dachaigh

KurzgeschichteFantasy, Freundschaft / P16
07.02.2018
01.09.2019
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Hey,
das ist mein Wichtelbeitrag zu Es weihnachtet sehr von Mistelzauber und ich hoffe sehr, dass er meinem Wichtelkind BunnyBrina gefällt.
Mein Dank geht wie so oft an die liebe TeeKay18, die fleißig gebetat hat.
Lg
Julie


Needle-dark December smells


Hogwarts Hallen hatten sich wie immer zur Weihnachtszeit deutlich gelehrt. Viele Schüler waren nach Hause zu ihren Familien gefahren und nur einige wenige zurückgeblieben.
Das komplette Schloss war geschmückt, Hagrid hatte einige wie immer riesige Weihnachtsbäume besorgt und in der Großen Halle rieselte schon seit Tagen der magische Kunstschnee.
Wie auch schon die Jahre zuvor hatten die Lehrer ihr bestes getan, um eine möglichst festliche Atmosphäre zu schaffen, sogar in den Gängen hingen überall Mistel- und Tannenzweige.
Die Hauselfen hatten auch ihren Teil dazu beigetragen, dank ihrer tagelang dauernden Backaktion hatte es nicht nur überall unwiderstehlich nach Plätzchen gerochen, sondern die Bewohner des Schloss konnten so viele weihnachtliche Leckereien essen, wie sie wollten.
Luna hatte sich entschieden, dieses Weihnachten in Hogwarts zu verbringen, obwohl sie sogar von den Weasleys eine Einladung für sich und ihren Vater bekommen hatte. Dankend hatte sie abgelehnt, ein letztes Mal wollte sie die Ferien hier verbringen und dafür lieber an Ostern nachhause fahren.
Luna bevorzugte es deutlich, wenn in Hogwarts weniger Menschen waren. Weniger Leute, die sie wegen irgendetwas aufzogen, auch wenn das nach dem Krieg deutlich nachgelassen hatte.
Deshalb widmete Luna sich jetzt wieder ihrem liebsten Projekt, dem Erforschen magischer Tierwesen. Glücklicherweise eignete sich der Winter perfekt dafür, immerhin liebten Nargel Mistelzweige und dergleichen.

~*~


Ein letztes Mal warf Luna einen prüfenden Blick nach oben, korrigierte die Position des Hockers und stieg schließlich nach oben, nicht ohne ihren Rock zu raffen.
Vorsichtig, um ja nichts kaputt zu machen, untersuchte Luna einen Zweig nach dem anderen. Vielleicht, nein, ganz bestimmt würde sie einen kleinen Nargel finden und dann hätten sie und ihr Vater endlich den Beweis für die Existenz dieser Tierchen.
„Merlin, sie ist wirklich komplett durchgeknallt.“
Die Aussage war gefolgt von lautem Gekicher, was Luna aber gekonnt ausblendete. Jahrelange Übung rechnete sich eben irgendwann und überhaupt konnte es ihr vollkommen egal sein, was diese Idioten von ihr hielten.
Enttäuscht musste Luna wieder von ihrem Hocker heruntersteigen, in diesen Zweigen hatte sie nichts gefunden, aber sie würde definitiv noch nicht aufgeben.
Die Leute, die sie ausgelacht hatten, waren im selben Jahrgang, beziehungsweise ein Jahr über ihr, aber jetzt nach dem Krieg hatte sich das sowieso alles vermischt.
Tatsächlich folgten ihr die Slytherins bis zum nächsten Gesteck, das von der Decke hing. Und zum nächsten und zum nächsten.
Ihr ständiges Geplapper zehrte mittlerweile nun doch an Lunas Nerven und am liebsten hätte sie sie mehr oder weniger höflich dazu aufgefordert, endlich zu verschwinden. Vermutlich verscheuchten sie allein durch ihre Anwesenheit und ihre Geräusche die Nargel.
So hatte das definitiv keinen Zweck mehr. Sie würde zu einem anderen Zeitpunkt wiederkommen und ihre Nargelsuche erneut aufnehmen, wenn sie nicht zu viele Zuschauer hatte.
Da sie jetzt offensichtlich keine Attraktion mehr war, entschieden sich auch die Slytherins wieder den Rückzug in die Kerker anzutreten. Nur einer blieb zurück, Blaise Zabini.

Luna kannte ihn nur recht flüchtig, beispielsweise wusste sie, dass er mehr oder weniger eng mit Draco Malfoy befreundet war und dass er Quidditch spielte. Alles in allem hatte sie also nichts mit ihm zu tun.
Deshalb musterte sie ihn auch skeptisch, als er ihr eine Hand hin hielt, um ihr von dem Hocker herunter zu helfen.
„Sag mal, glaubst du wirklich an diese Viecher?“
Entrüstet sah Luna ihn an. Wie konnte er es bitte wagen, solche Schlüsse zu ziehen? Schließlich belegte er nicht einmal mehr Pflege magischer Geschöpfe, das von Hagrid zwar recht eigenwillig aber trotzdem engagiert unterrichtet wurde.
„Das sind doch keine Viecher, das sind nur noch nicht erforschte magische Tierwesen.“
Amüsiert zog der Slytherin eine Augenbraue nach oben, während er langsam nickte.
Am liebsten hätte Luna ihn ordentlich durchgeschüttelt und ihm eine Predigt über Nargel gehalten, aber selbst sie wusste, dass das verlorene Liebesmüh gewesen wäre.
Stattdessen klemmte sie sich ihren Hocker unter den Armen, um mit schnellen Schritten in Richtung Ravenclaw-Gemeinschaftsraum zu verschwinden.
Sie würde ihre Nargel schon noch finden, nur eben nicht solange die Gänge voller Schüler waren, die sie permanent aus dem Konzept brachten.
Am besten würde sie es nach dem Abendessen noch einmal versuchen. Dann waren hoffentlich die meisten schon in ihren Gemeinschaftsräumen, um mit Freunden die angenehme Atmosphäre vor den Ferien zu genießen.


~*~


Wie immer war das Abendessen äußerst reichlich, diesmal hatte es sogar zum Nachtisch von den Hauselfen selbstgebackene Lebkuchenschlösser gegeben. Im Hintergrund spielten leise Muggelweihnachtslieder, was für ein paar Tagen, zu Beginn der Ferien, von einigen noch kritisiert worden war, aber mittlerweile schienen sich alle daran gewöhnt zu haben.
Zufrieden beobachtete Luna, wie immer mehr Schüler tatsächlich den Gang zum Gemeinschaftsraum antraten. Zeit für sie sich wieder ihren Hocker aus einem der Abstellräume zu holen, wo sie ihn deponiert hatte.
Mittlerweile wusste Luna nicht mehr, wie viele Mistel- und Tannenzweige sie bereits untersucht hatte. Aber sie würde nicht aufgeben. Nur noch ein paar, dann hätte sie den kompletten ersten Stock geschafft.
Inzwischen hatte sie
starke Rückenschmerzen und auch ihre Knie taten weh, was vermutlich am vielen Hoch- und Herunterklettern lag.
„Du gibst wirklich nicht auf, oder?“
Genervt
schloss Luna die Augen. Wieso konnte er sie einfach nicht in Ruhe lassen?
„Hast du nichts besseres zu tun?“,
fragte sie.
Grinsend zuckte Blaise mit den Schultern: „Theoretisch schon, aber es ist auch wahnsinnig amüsant, dir dabei zuzusehen, wie du auf diesem Ding herum turnst.“
„Das ist eine wissenschaftliche Untersuchung.“
„Sicher, weil es die Dinger ja auch wirklich gibt.“
Bla
ise hatte die Arme verschränkt und sah Luna schon wieder herausfordernd an.
Wenn du mich einfach in Ruhe lassen würdest, könnte ich endlich einen Nargel finden und es dir beweisen“, entgegnete sie schnippisch.
„Wie du meinst, aber ich würde dir raten,
besser in deinen Gemeinschaftsraum zu gehen, bevor du noch ein paar Hauspunkte abgezogen bekommst.“
Merlin, war es wirklich schon so spät? Luna verrenkte sich und versuchte einen Blick auf die große Uhr zu erhaschen, aber sie war leider außer Sichtweite.
Stattdessen merkte sie, wie sie plötzlich das Gleichgewicht verlor. Für einen kurzen aber trotzdem schrecklich langen Moment dachte Luna, sie würde mit voller Wucht auf den Boden fallen.
Gerade noch rechtzeitig, sie konnte schon förmlich die kalten Fliesen spüren, wurde Luna an der Taille gepackt und wieder in eine aufrechte Position gebracht.
„Na, immer langsam mit den jungen
Hippogreifen.“
Auch wenn
Blaise ihr gerade an diesem Tag oft genug auf die Nerven gegangen war, war sie doch froh, dass er sie aufgefangen hatte.
„Danke“, murmelte
Luna.
„Keine Ursache, ich helfe doch gerne jungen Damen in Nöten.“
Blaise hatte sie immer noch nicht losgelassen und um ihm ins Gesicht zu sehen, musste Luna nach oben schauen.
Er schien sie ebenso eindrücklich zu mustern wie sie ihn.
Aus der Nähe betrachtet hatte er wirklich schöne Augen.
Da
fiel Luna eine Tannennadel in seinen Haaren auf und wie aus Reflex griff sie danach. Kurz bevor sie sie errreichen konnte, wich Blaise vor ihr zurück.
„Was wird das denn, wenn es fertig ist?“
„Oh, du hast da was“, erklärte Luna und sie konnte spüren, wie in ihre Wangen warm wurden.
„Na dann, du hast offiziell meine Erlaubnis.“
Schon wieder grinste Blaise. konnte dieser Slytherin auch noch etwas anderes als grinsen?
Wieder
streckte Luna die Hand aus und zog ihm vorsichtig die Nadel aus den Haaren. Sie wollte sie gerade achtlos auf den Boden fallen lassen, als ihr die absolut winzig kleinen Beinchen auffielen.
Für einen kurzen Moment stockte Luna der Atem, dann quietschte sie laut.
Endlich, endlich habe ich den Beweis.“
Sie fiel dem völlig überraschen
Blaise um den Hals, der überrumpelt ihre Umarmung erwiderte, während sie in der Hand noch immer das kleine Tierchen hielt.
„Du verarscht mich, oder?“
Aufgeregt schüttelte Luna den Kopf und als
Blaise sich nach vorne beugte, öffnete sie ganz langsam und vorsichtig, um es nicht zu verschrecken, ihre Faust.
Einen kurzen, erschreckenden Moment lang befürchtete sie, sie hätte den Nargel umgebracht, da er keinerlei Lebenszeichen von sich gab, doch dann begann er ganz langsam ein Beinchen nach dem anderen auf ihrer Handfläche aufzustellen und ein paar zögerliche Schritte zu machen.
Schau, ich habe die ganze Zeit recht gehabt.“
Stolz
hob Luna ihre Hand noch ein bisschen näher an Blaises Gesicht, der daraufhin wieder ein Stückchen zurückwich.
„Ist
das giftig?“
„Nein, es ist einfach nur missverstanden.“
„Wie kann es missverstanden sein, wenn keiner weiß, dass es existiert?“
Milde lächelnd
konnte Luna über diese Frage nur den Kopf schütteln. Natürlich waren Nargel missverstanden, schließlich hatte keiner daran geglaubt, dass sie wirklich existierten. Aber das würde sich dank Lunas intensiver Arbeit ändern.
Endlich würde die ganze magische Welt erfahren, da
ss Nargel nichts waren, dass sie sich nur ausgedacht hatte. Und mit Blaise Zabini hatte sie direkt den perfekten Zeugen.
Anscheinend hatte Lunas Freude ihn jetzt angesteckt, dann inzwischen hatte er sich ihrem Nargel wieder genähert.
„Wir könnten
es ein wenig verzaubern, damit wir es genauer untersuchen können“, schlug er vor.
Und warum genau sollte ich bitte ausgerechnet dich mitnehmen?“
Obwohl er sie vor einem Sturz bewahrt und
ihr mehr oder weniger freiwillig dabei geholfen hatte, endlich ihr Ziel zu erreichen, war Luna sich immer noch nicht ganz sicher, was sie von dem Slytherin halten sollte.
„Immerhin hast du es auf mir gefunden. Da müsstest du das Tier ja sogar eigentlich nach mir benennen.“
Selbst wenn es noch keinen Namen hätte, würde ich es garantiert nicht nach dir benennen“, entgegnete Luna. Eigentlich war die Arroganz von Blaise schon fast zum Heulen, aber andererseits konnte sie sich über nichts mehr freuen als über ihren Fund.
„Und wie heißt es dann?“
„Das ist ein Na
rgel. Mein Vater hat schon vor Jahren versucht, seine Existenz zu beweisen“, erklärte sie.
Ja, für ihren Vater wäre das vermutlich ein besseres Geschenk, als
die Socken, die sie ihm extra aus magischer Wolle gestrickt hatte, damit die kleinen Sternchen sich auch in bestimmten Formationen drehten.

~*~


„Engorgio.“
Gebannt beobachtete Luna, wie der Nargel auf ihrer Handfläche langsam immer größer und länger wurde, bis er fast zu groß war wie eine Visitenkarte.

„Dann können wir ihn gleich viel besser untersuchen.“
Vorsichtig setzte Luna den Nargel in eine Schale, bevor sie ebenfalls wie Blaise auf einem Stuhl Platz nahm.
„Ich denke, es ist am besten, wenn wir als erstes einmal eine Beschreibung und vielleicht auch eine Zeichnung von ihm anfertigen.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, beschwor Blaise Pergament, ein Tintenfässchen und eine Feder, bevor er Luna erwartungsvoll ansah.
„In Ordnung, der Nargel hat etwa 20 Beinpärchen und ähnelt von der Farbe her einer normalen Tannennadel“, diktierte Luna ihm, während sie die Schale etwas näher an die Tischkante zog.
Sie konnte das Kratzen der Feder hören, als Blaise eifrig mitschrieb.
Eigentlich hatte Luna nicht erwartet, dass er tatsächlich mit ihr den Nargel genauer untersuchen wollte, aber den ganzen Weg zum Raum der Wünsche hatte er sich nicht abschütteln lassen, sondern war ihr wie ein Schatten gefolgt.
Um Filch, der wohl einzigen Person in Hogwarts, die nicht dem Zauber der Weihnacht verfallen war, auszuweichen, hatten sie sich mehrmals hinter beweglichen Wandbehängen verstecken müssen.
Der Nargel bewegte sich langsam in seiner Schale hin und her, gerade so dass Luna seine kleinen schwarzen Knopfaugen sehen konnte, die sie munter anblinzelten.
„Wissen wir, was er frisst?“
Blaises Frage lenkte Lunas Aufmerksamkeit wieder auf das Stück Pergament, das er in der Hand hatte. Darauf hatte er detailliert einen Steckbrief zu dem Nargel begonnen, in der Ecke prangte die versprochene Zeichnung.
„Tannennadeln.“
Von einem Zweig hatte Luna ein paar Nadeln abgemacht, die sie in die Schüssel zu dem Nargel gab.
Beinahe sofort machte sich das Tier darüber her, Luna konnte ein leises Knuspern hören und immer wieder blitzten winzige weiße Zähnchen auf.
Nach und nach füllten Blaise und Luna fast alle Kategorien aus, nur bei der Frage, ob es sich bei dem gefangenen Exemplar jetzt um ein Männchen oder ein Weibchen handelte, waren sich die beiden nicht sicher.

~*~


„Glaubst du, es gibt noch viele unerforschte Tierwesen?“
Der Nargel hatte mittlerweile seine Originalgröße wieder und Luna hatte ihn in ein kleines Terrarium umgesiedelt, sie würde ihn so schnell garantiert nicht mehr aus den Augen lassen.
Langsam nickte sie: „Ich denke schon. Es gibt ja auch so viele Gebiete, die nicht genau ergründet sind.“
„Und das willst du später nach der Schule machen? Magische Tierwesen erforschen?“
Luna hatte keine Ahnung, wieso sie jetzt über die Zukunft sprachen, aber irgendwie redete sie gerne mit ihm.
„Ja, das ist mein großer Traum.“
„Dann solltest du mich am besten mitnehmen, wie wir festgestellt haben, lieben mich Tierwesen, deren Existenz fragwürdig ist.“
Blaise zwinkerte Luna zu und schon wieder konnte sie spüren, dass sie rot wurde, während sie gleichzeitig nur die Augen verdrehte.
„Wenn es dir guttut, dass zu denken, dann bitte. Aber wahrscheinlich bist du einfach nur an einem Zweig hängen geblieben und hast einen armen Nargel seiner Heimat beraubt.“
Für einen kurzen Moment sah Blaise sie vollkommen fassungslos an, dann brach er in schallendes Gelächter aus.
„Wer hätte gedacht, dass du so eine scharfe Zunge hast?! Wie auch immer, ich bleibe bei meiner Meinung.“
Luna nickte nur lächelnd, was hatte sie erwartet? Jedenfalls nicht dass der Slytherin seine Meinung auf einmal änderte.
Blaise war inzwischen aufgestanden, Luna folgte ihm, nachdem sie sich vorsichtig das Terrarium unter den Arm geklemmt hatte. Sie wollte den armen Kerl schließlich nicht zu doll durchschütteln.
Freundlicherweise hielt Blaise ihr die Tür auf und schweigend liefen sie nebeneinander her, bis sie schließlich an einer der sich bewegenden Treppen ankamen, an der sie unterschiedliche Richtungen einschlagen mussten.
„Also, werden wir uns morgen direkt in die Gefahr stürzen und uns den Verbotenen Wald und seine wahrscheinlich faszinierenden Tierwesen vornehmen oder wirst du mir vorher deine Theorien bei einem Glas Butterbier in den Drei Besen erläutern?“
Kurz zögerte Luna, aber dann antwortete sie kurzerhand: „Erst musst du dir die Theorien anhören, ich will nicht, dass du vielleicht ein paar arme Wesen verschreckst.“
„Wie du möchtest, dann sehen wir uns morgen. Bring den kleinen Kerl mit, er wird mich bestimmt vermissen.“
„Gute Nacht.“
Blaise Zabini war manchmal unmöglich, aber es war die gute Art von unmöglich.
Morgen würde sich dann zeigen, ob Luna diese Art tatsächlich länger aushalten konnte.
Aber im Moment standen die Chancen nicht schlecht.
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