dachaigh

KurzgeschichteFantasy, Freundschaft / P16
07.02.2018
01.09.2019
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Hey,
das ist mein Beitrag zum Wichteln The Dark Side von Nymphettenliebe und ich hoffe, er gefällt.
Das war das erste Mal, dass ich nach den Vorgaben von jemand anderem gearbeitet habe und es hat wirklich Spaß gemacht.
Lg
Julie

PS: Ein ganz großes Dankeschön geht an meine Betaleserin Milestia, die mir sehr geholfen hat.

Wichtelkind: Nymphettenliebe
Charakter: Walden Macnair

Schicksalsfäden


Warm schien die Sonne auf ihn herunter. Am Himmel war kein einziges Wölkchen zu sehen und der Duft verschiedenster Blumen lag in der Luft. Sämtliches, sonst hektisches Tagesgeschehen hielt inne, um diesen perfekten Sommertag in all seiner Pracht zu bewundern.

Walden war langweilig. Es war keine einzelnen Phasen betreffende Langeweile, sondern eine, die ihn bis ins Mark erschütterte, als würde irgendetwas Essentielles in seinem Leben fehlen.

Als er noch jünger gewesen war, hatten sich seine Eltern noch des Öfteren frei genommen, um mit ihm Zeit zu verbringen, aber mittlerweile parkten sie den Neunjährigen lieber bei seinen Großeltern.

„Möchtest du etwas essen, mein Schatz?“ Über den Rand ihrer Brille hinweg sah seine Großmutter ihn sanft lächelnd an, aber Walden seufzte nur schwer, bevor er seinen Blick wieder dem Garten zuwandte.

Außer ein paar Bienen, die auf Nektarsuche umherflogen, war einfach nichts los. Deswegen zuckte er auch zusammen, als er urplötzlich die Hände seines Großvaters schwer auf seinen Schultern spürte.

Der alte Mann war nie ein Freund vieler Worte gewesen, auch jetzt sprach er nicht, sondern bedeutete Walden stumm, ihm zu folgen.

Anstatt jedoch, wie erwartet, für einen Happen Essen in die Küche geführt zu werden, schlug sein Großvater zielstrebig den Weg zu seinem Büro ein. Der einzige Raum des Hauses, den Walden noch nicht betreten, geschweige denn vollständig erkundet hatte.

Fasziniert betrachtete er die verschiedenen Glaskästen, die an der Wand hingen. Obwohl die kleinen Tierchen schon tot waren, erstrahlten ihre Flügel noch in den schillerndsten Farben. Sie wirkten, als könnten sie, sollten die Nadeln entfernt werden, direkt abheben und sich die nächste Blüte suchen.

Walden hatte sich nie für Insekten interessiert, doch das änderte sich in dem Moment, in dem ihm sein Großvater ein altes Schmetterlingsnetz in die Hand drückte.

Schon nach ein paar Tagen hatte er eine richtige kleine Sammlung an Tierchen, die er ordentlich katalogisierte.

~~~~~*~~~~~



„Was ist mit ihr passiert?“ Eigentlich müsste Walden traurig sein, seine Großmutter wischte sich bestimmt schon zum dritten Mal mit ihrem geblümten Taschentuch die Tränen weg. Suzi war jahrelang die brave, vorbildliche Katze gewesen, aber trotzdem hatte Walden sie nie wirklich gemocht.

„Muggel.“ Zu mehr ließ sich sein Großvater nicht herab. Neugierig beugte Walden sich noch ein Stück weiter über den Kadaver. Das Blut war teilweise schon getrocknet, aber Teile der inneren Organe glänzten immer noch feucht.


*



Frustriert warf Walden den Stift von sich weg. Auf seinem Stück Pergament waren nur ein paar verwischte Striche und Kringel zu sehen, definitiv nicht das Ergebnis, das er sich gewünscht hatte. Er hatte die Katze zeichnen wollen, frei aus dem Gedächtnis, aber es gelang ihm einfach nicht.


*



Bestimmt schon zwei Stunden lang lag Walden auf der Lauer, die Anleitung für die Schlinge hatte er in einem Buch seines Großvaters gefunden. Der Schweiß tropfte ihm die Stirn herunter und allmählich schliefen seine Beine ein.

Dann tapste ein geflecktes Etwas leicht schlingernd auf ihn zu. Schlagartig spannten sich Waldens Muskeln an, sein Atem stockte. Ein kleiner Schritt, ein schneller Ruck und das Kätzchen jammerte gequält.

Noch schwieriger war es allerdings, unbemerkt ein scharfes Messer aus der Küche zu stehlen.


*



Vorsichtig lupfte Walden das Geschirrhandtuch und beinahe sofort füllten sich die Kratzer wieder mit Blut. Er hätte nicht gedacht, dass sich die Katze so stark wehren würde, aber jetzt zuckte sie nicht einmal mehr.

Seine Fingerknöchel schmerzten, das Putzwasser war schon lange kalt und rötlich-braun verfärbt, als Walden damit fertig war, die Spritzer vom dunklen Fußboden zu wischen.

Dieses Mal hatte er es geschafft, eine Zeichnung anzufertigen. Sie war zwar ein bisschen blutverschmiert, aber gut erkennbar.


~~~~~*~~~~~



Das Brennen an seinem Unterarm war ein bekannter und schon oft gespürter Schmerz, einer, der in Walden direkt die Vorfreude auf das Kommende weckte.

Die Fenster des Hauses wirkten wie dunkle Löcher, nur dank eines Zaubers wussten die Todesser, dass auch wirklich jemand zuhause war. Die Tür wurde vollkommen lautlos geöffnet und auch die Schuhe der Beteiligten verursachten kaum Geräusche.

Es dauerte keine zwei Minuten, bis alle Muggel wie Schweine im Wohnzimmer zusammengetrieben waren. Ihr Lord hatte sie bereits wieder verlassen, diese Vergnügen erschienen ihm mittlerweile als zu banal und dienten nur noch der Erinnerung daran, dass etwas im Dunkeln lauerte.

Walden blendete das panische Geplapper der Muggel aus, es interessierte ihn sowieso nicht. Stattdessen dachte er an den Zauberspruch, den Severus Snape selbst entwickelt und ihm verschwörerisch auf einem schmuddeligen Stück Pergament zugesteckt hatte.

Jetzt war die perfekte Gelegenheit gekommen, um ihn wieder zu verwenden.

Vollkommen gelassen betrachtete Walden das tränenüberströmte Gesicht der Frau, inzwischen kamen von ihr nur noch halb erstickte Schluchzer, anscheinend war sie völlig erschöpft.

Das Ziehen des Zauberstabs bewirkte bei Muggeln unterschiedliche Reaktionen, diese schienen beim Zusammentreiben schon in Kontakt damit gekommen zu sein, sie zuckten ängstlich vor ihm zurück.

„Sectumsempra.“

Ihr Schmerzensschrei hallte in seinen Ohren wieder und beinahe augenblicklich sackte sie in sich zusammen, während ihr Blut den Teppich tränkte.

Im Gegensatz zu Walden hatten die anderen ihre Aufgabe kurz und schmerzlos erledigt, aber er bemühte sich, sich das sich ihm bietende Bild so gut wie möglich einzuprägen.

Es war einfach nur faszinierend zu sehen, wie langsam, aber sicher, ihre Augen immer ausdrucksloser wurden.

Wie jedes Mal war Walden der Letzte, der das Haus verließ, sogar das Dunkle Mal prangte bereits am Himmel.


~~~~~*~~~~~



Mittlerweile war Walden die Blicke gewöhnt, die man ihm im Foyer zuwarf. Sie rangierten von angewidert über misstrauisch bis hin zu hasserfüllt. Jeder hier im Ministerium kannte seine Vergangenheit und die meisten glaubten ihm seine Rechtfertigung kein Stück.

Auch sein Büro war ein Ort, der, soweit es eben ging, gemieden wurde. Selbst seinen Vorgesetzten wäre es vermutlich am liebsten, wenn sie Waldens Existenz und seinen unrühmlichen Beruf einfach vergessen könnten.

Er hingegen nahm seine Aufgabe sehr ernst und führte sie so sorgfältig wie möglich aus.


*



„Macnair, es gibt einen Auftrag.“ Brunwell hatte ohne auch nur Anzuklopfen die Tür zu dem fensterlosen Raum geöffnet, in den man mit Mühe und Not einen Schreibtisch und ein Regal gequetscht hatte.

Für einen kurzen Moment wanderte der Blick des ältlichen Mannes zu dem riesigen Beil und ein kaum sichtbarer Schauer überlief ihn.

Kaum hatte Walden den schwarzen Henkersüberwurf angelegt, überkam ihn eine tiefe Ruhe, bald würde er wieder seiner Bestimmung folgen.


*



Hogwarts, der Ort, an dem er alle seine Freunde kennengelernt hatte.

Bisher hatte Walden noch jeden Auftrag zu Ende gebracht, nur in diesem war irgendwie der Wurm drin. Erst war der Hippogreif verschwunden gewesen und als man ihn dann doch noch gefunden hatte, war er gestohlen worden. Es war zum Haare ausreißen.


~~~~~*~~~~~



Jahrelang hatte man sich vorbereitet, darauf hingearbeitet und jetzt war der Moment, den sie alle herbei gesehnt hatten, endlich gekommen. Walden konnte die Anspannung förmlich in der Luft knistern hören.

Für einen kurzen Moment fragte er sich, ob er in dieser Situation wohl ähnlich reagiert hätte wie die Schüler Hogwarts'. Im Prinzip war es nicht mehr und nicht weniger als das letzte, verzweifelte Aufbäumen eines sterbenden Tieres.

Normalerweise war er ruhig, fast schon gelassen, aber dafür war dieses Mal die Zeit zu knapp. Während andere Todesser das Schloss fieberhaft und systematisch nach Harry Potter durchkämmten, erledigte Walden einen Feind nach dem anderen.

Es musste schließlich ordentlich und präzise gearbeitet werden, wenn das Ergebnis entsprechend gut ausfallen sollte. Er selbst hatte sich nie für den Jungen interessiert.

Dann passierte etwas, was ihn komplett aus dem Konzept brachte, etwas, das er nicht eingeplant hatte. Direkt vor ihm stürzte das fette Halbblut aus einem Korridor.

Natürlich erinnerte sich Walden, so etwas vergaß man nicht einfach. Dieser Mann war der Besitzer des Hippogreifs gewesen, der einzige Auftrag, den er nie zu Ende gebracht hatte. Ein außerordentlich unangenehmes Gefühl.

Gerade wollte er sich verteidigen, wollte zumindest an der Oberfläche seines Auftrags kratzen, als er von hinten einen harten Stoß in den Rücken bekam. Wie in Zeitlupe sah er die massive Steinwand aus sich zu rasen.


~~~~~*~~~~~

Ein dumpfes, schmerzhaftes Pochen.

Sein Kopf dröhnte, ein nerviges Piepsen machte Konzentrieren unmöglich. Trotz mehrmaligem Blinzeln wurde seine Sicht nicht klarer.

Erst als Walden ein paar Mal mit fest zusammengekniffenen Augen ein- und ausatmete, schärften sich seine Sinne wieder. Das Klopfen in seinem Schädel nahm weiter zu, weswegen er sich stöhnend an den Hinterkopf fasste.

Seine Finger waren klebrig, als Walden sie wieder wegzog. Das Blut schimmerte feucht im fahlen Licht des Mondes, der seltsame Muster auf den steinernen Boden malte.

Auch vor ihm auf den staubigen Platten bildete sich allmählich eine dunkelrote Lache. In der Ferne blitzen farbige Lichter in der Dunkelheit.


*



Vorsichtig versuchte er sich hochzurappeln, aber der stechende Schmerz in seinem Bein ließ Walden direkt wieder zurücksinken. Stattdessen schaute er sich im schummrigen Dämmerlicht nach seinem Zauberstab um.

Tatsächlich entdeckte Walden das normalerweise glänzende Holz halb unter einem Stück Schutt herausschauend. In der Mitte gebrochen, etwas Rötliches aus dem einen Ende ragend und komplett außerhalb seiner Reichweite.


*



Er wusste nicht, wie lange er sich schon nicht mehr bewegt hatte, der Lärm der Schlacht war verstummt. Es war unheimlich, wo vorher noch Schreie und Lichtblitze gewesen waren, herrschte jetzt absolute Stille und Dunkelheit.

Walden kam es vor, als würde er sich in einer Blase befinden und selbst die kleinste Bewegung könnte diese zum Platzen bringen. Wie lange es wohl dauern würde, bis einer seiner Freunde ihn fand?

Der Gedanke, dass er vollkommen nutzlos herumlag, während andere ihre Aufgaben wahrscheinlich mit Bravour erledigten, war beinahe unerträglich.


*



Schritte.

Es mussten mehrere Leute sein, die gehetzt um die Ecke kamen, den Zauberstab schon hoch erhoben.

Niemand, den er kannte. Moment, vielleicht doch. Einige hatte er verhext und einige hatten versucht, ihn zu verhexen.

Ohne Rücksicht auf sein Bein zu nehmen, wurde Walden auf die Füße gehievt, bevor ein magisches Seil seine Handgelenke fest auf dem Rücken verschnürte.

„Walden Macnair, im Namen des Ministeriums sind Sie verhaftet und werden bis zu Ihrer Verhandlung nach Askaban gebracht. Alles, was Sie sagen, kann und wird gegen Sie verwendet werden.“

Nach einer kurzen Atempause stahl sich ein erschöpftes Lächeln auf das Gesicht des dunkelhäutigen Mannes.

„Es ist vorbei.“
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