brannte fürchterlich. Es nahm mir damals die Luft zum Atmen. Anfangs dachte ich noch, er würde jeden Augenblick zurück durch unsere Tür kommen, aber er kam nicht. Er war gegangen und nicht zurückgekehrt und es hatte weh getan. Ich hatte nächtelang geweint und mir die schlimmsten Dinge für mich selbst gewünscht. Aber mittlerweile tat es nicht mehr weh. Klar, meinen besten Freund zur verlieren war ein fast unüberwindbarer Verlust, aber ich war endlich über meine kindischen Gefühle hinweg. Wie konnte ich nur so doof sein? Ich wollte ihn nicht vor eine Wahl stellen. Jetzt im Nachhinein wusste ich, dass es unfair von mir gewesen war und dass er gar keine andere Wahl gehabt hatte, als sich von mir zu entfernen. Jetzt konnte ich es verstehen und ich war ihm sogar dankbar dafür. Jetzt. Doch jetzt war es zu spät.
Die anderen standen mit Lisanna und Natsu im Kontakt, wurde mir jedenfalls berichtet. Ich war nicht sonderlich scharf darauf. Ich musste mein Leben leben, loslassen und nicht immer an die Vergangenheit zurückdenken. Ich hatte sogar irgendwo Gerüchte über eine Verlobung gehört. Wenn dem so war, dann freute ich mich aufrichtig für die beiden. Sie hatten es verdient, glücklich zu werden. Sie verdienten einander und sie verdienten mein Mitgefühl. Das hatte ich ihnen so lange verwehrt.

Es war der Abend eines langen Tages in der Gilde. Ich saß im Wohnzimmer und schaute meine Lieblingssendung. Wendy war vor etwa einer Stunde nach Hause gegangen, weil sie noch mit Charle trainieren wollte. Ich hatte mich auf die Couch verkrümelt und hatte mich seitdem auch nicht bewegt. Meine Freundinnen hatten allesamt einen Schlüssel für meine Wohnung. Deswegen fragte ich mich auch nicht, wer das an der Tür mit dem Schlüssel sein konnte. „Hast du etwas vergessen, kleines Mädchen?“ Ich grinste frech, doch das verging mir sofort. Es war nicht Wendy, die da durch die Tür gekommen war. Nein. Ich blickte in ein paar schwarze Augen.

Er war wieder da. Er war wieder zu Hause. Er hatte sich verändert. Ich konnte nicht umhin, ihn von oben bis unten zu mustern. Er sah gut aus, verboten gut. Sein Haar war ein wenig kürzer, die Muskeln wie je her gut zu erkennen. Ich musste mich von seinem Sixpack losreißen und sah wieder zurück in sein Gesicht. „Du bist wieder da.“ Das war keine Frage, das war eine Feststellung.
Er blickte noch einen Moment ausdruckslos drein und grinste mich dann breit an. „Da bin ich wieder, ja. Du hast dich ja kein bisschen verändert Luce.“
War das jetzt was positives oder nicht? Ich hatte mich verändert. Ich war eine andere Lucy Hartfilia geworden. Ich hatte mich von meinen Gefühlen für ihn getrennt. Ich war zu mir selbst geworden.

„Lucy?“
Ich sah erneut zu ihm auf. „Ja?“
„Danke, dass du noch da bist.“
Wo sollte ich denn sonst sein. „Keine Ursache. Hunger?“ Er hatte immer Hunger. Konnte mir nicht vorstellen, dass sich das in den letzten zwei Jahren geändert hatte.
Er lächelte mich mit diesem gewissen Lächeln an, das mir früher immer den Atem geraubt hatte. „Du kannst wohl Gedanken lesen.“
„Nein, ich kenne dich nur einfach zu gut.“ Glücklicherweise hatte ich erst  vor wenigen Stunden was für Wendy und mich gekocht. Ich stellte es erneut auf den Herd, um das Essen nochmal aufzuwärmen. Danach stellte ich ihm einen Teller auf den Tisch und gab das Essen frei.
Eine Weile saß ich schweigend neben ihm und beobachtete, wie er sein Essen in sich hinein spachtelte. „Hör mal. Ich bin gleich noch mit Juvia und Erza verabredet, aber wenn ich wieder zu Hause bin, will ich unbedingt hören, wie eure Mission war und wie es Lisanna geht.“

Ich vernahm ein kaum merkliches Nicken von ihm und kurz verkrampfte sich seine Hand um die Gabel. Oder vielleicht hatte ich mir das auch nur eingeredet. Ehe ich mich versah, war er wieder auf die Nahrungsaufnahme konzentriert. Ich stand vom Tisch auf und wollte schon in mein Zimmer gehen. Doch ich stellte mich hinter ihn und zog ihn in eine Umarmung. „Danke. Danke, dass du zurückgekommen bist.“
Er lachte leicht und murmelte: „Wo hätte ich sonst hingehen sollen, Dummkopf.“
Ich grinste ebenfalls, küsste ihn auf die Wange und verließ das Wohnzimmer. Der Teil, der sich in mir verborgen und in dem ich meinen Kummer und Verlust verborgen hatte, war endlich geheilt. Hatte sich gerade zu 100 % wieder zusammen gesetzt. Ich war wieder vollständig und ich hatte das Gefühl, dass ich nie wieder fürchten müsste, ihn zu verlieren.
Review schreiben